Taking Notes is the Nuts!
Einleitung
In diesem Artikel
- Warum Notes überhaupt wichtig sind
- Worüber du dir Notes machen solltest
- Wie du Notes sinnvoll nutzt
Als Autor von Poker-Strategieartikeln kann ich behaupten, dass ich meine Leser inzwischen ziemlich gut kenne. Ich weiß, was die Leute lesen wollen. Sie möchten über neue Moves informiert werden, die Ersten sein, die von allmächtigen “Reverse Range Merge 4-Bets” oder dem “Triple Checkraise” erfahren.
Texte, die sich nicht mit dem eigentlichen Spielen einer Hand beschäftigen, werden als “langweilig” abgestempelt. An einer solchen Einstellung ist im Grunde auch nichts auszusetzen. Wenn du allerdings deine Fähigkeiten in MTTs verbessern möchtest, solltest du diesen Artikel aufmerksam lesen, auch wenn du hier nichts über Reverse Mergers erfährst.
Dafür lernst du, wie du ein Leak aus der Welt schaffst, das wahrscheinlich die meisten MTT-Spieler plagt. Dein ROI wird steigen und du wirst langfristig mehr Gewinn verzeichnen – wie der Titel schon sagt: Notes sind die Nuts!
Wie man sich in den diversen Programmen Notes macht, wirst du bereits wissen, daher werden wir nicht mehr spezifisch darauf eingehen. Viele Spieler benutzen zu diesem Zweck den Hold’em Manager, damit sie ihre Notes durchgehen können, während sie gleichzeitig im HEM-Replayer ihre Hände abarbeiten.
Öffne deinen HEM, gehe auf HUD Options > Player Preferences > Appearance und aktiviere ”Show note icon”. Dann erscheint in deinem HUD ein kleines Icon, auf das du klickst, um dir Notizen zu machen - entweder während du spielst oder bei der Handanalyse nach der Session. So weit, so gut – jetzt geht’s ans Eingemachte.
Warum muss man sich überhaupt Notes machen? Zunächst einmal sollte man festhalten, dass Notes in MTTs wichtiger sind als bei anderen Pokervarianten. In MTTs sind die Spielerfelder so riesig, dass du nicht häufig genug gegen dieselben Regs spielst, um dir ihren Spielstil genau einprägen zu können. Meistens hast du von ihrem Spiel nur eine vage Idee.
In Cashgames spielst du oft gegen die gleichen Regs und speicherst in jeder Session hunderte, wenn nicht tausende von Händen gegen sie ab. Gegen solche Gegner ist es entscheidend, was in der aktuellen Session bisher passiert ist. In einem Turnier spielst du normalerweise nicht mehr als 30 oder 40 Hände gegen denselben Gegner, da die Tische die ganze Zeit neu verteilt werden.
In einer einzigen Session kannst du den Spielstil deiner Gegner einfach nicht ausreichend beobachten. Es ist in solch kurzer Zeit schier unmöglich, genau festzustellen, wie der Gegner mit verschiedenen Stacksizes umgeht oder wie sein Postflopspiel aussieht. Deshalb musst du dir von Anfang an Notizen zu seinen Tendenzen machen und sie kontinuierlich um neue Informationen erweitern.
Am besten erstellst du dazu eine Liste von Abkürzungen. Meistens wirst du an mehreren Tischen gleichzeitig spielen und nicht die Zeit haben, ganze Romane zu schreiben. Du solltest versuchen, deine Beobachtungen so schnell und knapp wie möglich zu formulieren. Je weniger du schreibst, desto einfacher fällt dir beim nächsten Mal das Lesen.
Benutze also Abkürzungen wie IP/OOP (In/Out of Position), bezeichne Positionen wie den Small Blind als SB und notiere dir keine ganzen Hände, es sei denn, du hast einen guten Grund dafür. Wenn auf dem River ein König erscheint und auf dem Board 10d-4d-3c-2h-Kh liegt, schreibst du auf, dass dein Gegner mit AK checkraise gespielt hat. Es hat keinen Sinn, die jeweiligen Farben oder die anderen Karten zu notieren. Halte einfach fest: "c/r River w/AK auf xxxxK, verpasster FD". Natürlich musst du diese Schreibweise nicht exakt übernehmen. Finde einfach selbst heraus, was für dich am besten funktioniert.
Hier ein Beispiel, wie die Notizen zu einem bestimmten Reg aussehen könnten:
| Notiz | |
| 55% ROI auf $30 ABI über 2.000 Spiele Restealfähig (20BB 3-Bet Shove mit JT) 2x 3-Bet mit AA, 2,5x 3-Bet mit AK Er raist aus MP Er catcht deinen 4-Bet-Bluff mit 87 |
|
Dann hast du noch seine HUD-Stats:
| HUD-Stats | |
| VPIP 14%, PFR 12%, 3-Bet 5%, Aggression Factor 3, 1.200 Hände | |
Was ist wichtiger – deine Notizen oder die HUD-Stats? Allgemein haben alle Regulars ähnliche HUD-Stats. Es hat keinen wirklichen Einfluss auf deine Entscheidungen, ob ein Reg Werte von 15/13 oder doch eher 14/12 hat. Weisen seine Stats auf einen Reg hin, brauchst du für deine Entscheidungen mehr als nur die Daten aus dem HUD (vergiss nicht: während Regulars in Cashgames völlig verschiedene Stats aufweisen können, ist es in MTTs nicht so einfach, von einem soliden Spiel abzuweichen und trotzdem erfolgreich zu sein, daher ist es viel leichter, mithilfe von Stats einen guten MTT-Regular als einen guten Cash Game Regular zu erkennen). Ohne Notizen basieren deine Entscheidungen alleine darauf, was dein Gegenüber gerade tut. Mit Notizen aber weißt du bereits, wie du gegen ihn zu spielen hast.
Zu welchen Themen solltest du dir Notizen machen?
Notizen vor dem Flop
Es ist extrem wichtig zu erkennen, ob ein Spieler zu Resteals fähig ist oder nicht. Die Spielerfelder sind oft so soft, dass mehr als 50 Prozent der Spieler immer noch nicht wissen, wie man restealt. Sie glauben, dass es furchtbar schlecht ist, 20 Big Blinds deep mit JTs gegen einen aggressiven Openraiser All-In zu gehen. Du musst erkennen können, welcher deiner Gegner zu Preflopresteals fähig ist, damit du ihre Shoves lighter callen kannst. Wenn ein Spieler einen 3-Bet-Shove als Resteal ansetzt, solltest du dir dazu eine Notiz machen.
Schreibst du dir mehr als das magische Wort “restealfähig“ auf, so solltest du dir am besten noch seine Stacksize, die Positionen und seine Hand notieren. Das Ganze könnte dann in etwa so aussehen: "3-Bet-Shove 20BB w/ 98s SB vs BTN". Wenn du erst einmal weißt, dass jemand zu Resteals in der Lage ist, kannst du dich an sein Spiel anpassen und seine All-Ins lighter callen, dann kann er dich nicht exploiten.
Ein weiterer Aspekt sind lighte Openshoves. Mit AXs, Pocketpairs oder sogar QTs ist es absolut in Ordnung, mit ca. 20 BBs aus später Position zu openshoven. Die meisten Leute tun dies aber nicht – sie spielen lieber raise/fold. Du solltest erst einmal ziemlich tight callen, wenn ein zufälliger Spieler mit 20BBs mit einem Shove eröffnet, du kannst nämlich nicht automatisch davon ausgehen, dass er weiß, wie man Push-or-Fold spielt. In der Sekunde, in der du den anderen Spieler allerdings mit einer schwächeren Hand erwischst, notierst du dir "geht All-In mit 18BB aus CO w/ 22" und callst ihn in Zukunft lighter.
Halte auch fest, womit deine Resteals und Openshoves gecallt werden. Es ist extrem wichtig zu wissen, wer Shoves light callen kann und wer nicht. In MTTs gibt es sehr häufig gute Restealspots. Meistens befinden sich an deinem Tisch nur ein paar wenige Leute, die 3-Bet-Shoves und Openshoves light callen können. Wenn du einen solchen guten Spieler erkennst, solltest du dir das aufschreiben, um in Zukunft nicht den falschen Leuten die Pistole auf die Brust zu setzen. Manchmal notierst du dabei nur "callt Shoves light", manchmal fällt die Notiz etwas detaillierter aus, z.B. "raise/callt 20BB Shove w/ ATo CO vs BB".
Wenn jemand (höchstwahrscheinlich ein Fisch) einen lächerlich hohen Betrag raist und du danach seine Hand siehst, musst du dir sofort eine Notiz machen. Es ist extrem hilfreich zu wissen, dass jemand tatsächlich so schlecht ist, dass er mit Pocket Sevens um das Sechsfache erhöht.
Gute Spieler raisen nicht um das Dreifache, wenn Antes im Spiel sind. Vielmehr liegen ihre Raises im Bereich des 2-2,5-fachen des Big Blind. Raist also jemand den dreifachen Betrag, solltest du es dir sofort aufschreiben, wenn er am Showdown eine Starting Hand zeigt, die nicht in den Top-5% liegt, oder wenn du merkst, dass das Raise von seiner üblichen Raisesize abweicht.
Spielst du gegen einen zufälligen Spieler, der um das Dreifache erhöht, solltest du ihm zunächst einmal mehr Respekt zollen als einem Spieler, der sofort mit einem 2,5-fachen Raise eröffnet. Sobald du aber realisierst, dass er so gut wie immer um das Dreifache (oder sogar um das Vierfache) erhöht, solltest du anfangen, lighte 3-Bet-Shoves zu machen. Hast du dir notiert, dass die dreifachen Raises dieses Spielers nicht unbedingt für eine gute Hand stehen, dann kannst du dich das nächste Mal, wenn du gegen ihn spielst, von Anfang an anpassen.
Eines der wichtigsten Themen, zu denen du dir Notizen machen solltest, sind Hände, mit denen preflop geminraist wird. Wenn das die Standardraisesize eines Spielers ist, dann notiere dir das. Viele Fische minraisen mit schwächeren Händen und raisen mit besseren Händen. Es ist weit verbreitete Fischlogik, dass man mit schwachen Händen klein und mit starken Händen groß betten sollte.
Sobald du dieses Muster erkennst, schreibe es dir auf. Bei manchen Spielern lässt sich auch das Gegenteil beobachten: Sie raisen mit AK und TT den dreifachen Betrag, damit die anderen Angst davor haben, zu callen. Sie minraisen AA und KK, weil sie denken, dass sie damit geschickt trappen. Egal, wie sie sonst spielen, wenn ihre Raisesizes auf ihrer Handstärke basieren, mach dir eine Notiz. Gegen Leute, die ihre Ranges so leichtfertig verraten, hast du leichtes Spiel.
Eine Sache, die man in letzter Zeit immer häufiger beobachten kann (und die wahnsinnig tiltet) sind Min-3-Bets. Meistens hält die betreffende Person AA oder KK. So oft wird auf 200/400 Blinds mit einem 10k Stack auf 1,000 geraist und ein anderer Spieler minreraist auf 1.600. Du hältst JJ und bist genervt von diesem Spieler und seinem blöden Raisesizing. Du entscheidest dich für einen Shove, da seine Raisesize vermuten lässt, dass er ein Clown ist – und Clowns können alles Mögliche halten. Du hast also JJ und 25 Big Blinds. Er snapcallt mit Aces und du fühlst dich dumm, da du es irgendwie schon geahnt hattest.
Die meisten Leute min-3-betten nicht mit einer Hand wie TT-QQ oder AK. Wenn du also mit dem klassischen Min-3-Better konfrontiert bist, der die Nuts hält, dann solltest du das auf jeden Fall notieren. Es gibt nämlich Situationen, in denen du einen Shove sofort callen würdest, dich aber aufgrund deiner Notizen auf eine Min-3-Bet hin doch zu einem Fold entscheidest. Nebenbei bemerkt: Wenn du dir sicher bist, dass er KK-AA hält, kannst du je nach Stacksize auch setminen, indem du die 3-Bet callst.
Manchmal deuten Min-3-Bets aber auch auf Hände wie JTs oder KQ hin. Mit AQ oder TT sind diese Bets fast nie zu beobachten. Hat der Spieler hier nicht AA, dann wohl meistens eine Broadwaykombination. Solche Spieler wollen die Kontrolle über die Hand ergreifen und mit Initiative spielen. Bekommst du also eine Min-3-Bet von einem Spieler, der nicht die Nuts hält, schreibe dir auf, dass du ihn bluff-4-betten kannst. Denk daran: Egal welche Hand er hält, Min-3-Bets sind generell ein schwacher Spielzug. Wenn du also weißt, dass ein Spieler mit der Range x min-3-bettet, dann ist dies eine wertvolle Information, die dir dabei hilft, sein Leak zu exploiten.
Regulars machen gewöhnlich keine 3-Bet-Bluffs, bevor die Antes ins Spiel kommen. Das wäre auch völlig unangebracht und in vielen Fällen sogar -EV, da es ohne Antes im Pot nicht viel zu gewinnen gibt. Außerdem sind die Openingranges in dieser frühen Phase tighter. Wenn du also jemanden in dieser Phase ohne eine Premiumhand 3-betten siehst, schreib es dir auf.
Allerdings musst du auch versuchen herauszufinden, warum er so gespielt hat. Wenn der Opener ein extremer Fisch ist und 120 BBs deep KQs 3-bettet, dann macht er das for Value und um zu isolieren – diese Spielweise weicht nicht zu sehr vom Standardspiel ab.
Die zwei Dinge, auf die du 3-Bets in der frühen Phase immer hin untersuchen solltest, sind vielmehr 3-Bet-Bluffs und Overplays. Wenn dich jemand mit 87s/22/Ax/Trash 3-bettet und die Hand zum Showdown kommt, schreib dir die Positionen auf, damit du diese Spielweise beim nächsten Mal direkt erkennst. Noch wichtiger: Wenn jemand eine Hand wie 88 in einem Spot 3-bettet, in dem es besser wäre, zu flatcallen (in den meisten Spots vor den Antes), halte dies fest. Es bedeutet, dass der Spieler höchstwahrscheinlich ein Cashgamer ist. Und zu wissen, dass eine frühe 3-Betting-Range nicht nur aus TT+, AK besteht, ist extrem hilfreich.
3-Bets mit einem Midstack (ca. 30-50BB) sind ein weiterer Punkt, den man genau beachten sollte. Du möchtest dabei die folgenden Fragen beantworten:
- Was ist der kleinste Stack, mit dem er 3-bet/fold spielen würde?
- Wie light spielt er 3-bet/call mit bestimmten Stackgrößen?
Wenn du zum Beispiel gegen jemanden spielst, über den du nicht viel weißt, und 40BB deep mit AJs oder 88 openraist, dann musst du auf eine 3-Bet üblicherweise folden. Hast du zu dem Spieler die Notiz "3-bet/fold 35BB deep", dann weißt du, dass er Foldequity besitzt und du All-In gehen kannst, wenn der Spot auch sonst gut ist. Wenn du die Notiz "3-bet/call mit 55 40BB deep" hast, kannst du mit diesen Händen for Value All-In gehen.
Solche Dinge könnte man alleine mithilfe der HUD-Stats nur sehr schwer herausfinden und würde daher Hände folden, die man eigentlich nicht folden sollte.
Hier kommt das Konzept des Setmining ins Spiel. Wie du bereits weißt, brauchst du Implied Odds in Höhe des fünfzehnfachen Raises, um als Setmine zu callen. Du bräuchtest daher effektive Stacks von mindestens 30 Big Blinds, um in einem Turnier zu setminen. Wenn also irgendein Donkey dein Raise mit 15BB callt und mit seinen Pocket Deuces ein Set trifft, schreib es dir auf.
Manche Spieler haben überhaupt keine Ahnung von Pot Odds. Sie 3-betten auf 9BBs und folden auf ein 20BB-All-In, obwohl sie unabhängig von ihrer Hand die Odds zum Callen bekommen. Ab und an sieht man Spieler am Flop bluffraisen und dann auf ein All-In folden, obwohl sie schon zu viele Chips in der Mitte haben.
Schreibe dir auf, wenn sie uncommitted spielen, obwohl sie eigentlich schon committed sind.
Sieh dir ein Beispiel an.
Der Pot ist 1.000 groß, du hast einen schwachen Flushdraw und ihr beide habt 5.000 behind. Du bettest 500 und dein Gegner raist auf 2.300. Du wirst hier folden müssen, da er keine Foldequity besitzt und du nicht die Odds bekommst, um mit deinem Draw weitere 4.500 zu investieren. Hast du allerdings eine Notiz zu deinem Gegner, die lautet "raise/fold flop committed", kannst du pushen – eventuell blufft er nur und könnte daher immer noch folden. Immer wenn jemand foldet, obwohl er dies aus Perspektive der Pot Odds nicht tun sollte, egal ob pre- oder postflop, solltest du dir eine Notiz machen.
Postfloptendenzen
Du solltest hier vor allem nach fischigen Merkmalen Ausschau halten. Es ist egal, ob jemand mit einem Toppair auf einem bestimmten Board 60% oder 70% des Pots bettet. Viel eher musst du nach Betsizes Ausschau halten, die entweder extrem groß oder extrem klein sind.
Die häufigste Tendenz im Bezug auf Betsizes ist es, wenn ein Spieler gewohnheitsmäßig den Pot bettet. Die meisten Spielesoftwares haben einen „Bet Pot“-Button und viele Fische, die das Konzept des Betsizing noch nicht verstehen, drücken ihn oft. Wenn du am Flop eine mittelmäßige Hand hältst und dein Gegenüber Potsize bettet, wirst du oft folden, obwohl du eine kleinere Bet noch gecallt hättest.
Es macht zum Beispiel keinen Sinn, wenn jemand, egal mit welcher Hand, auf einem A22-Board 100% des Pots c-bettet. Hättest du auf diesem Board z.B. AT gegen eine Potsizebet, würdest du wahrscheinlich folden, da sein Spiel stark daran erinnert, wie Fische AK-AQ spielen. Wenn du allerdings eine Notiz hast, die dir sagt, dass er immer den Pot bettet, dann callst du gerne, da es gut möglich ist, dass er A3o oder einen Bluff so spielt.
Eine weitere Sache sind Minbets. Generell können sie als schwach eingestuft werden, vor allem wenn es sich um Donkbets handelt (siehe "Donkbets"). Wenn du aber mit jemandem an den Showdown gehst, der drei Streets minbettet, solltest du dir aufschreiben, womit er das tut. Meistens hält er Middle- oder Bottompair. Dies ist für zukünftige Hände eine wertvolle Information, da du seine Hand beim nächsten Mal nicht mehr ernst nehmen musst. Genauso solltest du dir eine Notiz machen, wenn jemand mit den Nuts versucht, dich mit Minbets zu trappen; damit verhinderst du, dass du in Zukunft einem kostspieligen Bluff aufläufst.
