Wie verschiedene Stacksizes in MTTs deine Spielweise verändern
Einleitung
In diesem Artikel
- So passt du dein Spiel an verschiedene Stacksizes an
- Denke nicht in starren Mustern, sondern "um die Ecke"
Der erste Teil dieses Artikels behandelt die Aspekte von verschiedenen Stacksizes in MTTs. Dieser Bereich bereitet den meisten MTT-Spielern von allen Aspekten des Spiels die größten Probleme. Viele Spieler verstehen die Unterschiede nicht, die das Spiel mit Stacks von 20, 30 oder 40BB erfordert. Erst mit wachsender Erfahrung widmen die meisten MTT-Spieler den Größen der Stacks mehr Beachtung. Nichtsdestotrotz machen mitunter auch international bekannte Spieler in grundlegenden Spielsituationen amateurhafte Fehler.
Vorgegebene Strategien sind immer grobe Richtlinien. Turnierpoker entwickelt sich ständig weiter und strikte Schwarz-Weiß-Situationen gibt es dabei nicht. Ganz im Gegenteil wird es viele spezielle Situationen geben, in denen eine völlig andere als die „konventionelle” Lösung die profitabelste ist. Die allerbesten Turnierspieler haben die Fähigkeit, um die Ecke zu denken und sie haben keine Angst davor, außergewöhnliche Moves zu spielen. Um es aber an die Spitze zu schaffen, ist es wichtig, die Grundlagen zu beherrschen und sie mit Respekt zu behandeln.
1 – 14BB
Mit dieser Stacksize sind die Optionen jedes guten Spielers auf Folden oder Pushen begrenzt. In Turnieren mit kleinem Buy-in kann man auch über eine „exploitive” Strategie nachdenken und seine Premiumhände mit einem Stack von 10 – 14BB auf 2,5BB openraisen. Beachten muss man aber, dass jeder Gegner mit auch nur ein bisschen Ahnung diese Strategie erkennen und sich dementsprechend anpassen wird.
Niemals kannst du einen so kleinen Stack raise/folden – das wäre in jeglicher Hinsicht ein großer Fehler. Es lohnt sich nicht einmal, seine stärksten Hände auf diese Art und Weise als Slowplay zu spielen, da man nach einem einfachen Raise auf einem Flop wie 876 ziemlich hilflos dasteht. Die Strategie mit dieser Stacksize ist also recht einfach: Push oder Fold. Dabei sind Push-or-Fold-Tabellen eine gute Möglichkeit, um die Pushingranges einschätzen zu lernen. Dasselbe kann man aber auch beispielsweise mit dem SNG Wizard lernen.
14 – 20BB
Mit dieser Stacksize sollte man generell keine Hände openraisen, die man gegen eine 3-Bet nicht weiterspielen kann. Wenn an deinem Tisch wirklich nur sehr schwache Spieler sitzen, die nur die besten Hände ihrer Range 3-betten werden, kannst du trotzdem openraisen und auf weitere Action einfach folden.
In den meisten Fällen ist raise/fold mit weniger als 20BB aber keine gute Strategie. Je näher man an die 15BB-Grenze kommt, desto unprofitabler wird ein Raise mit der Absicht, auf eine 3-Bet zu folden. Man sollte es also vermeiden, zu openraisen und dann zu folden, wenn man nur noch knapp über 15BB hat.
Interessanterweise sollte man mit dieser Stacksize eher mit einer 3-Bet in Hände einsteigen als mit einem Openraise. Mit solch einem Stack ist es auf einmal nicht mehr profitabel, first-in zu kommen, da es von deiner Seite aus im Grunde kein Postflopplay geben wird. Dabei gilt es auch zu beachten, dass die eigene Starthand eigentlich keine Rolle spielt, sondern nur noch die Gegner. Aus diesem Grund muss man bei entsprechenden Bedingungen mit einem Stack von 20BB manchmal Hände wie 77, AJ oder KQ openfolden, sollte aber auf der anderen Seite froh sein, wenn man genau diese Hände 3-betten kann. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass man der erste ist, der seinen Stack in die Mitte schiebt.
Eine der wichtigsten Beobachtungen, auf die du bei deinen Gegnern mit diesen Stacksizes achten solltest, ist, wie oft sie gegen eine 3-Bet folden. Wenn sie dies oft tun, kann man vermehrt mit allen möglichen Händen 3-betten. Dies ist ein Leak, das überraschenderweise eine große Zahl von international bekannten Turnierspieler haben. Auf der anderen Seite sollte man beachten, dass den meisten Regulars bekannt sein sollte, dass sich solch ein Stack bestens für Resteals eignet und sie daher deine recht offensichtlichen 3-Bet-Resteals ziemlich loose callen werden.
