Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Gegnertypen: Stilmerkmale

Loose oder Tight

Loose Pre-Flop

Die Looseness Pre-Flop ist extrem leicht zu erkennen und wird durch den VPIP (voluntarily put money in the pot) ausgedrückt.

VPIP unter 15 = Rock

VPIP 15-20 = optimal Tight

VPIP 20-25 = slightly Loose / Einige wenige starke Spieler haben einen etwas looseren Stil. Sie sind sehr gute Reader und Post-Flop sehr stark. Für sie ist es daher akzeptabel, etwas öfter in der Hand zu sein. Einen VPIP über 22 würde ich trotzdem niemandem empfehlen.

VPIP über 25 = zu Loose / Mit zunehmender Looseness müsste auch die Performance abnehmen.

Spieler mit einem VPIP von unter 20 sind kein großes Vergnügen, da man wenig Geld von ihnen bekommt. Dicht bei ihnen zu sitzen, hat den Vorteil, dass man ihnen die Blinds stehlen kann, sie aber selten selber stehlen (hier ist jedoch der Steal-Wert aussagekräftiger).

Loose Pre-Flop / Tight Post-Flop

Loose Pre-Flop darf nicht gleichgesetzt werden mit Loose Post-Flop. Viele Spieler agieren Pre-Flop zu loose, verhalten sich Post-Flop aber ziemlich tight. Das liegt natürlich auch daran, dass sie den Flop, ausgestattet mit minderwertigem Material, schon treffen müssen, um noch mit gutem Gewissen in der Hand zu bleiben. Gegen solche Spieler sollte man es nicht verpassen, auf Flop und Turn aggressiv vorzugehen, wenn sich die Situation dafür bietet. Ich treffe übrigens immer wieder auf diesen Typus. Ich raise Pre-Flop; mein Gegner callt 2 Bets cold. Ich bette den Flop; er foldet In Position. Das ist immer wieder aufs neue merkwürdig.

Loose Pre-Flop / Loose Post-flop

Die Calling-Stations sind uns die liebsten Gegner. Sie spielen viel zu viele Hände und gehen mit minderwertigen Karten zu weit in die Hand hinein.

Tight Pre-Flop / Loose Post-Flop

Tightes Spiel Pre-Flop bedeutet noch lange nicht tightes Spiel Post-Flop (siehe 5. WTS).

Tight Pre-Flop / Tight Post-Flop

Das ist das Merkmal des TAGs.

Ultra-Tight Pre-Flop / Ultra-Tight Post-Flop

So verhält sich der Rock.

Aggressiv oder passiv

Die Häufigkeit, mit der ein Spieler im Gegensatz zu der Anzahl seiner Checks und Calls bettet oder raist, zeigt den Grad seiner Aggression an. Erfolgreiche Spieler sind grundsätzlich aggressiv und übernehmen mit Bets und Raises gerne die Initiative. Checking und Calling ist selten eine profitable Strategie. Der Aggression-Factor bei PokerTracker ergibt sich aus folgender Gleichung:

AF = (Bets + Raises) / Calls

Der Aggression-Factor ist nur für die Aggression Post-Flop zuständig (daher immer Häkchen bei PokerTracker > General Info > More Details > „ohne Pre-Flop“ machen). Pre-Flop wird der Grad der Aggression durch den PFR-Wert angezeigt; in Steal-Situationen durch den Steal-Wert. Für den Durchschnitt von Flop + Turn + River gilt:

Unter 1 = passiv
1-1,5 = „normal“
1,5 - 2 = moderat aggressiv
2 - 3 = aggressiv
über 3 = sehr aggressiv

Grundsätzlich sollte man anstreben, mit seinem AF über 2 zu kommen. Um genauere Informationen über das Verhalten der Spieler zu bekommen, kann man den AF der einzelnen Straßen gesondert betrachten. Zum Beispiel gibt es Spieler, die über alle Straßen gleichmäßig aggressiv sind, während andere auf Turn und River deutlich zahmer werden, wenn sich der Preis einer Bet verdoppelt. Wieder andere sind nur Pre-Flop aggressiv und ab dem Flop dann eher passiv.

Normalerweise möchte man gegen passive Spieler antreten, also gegen Leute, die ihr Pokerleben im Check-Call-Modus verbringen. Im Limit Poker geht es ja im Wesentlichen darum, eine Extra-Bet aus den Winning Hands zu extrahieren und bei Pay-Off Hands möglichst eine Big Bet zu sparen. Passive Spieler sind dabei behilflich. Sie spielen ihre guten Hände nicht hart genug und zahlen einen bei den eigenen guten Händen voll aus.

