Selbstversuch: Die komplette Range rein mit 15BB?
Barry Carter weiß, dass eins seiner größten Leaks ist, dass er mit kleinen Stacks zu häufig mit der kompletten Range All-In geht. Ein Solver soll sein Spiel nun verfeinern...
In meiner neuen Serie "Selbstversuch" versuche, knifflige Spots in Eigenregie zu lösen und im Anschluss einen Solver zu Rate zu ziehen, um den tatsächlich korrekten Lösungsweg zu finden – zumindest wenn es um das spieltheoretisch Optimum geht.
Insbesondere das Spiel mit einem Stack zwischen 12 und 16 Big Blinds ist in Turnieren enorm wichtig, daher will ich unbedingt daran arbeiten, denn ich neige häufig dazu, einfach mit meiner gesamten Range All-In zu gehen. Sicherlich ist das eine durchaus effektive Strategie und ich denke, dass ich die korrekten Kombinationen pushe – aber ich ahne, dass ich mehr aus meinen Händen herausholen könnte, wenn ich hier und da auch mal einige Openraises einbauen würde.
Daher dachte ich mir, dass es ein guter Anfang wäre, wenn ich mir einige Openraises eines Solvers mit einem solchen Stack ansehe und dann versuche zu ergründen, warum er tut, was er tut. Das hier wäre eine Range für UTG+1 mit effektiv 14 Big Blinds:

Hier gibt es schon eine Menge zu erkunden. Die Limps sind sehr interessant. Dara O'Kearney gab einige Ratschläge zum Limpen, schlug aber letztendlich vor, sie als ein Minraise zu spielen. Die Hände, die am häufigsten limpen, sind Hände, mit denen man gerne einen Flop sieht, die man aber gegen ein Raise getrost folden kann. Hände wie K9s und Q9s werden zum Beispiel meist gelimpt. Es ist gut, einen Flop zu sehen, aber es ist nicht tragisch, sie zu folden. Hände wie beispielsweise QJs ablegen zu müssen, würde einem deutlich schwerer fallen.
Vielleicht ist der beste Grund zu limpen, dass man auch Zehner bis Asse limpen kann – Hände, mit denen man sehr gerne einen Shove kassiert.
Die Minraises folgen einer ähnlichen Strategie. Es sind die besten Hände wie AA-TT und suited Asse, aber auch Hände, die gut floppen, aber gegen einen Shove gefoldet werden können - beispielsweise T9s. Es scheint, dass die Openraises die gleiche Kategorie von Händen sind wie die Limps, aber stärker, weil sie mehr in den Pot einzahlen.
Die Shoves sind das, was mich überrascht hat. Ich hatte immer das Gefühl, dass All-Ins meist Hände mit guter Raw-Equity sind, die aber nach dem Flop schlecht ihre Equity realisieren. Das ist hier bei den kleinen Paaren, wie Pocket 55 bis 99, der Fall. Mit starke Händen, die aber nach dem Flop meist schwer zu spielen sind, ergibt es Sinn, preflop All-In zu gehen.
Die größte Überraschung war aber, dass die besten Suited-Broadway-Hände All-In gehen und die Offsuit-Kombos raisen: JTs bis KJs shoven, JTo bis KJo wird geraist. Ich gehe davon aus, dass eine Hand wie KT suited als Raise gespielt wird, weil sie gut floppen kann – KT offsuited hingegen nicht.
Ich denke, die Antwort auf dieses Rätsel ist die Stacksize. Ich gehe davon aus, dass KJs-JTs shoven, weil sie gegen eine mögliche Calling-Range besser performen, selbst gegen Hände wie beispielsweise KQ oder AK. KJo oder QJo kann man gegen ein All-In vor dem Flop getrost folden, trifft man aber ein Paar, wandern mit diesen Kombinationen die wenigen verbleibenden Chips in die Mitte.
Um die Frage zu beantworten - so reagiert der Big Blind auf ein Openraise:

Und so wird gegen ein All-In gespielt:

Blicken wir zuerst auf die Calling-Range gegen ein All-In: Es wird sehr tight gecallt und Hände wie QJo performen gegen diese Range sehr schlecht. Suited-Broadway-Kombinationen stehen gegen Pocket-Paare gut dar, gegen Hände mit einem Ass solide, denn man hat noch die Chance eine Straße oder einen Flush, gegen bessere Hände zu treffen.
Der Big Blind hingegen callt ein Minraise mit einer sehr weiten Range. Kombinationen wie QJo oder JTo performen, wenn sie gegen die Calling-Range auf dem Flop ein Paar getroffen haben, sehr ordentlich. Gegen einen Reshove hingegen wandern diese Hände in den Muck. Diese Range wird gegen ein All-In des Big Blinds gecallt:

Wie erwartet, werden nur sehr starke Hände gegen ein All-In gecallt. Hände von denen ich im Vorfeld ausgegangen bin, dass sie als Shove gespielt werden, sind tatsächlich Raise-Folds.
Das war eine wertvolle Lektion. Mit unseren besten Händen sollte man entweder raisen oder limpen. Dazu werden Hände gemischt, die sich solide spielen lassen, aber auch einfach zu folden sind: Die Range ist polar (die besten Hände und einige Bluffs). Die Hände, die shoven, sollten gute Hände mit viel Equity und Pocket-Paare sein, denn insbesondere kleine Paare lassen sich nach dem Flop nur sehr schwer spielen. Damit besteht die Range, mit der man preflop mit wenigen Big Blinds All-In geht, aus mittelstarken Händen.
Wie arbeitet ihr abseits der Tische an euerem Spiel? Wir freuen uns auf eure Kommentare!