Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Das Planen einer Hand

Einleitung

In diesem Artikel

  • Warum du einen Plan benötigst
  • Wie du richtig planst
  • Von kontrollierter Planung zur geplanten Kontrolle
  • Analyse deiner Lines

In diesem Artikel wirst du die Bedeutung eines Plans für das Spielen einer Hand kennenlernen. Wie stellst du einen Plan auf und worauf musst du achten? Desweiteren wirst du lernen, welche verschiedene Planungstypen es gibt und welches Potential in deinem momentanen Spielansatz noch versteckt ist.

Warum benötigst du einen Plan?

Zu Beginn stellt sich eine auf den ersten Blick einfache Frage, welche jedoch unbedingt beantwortet werden muss, um überhaupt den gesamten Zusammenhang zu erfassen. Der große Vorteil, stetig einen Plan zu haben, liegt im spieltheoretischen Hintergrund des Ganzen.

No-Limit Hold’em ist analytisch betrachtet nichts anderes als ein Spiel, in dem du als Spieler immer vor eine Reihe verschiedener Entscheidungen gestellt wirst, welche du nicht unabhängig voneinander treffen solltest.

Für die Planung einer Hand ist es wichtig, dass deine einzelnen Entscheidungen aufeinander abgestimmt sind. Ist dem nicht so, wird dein Gegner sich einen Vorteil verschaffen können. In der Regel wirst du in unbekannten Situationen öfter eine falsche Entscheidung treffen.

So gesehen wird dir das Planen einer Hand helfen, deinen gesamten Spielansatz zu allererst selbst zu verstehen und weiterhin die möglichen Lücken selbst auszuräumen, um insgesamt ein besserer Pokerspieler zu werden.

Du wirst im Folgenden sehen, inwieweit sich verschiedene Planungsansätze der verschiedenen Spieler in Gruppen einordnen lassen und es wird gezeigt, welche Entwicklung jeder gute Pokerspieler durchlaufen wird, wenn er sein gesamtes Spiel zu verbessern versucht.

Der Ahnungslose

Zu Beginn ist jeder Spieler, der mit No-Limit Hold’em anfängt und seine allerersten Hände selbst spielt, vollkommen ahnungslos im Bezug auf verschiedene Spielkonzepte und meist damit beschäftigt, die Regeln zu verfolgen und die bunten Chips anzustarren. Es ist nur sehr selten der Fall, dass sich ein Spieler zuvor mit der Spieltheorie auseinandersetzt, bevor er selbst seine ersten paar Hände spielt.

Der Wissenstand dieses Spielertyps reicht meist nicht weit darüber hinaus, dass ein Flush stärker ist als eine Straße, dass AA eine der besten Standhände ist und das AK Anna Kournikova heißt und gut aussieht, aber selten gewinnt. Dieser Spielertyp hat im Grunde überhaupt keine große Ahnung von dem Spiel und stolpert wortwörtlich von einer Entscheidung zur nächsten und macht sich nur sehr selten überhaupt Gedanken, was er nun in der nächsten Situation, gar auf der nächsten Straße machen möchte.

Diesem Spieler ist der Begriff einer „Line“ vollkommen unbekannt. Lustigerweise ist er in der Regel mit Abstand der schwächste Spieler am Tisch und dennoch mit einer der schwierigsten Gegner, da man von ihm immer das Unerwartete erwarten muss. Er kann die Nuts am River behindchecken, mit Bottompair no Kicker drei Straßen c/c spielen oder am River, wenn eine Blank kommt, urplötzlich nach zwei Straßen check/call mit einer fünffachen Potsizebet All-In gehen.

Für diesen Spieler liegt der Reiz beim Pokern nicht darin, eine bessere Strategie als seine Gegner zu finden und diesen dadurch auf lange Zeit das Geld abzunehmen. Ihm geht es alleine um den Reiz des Glückspiels. Die bunten Chips, der Nervenkitzel bei einem All-In, die Möglichkeit am Tisch die „Sau rauszulassen“, um danach wieder in sein normales Leben zurückzufinden.

Der Gewinnorientierte

Dieser Spielertyp ist dem Ahnungslosen sehr ähnlich. Er hat in der Regel auch keine Ahnung, was Erwartungswert, Varianz, polarisierte Handranges, Deception, Merging, Domination und ähnliche Pokerbegriffe bedeuten.

