Randy 'nanonoko' Lew: "Erfahrung als Gamer hilft beim Multitablen"
Randy 'nanonoko' Lew galt als Pro-Gamer, bevor er sich Poker zuwandte und zum Multitabling-Experten wurde. Im Interview schildert er, welche Gaming-Skills auch am virtuellen grünen Filz gefragt sind.
"Das Erreichen des 'Supernova Elite'-Status ist für mich deutlich schwieriger geworden"
PokerStrategy.com: Man sieht dich immer öfter in der Live-Turnierszene. Würdest du dich selbst mittlerweile eher zu den Live- statt Online-Spielern zählen?
nanonokops: Ich sehe mich nach wie vor eher als Online-Spieler. Ich fühle mich dort einfach deutlich wohler, das heißt, ich spüre einen gewissen Heimvorteil, wenn ich online spiele.
An den virtuellen Tischen habe ich die meiste Zeit verbracht, um mich zu verbessern und der Spieler zu werden, der ich heute bin. Auch wenn man mich nun öfter bei Live-Turnieren sieht, verbringe ich nach wie vor sehr viel Zeit online.
PokerStrategy.com: Strebst du in diesem Jahr den 'Supernova Elite'-Status an?
nanonokops: Ja, das ist immer noch mein Ziel in diesem Jahr, aber es bedarf deutlich mehr Planung als zuvor. Wann immer ich außer Landes bin, zum Beispiel in Vancouver oder bei Live-Turnieren, versuche ich stets, so viele Stunden wie möglich online zu grinden, damit ich das nötige Pensum für den Status schaffe. Ich würde sagen, es ist aufgrund meines aktuellen Reiseplans deutlich schwieriger geworden, was mich aber nicht davon abhalten wird, noch härter zu arbeiten.
PokerStrategy.com: Wie schwer ist es, sich wieder ans Mass-Multitablen zu gewöhnen, wenn du eine Weile nicht online gespielt hast?
nanonokops: Wenn ich mir eine Pause von Online-Poker genommen habe, brauche ich immer ein paar Sessions, um wieder in den richtigen Flow beim Mass-Multitablen zu kommen. Es kann schwierig sein, stets sein A-Game beizubehalten, wenn man sich auf Dauer viele Pausen nimmt. Daher versuche ich, die Unterbrechungen zu minimieren oder in meiner Zeit abseits der Tische die Theorie zu pauken.
"Alle guten Pro-Gamer haben auch eine gute Arbeitseinstellung"
PokerStrategy.com: Was hältst du als ehemaliger Pro-Gamer davon, dass StarCraft-Legende 'Boxer' mit dem Pokern angefangen hat?
nanonokops: Ich habe damals schon mitbekommen, dass er ein berühmter StarCraft-Spieler in Korea ist. Es wird interessant sein, zu sehen, was er am Pokertisch erreichen kann. Viele gute Pro-Gamer haben sich an den Pokertischen gut geschlagen, ElkY zum Beispiel. Daher bin ich gespannt auf die Entwicklung von 'Boxer'. Alle guten Pro-Gamer haben auch eine gute Arbeitseinstellung, daher bin ich mir sicher, dass er im Laufe der Zeit brillieren wird.
PokerStrategy.com: Welche Skills kann man als Gamer auf Poker übertragen?
nanonokops: Wenn man viele Videospiele spielt oder gespielt hat, hilft das beim Multitablen online. Oftmals sind die Spiele sehr kompetitiv gestaltet, sodass man gute Entscheidungen treffen und sehr schnell reagieren muss. Das zeigt sich dann entsprechend auch beim Online-Poker. Man ist auch an hohe APM (Aktionen pro Minute) gewöhnt, das Spielen von sehr vielen Tisch liegt einem also im Blut.
Die andere wichtige Fähigkeit, die übertragbar ist: Als Pro-Gamer ist der Drang zu konkurrieren unglaublich groß. Man sucht ständig nach möglichen Verbesserungen des eigenen Spiels und arbeitet immer wieder an Strategien, um seine Gegner zu schlagen. Dieses Vorgehen ist absolut notwendig, um beim Poker die höchsten Stakes zu erreichen.
