Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Special: KTU's Friendly Cyborg System

Nachdem KTU zu Gast bei Paxis' Stammtisch war und die beiden über die sinnvolle Nutzung von Technologie sprachen, hat KTU uns nun einen ausführlichen Guide zum Thema verfasst!






Arne alias KTU hat einen wunderbaren Beitrag im Forum verfasst und uns erlaubt diesen für euch in drei Teilen auch in den News zu veröffentlichen. Viel Spaß mit KTU's Friendly Cyborg System!

Evolution Technology

KFCS ist mein Ansatz, um mit Hilfe von Computern mein Leben zu verbessern. Es ist dabei nicht nur auf die theoretische Konstruktion und Beschreibung von Tools beschränkt, sondern legt auch Wert darauf, die Systeme über die Zeit hin zu beobachten und zu verbessern. So wie ich ein Framework zur Verbesserung im Pokern gebaut habe, baue ich jetzt ein allgemeineres Framework, um alle möglichen Probleme und Strategien zu analysieren. Core-Technologien sind hierbei Emacs, Python, Bash, SQL und Linux. Mein Ziel ist es, diese Technologien auch Menschen beizubringen, die mit Programmieren eigentlich nichts am Hut haben. Meiner Erfahrung nach kann man bereits mit relativ bescheidenen Programmierkenntnissen enorm viel Spaß haben und seine Resultate verbessern.

Aus Faulheit und historischem Kontext, fange ich damit an, was bei meiner Interaktion mit Computern von 2009 bis 2015 schief gelaufen ist. Die Lösungen für die dabei identifizierten Probleme sind der Ursprung von KFCS.

Direkt zum Beitrag von KTU im Forum

Gefahren der unbedachten Computernutzung

Dump it

Computer erweitern unsere Fähigkeiten und Möglichkeiten beträchtlich. Unbedachte Nutzung kann allerdings zu verringertem Fokus, ungesundem Halbwissen, Nutzung des Gehirns zur massiven Verarbeitung irrelevanter Informationen, Datenverlust, Depressionen, Stress und Kommunikation von niedriger Qualität führen. Diese Effekte sind so stark, dass ohne entsprechende Ausbildung low-tech Prozesse wie "Denken mit Papier und Stift", "Lernen mit Büchern" und "Herstellung von gedruckten Fotobüchern", Prozessen am Computer überlegen sind. Es gilt jene Systeme und Effekte zu identifizieren, die uns schaden.

Beschränktheit der menschlichen Natur

Da Computer eigentlich eine positive Erfindung sind, haben die negativen Konsequenzen mehr mit unserer konkreten Nutzung zu tun als mit der Technologie selber. Diese hängt stark mit den bekannten menschlichen Schwächen zusammen: Die menschliche Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit ist beschränkt. Zudem sind Menschen nicht gut darin, an mehreren Aufgaben gleichzeitig zu arbeiten und mit ihrem Fokus zwischen sehr unterschiedlichen Themen hin- und herzuspringen. Ebenso können wir nicht beliebig viele Informationen verarbeiten, da Nachdenken Energie kostet. Menschen mögen es Dinge und Dienstleistungen zu beziehen ohne dafür zu bezahlen.

Chill Hippie
Geringe Ernsthaftigkeit und Fokus können fatale Folgen haben

Wir fühlen uns oft zu Tätigkeiten hingezogen, die uns im Moment Freude bereiten, aber keinen positiven Effekt auf unsere langfristigen Ziele und Intentionen haben und uns damit sogar unter dem Strich unglücklicher machen. Weiter sind wir soziale Wesen und darauf programmiert darüber nachzudenken, was Andere von uns denken. Kreativität und geistige Leistungsfähigkeit sind eng mit Neugier verkuppelt: die Fähigkeit den Fokus schweifen zu lassen und ohne Erwartungen und Ziele neue Dinge zu erschließen und zu lernen, ist die wichtigste Komponente im gesunden Lernprozess. Fokus ist jedoch ein schmaler Pfad und auf beiden Seiten geht es steil bergab. Zu strenger und starrer Fokus führt zum Stereotyp des humorlosen Buchhalters, während zu wenig Fokus uns in Richtung des langhaarigen nutzlosen Philosophiestudenten führt. Nur mit dem richtigen Verhältnis zu Fokus, kann man sich zu einem coolen und fähigen Menschen wie GEM entwickeln. Technologie, die Einfluss auf unseren Fokus nimmt, sollte bewusst ausbalanciert sein.

