Playing a Final Table
Einleitung
In diesem Artikel
- Wie du die verschiedenen Phasen des Final Table meisterst
- Welche Auswirkungen dein Stack auf deine Spielweise hat
- Deine Strategie im Heads-Up
Welche Ziele verfolgst du an einem Final Table? Willst du das Turnier unbedingt gewinnen oder ist das Erreichen des Final Tables schon ein großer Erfolg für dich?
Wenn es dein einziges Ziel ist, das Turnier zu gewinnen, solltest du eine aggressive und risikoreiche Spielweise an den Tag legen.
Ist jedoch jeder gewonnene Platz und die Erhöhung des Gewinnes schon ein toller Erfolg für dich, so versuche harten Konfrontationen auszuweichen und warte ab, wie sich die anderen gegenseitig vom Tisch nehmen.
Was lernst Du in diesem Artikel?
In diesem Artikel erfährst du, wie du den Mittelweg zwischen zu ängstlich und zu risikoreich findest. Du solltest nie zu passiv sein, jedoch auch nicht zu aggressiv. Dein Spielstil hängt dabei sehr von der Gegneranzahl und den Chipverhältnissen ab. Oft kannst du nicht so spielen, wie du gerne möchtest, weil die Rahmenbedingungen bzw. die Chipverhältnisse nicht geeignet sind.
In den folgenden Abschnitten erfährst du, wie du dich in den verschiedenen Phasen eines Final Tables verhalten solltest.
Deine Spielweise in der frühen Phase mit 9-7 Spielern
Als Average Stack solltest du in der frühen Phase nur deine Karten spielen. Einer der größten Fehler vieler Spieler ist es, tricky Moves abzuziehen. Anderen eine Falle stellen zu wollen oder Gegner aus Pötten rauszubluffen, ist fehl am Platz.
Mit vielen Gegnern ist die Gefahr zu hoch, dass mindestens einer eine sehr gute Hand hält. Hier ist es wichtig, geduldig zu sein und einfach deine Karten zu spielen. Von deinen Chips her bist du im gesicherten Mittelfeld und musst dir zunächst keine Sorge machen.
Lass dich auch nicht in Gefechte mit dem Chipleader oder anderen aggressiven Bigstacks ein. Die Gefahr ist groß, von jemandem mit mehr Chips aus dem Turnier gekickt zu werden. Dein Ziel muss es sein, gegen Shortstacks oder andere Midstacks zu spielen und diese unter Druck zu setzen.
Hier nun ein perfektes Beispiel, in dem viele Spieler wohl eher die falsche Spielweise wählen.
Du bist am Button mit 16 BB und es wird zu dir durchgefoldet. Du schaust deine Karten an und findest 73o. Der SB und der BB sind short (unter 8 BB).
Was machst du?
Viele Spieler würden nun auf die Idee kommen und hier pushen, um sich die Blinds zu holen. Das ist allerdings ein Fehler.
Überlege dir zunächst, welche Hände dich callen werden. Gegen so ziemlich jede Hand bist du Underdog. Sicher denken jetzt viele, es sei wichtig, den Druck auf die Shortstacks groß zu halten. Das ist auch nicht verkehrt. Das Stichwort lautet hierbei aber selektive Aggression.
Hältst du gute Hände, dann setze die Shortstacks unter Druck. Wichtig ist es, selbst die Situationen vorzugeben, in denen du um deine Chips spielen willst und dich nicht in unangenehme Spots hineindrängen zu lassen.
Falls du eine Trashhand zeigen musst, verlierst du diese Hand meistens. Aber auch deinen zukünftigen Raises wird kein Respekt mehr gezollt werden. Das ist mit das Schlimmste, was dir passieren kann: Einen Grossteil deines Stacks zu verlieren, Shortstack zu werden und gleichzeitig das Image eines Maniacs zu bekommen. Somit ist die einzig richtige Entscheidung im oberen Beispiel der Fold.
