Aktualisiert am 12 März 26 von

Einführung

Ein Gameplan ist eine Entscheidungshilfe für dein Spiel in einer bestimmten Situation gegen unterschiedliche Gegner. Dabei planst du deine Entscheidungen stets für deine gesamte Range und nicht für eine isoliert betrachtete Hand.

Poker ist ein komplexes Spiel und es gibt beliebig viele verschiedene Spielsituationen. Für jede dieser Situationen im Voraus einen Gameplan zu erstellen ist nicht praktikabel.

Ein starres Starting Hand Chart ist dagegen zu unspezifisch und unflexibel, um damit allein auf höheren Stakes erfolgreich zu sein.

Ein sowohl erfolgreicher als auch praxistauglicher Mittelweg zum Erstellen von Gameplans besteht darin, dich auf immer wiederkehrende Spielsituationen zu konzentrieren. Die wichtigsten Auswahlkriterien dabei sind deine Position und die deines Gegners sowie die Preflop-Aktion deines Gegners.

Typische Situationen, für die du einen Gameplan erstellen solltest, sind beispielsweise:

  • Du spielst in MP3 gegen eine 3-Bet aus dem SB
  • Du 3-bettest am BTN gegen ein Openraise aus UTG
  • Du callst ein UTG-Openraise im BB

Dein Ziel sollte darin bestehen, für möglichst viele Standardsituationen mit einem passenden Gameplan gewappnet zu sein. Du verfügst dann über sehr präzise Preflop-Ranges und hast eine gute Vorstellung davon, wie du deine Ranges postflop weiterspielen kannst. Das ermöglicht dir ein komfortables und vor allem profitables Spiel.

In dieser Lektion lernst du die generelle Vorgehensweise zur Entwicklung eines Gameplans für eine konkrete Situation kennen. Dabei erfährst du, wie du sinnvolle Annahmen für die Ranges deiner Gegner triffst, deine eigenen Ranges aufstellst und diese an unterschiedliche Gegner anpasst.

Einen Gameplan erstellst du stets für deine gesamte Range und nicht für eine einzelne Hand!

Die Entwicklung eines Gameplans erfolgt in vier Schritten:

1. Einen typischen Gegner analysieren
2. Die eigenen Ranges aufstellen und damit einen Basis-Gameplan festlegen
3. Deinen Basis-Gameplan an verschiedene Gegnertypen anpassen
4. Schwächen im eigenen Gameplan finden

Diese werden nun an einem konkreten Beispiel durchgeführt.

Beispiel: Gameplan für eine 3-Bet-Strategie im SB gegen ein CO-Openraise

 

Für diese Standard-Situation erstellst du nun anhand der vier Schritte einen Gameplan. Dieser soll sowohl die Preflop-Ranges als auch Grundideen für das Postflop-Spiel enthalten.

Schritt 1: Einen typischen Gegner analysieren

Im ersten Schritt verschaffst du dir einen genauen Überblick der Situation und trägst Informationen zusammen. Du überlegst, wie ein typischer Gegner in dieser konkreten Situation gegen dich spielt.

Nimm einen Standardgegner als Ausgangspunkt

Ein Standardgegner definiert sich als ein Spieler des Gegnertyps, den du am häufigsten auf deinen Limits antriffst. In der Regel handelt es dabei um einen TAG, der mehrere Tische spielt. Auf höheren Limits spielen die Standardgegner aggressiver als auf niedrigeren Limits.

Wähle einen konkreten Standardgegner auf deinem Limit aus, um ihn später genauer zu untersuchen. Damit deine Annahmen so präzise wie möglich ausfallen, ist eine Tracking-Software hilfreich.

In diesem Fall benötigst du mehr als 4.000 Hände deines Gegners in deiner Datenbank. Solltest du keine 4.000 Hände von einem einzelnen Gegner haben, kannst du mehrere Standardgegner aus deiner Datenbank zu einem Alias zusammenfassen. Vermische dabei aber nicht zu unterschiedliche Gegner miteinander.

Wenn du keine Tracking-Software benutzt, kannst du die Ranges deines Gegners beispielsweise anhand typischer Starting Hand Charts, deiner eigenen Raising-Standards oder anhand deiner Erfahrung abschätzen.

Erstelle ein Preflop-Profil deines Standardgegners

Das Preflop-Profil setzt sich aus den konkreten Ranges und Besonderheiten im Spielverhalten deines Gegners zusammen. Die Preflop-Ranges deines Gegners lassen sich mit Hilfe einer Tracking-Software schnell und präzise ermitteln. Besonderheiten im Spielverhalten lassen sich durch die Analyse einzelner Hände aufdecken.

