Aktualisiert am 12 März 26 von

NL Heads-up: Turn- und Riverspiel

Einleitung

In diesem Artikel

  • Verschiedene Lines für das Spiel auf den letzten beiden Straßen
  • Wie du IP mit und ohne Initiative agierst
  • Welche Möglichkeiten sich OOP anbieten

In diesem Artikel lernst du, welche Lines im Heads-up interessant sind und welche Argumente jeweils für welche Line sprechen. Du lernst, in welcher Situation und gegen welchen Gegenspieler welche Line am profitabelsten ist. Da sich die Betsize an der Potsize orientiert, sind Entscheidungen an Turn und River wesentlich teurer, als es Entscheidungen am preflop oder am Flop sind. Deshalb lässt sich mit gutem Turn- und Riverspiel viel Geld verdienen.

Das Spiel in Position - Dein Gegner checkt zu dir

Made Hands

Hältst du eine sehr starke made Hand, mit der du Turn und River valuebetten kannst, solltest du das im Normalfall natürlich auch tun. Interessant wird es, wenn deine Hand gegen die Range deines Gegenspielers noch gut dasteht, zwei weitere Valuebets aber overplayed wären.

MARGINALE MADE HANDS

In dieser Situation gibt es zwei mögliche Lines:

  • a) Checkbehind for Bluffinduce
  • b) Bet for free Showdown

Bei Line a) checkst du den Turn behind mit dem Ziel, dass dein Gegenspieler schwächere Made Hands und Bluffs am River noch einmal betten wird.

Bei Line b) bettest du den Turn, weil du denkst, dass dein Gegenspieler schlechtere Hände check/call spielt und am River wieder zu dir checken wird. Dann kannst du am River behindchecken und hast genauso viel investiert wie mit Line a).

Beide Lines dienen dazu, mit einer mittelstarken Made Hand günstig zum Showdown zu kommen, also Potcontrol zu betreiben. Wann ist welche Line angebracht?

Checkbehind for Bluffinduce:

  • Du hast einen grundsätzlich aggressiven Gegenspieler.
  • Dein Gegenspieler checkraist viel am Turn.
  • Dein Gegenspieler floatet viel out of Position.
  • Dein Gegenspieler valuebettet sehr dünn.
  • Das Board ist trocken (Protection spielt keine Rolle).
  • Dein Gegenspieler wird selten einen Draw halten (zum Beispiel, weil er diesen am Flop checkraisen würde).
  • Dein Gegenspieler ist ziemlich weak (wird also auf eine Bet viele schlechtere Hände folden).
  • Die Handrange deines Gegenspielers enthält vor allem sehr schwache Hände.
  • Deine Handrange enthält aus Sicht des Gegenspielers vor allem sehr starke Hände.

Bet for free Showdown:

  • Du hast einen grundsätzlich passiven Gegenspieler.
  • Dein Gegenspieler callt viel out of Position.
  • Dein Gegenspieler blufft wenig.
  • Dein Gegenspieler valuebettet nicht sehr dünn.
  • Das Board erlaubt viele Draws.
  • Dein Gegenspieler spielt Draws eher passiv.
  • Die Handrange deines Gegenspielers enthält viele Hände, mit denen er callen könnte (Draws und medium Made Hands).
  • Deine Handrange enthält aus Sicht des Gegenspielers viele schwache Hände (Bluffs oder weake Made Hands).
BEISPIEL 1:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50)

Preflop: Hero is SB with A, K . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: K, 3, 5
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: 9
BB checks, Hero?

Eine so starke Hand wie Toppair Topkicker kannst du gegen fast jeden Gegenspieler dreimal for Value betten, deshalb ist hier natürlich eine Bet an Turn und River angebracht.

BEISPIEL 2:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (1/3/6/17/401) [Aggression_Flop/Aggression_Turn/Aggression_River/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with T, K . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: K, A, 5
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: 9
BB checks, Hero?

Nun hast du nurnoch Second Pair mit mittlerem Kicker. Längst nicht jeder Gegenspieler callt so viele schlechtere Hände runter, als dass sich zwei Valuebets lohnen würden. Also musst du dir überlegen, was für und was gegen eine Bet spricht.

Das Board bietet sehr wenige Draws, die Handrange deines Gegenspielers wird also vor allem aus Made Hands bestehen. Das werden vor allem irgendwelche Onepair Hände und hin und wieder schwache Draws, Air oder slowgeplayte gute Made Hands sein.

In diesem Beispiel ist dein Gegenspieler ein sehr aggressiver Spieler, der am Flop noch eher passiv ist und an Turn und River aggressiver wird. Außerdem geht er bisher mit einem Went-to-Showdown-Wert von 17% nicht sehr oft zum River.

Gegen diesen Gegenspieler lohnt sich ein Checkbehind viel eher als eine Bet. Du kannst davon ausgehen, dass er sehr viele schlechtere Hände gegen eine weitere Bet folden wird, andererseits aber den River sowohl mit Made Hands, als auch mit Air noch einmal betten kann. Desweiteren besteht bei einem sehr aggressiven Gegner die Möglichkeit, dass er am Turn als Bluff checkraist, wogegen du die bessere Hand folden müsstest.

