Selbststudium: Wie oft hat der Gegner ein Ass?
Man erhöht mit Königen, aber natürlich bringt der Flop direkt ein Ass. Wie häufig haben die Gegner in diesem Fall aber tatsächlich selbst ein Ass auf der Hand?
In meiner neuen Serie "Selbststudium" werde ich versuchen, knifflige Spots in Eigenregie zu lösen und im Anschluss einen Solver zurate zu ziehen, um herauszufinden, was tatsächlich der korrekte Lösungsweg ist.
Es frustriert mich immer wieder aufs Neue, wenn ich preflop mit einem starken Paar wie Damen oder Königen raise, aber der Flop direkt ein Ass mit sich bringt. Hände wie diese flatte ich teilweise in früher Position auch nur mit der Hoffnung, dass ein Spieler hinter mir ein Squeeze auspackt. Sollte auf dem Flop nun ein Ass liegen, ist mir bewusst, dass ich trotzdem sehr oft selbst anspielen sollte, anstatt dass ich versuche, meine Gegner bluffen zu lassen.
Um mir das Leben leichter zu machen, ist es wichtig, eine ungefähre Vorstellung zu haben, wie oft meine Gegner in diesem Fall tatsächlich ein Ass auf der Hand haben - dank der vielen Pokersolver ist das kein Problem. Nach meiner subjektiven Wahrnehmung haben meine Kontrahenten in diesem Fall immer ein Ass, daher kann es nicht schaden, eine Bestätigung für meine Annahme zu bekommen.
Hier ein simples Beispiel: Das ist die GTO-Raising-Range von dem Spieler UTG mit 40 Big Blinds effektiv:

Diese Hände sollte der Big Blind nach GTO verteidigen:

In meinem Beispiel ist der Flop AT2
Am besten lassen sich die beiden Ranges mit dieser Grafik veranschaulichen. Die grünen Quadrate sind starke Hände, die roten Quadrate sind schwache Hände, die orange/gelben Quadrate sind mittelstarke Hände.

Auf diesem Board sollte der Big Blind immer checken und UTG spielt den Flop in den meisten Fällen an. Allerdings checkt der Spieler under the gun normalerweise Hände wie Buben, Damen oder Könige. Diese Kombinationen werden nur von stärkeren Kombinationen gecallt und lassen sich besser als Buff-Catcher spielen.
Wenn man sich die Grafik anschaut, sieht man, dass UTG eine deutlich stärkere Range hat - viele grüne Kombinationen und nur sehr wenig schwache Hände. Der Big Blind hat sehr viele schwache Hände. Es kann hilfreich sein, dies im Hinterkopf zu behalten, wenn man das nächste Mal beispielsweise mit Königen in diese Situation kommt. Das Ass sieht furchterregend aus, aber in den meisten Fällen hat der Big Blind eine sehr weite Range, die den Flop häufig komplett verfehlt hat. Daher sollte man trotzdem versuchen, Geld in die Mitte zu bekommen - in diesem Fall aber, um den Gegner im weiteren Verlauf der Hand bluffen zu lassen.
In diesem Beispiel hat der Big Blind in 15,4 % der Fälle ein Ass. Ansonsten wird die Range des BB von Königen dominiert. Der Spieler UTG hat hingegen in 26,9 % der Fälle das Ass getroffen.
Dies ist nur ein Beispiel, aber ich habe das gleiche Experiment mit einer Reihe von weiteren Kombinationen und Set-Ups getestet. Im Großen und Ganzen galt das gleiche Prinzip. Der Aggressor vor dem Flop hatte in mehr als 27 % der Fälle Top-Paar, der verteidigende Spieler mit einer weiten Range traf in weniger als 20 % der Fälle das Top-Paar - in Single-Raise-Pötten noch seltener.
All dies setzt voraus, dass der Gegner eine korrekte Range spielt. Natürlich sollte man die Prozentsätze an verschiedene Kontrahenten anpassen. Gegen eine Calling-Station ist die Wahrscheinlichkeit niedriger, gegen einen tighten Spieler dementsprechend höher. Eine gute Strategie für Hände wie Damen oder Könige ist es, gegen loose Spieler häufig den Flop anzuspielen und tighte Gegner bluffen zu lassen.
Wie arbeitet ihr abseits der Tische an euerem Spiel? Wir freuen uns auf eure Kommentare!