Aktualisiert am 06 Juli 26 von

Online-Tells (Wettbewerb)

1. - 2.Platz: tthmb

 

Vorbemerkung

Der Begriff „tell“ ist ambivalent und (anders als vieles andere bei Hold´em) mathematisch nicht fassbar. Das macht den Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Themas aus. Es gibt kaum Aussagen oder Prämissen, die man (wie beispielsweise die Prinzipien von outs und odds) als „objektiv richtig“ bezeichnen kann.
Vor diesem Hintergrund können die folgenden Aussagen keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit erheben. Dies gilt umso mehr, da ich nahezu ausschließlich auf eigene Gedanken und Erfahrungen zurückgreife. Die Bücher, die ich bislang gelesen habe, gehen auf onlinetells allenfalls am Rande ein. Eine Ausnahme ist – soweit ersichtlich – lediglich Matthew Hilger in „Internet Texas Holdem“, S. 266 – 270. Ich schätze dieses Buch sehr; seine Aussagen über tells sind allerdings teilweise widersprüchlich und stimmen in mehreren Punkten auch nicht mit meinen Erfahrungen überein (dazu unten mehr).

Definition und Wert

Tell wird definiert als verräterische Äußerung über den Wert einer Hand, und zwar unbewusster Art. Damit knüpfen alle Aussagen über tells an einen objektiven Umstand an. Diese Umstände müssen herausgefunden werden. Im Folgenden werden daher einzelne dieser Umstände (d.h. einzelne tells) dargestellt und bewertet.

Einzelne tells

Im Regelfall wird im online-Poker lediglich das bet-Verhalten (generell oder eines bestimmten Spielers) als tellverdächtig angesehen. Es gibt nach meiner Erfahrung aber auch viele anderer tells, auf die ich zunächst eingehen möchte:

Name eines Spielers

Die erste Information, die ich von einem Spieler habe, ist sein Name. Dieser Name kann mir durchaus einige Informationen preisgeben. Wenn dies der Fall ist, sind diese Informationen fundamental, da sie Rückschlüsse auf die Gesamteinstellung zulassen.
Ein Beispiel: Steve Davis, der beherrschende Spieler im Snooker der 80er Jahre, hatte den nickname „the machine“ wegen seines kühlen, berechnenden, emotionslosen Spielstils. Einen Pokerspieler „the machine“ verbinde ich also sofort mit den genannten Eigenschaften, d.h. im Ergebnis für mich gefährlich. Matthias Wahls tritt u.a. unter diesem Namen auf und wenn er so spielt, wie er hier postet (woran ich keinen Zweifel habe!), spielt er Poker ebenso wie Steve Davis Snooker. Ein echter tell, den ich bei meinem Spiel berücksichtigen würde, wenn ich nicht ohnehin wüsste, wer mir da gegenübersitzt …
Noch ein Beispiel: Es gibt hier und auf PP einen Spieler namens Schnibbel. Schnibbeln ist ein Ausdruck vom Skat, wenn man versucht, die besetzte 10 des Gegners mit seinem As zu fangen, sprich herauszuschneiden, eben zu schnibbeln. Schnibbeln steht also für eher trickreiches, riskantes Spiel. Ich habe nun Schnibbel mehrmals auf PP beobachtet und glaube, dass Schnibbel tatsächlich trickreich und unkonventionell spielt. Auch hier hat sich mein Eindruck, den ich allein aufgrund des Namens hatte, bestätigt und ich kann mein Spiel danach ausrichten.
Oft sieht man natürlich Namen, die etwas mit der Pokersprache zu tun haben. Hier ist meine Erfahrung, dass der Name das Gegenteil von dem aussagt, was der Name suggerieren will. Rocks sind selten tight; donks oder maniacs oft passable Spieler. Aber: wer foldet KK nicht vielleicht gegen einen Axx-flop einen Tick öfter, wenn man gegen „Aceholder“ spielt?? Wie ist es gegen „Imonabluff“??

Betreten des Tischs

Schlüsse ziehen kann man sodann aus der Art, wie ein Spieler den Tisch betritt. Ich sehe immer wieder Spieler, die sich an einen Tisch setzen und sofort „auto post blind“ einstellen, selbst wenn sie under the gun sind. Das lässt auf wenig tightness schließen. Umgekehrt genießt ein Spieler, der sogar nach dem button noch auf den BB wartet, bei mir einen gewissen Vorsprung an Respekt.
Gleiches gilt nach einer Toilettenpause mit sitout: ein guter Spieler würde m.E. nie in early position BB + SB (dead) posten. Man sieht es aber immer wieder und kann seine Schlüsse daraus ziehen.

Verlassen des Tischs

Teilweise kündigen Spieler an, dass sie in der letzten Runde sind, bevor sie den Tisch verlassen möchten. Das geschieht häufig nach einer Reihe von bad beats oder schönen Gewinnen, d.h. entweder frustriert oder redselig.
In beiden Fällen habe ich die auffällige Tendenz festgestellt, dass derartige Spieler noch eine letzte Hand spielen wollen, sei es, um auch einmal mit schlechter Hand zu gewinnen, sei es, da es eh egal ist, man hat ja gut gewonnen. Diese letzten Hände (utg oder utg + 1) werden oft zur leichten Beute; es lohnt sich, raises zu callen oder rezuraisen und in Position auf dem flop zu attackieren. Das gilt speziell im NL-Bereich.

 

Chat

Chat ist eine wahre Fundgrube. Ich meine damit weniger den Inhalt des chats (das ist nicht unbewusst und damit kein tell), sondern die Art und Weise des Chats.

Der Vielschreiber

Der Vielschreiber ist in der Regel loose. Er lässt die nötige Aufmerksamkeit vermissen. Oft kann man ihn auf dem flop oder turn aus der Hand drängen.
Wenn der Vielschreiber bei NL allerdings eine hohe bet macht bzw. bei limit raised oder gar check/raise spielt, hat er in der Regel eine sehr starke Hand. Denn er ist selten auf einem bluff, weil er sich nicht auf das Spiel konzentriert. Erfolgreiches bluffen ist jedoch situationsbedingt. Die Umstände, die einen bluff erfolgreich machen könnten, bekommt der Vielschreiber nicht mit; er versucht auch gar nicht, sie aufzuspüren. Deshalb: Vorsicht bei hohen bets des Vielschreibers!

Verhalten nach bad beats

An der Art des chats nach einem bad beat kann man häufig erkennen, ob der Spieler bad beats als zum Spiel gehörig akzeptiert und damit umzugehen weiß oder ob er sich als mit aller Ungerechtigkeit der Welt überzogen betrachtet. Erstere Spieler sind zu respektieren, letztere geraten oft sehr schnell on tilt. Das ist ein wichtiger tell.

Analyse von Händen bzw. Kommentare

Teilweise kann man Spieler dadurch als stark identifizieren, dass sie die Hand ungefragt, aber sehr zutreffend analysieren. Das gilt sowohl für eigene Hände als auch für Hände, an denen der Spieler nicht beteiligt war.
Das ganze wirkt natürlich auch in die andere Richtung. Auf niedrigem level sieht man oft Kommentare, denen sich entnehmen lässt, dass der Spieler mit fundamentalen Grundsätzen des Spiels nicht vertraut ist. Notieren und ausnutzen!

Der Neuling

Ab und zu geben Spieler im chat zu erkennen, dass sie neu sind (z.B. statements wie „ich hätte nie gedacht, dass Poker so viel Spaß macht“). Notieren und ausnutzen!

Der Sheriff

Betrifft NL. Der Sheriff checkt, z.B. auf dem flop out of position, reraised gegen eine kleine steal-bet all in verbunden mit der Bemerkung nach dem fold des Gegners „Stop trying to steal“. Wenn er dann kurz danach nach einem preflop-raise ein pocket-pair zeigt, weiß man, mit welcher Sorte Spieler man es zu tun hat und kann schöne Pötte von ihm generieren, speziell wenn man ihn mit einer kleinen Bemerkung im chat etwas aufmuntert oder stimuliert.
Hier kann es sich sogar anbieten, einen kleinen pot mit trash zu callen oder einen untauglichen minibluff anzusetzen (muß nicht gegen den Sheriff sein, es geht auch ein anderer Gegner). Man weiß, dass man verliert und zeigt eine schwache Hand (wie gesagt unbedingt zeigen!!). Der Sheriff wird es registrieren und bei der nächst besten Gelegenheit mit hohen bets auf uns losgehen. Das ist dann sehr dankbar.

„Zuviele short-stacks hier“

Betrifft NL. Ein Spieler kündigte an, den Tisch zu verlassen, weil zu viele Spieler mit short stacks am Tisch seien (zur Bedeutung des short-stack-Spiels in NL siehe hier: short stack-Strategie ). Ich habe das sofort notiert. Es dürfte ein Indiz dafür sein, dass dieser Spieler gern gegen big stacks mit hohen bets blufft in dem Wissen, dass big stacks seltener callen als small stacks.

Kommentare zum Flop

Wenn ein Spieler den flop kommentiert (zumeist sein Unverständnis äußert, wenn mehrmals hintereinander keine hohen Karten kommen), kann man erahnen, dass er zumeist solche Karten spielt und eher selten kleine suited connectors.

Bietverhalten

Dem Bietverhalten wird traditionell die größte Bedeutung beigemessen, speziell dem Zeitmoment. Nach meiner Erfahrung spielt allerdings gerade das Zeitmoment nur eine untergeordnete Rolle. Andere Indikatoren sind für mich wichtiger.
Ich spiele vorrangig NL, weshalb sich meine Erfahrungen naturgemäß auf diese Variante beziehen.

Geschwindigkeit

 

Regelfall:

Geschwindigkeit hat m.E. wenig Wert

Wie schon gesagt, kann ich persönlich der bet-Geschwindigkeit generell nur wenig Bedeutung zumessen. Es handelt sich dabei nämlich häufig nicht um unbewusste Äußerungen verräterischer Natur. Spieler spielen mehrere Tische, so dass man aus der bet-Geschwindigkeit von vornherein wenig ableiten kann. Wie man aus den Antworten zu diesem Wettbewerb ersehen kann, wird die Geschwindigkeit häufig auch zur bewussten Täuschung eingesetzt. Im Forum hat ein Spieler dies einmal zutreffend zusammengefasst mit den Worten: „ok, ich weiß jetzt, dass starkes betten die moderne Form von slow-play ist“.
Bei NL kommt noch hinzu, dass man teilweise in der Tat nachdenken muß, ob und wenn ja wie viel man bettet – auch und gerade bei einem bluff. Die Geschwindigkeit hat hier also noch weniger Wert als bei limit.
Ableitungen zur Geschwindigkeit basieren auf dem general tell „strong means weak and weak means strong“ (Hilger, ITH, S. 266), z.B. wer vor einem check länger wartet als üblich, zeigt üblicherweise Schwäche; bettet er aber nach längerem Warten, soll das Stärke zeigen. In den meisten Foren im Internet finden sich dazu keine klaren Aussagen. Langes Nachdenken vor einem check wird zu ca. 50 % als Schwäche, zu ebenfalls 50 % als Stärke interpretiert.
Wie unsicher das ganze ist, zeigen die Ausführungen vom Hilger auf S. 268. Dort heißt es sogar in Fettdruck, dass ein Spieler üblicherweise Schwäche zeigt, wenn er schnell checkt, aber Stärke, wenn er dann reraised. Also kann lt. Hilger sowohl schnelles als auch langsames Checken Schwäche zeigen, eine Aussage, die doch einiges relativiert. Und einem ckeck-raise ist zumeist in der Tat zu entnehmen, dass der Gegner stark ist …

Ausnahme:

Wertvolle tells

Zum Spiel auf turn und river meint Hilger, dass ein schnelles raise bzw. eine schnelle bet in der Regel Stärke zeigen. Diese Meinung teile ich, aber nicht uneingeschränkt. Erscheint auf turn oder river eine scare card, die insbesondere eine straight oder einen flush machen könnte, bedeutet Schnelligkeit in der Regel, dass die scare card nicht getroffen hat. Bei langem Nachdenken bedeutet eine bet dagegen zumeist, dass der Gegner den befürchteten flush oder straight gemacht hat.
Speziell bei NL: wer auf turn oder river sofort den raise-button (= Mindestraise) drückt, ohne sich Gedanken über ein höheres raise zu machen, hat in der Regel zwar nicht die nuts, aber eine starke Hand.
Plötzliche Wechsel in der Geschwindigkeit, dass ein grundsätzlich bedächtiger Spieler plötzlich schnell spielt, bedeutet in der Regel eine sehr starke Hand.
Spieler kehren die allgemeine Regel „strong means weak and weak means strong“ gerne bewusst um (vgl. Hilger S. 266). Das ist nachvollziehbar, da die Betgeschwindigkeit als angeblich unbewusster tell am bekanntesten ist. Wenn man dies herausfindet, wird der general tell zu einem sehr wertvollen individual tell!