BEISPIEL 3:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (1/1/0.5/27/401) [Aggression_Flop/Aggression_Turn/Aggression_River/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with T, K . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: K, A, 5
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: 9
BB checks, Hero?

Betrachtet man die gleiche Hand gegen einen anderen Gegenspieler, kommt man zu einem anderen Ergebnis. Dieser Gegenspieler ist sehr passiv und callt mit vielen Händen runter. Du kannst auf jeden Fall am Turn profitabel valuebetten.

Andererseits besteht nur eine minimale Wahrscheinlichkeit, dass dein Gegenspieler mit schwächeren Händen selbst am River noch einmal betten würde. Hier ist die Bet am Turn das Mittel der Wahl.

Draws

Hältst du in Position einen Draw, musst du dir überlegen, ob du genug Foldequity für einen Semibluff hast. Dabei musst du bedenken, dass du immer noch Equity hast, wenn dein Gegenspieler am Turn nur callt. Außerdem kannst du im Falle eines Hits am River größer for Value betten, wenn du den Pot am Turn schon mit einem Semibluff vergrößerst.

Für und gegen einen Semibluff gibt es aber wieder verschiedene Argumente:

Bet als Semibluff:

  • Du kannst auf diesem Board gut eine Made Hand repräsentieren.
  • Die Handrange deines Gegenspielers ist sehr schwach.
  • Dein Gegenspieler foldet viel am Turn.
  • Dein Gegenspieler checkraist wenig am Turn.
  • Dein Gegenspieler gibt am River selten eine Hand auf (größere Implied Odds).
  • Dein Gegenspieler gibt sehr oft am River eine Hand auf (Riverbluff ist im Schnitt +EV und wird mit größerer Potsize profitabler).

Checkbehind:

  • Du kannst auf diesem Board kaum eine Made Hand repräsentieren.
  • Die Handrange deines Gegenspielers enthält viele starke Hände.
  • Dein Gegenspieler foldet wenig am Turn.
  • Dein Gegenspieler checkraist viel am Turn.
  • Du weißt nicht, ob dein Gegenspieler am River viele Hände aufgibt.
Air

Hat deine Hand so gut wie überhaupt keine Chance, einen Showdown zu gewinnen, kannst du auch an Turn und River in vielen Fällen eine Bluffbet platzieren. Diese hängt wiederum davon ab, wie viel dein Gegenspieler auf Second oder Third Barrels foldet und wie das Board beschaffen ist. Grundsätzlich gilt auch hier die Faustregel: Kannst du gut eine Hand repräsentieren und wird dein Gegenspieler selten eine starke Hand halten, ist eine Bluffbet wahrscheinlich profitabel.

Wann genau das der Fall ist, hängt sehr stark von Tendenzen deines Gegenspielers ab. Gegen viele Spieler lohnt es sich, Druck zu machen und auch weiterhin zu bluffen, wenn sie hin und wieder einen Bluff catchen. Gegen sehr aggressive oder sehr loose Gegenspieler solltest du von pure Bluffs kaum Gebrauch machen.

BEISPIEL 4:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (2/18/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with 5, 6 . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: 7, 8, A
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: 2
BB checks, Hero?

In diesem Beispiel hältst du einen open-ended Straightdraw. Dein Gegenspieler ist bisher nach dem Flop eher passiv und geht relativ selten zum Showdown, ist also eher etwas weak.

Auf diesem Board muss dein Gegenspieler nicht unbedingt eine gute Hand getroffen haben, wenn er am Flop check/call spielt. Außerdem kannst du relativ gut das Ass repräsentieren. Sollte dein Gegenspieler am Turn nicht aufgeben wollen, wird er eine Bet eher callen als zu checkraisen. Dies alles sind klare Gründe für eine Bet am Turn.

BEISPIEL 5:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (5/20/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with A, 2 . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: 6, 7, J
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: 2
BB checks, Hero?

In diesem Beispiel hast du den Flop komplett verfehlt und auch am Turn ändert sich nicht viel an deiner Handstärke. Du hast einen Gegenspieler vor dir, der postflop sehr aggressiv ist, aber nicht besonders häufig zum Showdown geht.

Ein so aggressiver Gegenspieler wird am Flop wahrscheinlich sowohl Draws als auch starke Made Hands donken oder, was noch viel wahrscheinlicher ist, checkraisen. Starke Made Hands, weil er gegen Draws protecten möchte und Draws, weil er viel Foldequity erzeugen kann und damit seine sonst allzu starke Checkraise-Range balancen kann.

Die Handrange deines Gegenspielers besteht also am Turn größtenteils aus eher schwachen Made Hands. Du kannst deshalb auch ohne irgendwelche Outs davon ausgehen, eine profitable Bluffbet setzen zu können.

