Standardlines advanced
Einleitung
In diesem Artikel
- Wann du eine Standardline spielst und wann nicht.
- Warum du eine Standardline spielst.
- Wie du mit made Hands und wie du mit Draws verfährst.
Jeder strategisch vorgehende Pokerspieler hat ein eigenes mehr oder weniger festes Repertoire an Spielweisen, die er in bestimmten Situationen anwendet. Abhängig von vielen Faktoren lassen sich verschiedene Situationen unterscheiden, kategorisieren und ihnen vorteilhafte Lines zuordnen.
Was lernst du in diesem Artikel?
In der Bronzesektion wurden Standardspielzüge gegen einen Gegner schon einmal beschrieben und erläutert. Es sind Spielzüge, die sich auf den Flop und das anschließende Turnplay beziehen und in definierten Situationen mit bestimmten Sorten von Händen in den meisten Fällen die optimale Spielweise darstellen.
Diese Kategorisierungen stellen eine unverzichtbare Hilfestellung dar, um die große Komplexität von FL Hold´em zu reduzieren mit dem Ziel, in vielen Situationen die optimale Spielweise wählen zu können, ohne die gesamte Hand in der Kürze der Zeit vollständig (auch mathematisch) analysieren zu müssen.
Dieser Artikel vertieft die Thematik der Standardlines. Du lernst hier die detaillierte Erkennung und Anwendung der Kriterien, nach denen die Verwendung einer Standardline die optimale Spielweise darstellt. Diese hängen von der Position, der Initiative, von deiner Handstärke in Relation zum Gegnertyp und der Boardtextur ab. Wie du diese Parameter evaluierst, um zur richtigen Entscheidung zu kommen, wird dir im Folgenden erläutert.
Im Anschluss kannst du dein Wissen in einem Quiz testen: Klicke hier für das Quiz Standardlines
Standardlines und Balancing
Abhängig von Position und Initiative lassen sich 4 Situationen unterscheiden, denen sich 3 verschiedene Standardlines zuordnen lassen (Der unraised Pot wird in einem eigenen Artikel behandelt):
- Out of Position mit Initiative: Bet/3-Bet Flop, Bet Turn
- Out of Position ohne Initiative: Check/Raise Flop, Bet Turn
- In Position mit Initiative: Bet Flop oder Call Flop, Raise Turn auf eine Donkbet
- In Position ohne Initiative: Call Flop, Raise Turn
Mit welchen Händen soll man diese Lines spielen? Vereinfacht lässt sich sagen: Mit made Hands und Draws.
Generell ist es wichtig, darauf zu achten, dass man eine bestimmte Line nicht nur mit einer Sorte von Händen spielt. Deshalb sollte man die Standardlines auch nicht nur mit made Hands, sondern eben auch mit Draws (bzw. gelegentlich als Purebluff) spielen. Wenn man dieses Prinzip nicht befolgt, ist es leicht für die Gegner daraus Vorteile zu ziehen.
Beispiel:
Du bist OOP ohne Initiative am Flop und der Gegner bettet. Die Standardline ist Check/Raise Flop Bet Turn.
Preflop: Hero is BB with J


2 folds, BU raises, 1 fold, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) J


Hero checks, BU bets, Hero?
Turn:(3,25 BB) 4
Wenn du in dieser oft vorkommenden Situation z.B. mit guten made Hands (hier J