Wie jeder statistische Wert ist auch der AF mit Vorsicht zu genießen, da er für sich genommen nur eingeschränkt aussagekräftig ist. Er sollte daher zusammen mit dem VPIP und dem WTS (went to showdown) im Kontext betrachtet werden. Angenommen, zwei Spieler haben einen AF von 1.5, der eine mit einem VPIP von 20 % und der andere mit einen VPIP von 50 %. In diesem Fall ist der zweite deutlich aggressiver, da er ja viele minderwertige Hände aggressiv interpretiert. Nächstes Beispiel: Zwei Spieler haben den gleichen VPIP und den gleichen AF, sagen wir ebenfalls von 1,5. Der eine hat aber einen WTS von 20 %, der andere von 40 %. Da letzterer mit der doppelten Anzahl von Händen zum Showdown geht, bettet/raist er ungefähr die doppelte Anzahl von Händen. Würde sein größerer WTS-Wert nur dadurch zustande kommen, dass er da, wo sein Kollege mit den 20 % foldet, Calldowns macht, dann wäre ja sein AF niedriger. Da der AF jedoch bei beiden gleich ist, ist der Spieler mit WTS 40 % deutlich aggressiver als der mit 20 %.

PFR

Der durchschnittliche Pre-Flop-Raise-Wert sollte zwischen 8 und 12 liegen. Der genaue Wert ist, wie immer, typbedingt. Ich halte aber 10 für wesentlich druckvoller als 8.

Der PFR ist zu niedrig

Unter 8 ist man natürlich zu passiv. Ein Call in einer Situation, in der man besser raisen sollte, hat folgende Konsequenzen:

1. Zum einen übt man keinen Druck auf die Blinds aus. Sollte man den Flop verfehlen, besteht eine gute Chance, dass einer der Blinds etwas geschossen hat.
2. Zum anderen lässt man viele Drawing Hands wie QTs oder 55 (ist in der Regel darauf angewiesen, ein Set zu floppen) billig in die Hand.
3. Man versäumt, Hände wie AQ oder AJs zum Folden zu bringen.
4. Man verpasst die Gelegenheit, durch ein Pre-Flop-Raise die Initiative an sich zu reißen. Trifft niemand den Flop, so holt man sich mit dieser Initiative ja häufig den Pot mit einer Flop Bet.

Der PFR-Wert ist zu hoch

Ein PFR-Wert von 20 % deutet auf einen ausgeprägten Loose-Aggressive Spieler hin. Er besitzt niedrige Raising Standards. Mit guten Karten bietet sich hier die Chance eines Reraises. Gegen einen solchen Spieler würde ich grundsätzlich mit AQ 3-betten. Die gleiche Hand würde ich gegen einen soliden Spieler folden, wenn dieser in Early- oder Middle-Position sitzt. Ein Spieler mit einem PFR von deutlich über 20 % könnte bereits als Maniac bezeichnet werden. Gegen einen solchen Gegner kann man seine Reraising Standards natürlich herunter setzen. Grundsätzlich kann man gegen sie mit allen Karten reraisen, die gleich gut oder besser sind als ihre durchschnittliche Raising-Hand. Wenn man den Vorteil der (besseren) Position mit 5 % ansetzt, könnte man dies sogar mit Händen tun, die etwas schlechter sind als die durchschnittliche Raising-Hand des Gegners. Zum Positionsvorteil gesellt sich noch der unmittelbare Gewinn, der aus dem Folden der Blinds resultiert (Dead Money), sowie der Vorteil der Pre-Flop-Initiative.

Die Differenz zwischen VPIP und PFR

Um die Limping Standards eines Spielers herauszufinden, subtrahiert man einfach den PFR vom VPIP. Raist ein Spieler zum Beispiel 15 % seiner Hände bei einem VPIP von 25 %, so liegt seine Calling-Range im Bereich 16 - 25 % in der Kartenhierarchie. Seine durchschnittliche Calling-Hand läge dann genau bei 20 - 21 %.