BEISPIEL 6:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (5/26/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with 7, 6 . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: 2, T, A
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: 2
BB checks, Hero?

In diesem Beispiel hältst du einen Flushdraw. Obwohl dein Gegenspieler relativ loose und aggressiv ist, hast dich am Flop dazu entschieden, eine Continuationbet zu setzen, was durchaus richtig sein kann, wenn dein Gegenspieler solche Boards nicht ständig checkraist.

Dein Gegenspieler callt am Flop und der Turn bringt eine totale Blank. Gegen einen eher loosen Spieler kannst du dir hier kaum sicher sein, viel Foldequity aufzubauen. Außerdem besteht aufgrund seiner Aggressivität immer noch die Möglichkeit, dass dein Gegenspieler am Turn checkraist.

In dieser Situation lohnt sich eine weitere Bet am Turn weniger. Du solltest behindchecken und dir die Freecard nehmen.

BEISPIEL 7:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (0.5/33/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with 7, 6 . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: 2, 4, 5
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: A
BB checks, Hero?

In diesem Beispiel hältst du einen open-ended Straightdraw und Flushdraw. Du hast also gegen jede bessere Hand auch am Turn noch eine gute Equity. Dein Gegenspieler ist eher dem Typ Callingstation zuzuordnen, das heißt, dass er sowohl sehr loose als auch sehr passiv ist.

Zwar ist ein sehr looser Spieler nicht das beste Ziel für einen Semibluff, trotzdem macht es hier durchaus Sinn, am Turn noch einmal zu betten. Wenn dein Gegenspieler auf diesem Flop check/call spielt, ist die Anzahl der guten Hände, die er überhaupt halten kann, sehr beschränkt.

Es gibt viele schwache Onepair Hände, Overcards und Draws, die er am Flop callen kann. Auf diese kannst du bei dieser einschüchternden Karte viel Druck machen und sie meist zum Aufgeben zwingen. Dagegen stehen ein paar Twopairs, Sets und Zufällig getroffene Toppairs, sowie einige Pocketpairs, die ein so looser Gegenspieler natürlich am Turn nicht aufgeben würde.

Insgesamt erzeugst du aber relativ viel Foldequity. Dazu kommt noch das Argument, dass dein Gegenspieler so gut wie nie am Turn checkraisen wird und du mit Hit am River sehr schön in einem großen Pot valuebetten kannst. Die wenigsten der Hände, die dein Gegenspieler am Turn callt, wird er am River noch aufgeben.

Alles in allem ist hier eine Semibluffbet selbst gegen eine mutmaßliche Callingstation durchaus profitabel.

Dein Gegner bettet

Made Hands

Bettet dein Gegenspieler out of Position und du hältst eine Made Hand, musst du dich wieder entscheiden, ob du Potcontrol betreiben möchtest, also nur callst, oder ob du den Pot weiter aufbauen willst und ein Raise anbringst.

Dabei solltest du beachten, dass ein aggressiver Gegenspieler nach einer Turnbet auch den River noch einmal betten kann. Wenn die Potsize schon ausreichend groß ist und dein Gegenspieler relativ wenige Draws in seiner Handrange hat, kannst du mit einer sehr starken Hand seine Turnbet nur callen und am River All-In raisen. Viele Gegenspieler sehen sich am River eher committet, wenn du raist und sie bekommen bessere Pot Odds, um sich noch einmal selbst zu einem Call zu überreden.

Andererseits musst du mit einer mittelstarken Made Hand gegen sehr aggressive Gegner häufig auch eine Riverbet callen, wenn du am Turn nicht gewillt bist, aufzugeben. Du spielst dann mit einer mittelstarken Hand um einen großen Pot. Wenn du dir zu unsicher bist, ob du zwei Bets callen kannst, ist es sicher kein Fehler, gegen sehr aggressive Gegenspieler auch am Turn schonmal eine Made Hand aufzugeben.

BEISPIEL 8:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (0.5/33/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with 7, 6 . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: 9, 7, 2
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: A
BB bets $5, Hero?

Du hast in dieser Hand wieder einen ziemlich passiven und loosen Spieler vor dir. Am Flop setzt du folgerichtig mit dem Second Pair eine Bet for Value und Protection. Am Turn kommt eine Overcard und gleichzeitig der Flush an.

Dein Gegenspieler setzt nun eine Donkbet. Bei einem solch passiven Spieler kannst du nach dieser Bet einen Bluff fast ausschließen. Dein Gegenspieler wird meistens mindestens das Toppair am Turn getroffen haben, auch Twopair, der Flush oder ein am Flop langsam gespieltes Set sind nicht auszuschließen.

Deshalb solltest du in dieser Situation am Turn direkt folden.

BEISPIEL 9:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (4/25/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with 7, 6 . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: 8, 5, 2
BB checks, Hero bets $2, BB calls

Turn: 9
BB bets $5, Hero?

Nun hast du einen aggressiveren Gegenspieler. Am Flop hältst du einen open-ended Straightdraw und machst eine Continuationbet als Semibluff. Dein Gegenspieler callt diese und setzt am Turn eine Donkbet.

