Umstiegsguide - Ein Vergleich von Full Ring und Shorthanded
Einleitung
Ich möchte euch hier keinen Artikel mit grundsätzlich neuen Strategien vorlegen. Dies soll lediglich eine Sammlung der wichtigsten Threads und Tips von uns zum Thema Shorthanded (SH) darstellen, um euch den Umstieg von Fullring (FR)zu erleichtern.
Warum überhaupt Shorthanded?
Nun, hierfür gibt es einige Gründe:
Erstens: Die Gegner auf den meisten Shorthand Tischen sind wesentlich schlechter als die auf Fullring Tischen. Das liegt vor allem daran, das es (noch) keine gute Literatur zu diesem Thema gibt.
Zweitens: Ihr seid gegen die schlechteren Gegner öfter in der Hand, was daran liegt, das man aufgrund der geringeren Anzahl der Spieler selber mehr Hände spielt.
Drittens: Man hat nicht nur durch die schlechteren Gegner eine höheren Gewinnerwartung, sondern auch durch die Tatsache, das mehr Hände gespielt werden (6 Spieler spielen eine Hand schneller als 10). Während man bei Fullring ca. 60 Hände in der Stunde spielt, spielt man bei Shorthanded etwa 80 Hände. Spiel ich also 4 Tische 5 Stunden lang mit jeweils 1BB/100, mache ich bei FR 12BB, bei SH 16BB.
Veränderungen zwischen Fullring und Shorthanded:
(An dieser Stelle möchte ich anmerken: SH ist nicht grundlegend anders als FR! Viele Spieler machen den Fehler und denken nun loose-aggresive spielen zu müssen, das ist absolut falsch! Tight is still right!)
Preflop:
Es ist wichtig das ihr, wenn ihr auf SH umsteigt, unbedingt anfangt euch mit dem [Strategie] Pre-flop: Starting Hands - Expert Theory 3.0 Artikel auseinander zu setzen. Diesen Artikel richtig zu meistern ist wohl einer der größeren Herausforderungen beim Umstieg. Wisst ihr nicht weiter oder seid ihr euch unsicher, solltet ihr, bevor ihr anfangt experimentell zu spielen, unbedingt wieder das Startinghandchart zur Hand nehmen. Auch ist es wichtig, euch bei SH mehr mit Blinddefence auseinander zu setzen, da auf SH aggressiver gespielt wird und damit öfter die Blinds attackiert werden, dies steht allerdings bereits im Preflop Artikel alles drin 
Postflop:
Durch die Tatsache, das eure Gegner viel looser spielen, halten eure Gegner auch viel seltener eine tatsächlich gute Hand. Das bedeutet, das ihr oft erleben werdet wie eure Gegner euch bluffen oder einen Move mit einem Middle/Bottompair machen. Dies führt dazu, das ihr selber aggressiver werden müsst um die Fehler eurer Gegner auszunutzen. So stellt z.B. ein Top Pair no Kicker eine wesentlich bessere Hand bei SH als bei FR dar, die man auch am Flop 3betten kann.
Dies ist natürlich auch sehr gegnerabhängig, womit ich zum nächsten Punkt komme. Da ihr bei Shorthanded wesentlich öfter gegen die gleichen Gegner spielt (Spielt ihr 1 Stunde an einem Fullring Tisch gegen die gleichen Gegner spielt ihr etwa 60 Hände, auf Shorthanded sind es etwa 80-100 Hände), ist es wichtig, dass ihr wisst wie euer Gegner spielt und wie man sich dies am besten zu nutze machen kann. Daher müsst ihr euch mit folgenden Threads zu dem Thema auch auseinandersetzen:
[Psychologie] Die Bedeutung der Kenntnis des gegnerischen Stils
[Strategie] Wie spiele ich gegen Rocks?
[Strategie] Wie spiele ich gegen Maniacs?
[Strategie] Wie spiele ich gegen Callingstations?