Predictability (Vorhersehbarkeit)

Spieler unterscheiden sich im Grad ihrer Vorhersehbarkeit. Hier die zwei Extreme:

Der gläserne Spieler

Er bettet seine guten Hände, raist die starken, foldet die schwachen und callt mittelstarke Made Hands sowie Draws mit für (für seine Begriffe) ausreichenden Odds. Bluffs kommen bei ihm gar nicht vor. Stark bedeutet stark und schwach bedeutet schwach.

Der gläserne Spieler ist ein dankbarer Gegner, da man gegen ihn häufig die optimale Strategie wählen kann. Natürlich kommt diese Schwäche von ihm nur aufmerksamen Spielern zu Gute.

Der Tricky Player

Der Tricky Player spielt seine schwachen Hände häufig stark und die starken schwach. Häufig blufft er nach einer Scarecard. Er nutzt jede Gelegenheit zum Semi-Bluff. Starke Hände slowplayt er mit großem Vergnügen. Häufig benutzt er das Check-Raise.

Die Vorhersehbarkeit ist ein weiches Merkmal und lässt sich nicht in PokerTracker-Daten wiedergeben. Aus diesem Grunde sollte man die Beobachtung von Gegnern, insbesondere die Vorhersagbarkeit, mit einschließen. In welchen Situationen blufft oder semi-blufft mein Gegner? Welche Hände benutzt er zum Check-Raise oder Slowplaying? Raist er nur mit Made Hands oder auch häufig mit Draws? Tricky Player erkennt man gut in folgender Situation: Nach einem Raise foldet er die Hand auf der nächsten Straße nach einer Bet. Sein Raise war also ein reiner Bluff.

Starke Spieler sind in einem moderaten Maße unvorhersehbar. Hin und wieder stehlen sie damit ein Pot, auch lassen sie ihre Gegner damit im Guessing Mode. Übertriebe Trickyness führt aber dazu, dass man zu viel Edge abgeben muss und wird daher nur von Loose-Aggressive Spielern zur Schau gestellt.

Aggressive Spieler sind automatisch schwerer zu lesen. Sie betten viele Hände verschiedener Stärke. Bettet dagegen ein passiver Spieler, offenbart er damit die Stärke seiner Hand.

Sehr schwache Spieler sind auf ihre Art auch (ungewollt) unvorhersehbar. Sie übersehen die Gefahren, die sich aus dem Board und der Betting-Sequenzes ihrer Gegner ergeben, und überschätzen dadurch ihre Hände. Ihre Aktionen können dadurch leicht missinterpretiert werden.

Went to Showdown

Wie oft sollte man zum Showdown gehen? Bricht man den Kampf zu früh ab, ist man Weak-Tight. Sieht man den SD zu häufig, ist man ein Caller. Beides wollen wir nicht sein. Sowohl für die Selbsteinschätzung als auch für die Einschätzung der Gegner während des Spiels ist der WTS-Wert extrem wichtig. Für den TAG stellt sich immer die Frage, wie gut die Aussichten sind, mit einem Bluff oder Semi-Bluff davon zu kommen. Gegen notorische Caller schwinden natürlich die Chancen eines erfolgreichen Bluffs.

Hat man nur den VPIP zur Verfügung, kommt man leicht zu falschen Schlüssen. Viele Spieler meinen, wer Pre-Flop tight sei, der ließe sich leicht aus der Hand bluffen. Das ist aber häufig nicht der Fall. Auf der einen Seite hat der tighte Pre-Flop-Spieler überdurchschnittlich gute Hände und damit mehr Grund, in der Hand zu bleiben. Zum anderen sind viele Spieler zwar Pre-Flop tight, jedoch Post-Flop einigermaßen loose. Dies kann im wesentlichen zwei Gründe haben:

1. Ungeduld
Einige Spieler warten geduldig auf eine gute Hand. Wenn sie die aber endlich bekommen, können sie sich nicht mehr so leicht davon trennen. Genau hier endet also ihre Geduld.

2. Eine niedrige Spielstärke
Das ist besonders in den Low Limits anzutreffen. Einige Spieler sind Pre-Flop sehr tight, weil sie sich mechanisch an einen Starting Hand Chart halten. Post-Flop steht ihnen jedoch kein Chart mehr zur Verfügung. Nun sind sie auf sich allein gestellt und produzieren Fehler.