Zurück zum Beispiel: Entwerfen einer 3-Bet-Strategie im Small Blind vs Cutoff. Um das Preflop-Profil des gewählten Standardgegners zu erstellen, legst du zunächst seine Openraise-Range am Cutoff fest sowie die Ranges, mit denen er gegen eine 3-Bet weiterspielt.

Relevante Preflop-Ranges deines Standardgegners
Openraise:
22+, A2s+, K8s+, Q8s+, J8s+, T7s+, 96s+, 86s+, 75s+, 64s+, 54s, A9o+,
KTo+, QTo+, JTo , T9o, 98o (#382)
Call 3-Bet:
TT-77, AQs-ATs, KJs+, QJs, J9s+, T9s, 98s, 87s, AQo-AJo, KQo (#104)
4-Bet/Call:
JJ+, AK (#40)

Gegen eine 3-Bet stehen deinem Gegner die Optionen Fold, Call 3-Bet, 4-Bet/Call und 4-Bet/Fold zur Verfügung. Um das Preflop-Profil deines Gegners zu vervollständigen, schreibst du die ausgewählten Ranges exakt auf und notierst dir dazu die Erkenntnisse aus den Analysen einzelner Hände.

In der Praxis wird dein Gegner seine Lines nicht immer mit exakt denselben Händen spielen. Für die Arbeit an deinem Gameplan ist es jedoch wichtig, dass du die Ranges genau definierst. Stößt du bei der Zuordnung einzelner Hände zu einer exakten Line auf Probleme, kannst du die jeweiligen Handkombinationen auch auf unterschiedliche Lines verteilen.

 

Das Preflop-Profil deines Standard-Gegners im Cutoff
Line Range Kombos Besonderheiten
Openraise 22+, A2s+, K8s+, Q8s+, J8s+,
T7s+, 96s+, 86s+, 75s+, 64s+,
54s, A9o+, KTo+, QTo+, JTo , T9o, 98o
382 Size: 2,5BB
Verhalten gegen eine 3-Bet
Fold 66-22, A9s-A2s, KTs-K8s, QTs-Q8s, J8s,
T8s-T7s, 97s-96s, 86s, 75s+, 64s+, 54s,
KTo, QTo+, JTo, T9o, 98o, Ad9s, Ad9c,
Ah9d, Ah9s, Ah9c, As9d, As9h, As9c,
Ac9d, Ac9h, Ac9s
213/382
(56%)
4-bet/call JJ+, AK 40/382
(10%)
21BB gegen 9BB 3-Bet
Call 3-Bet TT-77, AQs-ATs, KJs+, QJs,
J9s+, T9s, 98s, 87s, AQo-AJo, KQo
104/382
(27%)
Range gegen passive
Gegner (<6% 3-Bet):
TT-77, AQs
4-bet/fold Blocker
z.B.: ATo, KJo, Ad9h
25/382
(7%)
Variiert stark und basiert
vermutlich auf Table-Dynamik

Untersuche die Preflop-Ranges auf Auffälligkeiten und ziehe Schlussfolgerungen

Das Preflop-Profil liefert dir bereits eine ganze Menge wertvoller Informationen, aus denen du wichtige Schlussfolgerungen ziehen kannst. Im Beispiel könnte das so aussehen:

Foldequity

Beobachtung: Dein Gegner foldet 213 von 382 Handkombinationen gegen eine 3-Bet. Das entspricht einer Foldequity von 56%.

Folgerung: Eine 3-Bet ist nicht automatisch profitabel. Dafür benötigst du mindestens 68% Foldequity bei einer 3-Bet-Size von 9BB.

4-Bet Bluff-Range

Beobachtung: Dein Gegner blufft 25 von 65 Handkombinationen seiner 4-Bet-Range. Das entspricht 38%.

Folgerung: Gegen diese tighte Bluff-Range kannst du Hände wie 55 und A2s nicht profitabel als Bluff All-in stellen. Die schlechtesten Value-Hände mit denen ein All-in profitabel ist, sind JJ mit einem EV von 1,4BB und AK mit einem EV von 5,86BB

Rechnung: Es sind 31BB Deadmoney im Pot, bestehend aus der 21BB 4-Bet deines Gegners, deiner 9BB 3-Bet und dem Big Blind.

