Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Odds & Outs

1. Einleitung

In diesem Artikel geht es darum, wie man Drawing Hands auf dem Flop mit Hilfe einfacher mathematischer Operationen richtig bewertet.

2. Drawing Hands (Draws)

Man unterscheidet Drawing Hands und Made Hands.

Eine Made Hand besteht aus mindestens einem Paar (als Pocket Pair oder in Kombination mit den Community Cards). Eine Drawing Hand dagegen ist eine unfertige Hand.

 

Nun kommt es immer wieder vor, dass man auf dem Flop zwar eine Made Hand besitzt, aber dennoch annehmen muss, hinten zu liegen. Eine solche Situation entsteht, wenn mehrere Gegner in der Hand sind und man nur über ein Middle Pair (man hat ein Pair in Verbindung mit der mittleren Community Card) oder Bottom Pair verfügt. Oder aber, man hat ein Top Pair mit schwachem Kicker (Seitenkarte) und vermutet, gegen eine bessere Top Pair Hand zu stehen.

Ist die Action auf dem Flop sehr stark (vor einem wird geraist und danach kommt es sogar noch zu einer 3-Bet), dürfte selbst eine Top Pair – Top Kicker Hand nicht ausreichen. Vermutlich ist ein „2 Pair or better“ auf Seiten der Gegner unterwegs. In solchen Fällen muss man seine Made Hand als Drawing Hand begreifen, da man ja augenscheinlich hinten liegt und auf eine Verbesserung angewiesen ist.

2.1. Das Chance-Risiko-Verhältnis

Ich schätze meine Hand nun also als Drawing Hand ein. Es stellt sich nun die Frage, ob man die Hand aufgibt oder ob die Gewinnchancen im Verhältnis zur Potgröße das Abwarten und Bezahlen für die Turnkarte rechtfertigen.

Die entscheidende Frage lautet: Bekomme ich im Duchschnitt mehr oder weniger Geld heraus als ich hineinstecke?

Um das Chance-Risiko-Verhältnis zu berechnen, muss ich mehrere Größen mit einander verrechnen:

2.2. Die Outs

Unter einem Out versteht man eine Karte, mit der ich meine eigene Hand zur (vermeintlichen) Gewinnerhand verbessern kann.

Beispiel: Nehmen wir an, ich halte 7 6 auf dem Button, habe fünf Gegner und der Flop fällt 8 4 A . Mit meinem Gutshot Draw (mir fehlt eine Karte zur Straight) habe ich in dieser Situation vier Outs: die vier Fives. Gegen mehrere Gegner sind die 7 und 6 keine ernst zu nehmenden Outs. Es ist es zwar nicht unmöglich aber doch sehr unwahrscheinlich, dass ich im Falle einer 6 oder 7 auf dem Turn mit meiner One Pair Hand die besten Karten habe.

2.3. Die Odds

Die Wahrscheinlichkeit zeigt an, mit welcher Chance ein Ereignis eintrifft. Sie wird mit einer Zahl zwischen 0 und 1 ausgedrückt. Im Gegensatz zur Wahrscheinlichkeit drücken Odds die Chance aus, dass ein Ereignis nicht eintrifft, beschreiben es also eher negativ.

 

Fürs Pokern ist die Darstellung in Odds besser geeignet. Odds werden als eine Gegenüberstellung der günstigen und der ungünstigen Fälle ausgedrückt. In unserem Beispiel mit dem Gutshot gibt es 47 mögliche Turnkarten. Denn 52 Karten enthält das Kartenspiel, zwei halt ich auf der Hand, drei liegen im Flop, alle weiteren Karten sind für mich unbekannt und gehören damit zu der menge der 47 möglichen Turnkarten. Von diesen 47 Karten sind vier gut und 43 schlecht. Die Odds sind also 43 zu 4 (konventionell werden sie mit einem Doppelpunkt voneinander getrennt also 43:4).

Zu besseren Anschauung kürzt man auf beiden Seiten, so dass rechts eine 1 erscheint (man teilt 43 durch 4), also erhält man 10,75 zu 1. Links steht die größere Zahl, da die Odds ja die Chance ausdrücken, dass ein Ereignis NICHT zustande kommt. Das Ereignis "Straight auf dem Turn durch Gutshot" ist die 1, das Ereignis "Nicht-Straight" wird durch die 10,75 wiedergegeben.

