Aktualisiert am 12 März 26 von

Wie Playernotes deine Reads verbessern

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wie du Informationen sammelst
  • Wie du sie in Notes verwandelst
  • Wie du Notes verwendest

Notizen sind ein wichtiges Instrument, um die richtige Entscheidung treffen zu können. Sie werden immer wichtiger, je weiter du in den Limits aufsteigst. Daher ist es ratsam, sich früh mit diesem Thema zu befassen. Sobald du ein gutes und verständliches System für deine Notizen entwickelt hast, kannst du stark von deinen gesammelten Informationen profitieren.

Du lernst in diesem Artikel, wie du die wichtigen Informationen erkennen kannst, auf was du bei deinen Gegnern achten musst, wie du aus deinen Beobachtungen profitieren kannst und wie sich deine Notizen auf dein Spiel auswirken können.

Der erste Teil des Artikels befasst sich mit dem Thema, wie du am besten Informationen sammelst und welche davon von Bedeutung sind. Der zweite Teil wird dir ein einfaches System näherbringen, mit dem du in der Lage bist, alle wichtigen Daten zum Verlauf einer Hand schnell und unkompliziert wiederzugeben.

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Übersicht zu Abkürzungen in Playernotes als PDF-Datei 

Wie sammelst du Informationen?

Da Poker ein Spiel mit unvollständigen Informationen ist, musst du jede dir zur Verfügung stehende Information wie ein Schwamm aufsaugen. Mit jeder Information, die du gewinnst, steigt nämlich dein Vorteil gegenüber deinen Gegnern. Was sich letztendlich in einem höheren Profit wiederspiegelt.

Dein Ziel sollte also sein:

  • Deine Gegner ständig zu beobachten.
  • Informationen zu ihrem Spiel zu gewinnen.
  • Deine Informationen zu notieren.
  • Die richtigen Konsequenzen aus den Informationen zu ziehen.

Durch deine Beobachtungen wirst du in der Lage sein, die unvollständigen Informationen auf ein Minimum zu reduzieren und dir so einen Vorteil verschaffen. Die große Kunst dabei ist es, die wichtigen Informationen von den unwichtigen zu trennen, sie richtig zu deuten und anzuwenden.

Auf was musst du achten?

Generell könnte man sagen, dass jede Information, die du gewinnst, wertvoll sein kann. Du hast aber nicht die Zeit, während des Spiels viele und lange Notizen zu studieren. Das Ziel ist es daher, mit wenigen aber präzisen Information das Spiel des Gegners zu charakterisieren. Dabei musst du dich kurz fassen und die Information auf den Punkt bringen. Damit du dir eine Vorstellung machen kannst, was es Wert ist festzuhalten, sind nun einige Beispiele aufgeführt, an denen du dich orientieren kannst.

Das Preflopspiel

Du bist bereits im Besitz des Pokerstrategy Elephants. Durch diesen hast du schon eine grobe Richtlinie, wie loose oder tight dein Gegner spielt. Der Elephant gibt dir jedoch keine Auskunft darüber, was für Karten dein Gegner gerne spielt. Auch nicht darüber, wie er bestimmte Hände preflop spielt. Hier sind nun deine eigenen Beobachtungen gefragt. Dein Ziel muss es sein, über jeden deiner Gegner soviel wie möglich in Erfahrung zu bringen.

  • Was für Hände favorisiert mein Gegner?
    • Suited Hands
    • Ax und andere Highcard-Hände
    • Kleine Paare
    • Connected Hände
  • Wie spielt er preflop verschiedene Hände?
    • Was für Hände limp/callt er?
    • Welche Hände raist er?
    • Achtet er auf Position mit seinen schwachen Händen?
    • Stealt er viel?
    • Mit was für Händen 3-bettet er?
    • Geht er auch mit schwachen Händen preflop All-In?

Das sind nur einige exemplarische Beispiele, an denen du dich orientieren kannst. Diese Liste ist natürlich stark erweiterbar und soll dir lediglich einen Anhaltspunkt liefern, worauf du achten solltest.

Es lohnt sich immer, ungewöhnliche Züge deines Gegners zu notieren. Coldcallt er zum Beispiel in Position AA auf ein Raise, ist das eine Information, die dir später von Nutzen sein kann. Dass dein Gegner aber zum Beispiel TT oder eine andere mittelstarke Hand vom CO raist bringt dir gar nichts. Es wäre aber interessant, wenn er diese Hände limp/raisen würde da du so schon eine Vorstellung hast, mit welchen Händen er diesen Zug macht.

