Unorthodoxe Bets und Lines
Einleitung
In diesem Artikel
- Welche Vor- und Nachteile eine unorthodoxe Line hat
- Was dein Gegner damit bezwecken will
- Wann du selbst von deinem Standard-Spiel abweichen kannst
Häufig in dein Standard-Spiel vertieft, fallen dir bei Zeiten merkwürdige Bets und Lines deiner Gegner auf. Was genau wollen sie dir damit verkaufen? Mit welchen Händen machen sie so etwas? Und wäre es vielleicht sinnvoll, wenn du dich selbst solcher Lines bedienen würdest?
Du wirst heute ein paar dieser merkwürdigen Vorkommnisse an den Pokertischen beiwohnen. Dabei wird das Hauptaugenmerk primär auf Villain gelegt. Villain wird einen Move gegen dich starten und du sollst dir dabei überlegen, mit welchen möglichen Händen er dies machen kann.
Im Anschluss bleibt es dir überlassen, ob du solche alternativen Lines für aufnehmenswert empfindest.
Alternative Bets/Lines
Womit genau hast du es hier zu tun? Zu jedem möglichen Move wird es eine Beispielhand geben. Daraufhin musst du überlegen, wo Vor- und Nachteile einer solchen Bet bzw. Line liegen und was man damit erreichen kann. Zudem wird auch der Gegner betrachtet und geschaut, ob man gewisse Moves bestimmten Gegnern zuschreiben kann und somit erkennen kann, mit welchen Händen er so spielen könnte.
Checkraise als Preflopaggressor
Ein Checkraise als Preflopaggressor (PFA) ist immer ein merkwürdiges Play. Du fragst dich in erster Linie, warum dein Gegenspieler nicht einfach contibettet? Er hat die Initiative, er muss in den meisten Fällen protecten und möchte Value extrahieren. Aus welchen Gründen sollte er die Gefahr eines Checkbehinds deinerseits in Kauf nehmen?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with 3

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) J


UTG checks, Hero bets $1.60, UTG raises to $6.00, Hero...
Preflop hast du in Position ein Raise des Spielers aus UTG gecallt. Am Flop triffst du, was jedoch in diesem Fall eher sekundär ist. Klar ist: Du musst hier schon alleine deshalb betten, um den Pot aufzubauen und ein möglichst großes Payout zu bekommen.
Nun setzt dein Gegner ein Checkraise an. Traurig bist du darüber in diesem Fall nicht, jedoch musst du dich schon fragen, was genau dir dein Gegner damit erzählen will.
Der Vorteil liegt klar auf der Hand. Dein Gegner erzeugt hier eine recht große Foldequity. Möchte er eine Hand protecten und geht davon aus, dass du sehr häufig den Pot in Position attackieren wirst, sofern dein Gegner checkt, kann er gegen viele Draws hart protecten.
Zudem kassiert er mit einer eventuell starken Hand deine Bluffbet ein, was ihm durch eine Continuationbet nicht gelingt.
Solltest du am Flop ebenfalls nur checken, so wäre zumindest der Punkt Potcontrol erreicht.
Gerade auf drawy Boards muss Villain das Risiko eingehen, dass du dir eine Freecard gönnst. Die Folge: Dein Gegner steht mit seiner Hand am Turn weiterhin out of Position und der Pot ist nicht größer geworden. Egal welches Ziel er verfolgt hat, in den meisten Fällen wird es fehlgeschlagen sein. Weder Potbuilding noch Protection konnte er erreichen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (Regular)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with 3

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) J


UTG checks, Hero bets $1.60, UTG raises to $6.00, Hero push All-in, UTG calls All-in
In diesem Szenario gehst du von einem regulären Spieler aus. Welche Hände kannst du ihm da geben?
Grob unterteilen kannst du hier zwei Ranges: Zum einen starke made Hands wie JJ/TT, zum anderen starke Draws, mit denen er von Anfang beabsichtigt hat, sie durch Checkraise/call am Flop All-In zu bringen.
Gute Draws wären hier beispielsweise A







Mit einem Draw geht Villain einem Problem aus dem Weg, nämlich einem lighten Call am Flop deinerseits. Ein Call würde hier nicht wahnsinnig viel Stärke bedeuten, aber dein Gegner wird dich auf nichts setzen können. Hast du eine gute made Hand? Hältst du selber einen (eventuell sogar stärkeren) Draw? Hast du nur gecallt, in der Absicht am Turn zu floaten?
Wie muss Villain nun am Turn agieren? Schießt er die 2nd Barrel? Kann er einen Push deinerseits callen? Das Turnplay out of Position mit einem Draw ist nun mal kein Zuckerschlecken, somit versucht er es durch das Checkraise zu umgehen.
Die Alternative wäre das Checkraise mit einer starken Hand. Zu allererst schießen einem dort die Sets in den Kopf, aber mit dem Wissen, dass du hier sehr leicht am Flop betten wirst, ist auch ein Checkraise mit KK+ hier keine Seltenheit.
Mit einer made Hand lässt es sich also wunderbar protecten, auch wenn Villain natürlich auf dünnem Eis wandert. Sollte er seine starken Hände checkraisen, welche Hände contibettet er dann? Er darf dort keinesfalls lesbar werden.
Abschließend ein paar Beispiele, warum ein Checkraise mit einem starken Draw durchaus sinnvoll ist.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (Regular)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with K

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) J


UTG checks, Hero bets $1.60, UTG raises to $6.00, Hero push All-in, UTG calls All-in
Villain shows: A



| Equityanalyse | |||||
| Board | J , T , 3![]() |
||||
| Equity | Win | Split | Loss | Hand | |
| Spieler 1 | 80,96% | 80,51% | 0,91% | 18,59% | A , K![]() |
| Spieler 2 | 19,04% | 18,59% | 0,91% | 80,51% | K , Q![]() |
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (Regular)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with Q

