Aktualisiert am 12 März 26 von

Preflop: Wann kannst du coldcallen oder overlimpen?

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Einleitung

In diesem Artikel

  • Wann du preflop coldcallen kannst
  • Alles hängt wieder mal von den Pot Odds ab
  • Wann du overlimpen kannst

Unter einem Coldcall versteht man das Callen von mehr als einer Bet, ohne selbst zu erhöhen.

Beispiele

Beispiel 1: MP3 raises, CO calls, Button calls, SB calls, BB calls

Sowohl CO und Button machen in dieser Situation einen Coldcall. Der SB muss zwar nicht die vollen 2 SB bringen, callt aber mehr als eine SB und macht darum ebenfalls einen Coldcall. Der BB hingegen callt nur eine Bet und macht nach dieser Definition keinen Coldcall.

Unter Overlimping versteht man einen Preflop-Call, wenn vorher bereits Spieler gecallt haben. Completen aus dem SB gehört aber nicht dazu.

Beispiel 2: MP3 calls, CO Calls, Button calls

In dieser Situation macht MP3 einen Openlimp, CO und Button machen hingegen einen so genannten Overlimp. Das Wort „limp“ heißt wörtlich übersetzt „hinken“ und stellt eine schwach wirkende Aktion dar, in der sich ein Spieler in den Pot „hinkt“.

Overlimpen bei einem Limper und Coldcallen stellen neben dem Openlimping Preflopspielweisen dar, die generell verpönt sind und meistens von Fischen praktiziert werden. Bei einem Limper lautet meistens das generelle Preflopprinzip Raise oder Fold. Bei Raises spielst du preflop in fast allen Situationen: Fold oder 3-Bet.

Es kann aber durchaus in speziellen Situationen sinnvoll sein, auch bei einem Limper preflop nur zu callen (Overlimping) oder auch nach einem Raise statt zu 3-betten einfach nur zu coldcallen. Dies ist mit Händen spielbar, die für eine 3-Bet zu schwach sind, aber genug Potenzial haben, postflop große Pötte zu gewinnen. In diesem Artikel lernst du die Grundregeln, wie du Coldcalling und Overlimping am Tisch korrekt anwendest.

Wann und mit welchen Händen kannst du coldcallen?

Coldcalling wird generell oft von schlechten Gegnern praktiziert. Als TAG willst du meist schon preflop lieber aufs Ganze gehen. Entweder ist deine Hand gut genug für eine 3-Bet, dann willst du den Gegner isolieren und dead Money durch das Rausdrängen der Blinds generieren, oder du siehst deine Hand als zu schwach an und foldest direkt. Da aber postflop noch zusätzliches Geld den Besitzer wechseln wird, kann es auch durchaus profitabel sein, in manchen Situationen selbst einen Coldcall zu machen. Die Zauberwörter lauten hier „implied Odds“ und „Equitysprung zum Flop abwarten“.

Generell kommt ein Coldcall nur dann in Frage, wenn außer dem Raiser noch mindestens ein weiterer Gegner am Flop sein wird. Es gibt dort ganz spezielle Ausnahmen, auf die am Ende dieses Kapitels eingegangen wird

Die entscheidenden Punkte zum Thema Coldcallen sind:

  • Welche Hände kommen für einen Coldcall in Frage?
  • Unter welchen Umständen kannst du diese Hände wirklich coldcallen?

Coldcallen erzeugt in der Regel Multiwaypötte, da du fast nur dann coldcallst, wenn du mindestens zwei Gegner am Flop hast. Darüber hinaus bekommen die Blinds durch Coldcaller sehr gute Pot Odds, so dass sie auch gern am Flop noch ein Wörtchen mitreden wollen und diese Pötte oft 4- oder gar 5-handed werden können.

Für solche Situationen möchtest du gern Hände mit einer guten Spielbarkeit in Multiwaypötten haben. Bei diesen Händen handelt es sich um Pocketpairs und suited Connectors sowie suited One-Gapper. Da es hier nahezu keine Ausnahmen gibt, kann dies als Regel festgelegt werden.