Es ist vor allem wichtig, dass du dich nicht zu sehr auf die Stats des Elephants verlässt. Sie geben dir lediglich Durchschnittswerte der gespielten Hände an. So könnten zwei Spieler beide Preflop Werte von 30 VPIP und 24 PFR haben, aber doch komplett unterschiedlich spielen. Der eine könnte ein sehr guter loose aggressive Spieler sein und sehr auf Position achten, während der andere einfach ein Fisch ist und einfach nach Lust und Laune Hände raist, ohne sich darüber Gedanken zu machen.

Man darf aber nicht den Fehler machen, von gutem oder schlechtem Preflopspiel auf die Postflopkompetenzen eines Spielers zu schließen. Viele Spieler haben zwar eine solide Preflopstrategie, machen aber postflop viele verheerende Fehler.

Durch Kenntnis der Prefloptendenzen eines Spielers kannst du jedoch einige Postflopfehler vermeiden. Spielt ein Spieler zum Beispiel gerne jedes Ass, so musst du auf einem A-high-Board mit einem Pocketpair sehr aufpassen und kannst meistens folden, wenn er anfängt zu betten oder zu raisen. Triffst du allerdings selber das Ass mit einem guten Kicker, kannst du stark valuebetten, denn diese Gegner folden dann meistens auch nicht mehr.

Auch gegen Gegner, die sehr gerne suited Hände spielen und auch große Bets am Flop und Turn mit ihrem Flushdraw callen, sollte man beim Eintreffen eines Flushs immer auf der Hut sein. Meist kann man einen einfachen Fold finden, sollte man mit einer großen Bet oder einem Raise konfrontiert werden.

Das Postflopspiel

Wichtiger als die Prefloptendenzen eines Spielers zu kennen, ist es, sein Postflopspiel zu durchschauen. Notizen zu den favorisierten Händen eines Spielers können hier jedoch, wie erwähnt, sehr hilfreich sein. Dennoch gewinnt man das meiste Geld postflop, da der Pot und somit die Bets mit jeder Straße größer werden. Du lernst nun grundlegende Typen und Muster kennen auf die du bei deinen Gegnern achten solltest.

WIE SPIELT ER VERSCHIEDEN STARKE HÄNDE?

Dieser Punkt ist wohl einer der wichtigsten. Gleichzeitig aber auch einer der schwersten, da es oft lange dauert, bis man genug Informationen gesammelt hat, um sichere Aussagen treffen zu können. Du solltest daher immer versucht sein, soviel Informationen wie möglich zu sammeln.

Als erstes solltest du die verschiedenen Hände in Kategorien aufteilen. Das könnte zum Beispiel folgende Einteilung sein:

  • Strong Made Hands (SMH): Sets, Toptwopair, Straße, Flush, Full House…
  • Medium Strong Made Hands (MSMH): Toppair, Bottomtwopair…
  • Weak Made Hands (WMH): Middlepair, Bottompair…
  • Strong Draws (SD): Flushdraw, open-ended Straightdraw, Kombodraws…
  • Weak Draws (WD): Gutshot, schwacher One-Card-Flushdraw…
  • Bluffs (B)

Die verschiedenen Boardtexturen müssen dabei jedoch auch berücksichtigt werden, da die Beschaffenheit des Boards einen erheblichen Einfluss auf die Entscheidung deines Gegners haben wird. Meistens wird er auf einem dry Board eher zum Slowplay mit einer starken Hand tendieren als auf einem drawheavy Board. Es ist also immer die Kombination von Handstärke und Board wichtig. Niemals nur einer der beiden Faktoren alleine.

Man sollte mindestens unterscheiden zwischen:

  • Dry Boards (DB)
  • StraightDraw-Boards (SDB)
  • FlushDraw-Boards (FDB)
  • DrawHeavy Boards (DHB): Flush- und Straightdraws möglich

Dies lässt sich natürlich noch verfeinern, da auch die Highcard-Anzahl von Bedeutung ist. Auf einem T45-rainbow-Board ist zwar ein Straightdraw möglich, aber viel unwahrscheinlicher als auf einem JT2-rainbow-Board.

