Betarten - Die Continuationbet
Einleitung
In diesem Artikel
- Der Sinn von Continuationbets
- Die Umsetzung abhängig von deiner Position
- Continuationbets am Turn
Hältst du kein Paar in der Starthand, triffst du nur in gut einem Drittel aller Fälle etwas am Flop, sei es eine made Hand wie ein Paar oder besser oder einen starken Draw. In der großen Mehrheit der Fälle wirst du als Preflopaggressor also am Flop keine Hand haben, die ein Weiterspielen rechtfertigt.
Die Bedeutung der Aggression
Deinen Gegnern geht es in den meisten Fällen genauso: sie haben selten etwas gutes getroffen. Es treten relativ häufig Situationen auf, in denen keiner der noch aktiven Spieler am Flop eine nennenswerte Hand vorweisen kann. In diesen Fällen gewinnt oft der, der als Erster blufft. Gerade in diesem Punkt hast du als Preflopaggressor einen entscheidenden Vorteil: Du hast mit einer Bet oder einem Raise vor dem Flop schon eine starke Hand angezeigt.
Auch gegenüber marginalen Händen deiner Gegner, die momentan vielleicht mit einem mittleren Pocketpair oder einem schwachen Toppair vorn liegen, hast du als Preflopaggressor den Vorteil, eine stärkere Hand repräsentieren zu können. Die Gegner sind sozusagen durch die Erhöhung vor dem Flop eingeschüchtert, so dass sie nur wenig Lust haben, ihre Hand nach dem Flop weiterzuspielen, selbst wenn sie objektiv die derzeit beste ist.
Indem du als Preflopaggressor am Flop die Aggression fortführst und setzt, selbst wenn du nichts getroffen hast, kannst du sehr häufig den Pot für dich gewinnen. Eine solche Bet, die einfach nur die Preflopaction logisch fortführt, mit dem Ziel die Hand direkt zu gewinnen, nennt man Continuationbet oder auch Contibet.
In diesem Artikel lernst du, von welchen Faktoren es abhängt, ob eine Continuationbet profitabel ist. Du lernst die Voraussetzungen und den mathematischen Hintergrund dieses Spielzugs kennen und findest weiterhin Variationen, namentlich die verzögerte Continuationbet, die erst am Turn angebracht wird, und die 2nd-Barrel, eine zweite Bluffbet, nachdem die Continuationbet am Flop gecallt wurde.
Die Theorie
Eine Continuationbet ist eine Bet am oder nach dem Flop von dem Spieler, der preflop als Letzter erhöht hat. Der Name drückt den Zweck dieser Bet gut aus:
Der Preflopaggressor setzt die Aggression auch nach dem Flop fort, um die Hand durch diese Bet für sich zu entscheiden, selbst wenn sie sich nicht verbessert hat.
Folgende drei Punkte machen die Continuationbet aus:
- Derjenige, der die Bet anbringt, war auch vor dem Flop der Aggressor und hat die Initiative in der Hand, ist also derjenige, der preflop als Letzter erhöht hat.
- Nachdem der Flop gegeben wurde, hat noch kein anderer Spieler gebettet.
- Derjenige, der die Continuationbet macht, hat den Flop verpasst, hat also weder eine made Hand noch einen starken Draw geflopt.
Du spielst also dann eine Continuationbet, wenn du als Preflopaggressor den Flop verpasst hast, dir aber gute Chancen ausrechnest, dass du damit den Pot direkt gewinnen kannst.
Dabei machst du dir zu Nutze, dass in der Mehrzahl der Fälle auch die Gegner den Flop nicht wirklich gut getroffen haben und dass dir so das aggressive Image aus dem Preflopspiel hilft, den Pot durch diesen Bluff direkt zu gewinnen.
Du hast nämlich bereits Stärke demonstriert und in vielen Situationen reicht das aus, um den / die Gegner soweit einzuschüchtern, dass die Continuationbet ausreichend oft erfolgreich ist.
Wie bei jedem anderen Bluff auch stehen die Größe der Bet und die nötige Erfolgswahrscheinlichkeit in einem engen Verhältnis zueinander.
BEISPIEL
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
Hero ($51.00)
SB ($48.00)
Preflop: Hero is CO with K