Das Callingverhalten dieser beiden Personengruppen kann folgende Gestalt annehmen:
Mit AK callen sie stur bis zum River, auch wenn jemand ihnen signalisiert, dass er mindestens ein Paar besitzt. Angenommen, unser Caller besitzt 99 und der Flop ist A Q T, dann macht er einen Calldown, in der Hoffnung, sein Gegner würde ausgerechnet mit 88 den Pot voll pumpen. Ein solcher Spieler ist natürlich sehr schwach. Er kümmert sich zu wenig darum, was seine Gegner haben könnten, oder was auf dem Board liegt.

Der statistische Durchschnitts-WTS-Wert liegt bei 34,50 %. Spieler mit über 40 % callen schon viel zu viel und solche mit über 45 % sind ausgemachte Calling-Stations. Hier sollte man sich natürlich mit Bluffs zurückhalten. Jemand mit unter 30 % spielt dagegen zu tight und sollte nach Möglichkeit aus der Hand gedrängt werden.

Won at Showdown

Ein guter Winning-Player (siehe BB/100) hat eine WAS-Rate in den hohen 50ern, z. B. 57 %. Der Durchschnittswert der Winning-Player liegt bei 54 %. Ist dieser Wert bei einem Winning-Player deutlich geringer, so ist der Spieler sehr aggressiv. Durch seine Bluffs und Semi-Bluffs gewinnt er viele Hände vor dem Showdown (uncontested - nicht ausgekämpft). Geht es aber bis zum Showdown, kommen seine Bluffs häufig an den Tag. Daher ist die WAS-Rate geringer.

Gegen diesen Spielertyp wäre ich eher geneigt, ein Raise oder Check-Raise am Turn zu callen. Häufig handelt es sich dabei um einen Semi-Bluff oder Free Showdown Raise. Dies bezieht sich allerdings nur auf die Middle- oder High Limits. Im Low Limit-Sektor bedeutet jedoch Stärke auf dem Turn meistens auch eine starke Hand.

BB/100

BB/100 bedeutet „Big Bets in 100 Hands“ und gibt die Earn Rate an. Der Wert lässt sich natürlich relativ leicht in einen Stundenlohn umrechnen. In einem Full-Ring Game spielt man ungefähr 70 Hände in der Stunde. An drei Tischen kommt man damit auf gut 200 Hände. Nun braucht man nur noch den BB/100-Wert mit 2 zu multiplizieren und man erhält den Stundenlohn.

Vorausgesetzt, die Datenbasis ist groß genug, gibt der BB/100-Wert die ungefähre Spielstärke des Gegners an. In Relation zum gespielten Limit ist alles über 1 BB/100 gut, alles über 2 BB/100 sehr gut. Absolut gesehen sollte man aber bei den kleinen Limits deutlich mehr BB erzielen als bei den großen. Im Small Limit-Bereich erreicht ein guter Spieler deutlich mehr als 2 BB/100. Bei den High Limits bedeutet bereits 1 BB/100 gut und 2 BB/100 sehr gut.

Blind Defense

Foldet SB to steal

Der Durchschnittswert liegt bei 84 %.

Foldet BB to steal

Der Durchschnittswert liegt bei 63 %. Dieser Wert resultiert allerdings aus einem zu tightem Verhalten unserer 3/6-Spieler. Korrekt ist eine Range von 45 - 55 %.

Wenn die Blinds überdurchschnittlich viel folden, kann man als potentieller Stealer natürlich liberaler bei seinen Stealversuchen sein.

Als Verteidiger sollte man darauf achten, dass man im Big Blind nicht immer automatisch foldet, wenn man den Flop nicht trifft. Ein Check-Raise am Flop als Semi-Bluff oder gar als vollständiger Bluff gegen TAGs erhöht die Win Rate. Hier kommt auch der mittelfristige Effekt hinzu, dass man für den Gegner unlesbar wird, wenn man nicht nur Made Hands, sondern auch Semi-Bluffs und reine Bluffs aggressiv spielt. Zudem ist es für den Stealer eher frustrierend, wenn er auf harten Widerstand trifft. Auf diese Weise kommt man später eher in den Genuss eines Free-Plays. Ist man als Verteidiger nicht bereit zu einer solch aggressiven Spielweise, dann ist ein höherer Fold-Wert möglicherweise besser.

Attempts to steal Blinds

Der Durchschnittswert ist 27,4 %. Dies scheint mir zu passiv zu sein. In den High Limits sind die Spieler aggressiver. Angebracht ist ein Steal-Wert von 30 - 35 %.