PokerStrategy.com: Wie würdest du dich heute in den Videospielen einschätzen, die du damals im Wettbewerb gespielt hast?
nanonokops: Ich bin mittlerweile nicht mehr so gut, da ich nicht mehr so viel spiele, seitdem ich mich auf Poker konzentriere. Ich habe allerdings zwischenzeitlich mal an einem Turnier teilgenommen, und auch wenn ich nicht alle neuen Techniken und Strategien kannte, die meine Gegner genutzt haben, konnte ich mit einfachem, solidem Spiel ein paar Siege herausholen.
"Shotclocks sind ein klarer Vorteil für Online-Spieler"
PokerStrategy.com: Du musst online stets schnelle Entscheidungen treffen. Was ist deine Meinung zur aktuellen Debatte um Shotclocks beim Live-Poker?
nanonokops: Ich bin in der Lage, eher schnell Entscheidungen zu treffen, es stört mich allerdings nicht so sehr, dass sich Spieler live mehr Zeit nehmen. Ich denke, dass Live-Poker seine eigene Szene und seinen eigenen Vibe hat – und das respektiere ich.
Es ist nur etwas nervig, wenn sich ein Spieler bei jeder einzelnen Entscheidung viel Zeit lässt. Ich denke, dass wir als professionelle Spieler das Spiel respektieren und uns die Zeit nehmen sollten, die notwendig ist, allerdings ohne das Ganze zu abusen.
Ich kann zwar Spieler verstehen, die sich für Shotclocks aussprechen und argumentieren, dass sie selbst nie viel Zeit bräuchten, und sich daher fragen, warum andere Spieler mehr Zeit bekommen sollten. Meiner Meinung ist das aber kein Grund für die Befürwortung von Shotclocks.
Vielleicht sollten wir eher versuchen, Spieler dazu zu bringen, bereitwilliger die Einhaltung des üblichen Turnierzeitlimits zu verlangen, wenn ein Gegner für den eigenen Geschmack zu lange braucht, ohne dass man sich deswegen schlecht fühlt. Oder man gibt als Norm für die Profis vor, dass man sich nicht immer wieder unnötig viel Zeit zum Tanken nimmt.
PokerStrategy.com: Ist eine Shotclock ein Vorteil für Online-Spieler?
nanonokops: Ja, davon gehe ich aus, da Online-Spieler grundsätzlich ans Multitablen und Treffen von schnellen Entscheidungen auf Basis ihrer Gesamtstrategie gewöhnt sind. Live-Spieler denken manchmal überhaupt nicht über einen Spot nach, bevor sie an der Reihe sind. Sie könnten also unter Druck geraten, wenn es bei jedem Zug ein Zeitlimit gibt.
PokerStrategy.com: Auch wenn sie online schnelle Entscheidungen treffen, scheinen viele Online-Spieler sich live mehr Zeit zu lassen. Wie ist es bei dir? Benötigst auch du beim Live-Poker mehr Zeit für deine Entscheidungen?
nanonokops: Ich persönlich finde, dass meine Entscheidungen beim Live-Poker mehr Zeit in Anspruch nehmen (vor allem in großen Pötten), da ich mich nur mit einer Hand befasse. Ich habe dadurch den Luxus und die Freiheit, um mir über viele weitere Informationen Gedanken zu machen, die ich online nur selten berücksichtigen kann, wie zum Beispiel Live-Reads, Stacksizes, Betsizing etc. Als Online-Spieler nutze ich diese zusätzlichen Informationen also, um eine Hand auf noch komplexere Weise zu analysieren. Daher kann das Ganze auch länger dauern.
PokerStrategy.com: Vielen Dank für deine Zeit, Randy!
Barry Carter ist Redakteur bei PokerStrategy.com und Co-Autor von 'The Mental Game of Poker 1 & 2'. Er arbeitet seit neun Jahren in der Pokerbranche und wurde im Jahr 2013 mit einem APAT-Award in der Kategorie "Best Poker Media Provider" ausgezeichnet. Mehr über Barry erfahrt ihr hier.
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Barry Carter