Range-Protection
Vor dieser Lektion solltest du bereits gelesen haben:
Die Grundlage deiner Basis-Gameplans sind deine Preflop-Ranges. Beim Aufstellen deiner Preflop-Ranges wirst du feststellen, dass deine Ranges sich gegenseitig beeinflussen.
Wirst du preflop mit einem Openenraise, einer 3-Bet oder einer 4-Bet konfrontiert, hast du meist eine Call- und eine Reraise-Range. Deine Call-Range beinhaltet dabei oft deine mittelstarken Hände, wie AJs, 99 oder KQ. Besteht sie jedoch ausschließlich aus diesen Händen, führt das auf Dauer zu folgenden Problemen:
- Auf bestimmten Boardtexturen trifft deine Range schlecht
- Du hast im Schnitt die schwächere Top-Range und kannst schlechter valuebetten und Raise-Ranges in deinen Gameplan integrieren
- Da du oft keine Value-Ranges hast, kannst du auch mit deiner Bottom-Range kaum bluffen
Wenn du jedoch deine Premiumhände preflop stets passiv spielst, um dieses Problem zu umgehen, lässt du klare Valuebets aus und kannst preflop zudem schlechter bluffen.
Stattdessen solltest du einzelne Handkombinationen deiner Premiumhände in Call- und Raise-Ranges aufteilen. Das nennt man Range-Protection.
| Range-Protection bezeichnet das passive Spielen einzelner Handkombinationen deiner Premiumhände, um capped Ranges zu vermeiden. |
Wann du Range-Protection anwendest
Um zu entscheiden, ob Range-Protection notwendig ist, musst du sowohl deine eigene als auch die Range deines Gegners auf folgende Eigenschaften untersuchen:
- Sind die Ranges capped oder uncapped
- Sind die Ranges weit oder definiert
Range-Protection um definierte und capped Ranges zu vermeiden
Mit einer capped Range wirst du auf späteren Streets häufig Probleme bekommen, wenn dein Gegner in Bluffcatcher-Situationen die stärkere Top-Range hat.
Spielst du außerdem mit einer sehr definierten Range, kriegst du auf Boardtexturen Probleme, auf denen du offensichtlich so gut wie nie getroffen hast.
In folgendem Beispiel treffen beide Eigenschaften zu: Deine Range ist capped und definiert. Du openraist im CO und bekommst eine 3-Bet von einem aggressiven Spieler am Button. Dessen 9% 3-Bet-Range sieht wie folgt aus:
Du callst dagegen mit einer definierten, capped Range:
Auf folgenden Boardtexturen hast du mit Problemen zu rechnen:
- Boards mit Karten kleiner 9: Hier hast du so gut wie keine Handkombinationen in deiner Value-Range.
- Axx Boardtexturen: Du wirst von Villains Ax dominiert.
- Qxx Boardtexturen: Du kannst gegen die Range deines Gegners kaum valuebetten.
Unter solchen Umständen solltest du Range-Protection anwenden und die Premiumhände KK und AA aufteilen:
4-Bet-Range: AdAh, AdAs, AhAs, AdAc, AhAc, KhKs, KhKc, KsKc
Call-3-Bet-Range: AsAc, KdKh, KdKs, KdKc
| Tipp: Lege vor deiner Session eine Suit fest, um bestimmte Kombos im Verhältnis 1:1 aufzuteilen. Im Beispiel callst du alle KK-Kombinationen, die ein Diamond enthalten, und 4-bettest die anderen. |
Weite Ranges
Treffen weite Ranges aufeinander, ist Range-Protection weniger wichtig.
Beispiel:
Heads-up verteidigst du gegen die 100% Min-Openraise-Range deines Gegners eine 42%-Range passiv. Am Flop stehen sich dann folgende Ranges gegenüber:
Triffst du in diesen Situationen mit deinen Ax-, Kx- und Qx-Hands Toppairs, ist deine relative Handstärke gegenüber der Gesamtrange deines Gegners so stark, dass die Situationen, in denen du dominiert bist, nicht häufig genug auftreten, als dass diese zu einem entscheidenden Vorteil für deinen Gegner werden.
Hierbei tritt zudem der Effekt auf, dass die Top-Ranges auf vielen Boards aus Twopairs, Straights und starken Draws bestehen und Overpairs nur einen kleinen Teil ausmachen.
| Range-Protection ist wichtig, wenn du sonst eine sehr definierte und capped Range spielst. Je weitere Ranges aufeinander treffen, desto unwichtiger wird Range-Protection. |
Gegen bestimmte Gegner keine Range-Protection
Du kannst alle Premiumhände preflop bedenkenlos reraisen, wenn dein Gegner deine Call-Ranges kaum attackiert und du mit marginalen Pairs oft zum Showdown kommst.
Umgekehrt kann es gegen andere Gegner am profitabelsten sein, deine gesamten Premiumhände preflop nur zu callen. Das ist der Fall, wenn dein Gegner besonders aggressiv gegen deine Call-Ranges spielt.
Zusammenfassung

Im Spiel weiter Ranges gegeneinander ist Range-Protection unwichtig.