Wie spielst du Overcards?
Einleitung
In diesem Artikel
- Wann du eine Contibet machst
- Wie du auf Donkbets reagierst
- Wann und wie du nach Odds&Outs spielst
Wer kennt nicht den Spruch „AK alias Anna Kournikova: sieht gut aus, aber gewinnt selten“? Gerade AK offsuited ist die am häufigsten gespielte Hand überhaupt. Doch wie du sicherlich schon weißt, sieht die Welt postflop anders aus. Oft verfehlst du den Flop und weißt nicht wirklich, was du tun sollst. Triffst du mit ihnen am Flop kein Pair, hältst du immer zwei Karten, die höher als jede Karte im Board sind, die sogenannten Overcards. Verbesserst du dich an Turn oder River zu einem Pair, ist dies meist Toppair mit sehr gutem Kicker.
Der richtige Umgang mit Overcards
Lernst du die Stärken und Schwächen von Overcards richtig auszuspielen, wird sich dein Spiel massiv verbessern. Professionelle Pokerspieler machen mit diesen Händen einen nicht unerheblichen Teil ihres Profits, denn sie wissen, einerseits das Maximum aus ihnen herauszuholen und andererseits sie zu folden, wenn es notwendig ist.
In diesem Artikel lernst du, wie du als Preflopaggressor mit Overcards am Flop richtig umgehst und wie du diese Hände bestmöglich weiterspielst. Bitte beachte dabei, dass erweiterte Kenntnisse zum Thema Odds & Outs dabei nötig sind. Solltest du in dieser Thematik noch unsicher sein, kannst du alle erforderlichen Informationen im Artikel Odds und Outs für Fortgeschrittene nachlesen.
Warum sind Overcards nicht leicht zu spielen? Im Großen und Ganzen sind es nur zwei Punkte, die bei Overcards zusammen auftreten:
-
Du hältst postflop oft nur Overcards
Die Wahrscheinlichkeit, ein Paar zu floppen, liegt bei ~29%. Für zwei Paare sind es schon nur noch ~1.5%. Hältst du suited Holecards, liegt die Wahrscheinlichkeit, einen Flushdraw zu treffen, bei ~15%. Das bedeutet, dass du, grob gesagt, mit einer Hand wie AK in 2 von 3 Fällen am Flop ohne Pair und starken Draw spielst. Das klingt vielleicht zunächst ernüchternd, ist aber oft gar nicht so schlimm, denn … -
Du liegst am Flop auch ohne Pair oft noch vorn
Da die Wahrscheinlichkeit an sich eine recht gerechte Sache ist, treffen deine Gegner im Mittel ebenfalls nur jedes dritte Mal am Flop ein Pair. Du kannst also auch mit A high am Flop noch sehr gut die beste Hand halten. Wie wahrscheinlich das ist, hängt natürlich wie immer von deinen Gegnern und dem Board ab.
Wann machst du eine Continuationbet?
Für das Spiel vor dem Flop hast du bereits seit den Einsteiger- und Bronze-Sektionen weiterführende Charts bekommen und kannst auf diesem Wege ein Gefühl für das Preflopspiel entwickeln. Doch postflop kennst du nur die Standardmoves gegen einen Spieler.
Doch was machst du bei mehreren Spielern oder speziell in diesem Abschnitt: Wann machst du eine Continuationbet mit Overcards?
Viele unerfahrene Spieler machen den Fehler, sich am Flop automatisch hinten zu sehen, wenn sie ihn als Preflopraiser verfehlt haben. Dabei sind Overcards nicht selten am Flop die beste Hand.
Preflop: Hero is BB with A
6 folds, CO calls, SB completes, Hero raises, CO calls, SB calls
Flop: (6 SB) K