Der Steal-Wert ist in den Middle- und High Limits sehr wichtig, da es dort durch das tighte Pre-Flop-Verhalten häufig zu Steal-Situationen kommt. Als Blind ist man natürlich geneigt, sein bereits eingesetztes Geld gegen Leute mit hohem Steal-Wert aggressiver zu verteidigen.

Flexibilität

Wenn ein Spiel länger besteht (z. B. im Live Game oder Shorthanded [mehr Hände in kurzer Zeit gegen den gleichen Gegner]), ist es von Vorteil, den Stil oder einzelne Stilmerkmale zu verändern, um nicht ausrechenbar zu werden. Die bewusste Änderung des Stils erfordert eine hohe Spielstärke. Zum einen ist die Umsetzung des Vorhabens nicht einfach, zum anderen muss zunächst die Notwendigkeit für eine derartige Maßnahme erkannt werden.

Flexibilität spielt sich nicht nur auf der zeitlichen Schiene ab. Starke Spieler passen ihr Verhalten den Gegnern an. Wenn ein TAG ein Calldown gegen einen Maniac macht, heisst das nicht, dass er es gegen einen Rock machen würde oder gegen einen selbst (hoffentlich ebenfalls TAG).

Selbstverständlich ist ein Gegner besonders ernst zu nehmen, bei dem man ein hohes Maß an Flexibilität feststellt.

Stabilität

Die optimale Tight-Aggressive Spielweise ist sehr energetisch und rational angelegt. Sie verlangt daher viel Gedankenarbeit und Konzentration. Ein Mangel an Energie und Konzentration kann dazu führen, seinen Emotionen, Wünschen, Sehnsüchten, Ängsten und Bequemlichkeiten freien Lauf zu lassen, und dadurch wieder in alte, schädliche Angewohnheiten abzudriften. Ein solcher unbewusster oder unfreiwilliger Stilwechsel kann durch den Einfluss von Alkohol, Müdigkeit, Ablenkung, Frustration oder den Stil des Tisches entstehen.

Als Gegner müssen wir ein Auge dafür entwickeln, wenn/wann sich der Stil eines Gegners ändert. Vor allem, wenn ein Spieler am Verlieren ist, kann es sein, dass er aggressiver wird, also mehr blufft und semi-blufft. Auf Loosing Player müssen wir deshalb ein Auge werfen, um zu sehen, ob sich ihr Verhalten ändert.

Es kann auch sein, dass wir einen Spieler bei einer späteren Session neu bewerten müssen. Erlebten wir ihn beispielsweise als Maniac, muss es nicht bedeuten, dass er sich immer so verhält. Möglicherweise hatte er gerade eine Reihe von Bad Beats erfahren und befand sich On Tilt.

Strong oder weak

Neben der Earn Rate ist der Stil ein starkes Indiz für die Spielstärke. Die stärksten Spieler sind Tight-Aggressive, die schwächsten Loose-Passive. Es kann aber auch vorkommen, dass ein moderat guter Spieler Loose-Aggresive oder Tight-Passive ist. Die Einschätzung der gegnerischen Spielstärke ist besonders für die Seat Selection wichtig. Schwache Spieler sollte man in der Regel rechts von sich haben.

Die Datenbasis

Die Anzahl der Hände relativiert die Bedeutung der einzelnen Kriterien. Wenn ein Rock eine Serie von richtig guten Karten erhält, sehen wir ihn viel spielen und auch raisen. Er erscheint uns dann wie ein Loose-Aggressive Player (besonders, wenn es nicht zum Showdown kommt und wir seiner Monsterhände nicht gewahr werden).

Wir sollten uns also davor hüten, aus kurzfristigen Beobachtungen definitive Schlüsse zu ziehen. Nach 20 Händen ist der VPIP normalerweise schon einigermaßen aussagekräftig und zeigt zumindest Tendenzen an. Andere Kriterien, wie z. B. der Steal-Wert, benötigen deutlich mehr Hände. Es kommt ja nicht so häufig zu Steal-Situationen.

Für die Selbstanalyse sollte man auf mindesten 20.000 Hände zurückblicken können. Ab 60.000 Händen sind die Daten schon sehr zuverlässig.

PokerAce-Layout

Welche Daten sollte man sich auf den Tisch projizieren lassen? Am wichtigsten ist der Viererblock bestehend aus

1. VPIP
2. PFR
3. AF
4. Anzahl der Hände

Hinzufügen würde ich ferner

5. WTS
6. ATS (besonders in höheren Limit)