Schlechte Gewohnheiten ablegen
Endspurt im Jahr 2025 und Jared Tendler hat die richtigen Tipps für auf Lager, um schlechte Gewohnheiten in Sachen Poker jetzt abzulegen!

Einige Bereiche bei der Arbeit am eigenen Mental Game erfordern eine Veränderung von Gewohnheiten. Das Grundlegendste dabei ist, wie man überhaupt an die Sache herangeht. Nach meiner Erfahrung möchten viele Spieler ihr Mental Game verbessern, ohne tatsächlich Zeit darin zu investieren und aktiv daran zu arbeiten. Doch das funktioniert nicht.
Natürlich gibt es noch viele andere schlechte Gewohnheiten, die Sie haben könnten – beispielsweise das Auslassen von Teilen der Vor- und Nachbereitungsroutinen oder das vollständige Überspringen derselben, Schlampigkeit bei der Ausführung oder das Zulassen von Ablenkungen, die die Konzentration beeinträchtigen.
Die Liste ist zu lang, um sie vollständig aufzuführen, doch jeder kennt seine eigenen schlechten Gewohnheiten. Sie sind feste Bestandteile des C-Games und es gibt reichlich Beweise dafür, dass sie dem eigenen Erfolg im Weg stehen und einen daran hindern, die Ziele zu erreichen.
Beim Korrigieren schlechter Gewohnheiten ist es wichtig, zuerst zu unterscheiden, ob sie durch ein Disziplinproblem oder ein emotionales Problem verursacht werden.
Emotionale Probleme sind keine schlechten Gewohnheiten, die einfach neu trainiert werden können. Wenn man sie wie ein Disziplinproblem behandelt und mit Strategien korrigieren will, die eigentlich der Verbesserung der Disziplin dienen, verschlimmert man die Situation nur.
Emotionale Probleme vs. Disziplinprobleme

Das Korrigieren eines Disziplinproblems erfordert, mentale Stärke und Ausdauer im Umgang mit einer schlechten Gewohnheit aufzubauen. Doch bei einem emotionalen Problem führt das zu einem Druckkessel-Effekt: Anstatt die emotionale Reaktion zu korrigieren, wird sie unterdrückt und schließlich so stark, dass der Geist überfordert ist. Der Damm bricht, die Emotionen überfluten den Verstand und es folgen gravierende Fehler, Verluste und Rückschläge.
Darum ist es so wichtig, beim Analysieren des eigenen C-Games klar zu erkennen, welche schlechten Gewohnheiten tatsächlich emotional bedingt sind. Emotionale Probleme erfordern eine tiefere Analyse, um die eigentliche Ursache zu identifizieren – etwas, das sich mithilfe der Mental Hand History (MHH) erarbeiten lässt.
Nachdem Fortschritte im Umgang mit emotionalen Reaktionen erzielt wurden, zeigt sich manchmal, dass zwar keine starken Emotionen wie Angst, Frustration oder Euphorie mehr auftreten, aber bestimmte schlechte Gewohnheiten weiterhin bestehen. In diesem Fall wurde die emotionale Reaktion zwar bereinigt, aber die richtige Handlung noch nicht trainiert, etwa das Folden am River, wenn klar ist, dass man im Hintertreffen ist.
Auch wenn die emotionalen Belastungen in diesen Situationen abgebaut sind, müssen die Gewohnheiten dennoch durchbrochen werden.
Oder es handelt sich tatsächlich um reine Disziplinprobleme, wie etwa Ungeduld, Aufschieberitis oder Ablenkbarkeit, die zu Gewohnheiten geführt haben, die früher vielleicht keine großen Konsequenzen hatten, aber inzwischen kostspielig geworden sind.
„Wir steigen nicht auf das Level unserer Erwartungen, wir fallen auf das Level unseres Trainings.“ – Archilochus
Bei solchen Gewohnheiten gab es wahrscheinlich Phasen, in denen sie kurzzeitig durchbrochen wurden, ein typischer Auslöser dafür sind Neujahrsvorsätze.
Viele Menschen nutzen die Inspiration eines neuen Jahres, um die Probleme des vergangenen Jahres hinter sich zu lassen. Doch das ist nur eine kurzfristige Lösung. Die Magie des Jahreswechsels mag wie eine Reinigung wirken, doch sobald die Motivation nachlässt, kehren die alten Muster zurück.
Leider sterben schlechte Gewohnheiten tatsächlich nur schwer.
Wie man schlechte Gewohnheiten bricht

Die MHH ist ein Werkzeug, das sich hervorragend eignet, um emotionale Probleme zu analysieren, die einem im Weg stehen. Wenn es darum geht, schlechte Gewohnheiten abzulegen, wird die MHH leicht angepasst, bleibt aber im Grundprinzip gleich: Es geht darum, Schritt für Schritt Fortschritte zu machen.
Manchmal werden schlechte Gewohnheiten nur deshalb als „schlecht“ empfunden, weil man sich gerade in einem Verbesserungsprozess befindet. Diese Gewohnheiten stellten früher möglicherweise sogar das eigene A-Game dar. Sie sind also nicht unbedingt falsch – nur überholt. Und da sich das eigene A-Game weiterentwickelt hat, halten sie nun zurück.
Um sie wirklich zu brechen, muss man verstehen, warum sie einem früher gedient haben, und die Logik dahinter analysieren. Danach gilt es zu prüfen, warum diese Logik im aktuellen Verständnis fehlerhaft ist.
Manchmal ist die Korrektur bereits bekannt. Es gibt einen klaren Prozess. Im A- und B-Game treten diese Fehler nicht auf, also kann die Lösung einfach darin bestehen, besser vorbereitet zu sein und die Korrekturen konsequenter umzusetzen. Manchmal muss man auch einfach härter an sich arbeiten, mehr Kontrolle, Überzeugung und den Willen zur Veränderung entwickeln. Finde einen Weg, um „weniger schlecht“ zu sein.
Oder es besteht einfach ein gewisses Maß an Bequemlichkeit – die Hoffnung, dass sich das Problem von selbst erledigt.
Doch Hoffnung reicht nicht aus. Es erfordert aktives Arbeiten und fokussiertes Üben, um Unbewusste Kompetenz zu erreichen. Solange man sich noch in den frühen Phasen des (erneuten) Trainings einer Gewohnheit befindet, bleibt man anfällig für Rückschritte.
Wenn trotz Bemühungen weiterhin Rückfälle auftreten, gibt es möglicherweise Elemente, die noch nicht vollständig verstanden oder kontrolliert werden. In diesem Fall lohnt es sich, mithilfe der MHH nach tieferliegenden emotionalen Ursachen zu suchen.
Abschließend lohnt sich ein Blick auf das Buch Atomic Habits von James Clear, das sowohl mir als auch vielen meiner Klienten sehr geholfen hat.