Für einen Coldcall kommen fast nur Pocketpairs, suited Connectors und suited One-Gapper in Frage. Es ist nahezu immer falsch, offsuited Hände coldzucallen.
Welche Pot Odds bekommst du?

Der entscheidende Punkt ist: Welche Pot Odds bekommst du für einen Call? Zur Berechnung der Pot Odds musst du wissen, wie viele Gegner am Flop sein werden und wie groß der Pot dann sein wird. Zur Abschätzung der Gegneranzahl macht es keinen Unterschied, ob ein Gegner gelimpt hat und dann jemand dahinter raist oder ob ein Gegner ein Openraise einfach nur coldcallt.

Ein Limper wird ein Raise in 99,9% der Fälle callen und wenn nicht, dann bedankst du dich für das dead Money im Pot. Generell kannst du natürlich umso looser coldcallen, je größer deine Pot Odds sind, da deine Coldcallhände auf Monster spekulieren und so eher davon profitieren, wenn mehr Gegner in der Hand sind, da diese deine implied Odds vergrößern. Außerdem sinken bei guten Pot Odds natürlich auch deine relativen Kosten, da dein eigener Anteil am Pot sinkt, je höher die Pot Odds sind.

BEISPIEL
  • MP3 limps, CO raises, Hero am Button???
  • MP3 raises, CO coldcalls, Hero am Button???

In beiden Spots hast du postflop außer dem Raiser einen weiteren Gegner sicher, da im ersten Fall der Limper das Raise eigentlich immer callen wird. Der Big Blind wird hier sehr oft aber nicht immer callen.

Betrachten wir deine Pot Odds für einen Call: Du zahlst 2 SB und hast bei einer 1/2 SB Struktur eine erwartete Potgröße am Flop von 7,5 – 8,5 SB, je nachdem ob der Big Blind callt oder nicht. Wenn wir im Mittel von 8 SB ausgehen, zahlst du 1/4 des Pots und hast demnach Pot Odds von 3 zu 1.

Wärst du statt am Button im SB, so müsstest du 1,5 SB von 8 erwarteten SB am Flop zahlen und hättest sogar Pot Odds von 4,3 zu 1. Dafür müsstest du aber postflop ohne Position spielen.

Den Small Blind solltest du als Standard nicht als Caller in die Berechnung einfließen lassen und zunächst von einem Fold ausgehen. Spezielle Reads kannst du hier aber natürlich einfließen lassen. Hat der SB zum Beispiel einen VP$IP von 70 und du hast noch nie gesehen, dass er sich die Chance entgehen lässt, an einem großen Pot beteiligt zu sein, so kannst du einen Call von ihm in deine Pot-Odds-Berechnung einbeziehen.

Hier ist aber Vorsicht geboten: Versuche nicht deine Pot Odds künstlich zu vergrößern, indem du allzu optimistisch von weiteren Calls hinter dir ausgehst!

Coldcallen von kleinen Pocketpairs: Die 3-zu-1-Regel

Kleine Pocketpairs coldcallst du in der Regel, weil du auf Setvalue spielen willst. Du willst ein Set treffen und damit nach Möglichkeit einen Riesenpot generieren und gewinnen. Die Chance, ein Set zu treffen, ist aber nur 7,5 zu 1. Da du diese Odds für einen Coldcall aber nie bekommen wirst, ist schnell klar, dass du einiges an implied Odds benötigst, um die fehlenden Pot Odds dafür zu kompensieren.

In vielen Foren gab es eine als allgemein gültig befundene 5-zu-1-Regel. Diese besagte, dass man für Pot Odds von 5:1 preflop jedes Pocketpair auf Setvalue coldcallen kann, weil man sich in der Regel mindestens 2,5 BB als implied Odds anrechnen kann, wenn man ein Set trifft.

In der Praxis angewendet ist diese Regel aber zu tight, denn nach dieser Regel könntest du Pocketpairs nur callen, wenn du mindestens 5 Gegner am Flop hast bzw. mindestens 4 Gegner, falls du im SB bist. Dabei wird vernachlässigt, dass du auch ohne Set am Flop nicht immer automatisch behind bist und in vielen solcher Situationen noch mit positivem Erwartungswert weiterspielen kannst.