Zur Vereinfachung können wir aus 10,75 zu 1 den Terminus 11 zu 1 machen. Das bedeutet: in 12 Fällen trifft 1 mal der Gutshot, 11 mal trifft er nicht.

 

Um es ganz klar zu machen: der Gutshot hat eine Wahrscheinlichkeit von 1/12, nicht 1/11! Es sind 12 Fälle, auf die sich die Odds-Darstellung bezieht. Die Fälle werden in "schlecht gegen gut" aufgesplittet.

2.4. Die Pot Odds

Die Pot Odds beschreiben das Verhältnis zwischen dem, was ich einzahlen werde (riskiere, im Sinne von Chancen-Risikoverhältnis), und dem, was im Pott bereits liegt/liegen wird, also meinem potentiellen Gewinn.

Ich spreche bewusst im Futur, denn die Vergangenheit spielt bei dieser Überlegung keine Rolle. Das Geld, was ich in den Pott eingezahlt habe, gehört mir nicht mehr. Ich darf dieser Investition auf keinem Fall nachtrauern und womöglich schlechtem Geld gutes hinterher schmeißen.

Beispiel: Ich muss 1 Dollar bezahlen, um die nächste Karte zu sehen; im Pott liegen 10 Dollar. Folglich habe ich Pot Odds von 10 zu 1.

2.5. Der gesamte Rechenprozess

1. Feststellung der Pot Odds
2. Feststellung der Outs
3. Umrechnung von Outs in Gewinn-Odds
4. Vergleich von Pot Odds und Gewinn-Odds

Zurück zu unserem Beispiel mit dem Gutshot. Vor dem Flop haben insgesamt sechs Leute gecallt, das macht 6 SB (Small Bets). Auf dem Flop bettet der Small Blind. Der Rest callt. Es liegen nun 11 Small Bets im Pott und ich müsste eine Small Bet setzen, um dabei zu bleiben und in den Genuß der Turn Karte zu kommen. Pot Odds von 11 zu 1, stehen Gewinnchancen von 11 zu 1 gegenüber. Das Verhältnis ist ausgeglichen, also ein leichter Call. Noch günstiger wäre es, wenn die Pot Odds bei 20 zu 1 lägen. Die Situation wäre dann ausgesprochen profitabel. 11 mal würde ich 1 Dollar verlieren und einmal würde ich 20 Dollar gewinnen. Die 9 Dollar Differenz verteilen sich auf 12 Fälle, d.h. pro Fall würde ich 9/12 = 0,75 Dollar gewinnen. Mein Call hätte also einen Erwartungswert von 0,75 Dollar.

Anders sieht der Fall bei Pot Odds von 5 zu 1 aus. 11 mal würde ich einen Dollar verlieren und einmal würde 5 Dollar gewinnen, macht -6 Dollar. -6/12 = -0,5. Mein Call hätte einen Erwartungswert von -0,5 Dollar.

3. Die Odds-Tabelle

Es ist übrigens unnötig, die Umrechnung von Outs in Gewinnchancen (Odds) kalkulativ vorzunehmen. Dazu besteht in der Hitze des Gefechts natürlich auch wenig Zeit, gerade, wenn man an mehreren Tischen spielt. Die Lösung des Problems: Man lernt einfach eine Hand voll Zahlen auswendig. Zunächst legt man sich während des Spielens eine Tabelle auf den Schreibtisch (oder heftet sie irgendwo an). So kann man jederzeit nach schauen, wenn es die Situation verlangt. Im Laufe der Zeit gehen die Zahlen in Fleisch und Blut über und man kann freihändig spielen.

Outs Odds vereinf. Odds Beispielsituation
1 46,0 zu 1 46 zu 1 Backdoor Flush Draw, Backdoor Straight Draw
2 22,5 zu 1 22 zu 1 Pair over Pocketpair
3 14,7 zu 1 15 zu 1 Same Pair, worse Kicker
4 10,7 zu 1 11 zu 1 Gutshot, Full House Draw durch 2 Pair
5 8,4 zu 1 8 zu 1 Middle Pair gegen Top Pair
6 6,8 zu 1 7 zu 1  
7 5,7 zu 1 6 zu 1  
8 4,9 zu 1 5 zu 1 Openended Straight Draw
9 4,2 zu 1 4 zu 1 Flush Draw

3.1. Erläuterungen zur Odds-Tabelle

Die Tabelle zeigt die Chancen für Drawing Hands auf dem Flop mit der nächsten Karte einen Treffer zu landen. Die abgerundeten Odds sind einfacher zu lernen und reichen für die Chancenberechnung vollkommen aus.