EV_All-in (Hand) = Foldequity * Deadmoney + (1- Foldequity) * (Equity * 201 – Reststack)

Damit ergibt sich:

EV(Hand) = 0,38 * 31BB + 0,62 * (Equity * 201BB – 91BB)

EV(JJ) = 11,78BB - 10,3BB = 1,48BB

EV(AK) = 11,78BB - 5,92BB = 5,86BB

Call-3-Bet-Range

Beobachtung: Dein Gegner hat JJ+, AK in seiner 4-Bet-Range. Folglich ist seine Call-3-Bet-Range capped.

Folgerung: Er hat am Flop selten Overpairs und nie Toppair Topkicker auf Kxx und Axx Flops. Daher weißt du, dass du mit Toppair Topkicker am Flop fast immer die beste Hand hast.

Adaptionen

Beobachtung: Dein Gegner callt gegen sehr passive Spieler mit 3-Bet-Werten unter 6% keine Broadways und suited Conntectors auf eine 3-Bet.

Folgerung: Wenn du gegen diesen Gegner eine sehr tighte 3-Bet-Range spielst, ist das hier erstellte Preflop-Profil hinfällig.

Untersuche das Postflop-Spiel deines Gegners auf allgemeine Tendenzen

Wenn dein Gegner deine 3-Bet callt, wirst du am Flop noch wichtige Entscheidungen zu treffen haben. Für einen guten Gameplan benötigst du daher nebem dem Preflop-Profil deines Gegners auch Informationen über sein Postflop-Verhalten. Das Postflop-Spiel kann dir deine Tracking-Software jedoch nicht auf dem Silbertablett präsentieren. Dafür musst du einzelne zur Situation passende Hände analysieren und daraus Schlussfolgerungen ziehen. In diesem Beispiel könnten gesammelte Informationen und Schlussfolgerungen so aussehen:

Verhalten bei Showdownvalue

Beobachtung: Sofern dein Gegner Showdownvalue hat, versucht er den Showdown zu erreichen. Zum Beispiel callt er mit Jc9c auf Jh8s5s drei Bets. Er checkt, falls er die Gelgenheit dazu bekommt.

Folgerung: Weil seine Valuebet-Range kleiner als seine Call-Range ist, solltest du mit deiner Value-Range gegen seine Showdownvalue-Range selber betten.

Reaktion auf Continuationbets

Beobachtung: Dein Gegner callt sehr viele Continuationbets. Die schwächsten Hände die du dabei gesehen hast, sind Ace high mit Backdoor-Flushdraw, Overcard + Gutshot, any Pair.

Folgerung: Die Call-Range deines Gegners am Flop ist doppelt schwach. Auf der einen Seite hat er - wie bereits festgestellt - starke Overpairs und AK nicht in seiner Range und auf der anderen Seite floatet er in Position mit sehr marginalen Händen. Daher hast du wenig Foldequity am Flop und solltest eine stärkere Continuationbet-Range haben indem du seltener bluffst.

Reaktion gegen Checks des Preflop-Aggressors

Beobachtung: Dein Gegner bettet vor allem auf drawlastigen Boards mit kleinen Karten wie 9c5s6s fast immer, wenn du zu ihm checkst.

Folgerung: Dein Gegner interpretiert Checks des Preflop-Aggressors auf diesen Boards als Aufgabe und hat wahrscheinlich eine hohe Bluff-Frequenz. Folglich solltest du auf diesen Boards öfter auf Bluffinduce spielen.

Schritt 2: Den Basis-Gameplan festlegen

Der Basis-Gameplan ist die Grundlage deiner Entscheidungen im Spiel gegen einen Standardgegner. Du legst dazu konkrete Preflop-Ranges fest und entwickelst Lines für typische Postflop-Situationen.

Du hast bereits ein Preflop-Profil deines Gegners erstellt, sein Postflop-Spiel analysiert und daraus Schlussfolgerungen gezogen. Anhand dieser Erkenntnisse erstellst du jetzt deinen Basis-Gameplan.

Angriffspunkte im Spiel deines Gegners als Ausgangspunkt

Mögliche Angriffspunkte sind Ranges und Eigenschaften deines Gegners, die es dir erlauben, sehr präzise Vorhersagen über seine Handstärke und sein Spielverhalten zu treffen. Basierend auf den Angriffspunkten stellst du deine Ranges so auf, dass du möglichst einfach profitable Entscheidungen treffen kannst.

Spiele dazu mit unterschiedlichen Ranges herum und versuche die Konsequenzen abzuschätzen. Versuche dabei nicht, auf Anhieb perfekte Ranges zu finden. Suche nach etwas, das für deinen Arbeitsprozess funktioniert und das du später weiter verbessern kannst.