Wenn du in Zukunft den Flop checkraist, wird er seine Draws passiv spielen, weil er weiß, dass er keine Foldequity gegen deine Hand hat, und mit schwachen made Hands einfache Folds am Turn finden kann. Beides ist nicht in deinem Interesse.
Wenn man dieselbe Line mit verschiedenen Handsorten und -stärken spielt, nennt sich das Balancing. Mischt du deine Hände, mit denen du die einzelnen Lines spielst, wird es den Gegnern dadurch unmöglich, dich auf eine genaue Handart zu lesen und optimal zu spielen.
Seine (Standard)lines zu balancen ist also wichtig, allerdings nicht in jeder Situation und um jeden Preis!
Wenn du eine Line nicht ausbalanciert hast, ist das nur problematisch, wenn die Gegner daraus einen Vorteil ziehen können. Wann ist dies nicht der Fall?
1. Die Situation, in der man die Line spielt, kommt selten vor.
Wenn wir eine Line nur sehr selten spielen, weil die entsprechende Situation nicht oft vorkommt, wird es schwer für die Gegner, sich unsere Spielweise zu merken.
Beispiel: Den Cap am River muss man nicht auch als Bluff spielen. Der Pot ist dann so groß, dass der Gegner keinen Fold mehr finden wird, auch wenn er sicher ist, dass du diese Line nur mit einem Monster spielst.
2. Man spielt selten gegen die gleichen Gegner.
Wenn man auf niedrigeren Limits in großen Pokeräumen unregelmäßig spielt, ist die Fluktuation an Gegnern so hoch, dass es selten dazu kommt, in derselben Situation gegen denselben Gegner zu stehen.
3. Die Gegner sind schlecht oder unaufmerksam.
Besonders auf niedrigen Limits sind die meisten Gegner gar nicht in der Lage, ihr Spiel anzupassen, selbst wenn sie Beobachtungen in deinem Spiel machen. Andere Gegner spielen 6 Tische gleichzeitig und haben gar keine Zeit oder Lust, sich Notes zu machen oder auf dein Spiel zu achten.
Durch die Tatsache, dass du auch für Draws den Standardmove verwendest, sind deine Lines auf drawlastigen Boards ausreichend balanced.
Wie sieht es aber mit trockenen Boards aus? Hier ist deine einzige Möglichkeit, die Value-Plays auszubalancieren, der Purebluff.
Wie gesagt solltest du den Bluff aber nicht nur spielen, um deine Line zu balancen, obwohl du weißt, dass du keinerlei Foldequity hast. Der Move sollte auch isoliert betrachtet einen positiven Erwartungswert haben. Um das abzuschätzen, musst du dir folgende Frage stellen: Können bessere Hände folden?
Ohne starken Draw benötigst du mehr Foldequity, um einen Bluff profitabel zu machen. Aber gerade wenn das Board keine Draws bietet, werden dir die meisten Gegner mehr Credit für eine made Hand geben.
Wenn also ausreichend bessere Hände in der Range des Gegners sind, die bei eigenem aggressiven Spiel folden können, kann man die Standardline als Purebluff spielen.
Beispiel:
Preflop: Hero is BB with 8
3 folds, BU raises, 1 fold, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) 4