Große Risiken solltest du erst eingehen, wenn ein paar Shortstacks gebustet sind und du unter den Top 4-5 bist. Ein tightes Image als Average Stack mit ca. 15 BB ist extrem wichtig. Ansonsten werden die Gegner deine Raises nicht ernstnehmen und dich oft All-In setzen.
Greife mit den richtigen Händen Short- und Middlestacks an. Wenn hinter dir noch Bigstacks sitzen, die gerne mal einen Resteal machen, ist es mit ca. 10-14 BB oft sinnvoll, mit Ax oder Pocketpairs anstatt eines normalen Raises direkt All-in zu gehen, da du bei einem Reraise vor eine schwierige Entscheidung gestellt würdest.
Als Bigstack am Final Table zu sitzen, ist keine so leichte Aufgabe, wie es zunächst scheint. Viele Spieler denken nun, dass sie den Tisch kontrollieren müssen und die einzelnen Shortstacks aus dem Turnier hinauswerfen müssen. Den Tisch zu kontrollieren bedeutet aber auch, mit mittelmäßigen Karten Druck zu machen. Das ist der falsche Ansatz. Als Bigstack ist deine größte Waffe der Stack an sich. Du willst ihn nicht mit waghalsigen Moves wegwerfen. Hier gilt wieder das Stichwort selektive Aggression.
Gehe keine unnötigen Risiken ein. Du bestimmst selbst, wann du spielst, nämlich mit guten Karten. Denn du willst nicht, dass sich ein Shortstack auf deine Kosten aufdoppelt und du deine Chipführung verlierst.
Stacks&Stats
UTG+1 15 BB
UTG+2 13BB
MP1 21 BB
MP2 23 BB
MP3 15 BB
CO 19 BB
BU 30 BB (Hero)
SB 12 BB
BB 25 BB
Preflop: Hero is Button with A

UTG raises to 4 BB, Hero???
Was tust du?
UTG raist, während ein Bigstack im Big Blind ist. Das zeigt viel Stärke. Somit hast du hier bei einem Push kaum Foldequity. Mit AQo bist du oft leichter Favorit, jedoch wird es häufig einen Coinflip geben, wenn der Gegner mit einem Pocketpair geraist hat. Insgesamt muss man also sagen, dass die Range des Gegners einfach zu gut und die Chance den Pot mitzunehmen zu klein ist.
Also wirst du folden, auch wenn es schwer fällt. Denn du wählst die Situationen aus, in denen du Stärke symbolisierst und die anderen unter Druck setzt.
Wie sieht es aus, wenn das Beispiel ein wenig verändert wird?
Stacks&Stats
UTG+1 15 BB
UTG+2 13BB
MP1 21 BB
MP2 23 BB
MP3 15 BB
CO 15 BB
BU 30 BB (Hero)
SB 12 BB
BB 9 BB
Preflop: Hero is Button with A
MP3 raises to 3 BB, Hero???
Die Situation ist ähnlich, jedoch sind entscheidende Faktoren verändert. MP3 raist diesmal nur 3 BB, während ein Shortstack im BB sitzt. Dies ist sehr oft ein Blindsteal. Du liegst gegen seine Range deutlich vorne und hast eine gute Foldequity. Durch seinen kleinen Raise bekommt er keine so guten Odds auf einen Call. Generell kannst du dir als Faustregel merken, dass du eine gute Foldequity hast, sobald du das Raise des Gegner mindestens verfünffachst.
Resteals, also Reraises (meist All-In) mit einer mittelguten Hand wie z.B. A5s nach einem Raise des Gegners bieten sich an, wenn...
- ...das Raise des Gegner nach einem Steal aussieht.
- ...der ursprüngliche gegnerische Stack ca. 5-7 mal so groß wie sein Raise ist.
- ...du selbst einen deutlich größeren Stack hast.
- ...deine eigene Hand halbwegs gute Chancen gegen seine Callrange hat, also nicht oft dominated ist (z.b. AQ+,A2s+, 45s-KQs, 22+ bei einer Callrange von JJ+,AQs+,AKo).
