Grundlagen: Odds & Outs
Vor dieser Lektion solltest Du bereits eine erste Strategie gelernt haben:
Du liegst beim Poker oft mit einer unfertigen Hand hinten, hast aber noch Chancen, die Hand des Gegners zu überholen. An Turn oder River brauchst du eine Karte, die deine Hand zu einer made Hand verbessert, z.B. zu einem Flush oder einer Straight.
Eine Karte, die einen Draw zu einer made Hand macht, nennt man Out. Wenn an Turn oder River eine solche Karte kommt, spricht man von „ein Out treffen“.
In dieser Lektion erfährst du, wie du die Wahrscheinlichkeit ermittelst, ein Out zu treffen. Diese nennt man Odds. Du lernst, wie du mit Hilfe von Odds & Outs gemäß der unten stehenden Tabelle berechnen kannst, ob du mit einem Draw eine Bet deines Gegners profitabel mitgehen kannst.
Outs verbessern Draws zu made Hands
Man spricht von einem Draw, wenn du ab dem Flop sehr wahrscheinlich nicht die beste Hand hältst, aber realistische Chancen hast, dich zur besten Hand zu verbessern. Typische Draws sind Flushdraws oder Straightdraws. Die Karten, die deinen Draw komplettieren, nennt man Outs.
Beispiel: Du hältst ![]()
und der Flop kommt ![]()
![]()
. Du hast einen Flushdraw. Jedes Herz am Turn bringt dir einen Flush. Das Kartendeck enthält 13 Herz. Zwei hältst du auf der Hand und zwei liegen am Flop. Damit blieben neun Herz übrig, die dir am Turn einen Flush geben können. Du hast also neun Outs.
Ein Draw ist umso stärker, je mehr Outs er hat. Bedenke, dass nur Karten als Outs zählen, die deinen Draw wirklich mit hoher Wahrscheinlichkeit zur besten Hand machen. Kommt in der Beispielhand am Turn eine 8, dann verbessert sich deine Hand zwar zu einem Paar, es ist aber alles andere als sicher, dass du damit vorne liegen wirst.
| Draws und ihre Outs |
|
| Draw |
Outs |
| Flushdraw:
|
9
|
| Open-ended Straightdraw:
|
8
|
| Zwei Overcards:
|
6
|
| Twopair/Trips:
|
5
|
| Gutshot:
|
4
|
Texas-Hold'em-Odds geben die Wahrscheinlichkeit an, ein Out zu treffen
Um mit deinem Draw die richtige Entscheidung treffen zu können, musst du die Wahrscheinlichkeit kennen, mit der du an Turn oder River ein Out triffst. Diese berechnest du folgendermaßen:
- Schritt 1: Ermittle die Anzahl von Outs, die deinen Draw komplettieren.
- Schritt 2: Teile die Anzahl deiner Outs durch die Anzahl der möglichen Karten, die an der nächsten Street kommen können.
Zurück zum Beispiel: Du hältst ![]()
auf dem Flop ![]()
![]()
und hast einen Flushdraw. Du weißt bereits, dass du damit neun Outs hast. Im zweiten Schritt musst du die Anzahl deiner Outs durch die Anzahl der möglichen Turnkarten teilen.
Das Kartendeck hat 52 Karten. Fünf davon sind dir bekannt. Zwei hältst du auf der Hand und drei liegen am Flop. Es bleiben 47 unbekannte Karten, die am Turn kommen können. Somit beträgt die Wahrscheinlichkeit, am Turn einen Flush zu machen:
9 Outs / 47 mögliche Karten = 0,19 = 19% ~ 4 zu 1.
Die Wahrscheinlichkeit nennt man Odds (engl. für Gewinnchancen). Beim Texas Hold'em werden Odds in der Regel mit der Schreibweise „x zu y“ angegeben. Eine Wahrscheinlichkeit von 19% bedeutet, dass du in etwa jedem fünften Fall auf der nächsten Street ein Out treffen wirst. Dies gibt man mit „4 zu 1“ an. Im Schnitt stehen vier Nicht-Treffer einem Treffer gegenüber.
In der folgenden Tabelle findest du Odds für typische Situationen beim Poker. Sie enthält ebenfalls die Texas-Hold'em-Odds vom Flop zum River. Diese sind zum Beispiel in einer All-in-Situation von Bedeutung, da du bei einem All-in ja in jedem Fall Turn und River sehen wirst.
