Aktualisiert am 31 Juli 26 von

Shorthanded Theorie

Einleitung

In diesem Artikel

  • Wie spielst du shorthanded
  • Dünne isolation 3-bets
  • Wie Initiative erhalten und übernehmen
  • Ein paar Profi-Tipps

Allgemein

Shorthanded unterscheidet sich im Prinzip her nicht von Full-Ring-Games. Man behandelt ein Shorthanded-Game wie ein Full-Game, bei dem die ersten Spieler jeweils gefoldet haben.
=> Es gibt somit keinen Grund, in Shorthanded-Games besonders Loose-Aggressive zu sein! Man spielt nach wie vor tight, aggressiv und solide.

Pre-Flop

Die korrekte Pre-Flop Spielweise ergibt sich aus dem fortgeschrittenen Pre-Flop Artikel. Gerade bei Shorthanded-Tischen solltet ihr folgende Prinzipien unbedingt beachten:

  • 1st-In Pre-Flop Raise oder Fold
  • 2nd-In Pre-Flop Raise oder Fold
  • 3rd-In Pre-Flop meistens Raise oder Fold

Diese Prinzipien gelten natürlich nur für Eure erste Aktion Pre-Flop.

Wann raisen?

Damit eine Hand für einen Raise geeignet ist, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein.

    • 1) Die Hand ist für die entsprechende Position im Open Raise Chart gelistet

    • 2) Die Equity der Hand gegen die Range der Gegner vor Euch ist überdurchschnittlich

Bedingung 1 garantiert, dass Eure Hand im Schnitt gegen die Hände der Spieler hinter Euch profitabel ist
Bedingung 2 garantiert, dass Eure Hand im Schnitt gegen die Hände der Spieler vor Euch profitabel ist.

Um die Durchschnitts-Equity zu ermitteln, zählt Ihr die Gegner, die vor Euch bereits in die Hand eingestiegen sind. Sind N Gegner vor Euch eingestiegen, ist die Durchschnitts-Equity (100 / (N+1)) %. Für einen Raise muss die Equity Eurer Hand gegenüber den Hand-Ranges der Gegner größer sein als diese Durchschnitts-Equity.

Eine Ausnahme liegt vor, wenn Ihr in der Small Blind gegen einen einzigen Raiser vor Euch spielt. Eine 3-Bet kostet Euch hier ja nur 2,5 SB und keine vollen 3 SB. Zudem ist die Chance, die BB auszuknocken und so 1 SB Dead Money im Pot zu haben, groß. Hier ist für eine 3-Bet eine Equity von 40 % ausreichend.

Wann nur callen?

Ein Call Pre-Flop kommt theoretisch überhaupt nur in Frage, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:

    • a) Zwei oder mehr Gegner sind vor Euch gelimpt

    • b) Ihr seid in der SB

    • c) Ihr seid in der BB gegen einen Raise

    • d) Der Pot ist einmal geraist, es sind aber schon drei oder mehr Gegner eingestiegen.

a) greift dann, wenn Eure Hand nicht die erforderliche Equity nach Bedingung 1. und 2. hat, aber aufgrund guter Implied Odds profitabel in Multiway-Pötten ist. Hierzu zählen vor allem mittlere und kleine Paare, suited Aces mit schwachem Kicker und mittlere Suited Connectors. Es sind im Grunde die Hände, die im klassischem Starting Hands Chart einen "Call 2"- Eintrag in Late Position haben.

b) ergibt sich daraus, dass Ihr in der SB deutlich günstiger in die Hand einsteigen könnt - nämlich zum halben Preis. Gegen Euch sprechen allerdings die schlechte Position und mit schwachen Händen vor allem eine geringe Playability der Hand - d. h. Ihr wisst oft am Flop nicht, wo Ihr nun mit Eurer Hand steht. Deshalb solltet Ihr in der Small Blind - wenn diese 1/2 Small Bet groß ist - nur die Hände completen, deren Equity mindestens 75 % der Durchschnitts-Equity beträgt. Und natürlich raist Ihr all die Hände, die über der Durchschnitts-Equity liegen.

