Tableselection - Profitable Tische finden
Einleitung
In diesem Artikel
- Der Profit zählt
- Profitable Tische finden mit und ohne Software
- Wann du den Sitz wechseln oder den Tisch verlassen solltest
Merkwürdigerweise wird Tableselection von vielen Leuten, darunter auch sehr starken Spielern, ignoriert oder zumindest untergewichtet. Das ist sehr leicht zu erkennen, wenn man die Midstakes-Tische auf Partypoker anschaut. Oftmals sitzen am ganzen Tisch ausschließlich TAGs. Das ist natürlich für niemanden eine besonders profitable Situation und vor allem: Die beteiligten Spieler müssten es eigentlich besser wissen.
Warum ist Tableselection so wichtig?
Eine gute Tableselection ist deshalb so wichtig, weil sie sich direkt in der Winrate bemerkbar macht. Alle großen Winner gehen nach einer Grundmaxime vor: Sie spielen nur, wenn sie einen Vorteil (Edge) haben. Beim Pokern geht es nicht um die Ehre oder darum, sich mit starken Spielern zu messen. Im Gegenteil! Man sollte die starken Gegner meiden. Im Vordergrund steht der Profit und den macht man mit schlechten Gegnern.
Tableselection wird umso wichtiger, je höher das Limit ist. Auf den untersten Limits findet man Fische, wo man nur hinschaut. Je höher man kommt, desto rarer werden sie. Nun heißt es, eine sorgfältige Auswahl zu treffen, um seine Pokerkünste in einem möglichst profitablen Umfeld ausüben zu können.
Zur Profitablität trägt eine gute Tableselection fast so viel bei wie die eigentlichen Pokerskills. Jeder kennt das Zitat: „Man kann der zehntbeste Spieler der Welt sein und trotzdem verliert man, wenn man mit den neun besten am gleichen Tisch sitzt.“
Für denjenigen, der diesen Aspekt bislang ignorierte, wird das hier präsentierte Know-how, wenn konsequent angewandt, eine große Erleichterung bedeuten. Viele Spieler haben sich eine solide Grundspielstärke angeeignet und kennen die wichtigsten Prinzipien der Pokerstrategie. Ihre Entwicklung wird sich jetzt naturgemäß verlangsamen, da sie ja mit Finetuning nicht mehr die ganz großen Fortschritte erzielen können. Tableselection ist aber unabhängig von den Pokerfähigkeiten und kann jedem, der sie bislang ignorierte, einen unglaublichen Schub versetzen.
Was suchst du?
Aus der Sicht des Suchenden bedeuten „gute Werte“ natürlich schlechte Spieler. Das beste Indiz für die Präsenz von Fischen ist der VPIP (voluntarily put money in the pot). Tische mit mehr als 30 VPIP sind definitiv sehr profitabel. Dieser Wert ist das Hauptkriterium bei der Tischauswahl. Es gibt jedoch Ausnahmefälle, in denen du einen deutlich niedrigeren Wert als 30 akzeptieren kannst. Ein solcher Fall tritt ein, wenn du Position auf ein oder zwei extrem schwache Spieler bekommen kannst.
Ein weiterer wichtiger Wert ist der PFR, also die Preflop-Raise-Rate. Ein durchschnittlicher TAG hat Fullring einen PFR-Wert von ca. 8-11. Bei der Tischauswahl möchte man gerne einen deutlich niedrigeren Wert vorfinden, da er auf viele passive Spieler hindeutet. Ein passives Umfeld ist nicht nur ein Hinweis auf schwache Gegner, es hat auch eine Reihe von konkreten Vorteilen. Zum einen bekommst du häufiger die Gelegenheit zu einem Freeplay im Big Blind. Auf diese Weise kannst du darauf hoffen, auch mit einer Trashhand etwas Großes zu floppen (Twopair or better). Die Chancen dafür stehen immerhin 1 zu 20. Ein passives Preflop-Verhalten führt auch dazu, dass du in late Position mehr drawing Hands spielen kannst, mit denen du bei guten Pot Odds billig den Flop sehen willst.