BEISPIEL

Preflop: Hero SB mit 55
CO raises, Button coldcalls, Hero coldcalls, BB folds

Flop: 972 rainbow

Angenommene Ranges

  • CO: 55+, A2s+, K7s+, Q9s+, JTs, A5o+, K9o+, QTo+
  • Bu: 33-66, A7s-A2s, K9s-K2s, Q3s+, J7s+, T8s+, A9o-A2o, KJo-K3o, Q7o+, J8o+, T9o

In dieser Situation hättest du am Flop auch ohne Set 45% Equity, was gegen zwei Gegner eine beträchtliche Edge ist. Es wäre also fatal, nur auf Setvalue fit or fold zu spielen. Darum kann man die benötigen Pot Odds für einen Coldcall mit einem Pocketpair bequem heruntersetzen.

DIE 3-ZU-1-REGEL

Aus den Daten vieler erfahrener Spieler folgt darauf die oben angesprochene 3-zu-1-Regel. Ab Pot Odds von 3 zu 1 kannst du preflop einen Coldcall mit Pocketpairs in Erwägung ziehen. Diese bekommst du wenn außer dem Raiser mindestens ein Gegner mitspielt, der nicht in den Blinds sitzt.

Dabei solltest du aber bei genau 3 zu 1 Pot Odds die Finger von 22 und 33 lassen. Mit 33 hättest du auf dem oben gezeigten Board nur 40% Equity. Generell sind 22 und 33 schwächere Pocketpairs, da sie weniger Straightchancen haben und da sie keine Chance haben, Hände irgendwie zu dominieren. Mit 55 wären immerhin A2-A5 dominiert, während dies mit 22 nicht möglich ist.

Da es am Tisch aber nicht so einfach ist, immer schnell die Pot Odds zu berechnen, besonders, wenn du im SB sitzt, können einige Regeln auch einfacher formuliert werden.

REGELN FÜR DAS COLDCALLEN MIT POCKETPAIRS
  • Gegen einen Raiser und mindestens zwei weitere Gegner kannst du jedes Pocketpair coldcallen.
  • Gegen einen Raiser und mindestens einen weiteren Gegner kannst du 55+ coldcallen, im SB 44+.
  • Nur gegen einen Raiser spielst du mit Pocketpairs immer 3-Bet oder Fold.

Da du mit Pockets immer SD-Value hast, willst du deine Gewinnchancen auch unimproved erhöhen und den Pot Heads-up gestalten und dead Money generieren.

Beachte bei der Zahl deiner Gegner, dass nach dieser Definition die Blinds nicht mitgerechnet werden.

Beispiel: Hero im SB mit 33

  • MP2 calls, MP3 calls, CO raises, Hero calls

    Du hast außer dem Raiser mit MP2 und MP3 zwei weitere Gegner und kannst daher jedes Pocketpair callen

  • MP2 raises, CO calls, Hero folds

    Hier hast du nur einen weiteren Gegner und foldest deine 33 in dieser Situation. 44 oder 55 könntest du hingegen callen.

Coldcallen mit suited Connectors und Gappern

Suited Connectors sowie One-Gapper (in speziellen Situation auch Two- oder Three-Gapper) teilen die Eigenschaft mit Pocketpairs, dass sie große Pötte gewinnen können. Statt Sets setzt du dabei natürlich mit suited Connectoren auf Straights oder Flushes.

Coldcallen mit suited Connectors ist eigentlich ähnlich wie mit Pocketpairs. Ein entscheidender Unterschied von suited Connectors im Vergleich zu Pocketpairs ist jedoch der fehlende Showdownvalue. Während du mit einem Pocketpair fast immer auch unimproved gewinnen kannst, bist du mit einer Hand wie T9s eigentlich immer darauf angewiesen, irgendetwas vom Board zu treffen. Diese Eigenschaft spiegelt sich bei deinem Verhalten gegen einen sicheren Gegner wider, was am Ende des Kapitels besprochen wird.

WELCHE HÄNDE KOMMEN FÜR EINEN COLDCALL IN FRAGE?