Preflop-Ranges für deinen Basis-Gameplan

Im Beispiel könnte deine 3-Bet-Range so aussehen:

Deine 3-Bet-Range im SB gegen CO 
Value-Range: JJ+, AJs+, AQo+ (4,5%)
  Bluff-Range: 55-22, 97s, 86s+, 75s+, 65s, 54s (3,9%)

Warum diese Ranges? Wie du siehst, ist die hier gewählte 3-Bet-Range in eine Value- und eine Bluff-Range aufgeteilt. Der wichtigste Angriffspunkt im Spiel deines Gegners ist seine Call-3-Bet-Range, die weit und capped ist. Da er mit dieser schwachen Range sehr oft am Flop callt, wählst du deine Value-Range so, dass du die Call-3-Bet-Range deines Gegners dominierst.

Außerdem weißt du durch die Analyse aus Schritt 1, dass dein Gegner gegen sehr tighte Spieler sein Spiel umstellt und preflop mehr Hände foldet. Du brauchst also eine Bluff-Range um sicherzustellen, dass du mit deiner Value-Range ausbezahlt wirst.

Weiterhin konntest du in deiner Analyse herausfinden, dass dein Gegner auf Flops mit kleineren Karten einen Check des Preflopaggressors als Aufgabe interpretiert. Das nutzt du zur Konstruktion deiner Bluff-Range und wählst diese so, dass du genau diese Boards triffst.

Dein Gameplan für die wichtigsten Postflop-Lines

Für das Postflopspiel enthält dein Gameplan eine Analyse der wichtigsten Lines. Dafür stellst du alle relevanten Lines zusammen und versuchst, die Reaktion deines Gegners abzuschätzen. Im nächsten Schritt überlegst du, wie dementsprechend deine Range aussehen sollte.

Besonders effektiv ist dieses Vorgehen, wenn du dabei auch konkrete Hände betrachtest und deine Range für die entsprechende Line festlegst.

Im Beispiel könnte dies so aussehen:

Du spielst Bet Flop, Bet Turn, Bet River

Dein Gegner neigt mit marginalem Showdownvalue zum Calldown. Außerdem floatet er am Flop sehr viel. Deine Range sollte daher vor allem Value-Hands und wenige Bluffs enthalten. Als Bluffs bieten sich hierbei deine absolut stärksten Draws an. Dein Gegner wird durch das gelegentliche Aufdecken eines Bluffs deine tatsächlich geringe Bluff-Frequenz überschätzen.

Und so könnte die Analyse und das Festlegen deiner "Bet Flop, Bet Turn, Bet River"-Range in einer Beispielhand aussehen:

$1/$2 No-Limit Hold'em Cash
100BB-Stacks

Preflop: Hero is SB
2 folds, CO raises to $5, BTN folds, Hero raises to $18, BB folds, CO calls $13

Flop: ($38) JhTs5h (2 Players)
Hero bets $20, CO calls $20

Turn: ($78) 3d (2 Players)
Hero bets $44, CO calls $44

River: ($166) 7s (2 Players)
Hero bets $138 (All-in)

Welche Hände sollte deine "Bet Flop, Bet Turn, Bet River"-Range hier enthalten? Um diese Frage zu beantworten, solltest du dir zunächst überlegen, wie dein Gegner seine Call-3-Bet-Range an Flop, Turn und River spielt.

Analyse der "Call 3-Bet"-Range deines Gegners JhTs5h - 3d - 7s
Range - und Handkombinationen
deines Gegners
Wahrscheinliches Verhalten
gegen "Bet, bet, bet"
Top-Range:
TT, AJs, KJs, QJs, JTs, J9s, 98s, AJ
(#30)
(Flop - Turn -River)
1. Call - Call - Call
2. Call - Raise
3. Raise
Middle-Range:
99, ATs, T9s
(#12)
1. Call - Fold
2. Fold
3. Call - Call - Fold
4. Call - Call - Call
Bottom-Range:
88, 77, 87s 
(#12)
1. Fold
2. Call - Fold
3. Call - Call - Fold
4. Call - Call - Call
Draws:
AQs, KQs, AQo, KQo
(#32)
1. Call - Call - Fold
2. Call - Fold
3. Call - Raise
4. Raise

Mit Hilfe dieser Analyse kannst du nun deine "Bet Flop, Bet Turn, Bet River"-Range festlegen. Beachte dabei, dass du von Street zu Street vorgehst und Turn und River nicht im Voraus bekannt sind.