Die angegebenen Zahlen gelten für Fullring-Tische. Bei SH-Tischen sind die Werte naturgemäß etwas looser. Je größer der VPIP und kleiner der PFR, desto besser lässt sich der Tisch spielen. Das Gleiche ist natürlich auch bei Tischen mit stark überdurchschnittlichem PFR-Wert der Fall. Für Anfänger könnten solche Spiele aber Probleme bedeuten, da man mit mehr schwierigeren Entscheidungen konfrontiert wird.
Die durchschnittlichen Werte des VPIP und PFR machen keine Aussage über die Verteilung der Attribute bei einzelnen Spielern. Grundsätzlich stellt sich die Frage: Hat man lieber ein ausgeglichenes Feld von Gegnern, denen man leicht überlegen ist, oder spielt es sich leichter an Tischen mit zwei (oder mehr) richtig schlechten Fischen und ansonsten starken Gegnern (die einem womöglich sogar leicht überlegen sind)?
Nicht wenige bevorzugen die zweite Variante und das aus einer Reihe von Gründen:
- Spieler um die 30 VPIP sind nicht notwendigerweise postflop schlecht. Gehören sie zur aggressiven Sorte, können sie einem das Leben verdammt schwer machen.
- Richtige Fische dagegen mit 50 VPIP oder gar weit drüber sind definitiv schlechte Spieler. Wenn man Glück hat sind sie nicht nur loose, sondern auch passive (Callingstations). Sie wären dadurch einigermaßen berechenbar, womit man etwaige Verluste gegen sie minimieren könnte.
- Ein Fisch mit VPIP 70 ist über zwei Drittel aller Fälle in der Hand. Genau das möchte man.
- Hat man Position auf die Megafische, lässt sich häufig ein Isolation-Play durchführen. Hier ist es sogar von Vorteil, wenn tight-aggressive Spieler hinter einem sitzen. Diese respektieren normalerweise ein Raise, so dass man gute Chancen hat, Heads-up gegen den schlechteren Spieler mit den besseren Karten und der besseren Position in der Hand zu sein.
Je nach gespieltem Limit/Tageszeit/Pokerseite hast du aber nicht die Wahl, dir den „perfekten“ Tisch zu suchen, sondern musst dich mit dem vorhandenem Angebot zufrieden geben. Jedoch solltest du dich auf keinen Fall an einen Tisch setzen, der nicht profitabel zu sein scheint, nur weil es sonst nichts Anderes da ist! Es bringt nichts, ohne oder nur mit einer marginalen Edge zu spielen. In so einem Fall kannst du deine Zeit besser für das Lesen der Strategieartikel oder für einen Besuch im Handbewertungsforum nutzen.
Dieser Aspekt wird weiter unten beim Punkt „Seat Selection“ behandelt.
Methoden der Tableselection
Table-Scanning ist eine sehr einfache und effiziente Methode. Wohl dem, der sie nutzen kann! Du öffnest mehrere Tische, lässt sie scannen und siehst sofort, welche Tische profitabel sind und wo sich die soft Spots befinden. Hierfür benötigst Du den HoldemManager, PokerTracker (im Shop erhältlich) oder vergleichbare Software und eine große Datenbank. Dann spielst Du und sammelst dadurch Daten.
Mit diesen Analyseprogrammen lässt sich schon eine ausgezeichnete Tableselection betreiben (eine gute Datenbank vorausgesetzt). Du machst mehrere Tische des gewünschten Limits auf und wartest, bis die Spielerwerte angezeigt werden. Wenn du einen guten Tisch gefunden hast, nimmst du Platz oder trägst dich in die Warteliste ein. Das klappt unter Umständen nicht auf allen von PokerStrategy.com unterstützten Pokerseiten. Bei den meisten Anbietern (PartyPoker, PokerStars usw.) dürfte dies aber die einfachste Art der Tableselection darstellen.
Es gibt auch spezielle Programme zur Tableselection, die diese noch einfacher machen, da man nicht manuell Tische öffnen muss, sondern alle verfügbaren Tische scannen lässt und gleich eine Liste vorgesetzt bekommt, wo die größten Fische sitzen. Auch hier kommt es allerdings auf eine ausreichend große und möglichst aktuelle Datenbank an.