Jedoch hat er einen großen Vorteil. Er weiß, dass es Spieler gibt, die Pokern professionell betreiben und langfristig damit Geld verdienen. Und da es ja nur ein einfaches Kartenspiel ist, will er auch das einfache Geld haben und sucht deshalb nach Strategien, wie er dies tun kann. Auch wenn er noch überhaupt keine Ahnung hat, was Pokern bedeutet, ist dies der Spielertyp, aus dem später eventuell ein Pro hervorgehen kann.

Er sucht nach Spieltabellen, die ihm vorgeben wie er zu spielen hat, um zu gewinnen. Er wird diese Versprechungen auch mehrmals in den Weiten des Internets finden und verschiedene Ansätze ausprobieren. Sein Problem ist jedoch meist, dass er nicht realisiert hat, was er aus welchem Grund macht und dass er meist die Varianz unterschätzt und zu sehr resultatbezogen spielt.

Verliert er eine Zeit lang etwas Geld, so ist dies für ihn der Beweis, dass diese Tabelle nicht funktionieren kann nach der er spielt und sucht sich eine neue. Doch leider versteht er meist nicht, dass man No-Limit Hold’em nur in einem sehr stark begrenzten Maße nach festen statischen Vorgaben spielen kann, um zu gewinnen.

Der Durchschnittsspieler

Dieser Spielertyp hat es geschafft zu akzeptieren, dass Poker kein einfaches Spiel ist und in der Regel auch nicht der einfache Weg zum großen Geld ist. Er hat schon einiges an Erfahrung gesammelt und ist auf verschiedene Wege zu seinem Standardspiel gekommen, in dem er nach einfachen Regeln seine Entscheidungen treffen kann. Planungstechnisch hangelt er sich jedoch meist immer noch von Straße zu Straße mit seiner Entscheidungsfindung und sieht eine Hand nur sehr selten als Ganzes.

Oft sind ihm wichtige spieltheoretische Begriffe schon untergekommen. Wie diese aber miteinander in Beziehung stehen oder wie er sich selbstständig abseits des Tisches Gedanken zum Spiel machen kann, ist ihm oft nicht bekannt. Er denkt lerntechnisch leider noch allzu oft, dass ihm durch einfache Spielerfahrung oder passive Beteiligung in Internetforen bzw. Videolernseiten das Wissen entgegen fällt und er so von alleine ohne viel Einsatz seiner eigenen Hirnzellen zum Highstakesspieler wird.

Ein weiterer großer Nachteil dieses Spielertyps ist, dass er noch nicht die vollständigen Weiten des Handreadings verstanden hat und seinem Gegner daher nur sehr selten eine Handrange geben kann und sich noch zu oft überhaupt keine Gedanken zur gegnerischen Hand macht oder diese nur auf sehr exakte Hände festlegt.

Der Planer

Oftmals in dem Werdegang eines Pokerspielers kommt der Punkt, an dem er verstanden hat, dass Poker ein einfaches Spiel ist, welches man mathematisch betrachten kann und daher auch versuchen kann, anhand von Nash-Gleichgewichten, balanced Lines und balanced Handranges, merged Handranges und weiteren spieltheoretischen Ansätzen eine optimale Strategie zu entwickeln, welche gegen jeden Gegner in jeder Situation gewinnbringend ist.

Glücklicherweise weiß dieser Spieler, dass der Erfolg im Pokern erzwingbar ist, wenn man nur genug Zeit in seine theoretische Weiterbildung investiert und nicht glaubt, dass das Glück vom Himmel fällt, sondern meist mit dem Tüchtigen ist. Hat dieser Spieler sich auf das Shortstackspiel spezialisiert, so ist dieser Denkansatz und Herangehensweise sogar sehr hilfreich, um sich eine Strategie für die meisten Situationen aufzubauen und damit dann die Mid- und Highstakes online zu schlagen.

Dass eine Hand aus mehreren Straßen besteht und es wichtig ist, durchweg eine akzeptable „Geschichte“ zu erzählen, wenn man eine Hand spielt, ist diesem Spielertyp sehr genau bewusst. Er weiß, dass seine Handranges miteinander zusammenhängen und dass strategische Ansätze in eine Richtung auch meist eine Auswirkung auf das Spiel mit anderen Karten in ähnlichen Situationen oder den gleichen Karten in anderen Situationen haben.

