Aktualisiert am 12 März 26 von

Ranges & Equity (1): Einführung in Ranges

Du könntest in jeder Situation die perfekte Entscheidung treffen, wenn du die Hand deines Gegners kennen würdest. Das ist jedoch unmöglich und so wirst du deine Gegner selten auf eine einzige konkrete Hand setzen können. Stattdessen wirst du deinen Gegner in einer bestimmten Situation aufgrund deines Wissens, deiner Erfahrung und Beobachtungen nur auf eine Menge von möglichen Händen setzen, die er halten könnte: seine Range.

Eine Range stellt eine Menge von Händen dar, die ein Spieler in einer bestimmten Situation halten kann. Diese Hände können eine beliebige Summe einzelner Starthände sein, sie können aber auch zu einer Handstärke (z.B. Set, Twopair, Flushdraw) zusammengefasst sein.

Angenommen dein Gegner hat auf dem Board T84 ein Set, dann ist seine Range: TT, 88, 44.

Das Konzept der Range ist ein essentielles Werkzeug, um erfolgreich zu pokern. Es erlaubt dir, Annahmen über die möglichen Hände deiner Gegner systematisch aufzuschreiben und zu analysieren. Dies ist unerlässlich, um die bestmöglichen Entscheidungen für dich herzuleiten.

In dieser Lektion wird gezeigt, wie man Ranges definieren und in einer allgemeingültigen Konvention aufschreiben kann.

Eine Range ist eine Menge von Händen, die ein Spieler in einer bestimmten Situation halten kann!

Ranges definieren und notieren: Wie geht das und was bringt das?

Um eine Hand analysieren zu können, muss man die Range des Gegners so aufschreiben und zusammenfassen können, dass man sie mit einer Pokersoftware wie dem Equilab auswerten kann.

Es gibt eine allgemeine Konvention, wie man Ranges notiert. Diese zu kennen und anzuwenden, bringt dir folgende Vorteile:

  • Du kannst dich besser mit anderen Spielern über Poker austauschen.
  • Du kannst schneller sehen, mit welcher Wahrscheinlichkeit dein Gegner bestimmte Hände wie Flushdraws, Sets und Toppairs hat.
  • Du kannst die Ranges mit Tools wie dem Equilab besser analysieren und kannst schneller und genauer arbeiten.

In der folgenden Tabelle siehst du, welche verschiedenen Arten von Händen es gibt und wie diese notiert werden:

Notation von Ranges
Handkategorie Beispiel-Range Notation der Beispiel-Range
Alle Paare 22, 33, 44, ..., AA 22+
Aufeinanderfolgende Paare 44, 55, 66, 77 77-44
Eine Folge von suited Connectors 65s, 76s, 87s, 98s,
T9s, JTs, QJs, KQs, AKs
65s+
Zusammenfassung von suited Hands 74s, 75s, 76s 74s+
Alle Kombinationen von Assen A2s, ..., AKs,
A2o, ..., AKo
A2+
Alle Kombinationen von suited Assen A2s, ..., AKs A2s+
Alle Kombinationen von offsuit Königen K2o, K3o, ..., KQo, AKo AKo, K2o+
Eine Folge von suited Gap-Connectors 86s, 97s, T8s, J9s, QTs, KJs, AQs AQs-86s
Top x % der stärksten Starthände 5% 88+, AJs+, KQs, AKo

Es gibt zwei Regeln zum Notieren von Ranges:

Bei Kartenfolgen mit einer Gap oder mehr wie z.B. 96+ gilt: Nur die kleinere Karte steigt nach oben auf, bis ihr Rang genau unterhalb der oberen Karte ist: 96, 97 und 98.

Für Paare direkt aufeinanderfolgender Karten ohne Gap wie 65+ gilt aber: Beide Karten steigen je eine Position im Rang auf, bis sie AK erreicht haben: 65, 76, 87, …, AK.

Sollte die Range in einer Handstärke angegeben sein, muss diese bei der Notation in konkrete Handkombinationen abhängig vom Board umgewandelt werden. Dies kann auch beinhalten, dass man beispielsweise bei einem Flushdraw nicht nur die Starthand, sondern auch die konkrete Suit angeben muss.

Beispiele zum Definieren und Notieren von Ranges

Anhand der folgenden Beispiele kannst du üben, wie du die Range eines Spielers erfasst und diese entsprechend notierst.

Beispiel 1:
Das Board ist QsTh2s und die Range deines Gegners besteht aus Toppair, OESD (open-ended Straightdraw) und Ace-high-Flushdraw. Wie konstruierst du aus diesen Informationen nun seine Range?

Zunächst notierst du die Handkombinationen, die den einzelnen Handstärken entsprechen:

Toppair: AQ, KQ, Q9-Q3, QJ (Q2 und QT sind ausgeschlossen, da sie Twopair bilden)
OESD: KJ, J9
Flushdraw: As3s, As4s, As5s, As6s, As7s, As8s, As9s, AsTs, AsJs, AsKs

Seine gesamte Range ist also: AQ, KQ, Q3-Q9, QJ, As3s, As4s, As5s, As6s, As7s, As8s, As9s, AsTs, AsJs, AsKs, KJ, J9

Beispiel 2: Du hast vielleicht schon einmal einen erfahrenen Spieler gesehen, der sich zu einer gespielten Hand auf die Frage „Mit welcher Range callt dein Gegner am Flop?“ etwa so geäußert hat:

“Der Flop war Qh9d4c. Ich bette groß und er callt. Er war sehr passiv und callt alle seine Sets und raist diese nicht, wobei ich QQ ausschließe, weil er die preflop pushen würde. Gleiches gilt für AA und KK. Ich sehe ihn aber auch seine guten Toppairs nicht folden. Außerdem sehe ich noch Top-Twopair in seiner Range. Außerdem bin ich sicher, dass er seine open-ended Straightdraws callt. Völlig sicher bin ich mir nicht, aber ich gehe auch davon aus, dass er mit TT und JJ am Flop noch einmal callt.“

Jetzt gilt es, aus dieser Aussage eine konkrete Range herzuleiten. Mit der dir nun bekannten Konvention kannst du die Call-Range des Gegners wie folgt notieren:

Sets: 99, 44
Gute Toppairs:
AQ, KQ, QJ, QT
OESD:
JT
Top-Twopair:
Q9
Konkrete Hände:
JJ, TT

Daraus ergibt sich seine gesamte Range wie folgt: JJ-99, 44, AQ, KQ, Q9+, JT

Zusammenfassung

  • Ranges stellen eine Menge von Händen dar, die ein Spieler halten kann.
  • Es gibt eine allgemeingültige Notation, um Ranges aufzuschreiben.
  • Ranges zu notieren, erlaubt einen leichteren Austausch mit anderen Spielern und die Analyse mit einer Software.
  • Durch die Analyse von Ranges kannst du bessere Entscheidungen treffen.