c) Die Situation ist ähnlich wie in b). Auch hier könnt Ihr zum halben Preis dabei sein. Zwar sind gegen einen Raise Eure Implied Odds schlechter als in Fall b), aber dafür habt Ihr meistens nur einen Gegner und damit gelegentlich gute Semi-Bluff-Chancen. Und falls Ihr am Flop trefft, könnt Ihr garantiert einen Check-Raise platzieren.

d) Hier gilt dasselbe Prinzip wie bei a). Ihr spielt die Hände, deren Equity zwar nicht reicht, die aber aufgrund von guten Implied Odds dennoch profitabel sind. Aufgrund der zu erwartetenden Action am Flop und der Tatsache, dass in einem Raised Pot Eure Implied Odds grundsätzlich geringer sind, müssen Eure Hände aber deutlich stärker sein. Es sind im wesentlichen die "X / Call 3" Hände aus dem klassischem Starting Hands Chart.

Wie sollten nach dieser Spielweise meine PokerTracker Stats aussehen?

Spielt Ihr nach diesem System, hängt euer VPIP natürlich davon ab, mit wie vielen Gegnern Ihr überlicherweise am Tisch sitzt. Ein guter Richtwert ist 18 für 10er-Tische und 23 für 6er-Tische. Euer PFR-Wert sollte immer grob 2/3 Eures VPIP Wertes sein. Liegt Euer VPIP also z. B. bei 24, sollte Euer PFR bei 16 liegen.
Euer "Folded BB to Steal"-Wert sollte zwischen 40 und 55 liegen.
Euer "Folded SB to Steal"-Wert sollte zwischen 80 und 85 liegen.
Euer "Attempt to steal Blinds"-Wert sollte zwischen 30 und 35 liegen.

Pimp my Pre-Flop Play - Feinheiten für Profis

Vorweg eine Warnung: Die nun vorgestellten Taktiken bedürfen jeweils perfekter Randbedinungen und exzellenter Post-Flop Skills. In der falschen Situation oder vom falschen Spieler angewandt bringen sie mehr Nach- als Vorteile.

Passive BB-Defense

Voraussetzungen:
Ihr seid in der BB.
Ihr spielt Heads-Up gegen den Raiser, es ist kein weiterer Spieler im Pot.
Der Raiser ist Post-Flop aggressiv. Callt Ihr Pre-Flop und checkt den Flop, so bettet er immer
Ihr habt ein gutes Gefühl für Flop-Texturen. Ihr seid in der Lage, genau die Flops zu erkennen, bei denen Ihr auch ohne eine brauchbare Hand Druck machen könnt.
Euer Gegner ist relativ tight

Die Idee:

Da der Gegner jeden Flop bettet, wenn Ihr Pre-Flop callt und den Flop checkt, könnt Ihr anstelle einer 3-Bet Pre-Flop und einer Flop-Bet auch Pre-Flop nur callen und den Flop Check-Raisen, falls er Euch gefällt. So bringt Ihr den Gegner dazu, nach wie vor mindestens 3 SB zu investieren. Falls der Flop aber ein Desaster für Euch ist, könnt Ihr mit einem Check-Fold leicht aussteigen, habt aber nur 2 SB verloren.

Probleme:

Ihr verliert die Chance auf einen Pre-Flop-Cap. Mit sehr starken Händen wie AA-TT, AK-AQ ist dies aber genau das, was Ihr erreichen möchtet. Es wäre also ärgerlich, wenn der Gegner prinzipiell gegen Eure 3-Bet gecappt hätte, dies aber nicht tun konnte, da Ihr Pre-Flop nur gecallt habt.
Ihr setzt Euch der Gefahr aus, am Flop die beste Hand zu folden. Angenommen, Ihr habt 77 und der Gegner hat 66. Er raist und Ihr callt in der BB. Der Flop ist AKQ. Ihr spielt logischerweise Check-Fold, habt aber dadurch die beste Hand gefoldet. Bei 3-Bet Pre-Flop und Bet Flop hättet Ihr allerdings den Pot gewonnen.
Ist der Flop sowohl für Eure als auch für die Gegnerhand ein Desaster, so gewinnt Ihr bei 3-Bet Pre-Flop und Bet Flop den Pot. Bei Call Pre-Flop und Check Flop holt ihn aber in der Regel der Gegner.