Was jedoch das größte Problem dieses Spielertyps ist, ist dass er kaum Metagame und allgemeine Spieldynamik in seine Entscheidungsfindung einbezieht und Gefahr läuft, eine perfekt ausbalancierte Strategie zu finden. Den psychologischen Aspekt beim Pokern zu vernachlässigen und sich rein auf ein Standardspiel festzulegen, welches versucht einen spieltheoretisch optimalen Weg zu finden, um langfristig Gewinn zu erzielen, ist sein oberstes Ziel.

Der Exploiter

Wie der Name es schon vermuten lässt, weiß dieser Spieler, dass er gegen verschiedene Gegner spielt und versucht daher auch stets, deren Fehler möglichst auszunutzen bzw. seine Gegner in Situationen zu bringen, in denen sie Fehler begehen. Er hat meist verstanden, dass niemals und wirklich niemals eine Situation zweimal identisch vorkommen wird und bezieht daher stets das Metagame mit in seine Entscheidungen ein.

Einen Spieler zu exploiten bedeutet, diesen auch mit allen ihm zu verfügbaren Mitteln in ein schlechtes Mindset zu bringen. Genau dies versucht der Exploiter permanent und macht sich oft abseits des Tisches Gedanken über psychologische Ansätze, um dies zu erreichen.

Von seinem spieltheoretischen Verständnis unterscheidet er sich kaum vom Planer, jedoch verfolgt er eben den Weg einer maximalen („most exploitive“) Strategie und nicht den Weg, nach einer optimalen Strategie zu suchen. Dies ist der größte Unterschied zwischen ihm und all den vorhergehenden Denktypen.

Der Hero

Erreichst du diese Herangehensweise und hast darüber hinaus genug Erfahrung, Leidenschaft und Zeit für das Spiel übrig, so steht dir nichts wirklich ernsthaftes im Weg, einer der besten Pokerspieler zu werden. Du weißt, dass sowohl der Planer wie auch der Exploiter für sich sehr akzeptable Wege finden werden, um möglichst lange einen Gewinn durch Pokern zu erzielen. Was beide jedoch völlig vernachlässigen, ist die jeweilige „Engstirnigkeit“, sich auf einen dieser Denktypen zu fixieren. Das sogenannte „Thinking out of the Box“ ist hier der Schlüssel zum Erfolg.

Er macht seine Spielweise von seinen Gegner und dem Metagame abhängig. Er sieht jede Situation für sich und doch immer das große Ganze. Oftmals wird gerade so einem Spieler nachgesagt, dass er schlechter ist als es in Wahrheit zutrifft, da er Hände objektiv auf den ersten Blick für einen Außenstehenden „missplayt“.

Sein Plus ist jedoch, dass er immer einen Grund hat, warum er welche Entscheidung trifft und hierbei immer spieltheoretische Ansätze wie auch die psychologische Komponenten für die weitere Hand, ja auch für die weitere Session, im Hinterkopf hat. Er weiß, wann er seine Gegner manipulieren kann und behält dabei immer auch ein Auge auf sein eigenes Spiel, um sich nicht zu einfach exploiten zu lassen.

Konzept der kontrollierten Planung und der geplanten Kontrolle

Wenn du dir die verschiedenen Denktypen betrachtest hast, so wirst du erkennen, dass eine gewisse Linie in deren Entwicklung vorhanden ist. Anfangs steht meist eine Planung im Vordergrund, welche versucht, zu Beginn einen statischen Plan zur Hand zu haben. Ob dies nun Tabellen mit Starthänden oder mit verschiedenen Postfloplines sind, macht im Grunde nur in deren Komplexität einen Unterschied. Wichtig ist meist nur, dass ein Plan schon vorhanden ist und man auf diesen zurückgreifen kann.

