USA-Auswanderer und Blogger Davin im Interview
Den Traum vom Auswandern und einem Leben in New York träumen viele. Zu Recht? PokerStratege Davin lebt ihn und spielt in der Stadt, die niemals schläft. Und er hat Antworten.
Für viele Menschen sind die USA nach wie vor ein Traumziel, wenn es ums Auswandern geht. Unser beliebter Blogger Davin berichtet seit Längerem aus seinem Leben als Vater und Pokerspieler in New York. Grund genug also für ein ausführliches Gespräch über Träume, Klischees, das liebe Geld, die Menschen und den Alltag in einer der größten Städte der Welt. Viel Spaß mit dem ersten Teil!
Hallo Davin! Danke, dass du für ein Interview zur Verfügung stehst. Durch deinen sehr beliebten Blog werden dich die meisten User schon kennen. Aber stell dich doch bitte für den Rest trotzdem kurz vor.

Davin: Ich bin Davin, 33 Jahre alt und aus Berlin. Seit einem Jahr wohne ich in New York, denn hier kam Ende 2018 meine kleine Tochter zur Welt. Der Weg zum Poker wurde früh geebnet, schon seit meiner Kindheit war ich äußerst spieleaffin. Ich habe zuerst als Teenager intensiv CounterStrike gespielt, dann als junger Erwachsener war ich E-Sportler (Warcraft3: TFT) und dementsprechend war Online-Poker der nächste Schritt. So richtig ging es dann mit Anfang 20 los. Als durchs Studieren und anschließendem Arbeiten der Tag immer weniger freie Stunden hatte, blieb von der Spielerei nur noch Poker als Hobby übrig. Selbstverständlich war der finanzielle Faktor auch ein ausschlaggebender Grund.
Du bist nach New York ausgewandert und lebst dort zur Zeit mit deiner Freundin und eurem Kind. Welches Klischee über New York und die USA hat sich denn total bestätigt und welches stimmt so überhaupt nicht?

Davin: "Der Amerikaner isst schlecht." Fastfood ist hier so günstig, dass dieses Vorurteil nur bestätigt werden konnte. Das New York Pizza Slice gibt es seit Jahrzehnten für nur $1 (schafft es irgendwie nicht von der Inflation getroffen zu werden) und Fast-Food-Ketten sind überall. Man kann mit Junkfood also für $5 satt werden, während die gesunde Alternative einen mindestens $12 kostet.
"Die Amis fahren alle dicke Autos." In einem urbanen Gebiet wie NYC hat sich das nicht bestätigt. Parkplätze sind rar und deshalb fahren hier sehr viele nicht in Pickups oder SUVs rum. Nichtsdestotrotz sind hier im Verhältnis zu z. B. Berlin trotzdem noch mehr große Autos unterwegs.
"In den USA ist der Kunde König." Kann man dafür eine Steigerung finden? Kaiser vielleicht? Der Service hier ist so gut, man will nur noch einkaufen. Auch der Supermarktkassierer ist immer so freundlich. Einfach bemerkenswert, wie das hier im Service abläuft. Man kann auch quasi immer alle Produkte zurückgeben. Hatte mal mein Ladekabel vergessen und bei CVS ein Neues erworben, Handy aufgeladen und am nächsten Tag zurückgegeben. Wobei einem dann entgegnet wird: "We are very sorry that the product didn‘t meet your expectations." Für ein Ladekabel…
"Schlechtes Brot für $4,50"
Wie teuer ist für euch denn das Leben in der Stadt, die niemals schläft?
Davin: Schön günstig sind Strom, Warmwasser und Autofahren. Wobei wir hier kein Auto haben, der Verkehr ist zu oft am Erliegen und es gibt keine Parkplätze. Fun Fact: Hoboken hat 10.000 Parkplätze bei 15.000 vergebenen Parklizenzen. Deshalb fahren wir, auch mit Baby, lieber im öffentlichen Nahverkehr, der etwa doppelt so teuer ist wie in Berlin. Alles andere ist unverhältnismäßig teuer. New York ist in den Rankings der teuersten Städte der Welt regelmäßig führend mit Oslo und Zürich. Ich komme hier auf das Dreifache meiner Berliner Ausgaben. Ein paar Beispiele: Miete in Berlin 2.100€ für 150m². In Hoboken $3.150 für 70m² mit Garten. Trinkbares Bier (nicht so einfach hier in den USA) kostet im Viererpack als 0,7-Liter-Dose $13, eine Flasche Wein liegt bei $10-$12. Ein gutes Brot kostet hier $8. Die schlechten Brote noch immer $4,50. Dementsprechend sind aber auch die Gehälter höher. Schade also, dass ich kein US-Gehalt habe, aber immerhin meine Freundin.
Gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit den Einheimischen als schwierig oder habt ihr schon euren Freundeskreis gefunden?