Lösung:

Das erste Problem ist leicht zu lösen: Ihr 3-bettet einfach nach wie vor all die Hände, bei denen Ihr Euch einen Cap wünscht. Die Hände, bei denen Euch ein Cap des Gegners eher stören würde, callt Ihr nur.
Die anderen zwei Problem sind härter. Man könnte meinen, dass sie leicht dadurch zu lösen sind, dass man den Flop öfter einfach mal als Bluff donkbettet statt zu check-raisen. Das Problem hierbei ist, dass es Euch zunächst kein Gegner abnimmt. Damit die Donkbets glaubwürdig werden, müsstet Ihr also auch mit starken Händen donkbetten. Aber dann verliert Ihr ja genau den Vorteil, den wir eigentlich durch Call Pre-Flop und Check-Raise Flop im Auge hatten: die garantierte Bet am Flop!
Somit bleibt als einzige Lösung folgendes: Ihr müsst exzellentes Hand- und Gegnerreading an den Tag legen, so dass Ihr gezielt gelegentliche Check-Raise Bluffs platzieren könnt. Und damit dies funktioniert, muss Euer Gegner relativ tight sein.


Aggressive Blind Stealing

 

Voraussetzungen:

Ihr seid am Button
Die BB ist zu tight, d. h. "Folded BB to Steal" > 65 über mindestens 500 Hände
Die SB ist kein Maniac


Die Idee:

Da die BB zu oft foldet, bekommt Ihr auf Eure typischen Steal-Hände extra Value. Sogar einige Hände, die üblicherweise keine profitablen Steal-Hände sind, werden dadurch profitabel.
Nehmen wir einmal an, dass die SB in 15 % und die BB in 35 % der Fälle defendet. Die Chance, dass beide folden, beträgt also 55,25 %! Ihr gewinnt also in 55,25 % der Fälle 1.5 SB. In 30 % der Fälle müsst Ihr 3 SB zahlen (gegen 3-Bet), in grob 15 % der Fälle 2 SB (gegen SB Call). Wenn wir die Gewinne der Steals gegenrechnen, haben wir in diesen beiden Fällen aber grob 0,9 SB "gut", d. h. wir könnten in den Fällen, in denen ein Gegner defendet, im Schnitt 0,9 SB minus machen, aber würden unterm Strich dennoch mit unseren Steals Gewinn machen! Gegen Spieler, die ihre Blinds defenden, gibt es so einen "Vorteil" auch, aber er liegt deutlich unter 0,9 SB. Gegen tighte Blinds können wir also wesentlich liberaler stealen als gegen Spieler, die ihre Blinds gut defenden. In o. g. Situationen können wir daher bedenkenlos mit jeder Hand stealen, die wir auch in der SB 1st-In raisen würden.

Warnung:

Das hier genannte Konzept ist gefährlich! Ihr müsst sicherstellen, dass die Blinds wirklich tight sind. Dazu braucht Ihr entweder viele Hände im PT oder aber sehr gute Reads. Habt Ihr Zweifel, solltet Ihr nach wie vor nur nach dem Open Raise Chart stealen.


Thin Isolation 3-Bets

 

Voraussetzungen:
Ihr seid in Late Position.
Ein Tight-Aggressive Gegner hat vor Euch geraist. Er ist aber kein Maniac!
Abgesehen vom Raiser ist kein weiterer Spieler in der Hand.
Die SB und BB sind keine Maniacs.

