Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Was uns Poker Scientist beibringen kann

Im zweiten Teil unseres Plauschs mit Samy89 erfahren wir mehr darüber, was seine eigens entwickelte GTO-Software einzigartig macht und wie genau sie das eigene Spiel voranbringen kann.

samy89
Samy89

Vor Kurzem haben wir mit PokerStrategy.com-Coach und Poker-Scientist-Entwickler Samy89 über die Gefahr von Realtime-Assistance an den Tischen gesprochen, heute wollen wir uns mit ihm darüber austauschen, wie man mit Poker Scientist auf effektive Weise ein neues Spielniveau erreichen kann.

Was hat dich bei anderen Solvertools am meisten frustriert, dass du dich der Entwicklung einer eigenen Software gewidmet hast?

Samy89Ich spiele Poker seit mittlerweile zehn Jahren. Los ging es damals mit NL2, nun spiele ich praktisch alles von NL200 aufwärts. Als ich mir irgendwann im Laufe des Aufstiegs einen Solver zugelegt habe, hatte ich keinerlei Ahnung, wie ich damit lernen soll. Ich wusste nicht, wie wichtig die korrekte Konfiguration und Simplifizierung dabei eigentlich ist. Irgendwann hat sich ein Lernprozess eingestellt, es hat aber dennoch stundenlang gedauert, bis ich einen einzelnen Spot derart konfigurieren konnte, dass am Ende eine belastbare, qualitativ hochwertige Lösung dabei herauskam. Unter solchen Umständen ist es natürlich aber unmöglich, das eigene Spiel effektiv und zügig voranzubringen. Durch die Arbeit mit Solvern bin ich jedoch tiefer in die Materie der Spieltheorie abgetaucht und konnte mir ein gutes Verständnis für optimierte GTO-Lösungen aneignen. Zur selben Zeit standen zudem ein paar Forschungsarbeiten mit Blick auf mein Masterstudium in theoretischer Physik auf dem Programm und nach dem einen oder anderen Gespräch mit meinem Professor habe ich mich entschlossen, dass ich das Problem lösen und darüber schreiben will. Grob gesagt habe ich dabei herausgefunden, wie man eine "optimale vereinfachte GTO-Lösung" in einem imperfekten Spielumfeld wie Poker finden kann.

Was sind die wichtigsten Features bei Poker Scientist, die einem Spieler mit wenig Erfahrung im Bereich Solver dennoch helfen, das eigene Spiel zu verbessern?

Samy89: Der sofortige Zugriff auf unseren voreingestellten Gameplan, ohne jegliche Konfigurationen vornehmen zu müssen, hilft natürlich allen Spielern sehr, die den Fokus komplett auf die Entwicklung des eigenen Spiels richten wollen. Das Modul EV-Verteilung ist dabei vor allem für Spieler nützlich, die besser verstehen wollen, wie genau bestimmte Runouts des Boards die eigene Range treffen und wie genau das mit der Strategie verbunden ist, die letztlich empfohlen wird.

Mithilfe von Runout-Clustern werden dabei ähnliche Strategien für verschiedenen Runouts auf effiziente Weise zusammengefasst. Es ist wohl das Feature schlechthin, mit dem es mir am häufigsten gelingt, interessierte Spieler vom Hocker zu hauen.

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Das Runout-Cluster bei Poker Scientist

Spieler, die Probleme dabei haben, die größten Leaks im eigenen Spiel zu finden, können derweil gegen den GTO-Bot antreten. Die Ergebnisse (gemessen in EV-Verlust) werden getrackt und können im Anschluss genutzt werden, um die größten Schwachstellen ausfindig zu machen, die die persönliche Winrate am meisten einschränken, zum Beispiel in Spots wie "2Bet OOP BUvsBB".

Range vs. Range tatsächlich verstehen

Mir persönlich gefällt, wie verschiedene Floparten in einer deutlich griffigeren Anzahl kategorisiert werden (gepaart, geringes Drawpotenzial usw.). Ist genau das der richtige Ansatz, wie man mit der Menge an möglichen Flops beim Poker arbeiten sollte? Dass man die erste Street also deutlich breiter betrachtet, statt sich in den kleinen Details zu einzelnen spezifischen Flops zu verlieren?

Samy89: Ja, danke! Absolut. Poker ist ein sehr komplexes System. Die Komplexität von Systemen wird durch die Anzahl verschiedener Zustände definiert, bei dem jeder Zustand noch weiteren Ereignissen unterliegen kann. Beim Poker ist ein Zustand ein gewisser Spot und ein Ereignis eine Aktion wie zum Beispiel Check-Check. Um ein derart komplexes System zu verstehen, ist es notwendig, dass man sich mit den grundlegenden Prinzipien vertraut macht, anstatt schlichtweg die Lösungen zu "lernen". Erst dadurch entwickelt man die Fähigkeit, Antworten auf Fragen zu finden, von denen man zuvor noch gar nichts gewusst hatte.

Genau das ist der Hintergedanke, der bei jedem Feature von Poker Scientist eine Rolle gespielt hat. Die aktuelle Auswahl an Flops wird aber noch erweitert und auf 198 an der Zahl ausgebaut. Damit sind dann aber auch alle möglichen Flops mit einer Genauigkeit von mehr als 99,9% in den Gameplan integriert.

Ich nehme an, dass jede Menge Rechenleistung und einige Zeit an Rechenarbeit vonnöten wären, wenn jemand alle verschiedenen Floparten in eurem Gameplan mit einem Tool wie PIOSolver replizieren möchte?