Gerade für den Einstieg ins Pokern ist dies auch ein guter Weg, um den Spieler vor allzu großen Verlusten zu schützen und direkt akzeptables Poker zu spielen. Irgendwann in der Entwicklung eines Pokerspielers, der das Spiel spielt und zu dem eines Spielers, der das Spiel in sich versteht und denkt, kommt auch die Erkenntnis, dass diese erzwungene kontrollierte Planung langfristig nicht ausreichen wird, um die allerhöchsten Stakes zu schlagen. Hier ist der Weg der geplanten Kontrolle der erfolgversprechendere Ansatz.

Sich selbst in kontrollierte Situationen zu bringen, die durchaus marginale EV-Spots für den Durchschnittsspieler sind, ist hierbei ein sehr wichtiger Anteil. Denn das Wissen, dass man auch in diesen Situationen fähig ist, die besseren Entscheidungen zu treffen, oder mindestens aus gemachten marginalen Fehlern zu lernen. Die Kontrolle über den Gameflow zu haben und nicht das Spiel zu spielen, sondern mit dem Gegner zu spielen und sich auch auf Highlevel-Thinking einzulassen sind Fähigkeiten, die diesen Spielertyp von der Mehrheit aller anderen unterscheidet.

Handplanung in der Praxis

Welche Konsequenzen haben deine Entscheidungen in dieser Hand auf späteren Streets?

BEISPIEL 1:

0.50$/1.00$ No-Limit Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (BB) 100$
Villain (CO) 100$

Preflop: Hero is Big Blind with 4, 7
2 folds, CO calls 1$, 2 folds, Hero checks

Flop: (2.50$) 4, 8, Q (2 players)
Hero ...

Bevor du hier eine Entscheidung triffst, gehst du am besten schon all deine möglichen Lines im Kopf durch, um abzuschätzen, welche hier am erfolgversprechendsten ist.

Check/Call Flop, reevaluate Turn

Mit dieser Line gewinnst du am Flop keinerlei Informationen über die gegnerische Handstärke und machst es dir somit auch sehr schwer, deine Aktion anhand der verschiedenen Turnkarten zu planen. Neben deinem geringen Informationsgewinn kommt natürlich noch hinzu, dass dein Gegner nach einem Call deinerseits deine Handrange schon eher einschätzen kann und weiß, dass du hier eher selten ein Set nur check/callst und den Turn ein weiteres Mal checken wirst.

Du bist daher nun in einer Situation, in der selbst ein mittelmäßig guter Spieler allein aufgrund der größeren Information über deine Handrange, der relativen Position und der Bettinginitiative sehr wahrscheinlich einen Gewinn an Turn und River gegen dich erzielen kann. Zu oft solltest du daher solch eine Line nicht als Standardline wählen. Dies könnte ansonsten sehr schnell zu einem teuren Leak in deinem Spiel führen.

Bet Flop, Bet Turn, Bet River

Durch diese Line zwingst du deinen Gegner, eine akzeptable Hand zu haben, um deine Bets callen zu können. Desweiteren repräsentierst du eine recht weite Handrange, welche sowohl Bluffs als auch Monster beinhalten kann. Spielst du nun gegen einen eher weaken Gegner, so ist dies sicher eine sehr gute Line. Gegen totale Callingstations wird es natürlich etwas schwieriger werden, am River mit Bottompair no Kicker oft genug die beste Hand zu halten.

Check/Fold Flop

Dies sollte sehr oft eine deiner Standardlines in solch einer Situation sein, da du es so schaffst, dich aus sehr marginalen Postflopsituationen, in denen du OOP spielen musst, herauszuhalten. Da es hier nur um einen limped Pot geht, ist es auch für dich nicht allzu wichtig, diesen unbedingt zu gewinnen.

Checkraise Flop, reevaluate Turn

Mit dieser Line am Flop zwingst du deinen Gegner wieder dazu, eine gute Hand zu haben, um dein Raise zu callen. Sehr oft wirst du hier gerade gegen etwas aggressive Gegner einen Fold sehen, da diese nur versucht haben, den Pot am Flop zu stehlen.

Ein großer Nachteil dieser Line ist jedoch, dass sie relativ gut exploitet werden kann. Denn achtet dein Gegner auf deine Handranges, so wird er feststellen, dass solch ein Checkraise am Flop oftmals eher ein (Semi-)Bluff ist und eher seltener ein absolutes Monster.