Generell die Hände, die zu schwach für eine 3-Bet sind, aber multiway genug Potenzial haben, um postflop große Pötte zu gewinnen. Dabei darfst du aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass du auch „nur“ mit Toppair noch ein Wörtchen mitreden möchtest. Darum ist JTs auch auf einem T62-rainbow-Board stärker als 65s, auch wenn keine Straight oder kein Flush winken. Hinzu kommt natürlich, dass mit JTs eine „Flush over Flush“-Situation seltener passiert als mit 65s.

Wie auch bei den Pocketpairs spielen natürlich auch hier die Anzahl der Gegner und deine damit verbundenen Pot Odds eine Rolle. Hier gelten die gleichen Regeln wie bei Pocketpairs. Je mehr Gegner du hast, desto mehr Hände kannst du coldcallen.

REGELN FÜR DAS COLDCALLEN MIT SUITED HÄNDEN
  • Gegen einen Raiser und mindestens zwei Gegner: 98s-QJs, KJs, KTs, T8s, J9s, QTs und Q9s. Im SB zusätzlich J8s, 87s, 76s, 65s und 97s.
  • Gegen ein Raise und mindestens einen Gegner: T9s-QJs, QTs, KJs, KTs. Im SB zusätzlich 98s, 87s und J9s.
SONDERFALL KQS

Einen Sonderfall stellt KQs dar. Mit KQs bist du in der Regel stark genug, um eine 3-Bet zu machen. Du solltest eine 3-Bet davon abhängig machen, ob du dir gegen den eigentlichen Raiser eine Edge gibst.

Beispiel: Hero ist SB mit KQs

  • MP2 (22/15/1,9/42) (VP$IP / PFR / AF / WTS) raises, MP3 calls, Hero coldcalls…

    In dieser Situation hast du gegen einen relativ tighten Gegner aus MP2 kaum eine Edge und solltest nur coldcallen. Außerdem ist es fraglich, ob du ihn postflop zum Folden besserer Hände überreden kannst.

  • MP3 (36/25/2,0/39) raises, CO calls, Hero 3-bets

    In diesem Spot hast du gegen MP3 eine Edge und gehst auf jeden Fall als Favorit zum Flop. Darum willst du hier dead Money produzieren und deine Equity ausspielen.

Coldcallen gegen den Raiser allein

Hast du außer einem Raiser keine sicheren Kunden am Flop, so gilt fast dogmatisch die „3-Bet oder Fold“-Regel. Es gibt jedoch auch wenige Ausnahmen, wo es sinnvoll sein kann, nur gegen einen Raise allein zu coldcallen.

  • Der Raiser ist außerordentlich aggressiv mit Maniac-Tendenzen und könnte dir einen guten Payoff geben.
  • Du hast keine Equityedge gegen seine Openraisingrange.
  • Der Raiser ist sehr showdownbound und du siehst kaum Chancen, ihn postflop von besseren Händen zu holen.

Nehmen wir folgendes Beispiel: MP3 (59/41/1,9/42) raises, Hero am CO mit T 9

Gegen eine 40%-Openraising-Range hast du in diesem Spot 41% Equity. Auch mit eingeplantem dead Money nicht genug für eine 3-Bet. Geht man davon aus, dass du gegen so einen Gegner überdurchschnittliche implied Odds hättest, solltest du postflop treffen, könnte eine 3-Bet sogar leicht profitabel sein, dennoch erhöhst du damit deine Varianz mit einer fragwürdigen Edge.

Auf der anderen Seite ist T9s aber auch einfach zu schön anzusehen, um es gegen so einen Gegner mit Position einfach wegzulegen. Darum ist in so einer Situation der Coldcall das beste Spiel. Da deine Hand die bestmögliche Playability hat, stört es dich auch nicht weiter, wenn du mit einem Coldcall den verbleibenden Spielern hinter dir gute Pot Odds zum Callen gibst.

Am Flop wirst du mit deiner Hand einen riesigen Equitysprung machen. Und gerade gegen Maniacs ist es nicht das primäre Ziel, preflop kleinste Equityedges auszunutzen. Du willst den Maniac lieber postflop mit mehr Informationen richtig ausnehmen. In diesem Fall kannst du nämlich diese Informationen besser für dich nutzen als er und wirst im Mittel den höchsten EV haben, wenn du ohne Showdownvalue erst einmal einen Blick auf den Flop riskierst, bevor du den Pot künstlich aufblähst.