Voreinstellungen

Im Gegensatz zur Betgeschwindigkeit sind Voreinstellungen meiner Meinung nach sehr hilfreich. Sie repräsentieren zumeist die Hand, die der Aktion entspricht. Call BB ist eine durchschnittliche Hand, raise any ist sehr stark.
Ich habe es bei NL (niedriges level) so gut wie nie gesehen, dass ein Spieler, der bet pot voreingestellt hatte, auf einem bluff war. Das erscheint auch folgerichtig. Erfolgreiches Bluffen ist situationsbedingt. Mit Voreinstellungen kann man diese situationsbedingten Umstände allerdings nicht erfassen, so dass Voreinstellungen an objektive Umstände (und damit an die Stärke der Hand) anknüpfen.
Vorsicht ist bei voreingestelltem check geboten, da man nie weiß, ob check/call oder check/fold. In der Regel bedeutet check voreingestellt aber Schwäche, speziell beim BB preflop. Wenn er dann bettet, ist er stark; wenn er gar check-raised, hat er ein Monster geflopt.
Noch zu Big Blind: Wer den BB gegen ein steal-raise vom cutoff oder dem button erst nach längerem Nachdenken foldet, versucht oftmals lediglich den Eindruck zu erwecken, dass er aus Respekt vor dem raise und nicht nach Startchart foldet, um künftige blind-Verteidigungen zu erleichtern (insbesondere steal-reraises).

Fold out of turn

Wer am flop oder turn foldet, obwohl check möglich ist, outet sich m.E. als schlechter Spieler, oft auch als frustriert oder on tilt. Wer dagegen auf dem river foldet, ohne zu checken, sollte dagegen respektiert werden (will nicht zeigen, mit welchen Händen er wie agiert, was jedenfalls keinen schwachen Spieler verrät).

Wieviele Tische spielen meine Mitspieler?

Hilger empfiehlt, zunächst zu überprüfen, an wie vielen Tischen meine Mitspieler spielen, um deren tells in Hinblick auf die Geschwindigkeit besser einschätzen zu können. Das ist meiner Meinung nach illusorisch und nicht zu schaffen; allenfalls bei den beiden Spielern zu meiner linken und zu meiner rechten. Überhaupt konzentriere ich mich bei der Analyse der tells auf die genannten Spieler, mehr kriege ich bei mehreren Tischen nur schwer auf die Reihe – deshalb lieber eine genaue Analyse der Spieler, gegen die ich oft in der Hand bin.

Eigene tells

Daß man eigene tells vermeiden und sein Spiel entsprechend ausgestalten muß, versteht sich von selbst. Weitere Ausführungen dazu möchte ich deshalb an dieser Stelle nicht machen. Entscheidend ist, dass man nicht in bestimmte Gewohnheiten oder Rhythmen verfällt.
Aber noch ein Beispiel: Ich habe gute Erfolge damit erzielt, folgenden „tell“ zu setzen: vor dem fold auf dem button, im cutoff oder auf dem small blind wird länger als üblich gewartet. Der Gegner denkt, man überlegt, ob man ein steal-raise ansetzt. Wenn man das mehrmals gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dann mit einem schnellen steal-raise durchzukommen.

Schluss

Poker basiert hauptsächlich auf dem Wert der eigenen Hand sowie dem Verhältnis von outs und odds. Wer sein Spiel nur daran ausrichtet, spielt mit positivem Erwartungswert.
Dieser Erwartungswert erhöht sich, wenn man in der Lage ist, die Stärke der gegnerischen Hand einzuschätzen. Dafür helfen tells. Tells sind ein Hilfsmittel, um die richtige Entscheidung zu finden. Deshalb sollte man m.E. niemals eine Entscheidung allein aufgrund erkannt geglaubter tells treffen, insbesondere keinen totalen bluff auf einen tell hin starten, ohne dass andere Umstände dafür sprechen, der bluff könnte erfolgreich sein. Dafür sind tells einfach zu ambivalent. Viele Fehler werden gemacht, weil ein Spieler die eigene Hand deswegen überbewertet, da er seinen Gegner falsch gelesen hat. „Thought you were on a draw“ habe ich schon von vielen Spielern gelesen, die mit einem kleinen Paar von einer keineswegs fern liegenden besseren Hand überrascht wurden.
Ich würde mich sehr freuen, wenn eine kleine Diskussion zustande kommen würde. Das Thema ist sehr spannend und es gibt sicherlich noch vieles andere, das zu sagen wäre.

 

Artikel 2:

 

1. - 2. Platz: Arngrim

Einleitung

An einem echten Pokertisch trifft man auf die verschiedensten Spieler, die durch ihre Gestik, Körperhaltung, Mimik oder auch Ticks verraten, wie stark ihre derzeitige Hand ist. Mike Caros Werk Book Of Poker Tells[1] ist eine erstklassige Einführung in diese Thematik.

Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass diese Tells beim Online Spiel nicht zu finden sind. Natürlich ist es nicht möglich, seinem Gegner in die Augen zu schauen, doch gibt es eine Reihe anderer Indizien, die ähnliche Rückschlüsse zulassen wie beim Live-Spiel. Um diese Online-Tells geht es in der vorliegenden Abhandlung.

I. Zeitbasierte Online-Tells und Aktionsauswahl beim Online Poker

Es gibt in der Regel zwei verschiedene Möglichkeiten, um in einem Online-Spiel zu bestimmen, welche Aktion durchgeführt werden soll: durch Warten auf den eigenen Zug, oder durch eine Vorbestimmung in Form von Vorauswahl-Kästchen. Wer sich mit Online-Tells beschäftigen will, muss ein Auge dafür entwickeln, auf welchem Weg die Aktion anderer Spieler durchgeführt wird. Führt ein Spieler, sobald er an der Reihe ist, seinen Zug sofort aus, deutet das daraufhin, dass er mit den Kästchen-Auswahlen gearbeitet hat.

Die zweite wichtige Komponente beim Analysieren von Online-Tells ist, wie schnell eine Aktion durchgeführt wird, wenn keine Kästchen-Auswahl stattgefunden hat. Abhängig von der Dauer und der resultierenden Aktion lassen sich Rückschlüsse auf die Stärke der Hand des jeweiligen Spielers schließen.

Im folgenden habe ich die verschiedenen Möglichkeiten aufgeführt, wie bzw. wie schnell die Aktion eines Spielers durchgeführt wurde und worauf diese Handlung hindeutet.

Bedeutung von Spielverhalten

1. Check/Fold-Vorauswahl deutet auf Schwäche hin
Die vermutlich beliebteste Vorauswahl ist Check/Fold [2]. Sie wird in der Regel dann verwendet, wenn der Spieler seine Hand als schlecht einstuft und sie nur weiterspielen möchte, solange er eine kostenlose weitere Karte sehen kann. Verwendung von Check/Fold sagt also aus: „Ich habe ein schlechtes Blatt, und eigentlich kein Interesse an dieser Hand“.

Es kann überaus ertragreich sein, einen Check/Fold zu erkennen. Angenommen es befinden sich zum Flop noch 4 Spieler im Spiel, von denen wir der letzte sind, der an der Reihe ist. Der erste Spieler checkt regulär, während die beiden folgenden einen Check/Fold einsetzen. Effektiv spielen wir nun nur gegen einen Gegner, da sich die beiden mittleren gedanklich bereits von ihrem Blatt verabschiedet haben. Ein Bluff könnte hier also erfolgreich sein.

2. Check/Call, Call Any Vorauswahl deutet auf Slowplay hin
Im Gegensatz zu Check/Fold ist Check/Call bzw. Call Any ein Hinweis auf ein deutlich stärkeres Blatt, das der Gegner langsam spielen möchte.

3. Bet/Raise Vorauswahl deutet auf Stärke hin
Beim Einsatz von Bet/Raise muss mit einem starken Blatt gerechnet werden. Solange der Spieler nicht extrem loose ist (oder auf Tilt), ist besondere Vorsicht geboten. Gerade beim Einsatz auf dem River ist nicht mit einem Bluff zu rechnen. Während des Turns kann hier aber auch nur der Versuch gestartet werden, eine freie Karte auf dem River zu erkaufen.

4. Schneller Check deutet auf Schwäche hin
Ein schneller Check ist in der Regel als Zeichen von Schwäche aufzufassen – der Spieler ist froh, die nächste Karte kostenlos sehen zu können. Meine Erfahrung zeigt aber, dass gute Spieler diesen Zug gerne durchführen, in der Hoffnung einen Check-Raise initiieren zu können. Findet ein solcher nach einem schnellen Check statt, läuft man meist in eine sehr starke Hand.

5. Sofortiger Call bei vorangegangenem Bet deutet auf Schwäche hin
Wenn ein Spieler eine zuvor gemachte Bet sehr schnell called (nicht via Vorauswahl), hält er vermutlich eine schwache Hand, wahrscheinlich irgendeine Art von Draw. Der Grund für das schnelle Callen ist vorzugeben, dass der Spieler eine gute Hand hat. Er hofft, in den folgenden Runden das Bieten zu unterdrücken, um günstiger an die weiteren Karten zu kommen.

6. Pause gefolgt von einem Check deutet Schwäche an
Ein Spieler, der zunächst eine Weile zögert und dann checkt, möchte bei den Mitspielern Angst vor einem Check-Raise schüren. Die Pause soll symbolisieren, dass er über eine Erhöhung nachgedacht hat. In Wirklichkeit aber möchte er, dass die anderen Spieler auch nur checken, um so an eine weitere Karte heranzukommen. Ein Gegner, der tatsächlich einen Check-Raise durchführen möchte, wird den Check in der Regel relativ zügig ausführen.

7. Pause gefolgt von einem Bet/Raise deutet Stärke an
Wird vor einem Bet/Raise eine Weile gewartet, so hält der Spieler vermutlich eine starke Hand. Das Nachdenken soll den anderen Spielern suggerieren, dass er ein schwaches Blatt hat und jetzt nur blufft, um somit einen Call oder sogar einen Re-Raise zu induzieren. Fälle 6 und 7 sind Paradebeispiele, wie die Regel weak is strong and strong is weak [3] falsch ausgelegt werden kann.

II. Online-Tells basierend auf Unterhaltungen im Chat

Viele Spieler schalten den Chat von Mitspielern aus, weil sie ihn als störend empfinden – oder vielleicht auch wissen, dass sie negativ darauf reagieren, wenn ihr eigenes Spiel im Chat kritisiert wird. Allgemein gesagt ist dieses jedoch ein Fehler; es ist eher als Glück anzusehen, wenn sich Spieler im Chat mehr unterhalten, als nur nice hand und thank you [4] zu sagen.

1. Vielredner
Häufig sitzt am Tisch jemand, der es nicht lassen kann, die ganze Zeit zu reden. Das vielleicht nicht einmal spielbezogen, aber in hohem Volumen, unabhängig davon, ob er in eine Hand involviert ist, oder nicht. Wenn so ein Spieler plötzlich während einer Hand, in der er mitspielt, nichts mehr schreibt, ist davon auszugehen, dass er eine starke Hand hält und deshalb vom Chatten abgehalten wird – aus Angst, aus Versehen eine falsche Aktion auszuwählen oder etwas über seine Hand zu verraten.

2. An- oder Betrunkene
Gerade am Wochenende und zu (amerikanischen) Nachtzeiten, kommt man hin und wieder in den Genuss, mit einem offensichtlich Angetrunkenen am Tisch zu sitzen. Entweder gibt er das selbst Preis (just came home from a party) oder man erkennt es an seinen zusammenhangslosen Bemerkungen, die sich nicht selten auf seine aktuelle Hand beziehen (at last a decent hand). Diese Spieler versuchen häufig ihre schlechten Blätter durch dezente Einschüchterungen (just call, you’ll lose anyway) zu verschleiern. Hier gilt dann wieder der weak is strong and strong is weak-Ansatz.

3. Heißgelaufene Spieler
Ein Spieler, der zum Beispiel aufgrund einer Reihe von Bad Beats auf Tilt ist, fängt häufig an, beleidigend oder anderweitig ausfallend zu werden. In einem No-Limit Spiel wird dieses Bild durch deutlich größere als herkömmlich von ihm bekannte Erhöhungen unterstrichen. Spieler, die heißgelaufen sind, können, nachdem man sie erkannt hat, zu guten Geldlieferanten werden.

4. Der Besserwisser
Wer hat sich noch nicht über die ewigen Besserwisser geärgert, die zu jedem Blatt ihre Meinung sagen und erklären, dass sie selbst sowieso die absoluten Profis sind und viel intelligenter gespielt hätten. Es gibt aber eigentlich gar keinen Grund, sich zu ärgern: im Grunde kann man aus diesen Spielern den größten Nutzen ziehen, indem man sich eine einfache Eigenart dieser Spezies zunutze macht: man erkennt ihre Überlegenheit ehrfürchtig an und fragt sie nach Ratschlägen zum Spiel. Mit vor Stolz schwellender Brust werden sie dann ihre ganze Spielweise erläutern und sitzen ab sofort wie ein offenes Buch am Tisch.

Zuverlässigkeit von Online-Tells

Wie zuverlässig sind Online-Tells nun? Die Antwort ist die gleiche wie auf viele andere Fragen bei Texas Hold’em: es kommt darauf an und nichts ist absolut.

Für sich allein genommen sind die Online-Tells eine sehr vage Vermutung über die Stärke eines gegnerischen Blatts. Ein schwacher Spieler, der noch nie über die Möglichkeiten eines Slowplays nachgedacht hat, raised seine Quads vielleicht genau so schnell oder langsam, wie er das bei einem Medium Pair tun würde, von dem er denkt, dass es bestimmt gewinnen wird. Oder er denkt länger über seine Kartenkombinationen nach, weil er erst nachzählen muss, ob er die Straight wirklich hat.