WELCHE NOTIZEN SIND FÜR DICH RELEVANT?
  • Wie spielt er die unterschiedlichen Kategorien auf den verschiedenen Boards?
  • Kann er Toppair Topkicker folden?
  • Versteht er es seine Position auszunutzen?
  • Overplayt er Draws?
  • Verteidigt er seine Blinds viel/wenig?
  • Slowplayt er viel? Auch auf drawlastigen Boards?
  • Foldet er oft auf eine Contibet oder 2nd Barrel?
  • Bluffraist er gerne den Flop/Turn oder River?
  • Kann er ein Overpair folden?
  • Was für Boards checkraist er oft? Was bedeutet sein Checkraise?
  • Zeigt er Aggression, sobald du checkst?
  • Interpretiert er kleine Bets als Schwäche und raist?
  • Floatet er viel? Auf was für Boards?
  • Blufft er busted Draws am River?
  • Donkt er oft in den Preflopraiser und foldet dann auf ein Raise?
  • Versucht er viele kleine Pötte zu stehlen?
  • Mit was für Händen callt/raist er den Flop/Turn?

Dies sind nur einige Schlüsselpunkte, die es zu beachten gilt. Dir werden sicher noch viele Punkte auffallen, die dir einen Vorteil verschaffen können. Alle wichtigen Situationen hier darzulegen, würde allerdings den Umfang dieses Artikels sprengen. Wenn du dir deine eigenen Gedanken machst, wird es aber keine Schwierigkeit für dich sein, noch weitere Punkte zu ergänzen.

DIE BETSIZE

Die Betsize ist ein sehr wichtiger Faktor. Oft lässt sich von der Größe der Bet auf die Stärke der Hand schließen. Dies ist vor allem bei schlechten Spielern der Fall. Bettet dein Gegner nicht nach der Beschaffenheit des Boards sondern nach der Stärke seiner Hand, so kannst du daraus einen Read ableiten. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei auf Minbets und Overbets gelegt werden.

  • Overbettet er am River als Bluff oder for Value?
  • Minbettet er Draws und callt ein großes Raise?
  • Minbettet er Monster, um dich im Pot zu halten / ein Raise zu provozieren?
  • Minbettet er als Steal und foldet dann auf ein Raise?
  • Macht er kleine Contibets und große Bets mit einem Hit?
  • Was bedeutet eine ½, 2/3, 1 Potsize-Bet?

Auf den niedrigen Limits zeigt die Erfahrung zum Beispiel, dass Fische meistens mit Draws nur minbetten, um so möglichst billig die nächste Karte zu sehen.

Falls es dir gelingt, die Betsize eines Gegners zu charakterisieren, hast du einen enormen Vorteil gegen diesen Spieler. Bedeutet zum Beispiel eine kleine Bet Schwäche, kannst du viele Pötte durch ein einfaches Raise stehlen. Bedeutet sie hingegen Stärke und er will dich nur im Pot halten oder ein Raise provozieren, so kannst du mit einem Fold viel Geld sparen. Mit einem Draw kannst du gegen diesen Gegner sogar noch billig die nächste Karte sehen und hast sehr hohe implied Odds, falls du triffst.

Spielst du allerdings gegen gute Spieler, so kannst du aus der Betsize meistens nicht viel ableiten, denn gute Spieler machen ihre Betsize meistens vom Board abhängig. Auf drawlastigen Boards werden die Bets im Durchschnitt etwas größer sein als auf dry Boards. In Multiwaypötten wird auch mehr gebettet als in einem Heads-up-Pot. Hier helfen dir dann nur deine Notizen zu seinem Spielstil.

VON DER VERMUTUNG ZUR VERLÄSSLICHEN NOTIZ

Auf den ersten Blick wirst du sicher denken: Wie schaffe ich es soviel Informationen zu sammeln? In dem du dir einzelne Hände notierst und sein Spiel in dieser Hinsicht überprüft. Diese spezielle Situation wird sich jedoch sicherlich nicht so schnell wiederholen. Das stimmt auch. Diese Notizen zu einzelnen Händen stellen auch lediglich die Grundlage für deine Beobachtungen dar. Je mehr du deine Gegner beobachtest, desto mehr Notizen wirst du zu deinen Gegnern sammeln. Bald wirst du bestimmte Muster in ihrem Spiel entdecken. Dann bist du in der Lage, wichtige Spielzüge und Gedankengänge deines Gegners gut einzuschätzen.

Sobald du weißt, wie dein Gegner verschiedene Handtypen spielt, bist du in der Lage in den richtigen Momenten die richtige Entscheidung zu treffen. Dies wird dir gegen diesen Gegner zum einen oft Geld sparen, da du dir sicher sein kannst, dass du geschlagen bist. Auf der anderen Seite kannst du aber auch öfter noch eine Valuebet setzen, die du sonst womöglich verpasst hättest. Dein Gegner wird es daher sehr schwer haben, gegen dich zu spielen, da du ihm immer einen Schritt voraus sein wirst.