Der Turn bringt dir eine Straight, gleichzeitig kommt auch der Flushdraw an. Dein Gegenspieler scheint aggressiv genug zu sein, eine schwache Hand in einen Bluff zu verwandeln, schwächere Made Hands wie 98s, 99, oder eine Onepair Hand for Value und vor allem for Protection zu spielen oder natürlich den Flush einfach for Value zu betten.

Wenn du nun aber berücksichtigst, dass ein so aggressiver Gegenspieler Draws am Flop eher aggressiv spielen wird, als damit nur zu callen, ist die Range deines Gegenspielers nicht gerade sehr stark. Hier liegst du am Turn fast immer vorne.

Die Frage ist nun vor allem, wie du am meisten Geld von schwächeren Händen bekommst. Eigentlich ist es auf diesem Board sehr wichtig zu protecten, andererseits würdest du mit einem Raise am Turn so gut wie alle schlechteren Hände vertreiben.

Die gleichen Hände würden aber einen blank River fast immer noch einmal betten. Spielst du also call Turn, raise River, kann dein Gegenspieler sich schlechter von schwächeren Made Hands trennen und den River noch einmal als Bluff betten.

Draws & Air

Draws sind am Turn nicht mehr so viel Wert wie am Flop. Zum einen weil sie eine schlechtere Equity haben, zum anderen weil du nicht die Möglichkeit hast, dir mit einem Semibluff eine Freecard zu erkaufen. Wenn dein Gegenspieler bettet und du den Turn raist, solltest du beachten, dass du damit einen großen Teil deines Stacks investieren musst.

Du hast zwar gegen Made Hands noch eine gewisse Equity, solltest aber in großen Pötten nur dann semibluffen, wenn du dir sicher bist, deinen Gegenspieler häufig zum Folden zu bewegen. Entsprechend solltest du auch mit reinen Bluffraises am Turn vorsichtig sein.

Mit Draws hast du in manchen Fällen auch die Möglichkeit, am Turn eine Bet profitabel zu callen. Dazu solltest du dir aber relativ sicher sein, die nötigen Implied Odds gegen deinen Gegenspieler zu haben, also im Falle eines Hits am River noch ausbezahlt zu werden. Je kleiner dein Gegenspieler am Turn bettet, desto eher kannst du einen Call finden.

BEISPIEL 10:

Stacks & Stats
Hero ($50)
BB ($50) (5/30/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is SB with 7, 6 . Hero posts a blind of $0,25.
Hero raises to $1,50, BB calls $1.

Flop: 8, 3, 2
BB checks, Hero checks

Turn: 9
BB bets $5, Hero?

Dein Gegenspieler in diesem Beispiel ist ein regelrechter Maniac. Er raist viel, bettet viel und geht oft zum Showdown. Bluffs und Semibluffs sind gegen so einen Gegenspieler selten sinnvoll. Am Flop hast du deshalb auch mit einem Flushdraw die Continuationbet weggelassen, was auf jeden Fall vertretbar ist.

Am Turn hältst du neben deinem Flushdraw noch zusätzlich den open-ended Straightdraw. Du hast also gegen die meisten Hände noch eine ziemlich gute Equity. Dein Gegenspieler donkbettet, was nicht heißen muss, dass er auch nur annähernd eine gute Hand hat.

Trotzdem kannst du bei so einem Gegenspieler nicht unbedingt davon ausgehen, profitabel semibluffen zu können. Dafür wirst du am River häufig weiteres Geld bekommen, wenn du eines deiner Outs triffst. Deshalb ist es in dieser Situation am besten, die Bet deines Gegenspielers nur zu callen.

Das Spiel out of Position - Du hast die Initiative

Made Hands
CHECK/FOLD & CHECK/CALL

Ist deine Hand zu schwach, um am Turn weiter zu betten, obwohl du gegen die Handrange deines Gegenspielers eine annehmbare Equity hast, solltest du zunächst zu ihm checken. Ob du dann eine Bet deines Gegenspielers callen kannst, ist eine relativ schwierige Frage und muss stark von den Tendenzen deines Gegenspielers und seiner möglichen Handrange abhängig gemacht werden.

Häufig ist es so, dass ein Gegenspieler mittelstarke Made Hands und Draws behindchecken wird, gegen die du vorne liegst, und nur gute Made Hands und Bluffs betten wird. Hast du nun noch keine genaueren Reads auf deinen Gegenspieler und gehst davon aus, dass er selten Hände halten wird, die er in einen Bluff verwandelt, kannst du am Turn kaum eine Bet callen und solltest check/fold spielen.

Merkst du, dass dein Gegenspieler allgemein recht aggressiv ist, viel floatet oder sehr schwache Made Hands und Draws am Turn bettet, wenn du zu ihm checkst, musst du deine Check/fold-Line auf jeden Fall balancen und check/call mit mittelstarken Made Hands einstreuen. Dabei musst du natürlich beachten, dass du am River wiederum out of Position bist und keine Initiative hast. Solltest du dir unsicher sein, kannst du eher schon am Turn aufgeben.