SB checks, Hero ???
Du hast den Flop komplett verfehlt. Du hast sogar nur eine Overcard und einen schwachen Backdoordraw. Trotzdem kannst du dich hier noch oft vorne sehen. Das Board ist ziemlich trocken. Lediglich einige Straightdraws sind möglich.
Oft limpen Spieler mit kleinen Pocketpairs und suited Connectors, manche Gegner auch mit einem Ass mit kleinem Kicker. Es gibt zahlreiche Holdings (unter anderem 98, JT, J9, QT, QJ, A high und viele mehr), gegen die du auf diesem Board mit AQ vorne liegst. Die Bet ist somit for Protection.
Liegst du vorne, haben die Gegner oft 6 Outs auf ihre beiden Holecards, sofern sie kein A high haben. Wüssten sie, dass sie die vollen Outs haben, könnten sie bei 7:1 Pot Odds korrekt callen. Außerdem bringst du eventuell sogar bessere Hände zum Folden. Kleine Pocketpairs wie 22-44 könnten hier aufgeben, da sie sich nach deiner Bet hinten sehen und kaum Outs haben.
Du bettest also.
Hero bets, CO folds, SB folds.
Natürlich muss dir hier bewusst sein, dass dieses Szenario eher selten auftritt. Viel häufiger werden nicht beide Gegner am Flop folden. Die Bet bleibt aber dennoch profitabel, denn …
- … du zahlst nur eine SB und kannst einen Pot von 6 SB einsacken. Wenn also nur jedes 7. Mal beide Gegner folden, hat die Bet automatisch einen positiven Erwartungswert.
- … selbst wenn ein Gegner in der Hand bleibt, gibt es noch eine kleine Chance, dass du dennoch vorne liegst, da viele Gegner am Flop mit sehr schwachen Händen loose Calls machen.
- … du hast die Chance, deine Hand noch zu verbessern. Sollte ein Gegner nur callen, hast du noch 6 Outs, sofern er nicht gerade den König oder ein Monster hält. Eine Q oder ein A am Turn verbessern dich oft zur besten Hand, solltest du diese nicht schon am Flop gehabt haben.
In der Praxis ist die Entscheidung für eine Continuationbet aber nicht immer so einfach wie im genannten Beispiel. Ob du mit Overcards am Flop noch bettest, hängt hauptsächlich von der Anzahl der Gegner und der Floptextur ab. Je weniger Gegner du hast, desto unwahrscheinlicher wird es, dass jemand etwas getroffen hat. Je drawlastiger das Board ist, desto wahrscheinlicher werden Draws beim Gegner, die du so schnell nicht zum Folden bekommst.
Außerdem nimmt mit der Gegnerzahl die Potgröße zu, wodurch die Gegner weniger marginale Hände folden werden. In Position hast du, wie oben schon erwähnt, zusätzlich die Freecard-Option, was die Bet attraktiver macht.
Aus diesen Gründen wurden folgende Regeln aufgestellt, die dir eine Hilfestellung zum Contibetten mit Overcards geben sollen.
Du bettest(fast) immer. Du liegst gegen zwei Gegner häufig vorne. Sie haben oft verfehlt. Du willst deine Hand gegen mögliche Livecards protecten und bringst eventuell bessere Hände wie kleine Pocketpairs zum Folden. Außerdem ist der Pot meist so klein, dass es sich für die anderen Spieler nicht lohnt, weiteres Geld in die Hand zu investieren.
Du bettest nur bei günstigen Bedingungen. Bei 3 Gegnern wird es wahrscheinlich, dass jemand getroffen hat. Außerdem spielt jetzt die Potgröße eine Rolle. Zu viert am Flop bedeutet, dass der Pot mindestens 8 SB groß ist und deine Gegner nach einer Bet mindestens 9:1 Pot Odds bekommen, womit sie mit einigen Händen profitabel mitgehen können.
Du bettest nicht, wenn…
- … du out of Position gegen alle Spieler bist.
- … der Flop stark drawlastig ist und du keine Backdoordraws hast.
- … der Flop trocken und ohne Facecards ist.
Preflop: Hero is MP2 with K
Hero raises, 2 folds, Button calls, SB calls, BB calls
Flop: (8 SB) J


SB checks, BB checks, Hero ???
Den Flop verfehlst du komplett und die Blinds checken zu dir. Erstmal kannst du dich vorne sehen. Du hältst zwar nur King high, dennoch haben schon zwei Spieler gecheckt und nur noch ein Spieler kommt hinter dir. Das Board ist moderat koordiniert, die Gegner werden oft folden, wenn sie verfehlt haben. Mit A high können sogar bessere Hände folden. Außerdem liegt eine Facecard auf dem Board, die du selbst gut getroffen haben könntest. Du bettest also.
Preflop: Hero is UTG with A
Hero raises, 5 folds, CO calls, Button calls, SB folds, BB calls
Flop: (8,5 SB) J