Mit Programmen wie Fishfinder usw. lassen sich recht leicht gute Tische/Positionen ausfindig machen. Doch was tun, wenn du noch keine solche Software besitzt oder keine ausreichend große Datenbanken von den Gegnern, weil du noch neu auf dem Limit bist oder es für die entsprechende Pokerseite keine kompatible Software gibt?
Auch in solchen Fällen lässt sich eine gute Tableselection durchführen. Mit etwas Aufmerksamkeit kannst du sehr schnell gute Tische und schlechte Spieler ausmachen und darauf soll in diesem Teil des Artikels eingegangen werden.
Schon bevor du einen Tisch geöffnet hast, lässt sich eine grobe Vorauswahl betreiben. Die meisten Pokerrooms zeigen in der Lobby einige Durchschnittswerte der einzelnen Tische an, die du zur weiteren Orientierung nutzen kannst. Die wichtigsten davon sind die Potsize (durchschnittliche Größe der Pötte) und der durchschnittliche VPIP/PFR am Tisch.
Große Pötte lassen darauf schließen, dass zu viele Spieler den Flop sehen und/oder zu weit in die Hand hinein gehen. Da Looseness ein Indiz für schlechte Spieler ist, sind an solchen Tischen potenziell die meisten Fische zu finden. Je höher also die beiden Werte sind, desto profitabler ist der Tisch. Die Vorgehensweise hat aber auch Nachteile.
- Nicht immer entstehen große Pötte, weil mehrere loose-passive Player in der Hand sind. Manchmal sind sie auch das Werk weniger sehr aggressiver Spieler, die es lieben, zu raisen. Das ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack.
- In einigen Fällen sind große Pötte auch ein Produkt des Zufalls. Möglicherweise hatten die letzten Hände Actionflops produziert (viele hohe Karten), mit denen sich die Holecards mehrere Spieler gut vertrugen.
- Ein weiterer Nachteil ist, dass große durchschnittliche Pötte dazu angetan sind, die Sharks anzuziehen, die hier reichlich Beute wittern.
- Große Pötte sind also begehrt. Dies führt auch zu längeren Wartelisten. Kommt man dann endlich an die Reihe, haben sich die Beschaffenheit des Spiels und somit auch die Größe des durchschnittlichen Pots möglicherweise zum Negativen verändert.
- Ein hoher VPIP des Tisches kann auch durch ein zeitweiliges ultra-shorthanded Spiel kommen (2-4 Spieler), da in solchen Spielen looser gespielt wird und ein höherer VPIP üblich ist, obwohl vielleicht nur TAGs an dem Tisch sitzen.
- Die Statistiken können möglicherweise veraltet sein und bis man einen Sitz ergattert hat, kann sich die Spieldynamik schon zum Negativen verändert haben.
Daraus können wir schlussfolgern, dass die von den Pokerseiten angezeigten lediglich grobe Indizien darstellen und kein essenzielles Kriterium bei der Tableselection darstellen.
Eine weitere Möglichkeit, Tableselection zu betreiben, ist ein simples Beobachten des Spiels an einem Tisch für kurze Zeit. Oft wird schon nach einigen wenigen Händen klar, ob sich ein Tisch profitabel spielen lässt oder nicht.
Als erstes und deutlichstes Anzeichen für einen guten Tisch ist die Anzahl an Spielern, die den Flop sehen. Du solltest darauf achten, wie viele Spieler preflop mitlimpen oder wie oft Raises und 3-Bets coldgecallt werden.
Vor allem auf Shorthanded-Tischen ist ein Preflop-Limp meistens ein aussagekräftiges Zeichen für einen Fisch. Du solltest dich also bemühen, hinter diesem Spieler Platz zu nehmen. Wenn es vor dem Flop wenig Raises gibt und viele Limps, ist der Tisch definitiv profitabel zu spielen.
Weitere Anzeichen für einen guten Tisch:
- Spieler posten ihre Blinds einfach mitten im Spiel und warten nicht, bis die Blinds bei ihnen ankommen.
Eines der deutlichsten Anzeichen für einen schlechten Spieler. Auf FR-Tischen ist das Posten des Blinds im CO vielleicht noch üblich, auf SH ist das allerdings ein klares No-Go. Die Spieler, die ihre Blinds in MP2 posten, sind immer gern gesehene Gäste.