Die Idee:

Üblicherweise machen wir in dieser Situation 3-Bets nur mit den Händen, die eine Equity von mindestens 50 % haben. Aber gerade in Late Position vernachlässigen wir dabei folgende zwei Aspekte: Erstens garantiert uns eine 3-Bet meistens einen Heads-Up Pot gegen den Raiser, indem wir Position auf ihn haben. Zweitens folden die SB und BB wahrscheinlich. Dadurch kommen 0,75 Big Bets Dead Money in den Pot, von dem uns je nach unserer Equity ein Teil gehört. Aufgrund dieser beiden Aspekte benötigen wir nicht die vollen 50 % für eine 3-Bet. Wir können beruhigt die untere Grenze auf 45 % verschieben. Ist der Raiser Post-Flop zudem noch tight und predictable und die Blinds besonders tight, können wir sogar bis auf 40 % runtergehen.

Warnung

Sind die Blinds oder der Raiser Loose-Aggressive, so ist diese Strategie kontraproduktiv. Pre-Flop ist das Risiko für einen Cap viel zu groß und Post-Flop ist unsere Fold-Equity mit verfehlten Händen nur sehr gering.


Post-Flop

Das wichtigste noch einmal: Shorthanded unterscheidet sich prinzipiell nicht von Full-Ring. Ihr müsst also nach wie vor Eure schwachen Hände folden! Ihr solltet Euch zudem auf gar keinen Fall einreden, dass Eure Gegner Euch die ganze Zeit bluffen und bestimmt "auch nichts haben". Solides Tight-Aggressive Spiel ist auch bei Shorthanded der Weg zum Erfolg.

3-Handed Situationen am Flop und Turn

Das fundamentale Grundprinzip: Gegnerreduktion!

Euer Ziel in fast jeder 3-Handed Situation ist es, mit jeder spielbaren Hand mindestens einen der Gegner schon am Flop auszuknocken. Dies gilt sowohl für Made Hands als auch für Drawing Hands. Mit Drawing Hands erschließt Ihr Euch so die Möglichkeit, den Pot ohne Showdown zu gewinnen. Mit Made Hands protectet Ihr jeweils Eure Hand.

Seid Ihr der Pre-Flop-Raiser, so erreicht Ihr dies am besten durch eine einfache Flop-Bet.

Hat allerdings den letzten Raise Pre-Flop ein Gegner platziert, so könnt Ihr Euch diesen Gegner als Ausknockhilfe zu Nutze machen. Da wir hier über 3-Handed Situationen reden, können wir die 3 Spielerpositionen bequem mit EP, MP und LP bezeichnen - Early-, Middle- und Late Position. Sind wir in EP und der Pre-Flop-Raiser in LP, so können wir mit Hilfe eines Check-Raises den MP Spieler maximal unter Druck setzen. Sind wir in EP und der Pre-Flop-Raiser ist in MP, so betten wir direkt in ihn rein und hoffen, dass er durch einen Raise für uns den LP Spieler ausknockt. Weitere Szenarios lassen sich sehr leicht herleiten.

Falls wir ein Monster haben, können wir auch so spielen, dass wir den passiven dritten Spieler zwischen uns und dem Pre-Flop-Raiser trappen. Sind wir z. B. in EP und der Pre-Flop-Raiser in LP und wir haben ein Monster, so betten wir direkt, hoffen, dass MP callt und LP raist, so dass wir 3-betten können. Je nach Position lässt sich derselbe Effekt auch durch einen Check-Raise erreichen.


Heads-Up Situationen am Flop und Turn


Die Bedeutung der Initiative


Jemand hat die Initiative, wenn er in der vorhergehenden Betting-Round den letzten Raise bzw. die letzte Bet platziert hat.