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) J


UTG checks, Hero bets $1.60, UTG raises to $6.00, Hero folds
Diese Line ist auch im 3-bettet Pot sehr beliebt. Vor allem deshalb, da du einen wesentlich größeren Pot vorfindest und gerade bei loosen 3-Bets häufig mit runtergelassenen Hosen erwischt wirst. In einigen Fällen bleibt dir dort nicht viel übrig, als direkt am Flop aufzugeben (Bsp. 5), sofern du dich gegen Villains Range hinten siehst und nicht der Auffassung bist, ausreichend Foldequity erzeugen zu können.
Aus diesem Grund solltest du es in dein Repertoire aufnehmen, starke Hände zu checkraisen (Bsp. 6) und Villain dadurch zu Fehlern zu verleiten. Vor allem mit starken Overpairs oder Händen wie Toppair / Topkicker kann dieses Play sinnvoll sein. Spielst du dieses mit Overpairs, ist es natürlich auch gut, Draws mit in die Range aufzunehmen (Bsp. 7).
Besonders tricky gegen aggressive Gegner ist auch ein Checkraise, wenn du der Meinung sein solltest, dass dein Gegner hier leicht bluffen kann, aber ungern gegen dich broke geht. Dort eignet sich zum Beispiel eine Hand mit Overcards (Bsp. 8) ebenfalls gut für einen Semibluff, da du notfalls noch einige Outs vorweisen kannst.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with A

3 folds, BU raises to $1.00, 1 fold, Hero raises to $3.25, BU calls $3.25
Flop: ($6.60) 3


Hero checks, BU bets $4.50, Hero folds
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with A

3 folds, BU raises to $1.00, 1 fold, Hero raises to $3.25, BU calls $3.25
Flop: ($6.60) 3


Hero checks, BU bets $4.50, Hero raises All-in
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with A

3 folds, BU raises to $1.00, 1 fold, Hero raises to $3.25, BU calls $3.25
Flop: ($6.60) 3


Hero checks, BU bets $4.50, Hero raises All-in
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
BU ($25)
SB ($25)
Hero ($25)
Preflop: Hero is BB with A

3 folds, BU raises to $1.00, 1 fold, Hero raises to $3.25, BU calls $3.25
Flop: ($6.60) 3


Hero checks, BU bets $4.50, Hero raises All-in
Die Donkbet
Die Donkbet ist eine Bet, die entgegen der ursprünglichen Preflopaggression angewendet wird.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with 3

3 folds, Hero raises to $1.00, 1 fold, BB calls $1.00
Flop: ($2.10) Q


BB bets $1.60, Hero...
Vorteile der Donkbet:
- Erzeugen von Foldequity
- Direkte Protection
- Möglichkeit zu donkbet/3-bet, um am Flop bereits All-In zu kommen
Nachteile der Donkbet:
- Das Balancing ist nicht einfach
- Du bekommst die Continuationbet des Gegners nicht ausbezahlt
- Du protectest nicht so hart wie durch ein Checkraise
Als Gesamtes soll die Donkbet nicht näher erläutert werden. Die meisten Spieler haben dies in ihrem Repertoire, wobei die Frage ist, inwiefern es nötig ist.
Solltest du in einem raised Pot nicht die Initiative haben (was ohnehin nicht allzu häufig vorkommen sollte), kannst du durch folgende Plays dein gesamtes Spiel balancen:
- check/call
- check/fold
- check/raise
Gerade Heads-up (postflop) sind Donkbets deswegen nicht zwangsweise nötig.
Gerade in Multiwaypots gewinnen sie aber an Bedeutung. Dort hast du andere Ziele als im Heads-Up:
- Die Wahrscheinlichkeit einer Continuationbet wird geringer.
- Ein Checkraise erzeugt noch mehr Foldequity, was unter Umständen nicht gewollt ist.
- Wird deine Donkbet geraist, bist du durch eine 3-Bet schon beinahe All-In.
- Auf einem drawy Board müssen die Gegner schnell und aggressiv spielen, so dass du dein Ziel All-In zu kommen hier erreichen kannst.
- Protection ist hier wieder enorm wichtig. Ein Set ist im 4-handed Pot deutlich gefährdeter als Heads-Up.
- Balancing ist in Multiwaypots eher zu vernachlässigen.
Aus diesen Gründen solltest du in Multiwaypots durchaus überlegen, ob eine Donkbet sinnvoll ist.
Zurück zum Heads-Up am Flop. Während du durch die passive Variante (Check) den Vorteil hast, absolut keine Informationen weiter zu geben (perfektes Balancing), möchtest du durch eine Donkbet deinem Gegner natürlich etwas verkaufen. Du musst hier also balancen. Das bedeutet, du kannst nicht ausschliesslich mit Draws und Bluffs immer bet/fold und nie bet/3-bet spielen. Möchtest du billig bluffen, so bist du auch indirekt dazu gezwungen, deine starken Hände (z.B.Sets) zu donkbetten/3-betten.
Leider kannst du nicht verallgemeinern, was dein Gegner dir mit einer Donkbet verkaufen will. Dafür musst du immer die Augen aufhalten und wenn möglich auch seine Stats berücksichtigen.
Daher gibt es hier nur vorsichtige Tendenzen:
TAGs/LAGs haben diese Donkbets recht häufig gebalanced, so dass du nicht wissen kannst, ob sie mit einem Bluff bet/folden oder mit einer starken Hand oder einem eventuellen Draw bet/3-betten.
Bei einem Rock musst du vorsichtig sein. Bet/3-bet mit einem Draw ist nicht gerade das beliebteste Play eines ansonsten eher zurückhaltend agierenden Gegners. Ein reiner Bluff ist hier eher möglich, denn ein Checkraise ist ihm meistens zu teuer.
Möchte der Rock bluffen, donkt er eher. Dennoch sollte es klar sein, dass eine Donkbet eines solchen Spielers mit äußerster Vorsicht zu genießen ist. Verhältnismäßig gesehen sollten dies wohl häufiger strong made Hands als (Semi-)Bluffs sein. Daher wird hier der Fold-Button eher dein Freund sein.
Die Callingstation hingegen donkt wie sie gerade lustig ist. Du darfst hier nicht den Fehler machen, die oben genannten Ranges, die du einem regulär wirkenden Spieler geben würdest, auf solch ein Objekt zu projizieren. Häufig werden hier auch Toppairs gedonkt (es ist immerhin ein Toppair). Daher wirst du gerade bei solchen Spielern häufig die Line donkbet/call sehen.
Angst muss dir das nicht machen, Toppair ohne Kicker ist hier meistens in deren Range. Allerdings wird hier auch kein Draw gefoldet, Pot Odds und Equity sind keine guten Bekannten dieser Spieler.
Der Maniac hingegen wird verhältnismäßig häufig als Bluff donken. Jedoch ist er auch eher bereit, mit eher mittelstarken Händen donk/3-bet zu spielen als ein regulärer Spieler.
Häufig ist hier das way ahead/way behind-Prinzip das beste Play für dich, sofern du eine gemachte Hand hältst. Mit loosen Bluffraises solltest du dich dort eher zurückhalten, da ein Maniac sich nicht gerne rumschubsen lässt und eher sogar als Bluff drübershoven kann, als mit seiner Hand donkbet/fold zu spielen.
Anders verhält es sich hingegen bei der Mischung aus LAG und Maniac, die zwar vieles overplayen, aber dich mit ihrer aggressiven Spielweise dennoch in den Wahnsinn treiben, da sie nachzudenken scheinen. Hier wird häufig das Checkraise am Flop angewandt, so dass du die Donkbet wieder etwas anders einstufen musst.
Die Minbet
Die Minbet ist ein störendes Element, welches primär von loose-passiven Spieler eingesetzt wird. Einige nennen dies auch check with a chip. Anstatt zu checken und eine Freecard zu ermöglichen, setzen sie so wenig wie möglich und erhoffen sich dadurch, die Aggressivität des Gegners etwas zu bremsen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (loose-passive)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) 8