- Vor dem Flop liegt dead Money in der Mitte (vom Aussitzen).
Wenn man auf “Sit-out” klickt und beim Aussitzen die Blinds verpasst, hat man nach dem Einstieg die Möglichkeit, den Blind zuzüglich eines so genanntem dead Blinds zu posten, um wieder ins Spiel zu kommen, ohne auf seinen regulären Blindeinsatz zu warten. Ein guter Spieler wird immer warten, bis er die regulären Blinds posten muss.
- Spieler openlimpen/viele Limper.
Auch ein sehr gutes Anzeichen für einen Fischteich. Openlimps, vor allem in späteren Positionen, deuten so gut wie immer auf schwächere Spieler hin. Viele Limper an einem Tisch sind ein Indikator für ein eher loose-passives Spiel mit vielen Callingstations, die deine Lieblingsgegner sind. Overlimps nach einigen Spielern sind allerdings kein automatisches Zeichen von einem schlechten Spieler mehr. An solchen Tischen können auch gute Spieler mitlimpen.
- Es gibt oft Coldcaller, nachdem jemand geraist hat.
Wie in der SH-Strategiesektion für Einsteiger gelehrt wird, sollte man nach einem Raiser immer raise or fold spielen. Auch hier gibt es Situationen, in denen ein Coldcall Sinn macht, etwa wenn die Blinds/Spieler nach dir sehr loose und schlecht sind und du eine gute Multiway-Hand hast. Im Großteil der Fälle ist allerdings ein Coldcaller nach einem Raiser ein eher schlechter Spieler.
- Spieler im SB callen häufig ein Stealraise vom CO oder BU.
Auch hier gilt die gleiche Logik. Das Coldcallen im SB nach einem (Steal-)Raiser ist fast immer falsch und deutet auf einen eher schwachen Spieler hin.
- Chatbeschimpfungen/aufgeregte Diskussionen: Einer oder mehrere Spieler könnten auf Tilt sein.
Oft sieht man, wie Spieler nach Beats ihre Gegner beschimpfen oder ihnen aufgeregt erzählen, was sie falsch gemacht haben. Das kann darauf hindeuten, dass einer oder mehrere Spieler ihre Emotionen nicht unter Kontrolle halten und so zu einer leichten Beute werden. Anfänger sollten aber aufpassen. Auf solchen Tischen kann die Spielatmosphäre sehr aufgeheizt und aggressiv sein, was sich für einen erfahrenen Spieler profitabel zu spielen lässt, für Anfänger aber sehr schlecht ausgehen kann. Wenn du nicht mit aggressiven Gegnern zurechtkommst und die SH-Spielweise noch nicht gewohnt bist, solltest du vorsichtig sein und gegebenenfalls den Tisch wechseln.
- Spieler mit zu kleinem Stack am Tisch
Spieler, die nicht mit vollen Stacks am Tisch sitzen oder nicht nachkaufen, sind meist schwache Spieler. Natürlich passiert es auch bei guten Spielern, dass sie im Eifer des Gefechts nicht reloaden. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche Spieler aber dauerhaft mit einem Shortstack am Tisch sitzen, ist relativ klein.
Besonders schlechte Spieler solltest du in deine Buddylist aufnehmen, um sie später wiederfinden zu können. Auf niedrigen Limits ist das Anlegen einer Buddyliste nicht notwendig, da es eigentlich meistens genügend gute Tische mit sehr schlechten Spielern gibt. Sinnvoll wird sie erst ab den Midstakes, wenn man einen Vollfisch ausfindig gemacht hat und möglichst oft gegen ihn spielen will und eventuell auch in höhere Limits verfolgen möchte. Du solltest es allerdings nicht übertreiben und nur die richtigen Vollfische eintragen, da es auch in höheren Limits noch genug schlechte Spieler gibt und die Liste dadurch zu unübersichtlich wird. Als grober Richtwert könnte man zum Beispiel nur Spieler mit VPIP über 50% reinnehmen und vor dem Beginn jeder Session nachschauen, an welchen Tischen diese Fische sitzen.
