Vegas Virgin Diary: F**k You Pai Gow
Lange hat sich Vegas-Neuling William Powell gegen die Verführungen des Glücksspiels gewehrt - ohne Erfolg. Warum seine Gambling-Erfahrung kein gutes Ende für ihn nahm, erfahrt ihr im neuen Blog.
Ob man sich auf die positive Seite des EV trinken kann?
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Ich musste also auf dringend benötigten Schlaf verzichten und anstatt auszuschlafen, ging es zeitig wieder zurück ins Casino. Nach nur sechs Händen war der Gewinner ermittelt, und als ich meine Zusammenfassung geschrieben hatte, zurück auf meinem Zimmer war und etwas gegessen hatte, war früher Abend und ich hatte nichts mehr zu tun.
Was also macht man, wenn man in Vegas ist und ein paar Stunden Zeit totzuschlagen hat? Alleine in meinem Zimmer sitzen und TV schauen oder im Internet surfen wollte ich nicht. Für eine echte Poker-Session war nicht genug Zeit und so kam ich auf die geniale Idee, im Gold Coast Casino direkt bei mir um die Ecke ein bisschen Pai Gow zu spielen.
Ich hatte Pai Gow noch nie zuvor gespielt und ein Fan von Table Games war ich auch noch nie. Auf der anderen Seite bin ich in Vegas, also warum nicht? Die Odds bei Pai Gow liegen bei 52/48 (natürlich zugunsten der Bank), aber mit Freigetränken rechnete ich mir aus, dass ich mich auf die positive Seite des EV trinken könnte. Das Spiel ist auch relativ langsam, sodass ich mir gut vorstellen konnte, ein paar Stunden damit zu verbringen. Was konnte da schief gehen?
Was soll's, ich bin in Vegas, also wird jetzt gegamblet

Falls ihr genau so wenig über das Spiel wisst wie ich in dieser Situation: Man bekommt sieben Karten zugeteilt und muss diese auf zwei Stapel verteilen. Der eine besteht aus fünf Karten und stellt nach den allgemeinen Pokerregeln die beste Hand dar, die man bilden kann. Sie wird zurückgehalten ("behind"). Die anderen zwei Karten liegen vor dem Spieler ("in front").
Wenn beide Hände eines Spielers den Dealer schlagen, gewinnt man. Wenn nur eine gewinnt, nennt man diese Situation "Push" und der Einsatz wird zurückgezahlt. Wenn keine Hand die Karten des Dealers schlägt, wandern die Chips in die Bank. Man muss noch ein paar weitere Dinge berücksichtigen, aber im Grunde ist das alles.
Ich trank also mein Bier auf und ging durch die heiße abendliche Wüstenluft rüber ins Gold Coast. Ganz allein auf mich gestellt.
Im Casino angekommen, besorgte ich mir zunächst eine Bonuskarte und schaute ein paar Mal um die Tische herum. Ich suchte nach einem $5-Tisch, der Mindesteinsatz schien aber $10 zu betragen. Da ich nur $140 dabeihatte, war das nicht wirklich mein Plan gewesen. Ich überlegte also kurz, zu meinem Zimmer zurückzukehren, aber was soll's, ich bin in Vegas, also wird jetzt gegamblet.
Und so nahm ich an einem Tisch Platz und übergab meine $140 nebst Bonuskarte willig an die Dealerin. Die reichte alles an ihren etwas an einen dicken Mafiosi erinnernden Vorgesetzten weiter (sehen die eigentlich alle so aus?) und bekam einen kleinen Stapel Chips zurück. Es konnte also losgehen. Zu meiner linken saß eine heiße Asiatin, neben ihr ein Local mit grauen Haaren. Beide hätten direkt aus einem Casting kommen können.
Eine Hand nach der anderen geht an die Bank

