Bet Flop, check-call Turn OOP
Einleitung
In diesem Artikel
- Welche Theorie hinter dieser Spielweise steckt
- Unter welchen Vorraussetzungen sie profitabel sein kann
- Was die Nachteile dabei sind
In diesem Artikel wollen wir eine recht "neue" Line in dem PokerStrategy Strategie Reservoir vorstellen. Bei der Line Bet Flop, check/call Turn müssen viele verschiedene Vorraussetzungen gleichzeitig eintreffen, um die Line zu einer profitablen zu machen. Zuerst werden wir uns mit der Theorie hinter dieser Line befassen.
Theoretische Abhandlung über den Turn check-call OOP
Das Theorie hinter einem c/c ist - zumindest nach meinem Pokerverständnis - äußerst komplex. Ich habe lange Zeit versucht, mir die dahinter stehende Logik auf theoretischer Ebene deutlich zu machen. Dies geht am besten auf dem abstraktem Niveau.
Sagen wir wir sind am Turn und der Pot ist 5 BB. Wir haben gegen die momentane Range des Gegners eine geschätze Equity von 30%. Der Gegner wird, wenn wir am Turn betten, mit einem guten Mix aus made Hand und Draws raisen, so dass wir gegen seinen Turn Raise nicht folden können. Der Gegner wird nach einem Turn Raise stets auch den River betten. Da wir etwas showdown value haben, können wir leider auch gegen die River Bet des Gegners nicht folden.
Wenn wir nun bet/call Turn spielen haben wir sog. "effective Odds" von 3 zu 8, bzw 3/11. Da wir eine Equity von 30% haben, gehören uns von den 11 BB die am Ende im Pot sind 3,3 BB. Diese Hand bringt uns also (ab dem Turn) ein plus von 0,3 BB.
Was aber, wenn wir statt dessen check-call Turn und check-call River spielen? Wir nehmen wieder vereinfacht an, dass der Gegner jeden Turn und jeden River betten wird. Nun haben wir "effective Odds" von 2 zu 7 oder 2/9. 30% der 9 Bets im Pot gehören uns, dass macht einen EV ab dem Turn von 0.3*9 - 2 = 0.7 BB
Der EV von check/call check/call ist also unter diesen Voraussetzungen größer als der von Bet/call check/call.
Dies ist also im großen und ganzen die Theorie auf abstrakter Ebene, die hinter dem Konzept check/call Turn oop mit Initiative steht.
Diese Theorie lässt sich aus folgendem Grund nicht 1 zu 1 auf die Praxis übertragen: Unser Gegner wird in seiner Spielweise davon beeinflusst, ob wir den Turn nun checken oder betten.
Er wird in der Regel nicht - wie oben angeommen - mit den selben Händen gegen einen Check betten die er gegen eine Bet raist. Auch am River wird er sich anders verhalten. Er wird am River, nach einem Turn check/call unsererseits, andere Hände betten also wenn er eine Turn Bet von uns geraist hätte.
Und das schlimme ist: Unser Gegner hat Position. D.h. die Anpassung seiner betting Ranges - wenn er ein guter Spieler ist - wird zu seinem Vorteil sein.
Setzen wir einen guten Spieler, also einen thinking TAG, als Gegner voraus. Wie interpretiert dieser einen Check am Turn OOP mit Initiative? Nun, der Turn check OOP kann für den Gegner folgendes bedeuten:
- Ich möchte check-raisen, bette lieber nicht.
- Ich möchte günstig zum SD, (semi-)bluffe lieber nicht.
- Ich möchte check-folden.
Welches Signal hierbei überwiegt, hängt von der Boardtextur ab. Bei einem ragged rainbow board signalisiert ein Turn Check OOP eine Mischung aus 1) und 3), bei einem koordinierten Board eher 2).
Unterm Strich erzielen wir durch einen Turn check OOP aber folgenden Effekt: Wir verrignern die Action die uns der Gegner gibt, wir entmutigen ihn, seine Hand zu betten. Wenn unsere Pot Equity gegen die Hand Range des Gegners also schlecht ist (aber nicht schlecht genug für check-fold) so ist dies genau das, was wir erreichen möchten.
Der check-call am Turn OOP ist also ein Mittel, marginale made Hands günstig zum Showdown zu bringen.
Unter den passenden Umständen ist ein großer Vorteil einer Bet die Chance, dass der Gegner eine bessere Hand foldet. Denn bei gelingen stehlen wir dem Gegner - entgegen der momentanen Handstärke - erfolgreich einen Pot, der uns Equitymäßig nicht zusteht. Besteht also eine signifikante Chance, dass der Gegner eine bessere Hand foldet, sollten wir am Turn nicht check/call spielen.
Auch sollte man hierbei den sog. implied Bluff bedenken: Ist die Chance groß, dass am River eine "Scare Card" fällt, die dem Gegner dazu bringt, viele bessere Hände zu folden, spricht dies auch dafür, den Turn zu betten. dies ist häufig bei Boards mit 3 Karten eines Suits der Fall.
Ein check/call am Turn findet meistens in Situationen statt, in denen man eine schlechtere Equity hat als sein Gegner. Somit ist davon auszugehen, dass in den meisten Fällen wir selbst diejenigen sind, die von einer free Card am Turn profitieren könnten. Nun sind wir aber OOP. D.h. der Gegner kann entscheiden, ob er eine free Card nimmt (bzw uns eine gibt) oder nicht.
In der Regel wird er aber seine starken Hände value betten und uns somit schonmal eine free Card verweigern. Seine marginalen made Hands wir er häufig checken und uns in diesem Fall eine free Card geben. Und ab und zu wird er (obwohl wir durch den check das Signal setzen, dass er uns im eigenen Interesse besser nicht bluffen sollte) mit hoffnungslosen Händen in uns hineinbluffen.