Anfangs wirst du daher meistens nur Notizen zu einzelnen Händen deines Gegners haben. Aus diesen ist es dann aber durch weitere Beobachtung möglich, eine allgemein gültige Tendenz für diesen Spieler zu formulieren. Dies ist durch Studium der Handhistory und durch Beobachten von Händen, in denen du nicht beteiligt bist, einfach zu bewerkstelligen. Wenn du eine Notiz hast, dass dein Gegner Toppair mit Topkicker auf einem drawheavy Flop nur callt und den Turn raist, solltest du auf diesen Punkt call Flop, raise Turn weiterhin achten.

  • Macht er das nur mit starken Händen?
  • Raist er seine Draws am Flop?
  • Blufft er oft am Turn?

Wenn du nun genug Informationen gesammelt hast und sich herausstellt, dass er seine Draws am Flop raist, aber seine starken Hände nur callt, dann hast du für diesen Spieler eine sehr wertvolle Information gewonnen.

Dir sollte auch immer bewusst sein, dass es eine große Rolle spielt, gegen was für Spielertypen diese Hand ausgetragen wurde. Ein TAG callt sein TPTK auf allen drei Strassen auf einem 2-suited Board nur gegen einen sehr häufig bluffenden Maniac. Der gleiche TAG bettet alle drei Strassen auf einem KT473-Board ohne Flushdraws mit KQ gegen eine Callingstation, die sehr light callt.

In beiden Beispielen hast du hier zwar eine Information gewonnen, die dir selbst jedoch nicht weiterhilft. Denn falls du dich an die von PokerStrategy empfohlenen Strategien orientierst, wirst du weder ein Maniac noch eine Callingstation sein. Du kannst also nicht davon ausgehen, dass dieser TAG seine Hände genauso gegen dich spielen wird. Du kannst jedoch aus dem Spiel der Callingstation und des Maniacs in dieser Hand profitieren. Womit hat die Callingstation hier drei Barrels gecallt? Mit was für einer Hand bettet der Maniac drei Strassen auf einem drawheavy Board?

Für die beiden letzten Spieler kannst du nun eine vorläufige Notiz eintragen. In weiteren Händen kannst du nun überprüfen, ob sie öfters Hände so spielen oder nur gegen diesen bestimmten TAG. Er könnte gegen die Callingstation oft geblufft haben, was diese zu einem Calldown mit einer schwachen Hand bewegt hat, den sie ansonsten nicht macht. Ebenso könnte der Maniac vom diesem TAG oft gefloatet worden sein oder wurde öfters von ihm nur mit einem Draw gecallt, so dass dieser eine 2nd Barrel am Turn gefeuert hat und den River ohne Showdownvalue gebettet hat, um einen Draw oder eine schwache Hand endgültig zum Folden zu bringen.

Dein Ziel sollte also sein, auch Hände zu beobachten, an denen du nicht beteiligt bist, und die gewonnen Informationen als Vermutung festhalten. Durch weitere Beobachtungen kannst du deine Vermutung dann als richtig oder falsch einstufen. Hast du von einem Spieler bereits viele Informationen die sich als richtig herausgestellt haben, so solltest du diesen auch vertrauen und sie auf die Probe stellen. Falls du hin und wieder mit deiner Einschätzung falsch gelegen hast, lass dich nicht aus deinem Konzept bringen. Kein Read ist zu 100% sicher.

Dies ist eine Methode, mit der du langsam zu verlässlichen Informationen gelangen kannst, indem du dir einzelne interessante Hände notierst und anschließend überprüfst, ob diese eine Ausnahme waren oder nicht. Mit etwas Übung kannst du dadurch ein Verständnis gewinnen, wie dein Gegner das Spiel sieht und mit welchen Beweggründen er seine Aktionen macht.

