Aktualisiert am 12 März 26 von

Way ahead - Way behind

Einleitung

In diesem Artikel

  • Was bedeutet "Way ahead - Way behind"?
  • Wann weichst du von einem c/c auf allen Streets ab?

Definition "Way ahead - Way behind":

Es liegt eine WA/WB-Situation vor, wenn die eigene Hand entweder bis auf wenige Outs fast uneinholbar vorne oder hinten liegt. Dies beziehe ich zuerst nur auf Heads-Up Situationen, in denen nur noch 2 Spieler am Flop verbleiben, ausserdem hat der Gegner die Initiative.

Das Standard-Beispiel

    Co: 26/22/2,5/36

    Preflop: Hero is BB with A5
    CO raises, Hero calls

    Flop: A 4 9 rainbow

Dies ist eine WA/WB Situation?!

Ja, hier befindet sich unser Hero in einer WA/WB Situation, entweder er liegt weit vorne mit seinem Pair of Aces oder der Gegner hat selber das Ace mit einem besseren Kicker getroffen und wir haben lediglich 3 Kicker-Outs gegen ihn.
Nun wollen wir, wie in jeder Hand, natürlich am meisten verdienen, am meisten Value rausholen.

Gegen stärkere Hände ist ein Calldown offensichtlich die beste Variante, weil wir auf diese Weise am wenigsten verlieren. Ein Fold kommt im Heads-Up am Flop wohl kaum in Frage.

Aber wie sieht es nun gegen eine schlechtere Hand aus, die kaum Outs gegen uns hat? CO könnte hier mit vielen Pocketpairs geraised haben, oder mit Händen wie QJ, KJ, KQ, QT. Mit diesen Händen müsste er gegen unser Toppair entweder einen 2-Outer treffen (Pocketpair), oder ein Runner-Runner 2 Pair machen. Beides wird natürlich nur sehr selten passieren. Wie verdienen wir aber nun am meisten Geld an diesen Händen?
Unsere Standard-Spielweise wäre: check/raise Flop, bet Turn. Gegen Hände wie QJ, KQ, etc. ermöglichen wir dem Gegner dadurch sehr preiswert seine Hand zu folden! Auch Pocketpairs finden hier oft einen einfachen Fold. Wir minimieren unseren Value an solchen Händen durch die Standard-Spielweise.

Der Effekt unserer Standard-Line ist also in solchen WA/WB Situationen, dass wir gegen Hände vom CO gegen die wir WA sind das Minimum verdienen, ihnen also ermöglichen von ihren Händen loszukommen. Hält der Gegner starke Hände gegen die wir WB sind, ermöglichen wir durch einen Turnraise, das Maximum an Value aus uns rauszupressen.

Das kann also nicht unsere Standard-Line sein…

Eine wesentlich passivere Linie ist hier angebracht, ein check/call auf allen 3 Streets ist hier die wesentlich stärkere Spielweise. Sie verliert am wenigsten, wenn wir hinten liegen und gibt dem Gegner keine Möglichkeit von seiner Hand preiswert los zu kommen, sondern induziert Bluffbets, sollten wir vorne liegen.

Selbst wenn der Gegner eine Hand wie KQ hat, und bis zum River nichts trifft, so feuert er oftmals selbst am River noch eine letzte Bet ab, in der Hoffnung er bringt uns zum folden.

Zusatz:
Sollte der Gegner sich, nachdem wir am Flop c/c gespielt haben, eine Freecard am Turn nehmen. So betten wir selbstverständlich den River!

Frage 1: Wann liegt eine WA/WB-Situation vor?
a) Wenn man Preflop ge3bettet wurde.
b) Wenn Hero wenige Outs hat, sollte er hinten liegen und Villain wenige Outs hat, sollte Hero vorne liegen.
c) Wenn Villain ein tighter Spieler ist.

Frage 2: Welche grundlegende Spielweise sollte man in einer WA/WB-Situation wählen?
a) Check/Call any Street.
b) Cap any Street.
c) Aggressiv am Flop und am Turn neu evaluieren.

Frage 3: Warum weicht man in einer WA/WB-Situation von unseren Standard-Lines ab?
a) Damit Villain keinen günstigen Fold findet, sollte Hero vorne liegen.
b) For Deception.
c) Damit Hero am wenigsten verliert, sollte er hinten liegen.

Eine kleine Rechnung:

Wir nehmen wieder unser Standard-Beispiel von vorhin:

    Co: 26/22/2,5/36

    Preflop: Hero is BB with A5
    CO raises, Hero calls

    Flop: A 4 9 rainbow

Diese Rechnung ist natürlich stark vereinfacht, zeigt aber dennoch die Gültigkeit des erklärten Konzepts...