Weiter kannst du check/fold aber auch balancen, indem du Bluffcheckraises mit Initiative in dein Spiel einbaust. Callt dein Gegenspieler deine Flopcontibet und du bist dir sicher, dass er oft schwache Hände hält (zum Beispiel weil er auf dieser Boardtextur viel floatet), kannst du auch mit Air oder einem Draw profitabel checkraisen.

SECOND BARREL & CHECKRAISE

Hast du bereits am Flop die Initiative mit einer Made Hand ergriffen, wird diese oftmals auch am Turn noch stark genug sein, um eine weitere Valuebet anzubringen. Meist ist es dann einfach sinnvoll, straight forward weiter zu betten. Gerade wenn du den Flop gecheckraist hast, kommst du so bis zum River bequem All-In.

Weiterhin besteht mit sehr starken Made Hands die Möglichkeit, am Turn zu checkraisen. Wenn der Pot noch relativ klein ist, kannst du so zum Beispiel leichter bis zum River All-In kommen. Gegen unbekannte oder passive Spieler hast du allerdings häufig das Problem, dass dein Gegenspieler behindcheckt und du das Gegenteil erreichst: Der Pot bleibt klein. Wie immer beim Pokern gilt es hier, Reads anzuwenden, die Handrange deines Gegenspielers abzuschätzen und zu überlegen, ob mehr Value in einem Checkraise oder einer Bet liegt.

Ein wichtiges Argument, auch Checkraises mit Initiative in sein Spiel einzustreuen, ist das weiter oben genannte Balancing von check/fold. Spielst du gegen einen Spieler, der am Turn sehr aggressiv ist, kannst du dies sehr gut ausnutzen, um einen Pot aufzubauen. Außerdem kann er am Turn nicht mehr so viel bluffen und dünn valuebetten und du kannst mit deinen mittelstarken Made Hands häufig günstig zum Showdown kommen.

BEISPIEL 11:

Stacks & Stats
Hero ($50)
SB ($50) (0.5/25/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is BB with Q, T . Hero posts a blind of $0,25.
SB raises to $1,50, Hero calls $1.

Flop: T, 9, 2
Hero bets $2, SB calls

Turn: J
Hero?

In diesem Beispiel hast du vor dem Flop gegen einen eher passiven Gegenspieler deinen suited Connector passiv defendet. Am Flop triffst du TPWK und setzt for Protection und for Value eine Donkbet.

Da dein Gegenspieler eher passiv ist und am Flop wahrscheinlich nicht besonders häufig eine Continuationbet macht, ist die Donkbet am Flop ein gutes Mittel, um ihm keine Freecard zu gewähren.

Am Turn kommt eine ziemlich schlechte Karte. Der Flushdraw kommt an und alle open-ended Straightdraws vom Flop halten jetzt entweder eine Straight oder ein höheres Paar als du.

Dein Gegenspieler muss nun nicht unbedingt vorne liegen, eine Valuebet hast du aber nun auch nicht mehr, wenn dein Gegner keine unglaubliche Callingstation ist. Du solltest also zunächst einmal checken.

Sollte dein Gegenspieler dann betten, kannst du davon ausgehen, meist geschlagen zu sein, da dein Gegenspieler sehr passiv ist. Das bedeutet, er wird so gut wie nie schwächere Hände for Value betten oder in einen Bluff verwandeln. Genausowenig ist von so einem Gegenspieler zu erwarten, dass er dich häufig floaten wird.

BEISPIEL 12:

Stacks & Stats
Hero ($50)
SB ($50) (2/27/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is BB with K, J . Hero posts a blind of $0,25.
SB raises to $1,50, Hero calls $1.

Flop: J, 8, 2
Hero bets $2, SB calls

Turn: A
Hero?

Nun hast du einen Gegenspieler vor dir, der nicht der passivste ist, aber mit einem AF von 2.0 auch nicht übermäßig aggressiv agiert. Am Flop hältst du TPGK und entscheidest dich, mit einer Donkbet die Initiative zu übernehmen.

Am Turn kommt eine Overcard und deine Hand ist nicht mehr so viel Wert wie am Flop. Dein Gegenspieler kann trotzdem eine weitere Bet mit einigen schlechteren Händen callen. Du könntest also locker noch einmal for Value betten.

Außerdem sind zwei Flushdraws und der open-ended Straightdraw möglich. Also spielt auch Protection eine große Rolle. Obwohl dein Gegenspieler nicht der passivste ist, ist auch ein Checkraise in dieser Situation nicht der Bet vorzuziehen. Erstens würdest du damit fast jede schlechtere Made Hand vertreiben, die eine Bet noch callen könnte. Zweitens ist dein Gegenspieler passiv genug, um sich hin und wieder (mit schwächeren Made Hands und Draws) den Checkbehind am Turn zu nehmen.

