Mindmapping
Einleitung
Problemstellung
Poker ist kein reines Glücksspiel. Es gibt viel zu wissen und viel zu beachten, um Winning Player zu werden und zu bleiben. Gleichgültig, auf welchem Level. Gerade Texas Hold’em ist eine der komplexesten Pokervarianten überhaupt. Daher ist es wichtig, zu jeder Zeit das maximale Wissen unmittelbar zur Verfügung zu haben. Dies gibt dem Winning Player den Vorsprung vor seinen Gegnern.
Gerade die Komplexität des Spieles macht es aber erforderlich, sein Wissen konstant aufrecht zu erhalten und es ständig zu erweitern. Dieser Prozess sollte möglichst effizient gestaltet werden. Dazu ist es hilfreich, Methoden und Konzepte zu kennen, die Lernprozesse unterstützen und vereinfachen.
Der Anfänger sieht sich vor einem Wust aus Informationen. Es fällt ihm schwer, das oft chaotisch auftretende Wissen korrekt einzuordnen und zu vernetzen, um daraus Denkprozesse zu entwickeln, die ihm erlauben, sein Wissen praktisch umzusetzen.
Der Fortgeschrittene oder Profi hat sich bereits mit so viel Theorie befasst, dass es ihm nicht immer möglich ist, den Überblick zu behalten. Manchmal werden auch Missverständnisse und Wissenslücken mitgeschleppt.
Es besteht also in allen Fällen ein Bedürfnis, sein Wissen und seinen Wissenserwerb ordentlich zu strukturieren.
Lösungsansatz
Hier kommt nun das Mindmapping zum Zuge. Mindmapping selbst ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Technik, sich Notizen zu machen.
Die herkömmliche Methode kennt jeder: unter einer Überschrift werden Zeile für Zeile Stichworte, ganze Sätze oder kleine Tabellen geschrieben. Diese Art von Aufzeichnung nennt man „linear“, da sie von oben nach unten Schritt für Schritt passiert.
Was ist daran falsch? „Falsch“ ist sie sicherlich nicht. Sie ist aber nicht optimal. Das liegt daran, dass das menschliche Gehirn nicht in dieser linearen Weise funktioniert. Das Gehirn arbeitet eher „radial“, d.h. kreisförmig. Man gibt dem Hirn ein Stichwort und es bildet direkt Assoziationsketten und verwandte Begriffe kommen einem in den Sinn. Diese sind bei jedem Menschen unterschiedlich, je nachdem, wie er bisher gelebt und gelernt hat. Der Effekt ist wahrscheinlich jedem vom sogenannten „Brainstorming“ bekannt.
Der Sinn von Mindmapping ist nun, diese für den Verstand natürlichere Herangehensweise zu nutzen. Es gilt also, Assoziationen zwischen bereits bekanntem und neuem Wissen herzustellen oder auch die Verbindung zwischen bekanntem Wissen zu verstärken. Hier ein Beispiel spontaner Einfälle auf das Stichwort „Poker“ hin als Mindmap dargestellt:
Die Technik
Mindmapping ist ein kreativerer Prozess als traditionelles Notizenmachen. Mindmaps werden nicht geschrieben. Sie werden „gemalt“. Ein Beispiel für eine Mindmap ist schon das Bild oben.
Hier die Schritte:
a) Zuerst muss man einen zentralen Begriff finden. Dieser soll Ausgangspunkt und Thema der Mindmap sein. Dies ist normalerweise das, was man gerade lernen will. Z.B. „Standardmoves“ oder „Overcards“ oder „Spielertypen und Anpassung“. Ideal ist es, wenn man diesen zentralen Begriff als Bild darstellen kann. Also ein gemaltes „AK“ als Sinnbild für Overcards, beispielsweise.
b) Dieser zentrale Begriff wird in die Mitte eines quer gelegten leeren Blattes geschrieben und umkreist. Der Ausgangspunkt der Mindmap liegt immer in der Mitte. Das Zentrum muss im Zentrum sein. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur herkömmlichen Notiz. Die Gedanken sollen sich von diesem Mittelpunkt in alle Richtungen ausbreiten können.
c) Nun wird von diesem zentralen Punkt aus ein Unterpunkt gebildet und dieser mit einem schön geschwungenen Strich verbunden. Gerade Linien sind auf Dauer langweilig für das Gehirn. Die Linien können daher alle Formen und Farben haben.
d) Von diesen Unterpunkten aus werden weitere Unterpunkte gebildet, die ebenfalls immer mit dem nächsthöheren Verbunden werden. Es entsteht mit der Zeit ein Netz aus Punkten, die miteinander verbunden sind.