Mit der Buddylist gibt es aber auch Probleme. Einige Spieler trifft man niemals wieder, da sie angesichts ihrer großen Verluste aufhören, zu spielen. Vielleicht kommen sie wieder, aber dann nur sehr unregelmäßig. Andere wechseln das Limit oder man selber wechselt es und lässt die Fische hinter sich. Aber selbst wenn die betreffenden Spieler online sind und im richtigen Limit spielen, gibt es ein potenzielles Problem. Viele von ihnen lassen sich nicht suchen (warum wohl?) und aktivieren „Hide me from search“ im Menü „Options“. Hinter ihrem Namen steht dann eine Null. Unterm Strich benötigt man schon einen großen Fundus an „Buddies“, um dieses Tool erfolgreich einsetzen zu können.
Sei flexibel!
Größeren Erfolg bei der Tableselection hat jener, der bereit zu Kompromissen ist. Viele Spieler, gerade Anfänger und leicht Fortgeschrittene fühlen sich am wohlsten in Full-Ring-Games. Dort hat man Zeit, auf solide Hände zu warten. Um jedoch den begehrten 10er-Tisch zu erreichen, benötigt man einen Tisch mit exakt neun Spielern und einem freien Sitz.
Diese Konstellation kommt natürlich eher selten vor. Alternativ könnte man sich bei einem voll besetzten Tisch in die Warteliste eintragen, was allerdings die Geduld auf die Probe stellt. Das größte Problem, was sich aus dieser rigiden Herangehensweise ergibt, ist die nicht vorhandene Wahlfreiheit bei der Seat-Selection. Man muss mit dem Platz vorlieb nehmen, der gerade frei wird.
Wohl dem, der bereit ist, an Tischen mit zwei, drei, vier oder gar fünf freien Sitzen Platz zu nehmen! So jemand bekommt sofort einen freien Tisch und kann sich zudem die beste Position auf die Fische aussuchen. Tische mit sieben oder acht Spielern (einen selbst eingeschlossen) sind dem Full-Ring-Game sehr ähnlich. Sie haben auch die Tendenz, sich schnell wieder zu füllen. Sechser-Tische stellen einen Grenzfall dar und Tische mit fünf und weniger Spielern sind definitiv shorthanded.
Wer also beides spielen kann, Full Ring und Shorthanded, der ist bei der Tableselection ganz klar im Vorteil. Im Gegensatz zu den 6er-Tischen haben die halbleeren 10er-Tische für den erfahrenen Shorthanded-Spieler einige Vorteile. Die Gegner sind in der Regel keine ausgemachten Shorthanded-Spezialisten, da sie ursprünglich an einem vollen 10er-Tisch saßen (Ausnahme sind jene, die sich erst später an den halbvollen Tisch begaben). Viele der verbliebenen Spieler sind am Tisch hängengeblieben, weil sie hinten liegen und nicht gerne als Loser aufstehen möchte. Diese Break-Even-Hunter sind oftmals auf Tilt und von daher eine potenzielle Beute.
Seat-Selection
Es kann nicht egal sein, wo du in Relation zu den einzelnen Spielertypen sitzt. Dazu ist das Element „Position“ im Hold’em einfach zu bedeutsam. Es ist so bedeutsam, dass es dazu eine markante Regel gibt: Im Hold’em wandert das Geld immer von rechts nach links.
Bei der Überlegung, wen du gerne rechts von dir sitzen hättest, stellt sich also die Frage nach den größten Geldlieferanten. Die Antwort ist einfach: die richtig schlechten Spieler. Du möchtest also die schlechtesten Spieler am Tisch rechts neben dir sitzen haben. Schlechte Spieler kannst du nicht immer sofort erkennen, aber es gibt ein Indiz: die Looseness.
Du möchtest:
- Loose passive Gegner rechts von dir haben
- Loose aggressive Gegner rechts von dir haben
- Tight passive Gegner links von dir haben
- Tight aggressive Gegner links von dir haben (Diese würde man zwar auch lieber rechts von sich haben, aber da auch jemand links von dir sitzen muss, hast du links lieber einen TAG als einen LAG)
Somit möchtest du alle loosen Spieler per se rechts von dir haben und alle tighten links. Es ist zudem angenehm, Position auf Leute zu haben, die öfter in der Hand sind als andere Spieler. Dadurch kommst du in mehr Situationen mit Positionsvorteil.