Ein guter Spieler wiederum kennt die Bedeutung von Online-Tells und versucht sie zu seinem Zweck auszunutzen, in dem er beispielsweise die Pause gefolgt von einem Check tatsächlich dazu einsetzt, um einen Check-Raise durchzuführen – in der Hoffnung, dass ein anderer Spieler denkt, es wäre nur eine haltlose Androhung dieser Gefahr.

Optimal geeignet sind Online-Tells deswegen vor allem bei Spielern, die sich im unteren bis mittleren Spielniveau bewegen und die oben aufgeführten Fälle für „clever“ halten. Sie werden nicht verstehen, warum die anderen nicht auf die Tricks hereinfallen.

Ein wenig Beobachtung der regulären Spielweise ist also unabdingbar, um zu sinnvollen Resultaten kommen zu können.

Wann Online-Tells nicht funktionieren

Gerade die zeitbasierten Online Tells funktionieren nicht, wenn die Bedingungen nicht optimal sind. Das bezieht sich auf drei Faktoren, die eigene Internetverbindung, die der Gegner und das Spielverhalten der anderen Mitspieler. Im einzelnen:

1. Die eigene Internetverbindung
Ohne eine gut funktionierende Internetverbindung ist eine Aussage über Online-Tells unmöglich. Vielleicht reagiert ein Spieler blitzschnell, aber aufgrund eines Lags kommt die Aktion erst 5 Sekunden später auf dem heimischen Rechner an. Bei Party Poker steht in den Fenstertitelzeilen, wie der Status der eigenen Verbindung ist. Steht dort etwas von Internetconnection delayed, ist die wahrgenommene Aktion nicht live, sondern zeitverzögert. Online-Tells haben nun keine reelle Basis mehr und sollten nicht in die Bewertung einer Spielsituation einfließen.

2. Die Internetverbindung der anderen Mitspieler
Das in 1. gesagte trifft umgekehrt natürlich auch für die anderen Mitspieler zu. Wenn beobachtet wird, wie ein Spieler keine Aktion durchführt, weil seine Verbindung abbricht (im Chatfenster bei Party Poker steht dann etwas wie Player XYZ has been disconnected) muss davon ausgegangen werden, dass dieser Spieler eine schlechte Verbindung zum Internet hat. Seine Aktionen sind zeitlich also nicht mehr zuverlässig einschätzbar - Online-Tells für diesen Spieler sollten außer Acht gelassen werden. Das gilt übrigens nicht nur für den aktuellen Moment, sondern sollte wenigstens für die restliche Sitzung auch weiterhin so behandelt werden.

3. Spielverhalten der Mitspieler
Grob gesagt kann man die Mitspieler in drei Klassen unterteilen. Die Ernstnehmer, die Professionellen und die Nebenherspieler [5].

Ein Nebenherspieler surft im Internet, chattet und telefoniert mit Freunden oder arbeitet am Computer, während er eine Partie Poker nebenher spielt. Für ihn besteht das Spielen darin, dass irgendwann das Spielfenster in den Vordergrund kommt, er kurz auf seine Karten schaut, die Aktion wählt und dann das Fenster wieder in den Hintergrund schiebt. In der Regel wird er nur die besten Karten spielen und alles weitere halbautomatisiert über die Vorauswahlkästchen laufen lassen. Nebenherspieler verpassen hin und wieder ihren Spielzug, ohne die Internetverbindung zu verlieren oder verwenden auffallend häufig die Vorauswahlkästchen. Sie nehmen das Spiel nicht sonderlich ernst und werden nur die besten Starthände etwas konzentrierter spielen. Hat man einen Mitspieler als Nebenherspieler klassifiziert, ist Vorsicht geboten, sobald er einmal ordentlich mitspielt – jetzt hat er ein wenigstens als gut zu bezeichnendes Blatt auf der Hand.

Die Ernstnehmer spielen einen Tisch zur Zeit und agieren selten über die Vorauswahlkästchen. Das ist auch gerade das Kriterium, an dem man sie am besten erkennen kann. Ihnen sind die im letzten Abschnitt beschriebenen Spielweisen zuzutrauen und sie stellen eine gute Ausgangsbasis für das Auswerten von Online-Tells dar.

Die „Professionellen“ spielen an mehreren Tischen gleichzeitig. Sie sind bei Party Poker leicht über den Menüpunkt Game Rules & Options->Playersearch zu finden: einfach die Accountnamen dort eintragen und schauen, wer an mehreren Tischen spielt. Diese Spieler sind für Online-Tells ungeeignet, zum einen, weil sie vermutlich selbst Erfahrung damit haben und sie als Spielelement einsetzen, zum anderen weil das Spielen auf mehreren Tischen Verzögerungen bei Aktionen automatisch mit sich führt, ohne, dass darin eine Aussage verborgen wäre.

Vermeiden von eigenen Online-Tells

So wie die anderen Mitspieler auf Online-Tells hin untersucht werden, so ist man auch selbst Opfer der gleichen Analyse. Nachdem in diesem Artikel beschrieben wurde, wie die zeitbasierten Online-Tells aussehen, ist es ein leichtes, sie selbst zu vermeiden.

Dazu gibt es zwei einfache Möglichkeiten, die untereinander auch variiert werden sollten. Das einfachste ist es, einfach immer in der selben Geschwindigkeit zu agieren, egal welche Aktion durchgeführt wird. Somit ist es für einen Analysierenden nicht mehr möglich festzustellen, welche Bedeutung eine Aktion hat.

Etwas trickreicher ist die Variante, in zufälligen Zeiteinheiten zu agieren, zum Beispiel abhängig von der Uhrzeit (die ersten 30 Sekunden einer Minute nach 2 Sekunden, die zweiten nach 4 Sekunden) oder von der Farbe der zuletzt aufgedeckten Karte (rot: 2 Sekunden, schwarz: 4 Sekunden).

Zusammenfassung

Online-Tells stellen eine weitere mächtige Waffe im Arsenal eines Poker-Spielers dar. Wichtig ist es, die Basis für eine sinnvolle Analyse zu schaffen (Stichwort Internetverbindung und Spielerverhalten) und dann die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Wie auch jeder andere Teilbereich ist es entscheidend, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen, und sachlich über die Geschehnisse nachzudenken, denn der heilige Gral sind Online-Tells auch nicht.

Richtig eingesetzt, ermöglichen sie aber wieder einen kleinen Vorteil mehr gegenüber der breiten Masse und gestatten es so, die Hand Ranges der Gegner für eigene Überlegungen wirkungsvoll einzuschränken.

Fußnoten

[1] Caro's Book of Poker Tells von Mike Caro, erschienen im März 2003 bei Cardoza
Publishing. ISBN: 1580420826, US-Preisempfehlung: $24.95
[2] Genannte Vorauswahlen entsprechen den Bezeichnungen von Party Poker. Andere
Pokerseiten können abweichende Bezeichnungen für identische Vorauswahlen
verwenden.
[3] Diese Regel ist ein allgemeiner Grundsatz beim Pokern und bezieht sich darauf,
dass jeder Spieler verschleiern möchte, wie stark seine aktuelle Hand ist. Es ist eine
viel beobachtete Angewohnheit, gerade des Gegenteil von dem zu tun, was man
eigentlich erwarten würde, zum Beispiel ein Check anstelle eines Raises bei einem
starken Blatt oder umgekehrt.
[4] Nice Hand oder Nice Play zu sagen, ist übrigens ein erprobtes Mittel, um schlechte Spieler darin zu unterstützen, länger am Tisch zu bleiben, nachdem sie einmal eine
Hand (vielleicht oder gerade auch glücklich) gewonnen haben.
[5] Es handelt sich hierbei um keine Klassifizierung im Sinne von guter oder schlechter
Spieler, sondern schlicht auf die Betrachtung, wie intensiv ein Spieler sich einem
einzigen Tisch widmet.

Platz Nummer 3:

 

3. Platz: Charousek

Beim Pokern dreht sich alles um Informationen. Jeder Pokerspieler ist stets bemüht, möglichst viele Informationen über die Karten der Gegner zu erhalten. Normalerweise geschieht dies durch genaue Beobachtung der gegnerischen Wettsequenzen und einer Abwägung dieser im Vergleich zu ihrer Position und ihrem Spielstil.

Gute Spieler kennen noch mehr Möglichkeiten die Hand ihres Gegenübers einzuschätzen, im Livegame kann jede Geste, Mimik oder Körperhaltung etwas über die Stärke der eigenen Hand verraten. Dies nennt man Tell.

Im Internet gestaltet sich derartiges , Readen` des Gegners etwas schwieriger.
Die Wege der Informationsbeschaffung sind hier deutlich begrenzter, da der einzelne Spieler kaum Möglichkeiten hat individuelle Informationen über sich abzugeben.

2 Dinge können hilfreich sein, der gewählte Nickname des Spielers kann in Einzelfällen Hinweise zu seinem Stil oder seiner Auffassung des Spiels geben, die Geschwindigkeit seiner Moves kann etwas über die Hand die er spielt verraten.

Der Nickname:

Natürlich wird die Analyse eines Nicknames nur in Einzelfällen hilfreich für das Spiel sein, oder sich langfristig gar in Dollarn ausdrücken. So sieht man jemanden mit dem Namen Shark123 tatsächlich oft recht aggressiv spielen, während jemand mit dem Namen Rock321 vielleicht wirklich recht tight ist. Allerdings bieten solche Nickname Analysen weder zuverlässige Hilfe, noch bieten sie irgendetwas, was uns nicht auch Pokertracker liefern könnte. Und wer den ehemaligen Namen des neunfachen Bracelet Gewinners Phil Helmuth auf UltimateBet kennt, weiß, Namen können einen auch absichtlich in die Irre führen.
Helmuth hieß damals ,,cannotbluffme``.

Die Wettgeschwindigkeit:

Die Geschwindigkeit mit der der Gegner seine Aktionen ausführt, gibt oft nützliche Informationen über dessen Hand. Zwei Dinge spielen hierbei eine Rolle, die Preselection und das ,,Wartespielchen``.
Mit den Preselectiontasten hat ein Spieler die Möglichkeit seinen Move zu wählen, bevor er am Zug ist. Dieser wird sobald er dran ist aber so schnell ausgeführt, dass die Preselection für den Aufmerksamen Betrachter (normalerweise) eindeutig zu erkennen ist. Oft geschieht dies, da Spieler sich beim multitabling so viel Zeit sparen können, oft auch aus Gemütlichkeit. Eine Instantaktion zeigt meist deutlich, wie der Spieler die Hand bewertet und spielen würde, ganz gleich welche Aktionen vor ihm stattfinden.
Instantaktionen sind Tells, die oft unabsichtlich entstehen.

Das ,,Wartespielchen`` passiert oft absichtlich, während der Gegner vorgibt zu überlegen. Es soll dem Gegner einer falsche Information über die Hand geben und ihn so dazu verleiten eine starke Hand zu callen oder gegen eine schwache Hand nicht zu wetten.
Anstatt Wartespielchen wird im Folgenden der Begriff time sink verwendet.

Preflopaction:

Fixed Limit:

Instantraise: Der Instantraise vor dem Flop deutet auf eine Hand hin, die nicht nur einen Raise, sondern im Falle eines gegnerischen raises auch eine 3-Bet wert ist. Einige Spieler versuchen dies zu imitieren, indem sie möglichst schnell raisen, nachdem keine Gegneraktion geschehen ist, was entschlossen wirken und den Effekt des Instantraises haben soll. Ein schneller raise ist allerdings deutlich langsamer als ein Instantraise und damit leicht zu unterscheiden.

Time sink: In Late Position kann man oft beobachten, wie ein Spieler ein paar Sekunden wartet, bevor er sich zum raise entschließt. Logisch betrachtet bedeutet dies eine mittelmäßige Hand, es scheint, als müsse der Spieler sich erst zum Raise entschließen. Zwar trifft das in manchen Fällen auch zu, allerdings ist dieser Tell so offensichtlich, dass man hinter ihm eher eine besonders starke Hand vermuten sollte, die die Gegner nicht durch zu schnelle Aktionen vertreiben soll. Bedeutet time sink in late position aber eine starke Hand, so wird es oft vorkommen, dass ein Spieler mit Absicht zögert, um eben diese Hand zu symbolisieren, die er in Wirklichkeit jedoch nicht hat. Wie man diesen Tell auslegt, hängt daher stark davon ab wie man den Gegner einschätzt. Da man aber nicht weiß, auf welchem Gedankenlevel der Gegner sich bewegt, sollte man diesen Tell nur vorsichtig in seine Überlegungen mit einbeziehen und seine eigenen Aktionen eher auf die vermutete Handrange des Gegner stützen.

No Limit:

Beim No Limit Spiel ist das ausmachen von Tells vor dem Flop deutlich schwieriger. Alleine dadurch, dass durch das Verschieben des Balkens für die Größe der Wette bzw. durch das Eintragen der Wettsumme Zeit vergeht und nicht jeder motorisch gleich begabt ist, kann man nur schwer Schlüsse aus der Zeit ziehen, die der Spieler zum wetten braucht. Man kann hier drüber nachdenken, ob ein Spieler, der normalerweise Zahlen per Hand eingibt und auf einmal in Late Position nur den Regelbalken gezogen hat (zu erkennen an der ungeraden Wette), besonders schnell wetten und so Stärke zeigen wollte, man kann es auch lassen. Ein solcher Tell hat so wenig Aussagekraft, dass ich mir keine Hand vorstellen kann, die man deshalb anders spielen sollte.
Time sink in Late Position ist hier ähnlich zu bewerten wie im Fixed limit, in jedem Fall mit Vorsicht.