 

  • 1 Out: Backdoorflush bedeutet, man hat drei Flushkarten (analog Backdoorstraight).
  • 2 Outs: Spielt man ein kleines Pocketpair gegen mehrere Gegner, spekuliert man darauf, ein Set zu floppen. Gelingt einem das nicht, sollte man die Hand in der Regel aufgeben, da bei mehreren Overcards garantiert jemand ein höheres Paar besitzt bzw. es noch machen wird. Bei nur zwei Outs müsste der Pott schon gewaltig sein, um ausreichende Pott Odds zu gewähren.
  • 3 Outs: Wenn man potentiell dominierte Karten wie z.B. kleine Asse spielt, bekommt man häufig ein Kicker-Problem gegen größere Asse. Man hat in solch einem Fall nur 3 Outs, da man den Kicker treffen muss. Das gleiche gilt auch für die klassischen Trap Hands KJ, KT, QJ , QT und JT. Trifft man mit diesen Händen den Flop, wird man häufig von einer Hand mit einem besseren Kicker dominiert.
  • 4 Outs: Angenommen man hat Two Pair und die Action ist sehr stark bei einem gefährlichem Board. Dann kann es gut sein, dass einer der Gegner einen Drilling, einen Flush oder eine Straight gemacht hat. In dem Fall besitzt man 4 Outs, um ein Fullhouse zu treffen. Draws mit 4 und weniger Outs nennt man Weak Draws (gelb).
  • 5 Outs: Wenn man ein Middle Pair in Kombination mit einer Board Card macht, hat man 2 Outs für Trips und 3 Outs für Two Pair.
  • 8 Outs: Ab 8 Outs spricht man von einem starken Draw (orange). Mit starken Draws geht man meistens bis zum River. Wenn man durch 8 Karten eine Straight erzielen kann, besitzt man einen Open Ended Straight Draw (OESD). 8J bei einem 9TA Board sind ein Beispiel für einen OESD, da jede 7 (4 Outs) und jede Q(auch 4 Outs) und einen Straight gibt.
  • 9 Outs: Mit 9 vollwertigen Outs hat man bereits eine Gewinnerwartung von 35 %. Aus diesem Grunde sollte man den Flop bei 2 und mehr Gegnern mit 9 und mehr Outs for value raisen (dabei sollte man aber darauf achten, dass mindestens 2 Leute callen). Man erzielt damit einen unmittelbaren Profit.
  • 10 und mehr Outs: Um die Entscheidung, ob man callen soll oder nicht, geht es bei extrem starken Draws nicht mehr. Man bettet und raist sie meistens for value (man macht direkt Profit). Von daher sind sie für unser Thema bedeutungslos.
  • 14 Outs: Bei 14 Outs ist man „even money“. Man hat dann eine 50 % Gewinnchance, wenn man bis zum River geht.

 

Hold'em ist ein schwieriges Spiel. Die Chancenberechnung wird durch weitere Faktoren noch ein wenig komplizierter:

3.2. Discounted Outs

Die Outs sind die Anzahl aller Karten, die meine Hand verbessern. Was ich aber wissen muss ist doch: Wie viele Karten machen meine Hand zur Gewinnerhand?

Nicht jede Turnkarte, die meine Hand verbessert, macht mich zum Sieger. Somit sind nicht alle Outs gleichwertig. Die schwachen Outs müssen diskontiert (abgewertet) werden. Die Summe aller Outs (die vollen und die diskontierten) nennt man Discounted Outs. Um zu einem korrekten Ergebnis zu kommen, muss ich meiner Berechnung die Discounted Outs zugrunde legen.

Beispiel: Ich halte A K , das Board ist Q 7 5 .

