Fünf Spielertypen
Der erste Schritt beim Handreading besteht darin, deinen Gegner anhand seiner Spielweise einer bestimmten Kategorie von Spielertypen zuzuordnen. Auf diese Weise kannst du seine Range bereits einschätzen.
In dieser Lektion lernst du die fünf häufigsten Spielertypen und ihre wesentlichen Eigenschaften kennen. Mit dieser Information kannst du deine Spielweise an sie anpassen.
Die fünf häufigsten Spielertypen sind:
Callingstation, Maniac, Nit, TAG und LAG.
Eigenschaften von Gegnern
Um deinen Gegner den verschiedenen Spielertypen zuordnen zu können, untersuchst du seine Spielweise zuerst auf die folgenden Eigenschaften:
- Kartenauswahl: Spielt er viele oder wenige Hände?
- Aggressivität: Spielt er aggressiv oder passiv?
- Tischanzahl: Wie viele Tische spielt er?
- Stacksize: Spielt er bevorzugt mit einem vollen Stack?
- Besonderheiten im Setzverhalten: z.B. Limps, Min-Bets, Min-3-Bets
Ein Spieler der preflop viele Hände spielt, wird loose genannt. Ein Spieler der wenige Hände spielt, heißt tight.
Wenn ein Gegner häufig bettet und raist, ist er aggressiv. Callt und checkt er hingegen häufiger, ist er passiv.
Die fünf Spielertypen lassen sich anhand dieser Eigenschaften erkennen und unterscheiden.
Die Callingstation
Die Callingstation ist sehr loose und spielt ihre Hände passiv.
Woran erkennst du sie?
Callingstations spielen viele Hände und auch mit starken Händen selten aggressiv. Sie spielen selten mehr als einen oder zwei Tische und sitzen häufig mit weniger als einem vollen Buy-in am Tisch.
Außerdem erkennst du Callingstations an ihrem Setzverhalten:
- Openlimp preflop
- Min-3-Bet preflop
- Min-Checkraise
- Call Flop, call Turn, bluffbet River, wenn du zu ihm checkst
Welche Range spielt sie?
Callingstations spielen weite und dadurch schwache Ranges. Preflop limpen sie oft und callen auch große Raises nach ihnen mit schwachen Händen wie J8o.
Wie spielst du gegen Callingstations?
Mit der richtigen Strategie kannst du sehr profitabel gegen Callingstations spielen. Halte dich dabei an folgende Grundregeln:
- Bluffe niemals eine Callingstation und halte dich auch mit deinen Semibluffs zurück. Dein Gegner foldet zu selten.
- Hast du eine gute Hand, dann setze. Spiele nicht auf Bluffinduce, denn die Callingstation blufft selten.
- Spiele auch dünnere Valuebets: Setze mit mittelstarken Händen, denn die Callingstation findet mit noch schlechteren Händen oft genug noch einen Grund zum Callen.
- Spiel deine Draws passiv, denn Callingstations geben dir oft Freecards.
- Wenn die Callingstation raist, hat sie in der Regel ein Monster.
Zwar bluffen Callingstations am River hin und wieder mit ihren nicht angekommenen Draws, aber im Normalfall solltest du ganz einfach valuebetten, um das Maximum herauszuholen.
Hältst du beispielsweise Toppair mit einem guten Kicker, kannst du gegen die Callingstation auf allen drei Streets groß betten.
Der Maniac
Dieser Spielertyp spielt sehr viele Hände und selbst die schwachen darunter meist übertrieben aggressiv. Sein Spielstil ist extrem varianzreich. Maniacs verlieren aber auf lange Sicht Geld.
Woran erkennst du ihn?
Der Maniac ist loose und sehr aggressiv. Du siehst ihn oft betten, raisen und reraisen. Ähnlich wie die Callingstation spielt er selten mehr als einen oder zwei Tische und sitzt ebenfalls selten mit vollem Buy-in an den Tischen.
Du siehst von Maniacs häufig folgende Aktionen:
- Coldcall Openraise
- 4-Bet auf eine 3-Bet nach ihm
- Häufiger preflop All-in, auch mit Händen wie 99 oder AJs
- Viele Openraises und 3-Bets preflop
- Blufft oft
- Bettet und raist häufig sehr groß, oft auch größer als der Pot
Welche Range spielt er?
Der Maniac spielt genauso wie die Callingstation sehr weite und dadurch schwache Ranges. Diese spielt er allerdings zu aggressiv. Er bettet und raist übermäßig viel und spielt daher sehr varianz- und vor allem verlustreich.
Wie spielst du gegen Maniacs?
Gegen den Maniac solltest du:
- Tight spielen
- Auf Bluffinduce spielen
- Eigene Bluffs unterlassen
- Deine Ansprüche an eine gute Hand reduzieren
- Konsequent bleiben: Heruntercallen oder direkt folden
Der Maniac ist besonders anfällig für jede Art des Bluffinduces. Er blufft gern, also gib ihm die Gelegenheit dazu. Wenn es einen Spielertypen gibt, gegen den das auf den kleinen Limits sonst so unsinnige Slowplay Sinn ergibt, dann gegen ihn.