Einen größeren Stack zu haben ist wichtig, da du dadurch sicherstellst, nicht gegen ein Monster zu busten. Du solltest es mit solchen Resteals natürlich nicht übertreiben. Aber sie sind eine sehr wichtige Waffe, um ein Turnier zu gewinnen und die Gegner einzuschüchtern.
Shortstack bist du mit weniger als 10 Big Blinds. Hier ist es wichtig, nicht zu lange zu warten und etwas zu unternehmen. Jedoch ist es auch hier die falsche Spielweise, so ziemlich any two zu pushen. Es ist klar, dass du handeln musst und das Ziel sollte sein, mindestens einmal pro Runde die Blinds zu stehlen. Die Runde ist in der frühen Phase noch lange genug, um sich die Situationen auszuwählen.
Warte auf gute, spielbare Hände. Also alle mittleren Aces und auch starke Kings wie KQ und KJ sind hier spielbar. Mit einer spielbaren Hand solltest du immer gleich All-In gehen und nicht solche Späßchen machen, wie eine 3BB-Bet auszupacken. Wenn ein Drittel deines Stacks schon preflop in den Pot geht, bist du ohnehin committet. Die bessere Entscheidung ist es, gleich preflop All-In zu gehen.
So schaffst du es auch, bessere Hände wie Pocketpairs zum Folden zu bringen und dir die Blinds zu schnappen. Bei einem Call gibt es meist eine 50:50 Entscheidung oder du bist (leichter) Underdog. Sehr wichtig ist, dass alle vor dir gefoldet haben. Bei Limpern solltest du vorsichtig sein und nach einem Raise brauchst du eine Tophand.
Wichtige Faktoren für eine Aktion in der frühen Phase findest du in der folgenden Auflistung. Als Big- und Midstack solltest du raisen bzw. restealen, als Shortstack pushst du All-In.
- Deine Karten - Achte auf die Callingranges. 78s ist meist besser als A3o, aufgrund der Gefahr der Domination.
- Deine Position - Wie viele Spieler hinter dir haben noch die Chance, ein Monster zu halten?
- Dein Image - Wenn du zweimal in Folge geraist hast, ist A8o ein easy Fold.
- Die Stacks der Blinds - Attackiere Middle- und Shortstacks, denen du weh tun kannst.
- Die Spielweise der Blinds - Möglichst passive/tighte Spieler attackieren.
Diese Faktoren gelten für alle Stackgrößen.
Deine Spielweise bei 4-6 Spielern (Shorthanded)
Als Average Stack gegen noch maximal fünf Gegner geht es langsam um den Sieg. Hier falsche Entscheidungen zu treffen, kann ganz schnell das Ausscheiden bedeuten. Als Average Stack gibt es einen Faktor, der für dich extrem wichtig ist: Die Position.
Du brauchst in den Händen, die du spielst, Position auf die Shortstacks. Du willst nämlich unbedingt gegen diese Gegner spielen und Konflikte mit größeren Stacks vermeiden. Denn solange du keinen Pot gegen jemanden spielst, der mehr Chips hat, kannst du nicht ausscheiden.
Nun wieder ein Beispiel, an dem deine Strategie in dieser Spielphase deutlich wird.
Der Tisch ist 5-handed. Die Blinds sind bei 500/1000 mit einem Ante von 100. Du sitzt im SB mit 28k Chips und hältst A3o. Im BB sitzt der Chipleader mit 74k Chips. Vor dir haben alle gefoldet.
In normalen Cashgames wäre das ein easy Raise. Nun ist dies aber kein Cashgame, sondern ein Final Table. Das verlangt strategischeres Denken. Gehe also die möglichen Optionen einmal durch.
- Raise: Sehr riskant, denn wenn nicht gerade AA3 kommt, weißt du nicht, wo du stehst. Kommt ein A im Flop, du bettest und der BB setzt dich All-In, dann stehst du da und weißt nicht, was du machen sollst. Das ist eine perfekte Way-ahead/Way-behind-Situation. Ein Raise bei nicht perfektem Board und guter Spielweise des BB ist sehr riskant für deine Chips.