Die Asiatin erklärte mir, ich solle lieber auf den Bonus wetten, bei dem man mehr Geld gewinnen kann, wenn man eine Hand wie eine Straight oder einen Flush gedealt bekommt. Ich sagte, dass ich nur für die Drinks da sei, und fühlte mich dabei ziemlich schlau. Der ältere Herr erzählte davon, wie sein Sohn die eine oder andere Hand spielen würde und wie er einmal einen seven Card Straight Flush hatte. Die Stimmung am Tisch war bestens.
Es folgten ein paar Hände, in denen ich mal verlor, mal gewann und mal den Einsatz per Push-Hand mit der Bank teilte. Nichts wirklich Aufregendes, aber ich hatte meinen Spaß und war nach wie vor in der Gewinnzone. Ich bestellte einen weiteren Cocktail, alles lief nach Plan.
Und dann geschah es. Ich konnte keine Hand mehr gewinnen. Nicht mal einen Push bekam ich noch hin. Ich verlor jede einzelne Hand und das sympathische Lächeln der Dealerin wurde immer unsicherer, als sie eine Gewinnerhand nach der anderen umdrehte. Ich versuchte, mir nichts anmerken zu lassen, zuckte nur mit den Achseln und lächelte, als mache es mir nichts aus, während meine Two Pair High Hand vom Flush der Dealerin geschlagen wurde. Sie strich die nächsten Chips von mir ein.
Hand für Hand gingen meine Chips an die Bank. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, kein bisschen. Ich entschied mich sogar ein paar Mal dazu, den Bonus zu spielen, um mit etwas Glück einen Flush zu bekommen und so etwas zurückzugewinnen. Damit hörte ich aber glücklicherweise schnell wieder auf und bestellte einen weiteren Cocktail. Das Glück würde sich sicher in den nächsten Händen wieder zu meinen Gunsten drehen, oder?
Den verlierenden Touristen kann ich von meiner Liste streichen

Es stellte sich heraus, dass die neue Dealerin aus Äthiopien kam und gerade das Dealen erlernte. Amerika ist wirklich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Bestimmt träumen viele junge Frauen davon, eines Tages ihre Heimat zu verlassen und einer Reihe von Besoffenen und Versagern Karten auszuteilen, dabei ihren Geschichten zuhören zu müssen, zu lächeln und darauf zu hoffen, am Ende ein paar Dollar Trinkgeld zu bekommen. An meinem Pech änderte aber auch die neue Dealerin natürlich nichts.
Ich meckerte und jammerte nicht, das wäre unhöflich gewesen. Aber innerlich verfluchte ich die Scheiße, die mir hier ständig zugeteilt wurde, aufs Übelste. Wie ich diese Karten hasste! Ich wählte still meine Karten aus und legte sie auf den Tisch, wohl wissend, dass die Dealerin das Nichts vor mir unausweichlich schlagen würde. Ein neuer Cocktail musste her.
Als ich dann Trips behind bekam und Ass-König in front, nur um mich von der Dealerin mit einer Straight und einem Paar schlagen zu lassen, warf ich schlussendlich das Handtuch. 34 US-Dollar waren mir noch geblieben. Ich hatte vier Cocktails getrunken und war um die $100 down, gab der Dealerin $5 Trinkgeld und wünschte allen eine gute Nacht. Dem älteren Herrn wünschte ich viel Glück, auch wenn er es nicht brauchte: Er hatte in der letzten Stunde keine Hand verloren und einen riesigen Stapel Chips vor sich stehen.
Ich ging zurück auf mein Zimmer. Ein wenig merkte ich die Drinks, etwas mehr noch spürte ich Reue ob meines Gambling-Versuchs. Den verlierenden Touristen kann ich wohl meiner Las-Vegas-To-Do-List streichen.
Was konnte also ein Kerl mit leeren Taschen jetzt noch tun? Ich ging zurück auf mein Zimmer, öffnete ein Bier und schrieb diesen Artikel, um aus meiner Erfahrung wenigstens noch ein paar Dollar zu machen. Und wisst ihr was? Vielleicht hat er mir ja geholfen, mit dem Kapitel abzuschließen.
Wobei, ich sollte mir nichts vormachen: Fuck you Pai Gow, fuck you.
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William Powell ist freier Journalist und Live-Turnierreporter, der über Events auf der ganzen Welt berichtet. Normalerweise spielt er live an den Low-Stakes-Tischen, doch gelegentlich wagt er sich auch an die virtuellen Tische.
Er ist zum ersten Mal in Las Vegas und berichtet für uns über das Leben in der Glitzerstadt - gerade für Spieler, die noch nie in der Wüstenstadt waren, hat William sicherlich einige Tipps und Tricks parat.
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