Das meiste Geld im Hold’em kommt von den Callingstations, denn die sind am schlechtesten. Zugegeben, auch links von einem ist eine Callingstation ein angenehmer Zeitgenosse, der sogar hin und wieder mit schlechten Händen Raises coldcallt und auch mit seinen guten Karten nicht so wahnsinnig viel Druck ausübt, seinen Positionsvorteil somit wenig nutzt. Aber trotzdem.
Wenn du mit AK oder einem hohem Pocketpair raist, möchtest du, dass der loose-passive Spieler bereits mit J9o in der Hand ist. Auch eine Callingstation coldcallt nicht mit jedem Trash. Wenn sie jedoch einmal dabei ist, bleibt sie es oftmals bis zum River, sofern sie ein kleines Stück vom Board erwischt hat (häufig startet sie auch mit einem Baby-Pair, um damit einen Calldown zu machen).
Deine guten Hände bekommst du also voll ausbezahlt. Die Gewinnchancen erhöhen sich deutlich, wenn es dir gelingt, die Callingstation mit einem Raise zu isolieren.
Ein LPA besitzt meistens einen niedrigen PFR-Wert. Das hat zwei Implikationen:
- Wenn er raist, dann ist Vorsicht geboten. In solchen Fällen hält er meistens eine Premiumhand.
- Da er mit Händen wie AQ-AT häufig nur limpt, kommst du dazu, AQ aggressiv raisen zu können, anstatt folden zu müssen.
Ein großer Vorteil, auf diesen Spielertyp Position zu haben, ist, dass er dir durch seine passive Spielweise die Möglichkeit gibt, deine Hand optimal zu spielen, also am Turn for Value zu betten oder eine Freecard zu nehmen oder am River unimproved den kostenlosen Showdown zu sehen.
Der LAG ist aggressiv und schwer berechenbar. Gegen ihn Position zu haben, ist daher wichtiger als gegen den LPA. Wenn es zu harten Gefechten kommt, kann man aus seinen Winnern mehr Bets heraus holen und bei den Losern die Kosten minimieren.
Out of Position kann der loose-aggressive Player nicht so effektiv bluffen. Semibluffraises stehen ihm ja nicht zur Verfügung. Einen sehr loosen LAG mit einem hohem PFR-Wert (Maniac) kann man auch schon mit dezenten Händen isolieren.
Der LAG wird häufig versuchen, einem die Blinds zu stehlen. Man sollte daher frühzeitig seine Stealingstandards herausfinden, um entschieden zurückschießen zu können. Machst du das früh in der Session, flößt du ihm womöglich Respekt ein und treibst ihm das „stealing on light hands“ aus.
Okay, man möchte am liebsten alle Spieler rechts neben sich sitzen haben, aber das geht ja nicht. Also soll der Rock links von einem sitzen. Zwar kannst du dort eigentlich nur wenig vom ihm gewinnen, aber ihm Geld abzuknöpfen, ist ja ohne hin nicht leicht. Links von dir richtet er zumindest keinen großen Schaden an, da er gute Hände nicht konsequent protectet und häufig nur callt. Somit extrahiert er nicht genügend Value aus seinen Winnern. Raist er allerdings, hast du häufig einen easy Fold, da er wahrscheinlich mehr hat als nur Toppair.
Wenn du in late Position first in mit wackligen Händen (Ace little) raist, wird er dich kaum mit AT oder AJ threebetten. Sowohl preflop als auch postflop wirst du häufig den Button von ihm kaufen können. Seine Blinds wird er bei deinen (gegen ihn) häufigen Stealversuchen auch nur mit den stärksten Händen, also unzureichend verteidigen.
Bei den TAGs sprechen viele Argumente für beide Seiten. Aus Platzgründen müssen sie jedoch links sitzen (Es gibt nicht genügend Rocks!).
