Heads-up am Flop OOP: Der Wert der Initiative
Der Wert der Initiative
In diesem Artikel
- Wann solltest du die Initiative am Flop verteidigen?
- Wann solltest du die Initiative aufgeben?
Du bist Heads-up am Flop und hast eine spielbare Hand, d.h. je nachdem, ob du die Initiative hast oder nicht, bettest oder checkraist du. Der Gegner raist bzw 3-bettet dich. Wie ist nun die korrekte Spielweise? Oftmals ist es lohnenswert, direkt am Flop mit einem erneuten Raise die Initiative an dich zu reißen.
Minimalisierung des Positionsnachteils mit Made Hands
Sagen wir, du hast eine marginale made Hand wie z.b. ein Middlepair auf einem Board, das auch Draws ermöglicht, z.b. T
9
auf einem J
9
5
-Board. Du bettest und der Gegner raist. Vergleichen wir einmal zwei Spielweisen, Calldown und 3-bet Flop, bet Turn, bet River.
Calldown
Du callst sein Flopraise und checkst den Turn. Spielt er check behind, valuebettest du den River. Bettet er den Turn, callst du den Turn und auch den River.
Durch diese Spielweise gibst du dem Gegner die Möglichkeit, eine Big Bet zu sparen, wenn er eine schwächere Hand hält als du, entweder am Turn durch einen Checkbehind oder am River durch einen free Showdown.
Hält er allerdings eine starke Hand, so wirst du voll zur Kasse gebeten. Andererseits bringst du den Gegner, falls er eine drawing Hand hat, die am River nicht ankommt, oft auch dazu, extra Geld in dich hinein zu bluffen. Dieser Effekt ist allerdings meistens kleiner und seltener als der o.g. Effekt, der durch den Positionsnachteil ensteht.
3-bet Flop, bet Turn, bet River
Diese Spielweise negiert häufig den Positionsvorteil deines Gegners. Er wird wohl gegen diese Action sowohl mit schlechteren als auch mit vielen besseren made Hands nur noch Calldown spielen.
Im Vergleich zur Calldown-Line verlierst du zwar oft insgesamt 1 SB mehr gegen bessere Hände, aber dafür gewinnst du gegen schlechtere made Hands 3 SB extra. Hinzu kommt, dass du gegen besonders starke Hände nach dieser Action oft gegen einen Turnraise des Gegners folden kannst und somit Geld sparst.
Der Implied Bluff
Als implied Bluff bezeichne ich in diesem Kontext aggressives Spielen am Flop mit der Hoffnung, dass der Gegner am Turn foldet.
Sagen wir, du hast einen Flushdraw auf einem T72-Board. Du bettest, der Gegner raist. Hier solltest du auf jeden Fall 3-betten, auch wenn du dir sicher bist, dass der Gegner wohl eine made Hand hält. Denn kommt z.b. ein K oder ein A am Turn, so ist die Chance groß, dass der Gegner bei einer erneuten Bet eine Hand wie z.b. 87, 66 etc. foldet.
Aber selbst wenn der Turn eine Blank ist, hast du durch die 3-Bet am Flop gefolgt von einer Turn-Bet die Komponente der Foldequity erhalten, die ja für einen Flushdraw Heads-up so wichtig ist.
Wann solltest Du die Initiative am Flop abgeben?
Es gibt einige wenige Situationen, in denen es korrekt ist, gegen ein Flopraise mit einer spielbaren Hand nur zu callen. Das ist dann der Fall, wenn die zuvor genannten Aspekte zusammen weniger wert sind als die Komponente der Bluffinduktion.
Denn wenn die Chance groß ist, dass der Gegner am Flop entweder eine hoffnungslose oder eine sehr starke Hand hält, dann ist Aggression deinerseits kontraproduktiv: Du würdest nämlich der starken Hand mehr Value geben und die hoffnungslosen Hände verscheuchen, anstatt sie weiter bluffen zu lassen.
Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein, damit es sich lohnen kann, die Initiative abzugeben:
- Du bist in einer "way ahead/way behind"-Situation, d.h. der Gegner wird bessere Hände nicht folden, schlechtere Hände nicht callen und hat zudem, wenn er hinten liegt, kaum Outs gegen dich.
- Der Gegner ist aggressiv und fähig, auch am Turn und River noch zu bluffen
Beispiel
Du raist preflop aus dem SB gegen den BB mit KQo. Der Flop ist AK2 rainbow.
Preflop: Hero is SB with K
Q
4 folds, Hero raises, BB calls
Flop: A
K
2
(2 players)
Hero bets, BB raises, Hero ???
Der LAG ist durchaus fähig, auf solchen scary Boards auch mit nichts einen Move zu machen. Hier hast du eine Wa/Wb-Situation gegen einen LAG und solltest direkt auf Calldown umschalten. So vermeidest du, dass er dich mit schlechteren Händen rausblufft, bringst ihn dazu, hoffnunglose Hände weiter zu betten, und sparst gegen seine starken Hände Geld.