Preflop: Handkategorien
Einleitung
In diesem Artikel
- woraus beziehen bestimmte Hände ihre Stärke
- wie kannst du sie je nach Situation vor dem Flop profitabel spielen
Bei Texas Hold'em gibt es 1326 mögliche Kombinationen von Starthänden, wovon natürlich nicht alle gleich stark bzw. profitabel spielbar sind.
Ob eine bestimmte Hand spielbar ist und wie du sie am besten spielen solltest, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von deiner Position am Tisch.
Pocket Pairs
Hohe Paare (AA-TT)
Die stärksten Starthände, die du in Texas Hold'em bekommen kannst, sind hohe Pocket Pairs. Das gilt grundsätzlich unter allen Spielbedingungen (sowohl gegen wenige, als auch gegen viele Gegner, in passiven wie auch in aggressiven Spielen).
Mit einem hohen Paar wirst du gegen wenige Gegner am Flop häufig die beste Hand halten, auch wenn sich deine Hand nicht weiter verbessert.
Je mehr Gegenspieler du hast, desto unwahrscheinlicher wird es dagegen, dass du mit einem hohen Paar noch die beste Hand hältst.
| WICHTIG | |
| Je weniger Gegner du am Flop hast, desto eher wirst du mit einem hohen Paar die beste Hand halten. | |
Entwickelt sich dein hohes Paar zu einer noch stärkeren Hand, beispielsweise zu einem Drilling oder sogar zu einem Full House, so kannst du damit einen großen Pot gewinnen.
Die Stärke eines Paares richtet sich logischerweise nach seiner Höhe. Je höher dein Pocket Pair, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit, dass du gegen ein anderes Pocket Pair verlierst (im Fall von AA stellt sich dieses Problem natürlich gar nicht).
AA und KK sind die besten Starthände, die du bekommen kannst. Preflop bezeichnet man sie als Monster und du solltest versuchen mit diesen Händen so viel Geld wie möglich in den Pot zu bekommen. Das erreichst du, indem du aggressiv setzt und erhöhst.
Auch mit QQ solltest du auf diese Weise verfahren.
JJ und TT sind ebenfalls noch sehr gute Starthände, die einen deutlichen höheren Erwartungswert haben als die durchschnittlichen Starthände deiner Gegner, weshalb du mit ihnen immer erhöhen solltest, wenn es vor dir keine Erhöhung gegeben hat.
Jedoch solltest du mit diesen Händen schon etwas mehr Vorsicht walten lassen, wenn es vor dir eine oder mehrere Erhöhungen gegeben hat, da deine Hand in einer solchen Situation möglicherweise von einem höheren Paar dominiert wird.
| WICHTIG | |
| Sei dir einer möglichen Dominierung bewusst und spiele dementsprechend vorsichtiger! | |
Mittlere Paare (99-77)
Ähnlich wie die hohen Paare, sind auch mittlere Paare langfristig profitabel spielbare Starthände.
- Gegen einen oder zwei Gegner wirst du mit einem mittleren Paar oft die beste Hand halten, auch wenn sich deine Hand nicht zu einem Drilling verbessert.
- Gegen mehrere Gegner sind mittlere Paare zwar auch noch langfristig profitabel, jedoch wirst du hier am Flop meist einen Drilling treffen müssen, um deine Hand weiterspielen zu können.
Triffst du mit einem mittleren Paar am Flop einen Drilling, so sind Gegner mit einer loose-aggressive Spielweise ideal für dich, denn sie werden auch mit einem einzelnen Paar setzen und erhöhen und somit Geld in den Pot bringen, jedoch kaum eine Chance haben, deine Hand bis zum Showdown zu überholen.
An einem vollbesetzten Tisch mit möglichst vielen loosen Gegnern kannst du mit einem mittleren Paar limpen, wenn du in früher Position als Erster an der Reihe bist.
Die loosen Gegner hinter dir, welche oft ebenfalls mit vielen Händen nur mitgehen werden, garantieren dir gute implied Odds.