Hero checks, BU bets, Hero raises, BU calls.
Turn:(3,25 BB) 3
Hero bets
Dieses Board hat ein Button-Raiser meist verfehlt. Du kannst aber gut ein Pair repräsentieren, da du viele Hände mit einer Q oder 7 sowohl passiv defenden- als auch am Flop checkraisen würdest.
Fliegt dein Bluff auf, wird es dem Gegner auf vergleichbaren Boards in Zukunft sehr schwer fallen, sich selbst von schwachen made Hands zu trennen, was dir zusätzlichen Value für deine made Hands bringt.
Genau wie beim Purebluff, ist es auch nicht mit jeder Art von made Hand und Draw und in jeder Situation optimal, die Standardline zu spielen. Im nächsten Kapitel erfährst du, wie du Situationen erkennst, in denen der Standardmove die optimale Spielweise darstellt.
Bewertung der Situation zum Spielen einer Standardline
Es lassen sich generell keine Kategorien wie ‘Toppair‘ oder ‘OESD‘ als notwendige absolute Handstärke für das Spielen der Standardline benennen.
In gewissen Situationen kann es richtig sein, mit Toppair nur einen Calldown zu spielen, in anderen Situationen ist Bottompair gut genug für den Standardmove. Ebenso kann ein Gutshot für Call Flop, Raise Turn ausreichen, während unter anderen Voraussetzungen selbst ein Monsterdraw besser passiv gespielt werden sollte.
Diese gegnerische Handrange (Gesamtheit der beim Gegner wahrscheinlichen Holdings) kannst du näherungsweise bestimmen, wenn du die Informationen über die Spielweise des Gegners (Reads, History, Stats, Tells) mit der Textur des Boards in Beziehung setzt.
Mit diesen Überlegungen musst du deine eigene Hand bewerten, Annahmen über die wahrscheinliche Spielweise des Gegners auf den späteren Streets machen und dann entscheiden, ob deine Hand für eine Standardline geeignet ist.
Diese Erwägungen sind sehr komplex und besonders deshalb schwierig, weil du es - wie immer beim Pokern - mit unvollständigen Informationen zu tun hast. Um möglichst oft zu einer optimalen Entscheidung zu kommen, stellen wir nun Kriterien dar, die die Ziele einer Standardline abbilden.
Mit Händen, die gute Chancen haben, momentan vorne zu liegen, willst du möglichst gut ausbezahlt werden, also von schlechteren Händen bis zum Showdown gecallt werden. Gleichzeitig soll deine Hand auch vor Händen, die dich noch überholen können, geschützt werden. Es sollen also Freecards für den Gegner vermieden werden und Draws sollen maximal zahlen bis zum River.
Was sollte also gegeben sein, damit sich eine made Hand für den Standardmove eignet?
Um die Range abschätzen zu können, musst du Annahmen über die Spielweise des Gegners machen, wobei dir Stats und Reads aus vorherigen Händen helfen. Folgende Fragen musst du dir stellen:
- Wie viel openraist der Gegner?
- Hat er das Board oft getroffen mit dieser Range?
- Schränkt seine Spielweise am Flop seine Range ein oder macht er das mit allen Händen?
- Auf was für Hände deutet seine Aktion am Flop hin?
Beispiel:
Preflop: Hero is BB with X X
3 folds, BU raises, 1 folds, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) X X X
Hero checks, BU bets
Nach seiner Flopbet spielst du gegen seine gesamte Button-Raising-Range, da er 100% contibetten wird. Das sind also je nach TAG die besten 30-40% seiner Hände.
Gegen eine solch weite Range bist du meist mit jedem Pair und oft sogar mit Ace high Favorit. Mit diesen Händen kommt also der Standardmove, Check/Raise Flop, Bet Turn in Frage.
Preflop: Hero is BU with X X
3 folds, Hero raises, 1 fold, BB calls.
Flop:(4,5 SB) X X X
BB checks, Hero bets, BB raises
Hier spielst du nicht gegen seine weite Big-Blind-Defending-Range, sondern nur gegen die Hände, die der Gegner in genau der gegebenen Situation aggressiv spielt. Das sind je nach Gegner made Hands, Draws und manchmal Purebluffs. Damit hier der Standardmove Call Flopraise, Raise Turn in Frage kommt, musst du eine deutlich stärkere Hand haben als im ersten Beispiel. Mit Bottompair bist du oft kein Favorit mehr.
Um abschätzen zu können, ob dich schlechtere Hände downcallen, musst du dir ebenfalls Gedanken über die Handrange deines Gegners machen und Vermutungen anstellen, wie er mit welchen Händen auf den späteren Streets weiterspielen könnte. Folgende Fragen musst du dir stellen:
- Sind überhaupt schlechtere made Hands in seiner Range?
- Wird er die auch noch gegen Aggression zum Showdown bringen?
- Wie hoch ist sein Went to Showdown? Wie ist mein Image gegen ihn?
Beispiel 1: Villain: 35, 20, 1.5, 42
Preflop:
Hero is BB with 2

3 folds, BU raises, 1 fold, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) 2


Hero checks, BU bets, Hero raises
Loose Gegner mit hohem Went to Showdown werden dir besonders auf Boards mit Draws oder Lowcards wenig Credit geben. Hier hast du gute Chancen mit Bottompair oder High-Card-Händen downgecallt zu werden, wenn du den Standardmove spielst.
Beispiel 2: Villain: (20, 14, 1.5, 33)
Preflop: Hero is BB with 3

3 folds, BU raises, 1 fold, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) 3