UTG bets $0.25, Hero...
Vorteile der Minbet:
- Sie muss bei sehr weaken Gegnern nur sehr selten funktionieren
- Der Gegner muss raisen (Psychologie). Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, die nächste Street sehr günstig zu sehen.
- Der Gegner kann nicht behind checken.
Nachteile der Minbet:
- Sie erzeugt kaum Foldequity.
- Sie extrahiert kaum Value.
- Mit starken Händen kann nicht protectet werden.
Warum werden diese Minbets eingesetzt? Diese Spieler machen das häufig mit sehr schwachen Händen oder Draws. Sie wollen somit entweder günstig Richtung Showdown gehen oder aber billig die nächste Karte sehen, die eventuell ihren Draw komplettieren könnte.
Es gibt jedoch auch Ausnahmen. Ab und an möchte der Spieler verhindern, dass sein Gegenüber behindcheckt. Viele Gegner fangen an, gegen diese kleinen Minbets zu bluffraisen, obwohl sie im Grunde geplant hatten, nur behind zu checken.
Dort liegt einer der Vorteile der Minbet. Viele Gegner können und wollen sich einfach nicht so billig aus dem Pot drängen lassen, andererseits geben sie sich kaum Showdownvalue und können nicht callen. Somit kommen häufig Raises zustande, die nicht geplant waren.
Ab und an ist dies ein Ziel eines Minbetters, daher ist auch häufig die Line minbet/3-bet zu beobachten. In diesem Fall kannst du sehr häufig davon ausgehen, gegen die Nuts zu laufen.
In erster Linie solltest du die Minbet als Check behandeln. Wenn du hier raist, musst du dies quasi als eine Bet deinerseits erachten. Daher gibt es hier auch keine Inforaises, für einen Big Blind kannst du nicht way ahead / way behind spielen. Die Line raise/fold ist also unter diesen Umständen erlaubt.
Problematisch wird es wie erwähnt nur, wenn du nichts vorzuweisen hast. Besteht dein Plan am Flop aufzugeben und behind zu checken, so solltest du dich nicht zu lighten Raises hinreißen lassen. In den meisten Fällen läufst du hier ohnehin gegen schwache Spieler an, wo du dir nicht viel Foldequity anrechnen kannst.
Sofern dein Gegner dies nicht zu häufig macht, kannst du auch auf eine Minbet einen Fold finden. Ansonsten schau dir die Odds an und überlege, ob du profitabel callen kannst, da du eventuell noch Outs in der Hinterhand hast.
In deinem eigenen Spiel solltest du auf Minbets verzichten.
Das Minraise
Ein allseits beliebter Move ist das Minraise. Anstatt – wie beim No-Limit Holdem üblich – sich bei einem Raise an der Potsize zu orientieren, wird nur das minimal mögliche geraist. Leider ändert dies nichts daran, dass du häufig vor eine sehr komplizierte Entscheidung gestellt wirst.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with 7