Draws & Air
SECOND BARREL ALS (SEMI-) BLUFF

Hast du am Flop mit einem Draw oder sogar einem puren Bluff die Initiative übernommen, besteht natürlich die Möglichkeit, diesen Bluff oder Semibluff am Turn fortzusetzen. Auch hier sind genaue Reads sehr hilfreich.

Viele Gegenspieler callen ein Checkraise am Flop eher mit schwachen Made Hands, während sie starke Made Hands am Flop 3-betten. Diese schwachen Made Hands geben sie dann häufig auf eine weitere Bet auf.

Genauso callen viele Gegenspieler am Flop eine Donkbet mit eher schwachen Händen, um Potcontrol zu betreiben, während sie sehr starke Hände raisen. Balanct ein Gegenspieler dies nicht, indem er hin und wieder Slowplay betreibt, kannst du nach einer Donkbet häufig am Turn eine zweite Bet und teilweise am River eine dritte Bet als Bluff oder Semibluff anbringen.

Besonders häufig gibt es diese Situation, wenn das Board viele Draws erlaubt, dein Gegenspieler also im Normalfall mit sehr starken Made Hands am Flop for Protection raist, während er schwächere Made Hands für Potcontrol nur callt. Spielt ein Gegenspieler seine Draws am Flop passiv, steht er noch häufiger am Turn ohne eine gute Made Hand da. Das macht deinen Bluff noch profitabler.

CHECKRAISE ALS (SEMI-) BLUFF

Wie weiter oben schon angesprochen, ergibt auch ein Checkraise als Bluff oder Semibluff gegen einige Gegenspieler Sinn. Wenn der Pot noch nicht zu groß ist, kannst du mehr Fold Equity erzeugen. Gleichzeitig hältst du deinen Gegenspieler davon ab, allzu häufig zu floaten und balanct damit deine Check/fold Line.

Ein Checkraise mit Draws hat weiterhin den Vorteil, dass du hin und wieder den River umsonst sehen kannst.

CHECK/CALL & CHECK/FOLD

Mit einem Draw oder mit Air am Turn check/call zu spielen, ergibt in den meisten Fällen keinen Sinn. Man bekommt selten die benötigten Pot Odds und hat aufgrund des Positionsnachteils sowohl geringe Implied Odds als auch wenig Foldequity am River.

Denkst du, dass weder ein Checkraise noch eine Bluffbet genug Fold Equity erzeugt, um profitabel zu sein, solltest du die Hand einfach aufgeben.

BEISPIEL 13:

Stacks & Stats
Hero ($50)
SB ($50) (5/21/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is BB with 7, 6 . Hero posts a blind of $0,25.
SB raises to $1,50, Hero calls $1.

Flop: J, T, 2
Hero checks , SB bets $2, Hero raises to $7, SB calls

Turn: A
Hero?

In diesem Beispiel hast du einen sehr aggressiven Spieler vor dir, der nicht übermäßig oft zum Showdown geht. Am Flop checkraist du mit deinem Flushdraw. Dein Gegenspieler wird sehr oft continuationbetten und viele seiner Hände gegen dein Checkraise aufgeben müssen.

Am Turn kommt keines deiner Outs. Dafür fällt mit dem Ass eine Overcard, die du getroffen haben könntest und zusätzlich kommt ein open-ended Straightdraw an. Nachdem dein Gegenspieler auf dem Flop nur gecallt hat, obwohl viele Draws möglich sind, kannst du davon ausgehen, dass er häufig keine allzu starke Hand hält.

Sehr starke Made Hands und Draws wird ein so aggressiver Spieler häufig auf dem Flop 3-betten. Damit bleiben vor allem mittelstarke Made Hands in der Range deines Gegenspielers, die du mit ankommendem Straightdraw und Overcard am Turn gut aus der Hand vertreiben kannst.

Mit dem Argument, dass du noch einige Outs auf den Flush hast, kannst du am Turn gut eine Second Barrel feuern.

Dein Gegenspieler hat die Initiative

Made Hands
CHECK ODER DONKBET

Hast du dich mit einer Made Hand am Flop entschieden, deinem Gegenspieler die Initiative zu überlassen, war deine Hand meist zu schwach, um eine Valuebet oder sogar ein Valueraise anzubringen. Außerdem hast du wahrscheinlich gute Chancen gesehen, bei deinem Gegenspieler einen Bluff zu induzieren.

Am Turn wird die Handrange, die dein Gegenspieler gegen eine Donkbet callt, häufig nicht schwächer sein, als am Flop. Deshalb ergibt eine Donkbet als Valuebet in vielen Situationen am Turn wenig Sinn. Wenn du weißt, dass dein Gegenspieler viel am Flop contibettet und auf eine Donkbet am Turn loose runtercallt, sieht das ganze natürlich anders aus. Aber gegen viele Gegner solltest du, wie auch schon am Flop, deinem Gegenspieler die Initiative überlassen.

Wenn du eine sehr starke Made Hand hältst, weil du entweder am Flop geslowplayt oder mit einem Draw eines deiner Outs getroffen hast, musst du dir wieder abhängig von deinem Gegenspieler überlegen, wie du am meisten Value bekommst.

