Pius Heinz: Der Weltmeister, nach dem sich die Pokerszene gesehnt hat
Der junge deutsche Pro Pius Heinz hat sich in einem Marathon-Heads-Up gegen Martin Staszko durchgesetzt und die heiß begehrte Krone des WSOP Main Events errungen. Unser Kolumnist Sam Miranda lässt den Tag und die epischen Gefechte noch einmal Revue passieren.
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| Pius Heinz und die $8,7 Millionen |
Die Szenerie zu Beginn
Drei Spieler sind im Verlauf der Nacht an den Final Table im Rio Hotel and Casino zurückgekehrt, um den Gesamtsieger der wohl bisher spannendsten Ausgabe der WSOP November Nine zu bestimmen.
Die Entourage von Phil Collins fehlte zwar schon, aber dennoch herrschte eine elektrisierende Atmosphäre im Penn and Teller Theatre. Der US-Pro Ben Lamb genoss dabei natürlich die Unterstützung des Großteils des vorwiegend amerikanischen Publikums - ein übereifriger Anhänger, der sich komplett als Lamm (engl. Lamb) verkleidet hatte, musste sogar aus der Arena eskortiert werden.
Das WSOP-Fieber erfasste auch Twitter, wo Tony G scherzhaft einem gewissen Zasko (der Name seines Hundes) die Daumen drückte und hoffte, dass dieser ein "Lamb mit Heinz-Ketchup" verdrücken würde.
Nach der Erschütterung durch den Black Friday, dem anschließenden Niedergang Full Tilt Pokers sowie dem Fiasko bei der Epic Poker League brauchte die Pokerszene faire, faszinierende und fesselnde November Nine, um zumindest einen Teil der verlorenen Integrität wiederherzustellen.
Auch wenn Topspieler wie Eoghan O'Dea und Matt Giannetti bereits am ersten Tag unter teilweise unglücklichen Umständen an die Rails mussten, konnte man die Klasse der drei übrig gebliebenen Kontrahenten definitiv nicht infrage stellen. Staszko strahlte im Verlauf des ersten Tages viel Ruhe aus, wirkte stets ausgeglichen und befand sich unter anderem deswegen noch im Rennen. Ben Lamb überstand einige heikle Situationen, gab sich trotz widriger Umstände zu keinem Zeitpunkt geschlagen und sicherte sich damit seinen Platz unter den Top 3.
Währenddessen dominierte Pius Heinz in unnachahmlicher Weise den ersten Tag des Final Tables und überraschte mit seinem aggressiven, furchtlosen und unterhaltsamen Spiel immer wieder seine Konkurrenten, die Zuschauer und vor allen Dingen die Moderatoren, die mit ihren "Reads" hinsichtlich Pius' Plays häufig komplett daneben lagen.
Lamb verabschiedet sich, Heinz triumphiert
Nachdem man den gestrigen Tag noch mit viel Vorsicht begann, explodierte bereits in der allerersten Hand der heutigen Nacht die erste Bombe. Staszko hatte per 3-Bet seinen Big Blind mit Pocket Sevens gegen ein Raise von Ben Lamb verteidigt, dieser ging daraufhin mit K-J All-In. Staszko überlegte eine Weile und entschied sich letztendlich für den Call. Das Board ignorierte konsequent Lambs Hoffnungen und kurz darauf durfte der WSOP Player of the Year seinen amerikanischen Kollegen an den Rails Gesellschaft leisten, nachdem sein Push mit Q-6 auf Staszkos Pocket Jacks traf.
Gegenüber der ESPN-Moderatorin Kara Scott erklärte Lamb, dass er sich für ein frühes All-In entschieden hatte, weil er hoffte, im Falle des Erfolgs den weiteren Verlauf des Gefechts diktieren zu können.
Offensichtlich ließ sich dieser Plan jedoch nicht verwirklichen, und als man bereit war, das Heads-Up zu beginnen, war es Zeit für Sasquatchs (kanadischer Name für Bigfoot) Auftritt, der $8,7 Millionen Bargeld mit in die Arena brachte. Allerdings konnten weder das Biest noch die anwesenden Menschen erahnen, welch heftiger Abnutzungskrieg den zwei verbliebenen Spielern nun bevorstand.