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) A


UTG checks, Hero bets $1.60, UTG raises to $3.20, Hero...
Vorteile des Minraises:
- Erzielt trotz guter Odds für den Gegner eine passable Foldequity.
- Es muss daher nur recht selten funktionieren.
- Man übernimmt relativ günstig die Initiative.
Nachteile des Minraises:
- Der Gegner bekommt gute Odds für Draws aller Art.
- Man bietet dem Gegner genug Spielraum für einen 3-Bet-Bluff.
- Man betreibt kein Potbuilding und kann den Gegner nicht committen.
Ein Minraise kann also vieles bedeuten. Je nach Gegner und Board kannst du hier beinahe alles vermuten.
Angefangen mit den Nuts, womit dein Gegner dich trappen möchte und dir Odds liefern will, zu denen du nicht folden kannst. Im Idealfall für deinen Gegner hältst du einen Draw, mit dem du jedoch drawing dead bist. Daher möchte dir dein Gegner gute Odds liefern.
Gleichzeitig sind natürlich auch Draws möglich, die dein Gegner als Semibluff spielt. Einerseits möchte er sehr günstig Foldequity erzielen, zudem die Initiative übernehmen. Dies bedeutet zum einen, er kann den Turn barreln und dort erneut Foldequity aufbauen, er kann den Turn barreln, sofern er getroffen hat und Value extrahieren, er kann die Initiative auch passiv nutzen, in dem er den Turn nur checkt, obwohl er der Logik nach hätte barreln sollen. Die meisten Gegner gewähren dann mit einer mittelmäßigen Hand eine Freecard.
Geschieht dies recht häufig, so hat sich dein Gegner durch das Minraise zwei günstige Karten erkauft und hält am River immer noch die Initiative, um entweder zu bluffbetten oder zu valuebetten, jeweils in Abhängigkeit davon, ob sein Draw improvt hat oder nicht.
Neben Semibluffs sind auch die katastrophalsten Bluffhands dabei, die das Board nicht ansatzweise getroffen haben. Sie bauen nur auf die Foldequity zu einem geringen Preis und eventuell auf die Foldequity einer kleinen 2nd Barrel am Turn.
Nicht zu vergessen sind Hände wie Toppair oder Middlepair. Auch wenn die meisten Spieler ein Inforaise nicht anwenden, so ist das gerade bei schlechten Spielern häufig der Fall. Bei ihnen kann man aber kaum wissen, ob sie eine Hand wie ein Middlepair raise/folden wollen oder ob sie sich sogar als so gut ansehen, dass sie damit weiterhin im Pot verbleiben, wenn du den Flop 3-bettest.
Wie du siehst, bietet dir solch ein Minraise nicht viele Informationen darüber, mit welcher Hand dein Gegner dies tut.
Da du keine besonderten Reads auf die Stärke eines Minraises aufbauen kannst, solltest du dies als einen normalen Spielzug ansehen. Das bedeutet: Sofern du nichts hast, musst du folden.
Logischerweise musst du dich intensiv mit den Odds auseinandersetzen, die im Falle eines raised Pot und einer 2/3-Potsize Continuationbet deinerseits bei ca. 4,5:1 liegen. Du kannst hier natürlich sehr viele Hände weiterspielen. Achte dabei aber eher auf Draws. Gerade mit wackligen Showdown-Händen wie z.B. Middlepairs, die kaum Outs zur Verfügung haben, kannst du im Laufe der Hand viel Reverse Implied Odds besitzen.
Lass dich nicht zu leicht trappen und zu einem Call verleiten. Auch wenn die Odds am Flop phantastisch erscheinen, so bist du noch lange nicht am Showdown angelangt. Kannst du also ohnehin keine weiteren Barrels callen, dann solltest du trotz dieser passabeln Odds schon am Flop einen Fold finden.
Eine weitere Alternative, die sich bei einigen Spielern eingebürgert hat, ist das „Click-it-back“-Prinzip. In diesem Falle setzt du auf das Minraise einfach eine Min-3-Bet obendrauf. Die Vorteile eine Minraises scheinen nicht immer so schlecht zu sein, so dass viele Spieler dies gerne umkehren und durch die Min-3-Bet die Foldequity für einen Spottpreis wieder auf ihre Seite ziehen. Natürlich steht der Mincheckraiser nun vor einer ekligen Situation.
Hierfür ist es selbstverständlich sehr wichtig, dass du etwas über deinen Gegner weißt. Bist du in der Lage eine Annahme zu treffen, dass er ein Minraise in erster Line als Trap oder mit einem Draw vollführt, so ist ein Click-it-back natürlich aus dem Fenster geworfenes Geld.
Siehst du ihn aber sehr häufig pur bluffen oder for Information raisen, so kannst du dies durchaus mal ausprobieren. Der Vorteil liegt auf der Hand, es muss sehr selten funktionieren. Eignen tun sich dadurch alle Hände, die du weder richtig 3-betten möchtest (und dich dadurch eventuell committest) und die du nicht callen kannst, trotz der verführerischen Odds.
Eine weitere Alternative liegt natürlich auf der Hand: Beobachtest du häufig solch ein Play bei einem deiner Gegner, dann solltest du einfach behindchecken. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn du deinen Gegner eher minraisen siehst, als dass er callen könnte. Hast du eine Hand, die du nach einem Check/Minraise nur schwer weiterspielen kannst, dann bette nicht, sondern verlagere die Action auf die nächste Street.
Über die eigene Anwendung kannst du dir selber Gedanken machen. Minraises sind ein durchaus brauchbares Instrument, welches aber selten empfohlen wird. Die Vor- und Nachteile hast du gesehen. Ob und wann sich nun Spots ergeben, in denen du dieses mal ausprobierst, bleibt dir selbst überlassen.
Als regulärer Spieler hast du jedoch das Problem des Balancing. Genau dies macht ein Minraise auf Dauer nicht profitabel, da du zu viele Vorteile eines normalen Raises aufgibst (weniger Foldequity, weniger Protection, kleinerer Pot…).
Daher solltest du auf solch einen Move eventuell am ehesten zurückgreifen, wenn du gegen einen Spieler antrittst, wo es nichts zu balancen gibt. Vor allem gegen schwache Spieler ist es mit einer Monsterhand sinnvoll, ein Minraise zu platzieren. Loose-passive Spieler werden bei den guten Odds zu häufig einen knappen Call finden, aggressive Spieler werden sich ab und an zu einer Bluff-3-Bet hingezogen fühlen.
Float Turn out of Position
|
Float Als Float bezeichnet man einen Spielzug, bei dem der Aggressor in einer Wettrunde nur gecallt wird, um in der folgenden Wettrunde, sofern der Gegner es zulässt, selbst die Initiative in der Hand zu übernehmen. Ein Float kann sehr weit gefasst sein. Der Call am Flop kann ein Bluffcall, Smoothcall oder ein Call auf Potcontrol sein. Häufig wird der Begriff im Sinne der Bedeutung als Bluff verwendet. |
Ein Float sollte dir bekannt sein. Die genaue Definition findest du in der nebenstehenden Box.
Diese Floats können in vielen Formen auftreten. Neben Bluffs ist dies auch häufig mit Semibluffs der Fall. Das Standardbeispiel eines Floats ist eine Bet am Turn in Position nach einem Check des Gegners. Jedoch kann dieser Move auch out of Position durchgeführt werden.
Das Hauptaugenmerk legen wir jedoch auf den Spielzug, nicht auf die reine Absicht zu bluffen. Somit muss dieser Spielzug nicht immer von einer schwachen Hand kommen, die Foldequity erzielen will. Laut Definition wäre es in diesem Fall kein Float im eigentlichen Sinne, sondern in diesem Beispiel eine normale Turnbet (Donkbet). Dennoch wird die Bezeichnung in den folgenden Beispielen beibehalten.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) T