Normalerweise braucht man sich Checkraises bei Deep Stacks eher nicht notieren, da das Thema einfach zu breit gefächert ist und nicht viel über einen Spieler aussagt. Es gibt allerdings ein ganz bestimmtes Checkraise, das man sich durchaus notieren sollte: Checkshove bei niedrigen Stacks.
Nehmen wir an, du callst ein Preflopraise mit 77 und der Flop kommt 542 rainbow. Er checkt, du bettest, und er geht entweder All-In oder macht ein Checkraise, das ihn committed und quasi einem All-In entspricht. Wenn du callst, schreib dir auf, was er hatte. Manche Leute checkshoven hier gerne mit Overpairs und check/folden mit AK. Andere gehen hier mit 87 und AQ All-In.
Viele Fische denken mit AK in diesem Spot folgendes: "Hmm, ich habe mit AK preflop geraist und dieser Idiot callt. Und wieder habe ich den Flop verpasst. Wie kommt es, dass ich mit dieser Hand den Flop nie treffe? Betten kann ich nicht, weil ich kein Paar habe, also checke ich einfach. Moment, was ist das? Jetzt, da ich checke, bettet er? Wahrscheinlich hält er eine Bluffhand. Ich habe zwei Overcards und einen Gutshot: All-In!”
Solche Spieler planen nicht im Voraus. Sie checken einfach, weil sie nicht getroffen haben und spekulieren auf eine Freecard. Dann gehen sie auf eine Bet blindlings All-In. (Hast du dich gerade wiedererkannt, empfehle ich dir, mehr PokerStrategy.com-Lehrvideos anzusehen).
Es ist also wichtig zu wissen, ob jemand mit Toppair- oder Overpair-Händen zu Checkshoves (anstelle von C-Bet-Calls) in der Lage ist. Gegen Spieler, die das können, solltest du nicht versuchen, den Pot zu stehlen. Und wenn jemand mit Overcards checkshove spielt, notiere dir auch das, damit du nicht die beste Hand gegen sie bet/foldest. Hast du bemerkt, dass im vorherigen Kapitel das optimale Spiel mit 77 ganz auf deinen Gegner ankommt? Ja? Gratulation!
Die meisten Spieler haben keine Ahnung von Boardtexturen und Valuemaximierung. In vielen Fällen ist es besser, am Turn mit einem Overpair oder Toppair Checkback zu spielen und am River dann zu valuebetten, wenn zu dir gecheckt wird.
Du hast auf 9632 AA mit einem Flushdraw. Preflop hast du geraist und ein solider Gegner hat gecallt. Dann checkt er, du c-bettest auf dem Flop und er callt erneut. Wenn er ein guter Spieler ist und du denkst, dass er im Falle einer Bet T9 oder 88 folden wird (mit dem Wissen, dass er am River höchstwahrscheinlich noch einmal mit einer Bet konfrontiert wird), aber möglicherweise eine Riverbet callt, wenn er dich auf einen busted Flushdraw setzt, dann spricht nichts dagegen, am River zu checken und dann zu betten. Bist du zu gierig, verpasst du oft Value, z.B. wenn dein Gegner noch zwei Streets gecallt hätte (Flop + River), aber jetzt am Turn einfach foldet, wodurch du nur auf einer Street Value bekommst.
Wenn du in diesem Spot also jemanden siehst, der mit Aces Checkbehind spielt oder dies unabhängig von der Boardtextur mit fast jedem Overpair bzw. starkem Toppair macht, dann schreib dir das auf. Es zeigt dir, dass seine 3-Barrel-Range womöglich ziemlich schwach ist (wenn er mit Overpairs und Toppairs Checkback spielt, dann wird er nur mit den Nuts und Bluffs betten), und du weißt, was du von seinen großen Bluffs zu halten hast.
Wenn er am Turn checkt und am River bettet, kannst du eine gemachte Hand in einen Bluff verwandeln. Nimm einmal an, dass bei der Hand aus dem vorherigen Kapitel am River eine Zwei liegt und du gegen seine Aces T9 hältst. Du könntest hier darüber nachdenken, seine River Bet zu callen, unter der Annahme, dass er den Turn mit Overpairs betten wird, wie es die meisten Leute tun würden.