HILFREICHE NOTIZEN ZU SCHLECHTEN SPIELERN
  • Light CallDowns (LCD)
    • Callen mit vielen schlechten Händen runter (z.B Midpair, Bottompair, Highcard).
  • Do not Bluff (DnB)
    • Steht meist mit Light Calldowns in Verbindung. Der Gegner legt zu wenige Hände weg, um profitabel zu bluffen.
  • Chase Draws (ChD)
    • Spielen ihre Draws passiv und callen große Bets am Flop und Turn. Kommt ein Draw an, muss man vorsichtig werden. Egal ob Gutshot oder Flushdraw, jeder Draw ist es wert, nachgejagt zu werden.
  • Needs 2nd Barrel (2ndB)
    • Folden fast nichts am Flop. Dafür fast alles auf eine 2nd Barrel am Turn.
  • TPNK = Nuts
    • Gegen diesen Gegner solltest du mit Toppair Topkicker um Stacks spielen, da er bereit ist mit jeder Form von Toppair broke zu gehen.
  • Strong ValueBets (SVB)
    • Callen mit allem, was du dir vorstellen kannst, und sogar mit noch schlechteren Händen.
TIPP ZUM NOTIEREN

Viele Spieler machen den Fehler, ihre Notizen in ausgeschriebenen Sätzen zu formulieren. Dies ist anfangs sicher einfacher und unkomplizierter. Auf Dauer stellt einen dies jedoch vor einige Probleme, denn die Notizen …

  • … sind meistens unterschiedlich formuliert.
  • … benötigen viel Platz.
  • … werden mit der Zeit unübersichtlich.

Das Problem, das daraus häufig resultiert, ist, dass man zwar eine große Menge an Informationen gewinnt, diese aber nicht effektiv nutzen kann. Oft versteht man nicht mehr genau, was eine Notiz bedeutet, die man vor einem Monat geschrieben hat. In der kurzen Zeit, die einem für eine Entscheidung bleibt, schafft man es nicht, sich durch das Durcheinander der ganzen Notizen zu lesen.

Die logische Konsequenz, um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, ist, sich früh ein einheitliches System anzueigenen. Es sollte schnell, kurz und einfach sein, aber dennoch ein hohes Maß an Präzision und Detailgenauigkeit besitzen. Gerade Abkürzungen, die von vielen etwas verteufelt werden, sind hier von enormer Wichtigkeit. Dabei gewöhnt man sich in sehr kurzer Zeit eine große Menge neuer Symbole an. Anfangs mag es zwar anstrengend sein, die Notizen zu schreiben, aber du wirst dich sehr schnell erfolgreich umstellen können. Auf lange Sicht profitierst du von einem kurzen und präzisen System, das vor allem den spärlichen Platz, den du für Notes hast, bestmöglich ausnutzt.

Wie hältst du die Informationen fest?

Nun lernst du, wie du deine Beobachtungen festhalten kannst. Als erstes wirst du eine Technik kennenlernen, mit der du einzelne gespielte Hände notieren kannst.

Dabei ist wichtig, dass du deine Notizen immer nach dem gleichen Muster aufschreibst. Nur so wirst du in der Lage sein, diesen Prozess zu automatisieren. Je öfter du dir eine Notiz machst, desto schneller wirst du dich daran gewöhnen. Ehe du dich versiehst, wird es dir dann überhaupt nicht mehr schwerfallen, in kurzer Zeit viele Notizen festzuhalten oder auszuwerten.

Der Weg von der Beobachtung zur Notiz

Deine Notiz sollte immer alle wichtigen Informationen enthalten. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig immer der komplette Handverlauf sein. Es können auch nur die Aktionen auf einzelnen Straßen von Bedeutung sein.

Aufbau der gesamten Note

Stack, Hand, Position, Preflopaktion, Board, Flop- , Turn- , Riveraktion

Dies wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, den gesamten Handverlauf zu gliedern. Je nachdem, welche Aktion in der Hand entscheidend war, können nur einzelne Informationen aufgeschrieben werden.

DER STACK

Um nicht jedesmal den $-Betrag des gegnerischen Stack hinschreiben zu müssen, werden gängige Abkürzungen benutzt:

  • ShortStack(SS)
  • MidStack(MS)
  • FullStack(FS)
  • DeepStack (DS)

Du solltest selbst am besten wissen, ab wann ein Gegner für dich in die verschiedenen Kategorien SS, MS, FS bzw. DS fällt. Für die Kategorie Deepstack ist es ratsam, noch eine feinere Unterscheidung vorzunehmen, denn es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein Spieler 1.5 Stacks oder 3 Stacks deep ist. Dazu hilft es eine Zahl hinter die Abkürzung zu schreiben. DS würde dann einen Spieler mit 1.5 Stacks beschreiben. DS2 einen Spieler der 2 Stacks deep ist. Du solltest dabei jedoch auch immer darauf achten, dass du die effektiven Stacksizes einbeziehst, denn ist ein Spieler mit 3 Stacks mit einem Draw am Flop All-In gegen einen Spieler mit nur 50 BB, so kannst du daraus nicht auf sein Spiel gegen einen anderen Deepstack schließen, da die effektive Stacksize nur 50BB beträgt.