Hero checks, BU bets, Hero calls
Auf trockenen Boards gegen Gegner mit niedrigem Went to Showdown ist es hingegen mit Händen wie Middle- oder Bottompair unwahrscheinlich, von schlechteren Händen bis zum Showdown gecallt zu werden.
Wenn du Favorit bist und gute Chancen hast, von schlechteren Händen downgecallt zu werden, solltest du mit made Hands die Standardline spielen.
Die Kriterien sind sehr oft mit Toppairs und besser erfüllt. Mit Middlepairs hingegen nur gelegentlich und mit schlechteren Händen bist du eher selten Favorit. Hier solltest du vor allem auf drawlastigen und/oder Lowcard-Boards gegen showdowngebundene Gegner die Standardline spielen, da in dem Fall eine erhöhte Chance besteht, von schlechteren Händen downgecallt zu werden (A-high z.B.)
Mit Händen, die momentan oft nicht vorne liegen, aber viele Outs haben, sich zu verbessern willst du den Pot auch ohne Showdown gewinnen, da deine Equity < 50% ist. (Sonst könntest du for Value raisen, das kommt aber im Heads-up fast nie vor).
Für einen solchen Semibluff bieten sich vorzugsweise starke Draws an, weil deine benötigte Foldequity für einen profitablen Move mit der Anzahl an Outs sinkt (siehe auch Semibluffs - Theorie und Praxis).
Du hoffst also, durch aggressives Spiel den Gegner dazu zu bringen, eine bessere Hand aufzugeben. (Auch wenn der Gegner eine schlechtere Hand foldet, kann das für dich positiv sein, weil er damit Outs foldet oder dich sonst noch aus der Hand bluffen könnte).
Was sollte also gegeben sein, damit sich ein Draw für den Standardmove eignet?
Um das abzuschätzen, muss man ebenfalls die Handrange des Gegners in Betracht ziehen. Wenn du keine Highcard zu deinem Draw hast, liegst du meist momentan hinten. Viele Outs hat man mit einem starken Draw auch in aller Regel, allerdings kann es bei OESDs gut möglich sein, dass der Gegner Outs blockt und mit niedrigeren 1Card-Flushdraws kann es gut sein, dass der Gegner einen höheren Flushdraw hält.
Dieses Kriterium ist bei Draws entscheidend. Oft hast du z.B. neben dem Draw auch noch oft die beste Hand. Auch weil du mit Draws oft Outs beim Gegner blockst und Protection daher eine untergeordnete Rolle spielt, möchtest du den Gegner in diesem Fall gar nicht zum Folden bringen.
Beispiel:
Villain: 20, 16, 2, 38
Preflop: Hero is BB with 2

2 folds, CO raises, 2 folds, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) 4


Hero checks, CO bets, Hero calls.
Hier werden nur schlechtere Hände gegen Aggression folden, denn A high wird hier oft nicht so schnell folden. Da du aber einen Flushdraw hast, haben schlechtere Hände wie z.B. KQ oft nur 4 Outs, so dass die Kosten einer Freecard am Turn gering sind und du sogar 1-3 BB extra gewinnen kannst, wenn der Gegner ein Out trifft, welches dir einen Flush gibt.
Aus diesem Grund ist der Standardmove hier nicht die optimale Spielweise. Ausnahme wäre ein weaker Gegner, der auch A high am Turn leicht aufgibt. In diesem Fall hättest du bessere Hände, die folden könnten und kannst die Standardline C/R Flop, Bet Turn spielen.
Wenn du am Flop hinten liegst, aber viele Outs hast, solltest du die Standardline mit Draws spielen, wenn Chancen bestehen, dass bessere Hände folden können. Die Kriterien sind sehr oft mit Flushdraws und OESDs ohne Highcard erfüllt. Für schwächere Draws benötigst du mehr Foldequity (vgl. oben: Purebluffs) und wenn du selbst einen K oder ein A hältst, bestehen schlechte Chancen, bessere Hände zum Folden zu bringen.
Wenn du dich also in einer Situation befindest, in der du eine Hand hältst, die für einen Standardmove denkbar ist, solltest du zunächst genau überdenken, ob die aufgestellten Kriterien zutreffen, bevor du den Standardmove spielst. Wie du konkret erkennst, ob die Kriterien zum Spielen der Standardline erfüllt sind, kannst du in den Beispielen auf der nächsten Seite nachvollziehen.
Beispiele mit made Hands
Kriterien, die für das Spielen des Standardmoves mit made Hands erfüllt sein sollten:
- Du bist Favorit über die Range des Gegners.
- Schlechtere Hände können downcallen (Value, Protection).
Preflop: Hero is CO with ?
2 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds.
Flop:(4,5 SB) Q