6 folds, Hero raises to $2.00, 1 folds, SB calls $1.75, 1 folds.
Flop: ($4.50) T 


SB checks, Hero?;
Die oben genannten Faktoren, die eine Continuationbet ausmachen, treffen hier zu. Bleibt nur die Frage, wie oft du mit dieser Bet den Pot gewinnen musst, damit sie einen positiven Erwartungswert hat.
Hero macht eine Continuationbet von $1.50 (ein Drittel der Potsize). Er riskiert hier also $1.50, um $4.50 zu gewinnen. Das entspricht Pot Odds von 3:1. Um Gewinn zu machen, muss Hero also in mehr als 25% der Fälle mit dieser Bet den Pot gewinnen.
Hero macht eine Continuationbet von $2.25 (halbe Potsize). Er riskiert hier also $2.25 um $4.50 zu gewinnen. Das entspricht Pot Odds von 2:1. Um Gewinn zu machen, muss Hero also in mehr als 33% der Fälle mit dieser Bet den Pot gewinnen.
Hero macht eine Continuationbet von $3.00 (zwei Drittel der Potsize). Er riskiert hier also $3.00 um $4.50 zu gewinnen. Das entspricht Pot Odds von 1.5:1. Um Gewinn zu machen, muss Hero also in mehr als 40% der Fälle mit dieser Bet den Pot gewinnen.
Hero macht eine Continuationbet von $4.50 (Potsize). Er riskiert hier also $4.50 um $4.50 zu gewinnen. Das entspricht Pot Odds von 1:1. Um Gewinn zu machen, muss Hero also in mehr als 50% der Fälle mit dieser Bet den Pot gewinnen.
Du siehst den logischen Zusammenhang:
Nun ist es auch im oberen Beispiel so, dass du zusätzlich noch wenige Outs hast, mit denen du die Hand ebenfalls gewinnen kannst, sollte die Continuationbet am Flop gecallt werden.
Du hast dabei noch den schwachen Draw auf die beiden Overcards. Also bleiben dir Heads-up noch ca. 4 discounted Outs, falls die Continuationbet gecallt wird. Auch diese Möglichkeit musst du in die Berechnung mit einbeziehen.
Betrachte nun einmal die möglichen Ausgänge der Hand unter der Annahme, dass du im Schnitt weitere $10 vom Gegner gewinnst, falls du gecallt wirst und eines deiner vier Outs triffst:
Der Gegner foldet am Flop gegen die Continuationbet und du gewinnst $4.5.
Der Gegner callt die Continuationbet. Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 8.5% triffst du am Turn eines deiner 4 Outs und gewinnst weitere $10. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 91.5% triffst du keines deiner Outs, foldest dann am Turn und verlierst die eingesetzten $2.25. Der durchschnittliche Verlust, falls du gecallt wirst beträgt also: 0.085 * $10 + 0.915 * (-$2.25) = -$1.20875
Nun lässt sich ermitteln, wie oft der Gegner gegen die Continuationbet folden muss, damit der Spielzug zumindest breakeven endet, also +/- 0.
0 = P(fold) * $4.5 + (1 – P(fold)) * -$1.20875
Es ergibt sich: P(fold) = 0.21
Berücksichtigst du die zusätzlichen Outs durch die Overcards, muss dein Gegner also in mehr als 21% der Fälle gegen die Continuationbet folden, damit der Spielzug insgesamt einen positiven Erwartungswert hat.
Selbstverständlich ist auch diese Rechnung noch grob vereinfacht. Die Anzahl der tatsächlichen Outs und auch der mutmaßliche zukünftige Gewinn, falls du eines deiner Outs triffst, können nur grob geschätzt werden.
Du hast aber einen Eindruck bekommen, wie zusätzliche Outs die benötigte Erfolgsquote einer Continuationbet verändern. Ähnlich wie im obigen Beispiel sind zum Beispiel auch Gutshot Straightdraws zu betrachten. Dazu kommt: Je zahlungsfreudiger ein Gegner ist, desto günstiger ist das Vorhandensein zusätzlicher Outs zu bewerten.
Wichtige Faktoren in der Praxis
Wie du nun weißt, liegt der Erfolg einer Continuationbet darin, die Hand durch eben diese direkt für dich zu entscheiden. Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Continuationbet hängt wesentlich von folgenden Faktoren ab:
- Die Textur des Boards in Hinsicht auf die Wahrscheinlichkeit, dass ein Gegner eine made Hand oder einen guten Draw getroffen hat.
- Die Textur des Boards in Hinsicht auf die abschreckende Wirkung auf die Gegner, also die Möglichkeit, selbst eine starke made Hand zu repräsentieren.
- Der Anzahl der Gegner und deren Callfreudigkeit
Die Textur des Boards wird im Wesentlichen durch drei Faktoren bestimmt:
- Die Höhe der Karten
- Die Connectedness
- Die Suitedness
Je höher du ein Board in Bezug auf einen bzw. mehrere dieser Faktoren einordnen kannst, desto wahrscheinlicher hat ein Gegner hier etwas getroffen und desto unwahrscheinlicher ist der Erfolg einer Continuationbet.
Das Board am Flop ist Q


Dieser Flop ist sehr gefährlich, da er die / den Gegner sehr gut getroffen haben könnte. Drei relativ hohe Karten mit hoher Connectedness und relativ hoher Suitedness sprechen eher gegen eine Continuationbet.
Das Board am Flop ist K


Dieser Flop dagegen trifft den / die Gegner nur mit geringer Wahrscheinlichkeit. Nur eine hohe Karte, keine Connectedness oder Suitedness sprechen deutlich für eine Continuationbet.
Das Board am Flop ist 7


Das Board am Flop ist J


Auch dieses Board ist für eine Continuationbet eher günstig. Keine Connectedness oder Suitedness. Die beiden Jacks wirken auf den / die Gegner wahrscheinlich genauso beängstigend wie auf dich selbst. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Gegner einen Buben auf der Hand hat, ist eher gering, da bereits zwei auf dem Board liegen. Aber auch hier hast du das Problem, dass du nur Trips oder ein Overpair repräsentieren kannst. Viele Gegner werden dir das nicht unbedingt glauben.
Das Board am Flop ist A