Außerdem ist es sehr wichtig, sich Notizen zu machen und herauszufinden, welche Gegner die Konzepte des Spiels mit unterschiedlichen Stacksizes kennen und welche nicht. So versuchen beispielsweise viele schlechte Gegner auch mit Stacks von weniger als 20BB zu setminen, obwohl sie dazu ganz offensichtlich nicht die richtigen Odds bekommen. Aus eigener Erfahrung lässt sich schätzen, dass rund 95% der Spieler sogar auf den Midstakes noch oft raise/fold mit 20BB-Stacks spielen. Gegen diese Gegner kannst du sehr loose 3-betten.
Eine besonders profitable Situation tritt auf, wenn ein schlechter Spieler, der keine Ahnung von den Anpassungen hat, die er mit diesen Stacksizes machen sollte, die ursprüngliche Bet flatcallt. In diesem Fall ist der Pot üblicherweise dead Money und beträgt bis zu 40% des eigenen Stacks (2,5BB x Openraise, 2,5BB x Call, 1 x BB, 1 x SB, Ante = 8BB). Da die eigene Foldequity enorm ist, sollte deine 3-Bet-Pushingrange ziemlich loose sein.
Außerdem solltest du in der Lage sein, gute Spieler zu erkennen, die die Auswirkungen der Stacksize verstanden haben. Aus dem High Stakes MTT-Forum bei 2+2 habe ich ein eher extremes Beispiel in Erinnerung. In einem $500 Turnier openraist ein guter Spieler 2,5BB aus MP mit einem Stack von 30BB und ein weiterer guter Regular mit Hunderttausenden von Winnings callt mit nur 19BB aus dem CO. Hero war am Button mit AKs und hat gefoldet.
Ja, du hast richtig gelesen. Hero war felsenfest davon überzeugt, dass der sehr gut spielende Regular seine komplette Range 3-Bet/Shove gespielt hätte – außer den absoluten Monstern, die er in dieser Situation nur flatgecallt hätte, um Action zu bekommen. Was die Situation weiter verkompliziert ist, dass Hero Blocker für AA und KK in der Hand hält. Trotzdem war es unmöglich, Villain auf irgendwelche andere Hände zu setzen, so dass Hero foldete und Villain am Ende der Hand tatsächlich AA zeigte.
Natürlich ist dies nur ein extremes Beispiel und AKs sollte gegen die allermeisten Gegner hier ein All-In sein.
Hier ein paar Beispiele für Situationen mit einem Resteal-Stack:
Blinds 500/1.000, Ante 100.
Hero hat 20k und sitzt mit 33 in MP.
Nach Hero sitzen einige Spieler mit gleicher Stacksize.
Üblicherweise wird hier gefoldet. Wenn jemand All-In geht, kannst du die Hand nicht weiterspielen. Wenn jemand flatcallt, triffst du zu selten ein Set und auf dem Flop kommen meist drei Overcards. Die einzig positive Situation wäre, wenn alle folden. Da du einen Resteal-Stack hast und die Spieler nach dir alle in etwa die gleiche Stacksize haben, werden sie generell meist pushen oder, falls sie schlechtere Spieler sind, mit einer sehr weiten Range callen. Diese Situation taucht nicht so oft auf, als dass sie einen Raise deinerseits +EV machen würde.
Blinds 500/1.000, Ante 100.
Hero hat 18k und ist mit 77 in UTG.
Aus den gleichen Gründen wie oben ist auch hier ein Openfold oft die korrekte Aktion.
Blinds 500/1.000, Ante 100.
Hero hat 18k und sitzt mit A9s im Hijack.
Alle folgenden Spieler haben Stacks von rund 20BB.
Diese Situation ist nun schon etwas komplizierter als die obigen. Der Grund dafür ist, dass raise/call gegen manche Spieler die richtige Taktik ist und gegen manche Gegner eher raise/fold. Wenn du annimmst, dass der CO, BU und BB moderat aktive Regulars sind, so ist raise/call Standard, da in ihren Ranges auch genug schlechtere Hände sind. Sollte auf der anderen Seite der SB ein schlechter Spieler sein, der nie als Bluff 3-bettet, so kannst du seinen Push nicht callen.
Wichtig bei diesen Spielsituationen ist zu verstehen, dass ein Openraise mit 18BB bedeutet, dass man auch die meisten Shoves callen muss. In ähnlichen Situationen mit A3s, KTo oder 22 wäre ein Openfold wahrscheinlich die beste Option, da diese Hände nicht ausreichend stark sind, um einen Shove zu callen. Mit einer Hand wie 77 hat man oft mindestens einen Coinflip gegen die Pushingrange der meisten Gegner, so dass du - außer gegen den zu tighten SB - recht einfach raise/callen kannst.
