Welche Vorteile bietet NoteCaddy gegenüber eigenen Notes?
Wir sprechen mit NoteCaddy-Entwickler Clause, um zu erfahren, welche Vorteile das Tool gegenüber dem eigenen Anfertigen von Notes an den Tischen bietet.
"Aus meiner Sicht können die meisten Daten, die man Notes entnehmen kann, automatisch gesammelt werden"
PokerStrategy.com: Erzähl uns doch ein wenig über die Entstehungsgeschichte von Note Caddy.
Clause: Ich habe Online-Poker ab 2006 gespielt und festgestellt, dass meine Winrate nach und nach anfing zu schrumpfen, als die Spiele tougher wurden. Wie viele Spieler habe ich folglich mehr Zeit mit Lernen verbracht, indem ich Hände in Foren gepostet und mir Videos angesehen habe. Eine immer wiederkehrende Empfehlung war, dass man Notes auf seine Gegner anfertigen solle.
Als jemand, der mehrere Tische gleichzeitig spielte, fand ich das Ganze mühsam und monoton. Aus meiner Sicht können die meisten Daten, die man Notes entnehmen kann, automatisch gesammelt werden. Durch meine Mitarbeit an einem Trackingprogramm, das ein paar Jahre zuvor in Konkurrenz zu PT2 entwickelt wurde, hatte ich schon Vorkenntnisse bei der Entwicklung einer solchen Anwendung. Ich war positiv überrascht, als ich gesehen habe, dass Notes sofort in der nächsten Hand im HUD angezeigt wurden, wenn die Software Daten zu den HEM-Notes (in der Datenbank) hinzufügte.
PokerStrategy.com: Die meisten Spieler haben ein sehr personalisiertes System zur Anfertigung von Notes. Können sie die automatisierten Texte so ändern, dass NoteCaddy praktisch Notes im eigenen Wortlaut verfasst?
Clause: Absolut! Bei jeder Note ist der Text komplett editierbar, sodass er einfach geändert werden kann. NoteCaddy macht sich Variablen zunutze, die textbasiert präsentieren, was in einer getrackten Hand passiert ist. Nutzer können ganz einfach über Tools -> Customize Note Output den Text ändern und kürzen oder sogar in der eigenen Muttersprache verfassen. Ein Drittanbieter, NoteCaddy Pro Tools, hat zudem das Produkt Text.Notes veröffentlicht, das Notes in mehreren verschiedenen Sprachen liefern kann.
"Der größte Fehler ist das Verlassen auf Daten, die mit kleiner Samplesize erhoben wurden"
PokerStrategy.com: Kann man die Möglichkeit, online Notes zu verfassen, als eine Art Sammeln von Reads wie beim Live-Poker ansehen? Könnten die Informationen, die NoteCaddy liefert, nicht etwas zu viel werden oder dafür sorgen, dass ein Spieler sich zu sehr auf sie verlässt?
Clause: Jemand könnte definitiv von den Daten verwirrt werden, das ist sicherlich schon vorgekommen. Es ist wichtig, dass man sich mit den Tools auskennt, die man nutzt – nicht nur beim Poker, überall im Leben. Das Entscheidende, um nicht den Überblick zu verlieren, ist die richtige Organisation. Bei der Entwicklung von NoteCaddy wurde sehr viel Arbeit in Funktionen gesteckt, die den Nutzern das Editieren der Art, wie Daten präsentiert werden, erlauben.
Die erste NoteCaddy-Version, die nur mit HM1 funktionierte, hat Notes nur in einer einzigen Liste angezeigt. Das war vielen Spielern zu unübersichtlich und zu limitiert. Als HEM dann sein HUD zugänglicher für NoteCaddy gemacht hat, wurde das Ganze deutlich verbessert. Nun können Spieler Notes in beliebigen Pop-ups im HUD anzeigen lassen, sogar bei Stats. Wenn man zum Beispiel etwas über die 3-Bet-Ranges eines Gegners erfahren will, kann man das Ganze auf einfache Weise so konfigurieren, dass entsprechende Notes angezeigt werden, wenn man den Mauszeiger über den 3-Bet-Stat des Gegners führt.
Zudem verfügen die Notes über einen Button, den man im HUD anklicken kann, um ein Replay der Hand zu starten, die zum Verfassen der entsprechenden Note geführt hat. Das erlaubt dem Spieler, das Einsehen von spezifischen Beispielen, falls eine Note auf den ersten Blick zu verwirrend wirkt.
Das Argument, dass sich Spieler zu sehr auf derartige Notes verlassen könnte, wird natürlich hin und wieder vorgebracht, allerdings meiner Meinung nach nicht zurecht. Viele Leute machen einfach den Fehler, dass sie sich auf Daten in Form von Notes oder Stats verlassen, die bei lediglich kleiner Samplesize erhoben wurden, um Entscheidungen zu treffen, die vom Standard abweichen. Das kann natürlich auch mit NoteCaddy passieren, aber die Fehlerquelle liegt nicht beim Tool selbst. NoteCaddy kann praktisch alles aufzeichnen, was ein Spieler gemacht hat, sodass man ein deutlich kompletteres Bild von seinem Gegner erhält. Mit unserer eigenen Intelligenz und unserem eigenen Skill können wir dann darauf basierend die richtige Entscheidung treffen.
"Man kann äußerst spezifische Stats anfertigen"
PokerStrategy.com: Ist das Ganze nicht im Grunde genommen nur eine andere Art und Weise, HM2-Stats zu präsentieren?