UTG checks, Hero bets $2.00, UTG calls $2.00
Turn: ($6.85) 9
UTG bets $4.00, Hero...
Vorteile des Floats am Turn OOP:
- Er ist meistens günstiger als ein Checkraise am Flop.
- Übernahme der Initiative.
- Der Gegner kann mit einem Draw, aufgrund der im Vergleich zum Flop gefallenen Equity, nur noch schwer callen.
Nachteile des Floats am Turn OOP:
- Ein Checkraise am Flop protectet mehr.
- Ein Checkraise am Turn würde ebenfalls mehr protecten bzw. den Pot ansteigen lassen. Ebenso erzeugt er mehr Foldequity.
- Du bietest dem Gegner in Position die Optionen zu callen oder dich aus dem Pot zu bluffen, wenn du nichts anständiges repräsentieren kannst.
Per Definition ist ein Float ein Bluff, was natürlich nicht zwangsweise bedeuten muss, dass diese Line auch immer einem Bluff entspricht. Genauso gut kann sie als Valueline vollzogen werden.
Vor allem schwache Spieler (loose-passive) wenden diese Line als Valueline an. Daran ist auch kein besonderes tricky Play geknüpft, sie wissen es halt nur nicht häufig anders zu spielen.
Passiven Spielern fehlt häufig das Grundverständnis für ein Checkraise. Aus diesem Grund sind sie häufig nicht in der Lage mit starken Händen am Flop zu raisen („dann foldet der ja alles…“) oder den Turn zu checkraisen („wenn ich checke, checkt der doch auch…“).
Folglich bleibt diesen Spieler meistens nichts anderes übrig, als den Turn zu leaden, das heißt durch eine Donkbet die Initiative zu übernehmen.
Genau aus diesem Grund ist hier Vorsicht geboten: Du darfst dieses Play nicht zu häufig als Bluff interpretieren, da es gerade bei loose-passiven Gegnern eher einer Valueline (mangels Alternativen) entspricht.
Hierfür ist es logischerweise enorm wichtig, dass du Reads über deine Gegner gesammelt hast. Wie häufig donken sie den Turn und mit welchen Händen tun sie das? Lohnt es noch, die eigene Hand zu protecten? Bist du bereit, nach einem Raise deinerseits auch einen Push zu callen? Oder ist Potcontrol das geeignetere Mittel für dich?
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (loose-passive)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) T


UTG checks, Hero bets $2.00, UTG calls $2.00
Turn: ($6.85) 9
UTG bets $4.00, Hero...
Gegen den loose-passiven Spieler musst du dir hier in erster Linie die Frage stellen, ob du ausreichend implied Odds hast, um mit deinem open-ended Straightdraw plus Overcards profitabel zu callen.
Ein Semibluff-Raise solltest du dir gegen solche Spieler sparen. Nicht nur, dass die Foldequity auch gegen schwache Hände gering sein mag, so kann hier häufig genug eine sehr starke Hand gegen dich unterwegs sein, die Value extrahieren will.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (loose-passive)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) T


UTG checks, Hero bets $2.00, UTG calls $2.00
Turn: ($6.85) A
UTG bets $4.00, Hero...
In diesem Fall hat sich nicht viel geändert. Du kannst hier nicht zwanghaft von Bluffs oder Semibluffs ausgehen, so dass du profitabel raisen kannst, um deine Hand zu schützen.
Ebenso ist es nicht ausgeschlossen, dass dein Gegner nun mit AQ+ bet/call am Turn spielt. Ihm hier Draws zu geben und zu protecten, kann unter Umständen sehr teuer werden. Geht es hier wirklich All-In, so stehst du gegen diesen Spieler wohl eher schlecht da. Daher sollte ein Call die beste Alternative sein.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (loose-passive)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) T


UTG checks, Hero bets $2.00, UTG calls $2.00
Turn: ($6.85) 3
UTG bets $4.00, Hero...
Die Outs gehen dir aus, Foldequity kannst du dir auf ein Bluffraise kaum geben. Für Hero-Calls mit Ace high ist hier ebenfalls kaum Spielraum, vor allem aus dem Grund, dass du noch eine weitere Street überstehen musst. Daher solltest du hier einen Fold finden.
Gegen aggressive Spieler mag dies anders aussehen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (Maniac)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero raises to $3.00, 2 folds, UTG calls $3.00
Flop: ($6.35) A


UTG checks, Hero bets $4.25, UTG calls $4.25
Turn: ($14.85) 7
UTG bets $8.00, Hero raises All-in
Dies ist nun ein anderes Beispiel, ein 3-bettet Pot mit einem deutlich höherem Ausgangspot am Turn. Es soll dir nur zeigen, dass hier eine Menge Bluffs unterwegs sein können. Wenn du nun überlegst, dass dein Gegner nur 8$ investiert um 14.75$ zu gewinnen, so weißt du, dass dieses Vorhaben recht selten funktionieren muss und du hier ohne Ax-Hand vor einer sehr schweren Entscheidung stehst.
Möchtest du diese Floats OOP selber anwenden, so hast du auch hier wieder ein Balancing-Problem. Wendest du es als Float im Sinne eines Bluffs an, so musst du dies auch mit Händen vollziehen, mit denen du Value extrahieren willst. Im Klartext: Spielst du häufig donkbet/fold Turn, so musst du auch die Line donkbet/push Turn drauf haben.
Was Beispiel 16 zeigen soll ist, dass auch in 3-bettet Pots die Möglichkeiten bestehen, für kleines Geld große Pötte mitzunehmen. Wichtig ist aber zu erkennen, womit deine Gegner solche Plays durchführen können und was ihre Absichten sind. Es ist mit Sicherheit kein Fehler, wenn du bei deinem Standardplay bleibst und eventuell lieber Reads nutzt, um profitabel auf einer der Streets (Flop/Turn) zu checkraisen.
Float River out of Position (mit/ohne Turn-Action)
Ein Float OOP kann natürlich auch am River passieren. Hierfür gibt es vordergründig zwei Szenarien: Gab es Action am Turn oder nicht?
Der Unterschied ist recht einfach. Während ein Float am River nach vorheriger Turn-Action (Beispiel 17) alleine deshalb enorme Stärke bedeutet, weil der Pot schon erheblich angewachsen ist, ist ein Float am River nach einem Checkbehind am Turn (Beispiel 18) nicht unbedingt als strong anzusehen, da durch das passive Turnplay häufig genug einen Bluff induziert worden ist.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with T

