Konzepte: Das Freecardraise
Einleitung
In diesem Artikel
- Wann ein Freecardraise überhaupt Sinn macht
- Freecardraise vs. Induzieren von Overcalls
- Das Freecardraise im Heads-up
Das Freecardraise ist ein Raise am Flop mit der Intention, am Turn zu checken und so umsonst den River zu sehen. Dafür nutzt du die Tatsache aus, dass die meisten Spieler zum Aggressor der letzten Setzrunde checken.
Ein Freecardraise kann entweder mit der Intention gespielt werden, günstig einen Draw zu treffen, oder aber als so genanntes Cheap-Showdown-Raise, durch das du deine Hand günstig zum Showdown bringen möchtest. Das Cheap-Showdown-Raise ist aber selten die beste Entscheidung am Flop, so dass sich dieser Artikel hauptsächlich mit Draws beschäftigt, die du gern so günstig wie möglich spielen möchtest.
Die Vor- und Nachteile des Freecardraises
Wenn ein Freecardraise erfolgreich ist, zahlst du 2 SB = 1 BB, um Turn und River zu sehen.
Wenn du den Flop nur callst und dann am Turn eine Bet callen musst, zahlst du hingegen 3 SB = 1,5 BB. Bestenfalls sparst du also 0,5 BB mit einem geglückten Freecardraise.
Für den Fall, dass der oder die Gegner aber am Turn gar nicht noch einmal gebettet hätten, würdest du mit dem Freecardraise 0,5 BB mehr zahlen als mit einem Call.
Wenn ein Gegner den Raise am Flop zwar nur callt, dafür aber den Turn donkt, zahlst du ebenfalls 0,5 BB mehr. Im ungünstigsten Fall bekommst du am Flop eine 3-Bet, so dass du insgesamt sogar eine BB mehr zahlst, um den River zu sehen, als durch einen Call am Flop.
Wie du siehst, muss das Freecardraise relativ oft erfolgreich sein, damit es sich lohnt, da es viele ungünstige Umstände gibt, die deine Hand im Vergleich zu einem Call am Flop teurer machen können. Einen Ausnahmefall gibt es, wenn du einen starken Draw hast und das Raise isoliert betrachtet schon for Value ist.
Weitere, generelle Nachteile des Freecardraises sind, dass du keine Chance hast, Foldequity an den big Streets zu nutzen. So könnte es sein, dass der Gegner selbst schon am Turn den Mauszeiger auf dem Foldbutton hat und sich über die gewonnen Freecard sogar freut.
Weiterhin verrät ein Checkbehind am Turn einem aufmerksamen Gegner oft deine Hand, was deine implied Odds für einen Treffer am River verringert und dich weiterhin anfällig für gut platzierte Bluffs macht.
Wann das Freecardraise angebracht ist und wann es wenig Erfolg verspricht und ein Call besser ist, lernst du in diesem Artikel.
Das Value- und Freecardraise
Du kannst von einer Freecard am Turn nur profitieren, wenn du sicher bist, nicht die beste Hand zu halten. Wenn du noch vorne liegst, nützt die Freecard nur deinen Gegnern, denen du so günstig die Chance gibst, dich zu überholen.
Ein typischer Fall für ein Freecardraise ist, wenn du einen starken Draw (OESD oder Flushdraw) gegen mehrere Gegner hast. In diesem Fall hast du selten die beste Hand und das Freecardraise ist gleichzeitig auch ein Valueraise.
Falls also ein Gegner 3-betten sollte, ist das nicht von Nachteil für dich. Im Gegenteil! Wie du weißt, kannst du starke Draws gegen zwei oder mehr Gegner for Value raisen, weil du eine überdurchschnittliche Equity hast. Du profitierst also unmittelbar von jedem Dollar, der am Flop in den Pot geht. Selbst out of Position wäre es also ggf. sinnvoll, zu betten und zu reraisen.
Bist du in Position, ist das Valueraise besonders sinnvoll. Dann ist es auch gleichzeitig ein Freecardraise. Hast du in einem Multiwaypot nur noch einen Gegner mit Position auf dich hinter dir und es haben bereits Spieler eingezahlt, kannst du dir mit dem Raise den Button kaufen, also den Gegner hinter dir zum Folden zu bringen. Es lohnt sich dann in Kauf zu nehmen, den einen ‚Kunden’ zu vertreiben für den Vorteil, am Turn Position zu haben. In Position in einem Multiwaypot lohnt es sich fast immer, mit einem Draw zu raisen.
Wann solltest du selbst mit starken Draws keinen Freecardraise machen?
Wenn du riskierst, mit dem Raise zu viele Gegner zu vertreiben, die eine einzelne Bet oft noch callen würden, solltest du am Flop deinen Draw nur callen. Mit einem Draw möchtest du möglichst viele Gegner in der Hand haben. Mit einem Raise läufst du manchmal Gefahr, dich gegen eine bessere Hand zu isolieren, was nicht in deinem Interesse ist.
Preflop: Hero is CO with A
2 folds, UTG calls, MP calls, Hero raises, BU calls, 1 folds, BB calls, UTG calls, MP calls.
Flop:(10.5 SB) J