In Situationen mit nur einem Gegner am Flop ist es unheimlich wichtig, wenn man die Preflop-Initiative hat, erneut zu betten.
Falls Ihr am Flop eine starke Hand habt, protectet Ihr sie durch eine Bet.
Falls Ihr am Flop eine schwache Hand habt, so gewinnt Ihr durch eine Bet häufig den Pot automatisch, nämlich immer dann, wenn Eure Gegner ebenfalls nicht getroffen haben.
Und selbst mit absoluten Monsterhänden solltet Ihr erneut betten und keineswegs ein Slowplay versuchen. Denn ein Check in so einer Situation ist extrem verdächtig, so dass er Euch eher schadet als nutzt.

Am Turn solltet Ihr, falls Ihr die Initiative habt, in den allermeisten Fällen erneut betten.

Es gibt nur drei sehr seltene Ausnahmesituationen:



OOP: Check-Fold am Turn

 

  • Die Chance, dass Ihr vorne liegt, ist sehr klein
  • Die Chance, dass Euer Gegner foldet, ist sehr klein
  • Falls Ihr checkt, könntet Ihr guten Gewissens für nur eine Bet direkt folden.

Kurz gesagt: Hände mit einigen Outs, Showdown-Value oder Bluffchancen werden am Turn erneut gebettet.

Beispiel: Ihr raist Pre-Flop in der SB mit QTo gegen einen tighten Spieler. Der Flop ist A72 Rainbow. Ihr bettet und er callt. Der Turn ist 2. Hier könnt ihr easy Check-Fold spielen.


IP: Check Turn, Fold River unimproved

  • Die Chance, dass Ihr vorne liegt, ist sehr klein
  • Die Chance, dass Euer Gegner foldet, ist sehr klein
  • Falls Ihr checkt, könntet Ihr guten Gewissens unimproved am River folden

Kurz gesagt: Hände mit einigen Outs, Showdown-Value oder Bluffchancen werden am Turn erneut gebettet.

Beispiel: Ihr raist Pre-Flop am Button gegen einen tighten Spieler mit QTo. Der Flop ist A72 Rainbow. Er checkt, Ihr bettet und er callt. Der Turn ist 2. Hier könnt Ihr am Turn Check-Behind machen und am River unimproved folden, wenn er bettet.

IP: Check Turn to induce a Bluff

  • Die Chance, dass Ihr vorne liegt, ist mäßig, aber noch groß genug, um eine Bet zu callen
  • Falls Ihr vorne liegt, hat Euer Gegner kaum Outs gegen Euch
  • Am Turn wird der Gegner fast nie mit einer schlechteren Hand callen.
  • Am Turn wird der Gegner nie eine bessere Hand folden.
  • Euer Gegner ist Tight-Aggressive

Dies ist die sogenannte "way-ahead-or-way-behind"-Situation. Sie ist sehr sehr sehr selten!!! Am besten verdeutlicht man sie mit einem Beispiel:

Hero ist am Button mit KQs. Der BB ist ein solider Spieler.

Pre-Flop:
Hero raist, Sb foldet, BB 3-bettet, Hero capt, BB callt

Flop: K 2 2 Rainbow
BB checkt, Hero bettet, BB callt.

Turn: A
BB checkt, Hero ???

Hier sollten wir checken. Der BB hat i. d. R. entweder ein Ace, ein Pocket Pair < QQ oder ein Monster. Da er solide ist, würde er QQ und schlechter gegen unsere Bet folden. Andere Hände würde er callen oder uns mit einem Check-Raise Kopfschmerzen machen. Wenn wir allerdings ein Check-Behind machen, wird er häufig Hände wie QQ, JJ, ..., 55 am River betten. Wir callen dann und haben eine extra BB aus ihm geholt. Gegen ein Ace oder ein Monster verlieren wir aber nach wie vor nur 1 BB. Zudem schadet es meistens nicht, einer Hand wie QQ, JJ, ..., 55 eine Freecard zu geben - diese Hände haben ja nur 2 Outs!

