Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Tackleberry im Weekend-Interview

Wir haben unseren Coach Tackleberry zum Interview getroffen und mit ihm über seine "Uhrensucht", Zeitmanagement und GTO gesprochen.

Tackleberry Interview Bild 1

PokerStrategy.com: Was ist deine Lieblingsuhr?

Tackleberry: Haha, wenn das als einfache Einstiegsfrage gedacht sein sollte, habt ihr gründlich versagt! Ich "liebe" alle meine Uhren und meine Lieblingsuhr wechselt ständig.

Es gibt lediglich einige Uhren, die konstant häufiger auf die Shortlist kommen, wenn ich morgens aufstehe und auf meine Sammlung schaue. Als da wären meine Rolex Submariner Nodate, der Chronoswiss Regulateur sowie die legendäre Omega Speedmaster Professional (Moonwatch). Alles Uhren, die man sowohl zum Anzug als auch zur Jeans tragen kann. Und wenn es mal richtig "ruppig" wird, leistet mir meine Seiko Diver großartige Dienste.

Nie wirklich vergessen werde ich natürlich auch meine "Einstiegsdroge", eine Poljot Navitimer, ein russisches Fabrikat, der Breitling nachempfunden. Hat mich seinerzeit 450 Euro gekostet - und zwei Monate Überwindung, ob es "vernünftig" ist, so viel Geld für eine Uhr auszugeben. Heute kaufe ich mir für das Geld ein Armband! Naja, ganz so schlimm ist es nicht, aber es ist schon ein teures Hobby. Aber ein schönes.

PokerStrategy.com: Du denkst sehr tiefgründig über Poker nach. Hast du auf PokerStrategy.com interessante und gute Spieler kennengelernt mit denen du auf einer Wellenlänge über Poker sprechen kannst? Wenn ja, wie hast du Kontakt zu diesen Spielern geknüpft?

Tackleberry: Wir "betreiben" ja eine Skype-Trainingsgruppe mit sechs Personen und alle sind natürlich auch langjährige Pokerstrategen, einige davon Coaches. Zusammengefunden haben wir auf unterschiedlichen Wegen. Größtenteils hat die Forenarbeit den Erstkontakt hergestellt, dann folgten Skypekontakte, regelmäßiger Austausch und schließlich die Arbeit in der Gruppe. Die Gruppe besteht nunmehr seit über fünf Jahren, die längsten kenne ich seit fast acht. Daher kann ich weiterhin nur jedem empfehlen, sich aktiv im Strategieforum zu engagieren. Der Mehrwert ist in vielerlei Hinsicht sehr wertvoll, nicht nur für den reinen Input.

"Wenn ich das geschafft habe, schafft ihr das auch!"

PokerStrategy.com: Warst du in der Schule ein Matheass und was hast du eigentlich studiert?

Tackleberry: In der Tat hatte ich Mathematik Leistungskurs in der Schule. Das sagt aber mehr über mein Interesse an der Mathematik aus, als über meine Fähigkeiten. Ich habe in der Abiturprüfung ganze 3 Punkte geschafft. Nicht gerade berühmt. Aber vielleicht ein Hoffnungsschimmer für alle, die sich denken, das GTO-Zeugs eh nicht zu verstehen. Wenn ich das geschafft habe, schafft ihr das auch! Aber vielleicht lag es auch an meiner "jugendlichen" Vorliebe für alles, was NICHT mit der Schule zu tun hatte.

Nach der Schule habe ich eine Ausbildung als Industriekaufmann gemacht und schließlich Wirtschaftsinformatik studiert.Tackleberry Interview Bild 2

PokerStrategy.com: Du bist einer der besten Didaktiker unter unseren Coaches. Bist du ein Naturtalent oder wie hast du an deinen Fähigkeiten gearbeitet? Hast du ein paar Tipps für unsere Leser?