BB checks, UTG checks, MP bets, Hero calls for overcall
Wenn du hier raisen würdest, hättest du zwar die Chance, am Turn die Freecard zu bekommen, würdest allerdings dafür in Kauf nehmen, die Gegner hinter dir aus der Hand zu drängen. Gegen einen Gegner wäre das Raise nicht mehr for Value.
In diesem Fall hat es mehr Value, nur zu callen, um einen Overcall der Gegner hinter dir zu induzieren und sie in der Hand zu halten. Oft würden sie nämlich für eine Bet callen, gegen ein Raise aber folden.
Preflop: Hero is CO with A
2 folds, UTG calls, MP calls, Hero raises, BU calls,1 folds, BB calls, UTG calls, MP calls.
Flop:(10.5 SB) J

BB bets, UTG calls, MP calls, Hero raises for Value und Freecard
Hier kommt zwar auch noch ein Gegner hinter dir dran, aber es sind bereits drei Gegner in der Hand, die auch für eine Bet nicht mehr folden werden. Außerdem kannst du dir hier mit einem Raise den Button zum Folden bringen, was es dir ermöglichen kann, am Turn eine Freecard zu nehmen.
Das Raise ist also for Value, d.h. unmittelbar profitabel und es ermöglicht dir, den Button zu kaufen und somit am Turn eine Freecard zu nehmen, wenn eine Bet nicht mehr for Value wäre.
Preflop: Hero is CO with A
1 folds, MP calls, Hero raises, BU calls, 1 fold, BB calls, MP calls
Flop:(9.5 SB) T

BB checks, MP bets, Hero raises, BU folds, BB calls, MP calls.
Turn:(7.75 BB) 3
UTG checks, MP checks, Hero checks.
Auch mit einem schwächeren Draw kannst du for Freecard raisen. Hier hast du einen Gutshot und eine Overcard, was einen mittelstarken Draw darstellt. Das Raise hat den Effekt, dass du dir den Button kaufen und am Turn unimproved die Freecard nehmen kannst.
Außerdem hast du die Chance, bessere Hände hinter dir zum Folden zu bringen.
Manchmal hat MP nur einen OESD und du isolierst dich so gegen eine schwächere Hand und bringst den Winner zum Folden. Du hast auch eine weitere Chance mit dem Raise: Du kannst Outs kaufen. Wenn einer der beiden Gegner hinter dir ein Pair mit einer Q oder einem A hält, z.B. A7 oder QT, kannst du ihn mit deinem Raise manchmal zum Folden bringen. So hast du deine Outs ‚gesäubert’ und selbst zwei Outs gewonnen.
Der Cap for Freecard
Analog zum Raise for Freecard, kannst du auch einen Freecardcap spielen. Du hoffst, damit Stärke zu zeigen und die Gegner dazu zu animieren, am Turn zu dir hinzuchecken. Oft genug versuchen sie auch, am Turn zu checkraisen, was dir ebenfalls eine Freecard ermöglicht. Besonders gut ist dieses Play wiederum, wenn es auch for Value ist.
Preflop: Hero is BU with A
UTG calls, 2 folds, Hero raises, SB calls, BB calls, UTG calls.
Flop:(8 SB) J