Hero bets, BU raises, Hero?
Die Standardline OOP mit Initiative ist Bet/3Bet Flop, Bet Turn. Mit welchen made Hands gegen welche Gegner sind die Kriterien zum Spielen des Standardmoves hier erfüllt?
J
oder K
K
Villain: beliebigIst deine Hand Favorit?
Gegen die Raising-Range der meisten Gegner hast du hier in den meisten Fällen die beste Hand mit Toppair oder besser.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten?
Du hast gegen jeden Gegner gute Chancen, von schlechteren Händen bis zum Showdown gecallt zu werden. Jede Q, jede 8, vielleicht Pockets und die 5 zahlen dich in der Regel voll aus.
Da der Gegner aber 2 bis 9 Outs haben könnte, ist es auch wünschenswert, deine Hand zu schützen bzw. gute Draws zahlen zu lassen, d.h. die Initiative zu erhalten und dem Gegner keine Freecardchance zu gewähren.
- Die Kriterien für einen Standardmove sind hier erfüllt.
Mit Q



Toppair und besser eignen sich auf den meisten Boards gegen jeden Gegner für den Standardmove.
9
oder A
8
Villain: LAG (40/20/2.5/40)Hier ist der Gegner loose-aggressive, was ändert das?
Ist deine Hand Favorit?
Ja! Diesmal hast du zwar nur 2nd Pair und wirst am Flop geraist. Gegen so einen Gegner bist du aber auch mit Pair unter Toppair oder 2nd Pair, Topkicker klarer Favorit gegen seine Range nach dem Flopraise. Villain könnte neben der Queen Semibluffs, Purebluffs, die 8, die 5, Pockets und eventuell A-high so spielen.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten? Der Gegner ist aggressiv genug, um jedes Pair zu raisen und showdownbound. Er wird wahrscheinlich mit jedem Pair und eventuell A high downcallen. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass ein solcher Gegner den Turn behindcheckt, wenn du ihm die Möglichkeit gibst, trotzdem kannst du aber nicht sicher sein. Daher ist es gut, die Initiative zu erhalten.
- Die Kriterien für einen Standardmove sind auch hier erfüllt.
Mit 9



9
oder A
8
Villain: LPA (40, 10, 1, 35)Hier ist der Gegner Loose-Passive, was ändert das?
Ist deine Hand Favorit?
Gegen einen passiven Spieler, der nicht showdownbound ist, sieht es anders aus: Du liegst meistens nicht vorne, da ein großer Teil des Gegners Range Toppair und besser ausmacht.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten?
Falls er doch eine schlechtere Hand hat, ist es angesichts seines geringen WTS unwahrscheinlich, dass er dich damit bis zum Showdown callt, wenn du den Standardmove spielst.
Auch bei diesem Gegner ist es unwahrscheinlich, dass er ein Freecardraise versucht, weil solche Leute ihre Draws meistens passiv spielen.
- Die Kriterien für einen Standardmove sind nicht erfüllt.
Mit 9



Mit made Hands schwächer als Toppair ist OOP mit Initiative auf ein Raise am Flop die Standardline 3 Bet Flop, Bet Turn nur gegen aggressive, showdowngebundene Spieler auf bestimmten Boards (Lowcards - A high könnte downcallen) die optimale Spielweise. Wirst du hingegen von passiven Spielern geraist, solltest du lieber selbst passiv spielen und als Standard einfach Calldown spielen. Einen Fold mit Midpair solltest du nur mit einem guten Read oder bei einer ganz fiesen Entwicklung des Boards einplanen, denn auch wenn du im Mittel nach einem Raise am Flop kein Favorit mehr bist, gewinnst du noch oft genug, um die Kosten für deinen Calldown locker rechtfertigen zu können.
Preflop: Hero is BB with ?
3 folds, BU raises, 1 fold, Hero calls.
Flop:(4,5 SB) 2

