Die aktuelle Lage zum "Black Friday"
Zwei Wochen sind inzwischen seit der Anklage von PokerStars, Full Tilt Poker, Absolute Poker und Ultimate Bet durch das US-Justizministerium vergangen. Wir werfen nochmals einen Blick auf den aktuellen Stand.
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| Chefankläger Preet Bharara |
Was ist passiert?
Falls ihr es verpasst habt, hier die Kurzform: Am 15. April, also vor etwa zwei Wochen, hat das FBI und das US-Justizministerium in einer konzertierten Aktion die Web-Domains von PokerStars, Full Tilt Poker, Absolute Poker und UltimateBet konfisziert und Anklage gegen deren Eigentümer und Geschäftsführer erhoben.
Die Anklage zielt dabei in erster Linie darauf ab, dass die genannten Pokerräume über ein komplexes System trotz eines Verbots Zahlungen von US-Spielern angenommen haben. Als Konsequenz können Amerikaner derzeit nicht mehr bei diesen Räumen spielen. Einen ausführlicheren Überblick findet ihr hier.
Die Auszahlungssituation für Spieler außerhalb der USA
Als Konsequenz der Ereignisse versuchten zahlreiche Spieler, darunter auch viele PokerStrategen, von den betroffenen Räumen auszuzahlen. Während manche ohne Beeinträchtigungen ihr Geld erhielten, kam es in etlichen Fällen zu Verzögerungen und zwischenzeitlich wurden manche Auszahlungsoptionen nicht mehr angeboten.
Full Tilt Poker: Full Tilt Poker bietet derzeit Moneybookers nicht als Auszahlungsoption an. Dieses Problem soll nach Aussage von Full Tilt Poker-Sprecher FTPDoug auf 2+2 "hoffentlich bald" gelöst sein.
Andere Auszahlungen finden inzwischen wieder statt, wenn auch teilweise mit Verzögerungen.
FTPDoug auf 2+2 (deutsche Übersetzung):
"Viele Spieler haben ihre NETELLER-Auszahlung Ende letzter Woche bereits erhalten. Wir hatten zwischendurch einige Schwierigkeiten, sodass es noch zu Verzögerungen kommen kann, bis diese behoben sind. Insgesamt sieht es danach aus, als könnten wir innerhalb von etwa einer Woche unser normales Auszahlungstempo wieder aufnehmen."
PokerStars: Bei PokerStars scheint der "Black Friday"-Andrang inzwischen abgearbeitet zu sein und uns liegen keine Meldungen über Probleme beim Cashout mehr vor.
Auszahlungen für US-Spieler auf PokerStars möglich
Eine weitere offene Frage ist weiterhin die Auszahlung der Bankrolls von US-Spielern bei den betroffenen Räumen. Letzte Woche veröffentlichten PokerStars, Full Tilt Poker und das US-Justizministerium eine gemeinsame Erklärung, in der sie sowohl die Rückgabe der Domains bekannt gaben als auch ankündigten, in Kürze Auszahlungen an US-Spieler vorzunehmen.
Dabei bekräftigen die beiden Pokerräume auch, dass sie weiterhin Spieler von außerhalb der USA akzeptieren. Alle Informationen zu der Erklärung findet ihr hier.
Die Ankündigung zur Auszahlung an US-Spieler setzte PokerStars Mitte dieser Woche in die Tat um (PokerStrategy.com berichtete) und begann mit der Auszahlung der Bankrolls per Banküberweisung oder Scheck.
Laut lawdonk.com wird Full Tilt Poker in der kommenden Woche wahrscheinlich gleichziehen und ebenfalls mit den Cashouts für US-Spieler beginnen. FTPDoug hat unterdessen auf 2+2 bereits Details veröffentlicht, wie Turniertickets und Ähnliches ausgezahlt werden. Das vollständige Statement ist hier zu finden.
Der Traffic seit "Black Friday" rückläufig
Wie PokerNewsDaily unter Berufung auf Zahlen von PokerScout berichtet, ist der Traffic für Cashgame seit "Black Friday" weltweit insgesamt um 22% zurückgegangen.
PokerStars: -28%
Full Tilt Poker: -35%
Absolute Poker und UltimateBet (Cereus Network): -65%
PartyPoker: 3%
888poker: 4%
(Quelle PokerNewsDaily, Stand 27.04.2011)
Wir werden in den kommenden Wochen den Traffic beobachten und euch über mögliche Veränderungen auf dem Laufenden halten.
Die Chancen für Pokerregulierung in den USA
Eine der zentralen Fragen grade für amerikanische Pokerspieler ist natürlich die, wann es möglich sein wird, in den USA ohne rechtliche Bedenken Online-Poker zu spielen. Die Chancen darauf sind nach Einschätzung von Bloggern wie Karak von Lawdonk.com unklar.
Einerseits könnte in Anbetracht des US-Haushaltsdefizits Online-Poker eine willkommene Einnahmequelle für die US-Regierung sein, andererseits haben derzeit die Republikaner im Congress die Mehrheit, die häufig Online-Poker aus moralischen Gründen ablehnen. Die lesenswerte vollständige Analyse findet ihr hier.
Ausblick
In den USA stehen bald die Gerichtsverhandlungen gegen die vier angeklagten Pokerräume und ihre Eigentümer an. Dabei wird es nach Einschätzung von Beobachtern wahrscheinlich zu einem Deal kommen, sodass ein Richterspruch nicht nötig sein wird. Ein genauer Zeitpunkt dafür ist noch nicht bekannt.
Ebenfalls Teil dieser Verhandlungen sind Zahlungsdienstleister der Pokerräume. Gestern wurde Ira Rubin, einer dieser Dienstleister, in Guatemala verhaftet und in die USA ausgeliefert. Er sitzt derzeit in Miami in Haft.
Auf Kaution auf freiem Fuß sind Zahlungsdienstleister Bradley Franzen und Chad Elie, die jeweils bereits mit "nicht schuldig" zu den Vorwürfen Stellung genommen haben. Chad Elie nutzte seine Freiheit bereits dazu, am Tag nach seiner Anhörung in Las Vegas seine Freundin, das frühere Playboy Playmate Destiny Davis, zu heiraten.
Unsere bisherigen News zum Black Friday:
- Auszahlungen bei PokerStars für US-Bürger möglich (28.04.2011)
- Statement von Full Tilt Poker zu Cashout-Problemen via Moneybookers (22.04.2011)
- Full Tilt Poker und PokerStars erhalten ihre Domains zurück, Auszahlung von Geldern (20.04.2011)
- Glücksspielrechtsexperte Prof. I. Nelson Rose kommentiert die Vorwürfe (19.04.2011)
- Die Pokerwelt reagiert auf Black Friday (19.04.2011)
- Offizielles Statement zu "Black Friday" von Moneybookers und NETELLER (19.04.2011)
- "Black Friday" auf dem US-Pokermarkt - der aktuelle Stand (17.04.2011)
- Live-Ticker: PokerStars, Full Tilt Poker, UB und Absolute Poker in den USA angeklagt (15.04.2011)