Typische Hände, die für so ein Play in Frage kommen, sind T9s, JTs, QTs und QJs. Bedenke jedoch: Wäre der Gegner ein TAG mit (25/19/2,2/38), so könnte in dieser Situation eine 3-Bet schon wieder Sinn machen, weil du gegen diesen Gegner gute Chancen hast, ihn postflop zum Folden besserer Hände zu bewegen.

Weiterhin solltest du den Maniac auch fleißig isolieren, wenn du Showdownvalue, aber schlechte Playability hast. In dieser Situation spielt sich die Hand mit Initiative wesentlich leichter. Bedenke, dass dies eher seltene Ausnahmen sind und dass du nicht aus den Augen verlieren solltest, dass die "3-bet or fold"-Regel in den meisten Situationen immer noch Bestand hat.

Coldcallen im Small Blind bei einer 2/3 SB-Struktur

Ein Coldcall bei einer 2/3 SB-Struktur kostet dich nur 2/3 BB. Damit liegst du nur 1/6 BB höher als bei einem einfachen Blinddefend, der 0,5 BB kostet. Gerade bei dieser Struktur macht es durchaus Sinn, Hände ohne Showdownvalue gegen aggressive und showdowngebundene Spieler einfach nur zu coldcallen. In diesem Fall bist du sogar oop und wirst oft in unangenehmen Postflopsituationen sein, wenn du verfehlen solltest.

Beispiel

CO (38/26/2,0/43) raises, Hero im SB mit 9 8

Du willst den showdowngebundenen LAG nicht unbedingt isolieren und postflop im schlimmsten Fall oop mit 9 high weiterspielen. Da die Kosten für den Coldcall nur geringfügig größer als ein Blinddefend im BB sind, kannst du hier einfach coldcallen und dir den Flop anschauen.

Generell kannst du in solchen Situationen 98s+, T8s, J9s, JTs und auch QTs+ einfach coldcallen, gerade dann, wenn du nicht glaubst, den Gegner postflop von Ace high loslösen zu können.

Balancing von Coldcallinghänden

Generell ist die Range der Hände, die du potenziell coldcallst nicht perfekt gebalanct. Sprich, du kannst als Coldcaller nicht jede Hand repräsentieren. Ein aufmerksamer Gegner wird schnell wissen, dass du als Coldcaller entweder ein Pocketpair oder einen suited Connector hältst und dass du in dieser Situation eigentlich nie ein Ass hältst, da du dieses entweder 3-Bet oder Fold spielst. Das ist aber im Wesentlichen auch der einzige Nachteil.

Auf Boards wie T 8 3 oder J T 5 oder Q 9 3 kannst du Twopair, Toppair, Midpair, Flushdraws und Straightdraws repräsentieren, so dass eine aggressive Postflopspielweise deine Gegner auch oft im Dunkeln tappen lässt, da du sowohl one Pair, Draw oder Monster halten könntest.

Dir muss lediglich klar sein, dass du auf einem A K 9 weder ein Toppair noch ein Set halten kannst. Darum solltest du dich nicht wundern, wenn dich ein thinking Player mit Q high runtercallt, wenn du gerade deinen Flushdraw mit 8 7 semibluffen möchtest.

Spielst du jedoch gegen Maniacs wie mit T 9 oben gezeigt, so solltest du dir über Balancing keine großen Gedanken machen, da sich dein Gegner diese mit Sicherheit auch nicht machen wird.

Wann und mit welchen Händen kannst du overlimpen?

Unter einem Overlimp versteht man einen Preflopcall nachdem schon andere Spieler vor dir bereits in den Pot eingestiegen sind. In der Bronzesektion gibt es bereits Charts die angeben, welche Hände du nach Callern vor dir auch Callen kannst: Erweiterte Charts zum Spiel vor dem Flop

Generell wäre diese Spielweise auch auf shorthanded Small Stakes wie 1$/2$ durchaus angebracht. Diese Strategie der Bronzesektion ist aber zunächst für unerfahrene Fullring-Spieler recht tight ausgelegt, um postflop schwerwiegende Fehler zu vermeiden. Mit zunehmender Erfahrung kannst du jedoch ein wenig looser und aggressiver spielen. Im Folgenden werden dir einige Richtlinien gegeben, nach denen du am MP3, CO und Button preflop overlimpen kannst.