Es ist also kein Verbrechen, mit dieser Stacksize gegen bestimmte Gegner zu raise/folden, wenn die Situation dies erfordert. Wenn du dir beispielsweise vorstellst, an der Bubble des WSOP Main Events zu sein und dass alle Spieler nach dir extrem vorsichtig spielen und nur mit AA und KK 3-betten würden, so solltest du in der beschriebenen Situation definitiv 100% deiner Hände raisen – auch 72o.
Der Grund dafür ist, dass du mit einem normalen 2,5BB-Raise den Pot von 2.500 Chips oft genug gewinnst, um profitabel zu sein (es muss nur in 50,1% klappen, um profitabel zu sein). Analog dazu kannst du auch annähernd any 2 raisen und folden, wenn hinter dir zwei Nits und ein LAG sitzen. Sogar wenn der LAG in 20% der Fälle eine 3-Bet auspackt, machst du immer noch Profit, solange die anderen beiden Spieler nur ihre Premiumhände gegen dich weiterspielen.
Fazit: Spiele mit einem Stack kleiner als 20BB nie raise/fold, wenn du dazu nicht einen guten Grund hast (z.B. wenn hinter dir nur Nits sitzen). Dies ist der für sich genommen größte Fehler, den ansonsten gute Spieler machen.
20 – 30BB
Du hast jetzt keinen Resteal-Stack mehr, so dass du deutlich mehr Hände openraisen kannst. Davor ist es jedoch von enormer Bedeutung, die Stacks der Spieler hinter dir zu analysieren. Beim Turnierpoker geht es nicht so sehr um die tatsächliche Stacksize, sondern vielmehr um die effektive Stacksize. Wenn du einen Stack von 30BB hast, alle Spieler nach dir aber nur 20BB, so unterscheidet sich die Situation kaum von der mit einem 20BB-Stack. Du openraist weiterhin tight, es sei denn alle anderen Spieler sind Nits.
Sollten die effektiven Stacks im Gegensatz dazu aber bei 25 -30BB liegen, so kannst du relativ sicher mit einer recht weiten Openraisingrange arbeiten. Das liegt daran, dass die folgenden Spieler nicht viel dagegen ausrichten können (wenn sie die Bedeutung der Stacksizes verstehen). Natürlich sollte man gegen etwaige Callingstations weiterhin tight spielen.
Blinds 500/1.000, Ante 100.
Hero hat 30k und hält 86o am Button.
Beide Blinds haben ebenfalls mindestens 30k.
Hier solltest du immer raisen! Für beide Gegner ist es extrem schwer, gegen dich zu spielen, auch wenn sie sehr wohl wissen, dass du sehr loose openraist. Das liegt daran, dass ihre wichtigste Waffe, die 3-Bet, unbrauchbar ist. Sie können nicht als Bluff 3-bet/shove spielen, da sie zu viel riskieren würden (30k um 5k zu gewinnen).
Die Möglichkeiten einer durchschnittlichen Hand bis rauf zu KJ sind nur zu folden oder zu callen. Auch wenn sie wissen, dass du nur stealst, können sie außer mit ihren Tophänden nichts dagegen tun. Wenn sie sich entscheiden, mit KJ zu callen, werden sie den Flop zwei von drei Mal verpassen und du gewinnst mit einer Contibet.
Wenn du von einem 20 - 30BB-Stack eine 3-Bet bekommst, die kein All-In ist, solltest du immer die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass du gegen ein Monster spielst. Ein guter Spieler foldet mit solch einem Stack eigentlich nie nach einer 3-Bet. Erhöhst du beispielsweise in obigem Beispiel auf 2,5k und der Gegner raist auf 7,5k, so ist es nur schwer vorstellbar, dass Villain einen Pot von 62,5k mit einem Reststack von 22,5k foldet. 4-Bet-Bluffs sind in solchen Situationen also nicht empfehlenswert. Bereite dich außerdem darauf vor, auch einige gute Hände zu raise/folden, wenn die Situation dies erfordert.
Hier sind nun einige Beispiele aus einem $109-Turnier bei PokerStars. Beide Spieler sind recht aktiv und wissen, was sie tun.
Blinds 500/1.000, Ante 100.
Effektive Stacks liegen bei 27k.
CO raist 2,5k mit 77, BU foldet, SB 3-bettet auf 6.8k und der BB foldet.