Dinge, die beachtet werden sollten:
- Mindmaps sollten möglichst ganz analog mit der Hand gemalt werden. Es gibt Computerprogramme, mit denen man Mindmaps herstellen kann. Dies ist aber nicht 100% Sinn der Sache. Der Lernprozess gestaltet sich am besten, wenn man möglichst viele Lernkanäle nutzt. Das Zeichnen mit der Hand ist ein wesentlicher Aspekt, weil das Gehirn die Inhalte besser verknüpft, als wenn man sie am Bildschirm entstehen lässt.
- Es sollte immer mit Farben gearbeitet werden. Mindmapping ist ein kreativer Prozess. Dazu gehört auch, dieser Kreativität ihren Lauf zu lassen. Mindmaps sollen farbenfroh sein und das Auge in allen möglichen Weisen ansprechen. Grau in grau wird schlechter behalten als bunt und auffällig.
- Es sollten Bilder verwendet werden. Das Gehirn denkt nicht in Schrift sondern in Bildern. Dies sollte auch beim Mindmapping mit eingearbeitet werden. Es bietet sich zum Beispiel an, für Check, Raise und Fold immer die gleichen Symbole zu nutzen. Es muss nicht schön sein, sondern individuell.
- Man sollte nicht die Maps anderer Leute übernehmen, sondern nur eigene anfertigen. Wie schon in der Einleitung gesagt, sind die Assoziationsketten, die jeder Mensch hat und die durch Mindmapping erzeugt und verstärkt werden sollen, individuell. Keine zwei Menschen denken gleich. Daher ist die Mindmap eines anderen Menschen meist nicht zum eigenen Lernen geeignet. Der Ersteller der Map hatte andere Denkwege, die ihren Einzug in die Map gehalten haben. Diese können wir nicht übernehmen. Es ist völlig in Ordnung, Inspiration aus anderer Leute Maps zu ziehen. Die eigene Version sollte aber immer selbständig erzeugt werden.
- Die Unterpunkte sollten immer nur aus einem Wort bestehen. Dies hängt auch damit zusammen, dass das Gehirn nicht in Schrift und Worten denkt. Die einzelnen Unterpunkte sollen daher keine Romane enthalten. Ein wesentlicher Schritt, sein Wissen zu meistern ist auch, es auf Kerninhalte reduzieren zu können. Die Devise lautet: finde den Überbegriff. Sollte dieser zu abstrakt und zu wenig aussagekräftig erscheinen, müssen Unterpunkte gebildet werden, die dann näher ins Detail gehen. Das ist gerade der Sinn von Mindmapping. Die deutsche Sprache lässt es nicht immer zu, nur ein Wort zu verwenden. Sollte man einmal in der Situation sein, dass der Punkt sonst unverständlich wird, kann man natürlich auch mehrere Worte benutzen. Nur sollte man sich dabei bemühen, ihre Anzahl möglichst gering zu halten.
- Zwischen Punkten, die inhaltlich zusammengehören oder aufeinander Einfluss haben, können und sollen Verbindungen gezogen werden. Es bietet sich meist an, Pfeile einzuzeichnen. Dadurch spart man sich Wiederholungen. Außerdem werden die zusammengehörenden Teile durch die grafische Querverbindung stärker miteinander vernetzt. Also genau der Effekt, den wir erreichen wollen.
- Die Linien, die die Unterpunkte miteinander verbinden, dürfen nicht unterbrochen sein. Es muss sich im Ergebnis ein „Straßennetz“ ergeben, auf dem man von einem Punkt ohne Unterbrechung zum gegenüberliegenden Punkt kommt.
Anwendungsbeispiele
Es folgen nun einige Beispiele, wie man Inhalte mit Mindmaps grafisch aufbereiten kann. Die Maps sind nicht vollständig und geben den verwendeten Stoff nur in Auszügen wieder. Es soll ein Eindruck vermittelt werden, was man alles machen kann.
Eigene Fehleranalyse
Ein wesentlicher Aspekt auf dem Weg zum Winning Player oder bei dem Versuch, ein solcher zu bleiben, ist, ehrlich und aggressiv mit den Schwächen des eigenen Spiels umzugehen. Es bietet sich daher an, eine Mindmap zu führen, in die die eigenen Fehler, die einem während des Spiels oder bei der Analyse einer Session auffallen, aufgenommen werden.