Keine Suitedness, wenig Connectedtness, 2 Karten in der Playingzone machen dieses Board auch relativ gut geeignet für eine Continuationbet. Das Ass ist für die Gegner oft genauso Furcht einflößend wie für dich und du kannst es gut benutzen, um eine starke made Hand zu repräsentieren.
Wie du gesehen hast, hat die Textur des Boards nicht nur insofern Einfluss auf den Erfolg der Continuationbets, dass es bestimmt, wie wahrscheinlich ein Gegner etwas getroffen hat. Sie beeinflusst auch, wie glaubhaft du eine starke Hand repräsentieren kannst. Jeder Bluff, und dazu gehören Continuationbets ja, funktioniert um so besser, je glaubwürdiger die Geschichte ist, die du damit erzählen willst.
Je mehr Gegnern du in den Setzrunden nach dem Flop gegenüber stehst, desto wahrscheinlicher ist es, in Abhängigkeit von der Textur des Boards, dass zumindest einer der Gegner eine Hand getroffen hat, die er nicht gegen eine einfache Continuationbet aufgibt.
Gegen einen einzelnen Gegner gehört eine Continuationbet auf den allermeisten Boards sicherlich zum Standardrepertoire. Gegen zwei Gegner wirst du nur noch auf besonders günstigen Boards und möglichst in Position eine Continuationbet machen. Gegen mehr als zwei Gegner ist die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest einer den Flop getroffen hat, dann allerdings so groß, dass du eigentlich keine Continuationbets mehr zu machen brauchst.
Zusätzlich zur reinen Anzahl der Gegner solltest du auch auch die Art der Gegner betrachten und versuchen zu ermitteln, wie wahrscheinlich es ist, dass der / die Gegner auch mit schwachen Händen eine Continuationbet callen und wie wahrscheinlich es ist, dass ein Gegner die Continuationbet sogar raist.
Man unterscheidet dabei verschiedene Gegnertypen. Unter anderem werden die Gegnertypen in diesem Artikel anhand ihrer Pokertracker Stats analysiert. Wenn du nicht über Pokertracker oder ein ähnliches Programm zum Erstellen von Gegnerprofilen verfügst, musst du dich auf deine allgemeinen Beobachtungen und Reads bei der Kategorisierung verlassen.
Allgemein gilt: Je aggressiver ein Gegner spielt, und je öfter er den Showdown sieht, desto geringer sind die Erfolgschancen einer Continuationbet.
Weak tighte Gegner spielen preflop nur sehr wenige Hände und spielen auch nach dem Flop nur weiter, wenn sie den Flop gut getroffen haben, sie also eine sehr starke Hand haben. Diese Gegner sind die dankbarsten Opfer für Continuationbets. Sie folden sofort, falls sie selber keine sehr starke Hand getroffen haben. Deshalb kannst du gegen diese Gegner auch problemlos auf gefährlichen Boards Continuationbets machen. Anhand der von Pokertracker bereitgestellten Stats, kannst du diese Gegner gut erkennen. Sie haben einen niedrigen VP$IP, PFR und Went to Showdown Wert, dafür aber in der Regel einen relativ hohen Postflop Aggression Faktor.
Auch gegen diese Gegner kannst du relativ gut Continuationbets machen. Sie spielen ab dem Flop eigentlich nur starke Hände weiter und werden oft gegen eine Continuationbet folden. Tight aggressive Gegner sind in der Regel sehr berechenbar. Das Mass an Aggressivität, mit dem sie handeln, ist proportional zur Stärke ihrer Hand. Da sie dir schon preflop die Führung überlassen haben, musst du auch nach dem Flop nicht mit einer sehr starken Hand bei ihnen rechnen. Kommt von diesen Gegnern allerdings Gegenwehr, solltest du diese ernst nehmen. Tight aggressive Gegner haben Pokertracker Stats, die den deinen ähnlich sind.
Tight passive Gegner spielen ebenfalls nur wenige Starthände, spielen diese aber kaum aggressiv, auch wenn es sich um sehr starke Hände handelt. Auch gegen diese Gegner kannst du gut Continuationbets machen. Wird die Continuationbet allerdings gecallt, musst du das als Zeichen einer starken Hand werten und die eigene Hand meist aufgeben. Tight passive Gegner erkennt man an Hand ihrer Pokertracker Stats: Niedrige VP$IP, PFR; Agression und Went to Showdown Werte.
Diese Gegner spielen sehr viele Hände, diese aber fast nie aggressiv. Sie gehen in der Regel zu weit mit marginalen Händen und Draws mit und folden kaum, wenn sie den Flop auch nur minimal getroffen haben. Bottompair reicht ihnen, um zu überprüfen, ob der aggressive Gegner nicht vielleicht blufft. Gegen diese sogenannten Callingstations sind Continuationbets weniger Erfolg versprechend. Wichtig für den Erfolg von Continuationbets ist auch, dass die Gegner in der Lage sind, marginale Hände wie Bottompair oder Gutshot-Straightdraws zu folden. Bei diesen Gegnern ist das oft nicht gegeben. Callingstations erkennt man ebenfalls an ihren Pokertracker Stats: hoher VP$IP, niedriger PFR, hoher Went to Showdown und niedriger Aggression Faktor.
Gegen loose aggressive Gegner sind Continuationbets ebenso wenig Erfolg versprechend. Diese Gegner spielen nicht nur wie Callingstations schwache Hände und Draws zu weit, sie bluffen und semibluffen dazu auch noch gerne mit diesen Händen, so dass du nach einer (offensichtlichen) Continuationbet oft mit einem Raise konfrontiert wirst. Gegen besonders extreme Mitglieder dieser Gruppe, die sogenannten Maniacs, solltest du Continuationbets fast vollständig unterlassen und lieber einfach auf starke Hände warten. Diese Gegner sehen eine Continuationbet oft einfach nicht als Bedrohung an, sondern nur als zusätzliche Herausforderung, den Gegner aus der Hand zu bluffen. Loose aggressive Gegner erkennst du an ihren Pokertracker Stats: hoher VP$IP, hoher PFR, hohe Aggression Faktors und häufig ein zu hoher Went to Showdown Wert.
Betrachtest du alle Faktoren, Anzahl der Gegner, Art der Gegner und die Textur des Boards, zusammen, kannst du nun abschätzen, wie Erfolg versprechend eine Continuationbet in der gegebenen Situation wäre und demzufolge entscheiden. Beispiele dazu folgen in späteren Kapiteln.
Wie bereits gesagt, geht es beim Bluffen, also auch bei Continuationbets, darum, eine möglichst glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Demzufolge muss die Größe einer Continuationbet natürlich zu der Hand passen, die du damit repräsentieren willst. Machst du mit einer starken Hand auf einem eher drawlastigen Board normalerweise eine Potsizebet, sollte sich auch eine Continuationbet auf einem solchen Board im gleichen Bereich bewegen, usw.
Dementsprechend wird die Größe der Continuationbet, genau wie die Größe der regulären Bets, die du for Value oder for Protection machst, je nach Situation zwischen halber und ganzer Potsize liegen.
Das gilt aber nur für Situationen und Tische mit aufmerksamen Gegnern, die das Spiel und die Größe der Bets auch aufmerksam beobachten. Gegen die typischen schwachen und unaufmerksamen Gegner auf den niedrigen Limits gilt das nicht. Diese beobachten das Spielgeschehen nicht aufmerksam und sind vielmehr damit beschäftigt, über ihre eigene Hand nachzudenken. Das einfache Denkschema der typischen schwachen Gegner lautet: Eine große Bet bedeutet eine starke Hand und eine kleine Bet eine schwache Hand.
Gegen diese Gegner hat sich empirisch eine Continuationbet von ½- bis 2/3-Potsize als guter Standard herausgestellt. Damit signalisierst du dem Gegner sehr wohl eine Hand, die du nicht kampflos aufgeben willst. Du hältst damit aber auch deinen eigenen Einsatz relativ gering, so dass du mit der Continuationbet nicht zu oft erfolgreich sein musst, damit der Spielzug insgesamt einen positiven Erwartungswert hat.
Umsetzung in Position
Bei der Entscheidung ob du eine Continuationbet machen solltest, wirken also mehrere Faktoren zusammen. Du findest dazu nun einige Beispiele, bei denen immer zwischen in Position und out of Position unterschieden wird.
Eine zusätzliche Hilfe sind dabei folgende Stats der Gegner: VP$IP / PFR / Total Aggression Postflop / Went To Showdown.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
SB – 35.3 / 0.9 / 0.6 / 15.0
Hero ($53.20)
SB ($51.25)
Preflop: Hero is MP1 with K