Beide Spieler wussten im Kopf-an-Kopf-Rennen, das insgesamt 130 Hände andauerte, zu überzeugen - ganze achtmal wechselte der Chiplead im Verlauf des Heads-Ups. Daniel Negreanu, der bekannterweise kein Blatt vor den Mund nimmt, äußerte sich via Twitter ebenfalls zum Verlauf der Ereignisse und bezeichnete Staszkos Bluff mit K-Q auf einem 7-2-10-A Board als "Play des Turniers". Allerdings musste Negreanu natürlich auch klarstellen, dass er einen "Monster-Read" auf den nahezu gefühllos wirkenden Tschechen hätte.
Ungeachtet der von vielen im Vorfeld der November Nine geäußerten Bedenken aufgrund seiner mangelnden Erfahrung in Live-Turnieren ließ der Schachexperte Staszko jegliche Zweifler durch seine kontrollierte Aggression verstummen. Seinen einzigen Fehler beging er, als er Qh-6h auf einem Jd-5h-4h Board hielt, und sich nicht dazu durchringen konnte, Heinz' All-In mit 10d-5d zu callen. Diese Entscheidung war nicht wirklich zu verstehen, denn selbst wenn Heinz den Jack gehabt hätte, wäre Staszko nur auf 90 Millionen Chips zurückgefallen und hätte das Turnier praktisch mit einem Coinflip vorzeitig beenden können.
Staszko entschloss sich zwar dann mit seinem nächsten Flush Draw zu gamblen, verlor jedoch einen Großteil seiner Chips, als dieser weder auf dem Turn noch auf dem River ankam. Nach fast 6 Stunden, in denen er äußerst diszipliniertes Poker zeigte, war es schließlich um den Tschechen geschehen, als er mit 10c-7c gegen Heinz' As-Kc erneut das Nachsehen hatte.
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| 2011 WSOP Main Event Champion Pius Heinz genießt das Rampenlicht |
Heinz: "Das Bracelet habe ich für Deutschland gewonnen"
Der überglückliche Sieger beschrieb seinen Triumph als "irreale Erfahrung" und "glücklichsten Moment meines Lebens", und erklärte außerdem, dass der Schlüssel zum Erfolg war, dass er ständig Druck auf seine Gegner ausgeübt hatte und sie vor schwere Entscheidungen stellte.
Welche Auswirkungen hat also Pius Heinz' Triumph?
Heinz wird sicherlich hoffen, dass er seine erfolgreiche Pokerkarriere fortsetzen kann und nicht wie Jerry Yang oder Jamie Gold lediglich in die Annalen der Poker-Geschichte eingehen wird. Wie die im Anschluss eher bescheiden verlaufenen Karrieren von Joe Cada und Jonathan Duhamel zeigen, ist die Bürde des Main Event Champions nicht leicht zu tragen.
Ohne Staszkos Leistung schmälern zu wollen, ist Heinz der Weltmeister, nach dem sich die Pokerszene gesehnt hat.
Staszko ist eher ein mechanischer Spieler und ein weniger auffallender Charakter. Heinz verkörpert die neue Generation von jungen, aggressiven Spielern und seine entspannte Einstellung gegenüber den größten Bühnen der Pokerwelt scheint ein gutes Zeichen für seine Karriere im Team PokerStars zu sein. Dazu kommt, dass man das Gefühl bekommt, ihn einfach mögen zu müssen.
Sein Triumph war sicherlich keine Überraschung für sein neues Teammitglied Micky Petersen, der aufgrund von Heinz' Erfolgen bei Online-Turnieren schon im Vorfeld in ihm den Favoriten für den Sieg am Final Table sah.
Nachdem Schleswig-Holstein im September ein liberaleres Glücksspielgesetz verabschiedet hatte, scheint Heinz' Triumph dieser positiven Entwicklung im deutschen Pokermarkt nun die Krone aufzusetzen. Trotz der immensen Größe der deutschen Poker-Community fehlte bisher eventuell auch ein Superstar mit authentischem, internationalem Flair.
Der letzte Satz gilt allen drei Finalisten. Im Angesicht des Epic Poker League Debakels und allen weiteren Unruhen, die man innerhalb der letzten sechs Monate verdauen musste, kann man sehr stolz auf die drei neuesten Botschafter des Spiels sein.
Die entscheidenden Momente des letzten Tages der WSOP 2011 könnt ihr hier nochmals nachlesen.
Die letzte Hand der WSOP 2011:


