Die mittlere und späte Phase
Einleitung
In diesem Artikel
- Spiele tight in der mittleren und späten Phase
- Wie du restealst
Die mittlere und späte Phase in einem Turnier ist die wohl komplexeste Turnierphase überhaupt. Wann All-In gehen, wann aussteigen? Irgendwann wirst du nicht umhin kommen, dich intensiv mit dem mathematischen Hintergrund der Strategie für diesen Spielabschnitt, dem Independent Chip Model (ICM) zu befassen.
Andererseits ist klar, dass du so ganz zu Beginn dieser komplexen Materie ICM etwas orientierungslos gegenüberstehst und du hättest schon gerne etwas Konkretes in der Hand, wie du es in den anderen Spielvarianten auch hast.
Dieser Artikel wird dir helfen, eine solide Strategie für diese besondere Turnierphase zu haben. Das Augenmerk liegt dabei weniger auf Beispielen, als vielmehr auf den Prinzipien, nach denen sich jeder gute Turnierspieler richten sollte.
Die mittlere und späte Phase eines Turniers
Die Übergänge der einzelnen Phasen eines Turniers sind meistens fließend. Einen groben Richtwert für den Beginn der mittleren Phase hast du, wenn die durchschnittliche Stackgröße unter 40-50 BB fällt.
Am Übergang von der mittleren zur späten Phase findest du die Bubble. Das ist die Phase, wenn alle Spieler bereits kurz davor sind, ins Preisgeld zu kommen. Nur noch wenige Spieler müssen ausscheiden. In dieser Phase spielen die Shortstacks extrem tight, während die Bigstacks das ausnutzen und relativ loose spielen.
Nachdem die Bubble geplatzt ist und alle Spieler ein Preisgeld sicher haben, werden die Shortstacks sehr aktiv und versuchen mit Hopp oder Topp Spiel wieder ins Turnier zurückzukommen. Meistens scheiden dann sehr schnell sehr viele Spieler aus.
In der späten Phase eines Turniers sind die Blinds weiter gestiegen und die Chipstacks noch mehr geschrumpft. Viele Spieler haben nur noch 20BB übrig. Das hat erheblichen Einfluss auf die Dynamik des Spiels.
Je nach Größe des Turniers musst du auch deine Ziele festlegen. Willst du möglichst weit kommen oder willst du gewinnen? Je nachdem musst du looser oder tighter spielen. Generell lohnt es sich, auf Sieg zu spielen. Du wirst zwar das eine oder anderemal früher ausscheiden, dafür wirst du auch etwas weiterkommen, wenn Fortuna auf deiner Seite ist.
Das lohnt sich auch deswegen, weil die Preisgelder sehr langsam ansteigen, am Finaltable aber regelrecht explodieren. Je weiter du kommst, umso mehr Preisgeld erhältst du dann auch. Deshalb solltest du in dieser Phase zwar tight spielen, aber auch aggressiv und deine Chance nutzen.
Die Schwierigkeiten im Spiel mit einem Middle-Stack
In der mittleren und späten Phase wird das Verhältnis von Stackgröße zu Blinds kleiner. Darüberhinaus kommen Antes mit ins Spiel, die den Pot vor dem Flop vergrößern.
Die durchschnittliche Stackgröße beträgt meistens 25-40 BB. Das ist einerseits zu viel, um direkt zu pushen, andererseits zu wenig, um richtiges Postfloppoker zu spielen.
Deshalb ist die richtige Strategie, tight zu spielen. Lass dich nicht von den loosen Gegnern irritieren, die sehr viel Action geben. Warte auf sehr gute Starthände und spiele diese dann aggressiv.
Die besondere Schwierigkeit in der mittleren Phase liegt nun genau darin, mit diesem mittleren Stack gut zu spielen. Jede Erhöhung kostet dich nämlich bereits 10% deines Stacks. Deshalb darfst du nicht zu loose spielen. Andererseits darfst du auch nicht zu ängstlich spielen, denn jede Runde verlierst du wertvolle Chips und mehr und mehr deine Foldequity.
Du solltest keine Erhöhungen mehr callen, weil du meistens dann mit marginalen Händen auf die Continuationbet des Preflopaggressors agieren musst. Das ist deshalb besonders problematisch, weil du dich durch einen Call am Flop beinahe committest. Der Pot wäre am Turn fast so groß wie dein Stack.
Passe dein Spiel auch an die unterschiedlichen Stackgrößen an und orientiere dich dabei verstärkt am M-System. Beachte immer, dass auch deine Gegner so viel Chips wie du haben müssen. Besitzen sie weniger, dann spielst du nur mit soviel Chips, wie sie haben.
Wie spielst du an der Bubble?
Die Phase in einem Turnier, in dem du nur noch wenige Plätze vom Geld entfernt bist, nennt sich Bubble. Der sogenannte "Bubbleboy" ist derjenige, der als letzter kein Geld bekommt. Da es der undankbarste Platz in einem Pokerturnier ist, will keiner diesen Ehrentitel erringen.
In dieser Phase machen sich gute Spieler die Angst der Gegner zunutze und sammeln mit zahlreichen Steals die meistens unzulänglich verteidigten Blinds ein. Besonders in großen MTT Turnieren ist der Druck nicht so groß, um ins Geld zu kommen. Während bei SnG das in the Money essentiell wichtig ist, zählen bei MTTs eher die großen Cashes. Für das "normale" Erreichen" des Preisgelds gibt es oft nur das doppelte des Buy-Ins zurück.
Wie du an der Bubble spielst, hängt hauptsächlich von der Größe deines Stacks ab. Mit einem großen Stack läufst du nicht Gefahr, noch kurz vor dem Geld auszuscheiden. Deshalb kannst du die kleineren Stacks unter Druck setzen. Hüte dich aber vor den anderen Bigstacks. Greife lieber die passiven Midstacks an, die nur darauf warten, ins Geld zu kommen.
Du kannst mit einem ausreichend großen Stack auch Erhöhungen von sehr aktiven Stealern (ca. 25BB Stacks) reraisen und sie vor die Wahl stellen, ob sie um die Zukunft ihres Turniers spielen wollen. Meistens werden sie auch sehr starke Hände passen, und auf eine andere Gelegenheit warten.
Mit kleinen oder mittleren Stacks hast du diese Optionen nicht. Du bist selbst der Gefahr ausgesetzt, aus dem Turnier zu fliegen und kein Preisgeld zu erhalten. Hier solltest du eher auf der tighten Seite sein und auch nicht allzuviele Steals versuchen, wenn an deinem Tisch aktiv und viel gerestealt wird.
Der M-Faktor nach Dan Harrington
Wie spielst du vor dem Flop?
Sobald die Antes einsetzen, wird der Pot vor dem Flop um einiges größer. Das Spiel verlagert sich jetzt vom Post- zum Preflopspiel. Viele Pötte werden vor dem Flop entschieden, Das hat folgenden Grund.
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 100/200, Ante 25 (9 handed)
Pot ohne Ante: 300 Chips
Pot mit Ante: 525 Chips
Wie du an Beispiel 1 sehen kannst, verdoppelt sich mit dem Einsetzen der Antes der Pot beinahe. Das hat mehrere Konsequenzen.
- Du musst mehr Chips pro Runde zahlen und blindest schneller aus
- Es wird viel interessanter, die Blinds zu stehlen
- Der Kampf um die Blinds wird aggressiver
- Resteals werden aufgrund der looseren Steals profitabel
Im Prinzip ist deine Strategie jetzt darauf ausgerichtet, durch kluges Spiel und tightes Image möglichst viele Pötte ohne Showdown zu gewinnen. Das Wichtigste ist jetzt das Preflopspiel. Das bedeutet, dass du auch deine Position und deine Chips spielen kannst, nicht allein nur deine Karten. Blindsteals und Resteals sind deine wichtigsten Waffen.
Außerdem lohnen sich spekulative Hände wie Suited Connectors oder kleine Pockets nicht mehr. Es fehlen durch die kleinen Stacks einfach die Implied Odds.
Blindsteals
Der klassische Blindsteal ist eine Erhöhung aus später Position mit dem Ziel, die Blinds einzusammeln. In der mittleren und späten Phase lohnen sich Blindsteals, weil der Pot bereits Preflop im Verhältnis zum eigenen Stack sehr groß ist.
Folgende Grundregeln solltest du für dein Spiel beachten:
- Spiele trotzdem tight und wirf schwache Hände einfach weg
- Steale ab und zu trotzdem, wenn du in später Position first-in bist
- Beobachte den Tisch und identifiziere sehr aktive Blindstealer und sehr passive Gegner
- Wird nach dir noch einmal erhöht. spiele nur mit sehr starken Händen weiter
- Wenn du einen Steal aus dem Small Blind versuchst, raise etwas höher als vom Button, um den Positionsnachteil auszugleichen
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 200/400, Antes 50 (9 handed)
Stacks & Reads
UTG (t3400)
UTG+1 (t9000)
MP 1 (t21000)
MP2 (t3660)
MP3 (t6752)
Hero (t13756)
Button (t11306)
SB (t7647)
BB (t8531)
Preflop: Hero is CO with K

5 folds, Hero raises to 985, 3 folds
Du hast einen schönen Stack für die mittlere Phase. Dein Image ist tight und als du am CO first-in kommst, entschließt du dich, zu einem Blindsteal anzusetzen. Du stufst die Situation aus mehreren Gründen als günstig ein.
- Du bist first-in.
- Du hast einen guten Stack.
- Du besitzt ein tightes Image
- Du hast mehr Chips als die Spieler nach dir.
- Die Spieler hinter dir sind nicht Shortstacked
- Die Gegner nach dir sind nicht besonders aktiv.
Du solltest auf diesen Move verzichten, falls du in den letzten Händen sehr aktiv warst, hinter dir Shortstacks oder sehr aggressive Gegner sitzen oder dein Stack bereits kleiner als 20BB ist. Dann solltest du nur sehr starke Hände spielen. Hebe dir diese 2,5BB für eine sehr starke Hand auf.
Wenn du die Blinds mitnimmst, ist es gut. Falls jemand nach dir erhöht, musst du deine Hand wegwerfen.
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 200/400, Antes 50 (9 handed)
Stacks & Reads
UTG (t3400)
UTG+1 (t9000)
MP 1 (t21000)
MP2 (t3660)
MP3 (t6752)
Hero (t13756)
Button (t11306)
SB (t7647)
BB (t8531)
Preflop: Hero is CO with K

5 folds, Hero raises to 985, 1 fold, SB raises to 7647 (All-in), 1 fold
Der ungünstige Fall ist eingetreten und der Small Blind geht nach deinem Blindsteal All-in. Er war bisher tight und hat auch noch genügend Chips übrig. Da auch du in den letzten Händen tight warst, setzt er dich nicht auf einen Blindsteal. Er hat wahrscheinlich eine sehr gute Hand.
Dein KT ist ein klarer Fold und du muckst deine Hand. In den nächsten Händen musst du verstärkt auf dein Image achten. Alle am Tisch haben gesehen, dass du die Blinds stehlen wolltest, auf Action aber gefoldet hast.
Viele Spieler merken sich das und versuchen dann verstärkt, Plays gegen dich zu machen. Das hat mehre Nachteile für dich. Du musst etwas mehr auf dein Image achten. Außerdem weißt du dann nie genau, ob die Gegner einen Move gegen dich starten oder wirklich eine sehr starke Hand haben.
Der schlimmste Fall für dein Image tritt ein, wenn du mehrmals nach einem First-in Raise folden musstest. Deine Raises werden nicht mehr respektiert, was so ziemlich das Schlimmste ist, was dir in der späten Phase passieren kann. Du musst jetzt wirklich auf eine sehr starke Hand warten und merklich tighter werden.
Call nach Odds
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 200/400, Antes 50 (9 handed)
Stacks & Reads
UTG (t3400)
UTG+1 (t9000)
MP 1 (t21000)
MP2 (t3660)
MP3 (t6752)
Hero (t13756)
Button (t11306)
SB (t2047)
BB (t8531)
Preflop: Hero is CO with K

5 folds, Hero raises to 985, 1 fold, SB raises to 2047 (All-in), 1 fold, Hero?
In diesem Beispiel haben wir die gleiche Situation wie in Beispiel 3, allerdings hat der SB hier weniger Chips. Er ist Shortstack und pusht gegen dich All-in. Der Pot ist jetzt 4082 Chips groß und du musst nur 1062 Chips nachzahlen. Das entspricht Pot Odds von 4:1. Deshalb kannst du hier nicht mehr folden.
Das Beispiel soll dir vor allem zeigen, dass du bei Blindsteals aufpassen musst, nicht gegen Shortstacks zu stealen. Sie sind sehr geneigt, All-in zu pushen und du musst in den meisten Fällen auch callen, läufst also Gefahr, einige Chips zu verlieren.
Die folgende Tabelle gibt dir eine kleine Hilfe, wieviel Equity du bei bestimmten Pot Odds benötigst, um einen profitablen Call zu machen. Die Beispiele sind nur grobe Anhaltspunkte, damit du dir bestimmte Wahrscheinlichkeiten besser vorstellen kannst.
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Pot Odds und deine Equity
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Ein Fold kann dich in vielen Fällen also einiges an Geld kosten. Wenn du mit Any2 stealen solltest, dann hast du sogar gegen die tighte Restealrange 88+, ATs+, KTs+, QJs, AJo+ ab Pot Odds von 2,25:1 einen profitablen Call.
Resteals
Resteals lohnen sich in der späten Phase. Der Grund dafür ist einfach. Die Blindsteals sind attraktiver geworden und deine Gegner versuchen oft mit Blindsteals, diese Chips billig einzusacken. Da sie nicht mehr so tight spielen wie zu Beginn, solltest du dich dagegen wehren. Das probate Mittel ist der Resteal.
Die so genannten Resteal-Tabellen geben nun vor, wann du All-In gehst, wenn genau ein Spieler vor dir mit einem Raise eingestiegen ist. Du wirst ihn nicht callen. Für dich ist nur die Frage entscheidend: Gehe ich jetzt All-In oder folde ich?
Die Antwort darauf gibt die jeweilige Resteal-Tabelle. Dabei haben wir nach drei Situationen unterschieden:
- Du bist nicht in den Blinds
- Du bist im Small Blind
- Du bist im Big Blind
Auch hier findest du in der linken Spalte die möglichen spielbaren Hände. Im Tabellenkopf findest du die Position des Spielers, der als Erster in die Hand eingestiegen ist. In den Feldern findest du schließlich die Anzahl an Big Blinds, die du maximal haben darfst, um mit dieser Hand profitabel All-In zu gehen.
Die folgenden Tabellen sind als Anhaltspunkte für eine generelle Spielweise gedacht. Wenn du konkrete Reads auf Gegner hast, dann sind diese immer dem Chart vorzuziehen. Wenn du zum Beispiel weißt, dass ein Gegner seit 100 Händen nur gefoldet hat und jetzt plötzlich aus UTG raist, dann solltest du nicht mit 99 restealen, weil du gegen seine Range immer hinten bist und du keine Foldequity besitzt. Gegen einen loosen Gegner hingegen ist dieser Resteal wiederum sehr profitabel.
Beobachte immer den Tisch und passe deine Spielweise entsprechend an. Das gilt für alle Pokervarianten, aber im Besonderen für MTTs. Du wirst aufgrund der Varianz nicht oft sehr weit in einem MTT kommen. Dann einen Fehler zu machen und auszuscheiden ist nicht nur sehr ärgerlich, sondern du verlierst auch die Möglichkeit auf einen richtig großen Cash. Behalte auch die Auszahlungstruktur im Auge. Wenn bedeutende Preissprünge anstehen, lohnt es sich eventuell, eine knappe Hand noch zu folden.
Noch einmal zur Wiederholung: Die Positionsangaben im Kopf der Resteal-Tabellen sind auf die Position des Spielers bezogen, der als Erster in die Hand eingestiegen ist.
| Deine Hand | Frühe Pos. | Mittlere Pos. | Cutoff |
| AA-JJ | 25 | 25 | 25 |
| TT, 99 | 13 | 18 | 25 |
| 88,77 | - | 18 | 25 |
| AKs, AKo | 25 | 25 | 25 |
| AQs, AQo | 18 | 18 | 25 |
| AJs, ATs | - | 13 | 18 |
| AJo | - | 13 | 18 |
| ATo, A9s | - | - | 18 |
| Deine Hand | Frühe Pos. | Mittlere Pos. | Cutoff | Button |
| AA-JJ | 25 | 25 | 25 | 25 |
| TT, 99 | 13 | 18 | 25 | 25 |
| 88, 77 | - | 18 | 25 | 25 |
| AKs, AKo | 25 | 25 | 25 | 25 |
| AQ | 18 | 18 | 25 | 25 |
| AJs, ATs | - | 13 | 18 | 21 |
| AJo | - | 13 | 18 | 18 |
| ATo, A9s | - | - | 13 | 18 |
| A8s-A4s, A9o-A7o | - | - | 13 | 18 |
| KQs, KJs, KQo | - | - | 18 | 18 |
| Deine Hand | Frühe Pos. | Mittlere Pos. | Cutoff | Button | Small Blind |
| AA-JJ | 25 | 25 | 25 | 25 | 25 |
| TT, 99 | 13 | 18 | 25 | 25 | 25 |
| 88, 77 | - | 18 | 18 | 25 | 25 |
| AKs, AKo | 25 | 25 | 25 | 25 | 25 |
| AQ | 18 | 18 | 25 | 25 | 25 |
| AJ, ATs | - | 13 | 18 | 21 | 25 |
| AJo | - | - | 15 | 18 | 21 |
| ATo, A9s | - | - | 13 | 18 | 21 |
| A8s-A4s, A9o-A7o | - | - | - | 15 | 18 |
| A3s, A2s, A6o-A2o | - | - | - | 13 | 15 |
| KQs, KJs, KQo | - | 13 | 18 | 18 | 21 |
| KTs, K9s QJs KJo, KTo |
- | - | 13 | 18 | 18 |
Die Charts für die mittlere und späte Turnierphase als PDF-Datei
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 400/800, Ante 50 (10 handed)
Stacks & Reads
UTG (t6543)
UTG+1 (t34000)
UTG+2 (t22453)
MP1 (t12540)
MP2 (t25886)
Hero (t13897)
CO (t13767)
Button (t8997)
SB (t12030)
BB (t12260)
Preflop: Hero is MP3 with A

4 folds, Mp2 raises to 1689, Hero?
In diesem Fall sitzt du mit AQs in MP3, der Gegner vom MP2 hat zu einem Raise angesetzt. Deine Hand ist stark genug und du solltest restealen. Deine Stacksize ist ideal für einen Resteal und auch dein Image ist tight. Da das Raise aus mittlerer Position kam, kann dein Gegner mit sehr vielen Händen zu einem Steal ansetzen.
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 400/800, Ante 50 (10 handed)
Stacks & Reads
UTG (t6543)
UTG+1 (t34000)
UTG+2 (t22453)
MP1 (t12540)
MP2 (t25886)
MP 3 (t13897)
CO (t13767)
Button (t8997)
Hero (t12030)
BB (t12260)
Preflop: Hero is SB with K

4 folds, MP2 raises to 1689, 3 fold, Hero?
In diesem Fall sitzt du mit KQs im Small Blind, der sehr aktive Gegner von MP2 hat zu einem Raise angesetzt. Deine Hand ist stark genug und du solltest restealen. Deine Stacksize ist ideal für einen Resteal und auch dein Image ist tight. Dein Gegner hat in den letzten Runden sehr aktiv gespielt. Aufgrund dessen behandelst du sein Raise wie aus später Position und du restealst for Value. An diesem Beispiel siehst du, wie konkrete Reads den Einsatz des Resteal-Charts verändern können.
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 400/800, Ante 50 (10 handed)
Stacks & Reads
UTG (t6543)
UTG+1 (t34000)
UTG+2 (t22453)
MP1 (t12540)
MP2 (t25886) (LAG)
Hero (t13897)
CO (t13767)
Button (t8997)
SB (t12030)
BB (t12260)
Preflop: Hero is MP3 with 9

4 folds, Mp2 raises to 1689, Hero?
In diesem Fall sitzt du mit in mittlerer Position, der Gegner rechts von dir hat die letzten Runden sehr aktiv gespielt und viele Blinds gestohlen. Deine Hand ist gegen ihn sehr stark und du solltest restealen. Deine Stacksize ist ideal für einen Resteal und auch dein Image ist tight. Dein Gegner wird dich nicht sehr leicht callen, da ein Verlust auch seinen großen Stack ziemlich crippeln würde.
Die Kombination aus Foldequity und der absoluten Stärke deiner Hand macht diesen Move sehr profitabel.
Push-or-Fold
Hast du weniger als 13 BB übrig, kannst du nach der Push-Tabelle spielen. Diese Tabelle kommt immer dann zum Einsatz, wenn vor dir alle Gegner ausgestiegen sind und wenn entweder du 13 Big Blinds oder weniger hast oder alle Gegner nach dir 13 Big Blinds oder weniger haben.
Der Aufbau der Tabelle ist dabei relativ simpel: In der ersten Spalte findest du die möglichen spielbaren Hände. Im Tabellenkopf findest du dann die Positionen aufgelistet, in denen du dich befinden kannst. Hast du also deine Hand und deine Position, kennst du den für deine Situation zutreffenden Eintrag.
Nun findest du dort Zahlen aufgelistet, von 4 bis 13. Wie du vielleicht schon vermutest, geben diese Zahlen an, ab wie viel Big Blinds du anfängst, mit deiner Hand an deiner Position All-In zu gehen. Steht dort z.B. eine 5, dann heißt das, dass du All-In gehst, wenn du bzw. alle Gegner nach dir 5 Big Blinds oder weniger haben. Ist das nicht gegeben, weil z.B. du und ein Gegner nach dir 6 Big Blinds haben, dann steigst du aus.
| Deine Hand | Frühe Pos. | Mittlere Pos. | Cutoff | Button | Small Blind |
| AA - 99 | 13 | 13 | 13 | 13 | 13 |
| 88 - 66 | 10 | 13 | 13 | 13 | 13 |
| 55 - 22 | 8 | 10 | 13 | 13 | 13 |
| AKs, AKo, AQs, AQo | 13 | 13 | 13 | 13 | 13 |
| AJs, ATs | 8 | 13 | 13 | 13 | 13 |
| A9s - A2s | 5 | 7 | 10 | 10 | 13 |
| AJo, ATo | 7 | 8 | 11 | 13 | 13 |
| A9o - A2o | 5 | 5 | 7 | 9 | 13 |
| KQs - K9s QJs - Q9s JTs, J9s, T9s |
8 | 10 | 13 | 13 | 13 |
| K8s - K4s Q8s J8s, T8s, 98s |
5 | 6 | 8 | 9 | 13 |
| KQo - KTo QJo - QTo JTo |
5 | 8 | 10 | 10 | 13 |
| Q7s, Q6s | 4 | 5 | 6 | 7 | 13 |
| 97s, 96s 87s, 86s 76s, 75s 65s |
4 | 5 | 6 | 7 | 13 |
Die Charts für die mittlere und späte Turnierphase als PDF-Datei
No-Limit Hold'em 11$ Tourney, Blinds 400/800, Ante 50 (10 handed)
Stacks & Reads
UTG (t6543)
UTG+1 (t34000)
UTG+2 (t2453)
MP1 (t2540)
MP2 (t5886)
Hero (t3897)
CO (t3767)
Button (t897)
SB (t12030)
BB (t3260)
Preflop: Hero is MP3 with 9

5 folds, Hero?
Du bist in MP3 und alle Spieler haben vor dir gefoldet. Da dein Chipstapel bereits sehr klein ist, musst du unbedingt Chips gewinnen. Deine Hand ist für einen Push eine sehr gute. Wenn du gecallt wirst, dann meistens von zwei Overcards, gegen die du eine gute Equity besitzt. In der Pushtabelle sollst du 98s mit 6BB oder weniger pushen. Da du nur noch 5BB übrig hast, ist deine Hand ein klarer Push.
Wie hoch sind deine Raises?
Viele Spieler ändern ihre Raisegröße in der späten Phase eines Turniers. Während sie zu Beginn 3 oder 4 BB raisen, ist eine kleinere Raisegröße von ca. 2,5 BB eher der Standard. Das mag dir auf den ersten Blick seltsam vorkommen. Der Pot ist ja durch die Antes größer, wieso solltest du dann kleiner raisen?
Der Grund dafür ist aber relativ einleuchtend: die hohen Blinds und die kleinen Stacks um die 20-30BB. Falls wir gerestealt werden, verlieren wir 0,5 BB weniger. In den seltensten Fällen werden unsere Preflopraises gecallt. Meistens gewinnen wir ohne Showdown die Blinds oder ein Gegner pusht All-in.