Postflop:

Instant / sehr schneller Call: Der Instant Call ist oft ein klares Anzeichen dafür, dass der Spieler auf einem Draw ist. Hier muss er sich keine großen Gedanken über die Hand des Gegners machen, da er sich sicher ist, im Moment hinten zu liegen, die Hand aber zu gewinnen, sollte er den Draw treffen. Dieser Tell ist auch im No Limit Spiel sehr hilfreich, bettet man z.B. sein Top Pair auf einem Twoflush-Board und wird sehr schnell gecalled, so ist es sehr wahrscheinlich, dass der Gegner auf einem Flushdraw ist und man sollte die hand weiter protecten. Beim SH Spiel, wo man oft ohne starke Hände spielt, kann ein Instant Call auch oft so was wie ein mittleres Pocketpair bedeuten.

Instant / sehr schneller Check: Ein Instant Check ist ein recht deutliches Indiz dafür, dass der Spieler mit der aktuellen Hand wenig zu tun haben will. Oft wird er sogar Check/Fold gedrückt haben. Der Spieler ist sich zumeist bewusst, dass er mit dieser Aktion etwas über seine Karten aussagt, was für ihn jedoch nicht von Wichtigkeit ist, da er in die Hand ohnehin nicht weiter verwickelt werden will. Vertraut man dem Tell, so liegt es nahe, auf der nächsten Straße zu betten, gleich was man selbst hält.

Instant Bet/Raise: Ein Instant Bet/Raise dient oft dazu, eine bis dahin starke Hand zu verteidigen. Durch Tempo wird die Aussagekraft der Wette noch erhöht. Oft handelt es sich hierbei um einen absichtlichen Tell, der die Gegner zum Folden bringen soll. Eine Instant Bet am Flop symbolisiert daher Oft Top Pair oder Two Pair. Eine Instant Bet am Turn kann jedoch dazu dienen, den Gegner zum Callen zu bringen, da dieser sich fragt, was ein derart starkes Wettverhalten bei einer wirklich starken Hand soll. Lesbar ist dieser Tell nur bedingt, da er auch zu Standardmoves wie ,Raise for free card` oder ,Raise for free Showdown` gehören könnte. Auch gilt zu beachten, dass jeder Spieler einen eigenen Stil des Wettens hat, manche benutzen grundsätzlich Instant Bet oder wetten ihre Draws auf diese Weise. Eine Deutung des Tells ist daher erst nach längerem Beobachten des entsprechenden Spielers möglich.

Instant Bet Pot: Dieser Tell entspricht in etwa dem Instant Bet im Fixed Limit, jedoch ist er meist Aussagekräftiger. Ein Instant Bet am Flop dient oft dazu, dem Gegner nicht genügend Outs zu geben, um gegen den Spieler zu drawen. Der Spieler zeigt hierbei, dass er sicher ist, zur Zeit vorne zu liegen, was die Gegner oft dazu bringt ihm zu glauben. Die Wette würde allerdings auch einen Bluff am Flop verstärken.

Time sink Check: Ähnlich wie im Livespiel, in der der Spieler vortäuscht über eine Bet nachzudenken und dann checkt, bedeutet ein Check nach einer kurzen Wartezeit oft eine schwache Hand. Der Spieler gibt hier vor sich zwischen Bet und Check entscheiden zu müssen, er will seine Hand noch nicht aufgeben, nach einer Wette des Gegners müsste er jedoch folden. Der Tell soll den Gegner dazu bringen, aus Angst vor einem eventuellen Raise ebenfalls zu checken. Grundsätzlich könnte man daher raten, nach einem Time sink Check zu betten, allerdings muss man bedenken, dass man hier auch gut in ein Slowplay, sowie in einen Standartmove Move rein laufen könnte. Im No Limit Spiel ist auch dieser Tell oft zuverlässig.

Time sink Bet: Die Bet nach einer kurzen Wartezeit deutet sehr oft auf eine ziemlich starke Hand hin. Wie beim time sink Check will der Spieler vortäuschen, sich zwischen Check und Bet entscheiden oder sich hier gar für einen Bluff entschließen zu müssen. Dieser Tell ist recht zuverlässig, eine Regel besagt, willst du am River gecalled werden, warte 2 Sekunden mit der Bet. Hier ist allerdings die Zeit die man wartet sehr wichtig. Wartet man deutlich länger als 2 Sekunden, so ist dem Gegner oft klar, dass es sich um absichtliches Warten handelt. Er behandelt den Tell also entgegen der eigenen Vorstellungen oder ignoriert ihn gänzlich.

Time sink nach einem Move: Nachdem man den Gegner mit einem Move konfrontiert hat z.B. Check/Call Flop Check/Raise Turn, wird er oft einen Moment nachdenken müssen. Wird er sofort callen, so kann man davon ausgehen, dass er sich zum Calldown entschlossen hat und auch den River callen wird. Oft kann man von einem direkten Call ableiten, ob man am River noch betten oder lieber checken sollte.

Reverse Psychology

Strong means weak and weak means strong...... or .... weak..... ?

Einige Tells geschehen unabsichtlich und werden von den Gegnern erkannt und genutzt, um sich einen Vorteil gegenüber dem Spieler zu verschaffen. Andere Tells sind beabsichtigt und sollen dem Gegner falsche Informationen geben. Im Livespiel ist Reverse Psychology eine Kunst. Jeder kann sagen, ui ich hab ne starke Hand wenn er eine schwache Hand hat oder aber wenn er tatsächlich Kings hält. Die unzähligen versehentlichen Gestiken und Bewegungen zu unterdrücken, ist für die meisten Spieler jedoch kaum zu schaffen.
Ganz anders aber ist das beim Onlinespiel. Hier kann jeder Tell zu 100 % imitiert oder vermieden werden. Einige Leute sagen, man solle die Wartezeit vor Aktionen zufällig variieren, andere sagen, man solle schlicht immer etwa die gleiche Zeit in Anspruch nehmen. Fakt ist, wenn man will, kann man sich aussuchen, ob man Tells gibt oder eben nicht und ab einer gewissen Spielstärke sind sich die meisten Onlinespieler dieser Tatsache durchaus bewusst.
Oft ist die Leistung dabei, einzuschätzen, auf welchem Level des Denkens sich der Gegner befindet und auf welchem Level der Gegner einen selbst vermutet. Soll man seine starke Hand stark spielen, weil sie stark ist. Sollte man sie schwach spielen um die Gegner in die Irre zu führen, oder sollte man sie doch lieber stark spielen, weil der Gegner bei einer starken Hand ein schwaches Spiel erwarten würde.
Im No Limit Spiel reichen diese Überlegungen oft tiefer als im Fixed limit, denn oft fehlt es hier an Zeit sich über Sinn und Unsinn der Wettgeschwindigkeit im Klaren zu werden.
Einige Spieler legen sich bestimmte Aktionen, z.B. Bet auf eine Taste, um bei Gelegenheit besonders Schnell zu agieren und so eine Instantaktion auszuführen und den Gegner mit falschen Informationen zu versorgen. Andere Spieler versuchen auch auf höheren Limits sich möglichst wenig mit dem Thema zu befassen, da das Analysieren der verschiedenen Denklevel ihrer Meinung nach schlicht in Zufallsprodukten endet.
Folgende Überlegung sollte die Problematik verdeutlichen: Wenn wir von einem relativ guten middle Limit Spieler einen Tell bekommen, den wir auf irgendeine Weise zu unserem Vorteil nutzen können, warum hat der Spieler den Tell dann gegeben, wo er doch weiß wie er ihn hätte vermeiden können?
Verlässt man sich im Online Spiel auf Tells, so wird es sicher Hände geben, die leichter und offensichtlicher zu spielen sein werden, andere werden jedoch unter Umständen umso teurer sein. Im Gegensatz Zur Aussage des Films Rounders kann man nur ganz selten klare und zuverlässige Schlüsse daraus ziehen, wie jemand einen Keks bricht oder mit welcher Geschwindigkeit er seine Tasten anklickt.

 

4. - 6. PLatz: fry3

Definition

tell [tel] (poker) ausplaudern, verraten

Ein Tell gibt Aufschluss darüber wie stark oder schwach ein Gegner bzw. seine aktuelle Hand ist. Im Vergleich zum realen Pokerspiel fehlt im Online-Cardroom die optische Wahrnehmung der Gestik und des Verhaltens eines Mitspielers. Auf den ersten Blick scheint dies ein Vorteil für unerfahrene Spieler zu sein, da sie wohl bei einem gefloppten Full-House ihre Euphorie und bei einer schwachen Hand ihre Angst den Pot zu verlieren nicht vor dem Gegner verstecken müssen.

Dass es online sehr wohl Möglichkeiten gibt, Schwäche bzw. Stärke des Gegners zu entlarven und, wenn auch nur in geringem Maße, eigene Schwäche bzw. Stärke vorzutäuschen, werden die folgenden Punkte zeigen.
Wir werden sehen, dass auch online jeder ein „Gesicht“ und „Charakter“ hat.

Vorbemerkung

Tells sind nur Verallgemeinerung. Dies bedeutet, dass (schwache) Gegner meistens ihren Tells treu bleiben, aber auch sie lernen dazu. Deshalb sollten die meisten Tells nur ein weiteres Kriterium zur Einschätzung der (momentanen) Stärke eines Gegners sein, da ihr Gewicht gegenüber handfesten Kriterien nur marginal ist. Benutzt man ein Analyse-Programm, sind lediglich die in-Game Tells interessant, evtl. lassen sich hier auch Gegensätze zwischen Darstellung und den 'inneren' Werten eines Gegners erkennen.
Bei vielen der hier vorgestellten Tells besteht die Möglichkeit, durch bewussten Einsatz den Gegner zu täuschen. Allerdings ist dies meist nur gegen schwache Gegner erfolgreich und eher von kurzer Dauer, da die eigene Spielstärke von erfahrenen Gegnern anhand anderer Faktoren (VPIP etc.) gemessen wird. Man sollte seine Zeit also lieber mit Lernen verbringen, damit man nicht auf solche 'Tricks' angewiesen ist. Des Weiteren sind viele Tells nur mit dem Risiko einsetzbar, die eigene EV auf lange Sicht zu verschlechtern. Dies gilt im Prinzip für alle Aktionen, die mit dem Einsatz von Geld zu tun haben (siehe .in-Game) und wurde schon in diversen Threads im Forum diskutiert.

Globale Tells

Richten wir unseren Blick zunächst auf das Erscheinungsbild unseres Gegners, das uns einen ersten Eindruck ermöglicht, ohne dass wir gegen ihn gespielt haben. Da im Micro-Limit fast ausschließlich ohne Analyse-Programe gespielt wird, spielt die Auffälligkeit des Gegners eine große Rolle, da man ihn dadurch besser im Gedächtnis behält. Dies gilt sowohl für gute als auch schlechte Gegner und außerdem auch für uns selbst. Wer also nicht direkt jeden (schlechteren) Gegner vom Tisch verjagen will, sollte sich unauffällig verhalten.

· Nickname
Jeder Spieler hat ihn, aber nach welchen Kriterien hat er ihn gewählt?

Ein paar Beispiele:
Man nannte sich schon immer so im Internet
Benutzt man denselben Nickname, den man schon in 37 Foren in den letzten 5 Jahren registriert hat, so ist es mit mehr oder weniger Aufwand möglich das Internet danach zu durchforsten. Stößt man dabei auf einen bekannten Online-Gamer muss man sich eigentlich nur noch eine Frage beantworten:
Zocker oder cooler Stratege? 😉

Gut, ich gebe zu, dass dies schon einen Hauch von 'social hacking' hat, aber dennoch kann es Aufschluss über die Gegnerstärke geben.

Irgendetwas mit 'fish'
Bereits nach den ersten Seiten jedes Einsteiger-Pokerbuchs weiß man, was ein 'fish' ist. Wieso stellt sich der Gegner dann als solcher dar?
Hat er im Lotto gewonnen und verteilt jetzt wahllos sein Geld? Wahrscheinlich ist eher das Gegenteil der Fall. Entweder will er Gegnern suggerieren, dass er ein 'fish' ist, damit man gegen ihn länger in der Hand bleibt und auf seine schlechten Karten hofft. Da dies sehr plump wäre, ist es eher die Absicht, den stärkeren Gegnern zu sagen: 'Ich weiß, was ein Fisch ist! Da ich keiner sein will, foldet schnell Eure besseren Karten, wenn ich spiele.'
Wer also würde sich so nennen?
Absolute Anfänger und Profis scheiden aus, da die einen zumeist eben ein solcher sind und die Profis aufgrund des vorhandenen (!) skills nicht genötigt sind, dem Gegner Gefährlichkeit vorzutäuschen.