- Fold: Bei einem Fold würdest du geschickt der Konfrontation aus dem Weg gehen. Aber ehrlich gesagt wäre ein Fold doch sehr, sehr weak. Du hast eine spielbare Hand und damit Angsthasenpoker zu spielen, zeugt nicht gerade von Skill.
- Limp: Bleibt nur noch der Limp. Oft wird er unterschätzt, aber du hast nun mal eine Hand, die zu schwach ist, um sie gegen den Chipleader zu raisen und zu stark, um sie einfach zu folden. Also limpst du rein. So bleibst du aktiv und kannst schauen, was passiert. Falls du den Flop gut triffst, bettest du, ansonsten schaust du, wie der BB agiert und reagierst dann mit einem Call (nach Pot Odds) oder Fold.
Wäre das Beispiel allerdings ein wenig anders und der BB hätte nur 8k Chips, würde sich deine Spielweise vollkommen verändern.
Hier besteht keine Frage. Du setzt ihn All-In. Sofern er keine Aces hat, hast du gute Chancen, dass er entweder foldet oder du zumindest leichter Underdog, wenn nicht sogar leichter Favorit mit deinem Ass bist.
Noch mal zusammengefasst. Als Average Stack bei noch 4-6 Spielern spielst du vorsichtig gegen den/die Bigstacks und aggressiv gegen den/die Shortstacks.
Als Bigstack ändert sich dein Verhalten nur sehr wenig. Du gehst kein zu hohes Risiko ein, denn dir machen die Blinds nichts aus. Die anderen müssen handeln und schlechtere Moves durchziehen, um sich ein paar Chips zu krallen. Die Zeit spielt in solchen Phasen für dich. Also entscheidest du auch, wann du die Leute richtig unter Druck setzt.
Wichtig ist, dass du mit marginalen Händen keine All-Ins von anderen callst. Wenn, dann setzt du sie All-In und überlässt ihnen die Entscheidung. Wenn jemand All-In geht, wird er sicher nicht 72o halten. Außerdem solltest du es vermeiden, riesige Pötte zu spielen. Du kannst die Gegner durch das Spielen kleiner Pötte langsam klein kriegen. Bei großen Pötten besteht immer die Gefahr, dass die Gegner sich so aufpushen und du deinen Chipvorteil verlierst.
Auch dazu nun ein Beispiel:
Das Spiel ist 4-handed, die Blinds sind bei 500/1000 mit einem Ante von 100. Du bist der Chipleader mit 52k Chips und sitzt im BB. Der Button geht mit 11k Chips All-In. Der SB folded und du hältst T8s.
Der größte Fehler, den du hier machen könnest, ist dieses All-In zu callen. Der Button kann zwar mit einer marginalen Hand versuchen, die Blinds zu stehlen, aber du hast selbst nur eine mittelprächtige Hand und bist fast immer Underdog. Durch solche Situationen andere aufzudoppeln, ist nicht dein Ziel. Also foldest du und wartest auf eine Situation, in der du eine gute Hand hältst und dem Gegner die Pistole auf die Brust setzen kannst.
Du solltest allerdings mit guten Händen wie etwa AJo oder 88 solche All-Ins callen, selbst wenn du nicht im BB bist und diese kleinen +EV-Situationen nutzen, um deinen Chiplead auszubauen.
Zudem solltest du wieder in den richtigen Situationen Resteals ansetzen. Zum Beispiel kannst du, wenn ein Average Stack gegen einen Shortstack raist, ab und zu ein Reraise mit einer marginalen Hand machen, sofern Foldequity besteht (s.o. 5-7 mal soviel raisen).
Merkst du allerdings, dass alle Leute dir den (gebührenden) Respekt zollen, solltest du Raises sehr ernst nehmen. Manchmal werfen die Gegner alles außer QQ+, AK gegen den Chipleader weg.