Der CO sollte hier einen einfachen Fold finden, obwohl er weiß, dass SB ein aggressiver Spieler ist. Es ist einfach ein sehr schlechter Spot für den SB, hier als Bluff zu 3-betten, weswegen er hier einfach keine 3-Bet/Fold-Range haben wird (er bekäme zu gute Odds auf die 4-Bet).
In seiner 3-Bet/Callrange hingegen werden kaum schwächere Hände als deine sein. In diesem Fall hat CO die Situation falsch aufgefasst und gepusht, der SB dann mit TT gecallt. Die Taktik vom SB gefällt mir hier sehr. Er hätte auch 3-bet/shoven können, was definitiv ein profitabler Move gewesen wäre (beachte dabei, dass obwohl ein Stack von fast 30BB gewöhnlich zu groß für 3-Bet-Bluffs ist, er dennoch oft noch klein genug für einen Semibluff-Shove mit Händen wie AJo ist). Durch eine kleinere 3-Bet gibst du deinem Gegner aber die Chance, ähnlich wie in diesem Beispiel einen Maniac-Move zu machen. Eine 4-Bet des ursprünglichen Raisers gegen den aggressiven SB wäre hier bei Stacksizes von beispielsweise 37BB deutlich besser, da SB mehr Foldequity hätte.
Wie spielst du jetzt mit solch einem Stack, wenn du nicht in der Rolle des Openraisers bist? Generell wirst du nicht setminen können, es sei denn, es sind schon mehrere Spieler im Pot. Du kannst auch nicht 3-bet/fold spielen und musst daher in bereits geraisten Pots sehr tight spielen. Wenn du eine Hand hast, mit der du broke gehen möchtest, so solltest du meistens den sogenannten Stop-and-Go-Move machen. Das heißt, du 3-bettest so, dass dein Stack am Flop ungefähr die Größe des Pots hat, um dann praktisch jeden Flop zu shoven. Wenn dein Gegner 4-bettet, bezahlst du.
Blinds 500/1.000, Ante 100.
Hero hat 27k und ist mit AQo im SB.
Der CO openraist auf 2,5k, BU foldet. Hero 3-bettet auf 8,5k, der BB foldet.
Wenn der CO All-In geht, hast du einen einfachen Call. Obwohl du wahrscheinlich nicht sehr weit vorne liegen wirst - schließlich hat der CO ja durchaus Stärke gezeigt - musst du aufgrund der hervorragenden Odds auf jeden Fall callen. Meistens wird der CO jedoch sowieso folden und somit deinen Stack um 5.000 erhöhen, was ungefähr 20% deines ursprünglichen Stacks entspricht. In Turnieren mit niedrigeren Buy-ins wird der CO oft callen, worauf du dann automatisch jeden Flop pushen solltest.
Mit nur einem callenden Gegner wird die Potsize am Flop 8,5k + 8,5k + 2k (BB und 10x Ante) = 19k entsprechen und dein Stack noch 19k groß sein. Daher kannst du auf keinen Fall check/folden. Sogar auf einem komplett unbrauchbaren Board wie 987 mit Flushdraw musst du pushen. Wenn dein Gegner den Flop getroffen hat wirst du nicht viel dagegen ausrichten können (du hast aber immer noch zwei Overcards). Auf lange Sicht profitierst du aber dennoch, da der schlechte Gegner verpasste Flops folden und mit schlechteren Toppairs oder anderen schlechteren Paaren broke gehen wird.
Es sei auch angemerkt, dass du, wenn du den Flop triffst, auch in der Hoffnung auf einen Bluff vom Gegner checken könntest. Da du nur noch knapp Potsize übrig hast und die Chips auf insgesamt drei Streets in die Mitte bringen kannst, könnte es sich lohnen, den Gegner bluffen oder auf dem Turn eine schlechtere Hand treffen zu lassen.
30 – 40BB
Es muss wohl nicht extra gesagt werden, dass du mit solch einer Stacksize wesentlich mehr openraisen solltest, als mit einem kleineren Stack. Raise/folden kostet, im Verhältnis zur Stacksize, nicht mehr ganz so viel. Um die eigene Openraisingrange festzulegen, solltest du dir deiner Postflopskills bewusst sein. Ein wenig erfahrener Spieler sollte weiterhin tight spielen, da er die Fehler der Gegner postflop eher weniger ausnutzen kann. Diese Spieler verlieren ihre Stacks öfter gegen die Monster der Gegner und sind sich beim Feuern von zwei oder drei Barrels als Bluff unsicher.