Dies könnte beispielsweise so aussehen:
Artikelinhalte: Standardmoves
Eine andere Möglichkeit ist es, Lerninhalte aus Artikeln grafisch aufzubereiten. Eine Möglichkeit sind z.B. die Standardmoves in HU-Situationen postflop. Je nach Grad des Fortschritts mit oder ohne Berücksichtigung der Gegnertypen. Hier zeigt sich auch der Vorteil der besseren Übersichtlichkeit: alle Moves auf einem Blatt und leicht zu finden. In diesem Beispiel nach Gegnertypen geordnet:
Artikelinhalt: Gegnertypen
Es können aber auch Inhalte wie die unterschiedlichen Gegnerarten herangezogen werden zusammen mit den Anpassungen des eigenen Spiels. Was sonst auf mehreren Seiten Fließtext verteilt ist, wird nun auf einem großen Blatt (am besten einen Din-A3-Block anschaffen) leicht verdeutlicht.
Gedankengänge automatisieren
Gerade Anfänger haben oft Schwierigkeiten, sich an alles zu erinnern, was sie während einer Hand bedenken müssen. Daher eignet sich Mindmapping besonders gut, hier Prozesse zu automatisieren. Diese Map kann immer mehr erweitert werden, je mehr man lernt. Die „alten“ Kenntnisse geraten dabei nicht in Vergessenheit. Hier ein Beispiel für Gedanken, die man sich regelmäßig preflop und am Flop machen sollte:
Weitere Möglichkeiten wären z.B. Equityanalysen für einzelne Handtypen (suited Aces, Suited Connectors) gegenüber verschiedenen Ranges aufzuzeichnen, da diese zumeist schwer zu behalten sind oder Profile einzelner Gegner anzulegen, gegen die man sehr häufig spielt.
Abschließende Überlegungen
Es zeigt sich also, dass Mindmapping es möglich macht, auch komplexe Sachverhalte grafisch aufzubereiten. Dies braucht etwas Übung. Wenn man sich aber einmal daran gewöhnt hat, geht es unglaublich einfach von der Hand, da es den natürlichen Denkprozess des Gehirns nutzt.
Wenn man neue Inhalte lernen möchte, empfiehlt es sich zusätzlich, einen guten Wiederholungsrhythmus zu haben. Die Mindmaps sollten nach 24 Stunden, dann wieder nach einer Woche, anschließend nach einem Monat und dann ein halbes Jahr später wiederholt werden. Dies geht meist durch einfaches durchlesen der Mindmap von der Mitte aus. Danach sind die Inhalte tief in das Gehirn eingeprägt und stehen jederzeit zur Verfügung.
Ein Wort zum Abschluss: dieser Artikel enthält einige Beispielmindmaps, die der eine oder andere vielleicht mag und deshalb nutzen möchte. Es sollte sich daher noch einmal vergegenwärtigt werden: eine gute Map ist nur eine Map, die man selber gemalt hat. Es sollten also aus diesem Artikel keine Maps blind übernommen werden. Nutze sie besser als Inspiration und erstelle eine eigene. Die Überraschung ist oft groß, wenn hinterher dann deutlich wird, dass die eigene Map doch anders geworden ist als die Vorlage.
Literatur und Software
Wer sich tiefergehend mit dem Thema Mindmapping beschäftigen möchte, insbesondere, weil er die Technik für andere Bereiche im Leben einsetzen will, dem sei hier etwas Literatur ans Herz gelegt:
Führender Autor ist Tony Buzan. Seine Bücher sind oft etwas reißerisch und streckenweise inhaltsarm. Wie Lebensratgeber eben so sind. Zu empfehlen als Ein- und Überblick ist aber „Das kleine Mind-Map-Buch “
Dies ist für ca. 4 € erhältlich. Wer es etwas umfangreicher mag, der möge einen Blick in „The Mind Map Book “ vom gleichen Autor werfen
Wer einmal Mind Maps am Computer herstellen möchte oder muss (für eine Präsentation oder ähnliches), der sollte sich „FreeMind “ anschauen. Dies ist ein kostenloses Java-Programm, mit dem auch die Beispiele für diesen Artikel erstellt wurden. Funktioniert der Link nicht, dann googelt einfach nach "Freemind".