Wenn du mit einem mittleren Paar in mittlerer Position als Erster an der Reihe bist, solltest du immer erhöhen.
Hat vor dir bereits ein Gegner gelimpt, solltest du versuchen, ihn mit einer Erhöhung zu isolieren. Gegen einen einzelnen Gegner wirst du hier oft die beste Hand halten.
Sind vor dir allerdings mehrere Gegner in die Hand eingestiegen, solltest du ebenfalls nur mitgehen, denn, wie oben schon gesagt, wirst du gegen mehrere Gegner selten die beste Hand halten, wenn sich dein mittleres Paar nicht zu einem Drilling verbessert.
Kleine Paare (66-22)
Mit kleinen Paaren, solltest du vor dem Flop so wenig Geld wie möglich investieren, da du mit diesen in der Regel nur gewinnen wirst, wenn du einen Drilling oder ein Full House triffst.
| WICHTIG | |
| Je kleiner ein Pocket Pair ist, desto geringer ist deine Chance, damit zu gewinnen ohne einen Drilling zu treffen, auch gegen wenige Gegner. | |
Da du aber nur in etwa 12% der Fälle am Flop den Drilling triffst, solltest du kleine Paare am besten in Spielen mit vielen loosen Gegnern spielen, da diese dir gute implied Odds geben.
- Wenn du dann mit einem kleinen Paar ein Drilling oder gar ein Full House triffst, wirst du sehr oft gut ausbezahlt.
- Verbessert sich deine Hand nicht, solltest du bei mehreren Gegnern auf eine Erhöhung hin aussteigen.
In sehr loosen Spielen auf den kleineren Limits kannst du mit kleinen Paaren aus früher Position limpen.
Generell sind alle Paare spielbar, wenn zwei Spieler vor dir mitgegangen sind, es aber keine Erhöhung gab.
Wenn schon drei oder mehr Spieler in die Hand eingestiegen sind, kannst du alle Paare auch nach einer Erhöhung spielen.
Suited Hands
Hohe suited Broadways (AKs-ATs, KQs, KJs)
Hohe gleichfarbige Karten, so genannte hohe suited Broadways, sind die stärksten nicht gepaarten Hände und kommen in der Hold´em-Hierarchie gleich nach den hohen Paaren (AKs hat sogar einen deutlich höheren Erwartungswert als TT).
Sie sind unter allen Spielbedingungen hervorragende Starthände.
- Wenn du am Flop ein Top-Paar triffst, hast du immer einen guten Kicker.
- Da diese Hände suited, also gleichfarbig sind, bestehen zusätzliche Flushmöglichkeiten, welche diese Starthände weiter aufwerten.
Wenn es vor dem Flop keine Erhöhung gegeben hat, solltest du mit diesen Händen aufgrund des gegenüber durchschnittlichen Starthänden höheren Erwartungswertes immer erhöhen.
Wurde vor dir schon erhöht und du hast nur einen Gegner, so musst du dich je nach Position und Profil des Gegners zwischen einem Reraise oder einem Fold entscheiden. Um in derartigen Situationen eine richtige und langfristig profitable Entscheidung treffen zu können, solltest du dich mit der Preflop-Strategie für Fortgeschrittene vertraut machen.
Sind schon mehrere Spieler vor dir in die Hand eingestiegen, so kannst du auch einmal eine Erhöhung mitgehen.
Kleine suited Broadways (KTs, QJs, QTs, JTs)
Diese Hände verfügen zwar über weniger High-Card-Stärke, sprich machen seltener ein gutes Top-Paar, aber über gute Straßen- und Flushmöglichkeiten, weshalb du mit ihnen, vor allem gegen loose Gegner in Händen mit vielen Spielern am Flop häufig noch einen Vorteil hast.
Bedenke aber, dass Top-Paare mit diesen Händen deutlich schwächer sind als mit den hohen suited Broadways, da es wahrscheinlicher ist, auf ein anderes Top-Paar mit besserem Kicker zu treffen.
