Winning by Folding
Einleitung
„Winning by folding" ist einer der Grundsätze eines
erfolgreichen Pokerspielers. Genau aus diesem Grund wollen wir uns diesen
Grundsatz noch einmal genauestens ins Gedächtnis rufen.
Man stellt sich immer wieder die Frage, was einen
erfolgreichen Pokerspieler ausmacht. Geduld, Ausdauer, Ruhe, Ehrgeiz, Mut oder
Vorsicht...es ist mit Sicherheit eine Mischung aus allem, und noch vielem mehr.
Was erzählt man einem jungen Spieler, der gerade zum ersten
Mal Spielen will und nur die Regeln kennt? Er ist sich unsicher, kennt keinen
seiner Gegner, was soll man so einem Spieler raten? Man rät ihm tight zu
spielen, kein großes Risiko einzugehen, Toppairs nicht zu overplayen und
natürlich zu folden, wenn er sich unsicher ist.
Die Bedeutung des Foldens
Gerade der Punkt, "folden, wenn man sich unsicher ist", sollte der entscheidende sein, mit
denen man sich von der Konkurrenz abhebt. Unsere Aces preflop zu pushen oder
mit einem Set am Flop broke zu gehen, gehört nicht zu den gehobenen
Pokerkünsten. Es ist ein standard, den man normalerweise verinnerlicht haben
sollte. Der große Unterschied sollte darin liegen, in vermeintlich knappen
Situationen auch mal eine gute Hand folden zu können.
Sicherlich sind die meisten Spieler bereit, in großen Pötten
mit mehreren Gegnern ihre Asse aufzugeben. Oder sich auch mal mit Twopair
geschlagen zu geben.
Es gibt aber viele Situationen, die nicht so eindeutig sind.
Wir sehen unsere Hand, das Board, unseren unbekannten Gegner...und befinden uns
in einem Spot, wo wir uns maximal einen Coinflip ausrechnen können. Was spricht
dagegen in diesen Situationen zu folden?
Es gab letztes ein Beispiel, wo wir in den Blinds Jacks
halten, vor uns bereits geraist und ge-3-bettet wurde. Nun haben wir einige
Möglichkeiten, jedoch sollte uns klar sein, dass wir mit Jacks nicht unbedingt
die beste Hand halten. Man kann nun natürlich pushen, sich danach an den
Equilator setzen und die Ranges seiner Gegner so hindrehen, dass man auf eine
Equity von 51% kommt und somit den push als „+EV" deklariert.
Selbstverständlich haben wir diese Möglichkeiten beim
Spielen nicht. Meistens sind wir an 4 Tischen zugegen, müssen in kürzester Zeit
viele Entscheidungen treffen. Für mich ist dies eine Situation, in der ich
meine Jacks gegen unknown einfach folde. Ich sehe mich nicht unbedingt vorne,
habe noch nichts investiert, also gehe ich kein Risiko ein.
Vermehrt ist es in letzter Zeit jedoch so, dass man sich
ungerne von vermeintlich starken Händen trennen mag. Und solange man sich 51%
zuschustert, warum sollte man dann folden?
Es mag unter anderem auch daran liegen, dass man sich leicht
selbst überschätzen kann. Man sieht sich gegen die meisten Gegner spielerisch
überlegen, traut ihnen meist keine guten Hände zu. Vielleicht raisen die beiden
Villains auch gerade mal any two? Man tut sich schwer damit, seine Hand preflop
aufzugeben. Man sieht sich eventuell selber als weak an. Es erscheint das
kleine Teufelchen auf der Schulter: „Wie kann man den Jacks preflop folden
gegen solche Gegner? Du bist doch viel zu weak...!"
Aber genau in dieser „weakness" liegt doch der Vorteil.
Warum soll man Hände pushen, wo man sich nicht unbedingt vorne sieht?
Natürlich, die Varianz wird es freuen, und wenn man dann noch gegen AK gewinnt,
sieht man sich erst recht bestätigt.
Wen stört es denn, dass man Jacks preflop foldet? Jeder
Spieler trifft seine eigenen Entscheidungen. Der Stack am Tisch gehört zu
meiner Bankroll, und die Bankroll ist mein Geld. Damit kann ich machen was ich
möchte. Und wenn ich der Meinung bin, in eine enge Situation geraten zu sein,
trenne ich mich von meiner Hand, die aktuell durchaus nur die zweitbeste seien
könnte.
Seine durchaus guten Hände hier auch folden zu können, dabei
trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier liegen die Unterschiede. In dem Moment, wo
wir in schwierigen Situationen um Stacks spielen müssen. Dort liegt das große
Geld, was wir entweder gewinnen, oder natürlich auch verlieren können.
Was haben wir dem Anfänger geraten? „Folde, wenn du dir
nicht sicher bist!"
Nun wird sich der Anfänger natürlich häufig unsicher sein.
Wesentlich häufiger, als es ein etwas erfahrener Spieler ist. Hat jemand
bereits über 100.000 Hände gespielt, hat genügend Erfahrung gesammelt, und
kommt dann in eine Situation, wo er sich unsicher ist...dann befinden wir uns
meist auch in einer engen Situation. „Richtig" oder „falsch" können hier
meistens nicht mehr getrennt werden.
Häufig muss ich in den geposteten Händen leider „...kann man
callen, muss man aber nicht..." schreiben. Ganz einfach deshalb, weil es keine
bessere Antwort gibt.
Der jeweilige Spieler sitzt am Tisch, hat meistens Stats von
seinen Gegnern, beobachtet auch Hände in denen er nicht involviert ist. Er wird
einen Spieler nicht perfekt lesen können, aber er kann seinen Spielstil besser
einschätzen, als man dies als Unbeteiligter im nachhinein machen kann. Man
sieht dann ein paar Stats, kann dadurch Villain als recht loose einschätzen...das
ist kein wirklicher read, dass ist ein kleiner Hinweis, der eine grobe Tendenz
dahin geben kann, ob man vielleicht doch einen call finden könnte.
Aber in der jeweiligen Situation sitzt Hero alleine am
Tisch, beobachtet das Geschehen und muss fesstellen, dass er sich in einer
haarigen Situation befindet. Und wenn er dies nun erkennt, und merkt, dass sich
der bisher kleine Pot nun in ein Spiel um Stacks umgewandelt hat, wo liegt da
das Problem, einfach den Fold-Button zu drücken und auf eine profitablere
Situation zu warten?
Schlusswort
„Winning by folding", das ist ein Satz, den wir uns
einprägen sollten. Diese Fähigkeit, sollten wir sie denn besitzen und in den
richtigen Situationen auch einsetzen können, unterscheidet uns vor einem
Durchschnittsspieler, der einfach zu gerne den Showdown sieht und zu oft bereit
ist, einen überteuerten Preis dafür zu bezahlen.
Man sollte sich dieser Fähigkeit bewusst sein. Man sollte in
marginalen Situationen einen fold finden können, die viele unserer
Tischnachbarn nicht finden würden. Und desto häufiger wir uns in Situationen
befinden, wo wir uns sicher sind, wo wir die Stärke unserer Hand gut einschätzen
können, umso häufiger werden wir uns diese Pötte auch sichern können.