Spielen bestimmte Nationen besser Poker als andere?
Sind Franzosen loose, Briten dafür Nits? Und die Deutschen bessere Spieler als alle anderen? Eine nicht ganz ernst gemeinte Herangehensweise an Poker-Stereotypen, die uns an den Tischen immer wieder begegnen.
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In den letzten Wochen wurde eine Serie mit Handanalysen veröffentlicht, in der wir die PokerStrategen dazu aufforderten, über die besten Entscheidungen auf den verschiedenen Straßen einer Hand abzustimmen.
Die Hände wurden in fast allen der von PokerStrategy.com angebotenen Sprachen zur Diskussion gestellt und wir fanden heraus, dass es bemerkenswerte Unterschiede zwischen Spielern bestimmter Regionen in der Herangehensweise an die Hände gab. Einige Nationen waren deutlich aggressiver oder passiver als andere.
Natürlich sollten wir eine Person nicht aufgrund ihrer Herkunft beurteilen. Auf der anderen Seite: Wer von uns kann wirklich von sich behaupten, dass er es am Pokertisch noch nicht gemacht hat? Wie viele von uns können wirklich ernsthaft sagen, dass sie noch nie mit der Maus über den Avatar eines Gegners gefahren sind, um zu sehen, dass der Gegenspieler aus Deutschland, Russland oder Italien kommt, und dass das dann unsere Entscheidung nicht ein klitzekleines bisschen beeinflusst hat?
Sind russische Spieler Roboter?

Heute nehme ich eher an, dass ein deutscher Spieler einfach nur sehr, sehr gut ist. Es scheint, als gewännen die Deutschen überall: im Poker, bei der Weltmeisterschaft, in der Wirtschaft, und so weiter.
Russische Spieler werden manchmal als robotisch abgestempelt. Man kann dies auf zwei Weisen interpretieren: Einmal im Sinne von massenhaftem Multi-Tabling und starrem ABC-Poker, aber auch als robotisch im Sinn von Vorwürfen, man spiele tatsächlich gegen einen Bot. Ich denke, am Ende ist es genauso wie beim deutschen Stereotyp ein verdecktes Kompliment. Wenn die Russen verdächtigt werden, dass sie einen sehr soliden Stil spielen, dann wird da auch was dran sein.
In unserer Untersuchung waren sowohl deutsche als auch russische Spieler generell eng am Durchschnitt, mit einer kleinen Tendenz hin zur tight-aggressiven Seite.
Sind alle französischen Spieler loose-passive?

In unserer Untersuchung wurde dieses Vorurteil nur bedingt bestätigt. Französische Spieler foldeten zwar seltener als der Durchschnitt, dafür aber raisten sie deutlich häufiger als dass sie nur callten. Sie waren dabei grundsätzlich zusammen mit den Polen die aggressivsten Spieler. Spanische Spieler waren dagegen unter den passivsten: Sie entschieden sich seltener für eine Coninuationbet oder ein Reraise am Turn.
Ich bin Brite und mir der Vorurteile uns Briten gegenüber sehr wohl bewusst: Wir sind Nits und jammern ständig über Bad Beats. Was soll ich dagegen vorbringen? In der Untersuchung der Abstimmungsergebnisse waren die britischen Spieler von allen Communities tatsächlich diejenigen mit der zweitniedrigsten C-Bet-Häufigkeit.
Gewinnen die Deutschen häufiger als alle anderen?

Wenn man seit 2006 einen Spieler aus den Vereinigten Staaten an seinem Tisch sah, konnte man stark davon ausgehen, dass es sich um einen guten Spieler handelte. Dies liegt nicht etwa daran, dass die US-Amerikaner talentierter wären. Vielmehr hat der UIGEA die meisten Freizeitspieler aus dem US-Online-Markt gedrängt. Nur die besten amerikanischen Spieler, die vom Spiel lebten, waren darauf vorbereitet, weiterhin bei den großen Pokerräumen zu spielen.
Ich denke nicht, dass man heute noch zu genaue Schlüsse von der Nationalität eines Spielers im Hinblick auf dessen Stärke ziehen sollte. Die vielfach verfügbaren Informationen über das Pokerspiel haben für ein immer ausgeglicheneres Spielerfeld gesorgt und jeder Spieler hat mittlerweile Zugang zu den Informationen, die er benötigt, um besser zu werden.
Vielleicht gibt es noch wenige Informationen, die wir von der Nationalität eines Spielers ableiten können, aber sie sind nur sehr klein und werden von Tag zu Tag weniger. In erster Linie dienen die bekannten Stereotypen wohl nur noch dazu, um sich gegenseitig ein wenig zu sticheln. Genau so, wie es während der Weltmeisterschaft der Fall war.
Welche Vorurteile habt ihr, wenn ihr über Spieler bestimmter Nationalitäten am Pokertisch nachdenkt? Können diese irgendeinen Nutzen darstellen, oder haltet ihr es für falsch, Spieler auf diese Art zu kategorisieren? An welche Vorurteile glaubt ihr im Bezug auf Poker? Teilt eure Meinung in den Kommentaren mit.
Barry Carter ist Redakteur bei PokerStrategy.com und Co-Autor von 'The Mental Game of Poker 1 & 2'. Er arbeitet seit neun Jahren in der Pokerbranche und wurde im Jahr 2013 mit einem APAT-Award in der Kategorie "Best Poker Media Provider" ausgezeichnet. Mehr über Barry erfahrt ihr hier.
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Barry Carter