Falls dein Raise gecallt wird, weil du deinen Gegnern gute Odds für einen Call gibst, ist das nicht weiter schlimm. Du kannst sogar den Pot meistens in Position spielen. Der Pot ist am Flop kleiner und du kannst mit einer dann ebenfalls kleineren Contibet den Pot oft gewinnen.
Viele Gegner machen den großen Fehler, sich von den hervorragenden Odds verführen zu lassen und callen dein Raise. Der Pot ist dann zwischen 7 und 8 BB groß und bei einer Continuationbet stehen sie jedesmal vor der schwierigen Entscheidung, um ihren ganzen Stack spielen zu müssen.
Falls der eigene oder gegnerische Stack preflop 20BB oder kleiner war, relativiert sich das am Flop, denn du bist mit einer Bet konfrontiert die ein Drittel deines Stacks ausmacht. Das Problem: du triffst nur in ca. 30% der Fälle den Flop, und auch dann willst du nicht um deinen gesamten Stack spielen. Falls du jedoch am Flop die Bet callst, ist der Pot sehr viel größer als dein restlicher Stack und du bekommst so gute Odds, dass du eigentlich nicht mehr folden kannst.
Du spielst also mit einer Hand um deinen ganzen Stack, die dir preflop nicht stark genug erschien, nocheinmal zu erhöhen. Das solltest du dir immer vor Augen führen. Wenn du in Versuchung bist, eine Bet preflop zu callen, dann überlege lieber, ob du gleich All-in gehen oder Reraisen willst. Falls nicht, folde deine Hand.
- Raise in der mittleren/späten Phase nur noch 2,5-3 BB.
- Für jeden Spieler, der vorher eingestiegen ist, legst du einen Big Blind oben drauf.
- Gab es vor dir schon eine Erhöhung, dann erhöhst du auf das 2,5-3-fache dieser Erhöhung.
- Musst du für eine Erhöhung mehr als ein Drittel deiner Chips einsetzen, dann geh direkt All-In.
Wie spielst du nach dem Flop?
Das Postflopspiel spielt in der späten Phase eine eher kleinere Rolle. Wie bereits oben gesagt, bestimmt aggressive Preflopaction das Geschehen. Die meisten Showdowns kommen nach einem Preflop-All-in zustande.
Normalerweise solltest du keine Raises mehr callen, wenn dein Stack nicht sehr groß ist. Musst du einen Pot postflop entscheiden, dann wurde meistens dein Raise gecallt. Besonders wichtig in dieser Phase ist Position. In Position kannst du den Pot und die Action sehr viel besser kontrollieren als out of Position.
Folgende Punkte solltest du aber immerhin vor deinem geistigen Auge haben, bevor du eine Entscheidung triffst.
- Sitzt du in einem raised oder unraised Pot?
- Befindest du dich in Position oder out of Position?
- Bist du der Preflopaggressor oder ist es dein Gegner?
- Befindest du dich Heads-up gegen einen Gegner oder ist ein Multiwaypot zustande gekommen?
Erst danach sollst du dir Gedanken über deine Hand machen.
Nach dieser grundsätzlichen Einordnung musst du dir natürlich vor Augen führen, in welche Situation du dich am Flop gebracht hast. Hierfür stehen nun einige spezifische Punkte an:
- Was für eine Hand hältst du?
- Hast du das Board getroffen?
- Ist das Board drawlastig oder ist es eher trocken?
- Welche Hand traust du deinem/deinen Gegner/n zu?
- Welche Art von Gegner/n hast du in der Hand?
Die Frage, was für eine Hand du hältst, hat dich bereits bei deinem Preflopplay stark beeinflußt. Am Flop stellt sich deswegen eher die Frage: Wie hast du deine Hand auf diesem Board nun tatsächlich einzuschätzen?
Aus dem Zusammenhang dieser Punkte musst du nun beurteilen, ob:
- dein Gegner das Board getroffen hat
- dein Gegner einen starken/schwachen Draw halten kann
- dein Gegner sich von mittelstarken Händen / Draws lösen kann
- du noch vorne liegst
Zusammenfassung
In diesem Artikel hast du die tighte Spielweise in der mittleren und späten Turnierphase kennengelernt. Generell ist eine tighte Spielweise sehr profitabel, und mit Hilfe der Restealtabellen hast du auch einen guten Eindruck der nötigen Aggression bekommen.