OOP: Das Aufrechterhalten der Initiative

Falls Ihr eine spielbare Hand habt, ist es Out of Position unheimlich wichtig, am Flop die Initiative zu ergreifen. Bettet Ihr z. B. den Flop, der Gegner raist, und Ihr habt eine spielbare Hand, solltet Ihr in der Regel 3-Bet Flop und Bet Turn spielen, wenn Ihr entweder eine halbwegs brauchbare Made Hand oder einen guten Semi-Bluff habt. Nur mit Händen, die Ihr am Turn unimproved check-folden würdet, solltet Ihr den Flop Raise nicht 3-betten.

Die Gründe dafür:

Habt Ihr eine gute Semi-Bluff Hand, so erhaltet Ihr durch 3-Bet Flop und Bet Turn eine hohe Fold-Equity und verhindert einen Check-Behind des Gegners.
Habt Ihr eine Made Hand, so garantiert Ihr maximalen Value.
Hat der Gegner eine bessere Hand als Ihr, so verliert Ihr in der Regel insgesamt auch nur 1 SB mehr. Denn wenn Ihr am Turn checkt, wird der Gegner Euch value-betten - Ihr spart also am Turn nichts.
Manchmal spart Ihr sogar Geld, da Ihr nach 3-Bet Flop und Bet Turn bestimmte Hände viel leichter gegen einen Turn Raise des Gegners folden könnt oder aber nach einem Flop Cap des Gegners sogar am Turn check-folden könnt.

Beispiel:

Hero ist in der SB mit 99 und raist 1st-In. Die BB callt. Der Flop ist Js 8s 2h. Hero bettet, BB raist. Hier sollte Hero auf jeden Fall 3-Bet Flop und Bet Turn spielen - aus o. g. Gründen.

Das Übernehmen der Initiative

Gehen wir nun einmal von einer Heads-Up Situation am Flop aus. Euer Gegner hat die Initiative.
Fast immer wird er, wenn Ihr am Flop checkt, betten. Ist er Out of Position und Ihr callt den Flop, wird er zudem fast immer den Turn betten. Ist er allerdings am Turn In Position und Ihr habt den Flop nur gecallt, nimmt er häufig per Check-Behind eine Freecard.

Diese Standardspielweise der Gegner nutzen wir mit den perfekten Standardantworten maximal aus:

OOP: Check-Raise Flop, Bet Turn

Sind wir Out of Position und haben eine spielbare Hand, sollten wir deshalb grundsätzlich Check-Raise Flop und Bet Turn spielen. Mit einer Drawing Hand erreichen wir dadurch sowohl am Flop als auch am Turn eine garantierte und hohe Fold-Equity. Mit einer Made Hand bekommen wir dadurch am Flop oft das Maximum an Value und verhindern zudem, dass unser Gegner am Turn eine Freecard nimmt.

IP: Call Flop, Raise Turn

Mit dieser Spielweise erreichen wir zum einen eine hohe Fold-Equity mit Drawing Hands, zum anderen aber auch einen hohen Value mit Made Hands. Zudem ermöglicht diese Spielweise ein Ausnutzen des Free Showdown Effekts. In den allermeisten Fällen wird nämlich der Gegner unsere Turn Raise nicht 3-betten, so dass wir In Position am River, je nach Riverkarte und Situation, entweder value-betten oder checken können. Durch den Raise am Turn haben wir uns am River die perfekte Situation geschaffen.


Ein interessanter Punkt:

Was vielen von Euch hoffentlich aufgefallen ist, ist ,dass bei o. g. Bet-Sequenzen kein Unterschied zwischen Drawing Hands und Made Hands gemacht wird. Der Grund dafür ist der typische Shorthanded-Gegnertyp - ein Semi-Loose und Semi-Aggressive Spieler. Gegen solche Gegner fallen die optimalen Value- und Semi-Bluff-Sequenzen nämlich zusammen!

Gegen ungewöhnliche Gegnertypen ändern sich allerdings die optimalen Standardsequenzen. Und hier tritt es auch häufig auf, dass sich die Value- von der Semi-Bluff-Sequenz unterscheidet.

