Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Pay the Bubble: Wann gehört der Deal abgelehnt?

Die Fingernägel sind durchgekaut und alle verbleibenden Spieler wollen die Bubble lieber mit einem Deal beenden. Was wäre die beste Strategie für einen Big Stack in solch einem Turnier?

Die Live-Poker-Szene boomt, insbesondere in den USA. In letzter Zeit habe ich auf X (ehemals Twitter) viele Beiträge gesehen, in denen sich Spieler darüber beschwert haben, dass sie förmlich zu Deals der Sorte "Saver" oder "Pay the Bubble" gedrängt wurden. In beiden Fällen wird vereinbart, dass derjenige, der bubbelt, eine Art Trostpreis bekommt. In der Regel wird das Buy-in oder ein Mincash zurückerstattet – somit geht der Bubble Boy nicht mit leeren Händen nach Hause. Die Spieler zahlen eine Art Gebühr (aus eigener Tasche) oder die Erstattung wird vom Preisgeld des Gewinners abgezogen, um einen weiteren Platz zu bezahlen.

Das ist beim Live-Poker sehr häufig der Fall, vor allem in kleineren lokalen Casinos, wo die Stammspieler dazu neigen, sich mit anderen Spielern zu verbünden, um die Spieler mit vielen Chips unter Druck zu setzen. "Saver Deals" halten die Stimmung in einem Spiel in der Regel freundlich, aber sie kann auch kippen, wenn sich ein oder gar mehrere Teilnehmer weigern, dem Deal zuzustimmen.

Da ich es grob 300-mal erwähnt habe, werdet ihr wissen, dass ich zusammen mit Dara O'Kearney ein Buch über ICM (Endgame Poker Strategy: The ICM Book) verfasst habe, in dem wir sehr detailliert auf den Prozess des Dealmakings eingehen – auch Vor- und Nachteile von "Saver" oder "Pay the Bubble" werden dabei erläutert.

Folgendes Beispiel: Ein Turnier hat ein Buy-in von $200 und 15 Spieler sind noch im Rennen. Nachfolgend die Chipstände, die tatsächlichen Preisgelder und die aktuelle ICM-Equity der verbleibenden Akteure.

Spieler

Mögliches Preisgeld

Chips

Equity

Spieler 1

$6.000

100.000

$3.006,47

Spieler 2

$4.700

90.000

$2.852,84

Spieler 3

$3.600

80.000

$2.684,81

Spieler 4

$2.900

70.000

$2.500,14

Spieler 5

$2.300

60.000

$2.296,13

Spieler 6

$1.900

50.000

$2.069,40

Spieler 7

$1.300

50.000

$2.069,40

Spieler 8

$1.000

40.000

$1.815,55

Spieler 9

$800

30.000

$1.528,01

Spieler 10

$500

30.000

$1.528,01

Spieler 11

$500

20.000

$1.192,91

Spieler 12

$500

20.000

$1.192,91

Spieler 13

$500

10.000

$754,47

Spieler 14

$500

10.000

$754,47

Spieler 15

10.000

$754,47

Das würde passieren, wenn alle Spieler einem Saver Deal zustimmen und der Akteur, der auf Platz fünfzehn ausscheidet, den Mincash von $500 erhält – dieser Betrag geht zulasten des Gewinners:

Spieler

Mögliches Preisgeld

Chips

Equity

Spieler 1

$5.500

100.000

$2.931,99

Spieler 2

$4.700

90.000

$2.785,92

Spieler 3

$3.600

80.000

$2.625,52

Spieler 4

$2.900

70.000

$2.448,65

Spieler 5

$2.300

60.000

$2.252,72

Spieler 6

$1.900

50.000

$2.034,85

Spieler 7

$1.300

50.000

$2.034,85

Spieler 8

$1.000

40.000

$1.791,55

Spieler 9

$800

30.000

$1.519,26

Spieler 10

$500

30.000

$1.519,26

Spieler 11

$500

20.000

$1.214,67

Spieler 12

$500

20.000

$1.214,67

Spieler 13

$500

10.000

$875,36

Spieler 14

$500

10.000

$875,36

Spieler 15

$500

10.000

$875,36

Wie deutlich zu sehen ist, profitieren die Spieler mit wenigen Chips am meisten von dem Deal, insbesondere der Akteur, der aktuell auf dem letzten Platz liegt.Seine Equity hat sich um $120,86 erhöht. Ähnliches gilt für die Spieler, die zu der Zeit die letzten fünf Ränge belegen, denn auch hier ist die Equity angestiegen.

Im Gegenteil zu den zehn bestplatzierten Spielern, die allesamt Equity einbüßen. Den Chipleader trifft es am härtesten, denn die "Gebühr" für den Deal wurde vom Preisgeld abgezogen, das den Sieger erwartet. Für mich war überraschend, wie viele Spieler tatsächlich Equity durch diesen Deal verlieren.

Die Bubble-Phase nicht ungenutzt lassen

deal
Big Stacks sollten nicht dem Druck der verbleibenden Spieler beugen

Nicht nur die Spieler mit vielen Chips sollten einen Saver Deal ablehnen, auch Akteure im Mittelfeld sollten ganz genau darüber nachdenken. Insbesondere in der Bubble-Phase bieten sich gute Chancen, um viele Chips zu generieren, besonders von den Spielern, die unbedingt einen Deal wollten. In dieser Zeit können Big Stacks die Kontrahenten massiv unter Druck setzen und sich damit mehr oder minder einen Platz auf dem Treppchen garantieren.

Short Stacks hingegen sollten einem Saver Deal immer zustimmen, auch für Spieler, die sich im Mittelfeld befinden, kann es sinnvoll sein, obwohl dadurch Equity verloren geht. Sollten die Spieler, die mehr Chips haben, sehr aggressiv spielen, verliert man Schritt für Schritt Chips, weil man sehr häufig seine Hände aufgeben muss – so geht mehr Equity verloren, als wenn man einem Deal zustimmt.

Saver Deals haben aber auch ein unangenehmes soziales Element, besonders in lokalen Casinos, wo sich einige Spieler zusammentun, um die Big Stacks von einem Deal zu überzeugen. Sofern man nicht um seine Sicherheit sorgt, sollte der soziale Druck die Entscheidung nicht beeinflussen und der Deal abgelehnt werden. Solch heiklen Situationen kann man vorbeugen, indem man sagt, dass man einen Staker hat und dieser der Vereinbarung nicht zustimmen würde. Dadurch wird man immerhin nicht unmittelbar zum Bösewicht.

Die Bubble ist die wichtigste Phase eines Turniers und Spieler mit vielen Chips dürfen die Chance, Druck auszuüben und noch mehr Chips zu generieren, auf keinen Fall ungenutzt lassen. Daher sollten Big Stacks sich nicht dem Druck der anderen Akteure beugen!

Endgame Poker Strategy: The ICM Book

Was haltet ihr von derartigen Deals an der Bubble? Wir freuen uns auf eure Kommentare!