Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Mystery Bounty: Warum online kein Durchbruch?

Trotz des rasanten Aufstiegs beim Live-Poker konnten sich Mystery Bountys an den Online-Tischen bislang nicht durchsetzen. Barry Carter schätzt, dass sich daran zukünftig wenig ändern wird.

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Beim Online-Poker konnte sich das Format bislang nicht durchsetzen

Dara O'Kearney und ich sind gerade dabei, unserem neusten Buch über Mystery-Bounty-Turniere den letzten Schliff zu verpassen. 

Es dürfte unser erstes Buch sein, bei dem wir keine besonders hohen Verkaufszahlen erwarten. Doch die Recherche zu diesem Format war so interessant, dass wir uns dennoch für eine Veröffentlichung entschieden haben. Außerdem reiht sich das Werk wunderbar neben unser Buch über PKOs ein, sodass wir unseren Schreibfluss nicht unterbrechen konnten. 

Wir vermuten beide, dass dem Vormarsch dieses Formats langsam die Puste ausgehen dürfte, denn der Markt scheint mit Mystery Bountys übersättigt zu sein. (Bitte kauft das Buch trotzdem). Der Hauptgrund für meine Skepsis liegt jedoch darin, dass sich das Format beim Online-Poker bislang nicht durchsetzten konnte. 

Kein Bedarf für einen PKO-Ersatz

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Die Atmosphäre beim Live-Poker lässt sich schwierig übertragen

888poker ist bisher der einzige Anbieter, der regelmäßig Mystery Bountys austrägt. GGPoker behält sich vor, das Format nur bei wenigen speziellen Events anzubieten. Keine andere Plattform hat bisher den Versuch unternommen, dieses Format an die Online-Tische zu bringen.

Für gewöhnlich ist GGPoker sehr schnell darin, neue Formate anzubieten. Die Tatsache, dass sie bisher keine regelmäßigen Mystery Bountys anbieten, spricht Bände. Einzig und allein im Rahmen der Bounty-Jackpot-Promotion können die Spieler von Zeit zu Zeit in den Genuss kommen, um die begehrten Umschläge zu kämpfen.

Offenbar gibt es einfach keinen Bedarf, die allseits beliebten PKOs zu ersetzten. Da PKOs beim Live-Poker logistisch schwer umsetzbar sind, wurden Mystery Bountys entwickelt, um den Spielern auch am echten Filz den Nervenkitzel der Kopfgeldjagd zu bieten. Insgesamt unterscheiden sich die beiden Formate nicht stark genug voneinander, um in Erwägung zu ziehen, PKOs flächendeckend durch Mystery-Bountys zu ersetzen. 

Gerade beim Live-Poker verströmen Mystery-Bounty-Turniere eine spezielle Atmosphäre. So halten alle Spieler gespannt inne, wenn ein Glücklicher durch den Raum schreitet, um seinen Umschlag entgegenzunehmen. Jeder spürt förmlich das Knistern in der Luft, wenn ein Matt Glanz wie in Zeitlupe den Umschlag öffnet und dann triumphierend den Hauptgewinn in die Luft hält. Online-Poker ist schlichtweg zu rasant, um diese einzigartige Atmosphäre zu reproduzieren, besonders wenn mehrere Tische gleichzeitig gespielt werden. 

Nur auf den Nosebleeds attraktiv?

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Bleiben PKOs das vorherrschende Format beim Online-Poker?

Scheinbar erfreuen sich Mystery Bountys nicht in jeder Preisklasse derselben Beliebtheit. Besonders bei Turnieren mit sehr hohen und sehr niedrigen Buy-ins ist das Format attraktiv. Bei einem $100-Turnier bereichern die Umschläge jeden Spieler mit zusätzlicher Spannung. Bei höheren Turnieren mit Buy-ins von $1.000 kann ein Mystery Bounty auch mit substanziellen Beträgen von $30.000 oder mehr zu Buche schlagen. Doch in der mittleren Preisklasse wie etwa einem $500-Turnier lassen sich die finanziell gut ausgestatteten Turnierexperten noch nicht aus der Reserve locken. Für viele Amateure ist solch ein Buy-in jedoch häufig schon zu kostspielig.

Schwer vorstellbar, dass ein $4.000-Hauptgewinn die Spieler in einem $50-Turnier beim Online-Poker sonderlich begeistert. Die Gewissheit, dass bei einem $500-Live-Turnier ein Umschlag mit $40.000 kursiert, könnte durchaus einen erheblichen Anreiz bieten. Natürlich gleichen sich die Auszahlungsstrukturen bei den verschiedenen Buy-in-Stufen. Der Reiz für viele Spieler scheint aber darin zu bestehen, dass bei höheren Buy-ins durchaus Umschläge mit lebensverändernden Summen im Umlauf sind. Bei Turnieren mit niedrigem Buy-in hingegen, stellen Mystety-Bountys eine unterhaltsame Möglichkeit auf ein fast kostenloses Zubrot dar. Doch seriöse Spieler der mittleren Buy-ins verzichten offenbar lieber auf den zusätzlichen Glücksfaktor, die Summen in den Umschlägen reichen dabei scheinbar nicht aus, sie zur Teilnahme zu bewegen.

Auch aus eigenem Interesse hoffe ich, mit meiner Prognose daneben zu liegen. Doch ich erwarte in den nächsten zwei oder drei Jahren rückläufige Zahlen bei den Mystery-Bounty-Turnieren. Gut vorstellbar, dass wir dieses Format in Zukunft nur noch bei den größten Events wie der WSOP sehen werden. 

Sind Mystery Bountys vom Aussterben bedroht? Wir freuen uns auf eure Kommentare!