3 folds, Hero raises to $2.00, 4 folds, SB calls $ 1.75, 1 folds.
Flop: ($4.50) 8


SB checks, Hero?
Eine klassische Situation für eine Continuationbet: Ein ungefährliches Board, das der Gegner nur sehr selten getroffen haben wird, ein einzelner looser und passiver Gegner, der aber postflop etwas tighter wird und gute zusätzliche Outs durch die beiden Overcards. Hättest du hier nicht KQs, sondern AK könntest du fast schon von einer halben Valuebet sprechen, da der recht loose Gegner hier auch oft schwächere Hände hat. So aber bleibt es eine typische Continuationbet mit dem Ziel, den Pot hier bereits zu gewinnen und Ace High zum Folden zu bringen. Hier ist eine Bet von etwa ½-Potsize, also ungefähr $2.5, angemessen.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
SB – 5.3 / 0.7 / 1.6 / 17.1
Hero ($67.70)
SB ($41.25)
Preflop: Hero is MP1 with T

3 folds, Hero raises to $2.00, 4 folds, SB calls $ 1.75, 1 folds.
Flop: ($4.50) A


SB checks, Hero?
In dieser Situation spricht eigentlich alles gegen eine Continuationbet. Du wirst von einem sehr tight passiven Spieler aus den Blinds gecallt. Das Board am Flop hat ihn mit sehr großer Wahrscheinlichkeit getroffen. Du kannst erwarten, hier hinten zu liegen. Die beste Option ist es also, auf eine Continuationbet zu verzichten, die Freecard zu nehmen und zu hoffen, am Turn den Gutshot-Straightdraw zu treffen.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
UTG - 14.2 / 8.1 / 3.2 / 17.9
BB – 42.3 / 10.8 / 1.2 / 33,9
UTG ($27.22)
Hero ($79.30)
BB ($22.75)
Preflop: Hero is MP3 with A

UTG raises to $1.50, 4 folds, Hero raises to $5.00, 3 folds, BB calls $4.50, UTG calls $3.50.
Flop: ($15.25) 9


BB checks, UTG checks, Hero?
In dieser Situation hast du eine Reihe von Faktoren vor dir, die recht eindeutig gegen eine Continuationbet sprechen: Zum einen hast du ein relativ drawlastiges Board, das gut einer der Gegner getroffen haben könnte. Zum anderen hast du zwei Gegner, die beide preflop ein Reraise gecallt haben und somit gut eine starke Hand, wie ein mittleres bis hohes Pocketpair, haben können. Auch bist du gegen den BB mit einer Continuationbet ausreichender Größe, hier wohl mindestens 2/3-Potsize, um glaubwürdig ein Overpair zu repräsentieren, bereits potcommitted und gegen UTG beinahe potcommitted. Von dem loose aggressiven Shortstack kannst du des Weiteren auch öfter erwarten, dass er aus purer Verzweiflung die Continuationbet mit einer schwachen made Hand callt oder raist.
Also eine Reihe von Faktoren, die gegen eine Continuationbet sprechen. Die Foldequity ist sehr niedrig und eine Continuationbet könnte dich in eine recht unschöne Situation führen. Du kannst und solltest hier also den Vorteil der Position ausnutzen und die Freecard nehmen.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
MP2 - 14.2 / 8.1 / 3.2 / 17.9
MP3 – 17.3 / 10.8 / 1.3 / 19.8
MP2 ($45.45)
MP3 ($55.22)
Hero ($109.30)
Preflop: Hero is Button with Q

4 folds, MP2 calls $0.50, MP3 calls $0.50, 1 folds, Hero raises to $3.00, 2 folds, MP2 calls $2.50, MP3 calls $2.50.
Szenario A:
Flop: ($9.75) 5