Davin: Meine Freundin hatte vor ihrem Studium bereits ein paar Jahre in NYC gelebt und dementsprechend viele Freunde hier. Diese sehen wir ab und zu, vor allem die, die ebenfalls Kinder bekommen haben. Ich selbst bin hier eher zum Massgrinder und dadurch Einsiedler geworden. Mir fehlen die Berührungspunkte, um wirklich neue Freundschaften aufzubauen. Ein paar habe ich, aber würde da eher von Bekanntschaften als von Freunden sprechen. Und ganz ehrlich gesagt: Man trifft ständig andere Eltern aufm Spielplatz, aber da bleibt es dann auch beim Smalltalk. Generell ist die Kontaktaufnahme zwar sehr einfach. Der Amerikaner ist generell sehr offen und spricht einen an, aber ich persönlich fremdele eher und bin auffällig ruhig, wenn ich Unbekannte um mich rum hab. Mir wurde mal gesagt, dass die Freundschaft eines Amerikaners an der Haustür endet. Logisch stimmt das nicht, ich muss aber darüber schmunzeln, dass wir sicher bereits fünf Mal irgendwohin eingeladen wurden, ins Sommerhaus in die Hamptons oder ähnliches, es aber nie wirklich zustande gekommen ist. Eine Einladung während eines Smalltalks ist also eher als reine Floskel zu betrachten, denn die wird ständig ausgesprochen. Als ich bei einem befreundeten Paar meiner Freundin das Handy rausholte und sagte "Oh what a great idea! Let's fix a date!“ war ich auf einmal der komische Typ. "We should hangout", "You should come to our house", "We should meet". Weitestgehend Floskeln…
Studiert hast du Musikmanagement und warst in Deutschland auch in dieser Branche tätig. Da du in den USA keine Arbeitserlaubnis hast, bist du nun wieder als Pokerspieler unterwegs. Wie fühlt es sich an wieder zur Pokercommunity dazuzugehören?
Davin: In allererster Linie würde ich sagen, bin ich hier als Vater drüben, aber da mir hier dann doch nach 6 Monaten Baby hüten die Decke auf den Kopf gefallen ist, spiele ich auch wieder Poker. Ich habe wegen einer fehlenden Arbeitserlaubnis auch gar keine Möglichkeit mich hier beruflich an der Gesellschaft zu beteiligen. Ich muss allerdings zugeben, dass mir Poker nicht mehr den Spaß macht, den es mir noch vor fünf Jahren und erst recht vor acht Jahren gemacht hat. Was mir aber wirklich viel Freude bereitet, ist die Community, die dann in meinem Blog mitschreibt und ihn zum Leben bringt. Das Klima in ihm gefällt mir sehr gut und ich hoffe, dass der Austausch noch weiter zunimmt.
Das war es mit dem ersten Teil! Beim nächsten Mal geht es mit dieser interessanten Frage weiter:
Spielst du in den USA auch im Casino und hast verrückte Geschichten auf Lager?