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) 3


UTG checks, Hero bets $2.00, UTG calls $2.00
Turn: ($6.85) 9
UTG checks, Hero bets $4.50, UTG calls $4.50
River: ($15.85) 8
UTG bets $10.00, Hero...
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with T

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) 3


UTG checks, Hero bets $2.00, UTG calls $2.00
Turn: ($6.85) 9
UTG checks, Hero checks
River: ($6.85) 8
UTG bets $5.00, Hero...
Vor- und Nachteile sind ähnlich denen des Turnplays. Hier variieren Value- und Blufflines.
Der Hauptunterschied ist klar: Ein Semibluff ist nicht mehr möglich. Du liegst entweder vorne oder hinten und dein Gegner versucht nun von einer schlechteren Hand Value zu bekommen oder aber eine bessere Hand zu einem Fold zu bewegen.
Dadurch wird ebenso offensichtlich, dass du in Beispiel 18 aufgrund des passiveren Turnplays eine leichtere Entscheidung hast. Als richtigen Float bezeichnet man daher ein Play wie in Beispiel 17.
Gerade loose-passive Spieler geben sich dort massig Foldequity und fangen an, ihre busted Draws zu betten. Dass gleichzeitig immer die Möglichkeit besteht, dass du in die Nuts läufst, sollte klar sein.
Gerade auf drawy Boards gibt es zwei entscheidende Szenarien: Der Draw kommt entweder an oder eben nicht.
Sollte also ein Draw ankommen und ein eher passiver Spieler pushen, so hast du in den meisten Fällen ein Fold. Da reicht ein Toppair meistens nicht mehr aus.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) 3


UTG checks, Hero bets $2.00, UTG calls $2.00
Turn: ($6.85) 8
UTG checks, Hero bets $4.50, UTG calls $4.50
River: ($15.85) 4
UTG bets $10.00, Hero...
So sieht die klassische Line eines Plays mit einem Flushdraw eines eher loose-passiven Spielers aus. Der Flush kommt an und es fehlen am Ende schon die Hände, die du tatsächlich noch schlägst. Ein Bluff ist hier eher unwahrscheinlich, denn welche Hand sollte dein Gegner ansonsten so spielen (welche Hand könnte er denn in einen Bluff verwandeln)?
Dies kann nur auf deinen Reads und Stats basieren. Siehst du dich vorne, solltest du callen (oder raisen, wenn möglich), siehst du dich hinten, logischerweise folden (du hast kaum noch die Mittel für ein Bluffraise um Foldequity zu erzeugen).
Hier wird es etwas schwieriger. Der Nachteil liegt hier recht offen: Der Pot ist groß, deine Bet committed dich nahezu. Welche Hand spielst du bis zum River passiv, um sie dort out of Position in einen Bluff zu verwandeln?
Dies ist recht selten der Fall, daher beziehen sich deine Möglichkeiten eher auf eine Riverbet, sofern es am Turn keine Action gab. In diesem Fall hast du noch ausreichend Foldequity zu erwarten, wobei natürlich klar ist, dass dein Gegner häufig for Potcontrol den Turn behind gecheckt hat und am River eine Bet deinerseits wohl looser callen wird.
Genau aus diesem Grunde ist es selten empfehlenswert, Draws out of Position zu spielen. Für einen Bluff fehlt dir dort meistens der Spielraum. Dafür kannst du jedoch kleine Valuebets am River setzen, da dein Gegner wie erwähnt relativ loose callen wird. Dies bietet sich vor allem an, wenn Draws möglich waren und diese eben nicht angekommen sind.
Kleine Turnfloats
Kleine Turnfloats sind eine beliebte Waffe von ansonsten eher passiveren Spielern. Sie nutzen eine Schwäche deinerseits aus und versuchen möglichst billig, den Pot zu klauen (teure Bluffs liegen ihnen nicht).
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
Hero ($25)
BU ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is CO with 4

2 folds, Hero raises to $1.00, BU calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) 3