Wenn du der Shortstack bist, kannst du genau das Spiel des Average Stacks und des Bigstacks für dich nutzen. Diese warten auf gute Karten, um dich unter Druck zu setzen. Du musst etwas tun, sonst fressen dich die Blinds auf. Also spielst du nun zunehmend aggressiver, denn was kannst du schon verlieren?
Du bist ohnehin nah am Existenzminimum und wenn du das Turnier gewinnen willst, dann musst du etwas tun. Zu warten, dass sich die anderen gegenseitig rausschmeißen, danach im Heads-Up zehnmal verdoppeln, um mit den Chips wieder auf Gleichstand zu kommen, ist eher unwahrscheinlich. Also stiehlst du die Blinds, während deine Gegner auf gute Karten warten. Ein Beispiel:
Das Spiel ist wieder mal 4-handed, mit Blinds von 500/1000 und einem Ante von 100. Du hast 13k Chips und sitzt in erster Position mit QTs. Was machst du?
Keine Frage, du pushst. Es gibt hier eigentlich nur 2 Fälle.
Entweder folden alle und du gewinnst die Blinds, was direkt 2k Chips sind. Wenn du dies ein paar Mal schaffst, bist du wieder gut dabei.
Oder aber du wirst gecallt. Hier besteht dann die Aussicht auf einen Coinflip, wenn der Gegner ein kleines Pocketpair hält. Das ist halbwegs gut für dich, denn solche Situationen musst du suchen.
Du kannst auch Pech haben und in ein Monster wie AA, KK oder QQ laufen. Dann bist du so gut wie draußen. Bei allen anderen Situationen bist du nur kleiner Underdog oder sogar mit Glück kleiner Favorit. Dennoch ist der Push richtig.
Suche dir die richtigen Gegner um zu attackieren. Gibt es einen weiteren Shortstack, so würde dieser davon profitieren, wenn du von einem anderen Spieler gecallt wirst. Deshalb lohnt es sich mehr, den anderen Shortstack zu attackieren. Gibt es keinen Shortstack, lohnt es sich wiederum aus ähnlichem Grund Average Stacks anzugreifen. Denn wenn du einen Double-up gegen den Bigstack schaffst, gewinnst du nicht soviel wie gegen einen Average Stack, da dieser danach Shortstack ist und du dem nächsten Platz deutlich näher bist.
Warte auf keinen Fall zu lange auf eine gute Hand. Du musst agieren, wenn du gewinnen willst, also bleibt dir keine Wahl. Wer weiß, wann du wieder eine Premiumhand bekommen wirst. Deine Foldequity verringert sich mit jeder weiteren Hand, die du foldest. Wenn dein Stack so klein ist, dass dich deine Gegner quasi mit any two callen werden, kannst du beinahe schon aufstehen und gleich gehen.
Deine Spielweise bei 3 Spielern (3-handed)
Wieso gibt es dafür einen extra Abschnitt? Der Unterschied gegenüber shorthanded ist nun, dass du immer in Aktion bist. Entweder bist du in den Blinds oder am Button. Somit hast du keine Zeit, irgendwann Luft zu holen.
Wenn du in der Position des Average Stacks bist und es noch einen Shortstack gibt, so ist dein klares Ziel, dass der Shortstack den Tisch als Erster verlässt.
Das bedeutet aber nicht, ins Halbkoma zu verfallen, alle Hände zu folden und zu warten, bis der Shortstack vom Bigstack aufgegessen wird. Hier ist es wieder so, Auseinandersetzungen mit dem Bigstack möglichst zu vermeiden. Spiele keinen großen Pot gegen den Bigstack, wenn ein Shortstack am Tisch sitzt.
Übe stattdessen Druck auf den Shortstack aus. Damit kommt wieder das wunderschöne Stichwort selektive Aggression zum Tragen.
Du bist am Button mit K9o. Der Shortstack ist im SB und der Bigstack im BB. Gehe noch einmal deine Optionen durch.