BB checks, Hero???
Dieser Flop ist so ziemlich der worst Case, der dir mit AK passieren kann. Der Flop ist 2-connected und 2-suited. Du selber hältst keine Karte in der Flushfarbe. Außerdem könnten die Gegner hier gut ein Pair oder auch Twopair getroffen haben, da suited Connectors gerne coldgecallt werden. Du liegst nur sehr selten noch vorne, bringst aber kaum bessere Hände zum Folden und kannst dir bei einem Call der Gegner nicht sicher sein, ob sie nun auf einem Draw sitzen oder dich schon längst überholt haben. Du musst die Initiative aufgeben und checkst.
Ab 4 Gegnern wird es schon richtig eng. Mindestens ein Gegner hat oft etwas getroffen. Außerdem ist der Pot am Flop jetzt so groß, dass du allein dadurch kaum Gegner zum Folden bringst.
Daher bettest du nur noch, wenn…
- … der Flop sehr trocken ist und mindestens 2 Spieler schon gecheckt haben. Paired Boards sind gut für eine Continuationbet geeignet.
Preflop: Hero is UTG with A
Hero raises, 2 folds, MP1 calls, 2 folds, CO calls, Button calls, 1 fold, BB calls
Flop: (10,5 SB) T


BB checks, Hero???
Der Flop kommt trocken und der Big Blind checkt. Bei 4 Gegnern kannst du dich nicht mehr oft vorne sehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Gegner etwas getroffen hat, geht gegen 100%. Du bist oop gegen den Großteil der Spieler und der Pot ist schon so groß, dass nur sehr schlechte Hände folden werden. Selbst ein Gutshot kann ohne implied Odds callen. Daher checkst du.
Bei mehr Gegnern ist eine Contibet mit Overcards einfach unprofitabel. Mindestens ein Gegner hat in den allermeisten Fällen getroffen und der Pot ist einfach riesig. Kaum jemand wird auch nur irgendetwas schon am Flop aufgeben. Deswegen spielst du hier nach Odds & Outs weiter.
Wie reagierst du auf eine Donkbet am Flop?
Wer kennt das nicht? Du machst ein Isolationsraise gegen einen Limper, was leider schiefgeht und zu allem Überfluss donkt der Limper auch noch in dich rein.
Preflop: Hero is CO with A
UTG calls, 5 folds, Hero raises, BU calls, UTG calls.
Flop: (7,5 SB) 6


UTG bets, Hero ???
Die geschilderte Situation ist eingetreten. UTG donkt in dich rein. Hätte er gecheckt, hättest du natürlich deine Contibet gesetzt, weil du oft vorne liegst. Also geht es eigentlich nur um eine Frage: Ist die Wahrscheinlichkeit immer noch hoch, dass du mit den Overcards vorne liegst?
In diesem Fall lautet die Antwort: Ja! Nur 5 Karten connecten direkt mit dem Flop, dementsprechend ist es unwahrscheinlich, dass UTG selbst getroffen hat. Eine 6 würde er zumal oft nicht direkt betten aus Angst, er könnte mit einem Monster alle Gegner vertreiben.
Außerdem weiß selbst ein Fisch, dass du als Preflopraiser oft den Flop verfehlt hast, so dass viele Gegner auf solchen Boards zu Bluffs neigen. Dementsprechend solltest du hier raisen, womit du auch den 3. Spieler, der oft 6 Outs hat, aus der Hand drängen kannst.
Wie du eventuell schon bemerkt hast, dreht es sich bei Donks häufig um das gleiche Szenario: Du siehst dich gegen die passiven Spieler oft genug vorne und möchtest gerne Gegner hinter dir ausschalten. Die einzige Frage ist nur noch: Siehst du dich gegen den Donkey vorne? Bei unbekannten Gegnern spielen hauptsächlich zwei Faktoren eine Rolle, die Floptextur und die Anzahl der Gegner.
In diesen Fällen ist eine Donk vom Gegner in den meisten Fällen entweder ein Bluff oder eine made Hand. Selten wird ein Gegner semibluffen. Hast du wenige Gegner, ist ein Bluff eher wahrscheinlich, je mehr Gegner es jedoch werden, desto wahrscheinlicher wird eine made Hand.
Hast du genau 2 Gegner, raist du die Donkbet.
Verändern wir obiges Beispiel ein wenig.
Preflop: Hero is CO with A
UTG calls, 5 folds, Hero raises, BU calls, SB calls, BB calls, UTG calls.
Flop: (10 SB) 6