Ohne auch nur ein Paar zu haben, liege ich gegen mehrere Gegner sicherlich hinten. Ich besitze 6 Outs: Jeweils 3 Aces und 3 Kings. Aber die Karten A und K sind gefährlich, da sie einen 3-Flush auf das Board bringen, so dass ein Gegner hierdurch einen fertigen Flush bekommen könnte. Kommt eine dieser Karten, so verbessert sie zwar meine Hand, aber die eines Gegners möglicherweise noch mehr.

Eine weitere Gefahr: Kommt ein Ace auf dem Turn, verliere ich gegen jemanden der A 7 gespielt hat, da er nun über zwei Paare verfügt. Auch möglich, dass einer auf dem Flop bereits einen Drilling machte.

 

Wie ihr seht, lauern überall Gefahren. Aus diesem Grund ist ein Overcard Draw mit A K keine starke Hand. Die 6 Outs müssen abgewertet werden. Gegen zwei Gegner wären das ungefähr 3 Discounted Outs. Bei drei Gegnern oder mehr müsste die Abwertung noch weitaus radikaler ausfallen.

Selbst Outs, die mir eine Nut-Hand bescheren, müssen manchmal abgewertet werden. Bei einem One Card Straight Draw ist das meistens der Fall.

Beispiel: Das Board ist K Q T und ich halte A8.

Meine 4 Gutsshot-Outs auf den Jack, haben keinen vollen Wert, da jeder Gegner mit einem Ace (und Aces werden oft gespielt) den Pott mit mir teilen würde.

3.3. Die relative Position

Um die Pot Odds berechnen zu können, sollte man eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie viel Geld man zahlen muss, um den Turn zu sehen. Dabei kommt es auf die relative Position zum Aggressor an.

 

Angenommen, ich sitze mit einem Gutshot direkt links vom Bettor und nach mir kommen noch drei Personen. Das Elffache meines zu bringenden Einsatzes liegt im Pot, so dass ich angesichts ausreichender Odds meine Hand vermeintlich spielen kann.

Was aber passiert, wenn hinter mir geraised wird? Dies würde meine Odds empfindlich beschneiden, da ich jetzt mindestens den zweifachen Preis für die nächste Karte zahlen muss. Die Hand ist somit aufgrund unserer Position nicht spielbar!

 

Optimal für die Berechnung meiner Pot Odds wäre, wenn ich die Wettaktion abschließen könnte (closing the action). Ist dies nicht der Fall, benötige ich deutlich bessere als die mindestens erforderlichen Odds, sozusagen als Sicherheitsmarge.

3.4. Equity

Die Equity ist der Anteil am Pot, der einem gemäß der Gewinnchancen zusteht. Ein Straightflush Draw hat am Flop 15 Outs und damit eine Equity von 54,12 % bis zum River.

Obwohl er noch keine fertige Hand besitzt, gehören dem Straightflush Draw Holder über 50 Prozent des Potts (angenommen, es ist kein Draw zu einen höheren Flush oder einer größeren Straight unterwegs). Bereits bei einem einzigen Gegner sollte man daher so viel Geld wie möglich in den Pot werfen. Es ist ja unmittelbar profitabel (Value) und bereitet zudem einen Turnbluff vor, sollte die nächste Karte nicht helfen.

 

Wichtiger ist folgende Situation, da sie häufiger vorkommt. Man hat einen Nutflush- oder Secondnutflush Draw auf dem Flop und drei Gegner. Mit seinen neun Outs besitzt man eine Equity von 34,97 Prozent (Odds von 2 zu 1, bis zum River die beste Hand zu haben). Auch hier sollte man den Pott füttern (wenn man dadurch keine Flushkunden vertreibt), da man ja nur 25 Prozent des Geldes beiträgt, jedoch statistisch gesehen zu 34,97 Prozent am Gewinn partizipiert (an jedem Dollar, der zusätzlich in den Pott kommt, gewinnt man knapp 10 %).

4. Übungaufgaben

4.1. Vorwort

Diese Übungsaufgaben befassen sich mit dem Errechnen korrekter discounted outs. Am effektivsten gehst du mit diesen Aufgaben um, wenn du dir die Frage durchliest, dir eine vollständige, korrekte und präzise Antwort überlegst, dann mit den Lösungen vergleichst. Die Lösuungen kannst du sichtbar machen, indem du sie markierst.