Deine Range auf JhTs5h - 3d - 7s 
Preflop-3-Bet-Range: Value: JJ+, AJs+, AQo+ (#56)
Bluff: 55-22, 97s, 86s+, 75s+, 65s, 54s (#39)
"Bet, Bet, Bet"-Range: Value: 55, JJ+, AJs (#27)
Bluff: 9h7h, 8h7h, 8h6h, 7h6h, AhQh, AKs (#9)
Du spielst Bet Flop - Check/Call Turn

In Schritt 1 hast du festgestellt, dass dein Gegner am Flop selten foldet. Seine Call-Range enthält dort viele schwache Hände, mit denen er am Turn bluffen kann.

Ein Board auf dem die Call-Range deines Gegners am Flop besonders viele schwache Hände enthält, ist zum Beispiel Td6s2c - 4d.

In solchen Fällen sollte deine Check/Call-Range am Turn vor allen Dingen Hände enthalten, die zu schwach zum Valuebetten sind, aber gegen die "Bet Turn"-Range deines Gegners vorne liegen. Es ist hierbei oft angebracht, Teile deiner Value-Range am Turn ebenfalls Check/Call zu spielen, um deine Range nicht zu leicht lesbar werden zu lassen.

Auf dem hier gezeigten Board könnte deine "Bet Flop, Check/Call Turn"-Range so aussehen:

Deine Range auf Td6s2c - 4d
Preflop-3-Bet-Range:  Value: JJ+, AJs+, AQo+ (#60)
Bluff: 55-22, 97s, 86s+, 75s+, 65s, 54s (#42)
"Bet Flop, Check/Call Turn"-Range:  AA, 55-22, 86s, 76s, 65s (#33)
Du spielst Check/Call oder Checkraise am Flop

Dein Gegner neigt dazu, deine Checks als Preflop-Aggressor auf Boards mit kleinen Karten anzugreifen. Daher sollte Deine Check-Range am Flop auf diesen Boards auch die Hände aus deiner Bluff-3-Bet-Range enthalten, die gut getroffen haben. Den Hauptteil deiner Check-Range stellen aber natürlich die Hände dar, die du am Flop aufgibst.

Im Beispiel trifft dein Gegner mit seiner Call-3-Bet-Range auf einem Board wie 7s5s3d sehr schlecht, sodass ein Checkraise mit guten Händen wenig Sinn ergibt.

Deine Range auf 7s5s3d
Preflop-3-Bet-Range:  Value: JJ+, AJs+, AQo+ (#60)
Bluff: 55-22, 97s, 86s+, 75s+, 65s, 54s (#40)
"Check/Call Flop"-Range: 55-33, 97s, 87s, 76s, 65s, 54s (#27)
"Checkraise Flop"-Range: 86s, 75s (#7)

Schritt 3: Deinen Basis-Gameplan an verschiedene Gegnertypen anpassen

Dein Basis-Gameplan stellt nun eine ausgeklügelte Strategie gegen deinen Standard-Gegner dar. In der Praxis wirst du jedoch auf viele unterschiedliche Gegnertypen treffen.

Deshalb überlegst du dir in diesem Schritt, wie sich die Besonderheiten im Spiel deiner unterschiedlichen Gegner auf deinen Basis-Gameplan auswirken. Vergleiche hierzu deine anderen Gegner mit deinem Standardgegner, arbeite die Unterschiede heraus und lege fest, wie sich die Veränderungen auf deine Ranges auswirken.

Im Beispiel könnte das so aussehen:

Foldequity

Beobachtung: Dein Gegner foldet mehr als 66% auf 3-Bets.

Folgerung: Jede 3-Bet ist profitabel. Du solltest gegen deinen Gegner eine weite Range 3-betten. Beachte aber, dass du im Falle eines Calls viele Hände direkt aufgeben solltest. Du wolltest preflop Geld gewinnen und nicht mit einem verrückten 3-Barrel-Bluff gegen eine starke Range Geld verlieren.

Angepasste 3-Bet-Range: QQ+, AQs+, A9s-A2s, K9s-K7s, Q9s-Q8s, J9s-J7s, T8s-T7s, AQo+, A9o-A4o, KTo-K7o

Mit 19,46% ist deine 3-Bet-Range nun mehr als doppelt so groß, als deine 8,4% 3-Bet-Range im Basis-Gameplan.

Aggressiverer Gegner

Beobachtung: Dein Gegner foldet nur 41% auf 3-Bets und kämpft postflop um jede Hand.