UTG bets, Hero ???
Der Flop hat sich nicht geändert, jedoch ist hier ein Bluff viel unwahrscheinlicher. Hinter dem UTG kommt das komplette Feld, was hier aber 4 Spieler sind, von denen er nichts weiß. Der Pot ist ziemlich groß. Selbst du wirst mit Overcards oft noch einmal callen müssen. Bluffen wird hier nur ein sehr aggressiver oder dummer Gegner. Dementsprechend musst du auf eine passive Spielweise umstellen. Wie du die Hand korrekt weiterspielst, kannst du im Quiz zu diesem Artikel herausfinden.
Hier liegt die Sache jedoch anders. Nun ist viel möglich: reine Bluffs, Semibluffs, made Hands. Deine eigene Hand wird wichtig. Da viele Draws möglich sind, ist deine Hand noch viel verwundbarer, als sie es eigentlich schon ist. Hier spielen deine Backdoordraws eine große Rolle.
Du raist, wenn du …
- … weniger als 4 Gegner und …
- … mindestens einen BDFD oder einen 0-Gap-BDSD hast.
Wichtig ist hierbei, dass du mit AK auf einem Q73-Board keinen richtigen 0-Gapper hast, sondern einen 2-Gapper, da du genau J und T für eine Straight benötigst.
Preflop: Hero is MP1 with A
3 folds, Hero raises, 4 folds, SB calls, BB calls.
Flop: (6 SB) 3


SB checks, BB bets, Hero ?
Der Big Blind donkt auf dem drawlastigen Board in dich rein. Er wird hier mit einer weiten Range donken. Er könnte made Hands wie Bottom-, Middle- oder einem unwahrscheinlichem Toppair donken. Außerdem kann er viele Draws halten. Flushdraws und viele Straightdraws sind möglich. Im Schnitt kannst du dich also gegen seine Donk vorne sehen. Dazu kommt, dass du selbst einen BDFD auf die Nuts hältst, was deine Hand am Flop robuster gegen andere Draws macht.
Außerdem kannst du mit einem Raise eventuell bessere Hände beim Small Blind zum Folden bekommen, wie ein Bottom- oder Middlepair oder kleine Pocketpairs. Da du in Position bist, hast du davon abgesehen noch die Freecard-Option am Turn. Diese Faktoren machen die Hand insgesamt stark genug für ein Raise.
Auf eine 3-Bet kannst du dich nicht mehr vorne sehen und spielst nach Odds & Outs weiter und callst. Foldet der SB, bekommst du 11:1 Pot Odds, brauchst also gerade mal 4 Outs. Deine Overcards könnten selbst gegen die 3-Bet noch gut sein, da er ein Top-Pair oder Overpair halten könnte. Außerdem hast du einen Backdoor-Nut-Flush-Draw.
Wie spielst du Overcards nach Odds und Outs?
Wenden wir uns nun Situationen zu, in denen du freiwillig passiv spielst oder dazu gezwungen wirst. Dazu greifen wir die Beispiele aus den vorigen Abschnitten auf.
Preflop: Hero is MP2 with K
Hero raises, 2 folds, Button calls, SB calls, BB calls
Flop: (8 SB) J