Ich werde immer eine Situation während einer Hand beschreiben, wobei die Fragestellung bereits in der Überschrift über einer übungsaufgabengruppe steht.

4.2. Sind Outs hier relevant?

1) Du bist MP2 und hälst A K

UTG raised und MP1 called den raise cold.

 


2) Du bist UTG und hälst 3 3

Du limpst Pre-Flop, genau wie UTG+1, MP1 und 2 und CO. SB raised und BB called. Alle nicht erwähnten Spieler haben bereits gefoldet. Du callst. UTG; die MPs und CO callen ebenfalls.

Der Flop kommt: 4 7 K

SB und BB checken zu dir. Du checkst auch. UTG+1, MP1 und MP2 checken auch. CO bettet und SB check-raised. BB foldet.

 

3) Du bist Button und hälst A A .

Alle Spieler folden, bis auf MP2 und CO, welche beide limpen. Du raised. SB folded. BB und die anderen beiden Spieler callen.

 

Der Flop kommt mit 7 7 2 .

MP2 checkt, doch CO bettet.

4.3. Wieviele Outs habe ich?

Nun geht das Quiz erst richtig los. Ich werde in jeder Aufgabe eine Situation beschreiben und du hast dann die Aufgabe, die Outs zusammenzuzählen und zu discounten. Nach dem Discounten der Outs kannst du auch gleich überlegen, wie du dich in dieser Situation verhalten würdest. Das ist aber nur der kleinere Teil des Jobs. Konzentriere dich darauf, dass du die Outs richtig discountest.


4) Du bist im Button und hast J T .

UTG+1 limped, genau wie MP2 und MP3. Du entscheidest dich auch zu callen. SB foldet und BB checkt.

Pot wenn der Flop aufgedeckt wird: 5,5 SB

Der Flop: 3 5 9 .

UTG+1 bettet, MP2 foldet und MP3 called.

 

5) Du bist wieder im Button und hast nochmal J T .

alle folden zu MP1, welcher raised. Alle Spieler nach ihm callen. Bei so vielen Gegnern im Pot bleibt dir nur ein call. SB foldet und BB called.

 

Bei einem Pot von 12,5 SB seht ihr alle den Flop: 8 3 9 .

MP1 bettet, MP2 und MP3 callen. CO raised.

 

6) Du bist im Big Blind und hälst 5 7

UTG, MP2, MP3 und CO limpen, SB completet. Alle anderen folden. Du checkst.

 

Pot: 6 SB. Flop: A 3 7

SB checkt. Du checkst. UTG bettet und alle zu dir callen. Der Pot enthält jetzt 11 SB.

 

7) Du bist Big Blind und hälst T 9

UTG, MP2, MP3 und CO limpen, SB completet. Alle anderen folden. Du checkst.

 

Pot: 6 SB. Flop: A T 8

SB bettet.

 


8)
Du bist MP2 und hälst J T

Alle vor dir folden. Du raised. MP3, Button, SB und BB callen.

 

Pot: 10 SB Flop: K 9 7

SB und BB checken zu dir. Du siehst deine Outs für den double-gutshot (8) und für den Backdoor-Flush-Draw (1,5), und weißt dass du 9,5 outs aggressiv spielen sollst. Besonders gegen so viele Gegner hast du hier viel Value. Du entscheidest dich für eine Bet, alle Gegner callen.

 

Pot: 7,5 BB Turn: J

SB und BB checken zu dir.

5. Buchempfehlung

Small Stakes Holdem von Ed Miller hat eine sehr Gute Passage über Odds & Outs. Es werden dort viele interessante Beispiele besprochen, und sehr gut erklärt. Du wirst auch ohne dieses Buch eine erfolgreiche Pokerkarriere auf den Weg bringen können, aber es kann nicht schaden.

6. Auflösung

6.1. Sind Outs hier relevant?

1) Nein. Hier sind outs völlig uninteressant. Pre-Flop spielen wir strikt nach chart. Dort sind Outs und Odds bereits berücksichtigt.

2) Ja. Du liegst hier sehr wahrscheinlich nicht vorne. Du hast sehr viele Gegner und du hast nur ein underpair. Es ist also interessant zu wissen, ob es sich lohnt in der Hand zu bleiben.