Standard-Line:

    Wir sind WA ab dem Flop:
    Der Gegner hält eine Hand wie KQ oder 55.
    Wir checken, der Gegner bettet, wir raisen ihn => er foldet kleine Pockets, unimproved Undercards zum A direkt gegen den check/raise

    + 0,5 BB Netwin

    Wir sind WB ab dem Flop:
    Der Gegner hält eine Hand wie AK/AQ oder ein 2 Pair.
    Wir checken, der Gegner bettet, wir raisen ihn, er wird callen mit der Intention uns am Turn erneut zu raisen. Wir betten den Turn, er raised, wir können unser Toppair im Heads-Up nicht folden und spielen einen Call am Turn, und callen ebenfalls die River Bet:

    - 4 BB Netloss

WA/WB Line:

    Wir sind WA ab dem Flop:
    Der Gegner hält eine Hand wie KQ oder 55.
    Wir checken, der Gegner bettet, wir callen. Am Turn checken wir erneut zu ihm. Nun lässt es sich schwer berechnen wieviel man durchschnitlich an einem Gegner verdient. Manche Gegner werden sowohl am Turn als auch am River mit Händen die wir schlagen in uns rein betten, gegen diese Gegner würden wir 2,5BB verdienen. Manche Gegner betten den Turn, spielen aber am River check behind, gegen diesen Gegner verdienen wir 1,5BB. Andere Gegner schüchtert der Call am Flop so ein, das sie keine bet mehr am Turn und am River investieren. Gegen diesen Gegner verdienen wir 0,5 BB.
    Im Durchschnitt ist meiner Meinung nach ein Wert zwischen 1-1,5BB realistisch!

    + 1-1,5 BB Netwin

    Wir sind WB ab dem Flop:
    Der Gegner hält eine Hand wie AK/AQ oder ein 2 Pair.
    Wir checken und callen auf jeder Street, auch wenn dies nicht immer der Realität entspricht gehen wir davon aus, dass der Gegner uns auf jeder Street mit seiner stärkeren Hand valuebettet.

    - 2,5BB Netloss

Wie man sieht ist die WA/WB Line in allen Belangen der Standard-Line überlegen!

Weitere Beispiele:

1) BB: 30/24/2,4/38

    Preflop: Hero CO with A Q
    Hero raises, BB 3-bets, Hero caps, BB calls

    Flop: K Q 3
    BB bets, Hero…

    Preflop geht unser Cap hier in Ordnung. Dass der Gegner direkt in uns rein bettet, sollte uns nachdenklich machen. Natürlich werden wir unsere Hand hier auf keinen Fall folden. Wir wollen den Showdown. Wir befinden uns in einer Way ahead/Way behind Situation. Es gibt keine Overcard die uns noch gefährlich werden kann, wir halten ja selber ein Ace.
    Hat der Gegner AA oder den King getroffen mit AK/KQ, sind wir WB. Hat er nur ein Pocket oder Ax, so sind wir WA.
    Der Plan für Hero wäre hier also ein Calldown, es sei denn die nächste Queen oder ein Ace fällt!

2) SB: 30/24/2,4/38


    Preflop: Hero is CO with K Q
    Hero raises, SB 3-bets, Hero calls

    Flop: K 4 9
    SB bets, Hero calls

    Turn: A
    SB bets, Hero…

    Am Flop treffen wir hier unser Pair of Kings mit Queen Kicker. Hero sieht sich am Flop deutlich vorne. Hero plant den Flop zu callen, um eine erneute Bet vom SB am Turn zu raisen. Doch dann fällt das A . Keine Karte die Hero sehen wollte.
    Am Turn befindet sich Hero in einer WA/WB Situation:
    Gegen ein Ace liegt Hero hinten und ist WB. Die Tatsache, dass Hero Preflop ge-3-bettet wurde, heisst leider oft, dass der SB hier sein Ace getroffen hat.
    Wir liegen allerdings nicht notwendigerweise hinten!
    Gegen TT-QQ liegt Hero hier vorne, gegen schwächere Kings ebenfalls, gegen diese Hände wäre Hero WA. Ein Fold wird hier nicht in Frage kommen.
    Hero wird den Turn nicht raisen sondern einen Calldown spielen aufgrund der WA/WB Situation am Turn.