Auch werdet ihr immer öfter Heads-up am Flop sein, da ihr öfter isolieren könnt und ihr euch viel öfter in Steal-Situationen wiederfindet, weswegen ihr euch auch diesen Thread einverleiben solltet:
[Strategie] 2 Spieler am Flop - Standardmoves
Psychologisches:
Shorthanded ist swinglastiger, dies ist ein leidiger Fakt. Dadurch sollte man sich, wenn man auf Shorthanded umsteigt, darüber unbedingt im klaren sein. Man sollte sich daran gewöhnen, das Downs-wings im 100BB Bereich eine Normalität sind. Auch Swings über 200BB trifft man häufiger an und kann man als normal bezeichnen. Ist man bisher gut ohne Downswings ausgekommen, so sollte man sich präventiv damit auseinandersetzen und diesen Thread gut durcharbeiten, natürlich sollten sich auch alle anderen diesen Thread wenigstens einmal durchgelesen haben: [Psychologie] Downswing – eine psychologische Betrachtung
Richtig vorbereitet auf seinen ersten großen Downswing kann man natürlich nie sein.
Wann sollte ich wechseln?
Der beste Zeitpunkt zum Wechsel ist wohl, wenn man sich bereit dafür fühlt. Das hört sich jetzt recht banal an, aber eine bessere Antwort wird es nicht geben, da dies eine doch sehr individuelle Frage ist. Habt ihr Fullring gut geschlagen und sucht eine neue Herausforderungen, oder wenn ihr auch bei 4-tabling das Gefühl habt, nicht ausgelastet zu sein (aber dennoch nicht mehr Tische spielen wollt), so könnt ihr ja mal Shorthanded antesten um herauszufinden, ob es euch Spaß macht beziehungsweise ob es etwas für euch ist.
Seid ihr unentschlossen oder ist es euch schlichtweg egal, dann rate ich euch, sobald ihr das Limit 1$/2$ nachhaltig auf Fullring schlagt, auf 1$/2$ Shorthanded umzusteigen.
Wie viele Tische sollte ich am Anfang spielen?
Wohl auch eine essenzielle Frage für alle Interessierten. Um den oben genannten Fehler, loose-aggressive zu werden, zu vermeiden, solltet ihr erst einmal nur wenige Tische Spielen, am besten maximal 2, um ein Gefühl für SH zu bekommen und auch ein Gefühl für die richtige aggression. Nehmt euch am Anfang wirklich die Zeit zu überlegen. Seid ihr sicher, das ihr dieses Gefühl habt, könnt ihr die Anzahl der Tische erhöhen wenn ihr euch unterfordert fühlt.
Table- und Seatselektion:
Table Selektion halte ich auf den niedrigen Stakes für nicht so wichtig. Der Grund ist, dass es wirklich extrem viele schlechter Spieler gibt und man nicht nach ihnen suchen muss. Natürlich müsst ihr, wenn ihr an einem Tisch , der extrem tight (unter 30 VPIP auf den unteren Stakes würde ich als extrem tight bezeichen), euch einen neuen Tisch suchen. Echte Table Selektion mit Buddylist oder ähnliches ist aber wirklich nicht nötig, dies benötigt man effektiv erst ab 10/20$. Die Seatselektion halte ich da schon für wesentlich wichtiger. Es gibt nichts schlimmeres als einen, oder gar mehrere, loose-aggressive Spieler zu seiner linken zu haben. Der Grund dafür ist, das man sehr oft vom LAG isoliert wird und dann nicht weiß wo man steht. Die 3-bet Range von einigen dieser Spieler scheint any Pockets, any Ace und any two Facecards zu umfassen und da diese Spieler oft sehr tricky sind ist es immer ein schweres Los ohne Position auf sie zu spielen.
BR Management:
Ich würde hier ein tightes BR Management empfehlen, von 500BB für den Limitaufstieg. Der Grund dafür liegt in der Swinglastigkeit. Wie erwähnt sind Swings über 100BB keine Seltenheit und oft passiert es, das man einfach nicht auf seine BR achtet. Auf einen Schlag hat man dann die hälfte seiner BR wegen etwas Pech verspielt und findet sich zwei Limits drunter wieder, vor allem weil alles so verdammt schnell ging (es ist wirklich absolut normal, ich kann es nicht oft genug betonen). Daher sollte man meiner Meinung nach ein größeres Polster haben.