Clause: Überhaupt nicht. NoteCaddy ist in jeglicher Hinsicht die perfekte Ergänzung zu HM2-Stats. Wenn man zum Beispiel nur eine kleine Samplesize von Händen eines Gegners hat und es wird angezeigt, dass sein "Flop Donk Bet"-Stat bei 100% bei einer infrage kommenden Hand liegt, sollte man diesen Wert komplett ignorieren. NoteCaddy könnte allerdings notiert haben, dass der Gegner diese Donkbet mit Third Pair gesetzt hat, und schon hat sich unser Read im Vergleich zum isolierten Statwert deutlich verbessert.
NoteCaddy bietet zudem die Möglichkeit der Nutzung von äußerst hilfreichen benutzerdefinierten Stats, die Spielern die Verwendung sehr spezifischer Stats ermöglicht, die ihrem Spielstil angepasst sind. Hyper-Turbo-SNG-Spieler könnten es zum Beispiel auf Informationen zu gegnerischen Tendenzen bei bestimmten Intervallen im Hinblick auf den effektiven Stack abgesehen haben. HM2 müsste praktisch Millionen von Stats beinhalten, um diese Funktion ebenfalls zu bieten.
Die Stats von HM2 sind definitiv einige der besten, die die Trackingindustrie zu bieten hat – und da es so viele gibt, kriegt man sie nicht alle im HUD unter, ohne komplett die Übersicht zu verlieren. NoteCaddy bietet mit Badges einen weiteren großen Vorteil. Das sind Bilder, ähnlich wie Autorate, die im HUD eines Nutzers erscheinen, wenn bestimmte Stats festgelegte Schwellen überschreiten.
Das kann Nutzern jede Menge Zeit und Energie sparen. Wenn man zum Beispiel mit einem Steal in den Blinds konfrontiert wird, gibt es viele relevante Stats, die uns dabei helfen zu entscheiden, was wir im spezifischen Spot tun sollten. Wenn wir dann allerdings ein Badge sehen, das uns signalisiert, dass der entsprechende Gegner mit einer weaken Range stealt und/oder sehr oft auf 3-Bets von den Blinds foldet, sparen wir viel Analyseaufwand und Energie. Folglich können wir also mehr Tische spielen und bessere Entscheidungen treffen.
"NoteCaddy lässt sich niemals ablenken"
PokerStrategy.com: Kannst du genauer erläutern, wie das Badge-Feature funktioniert?
Clause: Badges erhöhen dramatisch die Anzahl an Tischen, die wir spielen können, ohne dabei die Fähigkeit zu verlieren, andere Spieler zu exploiten statt auf Autopilot zu switchen. Als ehemaliger 24-Tabler kann ich definitiv sagen, dass es ab einem bestimmten Punkt unmöglich ist, sich Pop-ups genauer anzusehen, ohne die Action zu verlangsamen und an manchen Tischen auszutimen.
Der Fairness halber gegenüber Freizeitspielern haben Grinder die Verantwortung, in einem vernünftigen Zeitrahmen zu agieren, was schnellen Datenzugriff erfordert. Genau das gewährleisten Badges. Viele Stats funktionieren nur gut ab bestimmten Samplesizes oder in Verbindung mit anderen Stats. In beiden Fällen ist das genaue und regelmäßige Betrachten von Pop-ups erforderlich, um ein wirklich gutes Bild über den Spielstil eines Gegners zu bekommen. Ein gutes Badgesystem kann das Ganze komplett ersetzen und uns in einem einzigen Augenblick alles Relevante mitteilen.
Wenn wir zum Beispiel vom Button stealen wollen, müssen wir eine Reihe von Stats von zwei Spielern kontrollieren. Wie oft folden sie sofort? Wie oft folden sie out of position auf unsere Continuation Bet? Wie sieht es bei einer 2nd-Barrel aus? Ein gut konfiguriertes Badge kann uns umgehend sagen, ob sich einer oder alle dieser Stats im Rahmen einer festgelegten Schwelle bewegen, die wir als geeignet für einen Steal ansehen.
PokerStrategy.com: Würdest du Spielern von der Nutzung der Software abraten, wenn sie nur wenige Tische spielen?
Clause: Notes sind grundsätzlich nur Daten. Egal wie gut die eigenen Notes sind, die man anfertigt, es kann alles automatisiert werden. Zusätzlich bedeutet die Automatisierung, dass man nichts mehr verpasst. Selbst wenn man nur einen Tisch spielt, würde die eigene Anfertigung einer Note unweigerlich dazu führen, dass man abgelenkt wird. Das kann sogar passieren, wenn man gerade eine Note zu einer bereits vergangenen Hand verfasst. NoteCaddy lässt sich niemals ablenken.
Gerade für neue Spieler ist NoteCaddy noch wertvoller, um Handreading-Skills zu entwickeln. Sagen wir zum Beispiel man trifft auf einen Gegner mit einem VPIP von 38 und er callt unser Preflop-Raise am Button. Was könnte seine Range sein? Mit NoteCaddy könnte man einen Blick auf Spieler mit ähnlichem VPIP werfen und sich die Karten anschauen, mit denen sie ein solches Play machen würden. Man würde auf jeden Fall Muster erkennen und das würde dabei helfen, in profitable Situationen zu kommen, selbst wenn man nur eine begrenzte Menge an Daten zur Verfügung hat.
Wenn ihr NoteCaddy bereits besitzt, könnt ihr mit einigen Add-ons der NoteCaddy Pro Tools das Optimum aus dem Tool herausholen. Unter den Features sind weiterentwickelte Statistiken, Pop-ups, Datenbank-Analyse und mehr.
Barry Carter ist Redakteur bei PokerStrategy.com und Co-Autor von 'The Mental Game of Poker 1 & 2'. Er arbeitet seit neun Jahren in der Pokerbranche und wurde im Jahr 2013 mit einem APAT-Award in der Kategorie "Best Poker Media Provider" ausgezeichnet. Mehr über Barry erfahrt ihr hier.
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Barry Carter