Je besser du postflop spielst (ein guter Weg, diese Fähigkeit zu verbessern ist es, Cashgames zu spielen und Lehrvideos anzusehen), desto mehr kannst du openraisen. Raises in später Position können manchmal sogar mit any 2 gemacht werden. Ich kenne einige finnische Turnierspieler, die mit dieser Stacksize am Button fast 100% raisen. Erinnere dich daran, dass Position verbunden mit Initiative ein äußerst bedeutender Vorteil ist, den man unbedingt nutzen sollte.
Je näher du an die 40BB-Grenze kommst, desto mehr 3-Bet-Bluffs kannst du spielen. In vielen Fällen ist ein 3-Bet-Bluff mit einem Stack nahe bei 30BB immer noch falsch, da du einen größeren Teil deines Stacks riskierst. Näher an den 40BB ergeben sich öfter bessere Möglichkeiten.
Blinds 500/1.000, Ante 100.
Effektive Stacks sind 40k.
Der Gegner raist aus dem CO auf 2,5k, Hero 3-bettet mit 64s vom Button auf 6,8k. Das ist mit Position eine gute Betsize (man sollte ohne den Positionsvorteil generell mehr raisen und weniger 3-Bet-Bluffen). Der Gegner sollte nicht callen, da sein verbleibender Stack im Verhältnis zum Pot zu klein ist und ein Call deutlich -EV ist. Auch wenn der Gegner weiß, dass man hier oft als Bluff 3-bettet, kann er nicht viel machen. Ein 4-Bet-Bluff würde seinen kompletten großen Stack in Gefahr bringen, so dass er viele Hände einfach folden müsste, die eigentlich besser als deine eigene Range sind.
Das obige Szenario könnte dennoch ein guter Spot für einen 4-Bet-Bluff des CO sein. Wenn er eine Hand wie A3s hält und davon ausgeht, dass Hero sehr light 3-bettet (zum Beispiel an der Bubble), so könnte er seinen kompletten Stack in die Mitte schieben.
Suited Aces sind hier ausgezeichnete Hände, da sie selbst bei einem Call meist 30% Equity haben. Wenn man einen 4-Bet-Bluff spielt, sollte man sich also immer fragen, ob man wirklich genug Foldequity hat. Die Antwort darauf ist nur selten positiv, wenn man nahe an den 30BB ist (wie im Beispiel mit 77 vs. TT gezeigt). Wenn die Stacks jedoch groß genug sind sollte es auf jeden Fall genug Foldequity geben, um einen 4-Bet-Bluff +EV zu machen. Trotzdem sind 4-Bet-Bluffs für einen erfolgreichen MTT-Spieler keineswegs eine Pflichtaufgabe.
Es sollte keine Überraschung sein, dass solch ein Stack kaum eine 3-Bet callen kann. Dazu ist die Stack-to-Pot-Ratio immer noch zu klein und man sollte auch nicht mit Suited Connectors in der Hoffnung auf einen Hit callen. Das selbe gilt auch für die Odds zum Setminen. Es ist also fast immer falsch, mit seinen guten Händen 3-bet/fold zu spielen.
Beispielsweise wäre es in obigem CO vs. BU-Szenario grundfalsch, vom BU AQ zu 3-bet/folden. Wenn der Gegner mit einer 4-Bet noch einmal drübergeht, bist du gezwungen weiterzuspielen. Zunächst einmal bekommst du auch gegen eine tighte Range großartige Odds und außerdem könnte ein LAG auch einige schlechtere Hände halten, da die üblichen Ranges in einer CO vs. BU-Situation doch recht weit sind. Vor einer 3-Bet mit diesem Stack braucht man also einen Plan. Der beste Plan ist es oft, gar nicht erst zu 3-betten sondern einfach zu callen, da eine 3-Bet die eigenen starken Hände zu offensichtlich macht.
Live-Turniere
Bei Live-Turnieren sind die Aspekte der Stacksizes oft sehr verschwommen. Zunächst einmal ist vielen Spielern die eigene und die gegnerische Stacksize völlig unbekannt. Daher ist es wichtig, das Spiel ständig zu beobachten und herauszufinden, wer entsprechend seiner Stacksize spielen kann und wer nicht. Ich kenne viele Spieler mit sechsstelligen Gewinnen, die Stacks von weniger als 10BB raise/folden (und die du somit 3-bet-bluffen kannst, was online nie möglich wäre). Allgemein sollte man obige Grundregeln weiter beachten, sie aber großzügiger auslegen als bei Online-Turnieren.
Zusammenfassung
In diesem Artikel hast du die grundsätzlichen Strategien kennengelernt wie du dein Spiel an verschiedene Stacksizes anpassen solltest. Wenn du ernsthaft vorhast an die Spitze zu gelangen solltest du diese verinnerlichen.
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