Die besten Videos von KTU

Aufmerksamkeit

"Imagine yourself in the middle of a parking lot. Filled not with cars, but people. People everywhere. Every square inch is packed with thousands upon thousands of humans. All of them shouting to get your attention -- about a wide variety of topics -- all at once. That's what the internet has become." - Bryan Lunduke

Wir geben nicht gerne Geld aus, sind neugierig, aber limitiert in unseren geistigen Fähigkeiten. Firmen verdienen gerne Geld und darum haben sich die folgenden Strategien entwickelt:

  • Firmen kämpfen um unsere Aufmerksamkeit und Zeit, so dass sie uns möglichst viel Werbung anzeigen können. Dafür werden sie gut bezahlt. Aufmerksamkeit lässt sich leider besonders gut mit reißerischer, minderwertiger (im informationstheoretischen Sinne) und personalisierter Information gewinnen.
  • Firmen kämpfen um unsere Aufmerksamkeit und Zeit, um uns direkt etwas zu verkaufen.
  • Firmen kämpfen um unsere Aufmerksamkeit und Zeit, damit wir mit ihren Produkten "engaged" sind. Schließlich werden heute die meisten Werkzeuge als Service verkauft, so dass man monatlich dafür bezahlen muss. Darum muss der Nutzer des Werkzeugs mit spannenden Roadmaps, inspirierenden Artikeln und Communities permanent für seine To-Do-Listen-App begeistert werden. Dies erhöht die Chance ihm die gleiche To-Do-Liste mehrfach zu verkaufen. Dazu kommen noch Menschen, die sich an Aufmerksamkeit von wildfremden Menschen erfreuen, wie z.B. der Autor dieser Zeilen. Das kann zu weiterer Ablenkung führen.

Lösung: Wichtig ist, sich im Klaren darüber zu sein, was man mit seinem Tag anstellen möchte und dann zu entscheiden, was die eigene Aufmerksamkeit verdient. Beim Arbeiten empfiehlt es sich möglichst ablenkungsfreie Umgebung zu schaffen. Es ist hilfreich zu tracken, wie oft und wann man sich ablenkt, so dass man Verhalten iterativ über die Zeit verbessern kann.

Soziale Interaktion am Computer

Der Austausch am Computer mit anderen Menschen durch Kommunikation in Systemen ohne Reputations oder Filtersystem birgt viele Gefahren. Da Menschen stets ihr eigenes Image im Sinn haben, ist die Kommunikation zu Vielen auch immer Self-Marketing. Self-Marketing versucht überproportional einen positiven Eindruck des eigenen Lebens zu vermitteln. Das führt dazu, dass normale Menschen, die 15% ihrer Zeit eher unglücklich, 65% neutral und nur 20% glückselig sind, depressiv werden. Es wird durch den Vergleich mit Anderen das Bedürfnis nach mehr Glück geweckt, was dann zu unbewussten Trugschlüssen, Sehnsüchten und Fehleinschätzungen führt. Das Fehlen eines Reputationssystems führt zu geringer Informationsqualität und emotionaler Hexenjagd. Der Diskurs wird gestoppt und Menschen hassen und bewerten Meinungen, statt wissenschaftlich zusammen ein komplexes Thema aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten und die komplizierten Trade-Offs herauszuarbeiten. Self-Marketing in Verbindung mit Gruppenbildung spielt auch hier eine zentrale Rolle.

Depressed Milhouse
Nicht aufgeben...

Lösung: Vor allem auf Systeme setzen, wo man selber entscheidet, mit wem man redet oder in welchen ein Reputationssystem existiert, dass die allgemeine Diskussionskultur fördert, wie z.B. Stackoverflow. Foren, Facebook, Twitter sind hingegen nicht zu empfehlen. Ein relativ gutes verstecktes Reputationssystem ist die Diskussion von Beiträgen hoher Qualität. Die Diskussionen in den Kommentaren zu einem als gut empfundenen Artikel und Video sind häufig sehr wertvoll. Der Filter ist hier, dass die Teilnehmer an der Diskussion sich mit dem Content auseinandergesetzt haben.

Lernprozess

Viele Produkte sind auf maximale Einfachheit konzipiert, damit möglichst viele Nutzer für ein Produkt bezahlen. Eine geringe Einstiegshürde ist nicht zwangsläufig schlecht, führt aber in der Praxis oft dazu, dass das Potential limitiert ist. Schenkt man einem Kind einen Roboter mit 15 Funktionen, dann hat es am Anfang viel Spaß, aber lässt ihn nach kurzer Zeit bereits in der Ecke liegen. Fängt das Kind dagegen an sich für Legotechnik zu begeistern und mit Sensoren und Motoren seine eigenen Maschinen zu entwickeln, hält der Spaß und das Lernen sehr viel länger an.

Lösung: Vermeide Apps, die es nicht erlauben Daten zu exportieren und keine APIs zur Verfügung stellen. Dann ist man dem UX Designer der App ausgesetzt und kann die Funktionalität auch nicht elegant in seinen eigenen Workflow integrieren. Es gibt für fast alle Apps meistens sehr gute Open-Source Alternativen. Wenn man seine eigenen Systeme entwickelt, nutzt man diese auch deutlich mehr und wird kreativer, weil das Gehirn merkt, dass es Dinge wieder selber versteht und ändern kann.

KTU und Paxis beim Stammtisch im Re-Live

KTU Paxis Stammtisch
Poker-Philosophen - Paxis und KTU in Aktion