Vortäuschung falscher Tatsachen
Ich möchte hier in kein(st)er Weise den Skill unserer weiblichen Mitspieler bezweifeln, ganz im Gegenteil, aber jeder hat ihn schon gesehen, den Gegner mit dem unwiderstehlichen weiblichen Nickname. Assoziiert man da nicht sofort die (vermeintliche) Diskrepanz zwischen Schönheit und Intelligenz? Wenn man sich dadurch zu einer loosen Spielweise verleiten lässt, weil man den Gegner unterschätzt, sollte man anfangen nachzudenken. Würde sich Fräulein P**** H***** öffentlich als Dummchen darstellen, wenn sie kein Geld damit verdienen würde? Liegt hier also eine Beeinflussung der männlichen Mitspieler vor, die das Ausschalten des Gehirns beabsichtigt? Möglich ist es.
Ebenfalls mehr Schein als Sein täuschen Namen vor, die den besten Pokerspieler aller Zeiten darstellen (z.B. Ace-Killer). Spielt derjenige aber nicht entsprechend gut, merkt man sich den Namen schnell, weil er das Gegenteil bedeutet.
Natürlich kann sich am anderen Ende auch das befinden, wonach sich der Name anhört, letztendlich muss man entscheiden, wie übertrieben der Nickname gewählt wurde.

Unlesbar oder 'das kenne ich doch'
Ewig lange und nicht aussprechbare Namen (z.B. oidfzrtzqwuzasjhsgdzwuq) oder französische Luxus-Marken haben einen erhöhten Wiedererkennungswert. Auch Fische merken sich, gegen wen sie viel verloren haben und flüchten evtl. vom Tisch, wenn der Hai wieder da ist.
Um selber möglichst unauffällig zu sein, würde sich der Allerweltsname empfehlen, alternativ wäre theoretisch auch das Ändern des Nickname von Zeit zu Zeit denkbar.

· Bild
Diverse Poker-Sites stellen die Möglichkeit eines persönlichen Avatars zur Verfügung. Eine Schwäche des Gegners lässt sich hier höchstens in Kombination mit seinem Nickname erkennen (siehe Vortäuschung). Auf jeden Fall aber steigt der Wiedererkennungswert des Gegners, da die meisten Menschen visuell stärker ausgeprägt sind als auditiv. Ein Bild bleibt demnach stärker in Erinnerung als der Klang eines Nickname. Ein Wechseln des Avatars erschwert dies natürlich bzw. stiftet Verwirrung.
Ist man anfällig gegen Ablenkung, sollte man versuchen, die Avatare ausblenden zu lassen, damit man sich voll und ganz auf das Spiel konzentrieren kann.

· spielen an mehreren Tischen
Spielt ein Gegner an mehreren Tischen gleichzeitig, so kann man davon ausgehen, dass er kein absoluter Anfänger sein wird. Ab drei Tischen kann man auch von einer gewissen Erfahrung und Spielstärke ausgehen. Je mehr Tische er jedoch gleichzeitig spielt (Sit-Out gilt nicht), desto geringer ist seine Aufmerksamkeit für jeden einzelnen. Die Hand, die er spielt, wird er mehr oder weniger aufmerksam spielen. Hat er aber gefoldet oder setzt aus, so wird seine Aufmerksamkeit gegen Null tendieren, so dass er nur langsam zu einer Einschätzung der Gegner in der Lage ist.

· Bankroll am Tisch bzw. insgesamt
Anhand der Bankroll lässt sich ein Gegner ebenfalls einschätzen. Sollte er mit knapp 12BB oder weniger an einem Tisch sitzen und keine Chips nachkaufen, so ist er höchstwahrscheinlich nicht von ps.de (oder noch nicht zum Bankrollmanagement vorgedrungen ;-)) und im Allgemeinen auch kein guter Spieler, da er sich bei einer entsprechenden Hand die eigene EV bei einem All-In beschneidet und auch seine Hand nicht protecten kann. Im Micro-Limit ist dies evtl. vernachlässigbar, da dort nicht so viel geraist wird.
Gegner, die kurz vor einem All-In stehen, tendieren außerdem oft dazu, kurz bevor die Blinds zu Ihnen kommen, und ein All-In erzwingen, mit einer halbwegs guten Hand alles zu riskieren. Starke Schwankungen der Bankroll in kurzer Zeit lassen auf einen loose agressiven Gegner schließen.

Spielt ein Gegner mit einer weit überdurchschnittlichen Bankroll am Tisch, hat er entweder zum ersten Mal eingezahlt und will voll einsteigen... 😉 Oder will vielleicht die Fische verängstigen, weil er Vegetarier ist. Vielleicht aber auch nur mal Maniac im 0.02/0.04 ct Limit spielen. Durch eine unverhältnismäßig hohe Bankroll steigt auf jeden Fall der Wiedererkennungswert.
Ist ein Gegner mit einer vergleichbaren (hohen) Bankroll an mehreren Tischen gleichzeitig, spricht es für einen eher tighten und dadurch auch wieder etwas berechenbaren Gegner.

· Frequenz
Gegner, die nur zum Zeitvertreib spielen, wird man wohl nicht jeden Tag von morgens bis abends antreffen. Diese Gegner müssen auf Dauer gut spielen können (um so besser, je höher das Limit). Man kann mit weniger Bad Beats und einem eher tighten Spieler rechnen.

· Chat - Lobby
Nicht bei allen Poker-Sites gibt es einen Chat in der Lobby, aber falls ja trifft man dort häufig auf interessante Konversationen. Manch einer verrät seine Taktik, andere prahlen, schimpfen oder schreiben einfach nur Müll. Wie auch immer, manch einem (bekannten Gegner) kann man vielleicht seine Taktik entlocken und bei anderen auf den Blutalkoholgehalt schließen.

· Land
Woher kommen die Gegner? Das ist hier im Forum anscheinend ein beliebtes Kriterium zur Auswahl des Table im Micro-Limit. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander. Bevorzugen die einen eher Tische mit Amerikanern, die angeblich immer in Feierlaune spielen, so suchen andere Tische mit vielen ps.de-lern. Da wir hier aber nicht bei der Table Selection sind, zurück zu den Tells. Beantworten kann man nach ein paar Händen des deutschsprachigen (und bald auch südafrikanischen?) Gegners meistens die Frage, ob er nach shc spielt. Das würde ihn ggf. etwas berechenbarer machen. Und Vorurteile stimmen außerdem nicht immer...

in-Game Tells

Das Verhalten des Gegners während eines Spiels hat mit einer Ausnahme, dem Chat, ausschließlich mit der Geschwindigkeit zu tun, mit der er den check/call/bet/raise/fold-Button drückt. Ist unser Read des Tells korrekt, wirkt es sich direkt auf unsere Bankroll aus, da wir jetzt mehr oder kein Geld in den Pot geben.

· Sit-In
Im Micro-Limit, evtl. auch noch im Low-Limit, gibt der Einstiegszeitpunkt eines Gegners am Tisch über seine Spielweise Auskunft. Wie im Blind-Posting Artikel beschrieben, ist der Einstieg auf den Positionen MP3 bis UTG negativ für die EV. Dort steigen demnach größtenteils Maniacs oder Anfänger ein, die es eben nicht besser wissen, was auch auf schlechtes Spiel in anderen Situationen schließen lässt. In höheren Limits wird der Einstieg kurz vor dem Big Blind auch benutzt, um sich ein Table Image als Maniac zu verschaffen und die eigene tighte Spielweise zu verschleiern.

· Chat
Wie auch beim Chat in der Lobby, gibt es während des Spiels verschiedene Gründe, warum Gegner chatten. Sei es, weil ihnen langweilig ist, sie ihre Gegner verwirren, oder beschimpfen wollen, andere belehren, täuschen oder auf spanisch mit einem anderen ihre Hände austauschen, ein guter Spieler hat sich unter Kontrolle und eigentlich besseres zu tun. Daher beschränkt er sich auch bei einem Bad Beat auf ein 'nh' im Chat. Ausschalten sollte man den Chat nicht, da man oft auf den Gemütszustand oder auch den Blutalkoholgehalt des Gegners schließen kann.
Schimpft er, weil er wiederholt einen Bad Beat oder mehrere BB im Pot verloren hat, kann es gut sein, dass er bei seinen nächsten (mittelmäßigen) Händen mit aller Gewalt versucht, die anderen aus der Hand zu betten und raisen. Alkoholisierte Spieler wiederum erkennen oft nicht ihre Second-best Hand und callen alles runter.
Es passiert auch, dass ein Gegner im Chat seine Hand verrät bzw. vorgibt dies zu tun. In den meisten Fällen will er damit nur alle zum folden bringen, weil er nichts getroffen hat. Spielt man allerdings gegen Scotty Nguyen ist es wohl doch besser zu folden. 😉
Wenn man sich gar nicht sicher ist, was der Gegner damit bezweckt, muss man es ignorieren und weiter nach Pot-Odds spielen.
Spätestens, wenn sich zwei Gegner in einer Fremdsprache unterhalten, sollte man den Tisch wechseln, sofern man nicht sicher ist, dass sie sich nicht über ihre Hände unterhalten.

· Timeout
Erreicht ein Gegner das Timeout, kann man davon ausgehen, dass er mit anderen Dingen beschäftigt ist und seine Aufmerksamkeit nicht die beste ist. Vielleicht spielt er an mehreren Tischen gleichzeitig oder ist anderweitig abgelenkt. Viele Gegner spielen nebenbei im Büro, schauen fern, kochen etc. und sind stark abgelenkt.

· Spielgeschwindigkeit
Prinzipiell gibt es bei allen Poker-Sites die Möglichkeit, den nächsten Move im Voraus zu wählen. Von dieser Möglichkeit sollte man keinen Gebrauch machen, es sei denn man möchte auf jeden Fall folden. Dadurch lässt sich einfach Zeit sparen, man bekommt schneller die nächste Hand und ärgert die Gegner nicht durch ewiges Warten bis man endlich foldet. Durch alle anderen vorausgewählten Moves verrät man in der Regel zu viel über die Stärke bzw. Schwäche seiner Hand. Besser ist es, immer in derselben Geschwindigkeit zu handeln, wodurch man evtl. den Gegner durch ein plötzlich langsameres oder schnelleres klicken beeinflussen kann. Alternativ kann man die eigene Reaktionsgeschwindigkeit abhängig vom Sitzplatz am Tisch machen, um dem Gegner keine Möglichkeit eines Reads zu geben.

Die nachfolgenden Beispiele können einen Hinweis geben, der lediglich durch den Zeitpunkt des Handelns unabhängig von der Handlung (check/call/bet/raise) selbst bestimmt wird, verlieren jedoch bei einem abgelenkten Spieler sehr stark an Bedeutung.

check
Ein check ist im Allgemeinen ein Zeichen für Schwäche, da der Gegner offensichtlich nicht bereit ist, Geld in den Pot zu geben. Bei einer schwachen Hand durchaus vernünftig. Möchte er aber gerne eine Freecard, so wird oft versucht durch langes 'Nachdenken' über eine bet Stärke vorzutäuschen, damit die anderen durchchecken. Auch ein schneller check ist ein Zeichen für Schwäche, lediglich bei einem folgenden check-raise muss man von einer sehr starken Hand ausgehen. Schnelle checks vor oder hinter der eigenen Position ermöglichen es oft, die Gegner durch eine bet zum folden zu bringen.
Vor allem im Big Blind deutet dies auf eine schwache Starthand hin, da in den meisten Fällen check/fold gewählt wurde.

call
Ein unmittelbarer call nach einer bet deutet auf eine schwache Hand hin. Der Gegner möchte seine Hand nicht aufgeben, aber auch nicht mehr Geld wie nötig in den Pot geben. Oft hat er eine gute Starthand, die sich nicht verbessern konnte, evtl. einen Gutshot (den er entgegen aller Pot-Odds callt), kommt nicht von seiner Hand weg o.ä. In jedem Fall spielt er mit einer beabsichtigten call-only Strategie auf lange Sicht -EV. In Abhängigkeit von der Anzahl der Mitspieler und seiner Position kann sich dies sogar sehr negativ auswirken.

bet
Ein häufiges Schema, wenn es um Verwirrung des Gegners geht, ist, stark zu wirken bei Schwäche und schwach zu wirken bei Stärke. Aus diesem Grund kommt es vor, dass ein Gegner psychologische Umkehrung benutzt. Kurz gesagt, wenn alle denken der Gegner sei schwach, wird gegen seine bet nicht gefoldet, so dass er auch mit einer starken Hand keine Schwäche (check) zeigen muss. Dadurch wären wir wieder bei der eigentlichen Bedeutung einer bet, Stärke. Der Gegner ist bereit, Geld in den Pot zu geben und möchte auch calls haben, um mehr zu gewinnen. Der Wunsch nach calls wird oftmals durch längeres Warten verstärkt, da der Gegner wiederum 'Nachdenken' über check oder bet simuliert und somit seine Hand eher schwach darstellen will.

raise
Ähnlich wie bei einer bet kommt hier die psychologische Umkehrung zum Tragen. Besonders durch einen unmittelbaren raise versucht der Gegner einen Bluff vorzutäuschen und andere in den Pot zu locken. Meistens kann man sich nicht vorstellen, dass der Gegner so schnell raist, wenn er eine starke Hand hält, und geht von einem Bluff aus.

fold
Foldet ein Gegner, obwohl ein check möglich war (ja so etwas gibt es), spricht dies natürlich nicht gerade für fundamentales Wissen.

Manche Poker-Sites bieten eine Übersicht über die durchschnittliche Reaktionsgeschwindigkeit aller Spieler eines Tisches. Dies ist ein guter Anhaltspunkt für die Auswertung der Spielgeschwindigkeit des Gegners bei bestimmten Aktionen, da die Wahrscheinlichkeit einer beabsichtigten Verzögerung bzw. Beschleunigung seiner Reaktion auch die Wahrscheinlichkeit einer Täuschung erhöht.