- Folden: Klar, du willst nicht gegen den Bigstack spielen, aber, wie gesagt, du willst weder ins Halbkoma verfallen noch Angsthasenpoker spielen. Folden wäre hier sehr weak.
- Raise: Das wäre hier objektiv gesehen wohl der beste Spielzug, da du oft genug vorne liegst. Jedoch hast du dann ein Problem, wenn der Bigstack mit dir spielen möchte. Durch das Preflopraise bist du schon fast gezwungen, einen großen Pot zu spielen und genau das willst du ja gerade nicht.
- Limp: Also packst du mal wieder den Limp aus. Du bleibst aktiv und hast Position. So kannst du den Flop anschauen und sehen was passiert. Triffst du nicht und der BB erhöht, kannst du dich leicht von deiner Hand verabschieden. Wird zu dir gecheckt, kannst du eine Bet in Höhe des halben Pots setzen und schauen, ob du dir den Pot sichern kannst. Spielt der BB aber weiter und du hast nichts auf der Hand, solltest du am Turn die Bremse ziehen.
Zu beachten ist, dass du nicht gegen einen sehr aggressiven Bigstack limpen solltest, wenn er bei einem Limp vom Button laut weak schreien und auch mal Trash raisen kann. Hier solltest du dann lieber raisen und ab dem Flop versuchen, den Pot klein zu halten oder gleich mitzunehmen.
Würde das Beispiel nun ein wenig verändert, dass der SB der Bigstack ist und der BB der Shortstack, so verändert sich deine Spielweise mal wieder sehr stark.
Hier ist ein Raise ein Muss, um den BB unter Druck zu setzen. Sollte der Fall eintreten, dass der SB spielt und der BB foldet, so kannst du dich zumindest noch auf deine Position verlassen. Und da der SB oft checkt, kannst du eine Bet nachschieben, um zu schauen, wo du stehst. Callt der SB wieder, ziehst du die Bremse an und schaust, ob du mit einer mittelmäßigen Hand billig zum Showdown kommst.
Bedenke immer, dass Chips und Position in dieser Phase das Wichtigste sind. Und gerade gegen den Shortstack musst du versuchen, beides auszuspielen. Auch hier solltest du mit Händen wie Ax oder Pairs bei ca. 10-14 BB lieber direkt All-In gehen, um nicht vom Bigstack zu einem Fold gezwungen zu werden.
Bei nur noch 2 Gegnern ist es wichtig, deinen Chipvorteil zu halten, denn Heads-Up ist der Chiplead ein immenser Vorteil. Du kannst deinen Gegner jederzeit All-In setzen und das Turnier gewinnen.
Außerdem ist zu beachten, dass die Auszahlungsstruktur bei Turnieren oft ab dem 3. Platz enorme Preisgeldsprünge macht. Dies kannst du dir als Bigstack zum Vorteil machen, da deine beiden Gegner oftmals genau das Falsche machen und in ein Halbkoma fallen. Sie versuchen, diesen einen Platz noch zusätzlich zu gewinnen, um dann im Heads-Up mit etwas Glück vielleicht den Turniersieg zu holen.
Für dich heißt das nichts anderes, als alle Pötte durch aggressives Spiel an dich zu reißen. Sei nur vorsichtig, wenn deine Gegner wirkliche Besitzansprüche durch große Bets machen. Besonders in Händen gegen den Average Stack funktioniert dies sehr gut, da dieser mehr darauf wartet, dass der Shortstack herausfliegt, als selbst Chips gegen dich zu gewinnen.
Als Shortstack gibt es in dieser Situation nur noch eins: Richtig aggressives Spiel. Der Average Stack wartet oftmals, dass du zuerst rausfliegst und der Bigstack hat seinen Chipvorteil, den er auch behalten will. Für beide gibt es keine Gründe, mit marginalen Händen All-Ins von dir zu callen. Und das machst du dir zunutze, indem du das Tempo erhöhst und oft auch mit sehr marginalen Händen pushst. Selber hast du nichts mehr zu verlieren, denn wenn du wartest, werden die Blinds nur größer. Das ist es, was die anderen beiden wollen, denn in solch einer Phase ist es oft so, dass sich die beiden anderen Gegner sozusagen zusammentun, um den Kleinsten, also dich, als Erstes rauszukicken.