3) Nein. Du hast hier ein Two Pair mit einem Paar auf dem Board und dem bestmöglichen Overpair. Solange hier keiner der beiden eine sieben oder pocket Zweier hat, liegst du weit in Führung. Hier denkst du eher über einen Raise nach, als über Outs und Odds.

6.2. Wieviele Outs habe ich?

1) 3,5 outs

Du hast zwei Overcards und einen Backdoor Straight Draw. Ansonsten hat dir das Board nicht viel geholfen. Overcards sind für uns drei discounted Outs. Zwar haben wir sechs Karten die unsere Hand verbessern, allerdings ist Toppair eine verwundbare Hand.

Man könnte bereits durch Two Pair oder Set besiegt sein. Es könnte jemand einen Flush-Draw haben, welcher möglicherweise am River ankommt und so unser Toppair wertlos macht. Deshalb rechne am besten immer mit drei discounted outs. Diese kann man noch je nach Situation leicht nach oben oder unten anpassen.

Auf Boards wo viele Draws und Karten aus der Playing Zone (Karten zwischen 9-A werden häufig gespielt) liegen, discountet meine seine Outs auf Overcards stärker, bei Boards die wenig Draws aufweisen, muss man seine outs nicht so stark discounten.

 

Wir haben hier auch noch einen backdoor-Straight-Draw. Diese sind allerdings häufig ziemlich wertlos, weshalb wir ihnen nie mehr als ein Out anrechnen. Hier bewerten wir ihn mit 0,5 Outs, weil das Board noch Flush-Möglichkeiten bietet und genug Spieler da sind, die einen Flush-Draw haben können.

 

Spielweise:

Wir haben 3,5 discounten Outs. D.h. wir brauchen mindestens Pot Odds von 15 zu 1 Um einen Call zu rechtfertigen. Im Pot befinden sich aber nur 7,5 SB (5,5 Pre-Flop + 1 bet + 1 call). Wir müssen eine Bet callen, und sind als letzter dran, dies ergibt Pot Odds von 7,5 zu 1. Also haben wir einen klaren Fold.

 

2) 16 outs

Obwohl du kein Paar getroffen hast, hast du eine sehr starke Hand. Du hast einen Flush-Draw, welcher dir 9 Outs beschert und einen OESD welcher dir weitere 6 outs beschert (OESD=8 outs. 2 von den outs sind aber Herz-Karten, weshalb sie schon beim Flush-Draw gezählt wurden). Das macht zusammen 15 Outs. Diese sind auch mehr Wert als Overcard-Outs, denn Straights und Flushes sind Draws, die wenn sie sich materialisieren fast nicht mehr zu schlagen sind.

Du hast hier auchnoch Outs auf deine zwei Overcards, allerdings ist es wahrscheinlicher, als in der vorherigen Hand, dass wir gegen hohe Pockets, Two Pair oder ein Set spielen (mehr Action und höhere Flop-Karten lassen bessere Hände vermuten).Wir geben uns daher nur 1 Out auf unsere Overcards.

 

Zusammen addieren sich duie Outs zu 16 outs. Diese Hand werden wir sicherlich nicht am Flop wegschmeissen.

 

3) 5 outs

Wir halten Middle Pair, und können nicht davon ausgehen die Beste hand zu halten. Würden hier keine besonderen Bedingungen vorliegen, wäre es ein einfacher Fold. Wir haben allerdings Pot Odds von 1 zu 11 (1 SB die wir callen müssen, wenn wir weiter mitspielen wollen und 11 SB im Pot). Solche Pot Odds sind gigantisch gut. Jede 7 und jede 5 verbessert unsere Hand.

5en sind noch 3 Stück im Deck. Es besteht die Möglichkeit, dass die 5 einen straight komplettiert. Das wäre ein Grund, diese Outs zu discounten. Der Gegner müsste hier 64 als Starthand gespielt haben, daher machen wir uns keine Gedanken um den Straight. Wir entscheiden uns diese Outs doch nicht zu discounten. 3 outs bleiben komplett bestehen.

Für die 7 können wir uns zwei Outs geben. Eine Sieben halten wir selber auf der Hand, und eine liegt im Flop, also verbleiben nur noch zwei im Deck. Outs auf Trips brauchen wir auch nicht zu discounten.