Overlimpen gegen einen Limper

Hero is Button mit T 9
MP3 calls, foldet to Hero?

Generell befindest du dich in so einer Situation fast immer nur gegen schlechte Spieler, weil TAGs und auch thinking LAGs niemals einen Openlimp spielen würden. Du musst dir hier folgende zwei Fragen stellen.

IST DEINE HAND GUT GENUG ZUM SPIELEN ABER ZU SCHLECHT ZUM RAISEN?

Generell fallen folgende Hände in diese Kategorie: J9s, J8s, T9s, T8s, 98s, 87s.

Alle Hände sind auch multiway gut spielbar und können große Pötte gewinnen. Insofern ist es auch gar nicht von großer Bedeutung, ob die Blinds foldfreudig sind oder nicht. Folden sie, freust du dich über dead Money. Callen sie, spielst du multiway in Position mit bester Playability. Ebenfalls eine komfortable Situation.

Hände wie JTs, QTs und besser sind wiederum gegen fast jede Limpingrange gut genug für ein Raise.

KANNST DU DEN POT DURCH EIN RAISE AUCH OHNE SHOWDOWN GEWINNEN?

Bevor du über einen Overlimp nachdenkst, solltest du dich zunächst fragen, ob es nicht besser wäre, den Gegner zu isolieren. Das Thema Isolationsraises ist zwar ein eigenes Thema, aber auch zum Thema Overlimping muss dieser Aspekt genannt werden.

Du musst dich also fragen, ob du den Gegner postflop nicht bessere Hände folden lassen könntest. Ein wenig Aufschluss darüber gibt dir der Went to Showdown deines Gegners. Ist dieser größer als 40% solltest du dich vorsehen, denn du wirst mit einer aggressiven Spielweise oft gegen die Wand rennen und von A high heruntergecallt werden.

Ist der WTSD unter 40%, kannst du über ein Isolationsraise nachdenken. Der Vorteil beim Isolieren nicht showdowngebundener Spieler liegt darin, dass du am Flop neben deinen Outs auf ein Pair auch mit einem Ass eine gute Scarecard hast, auf die der Gegner oft K high oder Q high weglegen wird, bestenfalls vielleicht sogar kleine Pocketpairs.

BEISPIEL

MP2 (60/13/1,8/41) (VP$IP / PFR / AF / WTS) calls, Hero MP3 mit J 9

Eine schöne Hand, die du gern spielen möchtest und von der du dir gegen die Calling Station guten Payoff erhoffst, solltest du etwas treffen. Wenn du gegen diesen Gegner raist, wirst du ihn oft ohne Showdownvalue isolieren und hast postflop das Leben oft schwer. Sollte er deine Continuationbet am Flop callen, wirst du oft am Turn unimproved weiter Chips verbrennen und downgecallt werden. Auf der anderen Seite wirst du oft check behind Turn spielen und gegen K high verlieren, was vielleicht am Turn gefoldet hätte. Dieser marginalen Situation willst du dich aber nicht aussetzen und wartest lieber den Equitysprung zum Flop ab, bevor du groß investierst. Durch einen Call kannst du dein Postflopedge gegen den Fisch wesentlich besser ausspielen, als dich durch das Raise ohne Showdownvalue in eine fixe Bettingsequenz mit bet Flop, bet Turn zu manövrieren, um eine marginalen, wenn überhaupt vorhandenen Preflopdege zu pushen.

Hätte der Gegner 42/12/1,7/37 Stats, so würde ein Isolationsraise mehr Sinn machen, da du die Hand eher ohne Showdown gewinnen kannst.

Overlimpe gegen einen Limper nur Hände, die du nach ORC auch openraisen würdest!

In dem zuletzt genannten Beispiel könntest du also nur mit J9s und T9s overlimpen. Wärst du statt am MP3 am CO, so könntest du mit J9s, J8s, T9s, T8s, 98s overlimpen. Am Button kommt noch 87s hinzu.