 

4. - 6. Platz: abel75

Im Gegensatz zum Live-Poker, hat man beim Online-Poker wesentlich weniger Möglichkeiten so genannte Tells zu entdecken. Sie beschränken sich im Wesentlichen auf die Geschwindigkeit mit der jemand eine Aktion tätigt und über den oftmals nicht beachteten Chat. Doch sind auch diese wenigen Informationen mitunter schon eine große Hilfe.

1. Klassische Online-Tells

Vorweg muss gesagt werden, dass die hier aufgeführten Fälle Verallgemeinerungen sind, also im Regelfall passende Tells. Da jeder Mensch aber seine eigene Persönlichkeit hat, kann man die individuellen Tells eines Menschen nur durch Beobachten herausbekommen. Hat man bei einem Spieler abweichende individuelle Tells festgestellt, so sollte man sich nach diesen richten und sie für zukünftige Spiele in den „Player-Notes“ festhalten. Im Optimalfall hat man dann ein kleines Psychogramm des entsprechenden Gegners.
Die unten stehenden Begriffe „schnell“ und „langsam“ meinen, dass der betreffende Spieler schneller oder langsamer agiert, als er es gewöhnlich tut.

„Sofort“-Raises Pre-Flop
Hiermit zeigt euer Gegner eine starke Starthand an, sofern er in middle oder sogar in early position ist. Dies gilt besonders, wenn der Raise über einen Vorauswahl-Button getätigt wurde, also er seinen Raise schon angeklickt hat, bevor er überhaupt dran war. In late position ist dieser Tell weniger klar. Es kann sich hier auch um einen Bluff handeln, besonders wenn der Spieler als erster in der Hand ist.

„Sofort“-Raises nach dem Flop
Sofern noch mehrere Spieler in der Hand sind, hat der Raiser meistens mindestens das Top-Pair oder einen Draw. Je weniger Spieler am Flop noch dabei sind, desto weniger kann man sich darauf aber verlassen. Gerade Heads up wird am Flop auch oft geblufft.

„Sofort“-Raises am Turn
Euer Gegner hat wahrscheinlich eine starke Hand. Manchmal kommt es allerdings auch vor, dass euer Gegner den Turn raist, weil er plant, am River zu checken (free Showdown).

„Sofort“-Raises am River
Euer Gegner sollte über eine äußerst starke Hand verfügen. Hier blufft so gut wie keiner mehr. Viele Hände sind hier „the nuts“ oder nah dran.

„Sofort“-Checks
Ganz schnelle checks, besonders die über den Vorauswahl-Button (Check/Fold) getätigten, signalisieren eine schwache Hand. Hat man nur noch einen oder zwei solcher Gegner, kann ein Bluff lohnend sein.

Schneller Check, dann Raise
Mit dem schnellen checken möchte euer Gegner euch in die Hand locken. Hat das funktioniert, dann zeigt der Raise, dass euer Gegner eine sehr starke Hand hat. Heads up am Flop gilt das allerdings häufig nicht. Hier ist es auch gut möglich, dass der Gegner glaubt, dass man selber blufft und er mit dem Raise testen will, ob er Recht hat oder nicht.

Langes Nachdenken, dann Raise
Das lange Nachdenken soll grübeln signalisieren, also Schwäche. Der Spieler hofft, dadurch seine Mitspieler zum Callen zu bewegen. In Wirklichkeit hat euer Gegner wahrscheinlich ein sehr gutes Blatt.

Langes Nachdenken, dann Check
Hier soll das lange Nachdenken signalisieren, das euer Gegner überlegt zu betten, also Stärke. Er hofft also darauf, dass es kein anderer wagt eine Bet abzugeben. Oft hat der Checker aber wenig bis nichts auf der Hand.

Schneller Call bei Flush- oder Straight-Möglichkeit
Hier hat der Caller oft einen Flush-Draw oder einen (open-ended) Straight-Draw. Bei der Vielzahl an Outs lohnt sich ein Call für diese Spieler meistens. Deshalb erfolgt er auch recht schnell.

Callingstation denkt viel nach und callt.
Hier macht jemand seinem Spitznamen wieder alle Ehre. Er überlegt, ob er wirklich noch mitgehen sollte, weil er keine so gute Hand hat. Hat man selber eine gute Hand sollten weitere Bets den Profit steigern.

Häufige Erhöhungen Pre-Flop, nach dem Flop oft Fold
Hier ist ein Spieler häufig „on tilt“. Hat man sich den Flop angesehen, so kann ein solcher Gegner oftmals durch eine Bet aus der Hand gedrängt werden.

2. Vorsicht bei Online-Tells

Wie schon erwähnt, sind die hier aufgeführten Beispiele Verallgemeinerungen. Es kann viele Gründe geben, weshalb die Hand des Gegners auch mal genau andersherum sein kann, als oben beschrieben. Hier einige Beispiele:

Falsche Interpretation
Wenn euer Gegner glaubt, dass er eine starke Hand hat, kann er natürlich wirklich eine starke Hand haben. Vielleicht hält er seine Hand aber auch nur für stark, sie ist es aber in Wirklichkeit nicht (z.B. Top Pair bei einer Flush-Möglichkeit auf dem Board).

Umgekehrte Psychologie
Hat euer Gegner gute Kenntnisse von den Online-Tells und er glaubt, dass man selber diese auch hat, so kann er genau andersherum agieren als oben beschrieben. Er hofft dann, dass man auf den falschen Online-Tell hereinfällt.

Multitabling
Spielt euer Gegner an mehreren Tischen gleichzeitig, so können seine Phasen des längeren Nachdenkens auch als Ursache haben, dass er an den anderen Tischen gerade beschäftigt ist. Je mehr Tische ein Spieler gleichzeitig spielt, desto weniger Aussagekraft haben die oben genannten Online-Tells.

3. Der Chat
Da ein Teil der Spieler während des Spiels auch chatted, kann man hier ebenfalls Informationen über die Gegner, besonders über ihren Gemütszustand bekommen.

Fragen
Mitunter fragt ein Spieler mal seine Mitspieler, ob er eine bestimmte Situation richtig gespielt hat. Man selbst weiß jetzt, was er zumindest nicht weiß. Wahrscheinlich ist er sich in ähnlichen Spielsituationen ebenfalls nicht sicher.

Antworten auf Fragen
Einige andere Spieler sind dann so nett und beantworten die gestellten Fragen. An der Antwort kann man sehen, wie es um den Wissensstand des Antwortenden bestellt ist, vorausgesetzt er antwortet wahrheitsgemäß. Auch hier kann man die eine oder andere Wissenslücke entdecken.

Behauptungen
Wieder andere geben mal die eine oder andere Behauptung von sich. Einige Behauptungen sind so abenteuerlich, dass man keine paarhundert Hände abwarten muss, um einen Spieler als „schwach“ zu identifizieren. Er klebt sich praktisch einen Zettel auf die Stirn.

Unmutsäußerungen
Jemand der einige Bad Beats eingesteckt hat, beklagt sich beispielsweise über das launische Kartenglück. Dieser Spieler befindet sich eventuell bereits in einem Tilt-Zustand oder ist auf dem besten Wege dahin. Das gilt noch nicht so stark, wenn einer einmal „Mist“ sagt nach einer verlorenen Hand. Doch wenn jemand fragt, ob mit den Karten was nicht stimmt, weil er bisher nur 3 % der Hände gewonnen hat über einen Zeitraum von 2 Stunden, dann geht demjenigen das meistens nicht mehr so gut.

Beleidigungen
Jemand der andere Spieler (grundlos) beleidigt, ist wahrscheinlich ebenfalls schon in einem Tilt-Zustand. Doch selbst wenn nicht. Emotionale Stabilität sieht sicher anders aus. Ein ausgeglichener Mensch hat das nicht nötig. Vielleicht dreht so jemand nach ein oder zwei (weiteren) Bad-Beats am Tisch total durch.

Kritisierungen
Mitunter kommt es vor, dass ein Spieler die angeblich falsche Spielweise seiner Mitspieler kritisiert. Ist diese Kritik falsch, so weiß man wieder, dass hier jemand keine Ahnung hat. Doch selbst wenn die Kritik berechtigt ist, so muss man sich fragen weshalb er das tut. Denn es ist ja nur zu seinem Vorteil, wenn seine Gegner verkehrt spielen. Manchmal ist das einfach nur nett gemeint, weil er den anderen Spieler vielleicht gut kennt. Oft steckt aber auch ein gewisses Geltungsbedürfnis dahinter, nach dem Motto: Ich kann es besser als du! Man kann das unter anderem daran erkennen, wie jemand etwas sagt. Sollte Geltungssucht dahinter stecken, so weiß man, dass auch dieser Mensch nicht so stabil ist. Wer weiß, wie der einen Bad-Beat verkraftet.

Aufforderungen
Mitunter fordert jemand, der eine Bet abgegeben hat, seinen Gegner zu einer bestimmten Handlung auf. Er schreibt z.B. „Call!“ und will damit eine starke Hand anzeigen. Frei übersetzt heißt das aber häufig so viel wie „bitte call nicht, da ich eine schwache Hand habe.“ Wie dem auch sei, kommt es zum Showdown, dann kann man genau sehen wie viel hinter seiner Aufforderung steckt. Wenn man sich das notiert, dann weiß man beim nächsten Mal (vielleicht eine Woche später) noch viel besser, wie man auf seine Aufforderung reagieren soll.

Geschwätzigkeit
Meistens sind es einige wenige Spieler, die viel chatten während des Spiels. Man kann Rückschlüsse daraus ziehen, an wie vielen Tischen jemand gleichzeitig spielt. Dies ist interessant wenn euer Gegner die „hide me from search“-Funktion aktiviert hat. Denn an je weniger Tischen jemand spielt, desto mehr Zuverlässigkeit haben die oben beschriebenen Online-Tells. Schreibt jemand ganze Romane im Chat, so wird er kaum an 8 Tischen sitzen.

FAZIT

Man sollte, um sein Spiel noch profitabler zu gestalten, die Online-Tells auf jeden Fall kennen und bei seinen Entscheidungen mit berücksichtigen. Ferner sollte man darauf achten, dass man selber keine Online-Tells verkündet oder man sollte so agieren, dass die Gegner einen nicht durchschauen, also mit variablen Geschwindigkeiten spielen. Beim Chat sollte man sich ebenfalls genau überlegen was man schreibt.

 

4. - 6. Platz: Rolo23

Einleitung

Wer schon einmal Live Poker im Casino oder mit Freunden privat gespielt hat, wird die Bedeutung vom Lesen der Gegner kennen. Man beachtet bei seinen Entscheidungen nicht nur die Betsequenzen, sondern schaut sich genau das Verhalten seiner Mitspieler an. Ein verräterisches Grinsen oder ein nervöses Zucken kann die gegnerische Hand unter Umständen in der Art preisgeben, dass man sie in eine der Kategorien Stark, Mittel, Schwach einordnen kann. Man schaut sich seine Gegner an: Verändert sich die Stimmlage? Sucht er Augenkontakt oder vermeidet er ihn? Redet er viel oder sagt er auf einmal kein Wort mehr? Was hat er für einen Gesichtsausdruck? Das Studieren der Eigenheiten seiner Mitspieler kann durchaus hilfreich und lukrativ sein. Man muss sich dabei auf jeden Spieler einzeln einstellen, denn bei 2 verschiedenen Spielertypen kann ein bestimmter Tell eine ganz andere Hand zur Folge haben, so kann beispielsweise ein Grinsen bei Person A „Monster“ heißen und bei Person B „Bluff“. So spielen dann auch live einige Profis im klassischen Pokerlook mit Sonnenbrille und Mütze, um möglichst schwer zu beobachten zu sein. (Nur nebenbei, weil dies nicht Thema dieses Artikels ist:Auf Mike Caro’s Seite gibt es ein paar nette Videos, die ein paar Hilfestellungen zu Live Tells geben, hier der Link: http://www.poker1.com/mcu/mculib_video.asp )

Was hilft einem das Ganze nun im Online Poker? Die Antwort lautet: Gar Nichts! Da man die Gegner nicht sehen kann, kann man außer der Betsequenz im Normalfall nur eine andere Komponente bewerten: Die Geschwindigkeit, mit der die Aktionen der Gegner ausgeführt werden. Aus ihr kann man allerdings Vermutungen über die Hände der Gegner anstellen. Dies ist besonders wichtig, wenn man selbst Karten hält, die man als mittelgut einschätzt, denn deren Wert hängt natürlich viel stärker von den Händen der Gegner ab, als wenn man die Nuts hält oder völligen Müll.

Der größte Unterschied in der Geschwindigkeit ist sicherlich sichtbar, wenn ein Spieler seinen Move schon festlegt, bevor er dran ist, indem er das entsprechende Kästchen anklickt(zum Beispiel: „raise any“, „check/call any“, „call 0,50“...). Dann wird die entsprechende Aktion sofort ausgeführt, sofern sie möglich ist. Dies bezeichnet man als instant call, instant check usw. Das Intervall von der sofortigen Antwort bis zum langen Nachdenken und kompletten Ausnutzen der Zeit ist daher recht groß und Unterschiede sind sehr gut beobachtbar.

Was für Schlüsse kann ich ziehen?