SB checks, BB checks, Hero bets, BU folds, SB raises, BB folds, Hero ???
Du hast dich am Flop für eine Continuationbet entschieden, doch der Small Blind checkraist dich auf einmal. Eine 3-Bet ist hier sinnlos. Der SB wird auf diesem trockenen Board in der Mehrzahl der Fälle mit einer made Hand raisen, die er so schnell nicht foldet.
Er wird mindestens bis zum Turn mitgehen. Der Pot ist dann zu groß für ihn zum Folden (er würde dann 13:1 auf einen Call bekommen). Eine Freecard bringt dir auch nicht viel. Du hast nur Backdoordraws und Overcards, bei denen du dir nicht sicher sein kannst, wie viele Outs du hast. Du musst also passiv weiterspielen und holst deine Checkliste für das Spielen nach „Odds & Outs“ raus.
1) Wie viele discounted Outs hast du?
Undiscounted hast du 6 Outs auf die Overcards, doch du wirst nicht immer gewinnen. Du kannst dir nicht sicher sein, mit Toppair zu gewinnen. Die Queen vervollständigt einen OESD. Du könntest dominiert sein von KJ, möglicherweise noch K8 (doch das ist schon unwahrscheinlich, da man mit Middlepair im Normalfall nicht checkraisen wird).
Außerdem könnte der SB bereits ein Set haben. Andererseits kannst du sie nicht komplett discounten. Du hältst Overcards, triffst also ein Toppair mit gutem Kicker, und bist nur noch Heads-up. Folden kannst du also nicht, wenn du triffst. Du gibst dir 4 Outs. Auf den 2-Card-BDFD gibst du dir 2 volle Outs, wie es im Artikel „Odds & Outs“ steht. Außerdem hast du 2 2-Gap-Backdoor-Straightdraws. Für den einen fehlen dir T und 9 und für den anderen T und A, um zumindest einen echten Straightdraw zu machen. Für jeden gibst du dir 0.25 Outs. Zusammen hast du demnach 6.5 Outs.
2) Wie groß ist der Pot?
Der Pot ist 11 SB groß.
3) Wie hoch sind die Kosten?
Du bist last to act, zahlst also genau 1 SB.
4) Vergleich Pot Odds zu Odds: Entscheidung Call oder Fold
Deine 6.5 Outs entsprechen Odds von 6,5:1, du kannst also bei 11:1 Pot Odds bequem callen.
Wie du also siehst, müssen Overcards teilweise stark discountet werden. In der obigen Situation ist das der Fall, da die Range vom Gegner polarisiert ist. Er hält nach dem Checkraise auf diesem Board oft entweder ein Bluff oder eine made Hand, in der Mehrzahl der Fälle eine made Hand. Einzelne Outs auf Overcards sind daher nicht sauber wie auf einem drawlastigen Board, jedoch bist du öfter dominiert oder sogar drawing dead. Das führt zu folgenden groben Regeln.
Ist das Board rainbow und du hast …
- 1 Gegner: gib dir 5 Outs auf die Overcards.
- 2 Gegner: gib dir 4 Outs auf die Overcards.
- Mehr als 2 Gegner: gib dir 3 Outs auf die Overcards.
Preflop: Hero is UTG with A
Hero raises, 5 folds, CO calls, BU calls, SB folds, BB calls
Flop: (8,5 SB) J


BB checks, Hero checks, CO checks, BU bets, BB folds, Hero ?
Du hast dich gegen die Contibet entschieden und der Button bettet. Der BB foldet und du musst nun eine Entscheidung treffen. Call oder Fold?
1) Wie viele discounted Outs hast du?
Undiscounted hast du 6 Outs auf die Overcards. Aus dem letzten Beispiel weißt du bereits, wie du discounten musst. Der Button hat in 3 Spieler gebettet, also discountest du deine Outs um die Hälfte und gibst du dir 3 Outs. Hier musst du bedenken, dass du schon drawing dead oder drawing thin sein könntest.
Eine Straight is bereits möglich, sowie einige Twopairs, die wahrscheinlich in der Range der anderen Spieler liegen. Außerdem ist das Board 2-suited. Das musst du natürlich einbeziehen. Die 
Discounte die tainted Outs um die Hälfte. Außerdem hast du noch einen 2-Gap-BDSD, auf den du dir aber auf dem 2-suited Board keine Outs geben kannst. Also hast du 2-3 discounted Outs.
2) Wie groß ist der Pot?
Der Pot ist 9.5 SB groß.
3) Wie hoch sind die Kosten?
Du bezahlst 1 SB. Hinter dir kommt zwar noch ein Gegner, jedoch ist ein Checkraise in dieser Situation extrem unwahrscheinlich. Du hast als PFA bereits gecheckt. Hätte er eine Hand, die er spielen will, hätte er höchstwahrscheinlich direkt gebettet, denn hinter ihm kommt nur noch ein Spieler.
4) Vergleich Pot Odds zu Odds: Entscheidung Call oder Fold
Um 2-3 Outs korrekt callen zu können, brauchst du mindestens Pot Odds von 15 zu 1. Bei gerade mal 9.5:1 Pot Odds foldest du also.
Dieses Beispiel führt zu folgenden zwei Regeln.
Ist das Board 2-suited, discounte die tainted Outs um die Hälfte.
Ist das Board 3-suited, discounte die tainted Outs komplett.
Zum Abschluss eine Tabelle als Zusammenfassung.
|
Anzahl von Outs mit Overcards
|
Du musst immer bedenken, dass die angegebenen Tabellenwerte immer Richtlinien sind und in Abhängigkeit verschiedener Situationen (Gegnertyp, Board) variieren können. Die Werte liefern dir den ersten Orientierungspunkt, den du mit den weiteren Informationen dann noch feiner bestimmen kannst.
Wie spielst du am Turn?
Das Spiel am Turn unterscheidet sich nicht groß vom Spiel am Flop. Insgesamt werden die Gegner jedoch tighter. Während die Spieler am Flop noch oft for Freecard raisen oder billig bluffen wollen, werden Bluffs am Turn unwahrscheinlicher. Ebenso werden die Gegner nun weniger Draws callen, da sie im Gegensatz zum Flop meist schlechtere Pot Odds bekommen werden.
Es ist sinnvoll, bei Overcards zwei Arten von Turn-Situationen zu unterscheiden: Du hast die Initiative oder du hast sie nicht. Auf die zweite Art werden wir in diesem Artikel nicht näher eingehen. Ganz einfach darum, weil Overcards ohne Initiative nur ein schwacher Draw sind und dementsprechend nach Odds & Outs weitergespielt werden. Da wir gern das Heft in der Hand halten, wenden wir uns lieber dem interessanteren Teil zu: Du hast die Initiative.
Deine Gegner waren bisher passiv. Das hat in den meisten Fällen nur 2 Gründe: Sie halten Draws und wollten billig die nächste Karte sehen und verfolgen jetzt das gleiche Ziel am Turn. Oder sie halten made Hands, mit denen sie billig zum Showdown wollen (in wenigen Fällen halten sie auch Monster, die sie slowplayen).
Preflop: Hero is MP2 with K
Hero raises, 3 folds, SB calls, BB calls
Flop: (6 SB) J


