Playability und Pre-Flop Action
Definition playability
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| Den Wert "playability" kann man folgenermaßen definieren: eine Hand hat eine hohe playability, wenn die korrekte Spielweise häufig mit der optimalen Spielweise übereinstimmt.
Korrekte Spielweise bedeutet, die Hand in der gegebenen Situation richtig zu spielen. Optimale Spielweise bedeutet, die Hand so zu spielen als wüsste man welche Karten der Gegner hält. |
Über Playability und Pre-Flop Action
Sagen wir der Gegner hat eine 35% Range und raist first in. Alle folden zu uns in der BB. Nun vergleichen wir einmal zwei Hände: KQo und A9o. KQo hat ca 52% Equity, A9o 54%.
KQo hat allerdings eine deutlich bessere playability, denn am Flop wissen wir in der Regel, wo wir stehen. Mit A9o sind wir uns nie sicher: Treffen wir den Flop nicht, könnte unser Ace high die beste Hand sein. Treffen wir das Ace, könnte der Gegner durchaus ein besseres Ace halten. Treffen wir die 9, könnte er ebenfalls eine bessere Hand halten. Diese Probleme stellen sich bei KQo kaum. KQo ist hier die stärkere Hand.
Nun stellt euch aber einmal vor wir würden No-Limit spielen (oder wir hätten sonstwie die Möglichkeit, den Gegner pre-flop all-in zu setzen). Dann wäre die ganzen playability Nachteile von A9o verschwunden, nur noch die Equity würde uns interessieren.
Nun spielen wir aber kein No-Limit, aber wir können auch beim Limit Hold'em einen ähnlichen Effekt erzeugen, nämlich über die Potgröße: Je größer wir den Pot pre-flop machen, desto weniger stark fallen playability Nachteile ins Gewicht.
Hinzu kommt, dass wir häufig durch eine 3-bet pre-flop die gesamte Hand "automatisieren" und somit quasi ein all-in simulieren. Nach einer pre-flop 3-bet kommt an sich immer eine Flop bet. Der Gegner wird diese nicht sehr häufig raisen, da er Angst vor einer sehr starken Hand hat. Somit hätten wir also schon einmal sämtliche playability Nachteile bis hin zum Turn aufgehoben. Am Turn wird die Situation schwieriger, aber aufgrund der nun bestehenden Potgröße gilt auch hier, dass der playability Nachteil weniger stark ins Gewicht fällt. Und viele Gegner geben am Turn ein sehr "ehrliches" Statement über die Stärke ihrer Hand ab, dass uns es ermöglicht, optimal zu spielen.
Als Fazit kann man folgendes sagen: Bei einer Hand mit schlechter playability versuchen wir, den tatsächlichen EV der Hand an die pre-flop Equity anzugleichen. Dies erreichen wir dadurch, dass wir den Pot pre-flop möglichst groß machen und die post-flop Betsequenzen möglichst "erzwingen", d.h. automatisieren. Dies sollten wir aber nicht übertreiben. Man sollte nur die Hände 3-betten, die auch wirklich einen Equity Edge (also mindestens 50% Equity) haben. Ob es auch mit schlechteren Händen (48% Equity, aber schlechte playability) lohnenswert ist, eine 3-bet zu machen, ist fraglich.
Wie sieht es nun mit einer Hand mit einer sehr guten playability ala KQo aus? Genau andersrum! Mit dieser Hand wissen wir am Flop oft sehr sehr genau wo wir stehen: Entweder sind wir relativ klar hinten oder deutlich vorne. Deshalb möchten wir uns natürlich gerade nicht pre-flop auf eine automatisierte Spielweise festlegen.
Wir callen pre-flop den Raises des Gegners nur. Bei schlechten Flops wie A92 können wir einfach guten Gewissens check/fold spielen und haben so de facto nur 2 SB verloren. Hätten wir 3-bet pre-flop, bet flop gespielt wären sehr häufig mindestens 4 SB dahin gewesen.
Gefällt uns der Flop allerdings, so können wir durch geschicktes post-flop Spiel (in 95% der Fälle check/raise Flop, bet Turn) genauso viel oder gar mehr value herausholen als durch 3-bet pre-flop, bet Flop.
Dieser Effekt ist es deutlich Wert, unseren 2% Equity Edge pre-flop nicht zu pushen. De facto schneidet durch diese Spielweise eine Hand wie KQo ein gutes Stück besser ab als es die 52% pre-flop Equity vermuten lässt.
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| Veralteter Teil
Heute beim Spielen ist mir folgender Grundgedanke gekommen: Je besser die playability einer Hand, desto weniger wichtig ist die Initiative Je schlechter die playabilty einer Hand, desto wichtiger ist die Initiative Haben wir aber in derselben Situationen QJo wird uns dies nicht passieren. Hier wissen wir am Flop relativ genau, wo wir nun stehen. Verallgemeinert kann man sagen, dass eine Hand mit einer geringen playability sich mit Initiative deutlich besser spielt. Der Effekt ist häufig - denke ich - groß genug, dass man dafür pre-flop z.b. eine 3-Bet oder einen Cap macht, der von value her nicht gerechtfertigt ist. So sollten wir z.B. in dem Beispiel mit der 22 Hand pre-flop cappen. Dadurch bringen wir nämlich den Gegner in eine äußerst unangenehme Lage, dass er häufig die beste Hand am Flop foldet. Wir selber hingegen ersparen uns diese Entscheidung. Vergleich mit dem Shorthanded Seminartext In der pre-flop Sektion des shorthanded Seminartextes ist von taktischen Caps die Rede. Beim erstellen des Textes war mir aber auf der abstrakten Ebene die Korrelation zwischen taktischen Caps und der playability einer Hand noch nicht direkt bewusst. Nun lässt sich aber sagen, dass taktische Caps dazu dienen, playability Defizite bestimmter Hände zu kompensieren. |