Folgerung: Da die Range deines Gegners am Flop schwächer ist als bei deinem Standard-Gegner, kannst du preflop mehr Hände for Value 3-betten und auf eine Bluff-Range verzichten.

Angepasste 3-Bet-Range: TT+, ATs+, KJs+, AJo+, KQo

Passiverer Gegner

Beobachtung: Dein Gegner foldet 59% auf Continuationbets am Flop.

Folgerung: Da dein Gegner nicht zum Floaten tendiert und seine marginalen Hände direkt am Flop aufgibt, kannst du am Flop mehr Hände bluffbetten.

Angepasster Postflop-Gameplan: Du spielst preflop die gleiche 3-Bet-Range aus dem Basis-Gameplan aber mit verändertem Postflop-Gameplan. Im  Vergleich zum Basis-Gameplan spielst du am Flop häufiger Bluff-Continuationbets, am Turn hingegen seltener.

Schritt 4: Die Schwächen im eigenen Gameplan finden

Dein Gameplan ist jetzt bereits praxistauglich! Du musst dir allerdings stets vor Augen halten, dass dein Gameplan auch Schwächen enthält. Diese solltest du genau kennen, damit dir sofort auffällt, wenn deine Gegner sie gezielt ausnutzen.

Dazu versetzt du dich in die Lage deiner Gegner und untersuchst deinen Gameplan auf Angriffspunkte. Wie würdest du gegen dich selbst spielen?

In diesem Beispiel könnte es so ausehen:

  • Deine Call-Range im Small Blind ist capped, da du pauschal deine starken Hände preflop 3-bettest. Daher weiß dein Gegner, welche Hände du am Flop nicht haben kannst. So kann er deine Hände auf vielen Boards gut lesen und profitabel aggressiv gegen dich spielen.
  • Deine "Bet Flop, Bet Turn, Bet River"-Line enthält überwiegend Value-Hände. Wenn dein Gegner dagegen oft verliert, wirst du zukünftig möglicherweise nicht mehr ausbezahlt.
  • Sieht dein Gegner dich mehrfach als Preflop-Aggressor checkraisen, wird er marginale Hände am Flop häufiger behindchecken.

Dennoch sind diese Probleme nicht so gravierend, wie sie auf den ersten Blick wirken. Einerseits kennen deine Gegner deine Ranges nicht genau, anderseits kannst du deinen Gameplan immer entsprechend anpassen.

Deinen Gameplan verbessern

Du hast nun die erste Version deines Gameplans für eine Situation erstellt. Diese solltest du als Ausgangslage benutzen und immer weiter daran arbeiten. Also hinterfrage dich regelmäßig:

  • Wie sind die Resultate mit deiner Bluff-3-Bet-Range.
  • Sind kleine Paare in der 3-Bet-Range wirklich optimal, wenn du preflop keine 5-Bet-Bluff-Range hast?
  • Auf welchen Boardtexturen schneidest du besonders gut/schlecht ab?

In diesem Sinne hilft dir dein Gameplan auch dabei, deine Session-Reviews viel effektiver zu gestalten. So kannst du dir bei einer schwierigen Hand deinen Gameplan wieder in Erinnerung rufen und dann anschließend die Hand im Kontext zu diesem analysieren. Die Analysen für deine Ranges werden so mit der Zeit immer besser werden.

Zusammenfassung

In deinem Gameplan betrachtest du stets deine Range, nicht eine konkrete Hand. Für jede Situation entwickelst du konkrete Entscheidungen für deine Hände und einen Plan für die weiteren Streets.

In vier Schritten zu deinem Gameplan:

  • Typischen Gegner analysieren: Erstelle aus Ranges und Beobachtungen ein Preflop-Profil deines Gegners. Untersuche sein Postflop-Spiel auf allgemeine Tendenzen.
  • Basis-Gameplan festlegen: Finde Angriffspunkte im Spiel deines Gegners. Lege darauf basierend deine Preflop-Ranges fest und entwickle eigene Postflop-Lines.
  • Basis-Gameplan an verschiedene Gegner anpassen: Untersuche Auswirkungen anderer Spielweisen deiner Gegner auf deinen Basis-Gameplan und passe deine Ranges entsprechend an.
  • Schwächen im eigenen Gameplan finden: Stell dir die Frage, wie du gegen dich selbst spielen würdest, um Angriffspunkte gegen deinen eigenen Gameplan zu erkennen und wenn nötig reagieren zu können.