SB checks, BB checks, Hero bets, SB folds, BB calls.
Turn: (4 BB) 6
BB checks, Hero ?
Der Big Blind hat deine Contibet am Flop gecallt. Gegen einen Gegner besteht eine realistische Chance, dass er foldet. In den niedrigen Limits nehmen die Gegner oft erst eine Turnbet für bare Münze und treffen hier ihre Entscheidung.
Weiterhin besteht bei einem Gegner noch die Wahrscheinlichkeit, dass er mit einem marginalen Draw wie einem Gutshot am Flop gecallt hat, aber nun aufgeben muss. Außerdem könntest du hier noch gut vorne liegen. Dein Gegner war bis jetzt passiv, was eine starke Hand wie Toppair unwahrscheinlicher macht. Im besten Fall könnte er noch A high loose am Flop gecallt haben und sich aber am Turn verabschieden. Diese Faktoren machen eine Bet am Turn profitabel.
Hast du am Turn nur einen Gegner, bettest du in den meisten Fällen ein weiteres Mal.
Preflop: Hero is MP2 with K
Hero raises, 3 folds, SB calls, BB calls
Flop: (6 SB) J


SB checks, BB checks, Hero bets, SB calls, BB calls.
Turn 1: (4,5 BB) 6
SB checks, BB checks, Hero ?
Das Board ist das gleiche, doch diesmal haben beide Spieler deine Flopbet gecallt. Der Flop ist moderat koordiniert, 2 OESDs und ein paar Gutshots sind möglich. Gegen 2 Gegner liegst du am Turn aber fast immer hinten und die Chance, dass du den Pot hier gewinnst, ist drastisch gesunken. In dieser Situation möchtest du lieber von einer Freecard profitieren. Deswegen checkst du behind und hoffst auf einen guten River oder einen free Showdown. Setzt einer der Gegner am River, musst du die Hand aufgeben.
Turn 2: (4,5 BB) A
SB checks, BB checks, Hero ?
Bei diesem Turn hingegen sieht es anders aus. Selbst wenn die Gegner mit marginalen made Hands gecallt haben, besteht nun eine realistische Chance, genau diese zum Folden zu bringen. Du hast vor dem Flop geraist, am Flop gebettet und bettest nun erneut auf eine Karte, die Preflopraiser oft mögen. Du hast sehr wahrscheinlich ein höheres Pocket oder Overcards. Aber gegen genau diese Range müssen sich die Gegner nun hinten sehen. Ein einzelnes Pair braucht am Turn ~8:1 Odds, bekommt aber nur ~6:1. Der Gegner muss also folden, wenn er sich hinten sieht. Du bettest.
Hast du am Turn 2 Gegner, musst du abhängig von Floptextur und Turnkarte entscheiden, ob du ein weiteres Mal bettest.
Preflop: Hero is SB with A

MP3 calls, CO calls, BU folds, Hero raises, BB calls, MP3 calls, CO calls.
Flop: (8 SB) Q