Mittlere & kleine suited Aces (A9s-A2s)
Ein Ass mit einem mittleren oder kleinen Kicker in der gleichen Spielfarbe ist vor allem in loosen Spielen gegen mehrere Gegner (z.B. in den kleineren Limits) eine gute Starthand.
- Durch das Ass hat die Hand eine gewisse High-Card-Stärke.
- Durch die Gleichfarbigkeit besteht die Möglichkeit, dass du mit dem Nutflush am Turn und am River gut ausbezahlt wirst.
Sei dir aber bewusst, dass diese Hände durch den schwachen Kicker spekulative Hände sind. Oft wirst du zwar dein Ass treffen, aber von einem anderen Ass mit höherem Kicker dominiert sein. Daher ist die Höhe des Kickers hier sehr wichtig.
| WICHTIG | |
| A9s-A2s sind spekulative Hände. | |
A9s ist eine erheblich stärkere Hand als A2s. Eine Neun kann oft der bessere Kicker sein, während das bei einer Zwei unmöglich ist. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, am Showdown mit einem Paar Neuner zu gewinnen, viel höher als mit einem Paar Zweier.
Vor allem weniger erfahrene Spieler bevorzugen A5s-A2s wegen der zusätzlichen Wheel-Möglichkeit (ein sog. Wheel ist die kleinste Straße A2345). Untersuchungen haben ergeben, dass A5s wirklich minimal stärker ist als A6s, in allen anderen Fällen jedoch ist die Hand mit dem höheren Kicker besser.
Besonders gut kannst du mit suited Aces, wie gesagt, gegen mehrere loose Gegner spielen, die oft mit schwachen Händen limpen.
- Die mittleren suited Aces (A9s-A7s) kannst du in später Position nach dem Starting-Hands-Chart erhöhen.
- Die kleinen suited Aces dagegen solltest du nach mehreren Gegnern, die bereits gelimpt haben, auch nur limpen.
Durch die schon erwähnte High-Card-Stärke eignen sich suited Aces desweiteren auch gut zum Blind-Stealing (schaue dir hierzu das Open-Raising-Chart an), da du hiermit gegen zufällige Hände der Blinds vor dem Flop oft die beste Hand hältst.
Hast du dann am Flop nur noch einen oder zwei Gegner, kannst du den Pot oft genug mit einer Continuation Bet gewinnen.
Hat ein Spieler vor dir erhöht, solltest du mittlere und kleine suited Aces nicht mehr spielen, es sei denn du sitzt in den Blinds, weil die Gefahr von einem Ass mit höherer Beikarte
dominiert zu sein, dann zu groß ist.
Suited Kings & suited Queens (K9s-K2s, Q9s-Q2s)
Bei diesen Händen handelt es sich um relativ schwache, spekulative Hände. Außerhalb des Big Blinds oder Small Blinds solltest du sie nur in später Position nach vielen Limpern spielen.
Diese Hände leben stark von ihrem Flush-Potential. Triffst du mit ihnen ein Paar am Flop, besteht häufig das Problem der Domination. Sie sind vor allem deshalb schwächer als suited Aces, weil ein Split Pair of Kings oder Queens erheblich seltener gewinnt, als ein Top-Paar Aces.
Es besteht zwar die Möglichkeit, mit einem King- oder Queen-High Flush gegen einen Nutflush zu verlieren, das kommt allerdings erheblich seltener vor als viele Spieler glauben.
Suited Connectors & suited One-Gappers(T9s-54s, J9s-64s)
Alle diese Hände leben von ihren Flush- und Straßenmöglichkeiten, da sie keinerlei High Card Stärke haben und somit allesamt spekulative Hände sind.
