Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Echtnamen gegen anonyme Pokertische

Die Online-Pokerbranche bewegt sich mit Blick auf Spielernamen in zwei gegensätzliche Richtungen. Welcher Ansatz wird sich am Ende durchsetzen?

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Der Stealth-Modus bei PokerStars

Eine in der Masse an Schlagzeilen im vergangenen Jahr eher untergegangene Entwicklung war die Haltung gegenüber der Anzeige von Spielernamen bei verschiedenen Anbietern. Es gab mal eine Zeit, da hatte man als Online-Pokerspieler bei allen Anbietern für alle Ewigkeit denselben Namen, für den man sich bei seiner Anmeldung entschieden hatte. Der eine oder andere hat ihn mit Stolz getragen, während es für manch andere sehr kostspielig werden konnte, wenn man zu den schwächeren Spielern gehörte und die Schar an Haien auf einen aufmerksam geworden war.

2020 haben sich die größten Pokerräume nun zwei gegensätzlichen Enden des Spektrums verschrieben, was die Anzeige von Spielernamen betrifft. So hat partypoker viele seiner Online-Events mit Echtnamen ausgetragen, insbesondere Turniere, die auch im Zusammenhang mit den eigenen Live-Events stehen. Und GGPoker macht zwar nach wie vor Gebrauch der üblichen Form von Screennamen, hatte jedoch im Zuge der Final Table der WSOP Online eine Echtnamen-Pflicht eingeführt und versieht auch seine Riege an bekannten Spielern mit Echtnamen an den Tischen.

Derweil hat man bei PokerStars nach langer Vorbereitung den Stealth-Modus in die Testphase befördert, bei dem Spieler die Option haben, anonym zu bleiben. Er ähnelt dem Standard bei RunItOnce, wo jeder Spieler einen zufälligen Namen trägt und Spieler A und B einen anderen Namen für Spieler C angezeigt bekommen. Unibet bewegt sich währenddessen auf einer Art Mittelweg, bei dem man Spielern eine unbegrenzte Anzahl an Namenswechseln gestattet.

Alles im Namen der Fairness

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Manche Spieler sind gezwungen, ihren Echtnamen bei GGPoker zu zeigen

So unterschiedlich sie auch sind, mit beiden Ansätzen verfolgt man tatsächlich denselben Zweck: Man will die Partien fairer für Amateurspieler gestalten. Anonyme Tische existieren, damit Hobbyspieler nicht gezielt ins Visier starker Spieler geraten und der Nutzen von Tracking- und Gameselection-Software ausgehebelt wird. Echtnamen werden gezeigt, damit schlichtweg jeder weiß, mit wem er es gerade zu tun hat. Zudem ist es gerade auf den Highstakes ein erster vernünftiger Schritt, um der nach wie vor immer mal wieder in den Fokus geratenen Praxis von Accountsharing vorzubeugen.

Nachdem es im gesamten Jahr 2020 praktisch kein Live-Poker mehr zu sehen gab, fand ich persönlich die vermehrte Anzeige von Echtnamen an den Online-Tischen gelungen. Mir gefällt es, wenn ich weiß, gegen wen ich spiele. Und ich finde es gut, wenn auch mein Gegner weiß, dass er gegen mich spielt. Es ist ein kleiner, aber wesentlicher Aspekt der sozialen Interaktion, die Poker nach wie vor auch auszeichnet. Ich denke, dass Echtnamen aus denselben Gründen auch bei vielen Pokerfans auf Anklang treffen, weil das Railen starker Spieler so noch etwas mehr Spaß macht.

Ich kann aber auch den Anreiz verstehen, den anonyme Tische bieten, insbesondere wenn man ein eher bescheidener Spieler ist, der schlichtweg nicht in sämtlichen Online-Partien ins Visier geraten und gecrusht oder bloßgestellt werden will. Eine der traurigen Angewohnheiten der Pokercommunity ist leider seit jeher, dass man sich allzu gern über andere Spieler für die schlechte Spielweise einer Hand lustig macht, sodass sich in den Vielzahl an Foren ein permanenter Abdruck spielerischer Defizite befindet, ohne dass man etwas dagegen tun kann.

Unbegrenzte Namenswechsel?

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Unibet lässt seine Spieler immer wieder den eigenen Namen wechseln

Den Ansatz von Unibet mit unbegrenzten Namenswechseln ist meiner Meinung nach besonder gut gelungen, weil dabei beide Seiten auf ihre Kosten kommen. Wer möchte, dass die Gegner an den Tischen wissen, mit wem sie es zu tun bekommen, kann schlichtweg seinen Namen behalten. Wer das nicht möchte, kann ihn tagtäglich wechseln und seine Mitspieler vielleicht dabei noch etwas unterhalten, indem er sich eine lustige Variante zu den Schlagzeilen des Tages einfallen lässt.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass sich Echtnamen langfristig größerer Popularität erfreuen werden, insbesondere wenn in Zeiten der anhaltenden Pandemie praktisch sämtliche Partien an die Online-Tische verlagert wurden. Ich finde, dass aktuell praktisch jeder Anbieter bei seinen größten Festivals so verfahren sollte, um dem Ganzen das nötige Prestige zu verleihen, auch wenn nur virtuell in Pixelform gespielt wird.

Es gibt zudem das Problem bei anonymen Tischen, dass Hobbyspieler hinterfragen könnten, warum sie überhaupt anonym spielen müssen. Das würde eine Büchse der Pandora öffnen, die allzu gezielte Gameselection starker Spieler in den Fokus rückt, von der man als Freizeitspieler wohl eher nichts wissen will.

Am Ende gibt es auf die Ausgangsfrage nach der besseren Lösung keine richtige und falsche Antwort. Letztlich muss man zufrieden damit sein, dass die Anbieter gewillt sind, beide Ansätze auszuprobieren, um zu sehen, welcher sich bei der breiten Masse am Ende durchsetzen wird.

Was bevorzugt ihr an den Tischen? Echtnamen oder vollständige Anonymität? Wir freuen uns auf eure Kommentare!