Alleine durch die Veranschaulichung der unterschiedlichen Optionen wirst du erkennen, dass es auch viele weitere Möglichkeiten gibt, wie du diese Hand spielen kannst, als die normale Check/Fold Flop Standardline. Sobald du Reads auf deine Gegner hast, ist dies gerade dein größter Vorteil, denn dann kannst du dir die jeweils beste Line aussuchen, um die jeweiligen gegnerischen Spieltendenzen bestmöglich auszunutzen.

Du wirst dich zwar durch "unbekanntere" Lines oftmals in sehr schwierige Postflopsituationen bringen, jedoch wird dies auch ein sehr guter Weg sein, um dein Spielverständnis und deine Postflopfähigkeiten zu verbessern. Langfristig wird sich deine Winrate steigern, wenn du auch in diesen marginalen Situationen die richtigen Entscheidungen treffen kannst und dir so eine Postflopedge über deinen Gegner geben kannst. Sehr wichtig ist unbedingt, dass du erkennst, dass verschiedene Lines gegen verschiedene Gegnertypen unterschiedlich wirksam sind.

Allgemein kannst du jedoch nicht erwarten, dass es einen „richtigen“ Weg für diese Hand und alle anderen möglichen Hände gibt, da dein overall Gameplan im Hintergrund dir oft vorgibt, wie du diese Situation am besten angehst. Die Betrachtung dieser Hand in verschiedenen Lines ist jedoch meist ein sehr guter Weg, um sich selbst über verschiedene eigene Leaks und exploitive Plays bewusst zu werden.

Zwei Dinge könnten dir nun noch bei dieser Hand und der hier durchgeführten Diskussion aufgefallen sein:

  • 1) Du beginnst mit deinem Plan erst am Flop und es scheint so, als würdest du preflop überhaupt nicht nachdenken.

    Sehr oft ist dies hier sogar richtig, da du oftmals bei einem Freeplay aus dem Big Blind denken wirst "Ha, da schau ich mir doch mal den Flop an. Vielleicht kommt er ja mit 774r herunter". Hier solltest du nun versuchen, nicht den Fehler des "Planers" zu machen und zu versuchen, alle möglichen Floptexturen schon durchzugehen, um dann direkt zu wissen, wie du auf welche Boardtextur reagierst.

  • 2) Der Plan mit "reevaluate Turn" ist doch etwas sehr schwammig und sagt dir dann doch nur, wie du den Flop spielst.

    Das Problem hierbei ist, dass du wieder nicht den Fehler des "Planers" machen solltest und dir auch hier schon im voraus komplette Lines für spezielle Fälle auszudenken. Den Turn nach deiner Aktion neu zu evaluieren ist sehr wichtig für deinen Denkansatz. Denn durch deine Flopaktion hast du meist nur noch eine geringere Auswahl an Turnmöglichkeiten. Deine jeweiligen Aktionen sollten zur Boardtextur wie auch deinem Gameflow passen.

Außerdem ist es sehr wichtig, nicht eine Hand im Ganzen im Autopilot bis zum Showdown durchzuspielen, ohne dir Gedanken zu machen, was du nun repräsentieren kannst und wie du deinen Gegner in dieser Situation einschätzt. Denn sehr oft wirst du sonst nicht mehr Poker spielen, sondern nur noch Buttons klicken ohne zu wissen, was du überhaupt genau machst.

Ein weiteres Beispiel, wie das Planen der eigenen Hand etwas über den Overall Gameplan aussagt, ist die einfache Preflopsituation gegen einen Shortstack und die Wahl der Betsize bzw. die vorherige Handrangeabschätzung des Shortys, um direkt eine Entscheidung zur Hand zu halten.

Hierzu ein kurzes Beispiel.

BEISPIEL 2:

0.50$/1.00$ No-Limit Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (Button) 100$
Villain (BB) 17$

Preflop: Hero is Button with A, 8
3 folds, Hero raises to 3.50$, SB folds, BB raises to 17$, Hero ...

Hast du dir nun keine Gedanken gemacht, wie die gegnerische Pushingrange aussieht, so stehst du hier mit deiner Hand etwas verloren da. Denn gegen manche Shortstacks, die nur sehr tight restealen, wirst du hier einen sehr einfachen Fold haben. Hast du schon bevor der Shortstack pusht eine Antwort parat, wie du auf sein Raise reagieren möchtest, so lässt dir dies einen viel weiteren Spielraum offen.