Hero bets, BB calls, MP3 calls, CO calls.
Turn: (6 BB) 7
Hero ?
Unglücklicherweise haben alle Spieler deine Contibet am Flop gecallt. Bei so vielen Gegnern kannst du dich am Turn nicht mehr vorne sehen. Der Flop war zwar sehr trocken, doch bei dieser Gegneranzahl kannst du dich dennoch nicht mehr vorne sehen. Außerdem bist du auch out of Position gegen alle Spieler.
Da die Turnkarte keine neue Scarecard darstellt, werden die Gegner sehr selten bessere Hände folden, die sie nicht auch schon am Flop aufgegeben hätten. Insgesamt ist die Situation nicht sehr erfreulich für dich, weshalb du checken musst.
Hast du am Turn mehr als 2 Gegner, checkst du mit Overcards in den meisten Fällen.
Beispiele
Du hast nun einiges über das Spielen von Overcards erfahren. Um dir die Anwendung in der Praxis zu erleichtern, werden nun noch einige Beispiele besprochen.
Preflop: Hero is BB with A

2 folds, UTG+2 calls, 3 folds, BU calls, SB folds, Hero raises, UTG+2 calls, BU calls.
Flop: (6.5 SB) 3


Hero bets, UTG+2 calls, BU calls.
Turn: (4.75 BB) K
Hero ?
Du machst am Flop deine Continuationbet und wirst von beiden Spielern gecallt. Am Turn musst du nun eine Entscheidung treffen. Der Flop ist drawlastig. Flushdraws und einige Straightdraws sind möglich. Am Turn kommt nun eine Scarecard. Da du nur 2 Gegner hast, bettest du erneut. Du könntest noch vorne liegen und willst deine Hand vor den möglichen Draws protecten. Außerdem könnten bessere Hände folden, da der König wahrscheinlich bei dir ist.
Preflop: Hero is MP2 with K

Hero raises, MP3 folds, CO 3-bets, BU calls, 2 folds, Hero caps, CO calls, BU calls.
Flop: (13.50 SB) 7


Hero bets, CO raises, BU calls, Hero calls.
Turn: (9.75 BB) 2
Hero checks, CO bets, BU calls, Hero ?
Vor und am Flop gab es gut Action. Preflop hast du gecappt, doch der CO raist deine Bet am Flop trotzdem. Aufgrund der Potgröße gehst du mit. Am Turn musst du deine Hand erneut bewerten.
1) Wie viele discounted Outs hast du?
Du hast 2 Overcards auf einem 2-suited Board und stehst 2 Spielern gegenüber. Der Button könnte einen Flushdraw halten, was A

2) Wie groß ist der Pot?
Der Pot ist ~12 BB groß.
3) Wie hoch sind die Kosten?
Du bist last to act, zahlst also genau 1 BB.
4) Vergleich Pot Odds zu Odds: Entscheidung Call oder Fold
3 Outs entsprechen 14.5:1 Odds. Du bekommst nur 12:1 Pot Odds, also foldest du. Wohlgemerkt ein knapper Fold wegen der Potgröße, aber die Gefahr ist zu groß, dass dir ein A oder K am River nicht die beste Hand geben.
Preflop: Hero is MP1 with A

2 folds, Hero raises, 4 folds, SB calls, BB calls.
Flop: (6.00 SB) 7


SB checks, BB bets, Hero ?
Die Blinds callen dein Preflopraise und ihr geht zu dritt zum Flop. Das Board gefällt dir gar nicht. Es ist 3-suited. Da du selber keinen BDFD oder 0-Gap-BDSD hältst, kannst du ein Raise ausschließen. Also spielst du nach Odds & Outs weiter.
1) Wie viele discounted Outs hast du?
Du hast 2 Overcards auf einem 3-suited Board und stehst 2 Spielern gegenüber. Also gibst du dir 2 Outs auf die Overcards. Außerdem hast du noch einen 2-Gap-BDSD, auf den du dir aber keine Outs geben kannst. Also hast du 2 Outs.
2) Wie groß ist der Pot?
Der Pot ist 7 SB groß.
3) Wie hoch sind die Kosten?
In den meisten Fällen wirst du 1 SB zahlen müssen. Wie oft der Small Blind hier checkraist, ist nicht wirklich vorhersehbar. Vor dem Flop hat er dein Raise coldgecallt, was nicht gerade für einen Spieler spricht, der etwas von Preflopplay versteht. Daraus kannst du nur schließen, dass er ziemlich selten checkraisen wird, vor allem gegen 2 Gegner auf diesem hässlichen Board.
4) Vergleich Pot Odds zu Odds: Entscheidung Call oder Fold
Für 2 Outs brauchst du 22.5:1 Pot Odds, du bekommst aber gerade mal 7:1, weshalb du foldest.
Preflop: Hero is UTG+2 with A