Häufig wirst du mit diesen Händen am Flop einen schwachen Draw treffen, zum Beispiel einen Gutshot oder ein mittleres Paar. Gegen aggressive Gegner, die oft setzen und erhöhen, wird es hier für dich meistens zu teuer und du musst die Hand am Flop aufgeben. Loose-passive Gegner sind dagegen ideal, da sie dir oft Freecards geben werden.
Diese spekulativen Starthände sind generell nur aus später Position gegen viele Gegner für nur eine Bet oder aus den Blinds spielbar.
Suited Trash
Alle anderen suited Starthände werden auch als suited Trash bezeichnet. Sie haben keine Stärke und sind langfristig nicht profitabel spielbar.
Viele deiner Gegner werde solche Hände dennoch häufig spielen, was ein großer Fehler ist, den du nicht machen solltest.
Spiele suited Trash niemals, es sei denn du sitzt in den Blinds.
Offsuit Hands
Big offsuit Broadways (AKo, AQo, AJo, KQo)
Die großen Asse und KQ sind die besten nicht gepaarten Offsuit-Starthände. Mit ihnen wirst du häufig Top-Paar treffen und damit viele kleine und mittlere Pötte gewinnen.
Aufgrund ihrer besonderen High-Card-Stärke handelt es sich bei den big offsuit Broadways um starke, langfristig profitable Starthände, auch wenn sie gegenüber suited Händen, vor allem gegen viele Gegner generell etwas benachteiligt sind.
Um den Equity-Vorteil dieser Hände gegenüber schwachen Händen von zu loosen Gegnern zu nutzen, solltest du mit diesen Händen immer erhöhen, wenn das vor dir noch kein Gegner getan hat.
Gab es vor dir bereits eine Erhöhung, solltest du im Rahmen der fortgeschrittenen Preflop-Theorie deine Chancen einschätzen und dementsprechend erneut erhöhen oder deine Hand aufgeben.
Little Offsuit Broadway (ATo, KJo, KTo, QJo, QTo, JTo)
Diese Hände sind nur marginal profitabel und du solltest sie aus früher und früher mittlerer Position meistens folden. In später Position gegen zu loose Gegner sind sie aber definitiv spielbar.
Bei diesen Händen solltest du allerdings genau beachten, welche Gegner vor dir eingestiegen sind. Wenn Rocks (Spieler die wenige Karten spielen) in früher Position limpen, können sie durchaus eine Hand halten, die die kleinen offsuit Broadways dominiert.
Sie sind genau wie die hohen offsuit Broadways grundsätzlich Top-Paar-Hände, allerdings ist Split Top Pair bei diesen Händen um einiges schwächer, da du einen schwächeren Kicker hast und mehr Overcard-Draws möglich sind.
Offsuit Trash
Alle anderen Offsuit Hands sind zu schwach, um damit freiwillig Geld in die Hand zu investieren. Die einzige Ausnahme davon sind Asse mit kleinem Kicker, die du benutzen kannst, um die Blinds zu attackieren.
Zusammenfassung
Du hast nun einen Überblick über verschiedene Gruppen von Starthänden, ihre Stärken, ihre Schwächen und du weißt nun, in welchen Situationen du welche Hand wie spielen solltest.
Die Entscheidung ob und wie du eine Hand profitabel spielen kannst, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die du dir kurz ins Gedächtnis rufen solltest, bevor du dich entscheidest eine Hand auf eine bestimmte Weise zu spielen:
- Wie groß ist die generelle Stärke deiner Hand? (Hohes Paar > starke Hand / small suited Connectors > spekulative Hand)
- Wie spielen deine Gegner? (loose oder tight / aggressiv oder passiv)
- Gegen wie viele Gegner spielst du?
- In welcher Position sitzt du?
- Ist deine Hand suited oder offsuited?
Da dieser Artikel sich fast ausschließlich mit Überlegungen zum Preflop-Spiel beschäftigt hat, solltest du dich, um dein Spiel am Flop und auf den weiteren Straßen zu verbessern, mit den entsprechenden Postflop-Artikeln beschäftigen.