Kommst du zum Schluss, dass du nicht callen kannst, denkst aber, dass dein Gegner hier immer raisen oder folden wird, so kannst du dir noch einmal ein paar Gedanken über die Betsize deines Openraises machen.

Anhand dieser beiden Handbeispiele hast du nun schon gesehen, wie du eine Hand individuell gegnerspezifisch planen kannst. Doch ein genaues Konzept wie du an die Planung herangehen kannst und was du genau zu beachten hast, ist dir wahrscheinlich noch nicht ganz klar geworden. Daher nun die Antwort auf die Frage:

Wie planst du richtig?

Im Großen und Ganzen kannst du das Planen in mehrere Blöcke unterteilen:

  • Block 1: Die individuelle Straße
  • Block 2: Die individuelle Line
  • Block 3: Dein individueller Gameplan
Block 1

Hier begrenzt du deinen Plan nur auf die aktuelle Straße und sagst dir dann bet/fold Flop oder bet/3-bet Turn oder ähnliches. Ist der effektive Stack so groß, dass du committed bist, so ist dies auch direkt der Plan für die komplette Hand. Denn bet/call Turn, um dann auf eine 1/20 Potsizebet den River zu folden, ist im allgemeinen kein gewinnbringender Ansatz.

Was du jedoch oft schon hier miteinbeziehen kannst, ist die Notiz an dich, dass du die nächste Straße unbedingt reevaluieren musst (so wie du es auch beim ersten Beispiel gesehen hast). So verschaffst du dir schon das Mindset, dass du nicht automatisch irgendeinen Button klickst, sondern noch einmal kurz über deine Möglichkeiten Gedanken machst und eventuell auf Timingtells oder Gameflow speziell eingehst. Oftmals ist gerade bei so einer Situation auch dein Bauchgefühl gefragt, welches dir aufgrund deiner Spielerfahrung hilft, die Situation recht schnell zu erfassen.

Block 2

Bei deiner individuellen Line gehst du nun den offensichtlichen Schritt weiter, dass du dir schon einen Plan erstellst, wie du die weitere Straße spielen möchtest.

Denn du entfernst dich nun auch teilweise davon, deine exakte Hand zu spielen und beginnst nun auch deine eigene perceived Handrange mit einzubeziehen. Denn nach einem Checkraise Flop kannst du deine Turnaktion in Abhängigkeit der jeweiligen Turnkarte nur dann gut planen, wenn du auch weißt, welche Handrange du repräsentierst.

Gerade bei einem Plan wie Bet Turn, Checkbehind blank River ist es sehr offensichtlich für dich zu erkennen, dass du hier tatsächlich deine gesamte Handrange spielst und dementsprechend auch diese schon für den River und die jeweilige Karte aufteilen kannst, um so den maximalen Value zu extrahieren.

Block 3

Hier kombinierst du im Grunde deine Erkenntnis von Block 2 und dem individuellen Gegnerread. D.h. du versuchst deine Aktion in Abhängigkeit der möglichen Boardkarten zu planen und diese Planung auch noch individuell zu gestalten. Du bist dir hier bewusst, dass wenn du deine Toprange am Turn valueraist, du nach seinem Turncall in der Regel am River nicht mehr annehmen kannst dass du "nearly Nuts" hältst.

Aufgrund deines Gegnerreads kannst du nun aber einschätzen, ob dieser Balancinggedanke überhaupt angebracht ist oder ob dein Gegner doch nur seine eigenen Karten spielt und du daher die Situation total unbalanced spielen kannst. Dir ist außerdem bewusst, wie sich deine Entscheidungen ändern sollten, wenn ein Gegner tiltet und wann du aufgrund von Tiltinducing ein High-Variance-Play machen solltest und wann nicht.

Hier machst du oft den Schritt, die eine Hand nicht als einzelnes Ereignis zu sehen, sondern dir schon bewusst zu machen, dass nach dieser Hand auch noch weitere Hände folgen werden, welche du nun aufgrund deines Tableimages und des Gameflows anders als "standardmäßig" spielen kannst.

An dieser Stelle ist ein sehr guter Platz, um dir anhand einer Hand und deren Plan zu zeigen, wie du dies alles in die Praxis umsetzen kannst.