Reduziere deine Ansprüche an eine gute Hand. Dein Gegner blufft sehr viel und dadurch werden ansonsten schwache Hände zu den Nuts. Hier gilt das Konzept der relativen Handstärke. Gegen einen Maniac kannst du preflop in Stealsituationen bereits mit 99+ und AQ+ broke gehen, postflop bereits mit Toppair Topkicker.
Versuche konsequent zu bleiben: Entweder du callst alle drei Streets herunter oder du foldest direkt. Dein Gegner ist nicht bekannt dafür aufzugeben.
Maniacs haben ein Talent dafür, andere Spieler auf Tilt zu bringen. Wenn du anfängst zu tilten, verlasse den Tisch.
Die Nit
Dieser Gegnertyp wird nur mit den stärksten Händen aktiv und foldet viel.
Woran erkennst du sie?
Nits spielen mehr oder weniger regelmäßig und zumeist auch mehrere Tische. Sie sitzen fast immer mit mindestens 100BB an den Tischen. Du erkennst sie vor allem daran, dass sie fast keine Hand spielen und nur mit sehr starken Händen am Showdown auftauchen.
Welche Range spielt sie?
Die Nit spielt eine kleine, also tighte und starke Range.
Wie spielst du gegen Nits?
Beim Spiel gegen Nits kannst du dich an folgende Punkte halten:
- Greife ihre Blinds an, wo es nur geht.
- Halte dich von ihr fern, wenn sie aufwacht und Action macht.
- Der Wert von Händen mit Implied Odds, also vor allem Pocketpairs, ist gegen diesen Gegner groß, da er eine starke Range spielt.
Continuationbets sind oft die einzige Form des Bluffs einer Nit. Wenn sie aber nach einer Continuationbet am Flop noch einmal am Turn bettet, hat sie fast immer eine starke Hand. Daher solltest du am Turn alles bis auf starke Hände folden.
Gegen eine Nit kannst du nach einer Flop- und Turnbet den River beispielsweise mit Toppair Topkicker nicht valuebetten.
Sobald sie dich raist, solltest du nur mit sehr starken Händen, also Sets oder besser, All-in gehen.
Der TAG
Dieser Spielertyp spielt wenige Hände und diese mit kontrollierter Aggression.
Woran erkennst du ihn?
TAG steht für tight-aggressive. TAGs spielen mehr oder weniger regelmäßig und zumeist auch mehrere Tische. Sie sitzen fast immer mit mindestens 100BB an den Tischen. Da sie ähnlich spielen wie du, solltest du dir überlegen, wie du dich selbst an den Tischen erkennen würdest. Ein TAG blufft selten. Wenn er es doch tut, dann meistens als Semibluff.
Welche Range spielt er?
Ein Spieler dieses Typs openraist aus den frühen Positionen sehr tight und wird erst zum Button hin looser.
Wie spielst du gegen TAGs?
TAGs kannst du mit aggressivem Spiel begegnen. Du solltest dabei jedoch selektiv vorgehen. Du kannst ihre Blinds angreifen, solltest es aber nicht übertreiben.
Im Wesentlichen gilt für das Spiel gegen diesen Spielertypen:
- Er ist nicht dein Gegner: konzentriere dich auf die anderen Spieler am Tisch.
Der LAG
Dieser Spielertyp spielt looser als der TAG und nicht ganz so loose wie der Maniac. Seine Hände spielt er meist aggressiv.
Woran erkennst du ihn?
LAG steht für loose-aggressive. Der LAG ist preflop looser als der TAG und spielt seine Hände aggressiv. Ein LAG ist auf den ersten Blick nicht genau einzuordnen. Einige ähneln einem Maniac, andere spielen eher wie loose TAGs.
Welche Range spielt er?
LAGs spielen looser als TAGs. Sie openraisen aus allen Positionen weitere Ranges und 3-betten besonders in Position mehr. Sie geben ihre Blinds seltener auf und callen im Big Blind mehr Hände.
Wie spielst du gegen LAGs?
Auf den kleineren Limits sind LAGs nur selten gute Spieler. Die meisten sind etwas tightere Maniacs, die zwar nicht mit Geld um sich werfen, aber durch ihre loose Handauswahl im Mittel einfach schlechtere Hände haben werden als du. Sei aber vorsichtig, denn nicht alle LAGs verschenken ihr Geld. Viele sind durchaus mit den Grundkonzepten des Pokerspiels vertraut.
Gegen LAGs gilt:
- Spiele preflop etwas tighter als gegen TAGs.
- Steale seltener wenn ein LAG hinter dir sitzt.
- Gib postflop nicht zu leicht auf, besonders am Flop. Bei knappen Entscheidungen solltest du eher callen als folden, da die Range des LAGs oft schwächer ist als deine Range.
Lass dich nicht auf sinnlose Zweikämpfe ein. Du hast im Schnitt die stärkeren Hände und dein Profit kommt durch solides Spiel von allein.
Zusammenfassung
Du kannst deine Gegner an folgenden Eigenschaften erkennen und kategorisieren:
- Kartenauswahl
- Aggressivität
- Tischanzahl
- Stacksize
- Besonderheiten im Setzverhalten
Für die fünf häufigsten Spielertypen gelten folgende Mermale:
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