SB checks, BB bets, UTG calls, Hero raises, SB calls, BB 3-bets, UTG folds, Hero caps (Freecard und Value), SB calls, BB calls.
Diese Situationen kommen allerdings im Shorthanded-Spiel eher selten vor. Gerade in höheren Limits sieht man selten mit drei oder mehr Gegnern den Flop, so dass ein Value- und Freecardraise nicht oft möglich ist.
Wenn man weniger Gegner hat (einen oder zwei), hat man allerdings oft eine gute Chance, mit einem starken Draw zu semibluffen, sollte also ggf. aggressiv for Foldequity spielen. Mit einem Freecardraise am Flop hast du selten direkte Foldequity, weil der Gegner nur noch eine Small Bet zu zahlen hat.
Das Freecardraise verliert so an Attraktivität. Die Gegner werden mit steigenden Limits nicht nur tighter, sondern auch aggressiver. Damit hat das Freecardraise wiederum weniger Erfolgsaussichten, da man am Flop eine 3-Bet bekommt. Gute Gegner wissen auch um die Möglichkeit eines Freecardraises und sind in der Lage, sich daran anzupassen, also eine Line zu spielen, die den Erfolg deines Freecardraises verhindert. Das Freecardraise verliert also im Shorthanded und gegen bessere und aggressivere Gegner generell an Bedeutung.
Weiterhin kommt man postflop oft in Heads-up-Situationen, in denen das Freecardraise eher Nachteile mit sich bringt. Darum ist es auch wichtig, zunächst die Situationen darzustellen, in denen du nicht einen Raise mit Freecardintention platzieren solltest.
Die Nachteile des Freecardraises
Das Freecardraise ist bei vielen Spielern ziemlich beliebt, obwohl es viele Nachteile hat und von aufmerksamen Spieler exploitet werden kann. Und auch schlechtere Spieler können diesen mit Donkbets oder 3-Bets wirkungslos machen. Wann solltest du also nicht für eine Freecard den Flop raisen?
Maniacs und LAGs spielen oft überaggressiv mit marginalen Händen und reraisen sehr oft, eventuell auch als Bluff. Gegen solche Gegner ist das Freecardraise unangebracht, weil es selten funktionieren wird.
Auch TAGs sind keine guten Opfer für die Line. Die Standardline von TAGs oop mit Initiative ist bet/3-bet Flop, bet Turn. Sie sind immer sehr darauf bedacht, ihre Hand zu protecten und keine Freecards zu vergeben. Sie werden neben Draws und starken Händen oft genug auch mittlere made Hands oop am Flop straightforward spielen, besonders auf drawlastigen Boards. Die Chancen für ein erfolgreiches Freecardraise stehen also nicht sehr gut. Ein weiterer Grund das gegen Freecardraises gegen TAGs spricht, ist die mögliche Foldequity an den big Streets, wenn sie nicht sehr showdownbound sind. Daher hat gegen TAGs oft eine Bet am Turn oder call Flop, raise Turn einen höheren EV als raise Flop, check behind Turn.
Ein weiterer natürlicher Feind des Freecardraises ist der Donkey, also ein Gegner, der häufig entgegen der Initiative bettet. Diese Gegner sind in der Regel semiaggressive Fische, z.B. mit 40/13/1,1/43-Stats. Sie 3-betten zwar nicht oft, geben aber auch genauso selten eine Freecard am Turn, wenn sie eine spielbare Hand haben.
Die Stats lassen einen solchen Spieler zwar erahnen, einen wirklichen Aufschluss über die Donk-Frequenz lässt sich aber nicht ableiten. Daher ist es wichtig einen guten Tableread zu generieren und sich Notes zu machen.
Generell neigen die Gegner auf Lowcardboards dazu, mit Toppair ein Raise am Flop zu callen und am Turn zu donken. In der Regel wollen diese Spieler erst die Turnkarte sehen, bevor sie weiter investieren. Kommt am Turn keine hohe Karte, fühlen sie sich sicher und donken. Damit spielen sie, ohne es wirklich zu verstehen, eine gute Konterline gegen ein Freecardraise.
Der Hauptgrund, warum das Freecardraise im Heads-up selten die optimale Spielweise darstellt, ist, dass du dadurch die Chance vergibst, die Hand ohne Showdown zu gewinnen.
Besonders wenn du einen Draw hast, also Hände die für ein Freecardraise in Frage kommen, benötigst du weniger Foldequity als normalerweise. Da du nur noch einen Gegner aus dem Pot zu drängen hast, solltest du meistens die Chance nutzen und aggressiv auf Foldequity spielen. Dafür ist aber raise Flop, bet Turn oder noch besser call Flop, raise Turn die besser geeignete Line.
Preflop: Hero is BB with 5
SB raises, Hero calls.
Flop:(10.5 SB) J

