Preflop: Erweiterungen zum Spiel vor dem Flop
Einleitung
In diesem Artikel
- 7 Charts für die besonderen Momente vor dem Flop
- Du wirst aggressiver
- Blinds verteidigen
In der Einsteiger-Sektion hast du mit dem Starting-Hands-Chart schon eine sehr gute und ausgefeilte Strategie für das Spiel vor dem Flop erhalten. Schon damit bist du in der Lage, gewinnbringend die ersten Limits zu schlagen.
Irgendwann aber, nachdem du mehrere tausend Hände gespielt, schon Erfahrung gesammelt hast und relativ sicher im Spiel nach dem Flop bist, wirst du dich fragen, ob man diese schon gute Strategie nicht noch erweitern bzw. vertiefen kann. Diese Aufgabe leistet nun der folgende Artikel.
Dieser Artikel stellt dir ein neues, noch differenzierteres und situationsspezifischeres Starting-Hands-Chart zur Verfügung, oder vielmehr: 7 Charts, die nach verschiedenen Spielsituationen unterschieden sind.
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Die erweiterten Charts zum Spiel vor dem Flop
Die Übersicht zur Mathematik des Pokerns - Odds und Outs
Wie spielst du, wenn vor dir noch niemand in die Hand eingestiegen ist?
Es kommt häufiger vor, dass vor dir alle Spieler aussteigen. Jetzt kannst du als Erster in die Hand einsteigen. Man sagt auch: Du bist first in. In dieser Situation wirst du entweder erhöhen oder aussteigen. Ein bloßes Mitgehen kommt nicht in Frage.
Mit welchen Händen du erhöhst, erfährst du im ersten Chart mit dem Titel First-In – Vor dir sind alle Spieler ausgestiegen, du erhöhst ab diesen Händen
Die spielbaren Hände sind dabei nach Kategorien geordnet, nach Paaren, gleichfarbigen (suited) und nach ungleichfarbigen (offsuited Händen). Im Tabellenkopf stehen die einzelnen Position, in denen du sein kannst. Solltest du nicht wissen, was UTG+1 oder MP2 bedeutet, dann hilft dir folgende Übersicht sicher weiter:
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Hier siehst du, dass die drei frühen Positionen, wie du sie aus der Einsteigersektion kennst, noch einmal unterschieden sind in UTG, UTG+1, UTG+2, wobei UTG immer der Spieler links vom Big Blind ist. Er eröffnet die Setzrunde vor dem Flop.
Die mittleren Positionen werden als MP, MP2 und MP3 bezeichnet, während die beiden späten Positionen CO (Cutoff) und BU (Button) genannt werden.
Jetzt weißt du, wie du deine exakte Position bestimmst. Es bleibt nur noch zu klären, was die Einträge im Chart bedeuten. Am besten erklärt sich das an einem Beispiel. Nimm an, du bist der aktuelle Kartengeber, also in der Position BU (auf dem Button). Du hältst ein Ass und eine Drei, beide Karten in Herz, also A3s, vor dir sind alle Spieler ausgestiegen und du willst wissen, was du nun tun sollst.
Im Chart findest du in der Gruppe der Suited Hände, gleich in der ersten Zeile, die Angabe A2s für die Position des BU. Was bedeutet dieser Eintrag? Er besagt, dass du mit A2s erhöhen solltest. Er besagt aber auch, dass du mit jeder besseren Hand erhöhen solltest, die ein Ass enthält und aus zwei Karten der gleichen Farbe besteht, also auch deine Hand A3s. Der Eintrag A2s sagt in diesem Fall: Erhöhe mit A2s, A3s, A4s, A5s, A6s, usw.
In der nächsten Zeile darunter findest du dann die Hände, die zwei Karten der gleichen Farbe und einen König enthalten. Für deine Position des BU steht da K5s, was auch bedeutet: Erhöhe in deiner Position mit K5s, K6s, K7s, usw.
Bei den ungleichfarbigen (offsuited) Händen findest du hingegen die Angabe K9o. Diese sagt: Mit einem König und einer Neun in verschiedenen Farben erhöhst du hier. Hast du einen König und eine Zehn in verschiedenen Farben (KTo), dann erhöhst du ebenfalls. Hast du hingegen statt der Zehn eine Acht zum König (K8o) steigst du aus.
Wann erhöhst du erneut, wenn vor dir schon jemand erhöht hat?
Das nächste Chart mit dem Titel 3-Bet gegen eine Erhöhung von diesen Positionen inklusive Small Blind Verteidigung befasst sich mit der Frage, wann du erneut erhöhst, wenn vor dir schon jemand erhöht hat.
Das nennt man eine 3-Bet. Der erste Einsatz (Bet) ist der Big Blind. Der zweite Einsatz ist die Erhöhung des Gegners. Wenn du jetzt erneut erhöhst, wäre das der dritte Einsatz, also eine 3-Bet.