Er gibt also nicht viele Made Hands, die er halten könnte, und dein Toppair liegt vielleicht noch gut im Rennen. Da du dir aber eine Notiz gemacht hast, dass er gerne Potcontrol betreibt, kannst du durch einen Fold Geld sparen. Er kann nämlich viele Valuehände halten, die dich schlagen. Eine weitere Möglichkeit ist das Raise, durch das du versuchst, ihn zum Folden seines Overpairs zu bringen. Wenn Spieler am Turn behindchecken, ist ihre Range gewöhnlich gecappt und beinhaltet nicht die Nuts. Versuche also herauszufinden, wo der Cap liegt und spiele auf dem River dementsprechend.
Hauptsächlich geht es hier darum, ob Draws aggressiv oder passiv gespielt werden. Wenn jemand einen Straightflushdraw floppt und dann am Flop und am Turn check/callt, obwohl er ein solches Equitymonster hält, dann schreib dir das auf (wenn er dann das nächste Mal auf einem drawlastigen Flop checkraist, weißt du, dass du seinem Raise Respekt zollen solltest).
Wenn jemand einen schwachen Flushdraw aggressiv spielt, indem er am Flop 3-bet/shoved, dann notiere dir das (damit weißt du in Zukunft, dass er Draws wie die Nuts spielt und kannst lighter gegen ihn All-In gehen). Und natürlich musst du dir immer aufschreiben, wenn jemand entgegen seiner Odds einen Bad Call macht.
Im Turnierpoker sind solche Bets eher selten. Wenn du aber doch einmal eine Donkbet siehst, dann kommt sie höchstwahrscheinlich von einem Fisch, der versucht, den Pot zu stehlen. Es gibt Fische, die regelmäßig donkbetten. Wenn du also siehst, dass ein Spieler donkbettet und auf ein Raise foldet, dann schreibe dir das auf. Notiere dir auch, wenn jemand mit einer Made Hand donkbettet, von der er sich auf keinen Fall trennen will. Bis das Gegenteil bewiesen wird, sollten Donkbets normalerweise als schwach eingestuft werden. Oft kann man solche Spieler einfach raisen, egal womit. Hast du zu jemandem die Notiz “donkbettet und foldet”, dann raist du ihn ausnahmslos – auch wenn du Air hältst.
Allgemeine Notizen
Diese Daten kannst du auf www.officialpokerrankings.com kostenlos nachschlagen. Viele Spieler tun dies erst in der späten Phase eines Turniers. Da sie oft 20 Tische gleichzeitig spielen, haben sie am Anfang keine Zeit, die Officialpokerranking-Statistiken ihrer Gegenspieler nachzuschlagen und tun dies erst, wenn nur noch ein bis zwei Tische übrig sind. In der frühen Phase eines Turniers wäre es sowieso noch nicht sinnvoll. OPR-Daten sollte man sich eher dann ansehen, wenn man bereits am Final Table sitzt bzw. nicht mehr weit davon entfernt ist.
Das OPR eines Spielers zeigt die Anzahl der absolvierten Spiele an, seinen durchschnittliches Buy-in (ABI) und seinen durchschnittlichen Return of Investment (ROI). Schreib dir zum OPR eines Spielers also folgendes auf ”X ROI auf Y ABI über Z Spiele”. Das hilft bei zukünftigen Entscheidungen. Beträgt das durchschnittliche Buy-in eines Spielers $200 und du sitzt mit ihm am Final Table eines $20-Turniers gegenüber, dann kannst du erwarten, dass er eher loose spielen wird, da ihm das Geld wahrscheinlich nichts bedeutet.
Noch wichtiger ist aber Folgendes: Wenn du gegen jemanden mit einem ABI von $20 in einem $200-Turnier spielst, ist er höchstwahrscheinlich auf Scared Money, da er viel höher als gewöhnlich spielt, daher kannst du gegen ihn hemmungslos aggressiv sein. Der ROI zeigt, ob jemand gut spielt oder nicht. Wenn die Anzahl der Spiele weniger als 200 beträgt, dann hast du eine relativ kleine Samplesize. Wenn jemand über 500 Spiele einen negativen ROI besitzt, dann musst du davon ausgehen, dass er gewisse Leaks hat. Wenn jemand etwa breakeven spielt, kommt die Einschätzung seines Spiels stark auf seine Stats sowie deine Notes auf ihn an.
Es könnte sein, dass er zu Beginn schlecht gespielt und sich seither verbessert hat; dies wiederum bedeutet, dass er in dem Moment, in dem du ihm am Tisch begegnest, bereits mit einem positiven ROI spielt. Das Wichtigste, was du aus seinem ROI ziehen musst, ist die Information, ob er weit von einem breakeven Spiel entfernt ist. Hast du eine aussagekräftige Samplesize und der ROI beträgt -50% oder schlechter, dann hat er ein paar krasse Leaks.