MP2 checks, MP3 checks, Hero?
In diesem Szenario triffst du erneut auf zwei Gegner. In diesem Fall erwartest du aber von zwei eher tight aggressiven Gegnern, die mit Limp / Call preflop in die Hand eingestiegen sind, nicht zwangsläufig eine starke Hand, sondern eher eine spekulative Drawinghand oder ein kleines Pocketpair, die diesen Flop oft nicht getroffen haben. Das Board bietet dann aber die Möglichkeit, glaubhaft Toppair zu repräsentieren. Des Weiteren hast du, solltest du hinten liegen und gecallt werden, noch 4 gute Outs durch den Gutshot-Straightdraw und eventuell noch wenige weitere Outs durch die Queens und Jacks. Auch bekommst du zu einem großen Teil bei einer Bet am Flop am Turn dann eine Freecard, falls du gecallt wirst. Der Vorteil der Position macht sich hier also voll bezahlt.
Hier machst du also auch gegen zwei Gegner eine Continuationbet. Auf diesem eher drawfreien Board bietet sich eine Bet von halber bis zwei Drittel Potsize an, also ca. $6.
Szenario B:
Flop: ($9.75) 8


MP2 checks, MP3 checks, Hero?
Die gleiche Situation aber ein anderer Flop. Diesen Flop werden die Gegner, die am wahrscheinlichsten spekulative Hände wie suited Connectors oder kleine Pocketpairs halten, viel eher getroffen haben. Außerdem bietet der Flop dir selbst wesentlich weniger Möglichkeiten eine starke Hand zu repräsentieren. Auch fehlen zusätzliche Outs durch den Gutshot-Straightdraw. Nur die Outs auf die Overcards bleiben, die aber deutlich abgewertet werden müssen, da theoretisch schon mehrere Hände möglich sind, gegen die du deutlich hinten liegst (Twopair, Set), und ein Jack auch eine Straight möglich macht, und ein Flushdraw auf dem Board liegt.
Diese veränderte Situation mit geringerer Foldequity, wahrscheinlich besseren gegnerischen Händen und schlechteren Bluffmöglichkeiten spricht deutlich gegen eine Continuationbet. Ein Checkbehind mit Freecard ist die bessere Lösung.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
MP2 - 24.2 / 5.1 / 1.2 / 19.9
BB – 27.4 / 10.8 / 2.3 / 22.6
MP2 ($65.50)
BB ($45.22)
Hero ($48.27)
Preflop: Hero is Button with A

4 folds, MP2 calls $0.50, 2 folds, Hero raises to $2.50, 1 folds, BB calls $2.00, MP2 calls $2.00.
Flop: ($7.75) Q


BB checks, MP2 checks, Hero?
Auf den ersten Blick ein Furcht einflößendes Board. Für die Gegner ist das Board aber genauso Furcht einflößend, wie für dich. Hat keiner der Gegner eine Queen oder preflop ein hohes Pocketpair slow gespielt, gewinnst du mit einer Continuationbet hier auch gegen zwei Gegner mit großer Wahrscheinlichkeit den Pot direkt. Die Gegner sind auch nicht sonderlich aggressiv, so dass du hier nicht unbedingt ein Bluff-Checkraise fürchten muss. Eine Continuationbet ist unter diesen Umständen also eine gute Wahl. Die Größe braucht auf diesem Board nicht wesentlich über halber Potsize zu liegen, um entweder eine Q oder ein hohes Pocketpair zu repräsentieren. $4 ist ein guter, der Situation angemessener Wert.
Umsetzung out of Position
Den wesentlichen Unterschied einer Continuationbet in Position gegenüber einer out of Position macht die Fähigkeit aus, anstelle der Continuationbet eine Freecard zu nehmen. Das macht out of Position in manchen Situationen eine Continuationbet zur besseren Wahl, wo du in Position ansonsten eine Freecard genommen hättest. Ebenso macht es out of Position zum Teil einen Check zur besseren Wahl, weil du out of Position mit einer Continuationbet eben keine Freecards in späteren Wettrunden kaufen kannst.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
MP2 – 35.3 / 0.9 / 0.6 / 15.0
Hero ($53.20)
MP2 ($51.25)
Preflop: Hero is MP1 with K

3 folds, Hero raises to $2.00, MP2 calls $ 2.00, 5 folds.
Flop: ($4.75) 8


Hero?
Die gleiche Situation wie im vorherigen Kapitel in Position. Ob in oder out of Position ändert hier nichts. Ein ungefährliches Board, was der Gegner wahrscheinlich verpasst hat und ein nicht allzu callfreudiger Gegner sprechen deutlich für eine Continuationbet. Auch hier ist eine Bet von gut halber Potsize angemessen, also $2.5.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
Button - 14.2 / 8.1 / 3.2 / 17.9
BB – 17.3 / 10.8 / 1.3 / 19.8
Button ($45.45)
BB ($55.22)
Hero ($109.30)
Preflop: Hero is CO with Q

6 folds, Hero raises to $2.00, Button calls $2.00, 1 folds, BB calls $1.50.
Flop: ($6.25) 5


BB checks, Hero?
In dieser Situation (ähnlich Hand 4 im vorherigen Kapitel) würdest du in Position wohl eine Continuationbet machen. Out of Position hast du hier aber einen großen Nachteil: Mit einer Continuationbet am Flop kannst du dir keine Freecard am Turn verschaffen. Außerdem ist hier die Preflop-Betsequenz eine andere, so dass zumindest einer der Gegner den Flop gut getroffen haben könnte und du oft mit einem Call, Raise oder Checkraise rechnen musst. Die ungünstige Position und ein Flop, der die Gegner gut getroffen haben kann, sprechen hier gegen eine Continuationbet.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$50) (10 handed)
PT Stats:
MP2 - 24.2 / 4.2 / 2.6 / 21.8
Button – 17.3 / 10.8 / 1.3 / 19.8
MP2 ($45.45)
Button ($55.22)
Hero ($109.30)
Preflop: Hero is BB with K

4 folds, MP2 calls $0.50, 2 folds, Button calls $0.50, 1 folds, Hero raises to $3.00, MP2 calls $2.50, Button calls $2.50.
Flop: ($9.25) 5