Auch dieses Chart ist so aufgebaut wie das vorhergehende, jedoch mit dem Unterschied: Die Positionsangaben im Kopf der Tabelle beziehen sich diesmal auf die Position des Spielers, der vor dir erhöht hat.
Nimm an, dass vor dir ein Spieler in der Position MP2 erhöht. Jetzt willst du z.B. wissen, mit welchen Paaren du erneut erhöhen solltest. Im Chart steht in der Spalte MP2 für Paare die Angabe 88. Das bedeutet, dass du mit jedem Paar ab zwei Achten erneut erhöhen solltest, wenn ein Spieler in MP2 erhöht hat.
Wie spielst du, wenn jemand erhöht hat und Spieler dann mitgegangen sind?
Das Chart Mitgehen/Erhöhen bei einer Erhöhung und Callern vor dir bezieht sich auf die Situationen, in denen es vor dir eine
Erhöhung gab und andere Spieler die Erhöhung schon mitgegangen sind oder
Spieler vor der Erhöhung in die Hand eingestiegen sind. Das trifft auch auf die Fälle zu, in denen du dich im Small Blind
befindest. Hier kommt deine Spielweise nun darauf an, wie viele Spieler
(Caller) die Erhöhung schon gehalten haben oder vor der Erhöhung mitgegangen sind.
Im Tabellenkopf findest du die Anzahl der Caller. In der Tabelle selbst sind die Hände angegeben, mit denen du entweder mitgehst oder erhöhst. Beide sind immer durch einen Schrägstrich getrennt, z.B. 55/TT. In diesem Fall bedeutet die Angabe, dass du mit jedem Paar ab 55 mitgehst, ab einem Paar Zehnen aber sogar erneut erhöhst.
Hierbei musst du darauf achten, dass die Hand, mit der du erhöhst, auch im
Chart 3-Bet gegen eine Erhöhung gelistet ist. Mit TT
erhöhst du bspw. nicht, wenn der Raise aus UTG oder UTG1 kommt, sondern gehst nur mit (du gehst in dieser Situation ab 55 mit).
Mit welchen Händen erhöhst du, so oft du kannst?
Nimm an, du erhöhst, ein Spieler nach dir erhöht erneut und du fragst dich nun, ob deine Hand stark genug ist, ein weiteres Mal zu erhöhen. Die Antwort darauf gibt das Chart Gegen eine 3-Bet erhöhst du erneut mit diesen Händen. Darin aufgeführt sind all jene Hände, mit denen du vor dem Flop richtig Druck machen willst. Bei manchen Anbietern wie Everest Poker ist es sogar möglich, ein fünftes Mal zu erhöhen. Auch dann richtest du dich nach diesem Chart.
Mit welchen Händen verteidigst du deinen Big Blind?
Wenn du im Big Blind bist, hast du schon zwangsweise einen Einsatz gebracht. Erhöht nun jemand, kostet es dich weniger als jeden anderen Spieler, dennoch den Flop zu sehen. Auch
werden etwas fortgeschrittenere Spieler deinen Big Blind aus später Position häufiger mit schwächeren Händen angreifen, was man Blindsteal nennt. Auf Dauer kannst du es dir nicht leisten, deinen schon gebrachten Einsatz immer kampflos aufzugeben. Das Verteidigen des Big Blinds nennt man Blinddefense.
Das Chart mit dem Titel Big Blind Verteidigung – Mitgehen/Erhöhen sagt dir nun, mit welchen Händen du deine Big Blind verteidigen solltest, wobei hier noch einmal unterschieden ist zwischen den Händen, mit denen du eine Erhöhung nur mitgehst, und den Händen, mit denen du erneut erhöhst.
Diese Unterscheidung findest du in Angaben wie 22/TT. So ein Eintrag besagt: Mit jedem Paar ab 22 gehst du die Erhöhung mit. Hast du ein Paar Zehnen oder besser, erhöhst du sogar.
Oder ein Eintrag wie ATo/AQo sagt: Mit ATo und AJo gehst du nur mit. Mit AQo und natürlich auch AKo erhöhst du erneut. Hände wie A9o oder schlechter legst du hingegen weg.
Mit den Händen vor dem Schrägstrich gehst du mit. Mit den Händen hinter dem Schrägstrich erhöhst du. Und die angegebenen Hände zeigen wie immer die Untergrenze dieser Handkategorie auf.
Manche Einträge haben diese Unterscheidung aber nicht. Da steht dann z.B. nur KJo und nichts weiter. Das bedeutet, dass es in dieser Handgruppe keine Hände gibt, mit denen du erhöhst. KJo sagt nur: Mit KJo und KQo gehst du die Erhöhung mit.