3) SB: 40/26/2.0/39


    Preflop: Hero is CO with K J
    Hero raises, SB 3-bets, Hero calls

    Flop: K 8 A
    SB bets, Hero…

    Kein Traumflop wenn man Preflop eine 3-Bet bekommen hat. Aber gegen diese Art von Gegner auch kein Grund seine Hand direkt wegzuschmeissen.
    Hat der SB ein Ace getroffen, sind wir wohl WB und müssten unseren Kicker treffen, oder weiteren King. Ein Raise wäre auf jeder Street gefährlich, der Gegner hat wohl keine Probleme uns mit einem Ace zu 3-betten. Und gegen diesen Gegner haben wir keinen "easy Fold" wenn eine 3-Bet von ihm kommt. Wir wollen einen Showdown haben!
    Unser Plan für die Hand ist wieder ein Calldown!

Wann weiche ich von einem c/c auf allen Streets ab?

Wir sind OOP: Der Gegner spielt check-behind am Turn
oder IP: Der Gegner checkt zu uns am Turn

    Wir wollen sicherstellen das zumindest eine Bet auf jeder Street in den Pot kommt! Sobald der Gegner z.B. am Turn einen check behind spielt, bette ich natürlich den River, immerhin halten wir ein Pair und wollen nicht auf 2 Streets einen check sehen.

Wann kommt eine Donkbet am River in Frage?

    Pauschal lässt sich das so formulieren:
    Je passiver der Gegner und je mehr Went to Showdown der Gegner hat, desto eher ist eine Bet/Fold Line am River sinnvoll!

    Bei so einem Gegner hat Bluff Induce wenig Value. Er wird häufig mit Pockets oder hopeless Hands check behind spielen, falls wir zu ihm checken. Donken wir hingegen, wird er häufig noch eine Bet von uns callen. Hat er ein stärkeres Ace, so traut er sich oftmals nicht das am River zu raisen, er hat ja einen kleinen AF.

    Die Line "Bet/Call" am River, halte ich aus folgendem Grund fast nie für sinnvoll: Bet/Call müssten wir gegen einen Gegner spielen, der uns mit schlechteren Händen noch callt, bei dem wir aber bei einem Raise keinen einfachen Fold haben. Also müsste dies ein Gegner mit viel WTS und viel AF sein.
    Gegen so einen Gegner hat allerdings auch Bluff induce viel Value. Daher ziehe ich die Line c/c am River vor!

Ich habe Two Pair getroffen am Turn OOP

c/c ist doch zu weak, was soll ich tun?

    OOP ist hier ein checkraise oftmals die Variante, da sie noch am meisten Value von Hopeless Hands bekommt. Auf der anderen Seite aber auch von Händen gegen die wir vorher WB waren nun aber vorne liegen am meisten Value bekommt.
Frage 4: Wann sollte man von der eingeschlagenen WA/WB-Line abweichen?
a) Wenn das A fällt.
b) Wenn sich unsere Hand stark verbessert.
c) Wenn der Gegner irgendwo Schwäche in Form eines Checks zeigt.

Frage 5: Gegen welchen Gegnertypen ist eine bet/fold-Line am River sinnvoll?
a) Hoher AF, hoher WTS.
b) Hoher AF, niedriger WTS.
c) Niedriger AF, hoher WTS.

Anhang: Lösungen

Frage 1: Wann liegt eine WA/WB-Situation vor?
Antwort b ist richtig. Hero ist WA wenn er vorne liegt und Villain nur wenige Outs hat und Hero ist WB wenn er hinten liegt und selbst wenige Outs hat.

Frage 2: Welche grundlegende Spielweise sollte man in einer WA/WB-Situation wählen?
Antwort a ist richtig. Mit check/call any Street verliert man am wenigsten, wenn man hinten liegen sollte und gewinnt am meisten, sollte man vorne liegen.

Frage 3: Warum weicht man in einer WA/WB-Situation von unseren Standard-Lines ab?
Antworten a und c sind richtig. Durch die passive Spielweise nimmt man Villain die Möglichkeit, einen günstigen Fold zu finden und läuft selbst nicht Gefahr, die Hand teuer zu bezahlen, sollte man hinten liegen.

Frage 4: Wann sollte man von der eingeschlagenen WA/WB-Line abweichen?
Antworten b und c sind richtig. Verbessert sich unsere Hand zu 2Pair oder besser, so sollten wir unsere Line ändern, da wir nun sehr wahrscheinlich WA sind. Auch wenn der Gegner zu uns checkt (Turn/River) oder am Turn behind checkt, so sollten wir selbst betten, da wir gerne auf jeder Street eine Bet in den Pot bringen wollen.

Frage 5: Gegen welchen Gegnertypen ist eine bet/fold-Line am River sinnvoll?
Antwort c ist richtig. Der niedrige AF garantiert, dass wir keinen Raise einer schlechteren Hand sehen werden und der hohe WTS deutet darauf hin, dass er sich für eine Bet nicht von schlechteren Händen trennen wird.