BEISPIEL 3:

1.00$/2.00$ No-Limit Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (BB) 350$
Villain (Button) 320$

Preflop: Hero is Big Blind with K, Q
3 folds, Villain raises to 7$, Hero ...

An dieser Stelle hast du den Read gesammelt, dass dein Gegner sehr oft 3-Bets gecallt hat und durch solides Spiel aufgefallen ist. Du selbst hast zuvor recht aktiv preflop ge-3-bettet, weshalb du dich hier eher dafür entscheidest, einem schwierigen Postflopspot OOP deep aus dem Weg zu gehen.

Deine Optionen:

  • a) 3-bet preflop, um postflop zu versuchen, die eigene Handstärke korrekt einzuschätzen und den Positionsnachteil so gering wie möglich werden zu lassen.
  • b) Fold preflop, um generell jeder Postflopentscheidung aus dem Weg zu gehen.
  • c) Call preflop, um dann je nach Boardtextur gegen ein relativ solides gegnerisches Spiel die eigene Hand entweder zu überrepräsentieren, um den Gegner zu schlechten Folds zu zwingen oder zu unterrepräsentieren, um OOP Potcontrol zu betreiben.

Du entscheidest dich nach reichlichem Überlegen zu einem Call, da du nicht in einem 3-betted Pot OOP sitzen möchtest, dem Gegner aber auch nicht solch eine einfache Stealmöglichkeit geben willst, denn KQo hat immer noch eine gewisse Handstärke, welche du hier in deiner Defendingrange haben möchtest.

Flop: (15$) J, T, 3 (2 players)
Hero ...

Genau hier fängt nun die meiste Denk- und Planarbeit an. Da der Gegner multitablet und sein normales solides Game spielen wird, erkennst du, dass dies ein exzellenter Spot für einen Exploit ist. Denn er wird sich hier sehr oft überhaupt nicht bewusst sein, was du gerade machst und die Situation einfach als Standard abhaken.

Du beziehst hier in deinem Plan also folgendes ein:

  • Dein Gegner spielt solides ABC Poker
  • Dein Gegner macht sich keine Gedanken, ob er hier in einem "Standardspot" exploitet werden kann
  • Dein Gegner wird hier sehr oft erst nach Action von dir realisieren, dass er deepstack spielt und dementsprechend kurzfristig deine Handrange einzuschätzen versuchen.

Dein Plan: Du check/callst den Flop (du erwartest hier sowieso von ihm zu 100% seine Standardcontinuationbet), um dann an Turn und River longterm extrem +EV zu spielen. Denn Villain wird hier in der Regel jede Blank am Turn behindchecken und dich auf eine marginale made Hand setzen.

Scarecards wie 9, Q, K, A wird er jedoch sehr oft 2nd-barreln, was für dich bedeutet, dass du bei einer Q und einem K sehr gut noch einmal callen kannst und deine Straights sehr gut checkraisen kannst.

Da jedoch dein Gegner sehr oft den Turn behindchecken wird, steht dir hier auch noch ein perfekter OOP Float zur Verfügung. Denn sollte er sein Ax oder seine schwache T behindchecken, so kannst du mit einer Riverbet sehr oft den Pot unimproved einsammeln.

Man kann NL Hold’em nicht als statisches Spiel beschreiben. Wäre dem so, so würdest du weiterhin durch exzessives Continuationbetten und lightes preflop 3-betten Geld machen, ohne dass sich jemand dagegen wehrt. Sei also immer auf der Hut vor sich ändernden Tendenzen und versuche auch im nachhinein eine Hand und deren Plan noch einmal zu überdenken. Denn manchmal realisierst du, dass du hier ein extrem großes Potential zur Verbesserung hast.

Denn einen der größten Fortschritte wirst du erreichen, wenn du deine Planungsfähigkeiten auf die Nachanalyse deiner gespielten Hände anwendest. Denn beginnst du selbst in Ruhe über deine gespielten Hände nachzudenken und auch alle möglichen Optionen durchzugehen. Du wirst erkennen, dass deine Planungen marginale -EV Situationen zu sehr guten +EV Situationen werden lassen.

Hierzu findest du natürlich noch einmal ein gutes Handbeispiel, welches dir solch eine Nachanalyse veranschaulicht.