Hero checks, BU bets, Hero?
Die Standardline OOP ohne Initiative ist Check/Raise Flop, Bet Turn. Mit welchen made Hands gegen welche Gegner sind die Kriterien zum Spielen des Standardmoves hier erfüllt?
2
oder A
3
Villain: TAG - LAGIst deine Hand Favorit?
Du hast hier gegen eine 38% Open-Raising-Range vom Button auf diesem Board 61% Equity, bist also klarer Favorit. Auf solchen Lowcard-Boards macht es keinen großen Unterschied, ob du Bottompair oder Toppair hast, da der Gegner mit seiner Range meist komplett verfehlt hat, so dass du mit A2 fast genauso oft vorne liegst wie mit A7.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten?
Du hast hier gute Chancen, von schlechteren Händen downgecallt zu werden, K2s und oft auch A-high wird hier zum Showdown gehen, zumindest solange der Flushdraw nicht ankommt. Protection ist hingegen zu vernachlässigen, da der Pot nicht groß ist und du ihn mit deiner Hand reverse dominaten kannst, da der Gegner mit A high nur 3 Outs gegen dich hat.
- Die Kriterien für einen Standardmove sind erfüllt.
Mit A



5
oder A
4
Villain: TAG - LAGHier hast du gegen dieselben Gegner nur A high mit einem Gutshot. Was ändert das?
Ist deine Hand Favorit?
Auch hier mit nur A high bist du Favorit über eine typische 38%-Open-Raising-Range mit ca. 53% Equity.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten?
Hier allerdings sieht es anders aus als im Beispiel 2a). Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass du von K high oder Q high heruntergecallt wirst, hingegen wird ein besseres A high oft nicht folden. Protection hat hier auch keinen großen Value, weil du nur sehr marginaler Favorit bist und am Turn auch kein Raise kassieren möchtest.
- Das zweite Kriterium ist nicht erfüllt.
Mit A



Wenn es unwahrscheinlich ist, dass schlechtere Hände downcallen und dass bessere Hände folden, kann es auch als statistischer Favorit besser sein, passiv zu spielen. So vermeidest du außerdem, von schlechteren Händen rausgeblufft zu werden, und riskierst kein Raise am Turn, falls du doch hinten liegst.
Preflop: Hero is BU with J
3 folds, Hero raises, 1 fold, BB calls.
Flop:(4,5 SB) 6

BB checks, Hero bets, BB raises, Hero calls.
Turn:(3,25 BB) 4
Nachdem der Gegner am Flop die Initiative an sich gerissen hat, können wir uns an die Standardline IP ohne Initiative halten. Sie ist Call Flop, Raise Turn. Gegen welche Gegner sind die Kriterien zum Spielen des Standardmoves hier erfüllt?
Ist deine Hand Favorit?
Mit Toppair bist du gegen die Range des Tags nach seinem Checkraise am Flop klarer Favorit. Der Gegner wird jedes Pair und jeden guten Draw so spielen, manchmal auch Purebluffs.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten?
Du hast gute Chancen, von schlechteren Händen runtergecallt zu werden, wenn du den Standardmove Call Flop, Raise Turn spielst. Der Gegner wird dich oft auf einen Draw, Bluff oder ein Free-Showdown-Raise setzen. Weiterhin machst du so Druck gegen Draws und lässt sie maximal zahlen oder auch Outs folden.
- Die Kriterien für einen Standardmove sind erfült.
Mit J

Ändert sich die Spielweise gegen einen sehr passiven Spieler?
Ist deine Hand Favorit?
Dieser Gegner wird wahrscheinlich nur Toppairs oder besser am Flop C/R spielen. Mit Toppair, mittlerem Kicker bist du nun aber kein Favorit mehr gegen die Checkraising-Range dieses Gegners.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten?
Sollte der Gegner doch eine schlechtere Hand halten, besteht angesichts seines geringen WTS auch keine gute Chance, dass er damit zum Showdown geht.
- Beide Kriterien für einen Standardmove sind gegen diesen Gegner unzureichend erfüllt.
Mit J