DIE HAND UND DIE POSITION

Die Hand sowie die Position des Spielers werden nach den Stacksizes angegeben. AT bezieht sich dabei immer auf offsuited Hände. Während das „s“ nach der Hand immer suited Hände bezeichnet (z.B. ATs, 98s etc.).

An einem shorthanded Table bezeichnen UTG, MP, CO, BU, SB, BB die sechs verschiedenen Positionen. Ergänzend dazu kann man noch schreiben, ob der Spieler IP (in Position) oder OOP (out of Position) die Hand gespielt hat.

DIE PREFLOPAKTION

Da du bereits alle wichtigen Rahmenbedingungen notiert hast, kannst du dich nun um das Preflopspiel deines Gegners kümmern. Um die einzelnen Möglichkeiten, die einem Spieler zu Verfügung stehen, abdecken zu können, sind ein paar Abkürzungen nötig. Dies dient der Übersichtlichkeit und der Einheitlichkeit. Außerdem erreichst du so eine platzsparende und kurze Notiz. Es macht jedoch keinen Sinn, viele neue Begriffe und Abkürzungen zu lernen. Daher solltest du auf bereits bekannte Begriffe und Abkürzungen zurückgreifen. Es empfiehlt sich daher die üblichen Begriffe aus dem Forum zu übernehmen.

Als Beispiel könnte man folgende Abkürzungen verwenden:

  • L = Limp
  • c = call
  • f = fold
  • R = Raise
  • isoR = isolation-Raise
  • o = over/open
  • 3b = 3-bet
  • 4b = 4-bet
  • p = push
  • AI = All-In
  • Sqz = Squeeze

Mit diesen Abkürzungen lassen sich nun alle verschiedene Ausdrücke formen, in dem man die einzelnen Abkürzungen sinngemäß verknüpft:

  • FS, JJ BU oR/c3bet SB
    • Fullstack, JJ am BU, openraist, callt 3-Bet aus dem SB
  • FS, 44 BU CC oR MP
    • Fullstack, 44 am BU, coldcallt Openraise aus MP
  • MS, 94s UTG L/r BU
    • Midstack, 94s in UTG, limp/raist gegen ein BU-Raise
  • FS, AKs BU oR/4bet SB
    • Fullstack, AKs am BU, openraist und 4-bettet auf eine 3-Bet des SB
  • FS, AJ SB 3b/p oR CO
    • Fullstack, AJo im SB, 3-bettet CO-Openraise und pusht auf CO-4-Bet

Du hast nun ein System kennen gelernt. Das System muss für dich nicht optimal sein. Es soll dir hauptsächlich eine Anregung bieten, um dir dein eigenes System zu kreieren. Hierfür kannst du entweder das System übernehmen, abändern oder mit dessen Hilfe ein neues erschaffen.

DAS BOARD

Da es sehr viele verschiedene Board Texturen gibt benötigt man ein System, das jedes mögliche Board abdeckt. Das Hauptproblem hierbei sind wohl die verschiedenen Suits der Gemeinschaftskarten. Eine Möglichkeit, wie du dieses Problem lösen kannst, erfährst du nun.

Die verschiedenen Karten werden ganz üblich mit A, K, Q, T, 9… abgekürzt. Für die Suits empfiehlt sich folgendes System:

  • rainbow Flop: K74r
  • 2-suited Flop: K74s
  • 3-suited Flop: K74ss

Falls nun ein Flush am Turn oder River ankommt, so lässt sich das folgendermaßen darstellen:

  • 2-suited Flop mit 3s River: K74sT2s
  • 2-suited Flop mit 3s Turn: K74sTs2
  • 2-suited Flop mit 3s Turn und 4s River: K74sTs2s

Diese Boards unterscheiden sich nun in einem wichtigen Detail. Während auf dem 1. Board die dritte Karte einer Suit erst am River erscheint, ist sie auf dem 2. Board bereits am Turn erschienen. Das 3. Board ist am Turn ebenfalls bereits 3-suited, wird am River aber sogar noch 4-suited.

Das alleine ist jedoch noch nicht ausreichend. Denn bis jetzt können wir noch keine möglichen BackDoorFlushdraws (BDF) darstellen.