SB bets, Hero raises, SB calls.
Turn:(11.75 BB) K
SB checks, Hero checks
River:(11.75 BB) 2
SB checks, Hero checks
SB shows: Q

Du hast zwar erfolgreich for Freecard geraist, dafür aber nicht die Chance genutzt, den Pot auch unimproved zu gewinnen. Hättest du aggressiv for Foldequity gespielt und den Turn gebettet (oder call Flop, raise Turn gespielt), wäre der Pot deiner gewesen.
Viele Leute raisen for Freecard und schneiden sich damit ins eigene Fleisch, weil sie selbst die beste Hand haben und somit für den Gegner for Freecard raisen. Er profitiert also als einziger davon. Du müsstest deine Hand eigentlich vor Händen schützen, die oft sechs Outs gegen dich haben.
Preflop: Hero is BB with A
SB raises, Hero calls.
Flop:(10.5 SB) 6

SB bets, Hero raises, SB calls.
Turn:(11.75 BB) 4
SB checks, Hero checks
River:(11.75 BB) J
SB bets, Hero calls
SB shows T

Gegen eine Openraising-Range vom Small Blind ist deine Equity sehr gut und du liegst oft vorne. Du solltest also entweder nur callen oder nach einem Flopraise auch den Turn betten. Raise Flop, check behind Turn erreicht wenig, da so keine besseren Hände folden und du ihm oft eine Freecard für sechs Outs gibst.
Wenn du SD-Value hast und deine einzige Intention des Raises am Flop ist, günstig zum River zu kommen, um dort eine Bet zu callen (wie im Beispiel), nennt man das auch Cheap-SD-Raise.
Dieser Move ist aber selten gut, da du dem Gegner oft die Freecard für sechs Outs gibst und dich außerdem anfällig machst für Rebluffs am Flop, z.B. von Draws.
Es wurden viele Argumente gegen das Freecardraise vorgebracht. Obwohl es oft nicht gut ist, hat es seine Berechtigung und kann manchmal gewinnbringend eingesetzt werden.
Wann ist das Freecardraise im Heads-up gut?
Generell solltest du das Freecardraise nur in Situationen versuchen, in denen es gute Aussichten auf Erfolg hat. Du musst dir also angesichts des Boards und/oder des Gegners gute Chancen ausrechnen, weder am Flop eine 3-Bet zu kassieren, noch am Turn mit einer Donkbet konfrontiert zu werden.
Solche Gegenspieler werden selbst mit stärkeren Händen selten den Flop 3-betten und selten den Turn donken. Wenn du außerdem sicher bist, dass du sie nicht dazu bringen kannst, eine bessere Hand zu folden, kommt das Freecardraise in Frage. Gegen Gegner mit niedrigem WTS solltest du besser versuchen, die Hand unimproved zu gewinnen und demnach den Turn eher nochmal bluffbetten (oder call Flop, raise Turn spielen).
Wie bereits erwähnt, sind aber auch vermeintlich passive Gegner oft in der Lage, den Turn zu donken, nachdem du den Flop raist. Du solltest also deine Gegner gut beobachten, um entscheiden zu können, wie viel Erfolgsaussichten dein Move wirklich hat.
SB: 35 / 14 / 1.0 / 45 (VPIP / PFR / AF / WTS)
Preflop: Hero is BB with T
SB raises, Hero calls.
Flop:(4 SB) 6