Deshalb musst du versuchen, das durch deine Pushes auszunutzen. Jedoch ist ganz wichtig, niemals ein All-In zu callen. Ausnahmen bilden natürlich Monsterhände, mit denen du selbstverständlich callst. Du setzt die anderen unter Druck, denn sie sollen sich überlegen, ob sie mit ihren marginalen Händen dein All-In callen.
Das Heads-Up
Du bist am Ziel angekommen und im Heads-Up. Nur noch ein Gegner trennt dich vom großen Turniererfolg. Jetzt willst du natürlich keinen Fehler machen und nur den zweiten Platz belegen. Beim Heads-Up gibt es zwei wichtige Faktoren, die du beachten musst. Einmal, der wichtigste Faktor, der Gegner. Und dann natürlich auch wieder die Chipverteilung. Auf diese beiden Faktoren wird nun näher eingegangen, um zu zeigen, wie du das Bestmögliche rausholen kannst.
Beim Heads-Up spielst du nur noch gegen einen einzigen Gegner. Hier ist es von enormem Vorteil, wenn du es schaffst zu verstehen, wie er deine Aktionen aufnimmt, was er davon hält und wie er darauf reagiert. Du musst versuchen, in seinen Kopf hineinzukommen.
Genau das ist der wichtigste psychologische Aspekt im Heads-Up: Du musst deinen Gegner verstehen und wissen, wie du diese Informationen am besten gegen ihn verwenden kannst.
Ist der Gegner beispielsweise viel zu aggressiv, so musst du zurückhaltender spielen und die richtigen Momente abwarten, um ihn dann in große Pötte zu verwickeln. Ist er hingegen zu passiv und foldet preflop oftmals, so gibst du mehr Gas, um ihn unter Druck zu setzen und um ihm zu zeigen, dass er nicht darauf warten kann, einen Flop optimal zu treffen.
Beim Heads-Up selbst ist es sehr wichtig, das Spiel objektiv zu analysieren. Dies ist auch das Schwierigste. Du musst erkennen, wann ein Gegner dir einfach überlegen ist.
Diese Erkenntnis bedeutet aber nicht gleich, dass du aufgeben sollst. Nutze diese Information aus. Ist es beispielsweise so, dass du dem Gegner wirklich überlegen bist und ihn postflop ausspielen kannst, verwickle ihn in so viele kleine Pötte wie nur möglich. Dann kannst du ihm in diesen kleinen Pötten langsam einen Chip nach dem anderen abnehmen. Diese Spielweise des Smallballs ist sehr zeitintensiv, jedoch um einiges risikoärmer.
Versuche großen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, und nach und nach den Gegner so weit zu bringen, dass er fast von den Blinds aufgefressen wird und du bis zu zehnmal mehr Chips hast als er. Dann kannst du beginnen, ihn preflop All-In zu setzen und zu hoffen, dass die richtigen Karten fallen, falls er callt. Wenn er dauernd foldet, ist es nur das Beste für dich, denn so werden die Blinds im Verhältnis zu seinem Chipstack immer größer und er muss somit mit immer schlechteren Karten callen.
Wenn dein Gegner dich ausspielt, musst du genau die umgekehrte Strategie fahren. Gegen einen guten Gegner, zum Beispiel Phil Helmuth immer kleine Pötte zu spielen, würde nach und nach im Verlust all deiner Chips enden. Also spielst du nur Big Bet Poker. Du pushst, wo es geht. Der gute Phil hat mal gesagt, dass er nie ein All-In mit Queens callen würde. Und so würde er auch gegen dich spielen. Du gehst All-In und er sagt, dass er Queens hat, aber auf eine bessere Situation wartet. Du kannst dann dein 76o anschauen und ihm sagen, dass er weiter warten soll.