Übrigens: Auch in diesem Chart beziehen sich die Positionsangaben im Kopf der Tabelle auf die Position des Spielers, der erhöht hat. Erhöht der Spieler im Cutoff (CO), dann findest du deine Einträge in der Spalte mit der Überschrift CO.
Sind außer dem Spieler, der erhöht hat, noch andere Spieler in der Hand, verwendest du ebenfalls dieses Chart. Doch du erhöhst nur mit den Händen, falls sie einen entsprechenden Eintrag im Chart Mitgehen/Erhöhen bei einer Erhöhung und Callern vor dir haben.
Hälst du bspw. A9s, der Raiser sitzt im CO und nach ihm ist ein Spieler mitgegangen, gehst du nur noch mit.
Mit welchen Händen kannst du im Small Blind mitgehen?
Wie schon im Big Blind hast du im Small Blind auch einen Einsatz gebracht. Er ist kleiner als der Big Blind, aber immerhin ein Einsatz. Da stellt sich natürlich die Frage: Da der Preis für den Flop etwas billiger ist, kann ich doch einige Hände mehr spielen. Welche Hände sind das?
Die Antwort auf diese Frage hängt direkt davon ab, wie groß der Pot schon ist, anders gesagt: Wie viele Spieler vor dir schon in die Hand eingestiegen sind, natürlich ohne zu erhöhen. Das englische Wort für mitgehen heißt callen, daher nennt man diese Spieler auch Caller oder speziell in der Setzrunde vor dem Flop auch Limper.
Im Chart mit dem Titel Mitgehen aus dem Small Blind ohne eine Erhöhung vor dem Flop findest du nun die Antwort auf die Frage, mit welchen Händen du im Small Blind mitgehen kannst, wenn es vor dir keine Erhöhung gegeben hat.
Im Spaltenkopf wird dieses Mal nicht nach irgendwelchen Positionen unterschieden, sondern danach, wie viele Spieler vor dir schon eingestiegen sind (Caller). Hier gibt es vier Spalten: Es ist ein Spieler mitgegangen, es sind zwei Spieler mitgegangen, drei Spieler oder es sind vier oder mehr Spieler mitgegangen. Du siehst, dass dieses spezielle Chart nur greift, wenn vor dir mindestens ein Spieler mitgegangen ist.
Die Handangaben folgen wieder dem schon bekannten Muster. Eine Besonderheit zeigt sich jedoch bei den so genannten Konnektoren. Konnektoren oder Connectors sind Hände, die aus zwei direkt nebeneinanderliegenden Karten bestehen, z.B. einer Vier und einer Fünf (54). Ein Eintrag wie 54s sagt: Spiele alle gleichfarbigen Konnektoren ab 54, also auch 65, 76, 87, usw.
Wie spielst du, wenn vor dir schon jemand mitgegangen ist?
Das letzte Chart Aktionen gegen Caller vor dir – Mitgehen/Erhöhen gibt nun die Antwort auf die Frage: Wie spiele ich, wenn vor mir schon Spieler mitgegangen sind, aber nicht erhöht haben?
Deine Aktion wird auch hier wieder von der Anzahl der Spieler abhängig gemacht, die vor dir mitgegangen sind. Die Einträge selbst folgen dem Muster, wie du es schon aus dem Chart zur Verteidigung deines Big Blinds kennst. Du findest z.B. einen Eintrag KTs/KJs, der besagt, dass du mit KTs mitgehst, aber ab KJs erhöhst, also mit KJs und KQs.
Ein Eintrag wie -/AQo besagt hingegen, dass du mit keiner zweifarbigen Hand, die ein Ass als höchste Karte enthält, mitgehst. AJo oder schlechter legst du weg. Mit AQo und AKo erhöhst du hingegen.
Mit den Händen vor dem Schrägstrich gehst du mit. Mit den Händen hinter dem Schrägstrich erhöhst du. Und die angegeben Hände zeigen wie immer die Untergrenze dieser Handkategorie auf.
Fazit
Vielleicht hast du es schon gemerkt: Es wird komplex. So auf die Schnelle die Charts ausdrucken und loslegen, ist der falsche Weg. Schau sie dir in Ruhe an, verstehe das System dahinter, wann welches Chart zum Einsatz kommt, was die Einträge besagen und worauf sich die Tabellenköpfe beziehen.
Auch sei noch einmal betont, dass du diese Charts nur dann sinnvoll verwenden kannst, wenn du schon sicher im Spiel nach dem Flop bist. Einfach nach den Charts spielen und dann drauf zu hoffen, schon etwas zu treffen oder dass der Gegner sich rausbluffen lässt, ist der falsche Weg. Wenn du diese fortgeschrittenen Charts verwendest, sollte dein Spiel nach dem Flop ebenso fortgeschritten sein. Nur beide zusammen werden dir den erwünschten Gewinn bringen.
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