Hat er hingegen einen ROI von 50% oder besser, dann handelt es sich meistens um einen sehr guten Spieler. Ein Spieler mit einem ROI von 20% ist gewöhnlich eine ABC-Nit und man kann – vorbehaltlich weiterer Stats – ein geradliniges Spiel von ihm erwarten. Mit einem ROI von 80% kannst du davon ausgehen, dass er ein Top-Reg ist, der dich auch ohne gemeinsame History light 3-betten wird.
Es ist nicht ausschlaggebend, aber Notizen zum Chatverhalten können durchaus hilfreich sein. Zum Beispiel gibt es Spieler, die ihre Aussagen im Chat auf ein Minimum reduzieren. Nur an der Bubble hört man dann ein “Noch einer bis zum Ziel!” oder ein “Puh, endlich!”, wenn die Bubble letztendlich platzt. Ziehe einfach deine eigenen Schlüsse daraus, was solche Aussagen bedeuten könnten und schreib es dir auf.
Nach einem Kommentar wie dem obigen könnte man zum Beispiel schreiben: “Nach Chat: Bubble-Nit”, und gnadenlos seine Blinds attackieren, wenn man ihn das nächste Mal in der Nähe der Bubble trifft. Schreibst du dir so etwas nicht auf, so kann es schon ein paar Runden dauern, bis du das nächste Mal an der Bubble merkst, dass er eine Bubble-Nit ist. Dadurch verlierst du wertvolle Blinds, die du hättest stehlen können. Willst du dir partout keine Notiz dazu machen, wirst du an der Bubble immer erst einen oder zwei Blinds verpassen, wodurch du dir langfristig einen ganzen Haufen Chips entgehen lässt.
Manche Leute kommentieren gespielte Hände und ermöglichen dir so Einsichten in ihre Denkweise. Eine der häufigsten Situationen ist dabei folgende: Du machst einen standardmäßigen 3-Bet-Shove mit einem suited Connector oder einem Pocketpair 15-20 Big Blinds deep, bekommst von einem Big Pair einen Snapcall und drawst ihn aus.
Nach der Hand fängt er dann an, dein Spiel zu kritisieren und dich zu fragen, wie du hier mit Pocket Fours All-In gehen kannst? Anhand solcher Aussagen siehst du wiederum, dass er keine Ahnung von Push-Folds hat – etwas, was du dir aufschreiben solltest. In zukünftigen Spielen weißt du nun, dass er selbst wahrscheinlich nicht light 3-bet/shoven wird. Du kannst viel von ihm stealen, wenn er shortstacked ist und mit Händen wie AJ Herofolds machen, wenn er 3-bet/shoved.
Vergiss dabei aber nicht, dass Spieler, die kein Verständnis für das shortstacked Play haben, durchaus Reg-Stats von 14/12 aufweisen können. Wenn du aus dem Cutoff mit AJo eröffnest und jemand mit Stats von 14/12, zu dem du keine Notizen hast, All-In geht, dann snapcallst du, und wenn du dann gegen eine bessere Hand läufst, kannst du es einfach als Cooler abschreiben.
Ein Regular mit solchen Stats hat gewöhnlich eine genügend weite 3-Bet-Range, die einen Snapcall mit AJ rechtfertigt. Wenn du allerdings Notizen hast, die dir sagen “denkt, dass du 20BB deep keine 44 3-bet/shoven kannst” oder “keine Ahnung von Push or Fold”, dann kannst du gleich folden und dir deine Chips sparen.
Genau wie du im Livepoker den Leuten zuhörst, kannst du im Onlinepoker eben das Chatfenster beobachten. Das ist keine extrem wichtige Sache, kann dir hier und da aber ein paar wichtige Informationen liefern. Denk allerdings daran, dass du nicht anfangen solltest, deine gesamte Aufmerksamkeit auf die Chatbox zu richten. Mach dir eine Notiz, wenn dir etwas Besonderes auffällt, aber warte nicht auf weltbewegende Offenbarungen in der Chatbox. Es gibt viel wichtigere Dinge, die du beobachten solltest. Wenn du darüber hinaus noch genug Zeit hast, die Chatbox zu beobachten, dann machst du etwas falsch.
Bist du der Meinung, dass eine bestimmte Hand besonders gut reflektiert, wie jemand spielt, oder dass sie ein wichtiger Teil eurer History ist und euer zukünftiges Spiel beeinflussen wird, dann schreib sie dir auf.
Nimm zum Beispiel an, dass du mit 76s out of Position eine 3-Bet 100BB deep callst. Der Flop kommt J72 rainbow, du checkst, der Reg c-bettet und du callst. Der Turn ist eine 7, du checkst, er feuert eine Barrel und du callst.
Auf dem River kommt eine T, du checkst und er checkt back. Er hält T9s und du gewinnst die Hand. Du schreibst also auf ”Bettet T9s 100BB deep IP, ich calle mit 76s. J72r ich check/calle, 7 Turn er barrelt, ich calle, River T er checkt back”.