Oder stell dir mal ein Extrembeispiel vor. Deine Mutter hat die Chance morgen gegen Phil Ivey Heads-Up um eine Million Dollar zu spielen. Beide bekommen 10.000 Chips und das Spiel wird normal gespielt. Das Problem ist nur, dass deine Mutter keine Ahnung von Poker hat, sie sich die Chance aber nicht einfach so entgehen lassen kann. Wie bereitest du sie am besten auf solch ein Heads-Up gegen Phil Ivey vor?
Sagst du ihr:
- „Mum, spiel deine Draws einfach straight forward, der blufft viel."
oder
- „Versuch ihm die Blinds zu stehlen, wenn du merkst, dass er keine guten Karten hat."
oder vielleicht
- „Versuch nach dem Flop deine Position auszuspielen und falls du OOP bist, einfach mal ein Checkraise einzustreuen, um zu schauen wo du stehst."
Deine Mutter würde dich wohl nur dumm anschauen und sagen: „Ja gut...“
Die einzige Strategie, die du ihr auf den Weg mitgeben kannst ist, dass sie Big Bet Poker spielen soll, und das auf eine extreme Weise. Also würde deine Anweisung an sie folgendermaßen lauten:
- „Mum, sobald du zwei Karten hast, bei denen keine 2 oder 3 dabei ist, gehst du All-In. Und das die ganze Zeit."
So hätte sie eine klitzekleine Chance gegen Phil Ivey. Denn durch die preflop All-Ins neutralisierst du die Postflopskills des Gegners. Nun liegt es nur noch an Phil Ivey, mit Glück die richtigen Situationen zu erwischen, um zu callen.
Nun zum Chipstand. Wenn du gegenüber dem Gegner weit vorne liegst, spielst du meist einfach die Karten und versuchst nach und nach in den Kopf des Gegners zu kommen, um dein Spiel an ihn anzupassen.
Bist du aber hinten, musst du folgende Punkte beachten: Wie weit bist du hinter dem Gegner und wie hoch sind die Blinds. Diese beiden Faktoren bestimmen deine weitere Strategie. Dazu nun ein paar Beispiele.
Du hast 130k Chips, der Gegner hat 300k Chips. Die Blinds sind bei 2000/4000 mit einem Ante von 500. Du hältst am Button A3o, was Heads-Up durch das Ass ein gute Hand ist. Was machst du?
Raise! Im Gegensatz zum shorthanded Beispiel kannst du nun nach reinem Chip-EV spielen. Und im SB kannst du leicht nach einer gecallten Continuationbet den Turn checken und so mit Ace-high zum River kommen. A3 hat preflop Equity und eine schlechte Playability, sollte also meist geraist werden. Foldet der Gegner, bist du damit völlig zufrieden. Rein equitymäßig könntest du auch All-In gehen. Jedoch sind die Blinds viel zu klein und es lohnt sich nicht.
Du hast das Gefühl, dass dich dein Gegner ausspielt. Du hast wieder 130k und der Gegner 300k Chips. Er raist auf 16k und du hast ATo. Was machst du nun?
Der entscheidende Faktor ist, dass er dir anscheinend überlegen ist. Also bleibt dir keine andere Wahl, als mit einem All-In zu zeigen, dass es nun an ihm liegt. Nur gegen AA bist du hoffnungslos hinten. Selbst gegen KK gibt es gute Chancen, diese Hand mit einem Ass zu gewinnen.
Oftmals wird es so sein, dass der Gegner auf dein All-In foldet und du damit 16k Chips gewonnen hast. Gerade wenn auch der Gegner das Gefühl hat, dir überlegen zu sein, wird er hier oft bessere Hände wie kleine Pocketpairs folden.
Zusammenfassung
In diesem Artikel hast du gesehen, dass du an einem Final Table besondere Strategien auspacken musst und nicht so spielen darfst, wie in einem Cashgame oder wie in den frühen Turnierphasen. Meist geht es um sehr viel Geld und deshalb solltest du diesen Artikel genau lesen und verstehen.