Poker-Odds-Tabelle
| Odds und Outs |
|||
| Outs | Odds: Flop-Turn / Turn-River |
Odds: Flop-River |
Beispiel |
| 1 | 46:1 | 22,5:1 | Backdoor-Flushdraw |
| 2 | 22,5:1 | 11:1 | Pocketpair zu Set |
| 4 | 11:1 | 5:1 | Gutshot |
| 5 | 8:1 | 4:1 | Twopair/Trips |
| 8 | 5:1 | 2:1 | Open-ended Straightdraw |
| 9 | 4:1 | 2:1 | Flushdraw |
| 12 | 3:1 | 1:1 | Flushdraw + Gutshot |
| 13 | 2,5:1 | 1:1 | OESD + Pair |
| 14 | 2,5:1 | 1:1 | Flushdraw + Pair |
| 15 | 2:1 | 1:1 | Flushdraw + OESD |
Pot Odds – Kann ich meine Hand profitabel spielen?
Die Pot Odds geben das Verhältnis von möglichem Gewinn zum Einsatz wieder, den du zu bringen hast, wenn du mit einer Bet konfrontiert wirst. Gewissermaßen stellen sie das Risiko-Nutzen-Verhältnis dar. Wenn du die Pot Odds mit deinen Odds vergleichst, kannst du abschätzen, ob sich der Einsatz für deinen Draw lohnt.
Werfen wir erneut einen Blick auf das Beispiel:
Dein zu bringender Einsatz ist $2, der Pot beträgt vor der Bet $8, dein möglicher Gewinn $10. Die Odds, dass du am Turn deinen Flush triffst, liegen bei ca. 4:1 gegen dich.
Nehmen wir an, dass du in diesem Fall auch unter allen Umständen die Hand gewinnst, so bedeutet das, dass du in einem von fünf Fällen $12 gewinnst. In den anderen vier Fällen wirst du jeweils $2 verlieren. Immer unter der Annahme, dass du am Turn deine Hand aufgeben musst, falls du sie nicht verbessern kannst.
Wenn du den Einsatz von $2 mitgehst, heißt das, dass du im Schnitt nach fünf Versuchen viermal je $2 verloren hast, insgesamt $8, und einmal $10 gewonnen hast. Der Reingewinn, der sich aus Gewinn - Verlust errechnet, liegt damit bei $10 - $8 = $2.
Aus diesem Grund lohnt es sich langfristig, wenn du in dieser Situation den gegnerischen Einsatz mitgehst. Im Durchschnitt machst du bei jeder Wiederholung dieser Spielsituation 0.40$ (= $2 / 5 Hände) Gewinn.
Und an dieser Stelle kommen die so genannten Pot Odds, die Pot-Chancen, ins Spiel. Sie geben das Verhältnis von möglichem Gewinn zum zu zahlenden Einsatz wieder, sind also ein Ausdruck für das Nutzen/Kosten-Verhältnis.
Pot Odds = möglicher Gewinn : zu zahlender Einsatz
In der beschriebenen Situation enthält der Pot $8. Hinzu kommen die $2, die der Gegner setzt, was einen Gesamtpot und möglichen Gewinn von $10 macht. Du musst $2 zahlen, um im Spiel zu bleiben und die Turn-Karte zu sehen. Die Pot Odds betragen daher $10 : $2 oder auch 5:1
Deine Pot Odds sind also 5:1 und deine Odds 4:1.
Es gilt nun folgende Regel: Sind die Pot Odds größer als die Odds einer unfertigen Hand, machst du langfristig Gewinn. Sind sie kleiner, machst du langfristig Verlust.
Was wäre, wenn der Gegner statt $2 den doppelten Betrag von $4 setzen würde? Der mögliche Gewinn stiege einerseits auf $8 + $4 = $12. Deine Pot Odds für das Callen der Bet betrügen andererseits aber $12 : $4, was einem Verhältnis von 3:1 entspräche. Somit wäre es unprofitabel, wenn du den Einsatz mitgehen würdest, da deine Odds 4:1 betragen und damit die Pot Odds kleiner als deine Odds sind. Du solltest an dieser Stelle deine Hand aufgeben, da du ansonsten langfristig Verlust machen würdest.
Equilab - Verbessere dein Wissen in Bezug auf Odds and Outs
Ein besseres Verständnis von Odds und Outs sowie deiner Gewinnwahrscheinlichkeiten in verschiedenen Situationen vermittelt das kostenlose PokerStrategy.com Equilab. Das Tool kann die gegnerische Range in einer bestimmten Situation analysieren und liefert dir darauf basierend deine Gewinnwahrscheinlichkeit, sodass du die Profitabilität deines Spielzugs bestimmen kannst.
Lade das PokerStrategy.com Equilab kostenlos herunter
Zusammenfassung

Pot Odds geben das Verhältnis eines möglichen Gewinns zum Einsatz wieder, den du bringen musst. Dabei gilt: Pot Odds = möglicher Gewinn : zu zahlender Einsatz. Sind die Pot Odds größer als die Odds einer unfertigen Hand, machst du langfristig Gewinn. Sind sie kleiner, machst du langfristig Verlust.