UTG+1 calls, Hero raises, MP1 folds, MP2 calls, MP3 folds, CO calls, 3 folds, UTG+1 calls.
Flop: (9,50 SB) 3


UTG+1 checks, Hero bets, MP2 calls, CO calls, UTG+1 folds.
Turn: (6,25 BB) T
Hero ?
Der Flop kam sehr trocken. Du hast deine Continuationbet gemacht und 2 Spieler haben gecallt. Genau aus diesem Grund solltest du auch am Turn noch einmal setzen. Auf diesem Flop haben die Gegner häufig Overcards, die sie erst am Turn folden. Gib ihnen die Gelegenheit dazu! Die T stellt keine wirkliche Scarecard dar, aber die Pot Odds wurden fast halbiert, weshalb sie oft aufgeben müssen.
Preflop: Hero is MP3 with A
1 folds, Hero raises, 2 folds, SB calls, BB calls.
Flop: (6 SB) 3


SB checks, BB bets, Hero raises, SB folds, BB calls.
Turn: (5 BB) 4
BB checks, Hero ?
Der Turn ist eine Blank. Der BB donkt am Flop mit einer großen Range: Flush- & Straightdraws, Bottom- & Middlepairs, eventuell Toppairs. Noch bessere Hände sind unwahrscheinlich, da die meisten Spieler damit checkraisen bei nur 2 Gegnern.
Gegen die made Hands liegst du natürlich hinten, dennoch willst du gegen die Draws protecten. Dein Gegner bekommt 6 zu 1 Pot Odds, wofür er ~6.5 Outs braucht. Das heißt, mit einem Flushdraw und OESD wird er noch häufig callen, begeht aber schon mit Gutshots einen Fehler. Sieht er sich mit Bottom- oder Middlepair hinten, reichen die Odds ebenfalls nicht mehr.
Ein weiterer Vorteil der Bet ist der free Showdown. Mit Overcards hast du gegen die Draws Showdownvalue. Kommt am River eine unschöne Karte, kannst du behindchecken, falls dein Gegner nicht donkt. Du bettest also for Protection und free Showdown.
BB checks, Hero bets, BB raises, Hero ?
Der Big Blind raist nun. Du kannst dich nun nicht mehr vorne sehen und musst nach Odds & Outs weiterspielen.
1) Wie viele discounted Outs hast du?
Ein Checkraise am Turn zeigt viel Stärke und ist nur selten ein Bluff. Wie viele Outs du hier genau hast, kannst du ohne genaue Reads von deinem Gegner nur schwer bestimmen. Du solltest deine Outs stark discounten und hast somit 3-4 Outs.
2) Wie groß ist der Pot?
Der Pot ist 8 BB groß.
3) Wie hoch sind die Kosten?
Du bist last to act, zahlst also genau 1 BB.
4) Vergleich Pot Odds zu Odds: Entscheidung Call oder Fold
Für 3-4 Outs benötigst du ~mindestens 11:1 Odds und foldest dementsprechend bei 8:1 Pot Odds.
Fazit
In diesem Artikel hast du einen tiefen Einblick in die korrekte Bewertung von Overcards erhalten. Du bist nun in der Lage, mit der gefürchteten Anna Kournikova richtig umzugehen und kannst über den Spruch „Sieht gut aus, aber gewinnt selten“ nur noch lachen.
Wendest du die hier vorgestellten Regeln richtig an, kann das deiner Bankroll nur weiterhelfen. Gerade das Verständnis von Overcards ist für dich mit dem Aufstieg in immer höhere Limits besonders wichtig, weil diese Situation sehr häufig eintritt. Darum wirken sich hier kleine, aber konstant auftretende Fehler stark auf deine Winrate aus, so dass du dem richtigen Spielen von Overcards besondere Aufmerksamkeit schenken musst.
Ob du den Inhalt dieses Artikels verinnerlicht hast, kannst du im dazu gehörigen Quiz überprüfen:
Teste dein Wissen im Quiz: Wie spielst du Overcards?