Besprechen wir ruhig einmal die Nachteile der Konstellation, in der er rechts von dir sitzt: Durch seine „raise or fold“-Policy wird er aus middle Position first in mit vielen Händen raisen, die nicht allererste Sahne sind (KQ, KJs, AT) gegen die du trotzdem AJ oder sogar AQ folden musst, einfach, weil du eine Premiumhand nicht ausschließen kannst. Du kommst daher selten zum Spielen, was frustrierend sein kann. Der TAG hat es ja, ebenso wie du, auf die Fische abgesehen. Sitzt er rechts von dir, kommt er dir einfach häufig mit dem Raisen zuvor und schnappt dir die Fische weg. In Multiwaypötten treibt dich der TAG oftmals mit Protection- und Semibluffraises von einer besseren Hand.
Nun zu unserem eigentlichem Thema: der TAG sitzt links. Da du von ihm als solider Spieler erkannt wirst, respektiert er meistens deine Raises und kommt dir bei deinem Kampf gegen die Fische nicht so oft in die Quere. Mit einer starken Hand bekommst du Heads-up gegen ihn immer die Gelegenheit zum Checkraise am Flop. Ist er sehr aggressiv und befolgt das Follow-through-Prinzip konsequent, kannst du ihn, je nach Board, gegebenenfalls sogar am Turn checkraisen. Das ein oder andere Mal wirst du seine Blinds stealen können.
Natürlich kann man sich nicht immer die perfekte Sitzposition ergattern. Wenn es 3-4 schlechte Spieler am Tisch gibt, ist es aber auch nicht unbedingt ein Problem. Du solltest dann versuchen, dich so nah wie möglich an die schlechten Spieler zu setzen, auch wenn es dann der rechte Platz von ihnen ist. Du kannst sie dann zwar preflop nicht isolieren und musst postflop out of Position gegen sie spielen, bist aber öfter mit ihnen in der Hand in den Blindsteal-Situationen, in denen sie reichlich Gelegenheit haben, Fehler zu machen und so deinen Profit steigern. Bei guten Tischen nimmst du auch in Kauf, einen TAG rechts neben dir sitzen zu haben, wenn ansonsten viele Fische im Spiel sind. Du solltest also die Sitzposition auf keinen Fall unterschätzen und auch nach Möglichkeit den besten Sitz wählen, darfst aber auch nicht zu wählerisch sein. Im Laufe des Spiels kannst du nach Bedarf immer noch die Position wechseln.
Wenn die Gelegenheit für einen Sitzwechsel günstig ist, solltest du dir diese nicht entgehen lassen. Folgende Voraussetzungen sind dafür notwendig:
- Ein Platz wird frei.
- Es befinden sich keine Spieler in der Waitinglist, die ja ältere Rechte auf den freien Platz haben.
- Der neue Platz verbessert die relative Position auf die schwachen Spieler gemäß.
Hier das Manöver:
- Du merkst dir die Tischnummer oder markierst den Tisch mit dem Cursor in der Tablelist.
- Du wartest bis die Hand zu Ende gespielt wurde. Wenn das Geld gerade zum Winner rübergeschoben wird, stehst du auf.
- Du wartest so lange, bis Karten für die nächste Hand verteilt wurden (Schätzung).
- Dann doppelklickst du auf den Balken, der den Tisch in der Tablelist repräsentiert.
- Nun setzt du dich an den hoffentlich noch leeren Platz.
Das ganze Theater ist nötig, da du immer wieder an den gleichen Platz gelangen würdest, wenn du das Spiel mitten in der Hand verlassen und sofort zurückkehren würdest. Mit dem Aufstehen wartest du bis zum letzten Moment, um den Platz so lange wie möglich besetzt zu halten wegen der Gefahr, dass bei der Rückkehr plötzlich beide Plätze, der alte und der neue, besetzt sind. Dies gilt allerdings nur für PartyPoker. Bei einigen Seiten (PokerStars) kann man seinen Sitz zu einem beliebigen Zeitpunkt in der Hand wechseln, sofern man nicht selbst in die Hand involviert ist.
Ist die Positionsverbesserung eindeutig von großem Vorteil für deinen Erwartungswert, dann kannst du den Wechsel auch in late Position durchführen und damit einige Freeplays opfern!
Wann solltest du einen Tisch verlassen?
