Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Was ist der Bubble-Faktor?

Der Bubble-Faktor ist eine der wichtigsten Kennzahlen im Turnierpoker, aber glücklicherweise lässt sich dieser mit dem Tool ICMIZER einfach berechnen.

Zusammen mit Dara O'Kearney habe ich in unserem Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book bereits ausführlich über den Bubble-Faktor geschrieben. Mit dem Tool ICMIZER, das auch im PokerStrategy.com-Shop erhältlich ist, lässt sich dieser problemlos berechnen. 

Der Bubble-Faktor ist ein Indikator dafür, wie wertvoll Chips in der späten Turnierphase sind. Diese einzubüßen ist meistens deutlich schlimmer als neue zu generieren. Der Faktor zeigt an, wie viel Geld man in verschiedenen Spots gegen die einzelnen Gegner gewinnen, aber auch verlieren kann. Sollte man beispielsweise als Zweiter in Chips eine Hand gegen einen Shortstack spielen, besteht wenig Grund zur Sorge. Befindet man sich aber stattdessen mit dem Chipleader in einem Pot, sieht die Situation ganz anders aus und man verbrennt häufig Geld.

Je höher der Bubble-Faktor ist, desto tighter sollte man in der jeweiligen Situation agieren. Nachdem im ICMIZER ein Spot eingegeben wurde, werden die Hände angezeigt, mit denen man All-in gehen sollte oder einen All-in-Push callen kann. Wenn man wirklich etwas über das ICM lernen will, sollte man immer auch auf die Bubble-Faktoren achten. Schauen wir uns dazu ein Beispiel an:

Die folgende Situation ist die Bubble eines 9-max SNGs mit einer Auszahlungsstruktur von $1.000/$700/$400 und der Chipleader ist UTG All-in gegangen:

icm

ICMIZER zeigt an, dass der Spieler im Big Blind nur Könige und Asse callen darf, selbst AK sollte gefoldet werden. Da der Big Blind so tight callen muss, kann der Chipleader mit 51% seiner Hände All-in gehen. Die meisten Pokerspieler verstehen grundsätzlich die Dynamik in Bubble-Situationen oder an einem Final Table, aber es fällt ihnen schwer, die entsprechenden Ranges aus dem Stegreif zu berechnen.

Der Bubble-Faktor ist eine relative Zahl

Der ICMIZER zeigt auch den Bubble-Faktor für alle möglichen Situationen an und das Ergebnis sieht wie folgt aus:

icm

Diese Tabelle veranschaulicht nicht nur, wie tight der Big Blind gegen den Chipleader spielen muss, sondern auch, wie tight die verschiedenen Spieler gegeneinander agieren sollten. Der Big Blind hat den höchsten Bubble-Faktor (3,08) gegenüber dem Chipleader, weil dieser der einzige Spieler ist, der ihn eliminieren kann.

Aber was würde sich ändern, wenn der Spielerin  UTG der Shortstack wäre? Der Bubble-Faktor beträgt in dem Fall nur 1,02. Das bedeutet, dass nahezu kein ICM-Druck vorhanden ist und der Spieler mehr oder minder nach Chip-EV agieren kann. Das liegt daran, dass der Shorty mit vier Big Blinds nur eine kleine Bedrohung darstellt. Wenn der Shortstack aber für sein Turnierleben callen muss, ist sein Bubble-Faktor etwas höher, aber immer noch sehr gering, denn ihm verbleibt nicht viel Zeit, ein Ausblinden zu vermeiden.

Noch spannender wird es, wenn der Small Blind, der aktuell Dritter in Chips ist, über einen Call des Shortstacks nachdenkt. Sein Bubble-Faktor liegt bei 0,88, was bedeutet, dass er mehr Hände spielen kann, als er nach Chip-EV könnte: Ein Call ab 46% Equity ist profitabel. Das liegt daran, dass der Großteil seiner Equity der Mincash ist. Sollte der Shortstack busten, wäre das ein gutes Ergebnis, was rechtfertigt, etwas looser zu callen. 

Ein einfaches Konzept, für das man ein Gespür entwickeln kann...

bubble
Es gilt einen Instinkt für die Bubble und den Final Table zu entwickeln

Mit dem Bubble-Faktor kann man die Equity berechnen, die benötigt wird, um ein All-in profitabel callen zu können:

Bubble-Faktor/Bubble-Faktor+1.

Der Big Blind hat beispielsweise einen Bubble-Faktor von 3,08:

3,08/4,08 = 75% Equity

Einfach ausgedrückt zeigt der Bubble-Faktor, wem man besser aus dem Weg geht und wen man herumschubsen kann. In unserem Beispiel wird niemand den Shortstack attackieren, aber die beiden größten Stacks können dem Drittplatzierten das Leben schwer machen, solange der Shortstack noch dabei ist. Dieser sollte Situationen gegen die beiden anderen Spieler vermeiden, die mehr Chips als er haben.

Der Bubble-Faktor ist in Sachen ICM extrem wichtig, aber man muss ihn nicht perfekt berechnen können. Es ist letztlich eine relative Kennzahl, die immer davon abhängt, gegen wen man in einem Pot verwickelt ist. Wenn man mit den Bubble-Faktor-Statistiken im ICMIZER etwas herumgespielt hat, entwickelt man schnell ein Gespür dafür, welchen Spielern man aus dem Weg gehen sollte und wem man das Leben in den entscheidenden Turnierphasen schwer machen kann.