Auch der Gegnertyp ist von entscheidender Bedeutung zur Beurteilung der Situation. Mit Toppair, mittlerem Kicker kannst du gegen die meisten Gegner die Standardline Call Flop, Raise Turn auf ein Checkraise deines Gegners am Flop spielen. Ausnahmen sind hier sehr passive Gegner, gegen die du nach einem C/R am Flop keine Garantie mehr hast, profitabel aggressiv zu spielen.
Villain: TAG (23/17/2.2/33)
Preflop: Hero is BU with K
1 fold, MP raises, 1 fold, Hero 3-bets, 2 folds, MP caps, Hero calls.
Flop:(9,5 SB) A

MP bets, Hero calls.
Turn:(5,75 BB) 3
MP bets, Hero ?
Die Standardline IP ohne Initiative ist Call Flop, Raise Turn.
Ist deine Hand Favorit?
Gegen die gegnerische Capping-Range (TT+,AQs+,AKo) hast du hier 56% Equity, liegst also meist vorne.
Können schlechtere Hände downcallen? Musst du protecten?
Der Pot ist zwar groß und Protection daher generell wichtig, aufgrund der Boardstruktur und der Preflopaction hat der Gegner aber nie mehr als 2 Outs gegen dich, wenn er hinten liegt. Schlechtere Hände werden selten downcallen (und bessere Hände nie folden).
- Kriterium 2 für einen Standardmove ist unzureichend erfüllt.
Mit K

In typischen "way ahead, way behind"-Situationen solltest du IP auch als Favorit nicht die Standardline spielen und passiv bleiben. Du riskierst so unerwünschte 3-Bets, hast aber dank Position die Kontrolle und riskierst auch keine Freecards. (vgl. Artikel Way ahead - Way behind)
Beispiele mit Draws
Kriterien, die für das Spielen des Standardmoves mit Draws erfüllt sein sollten:
- Du liegst hinten, hast aber viele Outs.
- Bessere Hände könnten folden (Foldequity).
Preflop: Hero is CO with ?
2 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds.
Flop:(4,5 SB) Q

Hero bets, BU raises, Hero?
Die Standardline OOP mit Initiative ist hier 3-Bet Flop, Bet Turn. Mit welchen Draws gegen welche Gegner sind die Kriterien zum Spielen der Standardline erfüllt?
J
oder A
K
. Villain: weaker Semitag (30/15/1,8/32)Bist du mit deiner Hand Underdog, hast aber viele Outs?
Du kannst annehmen, in den meisten Fällen hinten zu liegen, da der Gegner selten purebluffen wird und mehr made Hands als Draws in seiner Range hat. Viele Outs hast du fast immer: Der K, manchmal der J und alle Spades reichen dir in der Regel zur besten Hand.
Hast du Foldequity (gegen bessere Hände)?
Gegen diesen weaken Gegner hast du Foldequity gegen bessere Hände. Dieser Gegner ist aggressiv genug, um kleine Pairs am Flop zu raisen, wird diese aber oft nicht immer zum Showdown bringen, wenn du Druck machst.
Die meisten Gegner werden hier kein Pair folden. Da wir mit bis zu 15 Outs aber fast schon for Value raisen können, muss das auch nur selten funktionieren.
Aufgabe: Nehmen wir an, du hättest in dieser Situation 12 Outs und spielst 3-bet Flop, bet Turn und der Gegner würde nie den Flop cappen und eine bessere Hand frühestens am Turn folden. In wie viel Prozent der Fälle müsste dein Gegner am Turn eine bessere Hand folden? Das nötige Handwerkszeug zur Lösung dieser Aufgabe findest du im Artikel zum Thema Semibluff: Semibluffs - Theorie und Praxis
- Die Kriterien sind erfüllt.
Mit K