Du hast hier also 5 discounted Outs. Wenn wir in die Tabelle schauen, würden 4 Outs bereits reichen um profitabel zu callen. Wir haben also einen profitablen Call.

4) 3 Outs

Wieder halten wir Middle Pair. Doch die Situation ist deutlich schlechter.

Dieses Middle Pair ist zwar etwas höher und damit auch leicht wertvoller als eben, trotzdem haben wir weniger discountet Outs.

 

Wie eben haben wir bei den drei outs zum 2pair mit der Straightgefahr zu kämpfen. Diesmal ist sie aber realer. Nun gibt es viel mehr Hände, die von Fischen als sinnvolle Starthände erachtet werden könnten, die durch eine 9 (unsere 3 2pairouts) einen straight machen könnten.

Am untersten Ende steht da 76. Diese Hand ist connected. Suited ist sie eine der Lieblings Call-Hände eines jeden Fisches. Weiter gehts mit J7s. Der Jack ist sogar eine Face-card. Und schliesslich noch eine Hand die sogar in unserem SHC auftaucht: QJ. Sogar offsuited ist das keine all zu schlechte Hand. Deshalb ist diese Hand auch am wahrscheinlichsten. Wir müssen unsere Two Pair Outs also drastisch discounten. Ich würde sagen, dass wir die drei Outs hier auf ein Out abwerten können.

Unsere Outs auf die T müssen wir nicht discounten. Das macht zwei volle Outs auf Trips. Zusammen habe wir somit drei Outs.

 

Mit drei Outs haben wir hier einen Fold, da wir 7:1 Pot Odds haben. Selbst wenn der Pot 15 SB groß wäre, müssten wir hier folden!

 

Diesmal ist die relative Position zum Aggressor nämlich sehr wichtig. Es ist gut möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, dass einer der verbleibenden Spieler nachdem ich calle, noch raisen wird. Damit wird mein Call in viele Fällen unprofitabel! Unsere Position ist also sehr wichtig, wenn wir uns entschieden wollen, ob sich ein Call auszahlt, oder nicht.


5) 6,5 Outs

Deinen Backdoorflush kannst du nun vergessen. Du hast zwar nun ein Paar, aber noch lange nicht mit Sicherheit die beste Hand. Es ist wahrscheinlich, dass ein Gegner Top Pair hält, und du dich verbessern musst.

 

Wir denken also in Odds & Outs: Wir müssen unsere Outs hier stark discounten, aus folgenden Gründen:

  • Es kann bereits jemand mit QT oder T8 einen Straight haben.
  • Es ist möglich, dass jemand durch unsere Two Pair Outs ein Straight macht.
  • Es ist nun möglich, dass jemand am River einen Flush bekommt.

 

Ich würde von den 5 outs, 1,5 discounted outs übrig lassen.

 

Auch die Straight-Outs muss man discounten, denn jemand kann nun mit unserem Q-Out einen höheren Straight machen. Jede Zehn bekommt die selben Straight wie wir, was zu einem Pot-Split führen würde. Es gibt die Möglichkeit, dass jemand einen Flush am River trifft.

Wie man sieht, spriht hier viel dafür unsere Straight Outs ebenfalls ordentlich zu discounten. Ich schlage vor unsere 8 Outs für einen Straight auf ca. 5 zu discounten. Zusammen haben wir also 6,5 Outs.

 

Am Turn sollten wir mit lediglich 6,5 Outs nicht mehr betten und raisen, zumal wir keine Chance haben all unsere Gegner zum folden zu bringen. Es sind einfach zu viele. Wir sollten diese hand check/call am Turn spielen

 

Solltest, nachdem du checkst, hinter dir nicht nur eine Bet sondern noch ein Spieler raisen, so musst du deine Outs noch ein wenig mehr discounten. Der Raise macht es wahrscheinlicher, dass...

 

  • jemand ein Set hat
  • jemand bereits einen Straight hat
  • jemand einen Monsterdraw hat
  • jemand ein besseres Two Pair hat, das du nichtmehr durch ein eigenes two pair überholen kannst.

 

Wenn du hier mit einem Raise konfrontiert wirst, kannst Du Dir nicht mehr als vier bis fünf discountet Outs geben.