Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

War Poker in den Neunzigern tougher?

Daniel Negreanu scheint es so zu sehen. Denkt ihr auch, dass die Informationsvorteile des Internets Poker einfacher gemacht haben?

Negreanu plays poker
Daniel Negreanu

KidPoker schafft es immer wieder, die Pokercommunity zum Diskutieren zu bringen. Einmal mehr ging er auf ein Thema ein, bei dem die moderne Onlinegeneration und die Profis seiner Ära keinen Konsens finden. Er behauptet, dass es in den 1990ern schwerer war, mit Poker Geld zu machen als heute.

Auf den ersten Blick scheint diese Äußerung abstrus, denn sogar die Smallstakes sind heutzutage schon ziemlich tough. Es gibt außerdem keinen Zweifel, dass die besten Spieler der Jetztzeit besser denn je spielen.

Dennoch sollte man Negreanus Behauptungen etwas genauer betrachten, denn er argumentiert damit, dass es früher schwerer war überhaupt Partien zu finden, der Lernprozess komplizierter war und man schwerer Erfahrungen sammeln konnte. All das ist für die Onlinespieler von heute kein großes Problem mehr.

Poker zu lernen war schwieriger

teddy kgb rounders
In den 90ern waren (sichere) Partien schwerer zu finden

Man bräuchte eine Zeitmaschine, um seine Thesen beweisen oder widerlegen zu können. Doch selbst dann ist es nicht so einfach. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein heutiger $1/$2-Winningplayer der größte Gewinner in den höchsten Partien der 1990er Jahren wäre.

Dagegen sagt Negreanu aber auch überhaupt nichts. Vielmehr meint er, dass man denselben Spieler in die 90er schicken müsste, bevor er sich das Spiel angeeiegnet hat. Andersherum müsste man einen Pro der alten Schule ins Jahr 2016 holen, ebenfalls bevor er das Spiel gelernt hat.

Obwohl die Talente unserer Tage unbestreitbar hart arbeiten, stehen sie dennoch auf den Schultern der vorherigen Generationen. Im digitalen Zeitalter unterschätzen wir schnell, wie viel einfacher wir es durch den riesigen Informationsfluss haben. Wir haben Strategieseiten, Foren, Bücher, Coaches und Software. All diese dinge haben unseren Lernprozess bedeutend beschleunigt. Wir haben also von unseren Vorgängern profitiert.

In den 1990ern und früher mussten die Spieler aus ihren Fehlern lernen und Konzepte wie Implied Odds, Handauswahl, Position, Expected Value etc. selbst entdecken. Doyle Brunson spricht in seinem Buch darüber, wie er sich die Wahrscheinlichkeiten ad hoc beigebracht hat, indem er das Deck mischte und Szenarien in seinem Hotelzimmer immer und immer wieder durchspielte. Wenn ihr denkt, dass ihr viele dieser Konzepte selbst hättet ‘entdecken’ können, seid ihr entweder mathematische Genies oder ihr macht euch selbst etwas vor.

Eine alte Debatte aller Sportarten

Messi and Pele
Es wird immer darum gestritten, welche Ära härter war

In den meisten Wettbewerbssportarten können wir dieselbe Diskussion finden. Ein Beispiel ist die Frage, ob Messi besser ist als Pele? Wenn man sich Messis Fähigkeiten ansieht, denkt man schnell, dass er der Bessere ist. Zu Peles Zeiten war Fußball aber noch kein Sport, in den Milliarden investiert werden. Dazu kommen die Fortschritte in den Bereichen Training, Ernährung. Dazu kommt der Fakt, dass Pele selbst die Messlatte für alle nachkommenden Spieler gelegt hat.

Messi wäre in den Tagen von Pele vielleicht ebenbürtig gewesen, aber sicherlich nicht so gut, wie er es heute ist. Im Umkehrschluss wäre Pele heute sicher auch weitaus besser, als zu seiner Ära.

Der große Unterschied zwischen den Spielern vor dem Boom und von heute ist, dass autodidaktische Fähigkeiten, also eigenständiges Lernen ohne Helfer, damals viel wichtiger war. Wenn man zur Elite gehören will, braucht man diese Fähigkeit immer noch. Besonders bei den Nosebleeds und Mixed Games, denn hier ist Lernmaterial rar.

Poker war, wie die meisten Dinge, vor dem Einzug des Internets schwerer zu lernen, dafür war das Niveau deutlich niedriger. Das ist heute einfacher, die Eintrittsschwelle ist aber viel niedriger geworden und somit der Wettbewerb umso größer. Welche Ära tougher war, ist also eher eine persönliche Einschätzung. Es liegt an der eigenen Einstellung zum Wettbewerb und zum Lernprozess. Die besten Spieler wären gestern wie heute gut gewesen, da sie beide Teile der Gleichung beherrschen.

Denkt ihr, dass es für die Spieler ohne Internet schwieriger war? Teilt eure Ansichten mit uns in den Kommentaren.

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