SB bets, Hero raises, SB calls.
Turn:(4 BB) 4
SB checks, Hero checks
River:(4 BB) T
SB checks, Hero bets, SB calls.
Dieser Gegner ist preflop passiv, hat also nach seinem Openraise meist K high oder A high, wenn er kein Pocketpair hat. Da er sehr showdownbound ist, wird er diese Hände nicht folden. Du hast also keinen guten Spot für einen Bluff. Ein Freecardraise ist aber erfolgversprechend. Der Gegner ist passiv und wird daher nie 3-betten, wenn er kein hohes Pocket hat, was kein großer Teil seiner Range ist.
Viele Spieler (auch die meisten TAGs) spielen mit guten made Hands und Draws out of Position straightforward, also bet/3-bet Flop, bet Turn. Gegen solche Gegner lohnt ein Freecardraise selten. Andere Gegner versuchen aber mit guten Händen den Turn zu checkraisen, ihre bevorzugte Line ist also bet/call Flop, check/raise Turn. Das kommt dem Freecardraise natürlich sehr entgegen.
Wenn du einen solchen Read gesammelt hast, kannst du die Line spielen. Einen Hinweis können Stats geben. Ein hoher Turn-AF im Vergleich zum Flop-AF deutet daraufhin, dass der Gegner mit seinem Raise oft zum Turn wartet. Du kannst auch überprüfen, ob der „Checkraise Turn“-Wert hoch ist. Viele TAGs haben dort einen Wert zwischen 9-12%. Mehr als 15% deutet schon auf eine Vorliebe hin, oop die Aggression auf den Turn zu verlagern.
Generell ist es besonders auf eher trockenen Boards wahrscheinlich, dass der Gegner ein Checkraise am Turn versucht. Er glaubt, weniger protecten zu müssen, und wird dich oft auf einen puren Bluff oder eine made Hand setzen. Er wird dann davon ausgehen, dass du auch den Turn betten wirst, da du entweder deine made Hand protecten oder einen Bluff fortführen möchtest. Unter solchen Voraussetzungen spielen auch TAGs diese Line gerne, was es dir ermöglicht, erfolgreich for Freecard zu raisen. Dies ist dann besonders gut mit eher versteckten Draws anwendbar.
SB: TAG
Preflop: Hero is BU with 6
Hero raises, SB 3-bets, BB folds, Hero calls.
Flop:(7 SB) Q