Wenn einer der Tische, an denen du spielst, zwar passabel ist, jedoch nicht gerade sensationell, solltest du parallel zum Spielen nach anderen Tischen Ausschau halten. Da man als tighter Spieler viel foldet, sollte man seine freien Energien darauf verwenden, die Spielbedingungen durch das Aufspüren noch softerer Tische zu verbessern. Besonders, wenn man auf die Scanning-Methode oder auf die Buddylist zurückgreifen kann, ist das ohne große Anstrengungen möglich.
Welchen Tisch solltest du am ehesten aufgeben? Grundsätzlich denjenigen mit den stärksten Gegnern. Wenn du an solch einem Tisch im Plus bist, ist das kein Argument, zu bleiben. Die „Glücksträhne“ ist ein Phänomen, was die Vergangenheit beschreibt. Über die Zukunft trifft sie keine Aussagen! Genauso ist ein Tisch nicht deshalb schlecht, nur weil du an ihm verloren hast. Bei reichen Fischvorkommen hast du an ihm einen stark positiven Erwartungswert und solltest bleiben.
Viele Spieler denken übrigens genau gegenteilig. Sie bleiben an einem Tisch mit starken Spielern sitzen, eben weil sie hinten liegen. Sie möchten den Tisch einfach nicht als Loser verlassen und versuchen den Break-Even-Punkt zu erreichen. Der Fehler dieses Ansatzes ist, die Angelegenheit zu persönlich zu nehmen. Hinten zu liegen, ist keine Schande. Wenn es die Karten so wollen, kann es jedem passieren. Man darf es nicht als persönliche Niederlage auffassen. Im Übrigen zählt ja nicht das Tischergebnis, sondern vielmehr der gesamte Kontostand und zwar auf lange Sicht. Wenn man den Tisch als Loser verlässt, ändert sich dadurch ja nichts am Kontostand. Gerade als winning Player sollte man damit gut leben können.
Es gibt auch Gründe, den Tisch zu verlassen, obschon sich gerade kein besserer anbietet. Die Fische, deretwegen man gerade dort sitzt, wo man sitzt, haben einen Nachteil. Sie sind in ihrer Präsenz reichlich instabil, da sie dazu neigen, früher oder später pleite zu gehen. Wenn also die Gründe für die eigene Präsenz verschwinden, solltest du ebenfalls die Biege machen. Du kannst dich so in Ruhe auf die Suche nach profitablen Spielen machen. Die meisten Routiniers haben sich eh aufs Multitabling verlegt. Wer an vier Tischen spielt, kann ohne Weiteres zwei ausgetrocknete Tische schließen, ohne sich zu Tode zu langweilen und seine frei gewordenen Valenzen zur Suche einsetzen.
Sicherlich spricht auch einiges dagegen, Tische häufig zu wechseln. Zunächst bringt es Unruhe ins Spiel. Manch einer ist mit der Suche nach besseren Tischen überfordert und wird dadurch zu sehr abgelenkt. Dann ist es auch fraglich, ob es sich lohnt, all die Erkenntnisse und Reads aufzugeben, die man am aktuellen Tisch gemacht hat, nur um einen neuen Tisch aufzusuchen, der zwei, drei % mehr VPIP hat. Schließlich sollte man auch noch das Tableimage bedenken. Wird man als winning Player betrachtet, weil man deutlich im Plus liegt, kann dies für druckvolles Spiel mit aggressiven Preflopraises und Semibluffs ausgenutzt werden. Dieser Respekt lässt sich leider nicht an den neuen Tisch mitnehmen.
Fazit
Die Realität ist: Viele Durchschnittsspieler machen einen recht anständigen Profit mit Pokern, obwohl ihr Talent nicht überbordend ist. Sie wählen einfach ihre Spiele sorgsam aus. Im Gegensatz dazu gehen immer wieder talentierte und überaus kreative Spieler pleite, weil sie die Grundprinzipien der Tableselection missachten. Sie spielen über ihre Verhältnisse und messen sich mit den zähesten Gegnern. Damit versäumen sie es, sich in profitable Situationen zu begeben, wie es jeder großer Winner tut. Ein Winner ist jemand, dem es wirklich ums Gewinnen geht. Sein ganzes Denken und Handeln ist darauf ausgerichtet. Winner spielen nur dann, wenn sie einen Vorteil für sich erkennen.
Never play without an edge!