  • rainbow Flop mit BDF am Turn: QT4r2sT
  • rainbow Flop mit BDF am Turn und 3s River: QT4r2sTs
  • 2-suited Flop mit BDF am Turn und 3s River: QT4s2ssTs
  • 2-suited Flop mit BDF am Turn und 3s BDF am River: QT4s2ssTss

Auch diese Boards unterscheiden sich stark voneinander. Beim ersten Board handelt es sich um einen Rainbow-Flop, bei dem ein BDF-Draw am Turn möglich wird. Der River bringt aber nicht die dritte Karte in dieser Suit.

Das 2. Board ist ebenfalls ein Rainbow-Flop mit einem möglichen BDF-Draw am Turn, der am River diesmal auch ankommt.

Das 3. Board stellt einen 2-suited Flop dar. Am Turn wird ein BDF-Draw möglich. Der River komplettiert jedoch den ursprünglichen Flushdraw am Flop.

Das 4. Board ähnelt dem 3. nur mit dem Unterschied, dass am River der BDF angekommen ist.

Nun fehlt nur noch der 3-suited Flop.

  • 3-suited Flop, Blank Turn & River: J72ss49
  • 3-suited Flop, Blank Turn 4suited River: J72ss49s
  • 3-suited Flop, 4s Turn und 5s River: J72ss4s9s

Weiterhin lohnt es sich festzuhalten, ob der Pot heads-up oder multiway war. Bei keiner Angabe solltest du von einem Heads-up-Pot ausgehen. Die Multiwaypötte kann man einfach durch ein mwp (multiwaypot) abkürzen.

Wie du siehst kannst du mit einer einfachen Methode jede nur erdenkliche Boardtextur kurz und übersichtlich darstellen. Du hast nun mit etwas Übung die Möglichkeit, innerhalb von Sekunden eine große Menge an Informationen zu verarbeiten:

  • Wie groß war sein Stack?
  • Was für eine Hand hatte er?
  • Aus welcher Position hat er gespielt?
  • Wie sah das Board aus?
  • Wie stark war seine Hand in Kombination mit dem Board?

Du besitzt jetzt bereits einen Großteil der Informationen in kurzer und gebündelter Form. Es fehlen jetzt lediglich noch die Postflopaktionen.

POSTFLOP

Nachdem nun alle Details für die Rahmenbedingungen der Hand bereits notiert sind, fehlen nur noch die Aktionen auf den verbleibenden Straßen.

Zur besseren Übersichtlichkeit empfiehlt es sich, die Postflopaktionen den Preflopaktionen anzugleichen. Die einzelnen Straßen kann man ebenfalls abkürzen:

  • F = Flop
  • T = Turn
  • R = River

Die Postflop Aktionen sollten mit den Preflopaktionen übereinstimmen und einen ähnlichen Aufbau haben. Dies ist zum Beispiel mit diesen Bezeichnungen möglich:

  • c = call
  • ch = check
  • b = bet
  • D = Donk
  • f = fold
  • r = raise
  • cbet = contibet
  • m = min
  • 3b = 3-bet
  • p = push
  • AI = All-In
  • cb = checkbehind
  • chD = checkDown
  • CD = CallDown
  • o = over
  • PS = PotSize

Mit Hilfe dieser Abkürzungen solltest du in der Lage sein den Verlauf einer Hand durch Kombination der einzelnen Abkürzungen darzustellen.

Diese Techniken sollen nur als Beispiel dienen und haben nicht den Anspruch, perfekt zu sein. Sie soll dir lediglich verdeutlichen, dass man mit einfachen Mitteln eine ganze Hand notieren kann. Diese Technik bietet dir eine solide Grundlage, mit der du dir ein eigenes System erarbeiten kannst.

Wie dir sicher aufgefallen ist, handelt es sich um keine unbekannten Begriffe. Auch die Abkürzungen sollten dir größtenteils aus dem Forum bekannt sein. In den meisten Handbewertungen werden ebenfalls diese Begriffe und Abkürzungen verwendet. Du musst diese lediglich nun verinnerlichen, um so deine Notizen schnell und genau festhalten zu können.