Hero bets $1.60, BU calls $1.60
Turn: ($5.55) J
Hero checks, BU bets $1.25, Hero...
Die Vor- und Nachteile sind ähnlich denen der Minbet. Entscheidend ist hier jedoch, dass diese Gegner betten, obwohl sie die Möglichkeit einer Freecard hätten. Gerade bei loose-passiven Spielern ist das somit nicht zwangsläufig ein Draw, da sie diese meistens passiv spielen und sich über Freecards freuen.
Leider kannst du auch nicht nur zwischen Nuts or Nothing unterscheiden. Selbstverständlich sind ab und an pure Bluffs dabei, ebenso auch sehr starke Hände. Aber auch mittelmäßige Hände wie Middlepairs werden in solchen Fällen gebettet. Im obigen Beispiel ist es nicht verwunderlich, sollte dein Gegner hier 87o halten. Ob er nun for Value oder als Bluff bettet, wird er in den meisten Fällen selber nicht wissen.
Da du mit solchen Situationen eher beim Spiel gegen eher schwache Spieler konfrontiert wirst, musst du hier etwas Grundsätzliches in deinem Spiel klären.
Wann contibettest du und wann schießt du eine 2nd Barrel? Dieses Turnplay ist bei vielen Spielern so verwurzelt und du bist letztlich aufgeschmissen. Wie du im obigen Beispiel siehst, kannst du gegen diese Bet nichts machen. Ein Bluff-Checkraise ist gegen solch einen Spieler auch wenig sinnvoll. Bleibt dir also nur check/fold, damit besteht aber auf Dauer die Gefahr, dass dein Gegner glaubt, sich alles erlauben zu können und in Zukunft preflop und am Flop noch looser callt, da er der Meinung ist, dich am Turn häufig billig aus dem Pot vertreiben zu können.
Aus diesem Grund ist eine genaue Betrachtung sinnvoll, ob sich eine Continuationbet überhaupt lohnt und dein Gegner häufig genug darauf foldet. Viele Spieler folden am Flop eher wenig, dafür am Turn. Dies musst du berücksichtigen und dir überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, entweder gar nicht zu contibetten oder zwei Barrels zu feuern. Auch gegen loose-passive Spieler bleibt dir dort nichts anderes übrig.
Hierfür ist es enorm wichtig, sich Stats wie Fold-to-Contibet Flop, Fold-to-Contibet Turn oder den Turn-AF anzuschauen.
Die folgenden Beispiel-Stats beziehen sich natürlich auf die Protection vor Floats im Allgemeinen, nicht nur auf Minfloats von loose-passiven Spielern.
(Logische) Beispiele:
- „Fold-to-Contibet Flop“ : 25%; „Fold-to-Contibet Turn“ : 75% => Zweimal Barreln
- „Fold-to-Contibet Flop“ : 25%; „Fold-to-Contibet Turn“ : 25% => Gar nicht Barreln
- „Fold-to-Contibet Flop“ : 75%; „Fold-to-Contibet Turn“ : 75% => Zweimal Barreln
- „Fold-to-Contibet Flop“ : 75%; „Fold-to-Contibet Turn“ : 25% => Bet Flop, c/f Turn
Ebenso wie bei einer Minbet bringt dir ein Minfloat keine wirklichen Vorteile. Wenn du floatest, willst du Foldequity erzielen. Dafür darf die Barrel nicht zu klein sein, unabhängig davon, ob du mit Air floatest oder mit einem Draw als Semibluff.
Natürlich bettest du in anderen Fällen auch deine made Hands, damit willst du Value extrahieren und gleichzeitig in vielen Fällen protecten. Daher ist es sinnvoll, deine Floats als normale Bets durchzuführen (Richtwert 2/3 Potsize).
River-Floats in Position
Auch bei diesem Play kannst du die Riverbet als einfache Bluffbet oder Valuebet definieren. Entscheidend ist aber nicht nur die Situation am River, sondern die Situation am Turn in der du entscheidest, eben nicht zu floaten, sondern die Action auf den River zu verlagern.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with 7

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) 9


UTG bets $1.60, Hero calls $1.60
Turn: ($5.55) 2
UTG checks, Hero checks
River: ($5.55) 3
UTG checks, Hero bets $3.50
Der Vorteil dieser Line liegt darin, dir durch den Checkbehind am Turn nicht nur eine Freecard zu genehmigen, sondern gleichzeitig den Pot klein zu halten, um die Action am River durchzuziehen. Bei einem Hit kannst du in Position weiterhin gut Value extrahieren, ohne Hit besteht die Möglichkeit, deine Position zu nutzen und eine bessere Hand zum folden zu bekommen.
Wo liegt nun der Vorteil gegenüber einem Float am Turn? Auch ein Float scheint hier verlockend. Häufig genug nimmst du den Pot mit und hast zudem einen open-ended Straightdraw. Du weißt, dass Floats umso besser sind, je mehr Outs du noch in der Hinterhand hast.
Der Checkbehind ergibt vor allem dann Sinn, wenn du deinen Gegner schwer einschätzen kannst und ihn sogar häufig auf einen Checkraise-Versuch setzt. Gerade bei eher aggressiven Spielern ist dies häufig der Fall. Gibst du dir nur sehr wenig Foldequity, ist auch ein Semibluff wenig sinnvoll.
Gerade gegen eher undurchschaubare Spieler wie Maniacs, die manchmal zu den komischsten Moves in der Lage sind, ist jede Information wertvoll. Folgt nach dem Check am Turn der Check am River, hast du weitere Informationen. Da du nicht getroffen hast, bist du nun in dem o.g. Beispiel nahezu genötigt zu betten, da du mit 7-high absolut keinen Showdownvalue hast.
Neben Maniacs und LAGs ist dieses Play auch gegen loose-passive Spieler sinnvoll, die du schwer einschätzen kannst. Je mehr Informationen du über das Setzverhalten deiner Gegner hast bzw. je größer du die Foldequity am Turn abschätzen kannst, desto eher wäre ein Turn-Float sinnvoll.
Delayed Continuationbet
Die delayed Continuationbet ist eine Bet, die du als Preflopaggressor nicht am Flop, sondern auf einer der folgenden Streets abgibst.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 1 fold, BB calls $1.25, UTG calls $1.25
Flop: ($3.85) 4


BB checks, UTG checks, Hero checks
Turn: ($3.85) K
BB checks, UTG checks, Hero bets $2.75
Gründe dafür gibt es einige. Im obigen Beispiel nutzt du eine Scarecard aus. Beide Spieler checken am Flop, dies bedeutet nicht allzu viel. Das Board ist kein Traum für eine Continuationbet, daher gönnst du dir die Freecard. Mit dem King verbesserst du deine Hand zwar nicht, aber nun kannst du hervorragend eine Kx-Hand verkaufen und wirst einige bessere Hände zu einem Fold bewegen.
Zusammenfassend die Gründe für eine delayed Continuationbet:
- Eine Continuationbet am Flop erachtest du als nicht sinnvoll.
- In Position möchtest du dir eine Freecard genehmigen.
- Am Turn erhältst du weitere Informationen über die Stärke von Villains Hand.
- Out of Position geschieht dies durch einen Checkbehind deines Gegners am Flop.
- In Position hat dein Gegner nach dem Flop nun auch den Turn gecheckt.
- Du greifst am Turn eine Scarecard auf, die du gut verkaufen kannst.
- Du greifst am Turn einen Draw auf, hast aber kaum Showdownvalue. Dafür gibtst du dir daber ausreichend Foldequity.
Ein weiterer Vorteil ist die Potcontrol. Dadurch, dass deine erste Bet am Turn kommt, gibt es nur noch zwei Streets zu überstehen. Damit ist auch das Balancing keine schwierige Sache, denn gerade Hände wie weake Toppairs kannst du hier genauso gut for Potcontrol checken.
Hier geht es dir nicht darum, durch eine delayed Continuationbet zu bluffen, sondern den Pot klein zu halten und deinen Gegner zu Bluffs zu animieren bzw. ihn zu lighten Valuebets zu verleiten.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with A