Hero?
Eine ähnliche Situation wie in der vorangegangenen Hand. Hier ist aber die Stärke der eigenen Hand als wesentlich größer einzuschätzen. Zwei Gegner die preflop keine Stärke gezeigt haben, bei der Preflop-Betsequenz sind eher spekulative Hände bei ihnen zu vermuten, die diesen Flop vermutlich nicht getroffen haben.
Zusätzliche Outs auf den Gutshot-Straightdraw und ein Backdoor-Flushdraw verschaffen dir hier eine gute Ausgangslage. Sogar die Outs auf die Kings und Queens werden öfter gut sein. Bei der vermuteten Schwäche der Gegner zuzüglich einiger Outs für den Fall, dass du gecallt wirst, ist in diesem Fall eine Continuationbet auch out of Position angebracht. Du solltest deutlich Stärke zeigen. Eine Bet von mindestens 2/3-Potsize wäre angemessen, um Toppair zu repräsentieren. Du machst also eine Continuation Bet von $6.
Verzögerte Continuationbets
Als eine verzögerte oder delayed Continuationbet bezeichnet man eine Continuationbet, die du nicht am Flop machst, sondern am Turn. Es gibt Situationen, die am Flop derart suspekt sind, dass du zunächst selbst nur checkst. Du hoffst, so zunächst weitere Informationen über die Stärke der gegnerischen Hände zu bekommen, bevor du in einer zweifelhaften Situation selbst etwas investierst.
Eine zweifelhafte Situation kann in diesem Sinne bedeuten:
- Zwei oder mehr Gegner am Flop.
- Ein besonders gefährliches Board.
- Dein eigenes Image ist schlecht durch besonders aggressives Spiel in der nahen Vergangenheit.
- Der / die Gegner sind besonders callfreudig oder besonders aggressiv.
Bist du ansonsten ein eher aggressiver Spieler, weckt ein Check anstelle einer Continuationbet oft erhebliches Misstrauen beim Gegner, ob du nicht eine besonders starke Hand slowplayst und versuchst, ihn so in eine Falle zu locken. Das bewirkt, dass der Gegner oft ebenfalls nur checkt. So bekommst du zum einen eine Freecard, zum anderen sind die Erfolgsaussichten für eine Continuationbet am Turn dann um so größer. Der Gegner hat schon einmal Schwäche gezeigt und falls er eine drawing Hand hat, sind die Odds für ihn, um am Turn zu callen, deutlich schlechter als noch am Flop.
Die Kehrseite der Medaille ist, dass du so natürlich auch den Gegnern eine Freecard ermöglichst. Hinzu kommt auch, dass viele Gegner am Turn wesentlich weniger bluffen und semibluffen. Gerade Semibluffs mit drawing Hands, sind am Turn eher ungünstig, da die Odds, eines der Outs bis zum Showdown zu treffen, wesentlich schlechter sind als am Flop.
Gegen aufmerksam beobachtende Gegner kann eine solche verzögerte Continuationbet natürlich nur erfolgreich sein, wenn du diesen Spielzug nicht nur mit schwachen, sondern auch mit starken Händen machst. Ansonsten bist du für aufmerksame Gegner viel zu leicht zu lesen und wirst mit diesem Spielzug kaum erfolgreich sein.
Gegen besonders schwache und unaufmerksame Gegner funktioniert dieser Spielzug kaum. Diese denken oft nach dem einfachen Schema: große Bet = starke Hand, kleine Bet = schwache Hand, check = besonders schwache Hand. Dementsprechend werden diese Gegner oft versuchen, dich aus der Hand zu bluffen, wenn du am Flop nur checkst. Das macht diesen speziellen Spielzug eher unbrauchbar für die niedrigen Limits.
Die verzögerte Continuationbet ist also ein Instrument, um eine gefährliche Situation etwas zu entschärfen und den Pot klein zu halten.
PartyPoker No-Limit Hold'em (NL$400) (6 handed)
PT Stats:
Button – 23.7 / 16.8 / 8.3 / 19.5 (Ein looser, aggressiver Regular auf dem Limit. Hat die Continuationbets von Hero oft gecallt oder geraist)
BB - 35.9 / 5.3 / 1.4 / 27.1 (Ein eher looser, passiver schlechter Spieler. Hat in der letzten Hand ein halbes Buy-in durch einen Calldown mit Middlepair gegen Toppair verloren.)
Hero ($449.25)
Button ($646.75)
BB (218.77)
Preflop: Hero is CO with K

2 folds, Hero raises to $14.00, Button calls $14.00, 1 folds, BB calls $10.
Flop: ($44) A


BB checks, Hero?
Hier hast du eine gute Situation, um eine verzögerte Continuationbet zu versuchen. Button ist ein starker aufmerksamer Gegner, der eher selten gegen eine einzelne (offensichtliche) Continuationbet foldet und das in der Vergangenheit auch gezeigt hat.
Da Hero aber dennoch in der näheren Vergangenheit mehrere Continuationbets gegen ihn versucht hat und die Hand dann out of Position am Turn aufgegeben hat, wird er dem Check in dieser Situation auf einem Ace-high Board eher mit Vorsicht begegnen. BB dagegen ist eher passiv, so dass du von ihm, falls Button am Flop auch checkt, keine Bet am Turn erwarten musst, ohne dass er eine starke Hand hat. Zusätzlich bekämst du so eine Freecard, um eventuell den Gutshot-Straightdraw zu treffen. Das Board ist ansonsten nicht sehr drawlastig, so dass eine Freecard für die Gegner nicht all zu schlimm ist.
So verläuft die Hand dann weiter:
Szenario A:
Flop: ($44) A


BB checks, Hero checks, Button checks.
Turn: ($44) 3
BB checks, Hero?
Keiner der Gegner zeigt Stärke. Am Turn fällt eine Blank, eine Karte, die wahrscheinlich keinem der Gegner geholfen hat. Du kannst also deinen Plan in die Tat umsetzen, und machst eine Bet von ca. 2/3-Potsize, also $30.
Szenario B:
Flop: ($44) A