Wenn du dir das später noch mal ansiehst, hast du sofort jede Menge Informationen über den Spieler. Nur mithilfe dieser einzigen Hand, die du dir notiert hast, weißt du bereits viele Dinge über ihn. Dadurch kannst du deine Strategie gegen diesen Spieler entsprechend anpassen:
- Er 3-bettet in früher Phase suited Connectors (die meisten 3-betten hier nur JJ+ and AK, dies ist also eine wertvolle Information). Du kannst nun entweder light 4-betten oder 3-Bets lighter callen, um dann mit Toppair-Händen öfter All-In zu gehen – die gegnerische Range wird dominierte Hände enthalten.
- Er barrelt auf einem Brick Turn. Das ist hilfreich zu wissen. Viele Spieler würden hier nur Q, K und A bluffbarreln, da die 7 eine ziemlich schlechte Karte zum Barreln ist. Du würdest nun auf einem Turn, auf dem keine schlechtere Hand barreln würde, keine Herofolds mit Toppair-Händen mehr machen.
- Er checkt eine Hand am River back, die wenig Showdownvalue hat. Entweder will er auf keinen Fall einen großen Bluff starten, oder er denkt, dass seine Zehn hier irgendwie gut im Rennen sein könnte. Feuert er in einer zukünftigen Hand eine dritte Barrel, solltest du vorsichtig sein.
- Du weißt nun, dass er weiß, dass du 3-Bets light callen und Trips slowplayen kannst. Er hält dich daher wohl für tricky und wird versuchen, Non-Standard-Lines gegen dich zu fahren.
Wenn du dir ganze Hände aufschreibst, musst du natürlich solche auswählen, in denen dein Gegner Non-Standard-Plays anwendet. Es macht keinen Sinn, dir aufzuschreiben, wenn dein Gegner AA raist und drei Streets auf einem Brick Board bettet. Genauso wenig macht es Sinn, eine Hand zu notieren, in der eine sture Callingstation deinen 3-Street-Bluff mit einem Bottompair callt. “Callingstation”, “foldet kein Pair” oder “NICHT BLUFFEN!” genügt hier.
Allgemein solltest du nur ganze Hände aufschreiben, wenn du weißt, dass dein Gegenüber ein Reg ist, die Hand dir rundum interessant erscheint und idealerweise mehr als eine Entscheidung beinhaltet, die vom Standardplay abweicht.
Gehe noch einmal zur Box am Anfang des Artikels zurück und überlege dir, wie du all die Notizen, die du dir dort gemacht hast, zu deinem Vorteil nutzen kannst. Das sollte nun zwar klar sein, gehe sie zur Sicherheit aber trotzdem noch einmal durch:
- Notizen zu seinem OPR: Basierend auf diesen Notizen kannst du ableiten, ob er ein guter Reg ist. Du gehst also z.B. davon aus, dass er ähnlich wie andere Regs light 3-betten wird. Außerdem erwartest du nicht viele spewy Moves von ihm.
- Restealfähigkeit: Basierend auf dieser Notiz weißt du, dass du seltener openraisen solltest, wenn er mit einem Restealstack in den Blinds sitzt. Wenn du raist, wirst du einen Shove lighter callen als gegen einen Random.
- 3-Bet-Sizing: Sieht so aus, als hätte er hier ein riesiges Balancingleak, obwohl er gegen zufällige Spieler damit wohl oft durchkommt. 3-bettet er das nächste Mal so klein, weißt du, dass du starke Hände folden musst. 3-bettet er einen standardmäßigen Betrag, kannst du vermuten, dass AA nicht in seiner Range ist.
- Hand History und Potcontrol: Mithilfe dieser Informationen erkennst du, dass er wohl ein Multitabling-Regular ist, der gegen einen guten Reg c-bettet und dann foldet. Bis du einen großen Bluff von ihm siehst (was du dir natürlich aufschreibst), kannst du C-Bets mit mittelstarken Händen callen, da er dich häufig billig zum Showdown kommen lässt. Feuert er mehrere Barrels, musst du ihm Respekt zollen.
- 4-Bet-Bluff und Aggressivität: Darauf basierend erkennst du, dass er weiß, dass du zu 4-Bet-Bluffs in der Lage bist. Daher kannst du dünner for Value 4-betten. Du solltest auch nicht viele spewy Moves gegen ihn versuchen, da du weißt, dass er dich als LAG identifiziert hat.
Zusammenfassung
In diesem Artikel hast du gelernt, wie du dein Spiel verbessern kannst, während du gerade nicht in eine Hand involviert bist. Manchmal sichert dir eine einzige Notiz dein Überleben in einem Turnier und kann dich am Ende bis zum Triumph führen. Weiterhin viel Erfolg an den Tischen!