Anpassen der Bet-Sequenzen an den Gegnertyp


Grundsätzlich können Bet-Sequenzen in Heads-Up Situationen drei verschiedene Ziele verfolgen:

    • 1.Maximieren des Values

    • 2.Maximieren des Fold-Equity/Kosten-Verhältnisses

    • 3.Bewältigen von Ausnahmesituationen ("way-ahead-way-behind" etc.)

Ziel 1 ist nahezu selbsterklärend. Stellt Euch vor, Ihr habt ein Monster gefloppt. Nun möchtet Ihr auf eine Weise spielen, die Euch im Schnitt den meisten Profit einbringt. Ihr möchtet den Gegner dazu bringen, bis zum Showdown so viel Geld wie möglich zu investieren.

Ziel 2 ist etwas komplexer. Hier möchtet Ihr nämlich den Gegner zum folden bringen. Entscheidend hierbei ist das Verhältnis der generierten Fold-Equity zu den Kosten der Bet-Sequenz.

Ziel 3 ist ein Sammelbegriff für Sondersituationen, die Ihr nicht den Zielen 1 und 2 zuordnen könnt. Solche Situationen können nur schwer allgemein behandelt werden; sie müssen eher case-by-case gelöst werden und sollen nicht Thema dieses Artikels sein.

Konzentieren wir uns also auf Ziel 1 und 2 gegen verschiedene Gegnertypen. Wir nehmen zudem an, dass das Board weder besonders Scary noch extrem Draw Heavy ist.

Ziel 1: Value


Gegen Maniac


OOP: Check-Call Flop, Bet/3-Bet Turn

IP: Call Flop, Raise/Cap Turn


Gegen LAG


OOP: Bet/3-Bet Flop, Bet Turn

IP: Call Flop, Raise Turn


Gegen Calling-Station


OOP: Check-Raise Flop, Bet Turn

IP: Raise Flop, Bet Turn


Gegen Rock (Tight-Passive)


OOP: Check-Call Flop, Bet Turn

IP: Call Flop, Bet/Call Turn


Gegen TAG


OOP:Check-Raise Flop, Bet Turn

IP: Call Flop, Raise Turn

Anpassen an Scary-, Drawless- und Draw Heavy Boards:
Bei Scary- und Drawless Boards sollte man In Position den Turn gegen tightere Gegner nicht raisen, sondern nur callen, um am River eine weitere Bet zu erhalten.
Bei Draw Heavy Boards sollte man natürlich auch gegen tightere Gegner mit voller Aggressivität spielen.

Ziel 2: Maximierung Fold-Equity/Kosten



Gegen Maniac


Vergesst es! Maniacs zum folden zu bringen, ist grundsätzlich nicht profitabel. Spielt mit Euren starken Draws Check-Call.


Gegen LAG


OOP: Check-Raise Flop, Bet Turn oder Check-Call Flop, Check-Raise Turn

IP: Call Flop, Raise Turn


Gegen Calling-Station


Vorsicht: Gegen passive Calling-Stations braucht Ihr mehr Outs, damit ein Semi-Bluff profitabel ist.

OOP: Check-Raise Flop, Bet Turn

IP: Raise Flop, Bet Turn


Gegen Rock (Tight-Passive)


OOP: Check-Raise Flop, Bet Turn

IP: Raise Flop, Bet Turn


Gegen TAG


OOP: Check-Raise Flop, Bet Turn

IP: Call Flop, Raise Turn


Anpassen Eurer Semi-Bluff Häufigkeit an die Gegnertypen


Folgendes Prinzip muss Euch glasklar sein: Je kleiner die Chance ist, dass Euer Gegner gegen eine Semi-Bluff-Sequenz foldet, desto stärker muss Euer Draw sein. Gegen Rocks kann man z. B. je nach Board auch mit Draws raisen, die fast keine Outs haben, oder sogar mit einer absolut wertlosen Hand. Gegen Calling-Stations sollte man hingegen schon mindestens 6 Discounted Outs haben, damit sich ein Semi-Bluff lohnt. Gegen totale Manics, die quasi nie folden, braucht Ihr keinen Semi-Bluff zu versuchen.
Konkret bedeutet dies z. B., dass Ihr einen Gutshot Straight Draw gegen einen TAG bei einem passenden Board check-raist, gegen einen Maniac hingegen sogar check-foldet!