Bedenke auch, dass Limper nicht gleich Limper ist. Der eine ist einfach nur tight passiv mit 25/11/1,8/40, der andere ist ein dicker Fisch mit 70/4/0,8/40. Beide haben den gleichen WTSD, dennoch solltest du gegen den Rock eher tighter overlimpen, da seine Limpingrange viele Pocketpairs enthalten wird und wesentlich stärker ist als die eines Fisches.

Das führt dazu, dass du gegen Rock auch mit einem wesentlich schlechteren Payoff rechnen kannst, falls du etwas triffst, wenn du damit überhaupt gewinnst. Wenn deine Hand also absolut grenzwertig ist, so solltest gegen einen tighten Limper auch eher tight overlimpen oder isolationsraisen.

Balancing

Overlimping ist wesentlich schlechter gebalanct als Coldcalling. Ein guter Spieler wird schnell erkennen, dass du bei dieser Aktion eigentlich immer suited Connectors oder One-Gapper halten wirst. Generell kommt Overlimpen ja eher an soften Tables vor, wo Gegner gern openlimpen. Sollten aber hinter dir thinking TAGs sitzen, so können sie deine Handrange nach einem Overlimp recht gut bestimmen.

Am Flop wirst du zwar sowohl Draws als auch made Hands aggressiv spielen, aber du kannst gewisse Dinge nicht repräsentieren, besonders, wenn Highcards auf dem Board liegen. Auch hier sollte dir klar sein, dass du weder König noch Ass repräsentieren kannst, so dass in manchen Situationen dann Semibluffs nur bedingt Sinn machen.

Darum solltest du bei Overlimps folgende Punkte berücksichtigen:

  • Hast du hinter dir thinking Player sitzen, die vielleicht sogar besser als du sein könnten, so solltest du von Overlimps bei einem Limper absehen und Raise oder Fold spielen. So wird es für die Gegner schwerer, dich auf eine Range zu setzen.

  • Ist das Feld hinter dir eher unaufmerksam oder masstabled nach Autopilot, dann kannst du Overlimps nach den oben genannten Richtlinien einsetzen.

  • Ein letzter Punkt ist das Feld hinter dir. Wenn du in MP3 oder im CO bist, solltest du noch darauf achten, ob die Gegner bis zum Button gern loose Coldcalls machen oder nicht. Generell möchtest du mit einem Raise gern postflop den Button haben. Siehst du die Chancen dafür als nicht überragend, spricht dies für einen Overlimp. Auch hier sei noch einmal mahnend angemerkt, dass du es mit Overlimps nicht übertreibst. Oft ist ein Isolationsraise besser, da du postflop gegen viele Spieler doch Foldequity erzeugen kannst.

Overlimps gegen zwei Limper

Zwei Caller vor dir sprechen ja schon einmal für einen ganz guten Tisch. Da du bei zwei Limpern natürlich bessere Pot Odds bekommst und gegen die offenbar schwachen Gegner gern öfter mitmischen willst, kannst du natürlich looser overlimpen.

Folgende Hände kommen bei zwei Limpern vor dir zum Overlimpen in Frage: KJo, QTo+, JTo (nur am BU), 76s+, Q9s, T8s+, J8s+.

Generell solltest du noch unterscheiden, ob du am CO oder am Button sitzt. Den Button sicher zu haben, ist definitiv besonders dann ein Vorteil, wenn du eine offsuited Hand hältst, da diese nicht so gut in 4- bis 6-handed Pötten am Flop ist. Darum solltest du QTo und JTo bei zwei Limpern am CO besser folden und nur am Button overlimpen.

Auch hier ist es wichtig, dass du einen Blick auf die Overlimper vor dir wirfst.

Beispiel: MP2 (Fisch) limps, MP3 (TAG) overlimps, Hero am CO mit 9 8 oder 8 7

Hier ist die Situation nicht so komfortabel, wie es ausschaut. Da ein TAG hier einen Overlimp macht, kannst du davon ausgehen, dass er einen suited Connector hält. Er kann dich in diesem Fall sowohl mit Toppair dominieren, mit z.B. J 9 vs. 9 8 und im schlimmsten Fall könnte es zum Alptraum Flush over Flush oder Straight over Straight kommen, falls er mit T 9 gegen dein 8 7 antreten sollte.