BEISPIELE
  • FS, AKs BU oR/c3bet SB, KT8r9ss2 F c cbet T cb R pAI
    • Fullstack, AKs am BU, openraist und callt eine 3-Bet des SB
    • Board: KT8 rainbow, BDF am Turn 9, River blank. Hero hat TPTK
    • Flop: callt die Contibet, Turn: checkt behind, River: pusht All-In
  • FS, 33 CO, CC oR UTG, 785s6Q F r cbet T 2/3PSB R cb
    • Fullstack, 33 am CO, coldcallt ein Openraise aus UTG
    • Board: 785 2-suited am Turn 6, River bringt eine Q
    • Flop: Spieler raist die Contibet, Turn: bettet 2/3 Potsize, River: checkt behind
  • MS, T9s BB, CC oR BU, A87s4J F Db T ch R b/c
    • Midstack, T9s im BB, coldcallt Openraise vom BU
    • Board: A87 2-suited, Turn Blank 4, River J bringt die Straße
    • Flop: donkbet, Turn check, River: bet/call
  • MS, Q3s UTG, l/c isoR MP, AQTrA3 F ch/c T ch/c R ch/cAI
    • Midstack, Q3s in UTG, limp/callt ein Isolationraise aus MP
    • Board: AQT rainbow, Turn A und River 3
    • Flop/Turn/River: Spieler check/callt alle 3 Streets und ist am River All-In
Notizen bei aufmerksamen Spielern:

Wenn du mit aufmerksamen Spielern am Tisch sitzt, werden auch noch andere Dinge wichtig. Nun ist es nicht nur von Bedeutung, wie deine Gegner spielen. Denn auch dein eigenes Spiel in den vergangenen Händen wird interessant. Wenn du davon ausgehst, dass deine Gegner in der Lage sind, dein Spiel zu beobachten und sich ihrerseits Notizen zu machen, dann solltest du wichtige Informationen zu deinem Spiel und wie du denkst, dass du von deinem Gegner gesehen wirst, bei ihm ebenfalls notieren.

Das könnte zum Beispiel wie folgt aussehen. Du bist am BU mit AQ. In den Blinds sitzen zwei Tags. Du raist und der SB foldet. Der BB ist ein sehr aggressiver Spieler, der dich schon oft ge-3-bettet hat und dies auch wieder tut. Du entscheidest dich für einen Call. Der Flop ist J62r und der BB bettet. Du entscheidest dich hier für einen Move und pushst ihn All-In. Da seine Range einfach so groß ist und er sehr viel folden wird. Zu deinem Pech hat dein Gegner jedoch AA und callt dich.

Ist dein Gegner aufmerksam, so wird er sich eine Notiz machen. Die könnte folgendermaßen aussehen: 3betP, dry rAI air. Mit dieser Information muss dein Gegner nun davon ausgehen, dass du ihn hin und wieder in 3-Bet-Pötten rausbluffen willst. Er wird also mit Sicherheit etwas callfreudiger sein in den nächsten Händen. Daher musst du etwas vorsichtiger mit Bluffs umgehen. Es ist jedoch ratsam, genau diesen Move nun auch mit starken Händen zu machen, denn dein Gegner wird weiterhin davon ausgehen, dass du hier öfter bluffst.

Sieht er dich das allerdings auch mit starken Händen machen, so kannst du weiterhin den einen oder anderen Bluff einstreuen. So lässt du deinen Gegner im Dunkeln und er kann sich nie sicher sein, was du jetzt gerade auf der Hand hast. Machst du dies allerdings immer nur mit dem Bluff, so wird er schnell dahinterkommen und du wirst viel Geld in diesen Situationen gegen diesen Gegner verlieren.

Fazit

Du hast in diesem Artikel gelernt, wie du Notizen erstellen kannst, was du bei deinen Gegnern beachten solltest und wie du dein Wissen gegen sie anwenden kannst. Du besitzt nun eine solide Grundlage, um dir mit etwas Übung viele Informationen über deine Gegner anzueigenen.

Wie du siehst, sind Notizen ein sehr umfangreiches Thema. Es lohnt sich jedoch, sich damit ausgiebig auseinanderzusetzen, da es enorm wichtig ist, seine Gegner zu kennen. Wie heißt es doch so schön: Spiele nicht deine Karten, sondern deine Gegner! Genau diesem Ziel kommst du durch die Anwendung der oben genannten Praktiken näher und wirst so zu einem besseren Spieler.

Ausdauer und Lernbereitschaft sind hier, wie auch in allen anderen Gebieten ein Muss. Wenn du nicht bereit bist, dich darauf einzulassen, wirst du es auch nicht schaffen. Deine Notizen werden dich auch hin und wieder im Stich lassen. Manchmal hat dein Gegner eben eine starke Hand, auch wenn er in diesem Spot fast immer geblufft hat. Von diesen frustrierenden Ereignissen darfst du dich jedoch nicht unterkriegen lassen. Kein Read ist zu 100% sicher. Du kannst aber daran arbeiten, deine Reads immer zuverlässiger werden zu lassen.