Tackleberry: Zunächst mal herzlichen Dank für die Blumen, das höre ich natürlich sehr gerne! Ich würde mich wohl nicht als Naturtalent bezeichnen. Ich würde es vielleicht drei Dingen zuschreiben: a) meiner Freude daran, Wissen zu vermitteln, b) der Fähigkeit, mich in die Lage desjenigen zu versetzen, der es lernen möchte und c) meiner Erfahrung.

Zum Punkt c) muss man sagen, dass ich seit 15 Jahren als Projektmanagementtrainer tätig bin und schon Dutzende Liveseminare zu Themen wie Projektmanagement, Kommunikation und Führungsstrategien gehalten habe. Das ist sicher ein Fundus an Praxiswissen, auf den ich aufbauen kann. Ich habe sogar Pokerseminare live gemacht, das hat sich aber auf Dauer nicht rentiert. Aber das ist schon ok so, denn wie gesagt hab ich da einen anderen Fokus.

"Wir müssen unser Bauchgefühl konditionieren!"

PokerStrategy.com: GTO-Berechnungen sind oft kompliziert und langwierig. An einem Pokertisch hat man dagegen nur 30 Sekunden Zeit für eine Entscheidung. Lohnt sich dann überhaupt die Auseinandersetzung mit GTO für die Praxis?

Tackleberry: Definitiv! Was soll ich auch sonst sagen? Ernsthaft, ich denke, gerade für Spieler wie mich, denen Intuition am Pokertisch bzw. das klassische "feel play" eher schwer fallen, ist die Auseinandersetzung mit den "harten mathematischen" Grundlagen unbezahlbar. Es geht ja am Ende nicht darum, am Tisch GTO-Berechnungen durchzuführen, es geht darum, unseren Bauch zu trainieren. Wenn er schon nicht von alleine drauf kommt, ob es in Situation X besser ist, zu shoven oder zu folden, dann müssen wir halt offline trainieren - und damit unser "Bauchgefühl" konditionieren.

Ich sitze nicht am Tisch und fange an, wilde Berechnungen durchzuführen, aber ich kann relativ schnell abschätzen, wie groß der Valueteil meiner Range ist, welchen Teil meiner Range ich defenden muss, wieviel ich bluffen will etc. Und darauf kommt es an - die Fähigkeit, schnell Dinge abzuschätzen. Es ist wie mit dem großen 1x1. Wenn ich oft genug lerne, was 17x12 oder 19x15 ergibt, dann werde ich nicht in der Lage sein, auf Knopfdruck das Ergebnis von 23x18 auszuspucken. Aber ich werde in der Lage sein, grob zu schätzen, dass das Ergebnis um die 420 herum liegen wird. Und, ob es am Ende nun 410 oder 425 sind, ist zweitrangig. Diese Präzision brauchen wir In-Game nicht, dafür sind alleine die Gegner schon zu unberechenbar. Wichtig ist die grobe Linie. Und das trainiere ich mit GTO. Gewissermaßen ist das nichts anderes als "Training für das Kopfrechnen".

PokerStrategy.com: Du bist verheiratet und bist neben Poker auch noch selbstständig tätig. Wie sieht da dein Zeitmanagement aus und vor allem wie findest du genügend Zeit für Poker?

Tackleberry: Ich bin ein großer Fan vom Thema Zeitmanagement, wahrscheinlich kommt daher auch meine Faszination für das Thema Uhren. Ich kann ohne Uhr gar nicht aus dem Haus gehen. Ich bewundere meine Frau, die meist den ganzen Tag gar nicht weiß, wie spät es ist. Da würde ich wahnsinnig werden. Wie kann sie Verabredungen einhalten? Ich weiß immer, zumindest ungefähr, wie spät es ist. Das vorweg.