Bettet dein Gegenspieler oft den Turn als Second Barrel mit schwachen Händen, kann ein Checkraise sinnvoll sein. Tut er das nicht, ist eine Bet meist besser, da dein Gegenspieler wahrscheinlich weniger foldet als gegen ein Checkraise. Außerdem nimmst du ihm so die Möglichkeit, den Turn behind zu checken und Pot Control zu betreiben.

Gegen Spieler, die sehr viel multi-barreln, kann auch check/call sinnvoll sein, um am River mit einem Check eine weitere Bluffbet zu induzieren. So kannst du wie immer check/fold balancen. Da du aber im Falle eines Checkbehinds deines Gegenspielers am River Value verlierst, solltest du diese Line nur wählen, wenn du deinen Gegenspieler relativ sicher auf eine schwache Hand setzen kannst und den starken Read hast, dass er viel 3-barreln wird.

BEISPIEL 14:

Stacks & Stats
Hero ($50)
SB ($50) (5/30/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is BB with T, J . Hero posts a blind of $0,25.
SB raises to $1,50, Hero calls $1.

Flop: J, Q, 2
Hero checks , SB bets $2, Hero calls

Turn: 5
Hero ?

In diesem Beispiel spielst du gegen einen aggressiven und loosen Gegenspieler, der den Eindruck eines Maniacs macht. Vor dem Flop callst du mit einem hohen suited Connector, mit dem du Postflop sowohl ein gutes Pair als auch starke Draws treffen kannst.

Am Flop triffst du Second Pair mit einem mittelmäßigen Kicker und entschließt dich, check/call zu spielen. Dein relativ looser und aggressiver Gegenspieler wird sehr viele schlechtere Hände contibetten und du kannst im Gegensatz zum Checkraise oder der Donkbet gegen den aggressiven Spieler mit dieser Line die Potgröße gut kontrollieren.

Am Turn fällt eine Karte, die deine Handstärke nicht verändert und auch deinem Gegenspieler selten geholfen haben wird. Du stehst also prinzipiell vor der gleichen Entscheidung wie am Flop. Selbst gegen einen loosen Spieler kannst du mit deiner relativ schwachen Hand schwer for Value betten und müsstest zudem Angst haben, oft gebluffraist zu werden.

Die Hand aufzugeben ist gegen einen solch aggressiven Gegenspieler aber auch viel zu weak. Deshalb ist hier wieder wie am Flop die Line check/call das Mittel der Wahl.

BEISPIEL 15:

Stacks & Stats
Hero ($50)
SB ($50) (1.5/28/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is BB with T, J . Hero posts a blind of $0,25.
SB raises to $1,50, Hero calls $1.

Flop: J, Q, 2
Hero checks , SB bets $2, Hero calls

Turn: T
Hero ?

Dein Gegenspieler in dieser Hand ist wesentlich weniger aggressiv. Am Flop spielst du auch hier c/c for Pot Control. Eine Continuationbet kannst du oft genug von schlechteren Händen erwarten, um diesen Spielzug profitabel zu machen.

Am Turn verbessert sich deine Hand zu einem Twopair. Von deinem relativ passiven Gegenspieler kannst du selten eine 2nd Barrel erwarten. Deshalb solltest du in dieser Situation die Initiative selbst in die Hand nehmen und sowohl Turn als auch River for Value betten.

Draws & Air
DONKBET ALS (SEMI-) BLUFF

Hast du einen Gegenspieler vor dir, der sehr viel am Flop contibettet und danach oft aufgibt, kann es sinnvoll sein, am Turn mit einer Donkbet zu bluffen. Sie hat gegenüber anderen Lines den Vorteil, dass sie relativ günstig ist. Gerade wenn Draws ankommen oder dein Gegenspieler dich auf eine starke Hand setzen kann, ist eine Donkbet als Bluff oder Semibluff häufig profitabel.

Jedoch solltest du beachten, dass ein Gegenspieler, der am Turn die Hand aufgeben will, oft auch am River keine Bet mehr callen wird. Deshalb kannst du häufig den sicheren Weg wählen und am Turn zunächst nur checken, um dann den River zu bluffen. Welche der beiden Lines du wählst, hängt davon ab, welche Line für deinen Gegenspieler eher nach einer starken Made Hand aussieht.

CHECKRAISE ALS (SEMI-) BLUFF

Feuert dein Gegenspieler häufig eine Second Barrel, kann es sehr profitabel sein, am Turn als Bluff oder Semibluff zu checkraisen. Mit dieser Line baust du sehr viel Foldequity auf und wenn du bisher nicht wie ein Maniac gespielt hast, muss dein Gegenspieler viele bessere Hände folden.

CHECK/CALL

Genauso wie auch mit Initiative, ist es so gut wie nie sinnvoll, mit einem Draw oder Air am Turn check/call zu spielen.