BEISPIEL 4:

1.00$/2.00$ No-Limit Hold'em (6 handed)

Stacks & Stats
Hero (Button) 400$
Villain (BB) 620$

Preflop: Hero is Button with K, T
3 folds, Hero raises to 7$, SB folds, Villain calls 5$.

Flop: (15$) Q, 6, 5 (2 players)
Villain checks, Hero bets 11$, Villain raises to 36$, Hero ...

Während des Spielens hattest du den Read auf deinen Gegner, dass dieser sehr oft den Flop als Bluff checkraist. Jedoch hat dein Gegner hier nicht damit gerechnet, dass auch du versuchst, seine Checkraising-Handrange einzuschätzen. Er wird hier sehr oft Air or Nuts haben.

Da die Valuehands nur 55, 66, 56, AQ, KQ enthalten und du den Read hast, dass dein Gegner sehr oft checkraist, kannst du davon ausgehen, dass er hier oft mit Air dastehen wird. Du hast dich daher zu einem Float entschieden und das Checkraise gecallt.

Turn: (87$) J
Villain bets 60$, Hero ...

Die Turnkarte ist sehr gut für deine aktuelle Hand, da du nun ein paar extra Outs gesammelt hast. Neben deiner Position hast du nun durch diese Karte extrem gute Implied Odds bekommen, sollte dein Gegner doch wider Erwarten gerade eine Valuehand halten.

Eigentlich hattest du geplant, den Pot an dieser Stelle einzusammeln, nachdem dein Gegner seinen Bluff aufgibt. Doch aufgrund der hohen Implied Odds siehst du hier nichts, dass einem Call widersprechen sollte.

River: (207$) K
Villain bets 170$, Hero ...

Diese Riverkarte mit der Bet des Gegners ist sehr interessant. Durch die gegnerische Betsize kannst du davon ausgehen, einen puren Bluffcatcher zu halten. Villain wird nur sehr selten eine Hand wie AQ for Value so hoch betten. Entweder hält er ein Set, ein gutes Twopair oder einen Bluff. Da du denkst, dass Villain diesen River eher bluffen wird, um dich von schwachen Qx Händen zu bekommen, entscheidest du dich für einen Call.

In der Nachanalyse gehst du noch einmal die komplette Hand durch und betrachtest die Qualität deiner Line gegen den Gegner. Genau betrachtet erkennst du, dass deine Line nicht wirklich perfekt war. Dein Rivercall ist nur dann gut, wenn dein Gegner auch oft genug nach seinem Checkraise am Flop weiter blufft und nicht aufgibt. Callst du den River, so bedeutet dies, dass dein Gegner wirklich nach dem Turn oft genug weiter zu bluffen versucht.

Dein Float am Flop ist also deshalb nicht so gut, weil du diesen nur aus der Intention machst, am River einen Bluffcatcher zu halten. Gegen einen Gegner, welcher jedoch den Turn zu oft 2nd-barrelt, ist daher ein Float nicht besser als eine kleine Bluff-3-Bet am Flop. Der Float zwingt dich, gegen die sehr weite gegnerische Range am River zu improven, wohingegen die Bluff-3-Bet am Flop direkt gegen gegnerische Bluffs wirkt. Bluffs werden zum Großteil folden.

In Zukunft wirst du daher nur noch eine konsequente Line gegen deine aggressiven Gegner in so einer Situation mit so einer Hand spielen. Blufft der Gegner oft den Turn noch einmal, so wirst du direkt den Flop 3-betten. Gibt der Gegner zu oft auf, so wird ein Float spielbar, jedoch solltest du dann nicht auch noch den River als Bluffcatcher callen.

Zusammenfassung

Der Artikel hat dir gezeigt, wie du deine Hand und deine gesamte Strategie planen kannst. Du hast gesehen, dass ein strukturiertes Planen deiner Hand immer die Möglichkeit für kreative Spielzüge offen lässt. Du passt dich an deine Gegner an und steigerst deine Winrate. Das strukturierte Planen einer Hand lässt dir sehr viele Möglichkeiten offen, um in deiner Nachanalyse eigene Leaks zu finden und auf Situationen aufmerksam zu werden, die viele der normalen Regulars noch nicht erkannt haben.