Beim Thema Zeitmanagement selbst bin ich den meisten vielleicht etwas zu "extrem". Ich habe einen regelrechten "To-Do-List"-Fetisch. Ich habe einen Kalender, der alle Termine des Tages enthält, durchgetaktet von morgens bis abends - und ergänzt um eine To-Do-Liste mit anstehenden Aufgaben. Ich habe für alles To-Do-Listen und alles, was länger als zwei Minuten in Anspruch nimmt - die "2-Minuten-Regel" - kommt da drauf. Es ist immer ein schönes Gefühl, ein "Häkchen" machen zu können. So komisch das klingt, obwohl ich wahrscheinlich auf eine 70-Stunden-Arbeitswoche komme, habe ich immer noch das Gefühl, ausreichend Freizeit zu haben. Ich habe nur zu wenig Zeit zum Arbeiten.

Tackleberry Interview Bild 3

PokerStrategy.com: Wie sähe für dich ein perfektes Wochenende mit einem Budget von 2.000 Euro aus?

Tackleberry: Ich würde mir eine Uhr kaufen und für die restlichen 150 Euro mit meiner Frau und meinen Kindern einen Kinoabend machen.

Nein, ernsthaft, ich habe ein eher bescheidenes Verhältnis zu Geld, ich brauche nicht viel. Wenn ich richtig prassen müsste, dann würde ich meine Frau vielleicht noch einmal für ein Wochenende nach Paris entführen, wo ich ihr den Heiratsantrag gemacht habe.

"Wer seinen Erfolg hart erarbeiten musste, vergisst nicht wo er herkam"

PokerStrategy.com: In der Pokerwelt gehörst du eher zum älteren Eisen und bist von vielen "Pokerkiddies" umgeben. Glaubst du, dass großer Erfolg in jungen Jahren eher positiv oder negativ in der Persönlichkeitsentwicklung ist?

Tackleberry: Ugh - Das ist eine schwierige Frage und egal, was ich antworte, werde ich wahrscheinlich wie der alte Onkel klingen, der seinen Zeigefinger über die "Jugend" erhebt, aber da muss ich jetzt durch.

Ich denke, dass "früher Erfolg" meist die Folge von glücklichen Umständen oder außergewöhnlichen Talenten ist. Seltener die Folge echter harter Arbeit. In jedem Fall halte ich es für eine Herausforderung - in Bezug auf die charakterliche Entwicklung - hier nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Wenn man sich seinen Erfolg hart erarbeiten musste, läuft man weniger Gefahr, zu vergessen, wo man herkam. Und dass nicht alle selbstverständlich genauso gut, toll oder erfolgreich sein müssen, um "gute" Menschen zu sein.

Abgesehen von der charakterlichen Entwicklung lauert meines Erachtens da aber eine viel größere Gefahr. Wenn man mit 20 das "große" Geld macht, wer will einem da verübeln, dass man denkt, man hätte es geschafft? Die wenigsten denken 20 Jahre in die Zukunft. Das scheint ja "unendlich" weit weg. Aber 20 Jahre später blickt man dann immer noch auf weitere 40 oder 50 Jahre, die man noch "über die Runden kommen muss", und dann wird es leider zu oft sehr eng für viele.

So, nun aber genug geklugscheißert! Ich muss mir überlegen, welche Uhr ich heute "ausführe" - und dann warten noch einige offene Punkte auf meiner To-Do-Liste. Für die Beantwortung des Interviews kann ich schon mal einen Haken machen.

PokerStrategy.com: Tackleberry, vielen Dank für das Interview!

Tackleberry bietet euch auch die Möglichkeit, ein Private-Coaching bei ihm zu buchen. Besucht dafür seinen Coachingthread:

Zum privaten Coachingthread von Tackleberry

Schaut auch in Tackleberrys GTO-Labor vorbei und erfahrt immer von neuen Projekten oder löchert ihn mit euren Fragen:

Zum GTO-Labor von Tackleberry

Die besten Coaching-Videos von Tackleberry:

Weitere Weekendspecials