Bevor ich zu den Tells komme, die sich aus der Geschwindigkeit der Aktionen der Gegner ablesen lassen, ein paar Worte zu ein paar anderen Beobachtungen. Ignoriere die Nicknames der Mitspieler! „Bluffer05“ ist nicht unbedingt ein Bluffer, „Sharky“ ist vielleicht ein schlechter Spieler, „Imafish“ dagegen möglicherweise ein starker Spieler und für „Callingstation99“ gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht Nomen est Omen. Die Wahl des Namens kann viele Gründe haben, viele Spieler werden tatsächlich versuchen, dadurch ein falsches Signal über ihre vermeintliche Spielweise zu senden. Hier gilt: Nicht davon beeindrucken lassen, den Spieler beobachten und Daten sammeln(zb mit Pokertracker, Player Notes editieren), wenn man ihn irgendwie einstufen will!

Wenn du den Chat eingeschaltet hast, so beobachte ihn! Hier kann man eine Analogie zum Live Poker ziehen: Ein Spieler, der die ganze Zeit ruhig war, bettet in einer Hand agressiv und fängt auf einmal an zu labern. Das bedeutet normalerweise ein sehr gutes Blatt. Spieler mit schwachen Händen versuchen normalerweise sich nicht zu verraten. Wenn ein Gegner all in geht und plötzlich im Chat ein „come on, I am bluffing“ erscheint, während vorher von ihm nichts zu hören war, so sitzt man wahrscheinlich einer starken Hand gegenüber. Ähnlich ist es auch im umgekehrten Fall bei einem Spieler der plötzlich ganz still wird, sowohl im Live Poker als auch im Internet; wobei man hierbei sehr vorsichtig sein muss, da es auch andere Gründe im Internetpoker für die plötzliche Funkstille geben kann.

Nun zu den Tells, die man aus der Geschwindigkeit der Aktionen der Mitspieler ablesen kann, und wie man darauf reagiert:

a) Man bettet und wird sofort gecallt: Die meisten Spieler, die einen instant call machen, haben eine schwache Hand zum runtercallen. Warum callen sie sofort? Was wollen sie damit erreichen? Nun, durch den instant call versuchen sie Stärke zu repräsentieren und wollen damit verhindern, dass man in einer der späteren Wettrunden noch einmal einen bet macht, damit sie möglichst billig davon kommen.

>die nächste Handlung sollte also wieder eine bet sein, um den Absichten des Instant-Callers nicht entgegenzukommen!

b) Der Gegner zögert lange und checked dann: Im Normalfall sind die Absichten dieses Gegners die gleichen wie bei a). Er möchte einen dazu zu verleiten, nicht zu betten. Dadurch, dass er lange überlegt, bevor er checked, signalisiert er, dass er sich überlegt hat, selbst zu betten, also eine Hand zu haben, die eine bet Wert ist. Dadurch zeigt er Stärke und möchte dies ausnutzen, die nächste Karte umsonst zu sehen.

>bet, damit er eben keine free card bekommt!

c) Der Gegner zögert lange und bettet dann: Dieser Gegner hat meistens eine starke Hand. Durch sein langes Überlegen signalisiert er, dass er es sich ernsthaft überlegt, zu betten. Wenn er es sich ernsthaft überlegen müsste, hätte er eine Hand, die nicht allzu stark ist, da bei einer starken Hand eine bet normalerweise auf der Hand liegt, wenn man nicht gerade ein slowplay startet. Er möchte also, dass man seine Hand für schwach hält und entweder callt oder sogar raised.

>folden!Es sei denn natürlich, man hält selbst gerade eine starke Hand.

d) Du bettest und dein Gegner raised dich sofort: Dieser Spieler hat sehr wahrscheinlich eine ganz starke Hand. Er ist so in Ekstase über seine Monster-Hand, dass er gleich einmal den bet/raise-Button angeklickt hat. Gegen diese Hand muss man natürlich sehr vorsichtig sein. Hier ist es natürlich auch wichtig, zu wissen, welcher Spielertyp sein Gegner ist. Bei einem Maniac/Bluffer ist dieser Move nicht so stark zu bewerten wie bei einem Rock. Aber bei dem Durchschnittsspieler ist es ein Signal für eine sehr starke Hand.

>Wenn man nicht gerade ebenso eine starke Hand hat, ist folden angebracht, bzw check/call bei einigermaßen guten Händen!

e) Der Gegner checked sofort: Ein solcher Gegner ist vor allem in late position meistens nicht zu fürchten. Er wird höchstwahrscheinlich den check/fold-Button angeklickt haben, um sich damit Zeit zu sparen, womöglich fürs Multitabling, um sich auf die anderen Tische zu konzentrieren. Manchmal ist allerdings Vorsicht vor Slowplay geboten, denn wenn die anderen einen für einen solchen check-folder halten, kann man dies eventuell später zu seinem Vorteil ausnutzen. In den allermeisten Fällen kann der instant check allerdings als schwache Hand interpretiert werden.

>betten, um sich den Pot zu holen!

Ganz wichtig: Es kommt nicht nur darauf an, die Gegner zu beobachten und daraus seine Schlüsse zu ziehen. Man selber möchte von sich und seinen Karten ja auch möglichst wenig preisgeben. Im Optimalfall habe ich ein sehr gutes Gefühl für die Karten meiner Gegner und sie kein gutes für meine Karten. Worauf muss ich also achten? Ich möchte nicht zu viel verraten, und da die Gegner sich auch an der Geschwindigkeit meiner Handlungen orientieren, versuche ich immer etwa die gleiche Zeit verstreichen zu lassen, bis ich meine Aktion mache. Dadurch gebe ich eben keine Tells, denn wie gut meine Karten auch sein mögen, das Zeitintervall das vergeht, bis ich bette/checke... ist immer gleich. Beispiel: Ich versuche einen Bluff und werde zu meinem Pech gereraised. Wenn ich jetzt augenblicklich folde, wissen alle am Tisch, dass ich soeben geblufft habe. Warum sollte ich das preisgeben? Normalerweise möchte ich möglichst wenig preisgeben, es sei denn ich möchte mir in dem Falle zb ein Tableimage als Bluffer aufbauen. Also lasse ich das übliche Intervall (vielleicht in dem Falle sogar etwas länger) verstreichen und folde erst dann.
Weniger wichtig ist dieser Aspekt, wenn man preflop foldet, denn dann weiß sowieso eigentlich jeder, dass man eine Trash-Hand hat, die nicht spielbar ist. Wenn man allerdings in den Blinds sitzt und auf eine Raise zu folden beabsichtigt, sollte man nicht sofort folden, denn dies könnte spätere Versuche zum blind stealing nach sich ziehen. Da sollte man das übliche Intervall verstreichen lassen und hat damit signalisiert, dass man die Blinds das nächste Mal womöglich nicht einfach so hergibt.

Fazit

Es wurden jetzt einige Hilfestellungen anhand der beschriebenen Situationen gegeben. Der Leser kann vielleicht einmal anhand seiner eigenen Erfahrung überprüfen, inwieweit und wie häufig die angestellten Vermutungen korrekt oder hilfreich waren. Eins sollte man allerdings nie vergessen: Die Betsequenz ist ein viel wichtigerer Faktor als mögliche beobachtete Tells. Denn man darf nie vergessen: Der Gegner könnte genau in der Geschwindigkeit gehandelt haben, um einen zu der provozierten Aktion zu verleiten. Außerdem darf man daran erinnern, dass die Geschwindigkeit der Aktionen der Mitspieler auch davon abhängen kann, wie konzentriert er gerade auf den Tisch ist. Wenn er Multitabling betreibt, hängt die Geschwindigkeit seiner Aktionen im Normalfall einfach davon ab, wie beschäftigt er gerade an den anderen Tischen ist. Möglicherweise chattet er auch gerade nebenbei oder schreibt eine E-mail und spielt deshalb gerade etwas langsamer. Umgekehrt spielt er vielleicht gerade besonders schnell, weil er an den anderen Tischen überall schon gefoldet hat und er daher mitten im Geschehen ist.
Ansonsten kann man noch empfehlen, ein bisschen Heads up zu spielen, wo die Bedeutung des Hand Reading ja eine große Rolle einnimmt, um aus den gewonnenen Erfahrungen seine Schlüsse zu ziehen.

7. Platz: FreDee

1 Einführung
Was sind tells?
Offline tells

ONLINE
2 Erkennen fremder tells
Reaktionszeit
Name, Trashalking, Donkbet, tilt
Data Mining
Spielertypen
Muster

3 Vermeiden eigener tells
Selbstsicht
Konventionelles Spielen / table-image
deception

4 Tipps

5 Ressourcen

1. Einführung

Dies ist ein Aufsatz über ein Thema, welches seinen Anspruch auf ein wissenschaftliches Fundament schwerlich verteidigen kann, da wir es hier mit einem rein psychologischen Thema zu tun haben.
So ist dieses Thema trotz alledem nicht minder wichtig - schrieb schon einst (1921) der französische Mathematiker Émile Borel folgendes dazu:
„Die Wahrscheinlichkeitsrechnung kann nur dazu dienen, schlechtes Spiel auszuschließen; darüber hinaus hängt die Kunst des Spielens von der Psychologie und nicht von der Mathematik ab.“

Alsdann bleibt mir zu zeigen, wie diese „Kunst“ - nämlich das „lesen“ der Hände - aussieht.
Einen Künstler kann ich hier selbstverständlich nicht schaffen.
Diese Entwicklung, von einem schlechten "Leser" zu einem guten "Leser", ist ein Prozess aus Erfahrung, Menschenkenntnis und etwas Talent.

Darüber hinaus kann ich hier keine statistisch signifikanten Daten liefern, wie es in anderen - von der Wahrscheinlichkeitstheorie inspirierten - Ausarbeitungen auf www.pokerstrategy.com der Fall ist.
Auch wird das Ergebnis am Ende des Aufsatzes keine Lösung zum „Lesen“ der Hände beinhalten, denn es wurde bereits 1961 gezeigt, dass es unmöglich ist eine ideale Strategie zu entwickeln, um die Hand des Gegners zu lesen:
„gäbe es eine solche Strategie, dann würden gute Spieler diese Theorie kennen ...“ so Von Neumann und Morgenstern im Buch “Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten“.

Was sind tells?
Angewohnheiten, Blicke, Stimmlage, Körpersprache und vieles mehr sind uns eine wichtige Informationsquellen zur Bestimmung der Handrange (die möglichen Blätter die ein Spieler hält).
Meist genügt es, zu „wissen“ wie der Gegner auf „gute“ bzw „schlechte“ Karten reagiert (ScareCards, Volltreffer etc.)
Deuten wir diese Information falsch, wird uns das viel Geld kosten. Hingegen „lesen“ wir diese Hände richtig, so können wir unseren Gewinn über den einer strategisch korrekten Spielweise steigern.

Offline tells:
Sitzt man mit dem Gegenspieler an einem Tisch und kann Ihn beobachten, so helfen uns zur Entscheidungsfindung tells. Die wohl häufigsten tells entnimmt man dem Setzverhalten:

quick caller - Meist ein deutliches Zeichen für eine draw hand. Hier muss der betreffende Spieler nicht lange über seinen Zug nachdenken.
defensive check - Meist bei schwächeren Händen; (Slowplay!?)
strong bet - Oft ein Zeichen für bluff.
shy call/bet - Stärke

Ferner sagt einem erfahrendem Spieler die Körpersprache und der direkte Augenkontakt etwas über die Qualität des Blattes seines Gegners.
Hier neigen die meisten Spieler bei einem Bluff zu „Posen“.
Aufrechtes Sitzen und Augenkontakt ist als Zeichen der Einschüchterung zu sehen.
Hingegen ist die zaghafte - fast unterwürfige - Anwesenheit eines Konkurrenten auf dem Pott oft ein Zeichen der Stärke.

Das Inspizieren des eigenen stacks nach dem Erscheinen des Flops deutet auf einen starken Treffer hin.
Das deutliche(!) Inspizieren des gegnerischen stacks hingegen wird als „Posen“ und damit als Bluffen (wird gerne von den Chipleader gemacht) identifiziert.

Für Profis - die Kür sozusagen - ist das verwickeln des Gegners in ein Gespräch (Frage nach dem stack oder die Rückfrage nach der getätigten Erhöhung) eine wahre Fundgrube an Informationen.
Die Stimme ist unser größter Feind!
Nur wirkliche Profis schaffen es Ihre Stimme zu manipulieren.
Sprachforscher (Psycholinguisten) zeigten dass ein Zusammenhang zwischen der Stimmlage und dem Wohlbefinden existiert.
Eine tiefe Stimme stellt somit ein Zeichen für Entspanntheit, Gute Gefühle und Freude dar.
Eine hohe Stimme kann als ein Zeichen für eine Stress- bzw. Angstsituation interpretiert werden.
Wer diesen Parkur meistert ist näher an einem Guten als an einem Schlechten Pokerspieler.

Dazu ein Zitat von Richard Nixon:
„Leise und angenehm sprechende Personen halten meist ein gutes Blatt;

ONLINE

Online hat man weit weniger Möglichkeiten sich die Schwächen des Gegners zunutze zu machen. Dafür ist man selbst auch viel schwieriger zu lesen. Man ist Anonym.

2 Erkennen fremder tells:

Reaktionszeit
Die Reaktionszeit (Setzverhalten) ist Offline, an einem Tisch, schon ein sehr, sehr starker tell. Online kann man das nicht 100prozent so übernehmen.
Man kann in der Reaktionszeit nur zum einen ein SCHNELL (quickness to respond) und zum anderen ein LANGSAM (slowness to respond) erkennen.
Beides kann man interpretieren als direkte Reaktion auf die Hand des Mitspielers.
Doch wissen wir nicht, ob der Gegenspieler einfach schnell bedient (automatic play) oder ob er gerade abgelenkt war (TV, multitabling, Web...).