UTG calls $0.25, 2 folds, Hero raises to $1.25, 2 folds, UTG calls $1.25
Flop: ($2.85) J


UTG checks, Hero checks
Turn: ($2.85) 4
UTG bets $3.00, Hero calls $3.00
River: ($8.85) 2
UTG bets $6.00, Hero calls $6.00
In diesem Fall werden sich viele Gegner massig Foldequity geben und viele Hände bluffen, ebenso aber anfangen, mit Jx etc. for Value zu betten. Entscheidend ist dabei, dass du dieses Play gegen einen gewissen Gegner eher als +EV ansiehst. Dies ist vor allem gegen recht aggressive Spieler der Fall, die zwar gerne bluffen und light valuebetten, dafür aber nicht loose callen.
Das Problem am Flop ist hier, wenn dein Gegner nicht loose callt, ist das eine enge Valuebet. Denn einem Checkraise kannst du hier kaum standhalten. Daher ist ein Checkbehind durchaus sinnvoll.
Checkbehind Flop / raise Turn
Als letzten Punkt sollst du noch mal eine Besonderheit sehen. Die delayed Continuationbet wird natürlich auch von vielen deiner Gegner angewendet. Du kannst davon ausgehen, dass sie recht häufig dem Bluffinduce und der Potcontrol dient.
Es gibt viele Boards, auf denen ein Check des Preflopaggressors wenig Sinn ergibt. In erster Linie sind damit Ace- und King-high-Flops gemeint. Sie eigenen sich ideal zum contibetten, werden aber selten check/fold gespielt. Wird so ein Board gecheckt, ist das häufig eine Hand, die for Potcontrol check/call spielen will oder aber eine sehr starke Hand die checkraisen will.
Checkst du am Flop ebenso behind, wirst du häufig die delayed Continuationbet am Turn bekommen. Hier ist dann ein Raise eine wunderbare Sache. Du erzeugst hier massig Foldequity und bescherst deinem Gegner genau den Spot, den er vermeiden wollte.
Der Riesenvorteil: Du weißt hier genau wo du stehst, denn sollte dein Gegner nun pushen, ist klar, was er am Flop versuchen wollte. Du läufst hier in ein Monster. In den anderen Fällen wird er nahezu immer folden müssen, denn wenn er schon am Flop nicht betten wollte, kann er kaum am Turn bet/call spielen und dir am River nicht nur die Freecard gewähren, sondern komplett das Feld überlassen und dir die Möglichkeit geben, seine Hand erneut durch eine starke Bet deinerseits aus dem Pot zu drängen.
Welche Hände sind dafür geeignet? Neben complete Air ist es auch eine gute Sache, mit Draws so zu spielen. Zwar ist auch mit einem normalen Draw (8-12 Outer) das Play am Turn bet/fold, dies würde aber nichts ändern, wenn du den Flop bettest und ein hartes Checkraise riskierst. Zudem hast du mit dem Draw den Vorteil, den Turn umsonst zu sehen und dir somit eine Freecard zu gönnen.
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with 7

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) 4


UTG checks, Hero checks
Turn: ($2.35) 2
UTG bets $1.50, Hero raises to $5.00
Die Vorteile dieses Plays:
- Solch einen Flop wird Villain selten check/folden.
- Am Turn werden viele Hände betten. Diese Bet kannst du noch mitnehmen.
- Die Foldequity ist durch ein Turnraise deutlich höher als durch eine Bet am Flop.
- Du bekommst eine Freecard am Turn.
- Du kannst Villains Range hier recht klar in Nuts or Nothing einstufen und kannst somit beruhigt raise/fold spielen.
Und natürlich wird dein Gegner dich schwer auf eine Hand setzen können. Ebenso könntest du ein Set slowplayen. Des Weiteren muss dein Checkbehind am Flop nicht als große Schwäche interpretiert werden. Es sei hier an Beispiel 4 erinnert:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (Regular)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with Q

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) J


UTG checks, Hero bets $1.60, UTG raises to $6.00, Hero folds
Auch in diesem Fall wäre eine eventuell bessere Line:
PartyPoker $25 NL Hold'em (6 handed) HandRecorder v0.9b
Stacks & Stats
UTG ($25) (Regular)
MP ($25)
CO ($25)
Hero ($25)
SB ($25)
BB ($25)
Preflop: Hero is Button with Q

UTG raises to $1.00, 2 folds, Hero calls $1.00, 2 folds
Flop: ($2.35) J


UTG checks, Hero checks
Turn: ($2.35) 4
UTG bets $1.60, Hero calls $1.60
River: ($5.55) 5
UTG bets $3.00, Hero calls $3.00
Zusammenfassung
Du hast heute einige Beispiele von Bets bzw. Lines gesehen, die nicht dem Pokeralltag entsprechen.
- Was möchte dein Gegner damit bezwecken?
- Welches sind deine Ziele?
- Solltest du solche Moves anwenden?
Überlege dir für jeden Spot das beste Play und weiche häufiger von Standardlines ab, wenn du der Meinung bist, eine andere Spielweise hat einen deutlich höheren Erwartungswert für die jeweilige Hand. Das Balancing gerät dabei in den Hintergrund, dennoch wurde in vielen Beispielen erklärt, dass du auch diese Plays mit verschiedenen Handkategorien machen kannst und du somit letztlich fast alles balanct.
| LINKS | |||||
|
|||||