BB checks, Hero checks, Button checks.
Turn: ($44) 9
BB bets $40, Hero?
Der ansonsten eher passive BB bettet hier am Turn fast Potsize. Die Turnkarte hat zwei Straightdraws komplettiert, bzw. macht mit 98 oder T9 Twopair Hände möglich. So musst du hier folden.
Es drängt sich der Verdacht auf, dass eine Continuationbet am Flop bei diesem Ausgang eventuell besser gewesen wäre. Dem ist aber nicht so. Es gilt weiterhin alles, was über den Button gesagt wurde. Zusätzlich musst du annehmen, dass BB bereits den Flop schon in irgendeiner Weise getroffen hatte. Dieser Gegner, das weißt du aus der Beobachtung, foldet dann eher nicht. Du hättest also mit einer Continuationbet am Flop nur zusätzlich Geld verloren.
Der Faktor, der im obigen Beispiel gegen eine direkte Continuationbet am Flop spricht, ist im Wesentlichen die schlechte Position, zum einen absolut zwischen zwei Gegnern, und zum anderen relativ zum aggressiven Gegner, der Position auf dich hat. Verändert man die Parameter in dieser Hand ein wenig, ergibt sich ein anderes Bild:
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$400) (6 handed)
PT Stats: CO – 23.7 / 6.8 / 2.3 / 19.5 (Ein semi-loose passiver Gegner. Keine besonderen Reads.)
BB - 35.9 / 5.3 / 1.4 / 27.1 (Ein eher looser, passiver schlechter Spieler. Hat in der letzten Hand ein halbes Buy-in durch einen Calldown mit Middlepair gegen Toppair verloren.)
Hero ($449.25)
CO ($646.75)
BB (218.77)
Preflop: Hero is Button with K

2 folds, CO calls $4.00, Hero raises to $16.00, 1 folds, BB calls $12, CO calls $12.
Flop: ($50) A


BB checks, CO checks, Hero?
Die Situation hat sich in folgenden Punkten verändert: Der aggressive Gegner ist deutlich passiver geworden. Du hast Position auf beide Gegner und zusätzliche Outs durch einen Backdoorflushdraw. Diese veränderten Faktoren sprechen eher für eine Continuationbet am Flop. Gegen zwei eher schwache Gegner hast du hier deutlich mehr Foldequity. Wirst du doch gecallt, kaufst du dir durch die Continuationbet häufig eine Freecard am Turn und erhöhst so die Chancen, eines der Outs günstig zu treffen, und so die Hand zu gewinnen.
Wie du gesehen hast, ist die Anwendung verzögerter Continuationbets sehr gegner- und situationsabhängig. Außerdem musst du, wie einleitend bereits gesagt, bei den Gegnern durch deinen Check am Flop auch oft genug so viel Misstrauen erzeugen können, dass du dann tatsächlich am Turn die Chance zu einer Bet bekommst. Sind die Gegner nicht aufmerksam genug und interpretieren den Versuch einfach als das, was er wirklich ist, nämlich als Schwäche, hat der ganze Spielzug keinen Wert.
Du musst auch beachten, dass eine verzögerte Continuationbet in Position wesentlich effektiver ist als out of Position. Das liegt einfach daran, dass wenn du selbst in Position bist, die Gegner bereits zweimal Schwäche gezeigt haben, bevor du selbst zum Zug kommst. Out of Position kannst du dieses zweite Zeichen von Schwäche einfach nicht vor deiner eigenen Aktion sehen. Generell musst du beim Spiel out of Position vorsichtiger sein und das gilt auch in Bezug auf Continuationbets.
Die 2nd Barrel
Wenn eine Continuationbet am Flop von einem Gegner gecallt wird, kann es in bestimmten Situationen profitabel sein, am Turn erneut zu betten, auch ohne etwas getroffen zu haben. Ein derartiger Bluff wird als 2nd-Barrel bezeichnet, davon abgeleitet, dass du zweimal auf den Gegner feuern musst ehe er die Hand aufgibt.
Callt ein Gegner am Flop die Continuationbet, zeigt er damit, dass er etwas am Flop getroffen hat und glaubt, dass er entweder mit einer made Hand oder einem starken Draw oft genug die Hand gewinnen wird. Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Gegner glaubt eine Continuationbet zu sehen und die Hand dann am Turn durch einen eigenen Bluff gewinnen zu können. Das nennt man Floaten. In beiden Fällen ist der Gegner überzeugt, dass du selbst eine eher schwache Hand hast. Um ihn am Turn noch vom Gegenteil überzeugen zu können, bedarf es einer dafür günstigen Situation.
Die Faktoren, die bestimmen, ob ein erneuter Bluff am Turn erfolgversprechend ist oder nicht, sind die gleichen wie bei der normalen Continuationbet: Die Textur des Boards, zusätzliche Outs, die Anzahl und Art der Gegner und das eigene Image. Analog zum Vorgehen bei Continuationbets bestimmst du danach die voraussichtliche Erfolgswahrscheinlichkeit des Bluffs.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$200) (5 handed)
PT Stats: Button – 23.7 / 8.8 / 1.8 / 24.5 (Ein semi loose passiver Gegner. Keine besonderen Reads.)
Hero ($222.21)
Button ($146.95)
Preflop: Hero is MP with A