Testen {*1*} konnte man, dass ein Großteil der Spieler, beim Online Poker, sich vom schnellen setzen (76%) dicht gefolgt vom langsamen Setzen (73%) ein Bild von der Hand Ihres Gegners machen.

Auto-Respond ist Online ein deutlicher Löwenschrei.
Wer das Ignoriert wird sicher viel Geld verlieren. Aber auch Bluffen lässt sich mit Automatic Play „perfekt“. Da man dem Gegner nicht den Hauch von Zweifel lässt.

Eine Fehldeutung bei der Reaktionszeit ist natürlich nicht ausgeschlossen und hier möchte ich davon abraten, diese tells als Hauptkriterium bei der Entscheidungsfindung zu nutzen.
Viele Spieler wissen um diese Statistik und spielen Ihre Monster genau darum schon sehr langsam - wohingegen der Bluff sehr oft schnell und aggressiv gespielt wird.

Name, Trashtalk, Donkbet, tilt
Name - Spieler mit dem Namen: „MadDog“ oder „Gambler“ tendieren zu aggresiven loose Spiel wohingegen „TheRock“ auf eine tighte Spielernatur schließen lässt.
Sich von dem Namen des Gegners ein Bild von seinem Blatt zu machen, ist wohl eher in die Sparte der Kaffeesatzleserei zu schreiben.
Dennoch nuten 8% der Onlinespieler den Namen als Kriterium zur Entscheidungsfindung. Faszinierend!

Trashtalk - das chatten - meist wenig sinnbehafteter - Gedanken ist oft ein Zeichen für Konzentrations-/ Geduldsmangel und meist auf den Genuss von Alkoholika zurückzuführen.
Das dies die Hand des Gegners nicht ändert, scheint klar. Doch steigt mit dem Alkoholpegel die Risikofreude.
Dieses kann (und wird in 29% aller Fälle) mit einbezogen werden in die Deutung der Hand des Gegners und zwar in dem Sinne, dass man die Hände des Gegners etwas(!) nach unten transpositioniert.

Donkbet - eine etwas „eselhafte“ Aktion weist meist auf einen schwächeren Gegner hin.
Stärkere Spieler wollen häufig damit Freecards verhindern. Hat man ein gutes Bild vom Gegner so kann man donkbets in Verbindung mit seinem Blatt bringen. Treffer auf den Straßen werden gerne „gedonkbet’ed“.

tilt - Bei wenigen Spielern „spürt“ man - aufgrund der jüngsten Vergangenheit (bad-beat) -dass sie schlechter spielen als ihre Werte aus dem Data Mining vermuten lassen. Dort sollte man seine Daten überdenken und vielleicht etwas angleichen an die aktuelle Situation.

Data Mining
Die wohl stärkste Waffe, die wir haben, um die tells unserer Gegner einzuordnen, ist die Auswertung vergangener Spiele. Die Klassifikation unserer Gegner in Spielertypen lässt Ihre verschiedenen Aktionen an Gewicht gewinnen/einbüßen.
Der vorsichtige Spieler, der erhöht oder mitgeht ist sehr (!) gefährlich. Ein Maniac, der erhöht, folgt nur seinem Standardmuster: Gegner durch Aufgabe in die Knie zwingen.

Spielertypen
Wenn man etwas über den Spielertyp herausfindet, ist der erste Schritt getan, um seine Karten zu „lesen“.
Wir unterscheiden zwischen tight und loose sowie zwischen aggressive und passiv.
Daraus ergeben sich die bekannten 4 Grundmuster, darunter die Callingstation:
Tight Aggressive (TAG)
Loose Aggressive (LAG)
Tight Passiv (Rock)
Loose Passiv

TAG: Hier deutet ein Call Preflop schon fast auf eine draw Hand hin, viel zu sehr mag er das blind-stealing. Ein check/call postflop ist schon fast ein sicheres Indiz für eine schwache Hand bzw. ein unkomplettierter Draw.
Hier sollte man ihm am besten voll zahlen lassen.
Wenn sein draw kommt, lässt er es einen wissen. Hier ist folden meist eine gute Wahl. TAG’s sind recht selektiv in ihren Anfangshänden und können damit mit scare-boards kaum umgehen und folden schnell.

LAG: Trennt sich gerne und viel von Gewinnerhänden. Frühes callen/checken sollte man mit raisen beantworten.

Rock: Jeder Bet/Raise sollte hier als sehr starke Hand (Monster) gewertet werden. Ein Rock hasst es Geld zu verschenken. Er ist eigentlich kein Spielertyp und spielt damit nur Hände, die ihm gefallen und womit man auch überdurchschnittlich oft gewinnt. Gegen einen Rock spielt man am besten nach dem Prinzip ausweichen oder bluffen.

Maniac: Die Hände von Maniacs zu lesen, ist naturgemäß schwer, da sie wirklich alle Karten spielen, denen sie in Ihrer momentanen Gefühlslage eine Chance einräumen.
Dann sind sie sich nicht zu fein eine 72o-Hand zu spielen als wäre sie Gold.
Maniacs, die zum Ende hin ruhiger werden, haben meist gar nichts auf der Hand und da ist wohl die einzige Chance diese Spieler zu bluffen. Mit mittelstarken Händen lohnt sich hier oft ein Calldown.

Callingstation:
CS sind bereit auf jeder Straße den „normal nötigen“ Betrag von 1SB bzw. 1BB zu „zahlen“.
Sie sehen das als Kosten, die man nicht umgehen kann – Fold ist meist keine Option.
Im Full Ring kann man Sie durch „Doppelkosten“ sprich reraise zur Aufgabe bzw. zu einer Aussage Ihrer Hände „zwingen“.
Im Heads Up hat man so gut wie keine Möglichkeiten die Hand des Gegners zu lesen, da hier bei Guten wie bei Schlechten Händen ausschließlich gecallt wird und damit keine reads möglich sind.
Als Resultat steht damit:
Da Ihre Aktionen im Spiel bei jeder Situation immer die Gleiche ist fällt es einen schwer - bzw. man kann es förmlich vergessen - diese Spieler zu lesen.
Ihr Problem ist, dass Sie auf Ihre Guten Blätter kein Value bekommen und auf Ihre Schlechten Blätter immer draufzahlen.
Man sollte nicht versuchen gegen CS tricky zu spielen (slowplay, c/r…). Das geht sicher nach Hinten los.
Somit sollte man sich bei jedem „besseren“ Blatt einfach die CS zu nutze machen und mit Ihnen bis zum River spielen. Meist gehen Sie dann beim River, wenn all Ihre „Möglichkeiten“ ausgeschöpft sind.
Wenn sie einem dann nach 4 Straßen passiven Callens zwei Asse zeigen – frei nach Bobby McFarrin: Don’t worry be happy!

Kann man also einem Gegner zu einem Spielertypen zuordnen so verfällt diese Spieler immer wieder in sein klassisches Muster.
Diese Mustererkennung ist sicherlich der entscheidende Vorteil eines guten Spielers gegenüber eines weniger guten Spielers und auf das Erlernen dieser Fertigkeit sollte man allerhöchste Priorität legen.

Mustererkennung
Untersuchungen zeigen, dass Menschen eher ein konsistentes Wahlverhalten haben.
Da wir in jedem Schritt beim Pokern vor eine Wahl zwischen check/bet, fold/call/raise bzw. fold/call gestellt werden, ist davon auszugehen, dass unsere Gegner maschinell bei vergleichbaren Situationen immer gleich handeln.
Somit kann man vermuten, dass ihre Präferenzen zielend (transitiv) sind.

Diese Mustererkennung ist eine reine Erfahrungssache.
Man kann einem lerneifrigen ps.Spieler dort nur den Tipp geben, sich das Verhalten der Spieler anzuschauen, während man nicht spielt. (immerhin in 80% der Fälle!)

2 Vermeiden eigener tells

Selbstsicht
Es ist ein Prozess der Selbsterkenntnis sich selbst richtig einzuordnen. Wem das gelingt, der hat es leichter im Leben und natürlich allegorisch auch beim Pokern.
Wenn ich über meinen Status als Rock/Maniac/TAG auf dem Tisch weiß, so kann ich auch Spielzüge meines Gegners besser einordnen.
Damit kann man das Spiel „ich weiß, dass Du weißt...“ spielen und schon beginnt der Antizipationswettkampf.

Konventionelles Spielen / table Image

Das table image ist eine reine Wahrnehmungsangelegenheit. Jeder versucht jeden einzuschätzen. Menschenkenntnis gegen Menschenkenntnis.
Eure Gegner versuchen, genau wie Ihr, Euch zu klassifizieren. Sie versuchen Euch in die oben genannten 4 Kategorien plus den Zusatz Gut/Schlecht zu ordnen. Nutzt dies, indem Ihr Eurem eigenen table-image trotzt. Seit unberechenbar.
- Spielt auch mal nicht nach SHC und bindet es alle Welt auf die Nase.
- donkbet / trashtalk
- Ein gezeigter Bluff verändert Euer table image.

Deception
Wenn Ihr ausschließlich mit guten Händen spielt und mit schlechten Händen foldet, so seid Ihr von Eurem Gegner zu leicht zu durchschauen. Deception (das tarnen und täuschen) soll Euch vor dem Lesen Eurer Hand schützen. Kein guter Spieler kann ohne diese Täuschungsmanöver leben. Die folgenden Tells sollte man zur Tarnung der eigenen Hand an den richtigen Stellen immer mal wieder einfügen.
-bluff
-semibluff
-slowplay
-donkbet
-check-raise
-check.behind
Sehr oft gewinnt Ihr vor dem showdown. Das findet ausschließlich im Kopf Eures Gegners statt.

4 Tipps

Zum Ende möchte ich noch den ein oder anderen Tipp geben, die mir bei der Bearbeitung des Themas „Online Tells“ ein-/ aufgefallen sind.

1 Deaktiviert die Buddylist: Ihr wollt in der Buddylist eines anderen Spielers stehen. Das hat sicher etwas mit Stolz zu tun und den Gedanken „...aber ich bin doch kein fish“
Doch wenn ein Gegner Euch in der Buddylist hat und Euch studiert hat, nimmt er Euch vielleicht viel Geld ab und Ihr merkt es nicht einmal. [PartyPoker//GameRules&Option//Hide Me From Search]

2 Aggression beim Gegner erzeugen: Wenn Ihr dreimal gegen einen Gegner durch sein folden gewinnt, denkt drüber nach, ein mal „trash-downcall“ zu machen und Ihn Eure Hand unter die Nase zu reiben. Das Emotionalisiert seine Sicht auf Euch und kann nur zu Eurem Vorteil sein.

3 Scare Card: Manchen Gegnern „merkt“ man an, dass sie mit der gerade erschienenen ScareCard nicht umgehen können. Nutz dies zu einem Bluff (nicht gegen Maniacs).

4 Stack: Eure eigene Stackgröße sollte angemessen sein. Zu Hoch lässt entweder auf Geltungssucht schließen oder auf einen sehr guten Spieler. Zu niedrig lässt auf „letzte Chance“ deuten. Alles fällt den Gegnern auf und es gibt gegen alles ein Mittel. Nur wollen wir ja, dass die Gegner unkonzentriert gegen uns spielen.

5 Wohnort: Die Herkunft des Gegners läßt keine Schlüße auf die Spielweise oder gar die Hand zu. Auch wenn im Forum gern und viel von den "schlecht spielenden" Amerikanern die Rede ist, gibt es auch sehr gut spielende Amerikaner. Es gibt auch schlecht/gut spielende Deutsche, Finnen und Dänen. Somit eignet sich diese Information nicht zur Deutung der Hand.

6 Anzahl der Mitspieler: Wenn sich die Anzahl der Mitspieler an einem Tisch lichten, so spielen die Spieler mit weniger guten Blättern.

7 Position: Laut T.J.Cloutier (Autor u.a. von How to Win the Championship: Hold'em Strategies for the Final Table) werden die meisten Bluffs auf der Position small blind und button gespielt (also der erste und der letze Spieler einer Setzrunde - je nach Board und Aggressivität der Spieler). Wenn man das weiß, kann man das schneller durchschauen und auch für sich einsetzen.

8 multi-tabling: Wenn man an mehreren Tischen auf seinem Level spielt und dort diverse Spieler sieht, dann kann man von maschinellen Spielen ausgehen und braucht nicht übermäßiger „trickness“ des Gegners erwarten.
Ist hingegen ein Spieler „nur“ an einem Tisch zugange (player-search-Fkt. von PP!), kann man nicht mit Aufmerksamkeitsprobleme rechnen.

5 Ressourcen:

http://www.pokerstrategy.com/
http://twoplustwo.com/

{*1*} Alle Prozentangaben wurden bei einem Online durchgeführten Fragebogen ermittelt von http://www.pokertop10.com/

ISBN: 3-492-23493-3 Lust am Spielen
ISBN: 348656448X Spieltheorie für Nichtmathematiker
ISBN: 3528269979 Glück Logik und Bluff
ISBN: B0000BLYV1 Spieltheorie und wirtschaftliches Verhalten
ISBN: 3528068973 Wer gewinnt das Spiel
ISBN: 3-9808562-4-0 Texas Hold'Em Poker