CHECK/FOLD

Siehst du nicht genug Foldequity für einen Bluff oder Semibluff und hast gleichzeitig kaum Equity, ist die einzig richtige Line check/fold. Das bedeutet nicht, dass du die Hand immer verlierst. Denn es besteht durchaus die Chance, dass dein Gegenspieler am Turn behindcheckt. Dann kannst du je nach Gegner und Board am River eine Bluffbet platzieren oder eines deiner Outs treffen. Wichtig sind hier wie immer die Tendenzen deines Gegenspielers und das Handreading.

BEISPIEL 16:

Stacks & Stats
Hero ($50)
SB ($50) (3/20/401) [Aggression_postflop/WtSd/Hands]

Preflop: Hero is BB with T, J . Hero posts a blind of $0,25.
SB raises to $1,50, Hero calls $1.

Flop: T, Q, 2
Hero checks , SB bets $2, Hero calls

Turn: A
Hero ?

In diesem Beispiel hast du einen relativ aggressiven und ziemlich tighten Gegenspieler vor dir. Am Flop entscheidest du dich deshalb, mit deiner mittelstarken Made Hand check/call zu spielen.

Am Turn erhältst du zusätzlich zu deinem Second Pair einen Flushdraw. Gleichzeitig fällt eine Overcard und deine Hand verliert erheblich an Showdownvalue. Da dein Gegenspieler relativ weak ist, bietet es sich an, in dieser Situation hin und wieder einen Semibluff mittels Donkbet oder Checkraise zu spielen. Das Ass ist eine gute Scarecard und wenn dein Gegenspieler mit einer bessere Hand callt, hast du meistens viele Outs.

Eine weitere oben genannte Möglichkeit ist es, am Turn zu checken (vielleicht mit der Intention zu checkraisen) und den River zu betten, wenn dein Gegenspieler am Turn behindcheckt.

Ob ein Checkraise oder eine Donkbet in dieser Situation besser geeignet ist, hängt vor allem von den Tendenzen deines Gegenspielers ab. Spielt er viele 2-Barrel-Bluffs oder gibt er dir für Donkbets grunsätzlich wenig Credit, spricht das für ein Checkraise. Wenn er am Turn wenig blufft, gegen Donkbets weak reagiert oder ungern mit einer Made Hand am Turn aufgibt, wenn du ihn raist, spricht das für eine Donkbet.

Ob eine verzögerte Bet am River als Bluff sinnvoll ist, hängt auch davon ab, ob dein Gegenspieler mit der Scarecard am Turn viele schlechte Hände noch einmal betten würde und ob er mittelgute Made Hands eher am Turn noch einmal bettet oder öfter behindcheckt, um einen Bluff von dir zu induzieren.

Zusammenfassung

Grundsätzlich hast du in Position einen Vorteil, da du mit schwachen Händen den Pot klein halten und mit starken Händen den Pot aufbauen kannst.

Außerdem kannst du immer zunächst die Aktion deines Gegenspielers abwarten und musst deine Karten nicht so offensichtlich preisgeben, wie es manchmal out of Position der Fall ist. Gerade Draws und schwache bis mittelstarke Made Hands lassen sich daher in Position wesentlich angenehmer spielen.

Mit Made Hands hast du die Möglichkeit for free Showdown zu betten oder for Bluffinduce behind zu checken, gegnerische Bets direkt mit zu raisen oder for Potcontrol oder Slowplay zunächst nur zu callen.

Mit Draws und Air hast du die Möglichkeit, dir umsonst oder günstig die nächste Karte anzuschauen oder stattdessen einen Bluff oder Semibluff zu probieren, mit dem du deinen Gegenspieler out of Position in Bedrängnis bringen kannst.

Aber auch out of Position stehen dir einige Werkzeuge zur Verfügung, um deinen Gegenspieler auszuspielen.

Den Pot kannst du klein halten, indem du zu deinem Gegenspieler checkst. Musst du Hände mit Showdownvalue zu oft aufgeben, kannst du Checkraises oder auch mal einen Call out of Position einbauen, um dein check/fold zu balancen. Genauso kannst mit check/call Bluffs induzieren.

Mit guten Händen kannst du je nach Gegner mit Donkbets straight forward for Value spielen oder mit Hilfe von Checkraises übermäßige Aggressivität ausnutzen.

Genauso kannst du mit Draws oder Air gegen zu aggressive Bluffbetter checkraisen oder gegen einfach nur weake Gegenspieler günstig mit einer Donkbet den Pot einsammeln. Gegen loose Spieler kannst du im Gegensatz dazu am Flop oft eine Bet mit einem Draw einfach callen, da du die nötigen Implied Odds dafür bekommst.

Alles in allem musst du out of Position mehr darauf achten, dass dein Gegenspieler dich nicht ausspielt. Solltest du auffällige Tendenzen deines Gegners bemerken, wenn er in Position sitzt, solltest du schnellstmöglich versuchen, diese auszunutzen, oder darauf zu achten, dass dein Gegenspieler dich nicht ausnutzt.