Samy89: Ja, davon kann man ausgehen, nachdem wir mit der Arbeit bereits vor drei Jahren angefangen haben. Selbst wenn man sich nur auf die Berechnung mit derselben Genauigkeit konzentrieren würde und dabei weitere Aspekte wie optimale Konfiguration und Algorithmen für Simplifizierung außen vor lässt, würde es mehrere Monate dauern und eine hohe sechsstellige Summe kosten, wenn man dasselbe replizieren möchte.

Ein weiterer Aspekt, der mir persönlich als Neuling im Bereich Solver gefällt, ist, dass man durch die Nutzung von Poker Scientist anfängt, mehr nach dem Schema Range vs. Range anstatt lediglich Hand vs. Range zu denken. Mit deiner langjährigen Erfahrung, wie wichtig ist diese Entwicklung beim eigenen Spiel?

Samy89: Absolut notwendig, wenn man mehr Geld gewinnen möchte, als man verliert. Ich würde empfehlen, dass man sich zunächst mit dem Range-EV vertraut macht. Dann kann man ihn im Anschluss mit verschiedenen Floparten kombinieren und ein Verständnis dafür entwickeln, wie das mit der Strategie verknüpft ist, die vom Solver empfohlen wird. Wie sich das eigene Spiel in Korrelation zu einem einzelnen Parameter wie dem Range-EV verhält, der die Informationen zu jeder einzelnen Hand in der aktuellen Range beinhaltet, hilft enorm dabei, mehr nach dem Schema Range vs. Range zu denken.

Ein weiterer Ansatz wäre zu schauen, welche Art von Händen sich in spezifischen Subranges befinden. Wenn man zum Beispiel in einem bestimmten Spot dazu tendiert zu overbetten, kann das Überprüfen der Handeigenschaften einer Subrange wie "Flushdraw + Gutshot" oder "Set+" und der Vergleich zu anderen Subranges wie "Check" dabei helfen, seine Entscheidungen in Relation zu notwendigen Handeigenschaften zu treffen.

Neue Features bereits auf dem Weg

Kannst du uns bereits etwas über neue Features verraten, die geplant sind?

Samy89: Ja, das kann ich tatsächlich. Vier Dinge stehen in naher Zukunft an:

Neuer Gameplan - Der aktuelle Gameplan wurde wie bei einem derzeit öffentlich verfügbaren Solver kalkuliert, allerdings mit zwei zusätzlichen Algorithmen, um die optimale Konfiguration und Simplifizierung zu finden.

Beim neuen Gameplan wurden sämtliche 6-max-Partien in einem Schritt kalkuliert. Im Vergleich zu öffentlichen Solverlösungen werden sich große Unterschiede in zahlreichen Preflop- und Riversituationen ergeben. Diese Strategie zu verstehen und umzusetzen, wird dazu führen, dass sich ein Spieler deutlich häufiger in Spots mit hohem Range-EV wiederfinden wird als bei den aktuell gängigen generellen GTO-Lösungen.

Madehand-Verteilung - Hier werden wir den Zugriff auf die genaue Verteilung bei jeder einzelnen Aktion bieten, was einem zeigt, welche Hände man genau in der Range hat. So wird zum Beispiel deutlich, wie häufig man bei Set, Flush, Gutshot usw. overbettet.

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Die neue Madehand-Verteilung in Poker Scientist

Notepad - Hier wird man im Tool integriert Notizen zu spezifischen Spots oder Entdeckungen festhalten können, die man bei der Arbeit gemacht hat.

Leaderboard - Auch ein Rankingsystem wird kommen, das einem zeigt, wie man sich gegen den GTO-Bot im Vergleich zu anderen Nutzern schlägt. So kann man sehr intuitiv überprüfen, wie sich das eigene GTO-Spiel im Vergleich zu anderen Spielern schlägt.

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Was ist Poker Scientist?

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Die browserbasierte Software verschafft euch sofortigen Zugriff auf einen GTO-Gameplan mit Milliarden an Strategien für jedes relevante Heads-up-Szenario. Der Gameplan wurde mit einem Fokus auf Simplifizierung entwickelt, wobei insbesondere Clustering einen innovativen Ansatz liefert, um neue Strategien zu verstehen und zu verinnerlichen.

Der Gameplan von Poker Scientist wird mithilfe von Computern kalkuliert, die ein Mehr an Leistung in mehreren Größenordnungen im Vergleich zu gewöhnlichen Desktop-PCs stemmen können. Die akkuraten Lösungen greifen dabei auf die optimale Höhe an Bet- und Raisesizing zurück. Die Kalkulation derart genauer Lösungen für entsprechende Spots ist für durchschnittliche Solver, die man am eigenen PC verwendet, schlichtweg nicht zu erreichen.

Durch zwei Simplifizierungen in Form von Line Elimination und Runout Clustering konnte Poker Scientist eins der wesentlichen Probleme anderer Solvertools bewältigen, wenn es um effizientes Lernen und die effektive Weiterentwicklung des eigenen Spiels geht.

Alles in allem bietet Poker Scientist einen GTO-Gameplan mit einem innovativen Lernansatz, mit dem ihr euer eigenes Spiel auf ein völlig neues Niveau befördern könnt.

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Das Analyse-Interface bei Poker Scientist
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EV-Vergleich von Runouts, bei denen Runouts in einem Cluster gruppiert werden, die nahezu identische Strategien erfordern
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Clustering & Simplifizierung helfen dabei die tiefgreifendsten Prinzipien von GTO auf einfache Weise zu verstehen
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Optimales Strategie-Clustering, bei dem unzählige Strategien in wenigen Clustern zusammengefasst werden mithilfe eines einzigartigen Algorithmus, der vom Team hinter Poker Scientist entwickelt wurde
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