Heads-Up am River OOP

Korrektes Spielen am River OOP ist schwierig und vor allem auch gegnerabhängig. Mit einer durchschnittlich guten Made Hand sind die häufigsten Moves OOP am River Check-Call und Bet-Call. Zählen wir einmal die Vor- und Nachteile dieser Moves auf.

Gegner vorne /vs Bet /vs Check Bet / Call Check / Call
1) Ja / Raise / Bet (value-raise) -2 -1
2) Ja / Raise / Check (pseudo-bluff-Raise) -2 O
3) Ja / Call / Bet (value-bet) -1 -1
4) Ja / Call / Check (passiv) -1 O
5) Ja / Fold / Bet (pseudo-bluff) +P -1
6) Ja / Fold / Check (pseudo-busted) +P O
7) Nein / Raise / Bet (bluff bet-raise) +P2 +P1
8) Nein / Raise / Check (bluff-raise) +P2 +P0
9) Nein / Call / Bet (pseudo-value-bet) +P1 +P1
10) Nein / Call / Check (crying-call) +P1 +P0
11) Nein / Fold / Bet (bluff-bet) +P0 +P1
12) Nein / Fold / Check (busted) +P +P

Erläuterung:

Jeder Eintrag gibt immer die Kosten bzw. den Gewinn für den Move an. Out of Position sitzend hat man die Auswahl zwischen Bet-Call und Check-Call. Die erste Spalte gibt an, ob man am Showdown die schlechtere Hand besitzt (ja/nein) und wie der Gegner auf deine Aktionen reagiert. Gerechnet wird in Big Bets. "P" ist der Pot.

+P2 bedeuted, Dein Move gewinnt nicht nur den Pot, sondern noch 2 zusätzliche BB. - 1 bedeutet, Du verlierst nicht nur den Pot (den Du ja ohnehin verloren hättest), sondern noch eine zusätzliche BB (im Vergleich zu Check-Fold).

Die Frage ist nun, wie die verschiedenen Spalten zu gewichten sind. Nun, das kommt ganz darauf an, wie wahrscheinlich die Fälle 1) bis 12) sind und wie groß jeweils der Unterschied zwischen Bet-Call und Check-Call ist. Bei den Fällen 5) und 6) ist z. B. der Unterschied gewaltig. Die Häufigkeit bei Fall 3) ist bei einem TAG sehr hoch. Bei einem passiven Gegner ist hingegen die Häufigkeit von 4) sehr hoch. Bei einem Maniac hingegen sind die Bluff-Chancen sehr hoch.
Auf den ersten Blick fällt folgendes auf: Sind wir fast sicher vorne, kommt ein Check-Call nicht in Frage. Die Frage ist hier vielmehr: Bet/3-Bet oder Check-Raise? Sind wir fast sicher hinten, kommt ein Check-Call ebenfalls nicht in Frage. Die Frage ist hier: Check-Fold oder Bet-Fold? Die Frage Check-Call oder Bet-Call stellt sich somit hauptsächlich bei Händen, bei denen wir nicht sicher sind, wo wir stehen. Wir sind uns aber sicher, dass der Gegner keine bessere Hand folden wird.
Der wichtigste Faktor in dieser Situation ist dabei 10). Wir betten schließlich für Value, weil unsere Gegner ständig mit schlechteren Händen den River callen, die sie sonst gecheckt hätten. Je nach Situation und Gegner sind ausserdem wichtig: 1), 3), 4), 11).