SB bets, Hero raises, SB calls.
Turn:(3 BB) 4
SB checks, Hero checks
Auf diesem Board wird der Tag selten den Flop 3-betten. Er wird dich nie auf einen Draw setzen, sondern eigentlich immer auf ein Pair oder einen Bluff. Gegen beides ist es für ihn gut, wenn er auf den Turn mit seinem Move wartet, weil er davon ausgehen kann, dass du beides noch einmal bettest. Das Freecardraise ist hier mit dem Gutshot also vielversprechend. Hinzu kommt, dass du schon am Flop minimale Foldequity hast.
Wichtig ist, dass du davon ausgehst, dass der Gegner hier A high zum Showdown bringen wird. In diesem Fall wäre eine Fortführung des Bluffs nicht gut, was die Freecard zu einer guten Option macht. Gegen einen weaken Gegner solltest du natürlich am Turn weiterfeuern und ihn seine Hand folden lassen.
Je nach Boardstruktur kann ein Flopraise unmittelbare Foldequity haben. Wenn der Gegner keine Overcard und keinen Draw hält, wird er oft direkt auf den Flopraise folden. Das ist meistens nur auf Boards mit mindestens einer Highcard möglich.
Wenn der Gegner allerdings trotz eines solchen Boards das Flopraise callt, deutet das meist auf eine spielbare Hand hin, die er auch am Turn nicht folden wird. In diesem Fall kannst du dann am Turn mit einer schlechteren Hand von einer Freecard profitieren. Du kombinierst mit dieser Line also einen (Semi-)Bluff mit einem Freecardraise.
Wiederum besteht die Gefahr, eine 3-Bet zu bekommen. Diese ist allerdings auf den entsprechenden Boards (trocken mit Highcard) nicht sehr hoch, weil der Gegner nicht sehr oft getroffen haben wird und auch selbst Draws selten aggressiv spielen kann.
SB: 28, 22, 1.8, 35
Preflop: Hero is BU with 8
Hero raises, SB 3-bets, 1 folds, Hero calls.
Flop:(7 SB) 5

SB bets, Hero raises, SB calls.
Turn:(5.5 BB) 4
SB checks, Hero checks
River:(5.5 BB) 7
SB checks, Hero bets, SB calls.
Der Gegner ist preflop aggressiv und wird gegen ein BU-Raise auch viele K-high-Hände sowie gute suited Queens und Jacks 3-betten. All diese Hände könnte er direkt auf ein Flopraise folden, weil er sich damit drawing dead sehen könnte. Wenn er nicht foldet, kannst du recht sicher sein, dass er ein Pair hat, das er auch zum Showdown bringt. Daher kannst du dann am Turn die Freecard nehmen.
Auf diesem trockenen Board wird der Gegner mit guten Assen auch oft das Flopraise nur callen, um den Turn zu checkraisen, was ein erfolgreiches Freecardplay möglich macht. Weiterhin wird er viele Asse auch way ahead/way behind spielen, was sich oft in einer passiven Spielweise äußern wird. Der Freecardraise ist hier besonders deshalb gut, weil du am Flop unmittelbare Foldequity gegen bessere Hände hast.
Bedenke auch hier die Schwierigkeit des Balancing. Gegen einen thinking Player müsstest du in der Lage sein, auch gute made Hands am Flop zu raisen, damit der Gegner deine Line nicht sofort als Semibluff identifizieren kann.
Fazit
Das Freecardraise funktioniert nicht mehr so oft wie früher, da das Spiel insgesamt deutlich aggressiver geworden ist und die Chance, nach einem Flopraise auch tatsächlich eine Freecard zu bekommen, im Schnitt deutlich gesunken ist.
Das Freecardraise hat aber noch andere Nachteile. Bevor du es anwendest, solltest du sicherstellen, dass du nicht oft noch die beste Hand hast. Außerdem musst du dich fragen, ob du mit einer anderen Spielweise nicht Foldequity gegen bessere Hände generieren kannst.
Trotzdem solltest du das Freecardraise im Repertoire haben. Besonders gegen passive, showdowngebundene Gegner oder wenn du zusätzlich unmittelbare Foldequity am Flop generieren kannst, stellt es eine erfolgversprechende Variante dar, die es dir ermöglicht, billig mit Draws zu spielen.
Ob du den Inhalt dieses Artikels wirklich anzuwenden weißt, kannst du in einem interaktiven Quiz überprüfen:
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