Diese Situation kommt natürlich sehr selten vor, so dass du deine suited Connectors in den meisten Fällen bei zwei Gegnern einfach overlimpen kannst.

MIT QJS UND JTS DAS FELD RAISEN?

QJs und JTs haben gegen zwei Limper in der Regel eine Equityedge, so dass man sich fragen kann, ob es nicht Sinn macht, mit diesen Händen das Feld zu raisen. Generell ist ein Raise keinesfalls schlecht und es gibt bisher keine klaren Beweise, ob Raise oder Call mit diesen Händen besser ist.

Ein Vorteil des Overlimps ist die Tatsache, dass du erst mit genaueren Informationen mehr Geld in den Pot werfen wirst und somit deine Varianz kleiner halten wirst, ohne wirklich eine Equityedge „liegen zu lassen“.

Generell solltest du bei Postflop tighten Spielern das Feld auf jeden Fall raisen, da du auf jedes Ass am Flop gute Foldequity hast. Du solltest dir in jedem Fall im Klaren sein, dass du im Falle eines Raises gegen drei oder mehr Gegner nicht um jeden Preis eine Continuationbet machen solltest. Auf extrem ungünstigen Boards wie 568 solltest du deine Hand direkt am Flop aufgeben und auf eine Freecard hoffen.

Zusammenfassung

Coldcalling und Overlimping wird zwar in der Regel hauptsächlich von Fischen gespielt, aber auch als TAG gibt es Situationen, wo es am besten ist, sich dieser Mittel zu bedienen. Du solltest immer bedenken, dass die hier gezeigten Ranges nicht so dogmatisch wie ein Chart zu betrachten sind. Sie dienen als Richtlinie, nach denen du in Kombination mit den Reads auf deine Gegner zur bestmöglichen Entscheidung finden kannst. Der Erfolg setzt natürlich nur dann ein, wenn du deine Hände auch Postflop korrekt weiterspielst.

Damit du die hier genannten Richtlinien einmal kompakt vorliegen hast, werden sie noch einmal prägnant zusammengefasst. Bitte bedenke, dass du immer noch einen Blick auf deine Gegner wirfst und gegebenenfalls individuelle Anpassungen vornehmen musst.

  • Coldcallen von Pocketpairs
    • Gegen einen Raiser und mindestens zwei weitere Gegner kannst du jedes Pocketpair coldcallen.
    • Gegen einen Raiser und mindestens einen weiteren Gegner kannst du 55+ coldcallen, im SB 44+.
    • Nur gegen einen Raiser Pocketpairs 3-bettest oder foldest du. Ein Coldcall ist hier immer falsch.
  • Coldcallen mit suited Connectors und suited One-Two Gappern
    • Gegen einen Raiser und mindestens zwei Gegner: 98s-QJs, KJs, KTs T8s, J9s, QTs und Q9s. Im SB zusätzlich J8s, 87s, 76s, 65s und 97s.
    • Gegen einen Raiser und mindestens einen Gegner: T9s-QJs, QTs, KJs, KTs. Im SB zusätzlich 98s, 87s und J9s.
  • Coldcallen allein gegen den Raiser
    • Der Raiser ist außerordentlich aggressiv mit Maniac-Tendenzen.
    • Du hast keine Equityedge gegen seine Openraisingrange.
    • Der Raiser ist sehr showdownbound und du siehst kaum Chancen, ihn postflop von besseren Händen zu holen.
    • Typische Hände, die für so ein Play in Frage kommen, sind T9s, JTs, QTs, QJs.
  • Overlimping gegen einen Gegner
    • Generell fallen folgende Hände in diese Kategorie: J9s, J8s, T9s, T8s, 98s, 87s. Beachte das schlechte Balancing deiner Line gegen gute Gegner hinter dir!
  • Overlimping gegen zwei Gegner
    • KJo, QTo+, JTo (nur am BU), 76s+, Q9s, T8s+, J8s+.