1 folds, Hero raises to $7.00, Button calls $7, 2 folds.
Flop: ($17) 2


Hero bets $10, Button calls $10.
Turn: ($37) K
Hero?
Hier handelt es sich um eine gute Situation, um am Turn erneut zu bluffen. Der Gegner ist nicht zu loose oder zu aggressiv. Mit dem Coldcall preflop ist es unwahrscheinlich, dass er bereits am Flop eine starke Hand hatte. Wahrscheinlicher sind hier Overcards oder ein kleines Pocketpair.
Hat er am Turn den König nicht getroffen oder slowplayt er keine sehr starke Hand, kannst du in diesem Beispiel sicherlich mit einer Bet Toppair repräsentieren und dir den Pot so kaufen. Wirst du doch gecallt, hast du noch einige wenige zusätzliche Outs, durch die Aces und eventuell auch durch die Queens. Eine Bet von 2/3-Potsize, also $25, sollte den Zweck erfüllen.
Die Pot Odds wären hier dann also 37:25, gerundet und gekürzt 1.5:1. Du müsstest in 40% der Fälle den Pot gewinnen, damit der Spielzug einen positiven Erwartungswert aufweist. Das sollte in dieser Situation gegeben sein. Dabei sind deine zusätzlichen Outs noch nicht berücksichtigt. Ebensowenig berücksichtigt wird die Möglichkeit, dass du sogar vorne liegst, zum Beispiel gegen Hände wie 97. Insgesamt sollte das Ergebnis also noch etwas günstiger ausfallen.
Ein Two-Barrel-Bluff ist also eine mögliche Erweiterung der Continuationbet. Wirksam ist dieser Bluff nur in besonders günstigen Situationen wie in der obigen Beispielhand und gegen einen einzelnen Gegner. Hast du nach einer Continuationbet am Flop noch zwei oder mehr Gegner, solltest du davon ausgehen, dass in der großen Mehrheit der Fälle zumindest einer der Gegner eine starke Hand hat, von der er sich, auch gegen eine erneute Bet am Turn, nicht trennen wird.
Schau dir abschließend noch ein Beispiel an, in dem ein Two-Barrel-Bluff nicht geeignet ist.
Party Poker No-Limit Hold'em (NL$200) (5 handed)
PT Stats:
BB – 43.9 / 3.5 / 0.8 / 40.7
Hero ($222.21)
BB ($146.95)
Preflop: Hero is MP with A

1 folds, Hero raises to $7.00, 2 folds, BB calls $5.00.
Flop: ($15) 2


BB checks, Hero bets $10, BB calls $10.
Turn: ($37) J
BB checks, Hero?
Gegen eine typische Callingstation wie in dieser Hand kannst du auf einem ungefährlichen Board die Continuationbet am Flop so gerade noch begründen. Nun am Turn aber erneut zu feuern ist sinnlos. Der Gegner zeigt an, am Flop etwas getroffen zu haben, evtl. hält er auch ein kleines Pocketpair oder einen Draw. Zumindest stehen die Chancen gegen so einen Gegner schlecht, dass er seine Hand aufgibt.
Checkbehind und die Freecard zu nehmen, ist die bessere Wahl. Du hoffst, eines deiner Outs zu treffen oder aber die Hand ohne weitere Einsätze zum Showdown bringen zu können und gegen einen busted Draw evtl. sogar mit Ace-high zu gewinnen. Im Wesentlichen steht die zu geringe Foldequity hier einem erneuten Bluff im Wege.
Besonders gegen schwache Gegner, die zu viele Hände spielen, kommt es oft vor, dass du zwar den Flop verpasst, aber dennoch vorne liegst.
Hero hat A



Das Board am Flop ist: Q


Natürlich eine klassische Situation für eine Continuationbet. Wirst du aber vom Gegner gecallt, der hier seinen Gutshot-Straightdraw jagt, verwandelt sich diese Continuationbet in eine ganz gewöhnliche Valuebet. Am Flop bist du, von der Equity her, ein klarer fast 2:1 Favorit, im Endeffekt die Hand zu gewinnen. Die Spielbarkeit der Hand über den Flop hinaus ist natürlich nicht die beste, so dass du das nicht in allen Fällen so optimistisch sehen kannst. Gerade aber gegen schwache und besonders passive Gegner steckt in solchen Situationen oft auch Value, den du auf den ersten Blick nicht sofort erkennst.
Dieses Kapitel ist mehr eine Randbemerkung. Eine mathematisch differenzierte Betrachtung würde hier zu weit führen, da es eigentlich nicht viel mit klassischen Continuationbets zu tun hat. Du solltest dir aber bewusst sein, dass der Übergang von Continuationbet zu Valuebet fließend ist und dass besonders gegen schwache, loose und passive Gegner in einer offensichtlichen Continuationbet auch oft Value steckt.
Zusammenfassung
No-Limit Hold'em ist ein Spiel, das immer wieder die Analyse der gerade vorherrschenden Situation erfordert. Ebenso ist es bei der Frage, ob und wie du eine Continuationbet machst. Entscheidend sind hier, neben der Textur des Boards, dem eigenen Image, der Position und zusätzlichen Outs, wie immer im Wesentlichen die Zahl und Art der Gegner mit ihren wahrscheinlichen Handranges.
Wie in allen anderen Bereichen im No-Limit Holdem auch, ist es immens wichtig, die gegnerischen Handranges und ihre wahrscheinlichen Reaktionen einschätzen zu können. Diese Fähigkeit kannst du dir nur mit der Zeit und mit viel Erfahrung aneignen.
Bist du dir in einer Situation bezüglich der Gegner unsicher, ist es immer besser, einfach auf eine Continuationbet zu verzichten und die Situation im Nachhinein zu analysieren (auch mit Hilfe der Beispielhandforen). So bist du für das nächste Mal, wenn du in diese oder eine ähnliche Situation kommst gewappnet.
Wie bei allen Bluffs gilt auch für Continuationbets und deren Varianten: Übertreibe es nicht. Ein guter Bluff kommt immer unregelmäßig und ist schwer zu durchschauen. Machst du auf jedem Flop eine Continuationbet, wirst du all zu schnell all zu durchschaubar für die Gegner und somit auch all zu leicht schlagbar.
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