Der Value, den wir an die Value Betting Hands des Gegners verlieren, wird durch die free cards die er uns mit marginalen made hands gibt und durch die Bluffs, die er mit hopeless Händen versucht, zum Teil wieder reingeholt.
Dies bedeutet, dass der Gegner obwohl er Position auf uns hat nicht viel besser performen wird als es seine momentane Pot Equity diktiert. So wird er uns z.b. mit einer Pot Equity von 70% im Schnitt am Turn nicht mehr abnehmen können als die ihm zustehenden 0,4 BB.
Zum Vergleich: Wenn wir am Turn betten, bringen wir den Gegner dazu, seine hopeless hands zu folden, seine guten Hände for value zu raisen (wir müssten leider callen) und mit seinem marginalen Händen Calldown zu machen. In dem Fall wäre er in der Lage, uns am Turn weit mehr als nur 0,4 BB Value abzunehmen.
Nun haben wir also am Turn gecheckt und die Bet unseres Gegners gecallt. Am River sitzen wird nach wie vor unimproved auf einer marginalen made Hand. Wir checken (korrekterweise) erneut.
Wenn unser Gegner ein thinking TAG ist, muss uns folgendes bewusst sein: Er kann sich nach unserem Turn check/call ziemlich sicher sein, dass wir auf einer marginalen made Hand sitzen und einfach nur günstig zum Showdown wollen, also planen, seine Riverbet zu callen. Wenn wir dem Gegner diese Klugheit zutrauen, so muss uns klar sein, dass wenn er den River bettet, es unter Umständen sein kann, dass seine betting Range zu klein geworden ist, dass wir korrekterweise unsere Hand folden sollten! Er wird oftmals seine busted Draws am River nicht mehr betten wollen.
Oftmals zeigt sogar eine Riverbet nach einem Turn check/call unsererseits mehr Stärke als eine Riverbet nach einem Turn Raise des Gegners. Denn wenn wir den Turn betten, der Gegner raist und wir callen ist folgendes Szenario möglich: Der Gegner ist auf einem Draw und hat am Turn einen semi-bluff Raise ausgeführt. Er vermutet, dass wir ebenfalls auf einem Draw sein könnten. Also wir er den River mit einem busted Draw erneut betten.
Wenn der Gegner gegen unsere Turn check am Turn einen check behind macht bedeutet dies meistens eins von zwei Dingen:
- 1. Er hat eine hopeless Hand oder einen Draw und hat, aus "Angst" vor check/raise oder check/call den Turn nicht gebettet. Gegen eine Riverbet wird er folden. Gegen einen erneuten Check von uns wird er oft bluffen.
- 2. Er hat eine marginale made Hand. Eine Riverbet wird er callen. Gegen einen erneuten check von uns wird er häufig relativ dünn for value betten.
Nun müssen wir uns - typisch für den River - überlegen, ob wir lieber for value betten oder einen potentiellen Bluff induzieren möchten. Ein check/fold kommt im Grunde nicht in Frage. Je schwächer unsere marginale made Hand ist, desto eher sollten wir check/call am River spielen. Je stärker unserere marginale made Hand ist, desto eher sollten wir den River for value betten. Uns muss dabei aber klar sein, dass wir unsere valuebets oftmals sehr dünn machen können, da wird selbst extrem viel Schwäche gezeigt haben und der Gegner uns mit sehr sehr vielen Händen callen wird. Es gibt gelegentlich sogar Situationen, in denen eine Valuebet mit Ace high, good kicker korrekt ist.
Check-Call Turn OOP in Kurzform
Hauptaspekte
- Wir haben eine marginale made Hand
- Wir haben die Initiative
- Die Chance, dass der Gegner unsere Turn Bet raist ist groß
- Gegen einen Turn Raise hätten wir eine schwierige Entscheidung
- Die Chance, dass der Gegner gegen eine Bet eine bessere Hand foldet, ist extrem klein.
Nebenaspekte
- Way-ahead-way behind Situation, free cards schaden uns nicht
- Der Gegner blufft viel
Dann sollten wir am Turn check-call spielen.
Der Turn check-call OOP mit Initiative ist eine sehr trickreiche Angelegenheit, mit der ich bisher selbst noch nicht richtig zufrieden bin. Mit diesem Move möchte man zwei Dinge erreichen:
- 1. Bluffs von schlechteren Händen kassieren.
- 2. Geld gegen bessere Hände sparen bzw. einen inkorrekten Fold gegen schlechtere Hände verhindern.
Das Problem am check-call ist dass er an den falschen Stellen dem Gegner vollen Zugriff auf seine Positionsvorteil gibt. Denn nach einem check/call am Turn hat der Gegner am River wenn wir erneut checken eine sehr leichte value bet bzw einen sehr leichten free showdown check.
Spieltheoretisch gesehen müsste man deshalb nach einem Turn check/call am River häufig donkbet oder check/fold spielen, um diesen Nachteil zu minimieren.
Wir haben 88 in der SB und raisen. Der Gegner callt. Der Flop ist J


Wir betten, der Gegner callt. Der Turn ist 2
Anhang
| Zitat: |
| Beitrag von Korn Aus einer Email Diskussion mit einem erfolgreichen 300/600 Spieler
Today I would like to talk about the turn check out of position when you I think the following needs to be true for this to be an option: 1) You have a hand with some showdown value, but not much value betting potential. Now the turn check oop is weaker then the turn check ip. With the turn check With the oop case, you will have to pay 2 BB for a guranteed showdown if you Thus the conditions which have to met for a turn check oop to be corret are |
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