J
oder A
K
. Villain: LPA (40/15/1/43)Diesmal ist der Gegner loose-passive. Was ändert das?
Bist du mit deiner Hand Underdog, hast aber viele Outs?
Auch gegen diesen Gegner liegst du fast immer hinten, weil er passiv genug ist, nur Pairs zu raisen. Trotzdem hast du alle Spades und oft den K als Outs.
Hast du Foldequity gegen bessere Hände?
Gegen diesen Gegner hast du nun keine Chance, eine bessere Hand zum Folden zu bringen. Er ist passiv und showdownbound, wird also nur gute Hände raisen und die dann auch downcallen.
- Das zweite Kriterium für eine Standardline ist nicht erfüllt.
Mit K

K

Je mehr Outs man hat, desto weniger Foldequity benötigt man, daher sollte man vor allem mit starken Draws den Standardmove spielen. Je weniger Showdownvalue die eigene Hand hat, desto eher können bessere Hände folden. Das begünstigt also ebenfalls einen Standardmove-Semibluff.
Preflop: Hero is CO with A
2 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds.
Flop:(4,5 SB) 9

Hero bets, BU raises, Hero?
Bist du mit deiner Hand Underdog, hast aber viele Outs?
Du kannst durchaus noch vorne liegen gegen Bluffs und Draws, meistens spielst du aber gegen ein Pair. Gegen die meisten besseren Hände hast du allerdings bis zu 14 Outs.
Hast du Foldequity gegen bessere Hände?
Der Gegner ist sehr showdownbound, darum wirst du ihn quasi nie dazu bringen, eine bessere Hand zu folden.
- Das zweite Kriterium für eine Standardline ist nicht erfüllt.
Mit A

Preflop: Hero is CO with 8
2 folds, Hero raises, BU calls, 2 folds.
Flop:(4,5 SB) T

Hero bets, BU raises, Hero?
Diesmal hast du neben dem Draw noch ein Pair, ändert das etwas?
Bist du mit deiner Hand Underdog, hast aber viele Outs?
Die Chance vorne zu liegen, ist nicht schlecht, auch wenn du oft gegen ein höheres Pair spielst.
Hast du Foldequity gegen bessere Hände?
Da du selbst Bottompair hast, ist es ausgeschlossen, dass bessere Hände folden. Außerdem wirst du aber auch selten von einer schlechteren Hand bis zum Showdown gecallt. Eine Freecard an Draws zu vergeben, ist keine echte Gefahr, da der Gegner aggressiv genug ist, seine Draws durchzubluffen, außerdem blockierst du viele Outs mit deinem Draw.
- Das zweite Kriterium für eine Standardline ist auch hier nicht erfüllt.
Mit 8

Hast du neben einem starken Draw auch noch Showdownvalue (z.B. A-high- oder K-high-Flushdraw, kleines Pair), dann ist es gegen viele Gegner nicht möglich, eine bessere Hand zum Folden zu bringen. In diesem Fall solltest du deinen Draw einfach passiv spielen. Es callt in solchen Situationen keine schlechtere Hand down und es foldet keine bessere, außerdem ist deine Equity selbst mit starken Draws nicht über 50%. Weiterhin riskierst du auch kein Raise am Turn, was dir die Hand unnötig teuer machen würde.
Diese Spielweise ist besonders gegen aggressive und showdowngebundene Spieler sinnvoll. Sobald du auch nur eine kleine Chance siehst, bessere Hände folden zu lassen, solltest du die Standardline spielen, da du mit vielen Outs, wie zuvor schon gesagt, nur sehr wenig Foldequity benötigst.
Fazit
Mit einer spielbaren Hand ist die Standardline meist das richtige Play. Du hast hier aber gesehen, dass eine differenziertere Betrachtungsweise deine Edge gegenüber deinen Gegnern noch erhöhen kann. Du musst stets kritisch evaluieren, ob das Spielen einer Standardline angebracht ist. Nur so wendest du Standardlines optimal an und holst damit den meisten Value aus deinen Händen.
Im folgenden interaktiven Quiz kannst du dein Wissen zum Thema Standardlines testen: Klicke hier für das Quiz Standardlines
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